Dokumentarfilm: Bis bald, hoffentlich!

Das Aufbegehren und der Protest der Arbeiter in Besançon inspirierte die erste große Streikbewegung in Frankreich seit 1936 und stellte den Auftakt zur 68er-Revolte dar.

1967 drehten Chris Marker und Mario Marret den Dokumentarfilm „A bientôt j’espère“ (Bis bald, hoffentlich!) zur Unterstützung des Arbeitskampfes in der Textilfabrik Rhodiacéta im französischen Besançon.

Die Geschehnisse markieren einen Wendepunkt in der Geschichte sozialer Kämpfe, weil nicht Lohnerhöhungen oder eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen als zentrale Forderungen aufgestellt wurden, sondern eine generelle Verbesserung der Lebensbedingungen.

Damit erteilten die Arbeiter dem kapitalistischen System, das jedem Menschen die Art zu leben vorschreiben will, eine grundsätzliche Absage. Ein Jahr später, im Mai 1968, folgte ganz Frankreich ihrem Beispiel.

Das Aufbegehren und der Protest der Arbeiter in Besançon inspirierte die erste große Streikbewegung in Frankreich seit 1936 und stellte den Auftakt zur 68er-Revolte dar.

In „A bientôt j’espère“ beschreiben die Streikenden ihren Alltag, ihren Arbeitskampf und ihre Forderungen. Und sie üben Kritik an der Lebensweise, die ihnen von Dritten aufgezwungen wird. Der Dokumentarfilm endet mit der Aussage des Gewerkschafters George „Yoyo“ Maurivard, der die ewige Auseinandersetzung zwischen der arbeitenden und produktiven Bevölkerung auf der einen Seite und der sich durch Besitz definierenden Klasse auf der anderen beschreibt:

„Wir haben nicht groß was gegen die, die sich nur für Chefs halten, aber die, die das Kapital haben: Euch kriegen wir dran. Das ist der Lauf der Dinge, die Natur. Bis bald, hoffentlich.“

Der Dokumentarfilm

Als die Chris Marker und Mario Marret den Arbeitern den fertigen Film vorstellten, wurde er von diesen teilweise kritisiert, weil bedeutende Aspekte ihrer Erfahrung fehlten. Diese Kritik führte zur Gründung der Gruppe Medvedkine: die Arbeiterinnen und Arbeiter sollten selbst die Kamera in der Hand nehmen und die Regisseure lediglich die notwendige Technik vermitteln.

Die Gruppe Medvedkine, der sich neben Marker u.a. die Sängerin Colette Magny, der Dokumentarfilmer Joris Ivens und die Schauspielerin Juliet Berto anschlossen, drehte mehrere Filmen in Fabriken in Besançon und Sochaux. Darunter die Dokumentation „Mit dem Blut der Anderen“ (franz.: Avec le Sang des Autres), die sich mit dem Alltag der Arbeiter in dem Peugeot Autowerk in Sochaux auseinandersetzt.


Informationen zum Dokumentarfilm

A bientôt j’espère (Bis bald, hoffentlich!)

Frankreich, 1968 (Original mit deut. und engl. Untertitel)
Länge: 44 Minuten
Umsetzung: Gruppe Medvedkine
Regie: Chris Maker und Mario Marret

Der Dokumentarfilm ist Teil des Filmarchivs von Labournet.tv, einem Projekt von Content – Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.


Fotos: Labournet.tv

  1. Äh …. Was wollen Sie uns mit Ihrem Beitrag eigentlich sagen? Worüber soll oder kann man diskutieren?

    Ich kenne Besancon, weil ich dort gelebt habe; daher habe ich Ihren Artikel (zunächst) mit Interesse gelesen. Ich kenne auch diverse Umstände dieses Arbeiteraufstandes, der direkt zu einer völligen und endgültigen Vernichtung dieses Industriestandortes geführt hat – ich bin an den Fabrikruinen häufiger vorbeigefahren.
    Ausnahmslos alle Beschäftigten waren nach dem Aufstand, bei die „Aufständischen“ u.A. die Fabrikleitung gefangen genommen und mit dem Tode bedroht hatten, arbeitslos.

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    1. Vielen Dank für den Kommentar und die Frage. Das Ereignis liegt 50 Jahre zurück und der Dokumentarfilm, der nach unserer Recherche in keinem deutschen Kino gezeigt wurde in diesem Jahr, ist ein bedeutsames Dokument der Zeitgeschichte, dass von Labournet.tv gesichtet und archiviert wurde. Wir geben regelmäßig Hinweise auf Filme oder Dokumentationen, die aus der jeweiligen Perspektive bedeutsam erscheinen – ohne aber vorzugeben, wie diese zu bewerten sein sollten. Da halten wir die Leserschaft für kritisch genug, sich eine eigene Meinung zu bilden. So auch in diesem Fall, wo die Geschehnisse aus der Sicht der arbeiten Menschen und ihres Umfeldes beschrieben werden. Was kann diskutiert werden, fragen Sie berechtigt und liefern eine Antwort. Zum Beispiel das Bossnapping, eine Erscheinung militanter Arbeitskämpfe, was uns bekannt ist aus den Streiks und der Werksbesetzung bei den Uhrenfakriken von Lip in den 1970ern über die wir an dieser Stelle berichteten bzw. auf ein entsprechendes Zeitdokument hinwiesen. Ob das Mittel statthaft gewesen ist, unter dem Eindruck sozialer Verwerfungen, die ausgelöst wurden durch Personalabbau und Massenentlassungen, wäre ein solcher Punkt der Diskussion. Nämlich unter dem Aspekt, was Betroffene tun können, wenn ihre Lebensgrundlage, also die Erwerbsarbeit, entweder entzogen wird aus reiner Profitmacherei, die sprachlich als Optimierung, Strukturierung, Anpassung an Märkte u.a.m. verschleiert wird oder wie es sich durch technische Innovation ergibt, die ganze Branchen wegfegen. Ein Beispiel wäre die Erfindung der Digitaluhr, der das Berufsbild des Uhrmachers fast überflüssig machte. In der Gegenwart wäre der Bankensektor vielleicht ein gutes Beispiel, wo menschliche Arbeitskraft binnen kurzer Zeit überflüssig wird und Jobs ersatzlos entfallen, da Software und KI die Aufgaben übernehmen können und auch tun. Daraus leiten sich vielfältige Fragen ab, die die Arbeitswelt grundsätzlich betreffen.

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  2. Der Sachverhalt war nach meinen Informationen folgender:
    Die Fabrik in Besançon sollte an ein Schweizer Unternehmen verkauft werden. Die Arbeiter hegten die wohl berechtigte Befürchtung, dass daraufhin Arbeitsplätze abgebaut würden. Im Verlauf der Proteste wurden Führungskräfte wohl auch des Schweizer Unternehmens gefangen gesetzt und bedroht.
    Das Schweizer Unternehmen zog daraufhin sein Angebot unmittelbar zurück, die Firma in Besançon meldete Konkurs an und schloss ihre Pforten.
    Alle Arbeiter und Angestellten wurden arbeitslos.
    Ich kann dazu nur sagen: Recht ist ihnen geschehen.

    [Gelöscht von Admin: Konstruieren Sie keine fantastischen Schauergeschichten, sondern benennen Sie konkrete Fakten und Quellen, die belegen, was Sie schreiben.]

    Allerdings möchte ich die möglicherweise aufkommende Diskussion nicht als einziger mit dem Blogbetreiber durchführen. Sollten kein anderen Leser seine Meinung äußern, betrachte ich den Austausch als beendet.

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