Medien: Drohendes Aus für Wiener Zeitung

Die Wiener Zeitung ist die älteste Tageszeitung der Welt. Sie erscheint seit 1703. Herausgeber ist die Republik Österreich. Die Sparpolitik der ÖVP-FPÖ-Regierung, die das Bekenntnis zur Informationsfreiheit schuldig bleibt, könnte für das Nachrichtenblatt das Ende bedeuten.

Vor mehr als 310 Jahren als „Wiennerisches Diarium“ gegründet, gilt die Wiener Zeitung heute als älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Dass sie zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich steht, könnte ihr nach dem Antritt der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung zum Verhängnis werden. „Sparen“ heißt die von der rechten Regierung ausgegebene Losung nämlich auch im Mediensektor.

Finanzielle Basis für das Nachrichtenblatt ist seine Funktion als Amtsblatt, ein guter Teil des Umsatzes entsteht über Pflichtveröffentlichung von Staat und Unternehmen wie etwa Ausschreibungen öffentlicher Stellen.

Nun legen ÖVP und FPÖ in ihrem neuen Regierungsprogramm die „Streichung der Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung“ fest, womit eine wesentliche Einnahmequelle der Zeitung versiegen würde. Ein potentieller Verlust, den das Blatt mit gewöhnlichen Abo-Einnahmen nicht auffangen kann – erzielt es Schätzungen zufolge doch bis zu 90 Prozent des Umsatzes aus den Pflichtveröffentlichungen und hält sich damit schon jetzt nur knapp in den schwarzen Zahlen.

Zwar verfügt die Wiener Zeitung mit einer Auflage von maximal 45.000 Exemplaren über eine relativ geringe Reichweite am Zeitungsmarkt, doch bildet sie mit ihrer sachlichen und unvoreingenommenen Berichterstattung einen unverzichtbaren Gegenpol zum rechten Mainstream der hierorts stark vertretenen Boulevardblätter KroneHeute und Österreich.

Für die neue Regierung, die sich auf eben diesen Boulevard stützt, wäre das Ende der seit 1703 erscheinenden Qualitätszeitung kein allzu großer Verlust. Seine Abneigung gegen kritischen Journalismus zeigte das türkis-blaue Gespann etwa mit der Ankündigung, Kanzler und Vizekanzler nach den Ministerratssitzungen künftig „nur noch in Ausnahmefällen“ vor die Presse treten zu lassen – ein Akt, der bislang üblich und selbstverständlich war. Journalistenvereinigungen kritisieren das fehlende Bekenntnis der neuen Regierung zur Informationsfreiheit.

Ob und in welcher Form die Wiener Zeitung weitergeführt werden wird, ist derzeit noch Verhandlungsthema von ÖVP-Medienminister Gernot Blümel und dem Aufsichtsrat des Zeitungsverlages. Grund zum Optimismus besteht – angesichts der geplanten ressortübergreifenden Kahlschlagpolitik von ÖVP und FPÖ – jedoch kaum.

Für die heimische Medien- und Kulturlandschaft hat sich der im Wahlkampf als „Neuer Weg“ angekündigte Kurs der rechten Regierung binnen kürzester Zeit in gefährlicher Weise bemerkbar gemacht.


Hinweis: Der Beitrag von Danijel Jamrič erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Unsere Zeitung – Die Demokratische.


Foto: Redaktionsgebäude der Wiener Zeitung bis August 2012, Wiedner Gürtel 10 (Manfred Werner/Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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