Der Preis des Profits: Global steigende Armut, sinkende Bildung, miese Gesundheit

Das reichste Prozent der Menschen strich 82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögenswachstums ein, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung leer ausging. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam fordert in dem Report „Reward Work, not wealth“ die Politik zum Handeln auf: Menschen sind wichtiger als Profite – dies ist das Gebot der Stunde! Ein Bericht von Robert Manoutschehri.

Die neuesten Erhebungen zur weltweiten Vermögensverteilung hat Oxfam, ein internationaler Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt.

Der Bericht „Reward Work, not Wealth“ verdeutlicht, wie sich die Lücke zwischen Arm und Reich weiter vergrößert und wie Konzerne und Superreiche ihre Gewinne erhöhen, indem sie Löhne drücken und Steuern vermeiden – auf Kosten von Arbeitern und Angestellten sowie des Allgemeinwohls.

82 Prozent des globalen Vermögenswachstums gingen im letzten Jahr an das reichste Prozent der Weltbevölkerung, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung stagnierte. Das reichste Prozent besitzt damit weiterhin mehr Vermögen als der gesamte Rest der Weltbevölkerung.

Globale Vermögensverteilung - Ein Prozent der Menschen besitzt mehr als der Rest zusammen. (Foto: ©Oxfam)

Globale Vermögensverteilung: Ein Prozent der Menschen besitzt mehr als der Rest zusammen. (Grafik: ©Oxfam)

Die Anzahl der Milliardäre und Milliardärinnen wuchs zwischen 2016 und 2017 so stark wie nie zuvor; ihr Vermögen stieg dabei zusammengenommen um 762 Milliarden US-Dollar. Diese Summe ist das Siebenfache dessen, was erforderlich wäre, um alle Menschen aus extremer Armut zu befreien.

Laut dem Bericht wuchsen die Vermögen der Milliardäre im letzten Jahrzehnt durchschnittlich jährlich um 13 Prozent, die Löhne von Arbeitern und Angestellten dagegen nur um 2 Prozent. Zudem gehen Lohnzuwächse hauptsächlich an die Spitze der Einkommensskala. Zwischen 1980 und 2016 erhielt das oberste Prozent der Spitzenverdiener 27 Prozent des globalen Einkommenswachstums. Und: Die Mehrheit der am besten bezahlten Angestellten sind Männer.

Das reichste Prozent der Bevölkerung drückt sich zudem durch Steuertricks um Steuerzahlungen von etwa 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Indem sich Konzerne und Superreiche ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, verursachen sie immense Kosten. Entwicklungsländern entgehen durch die Steuervermeidung mindestens 170 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen pro Jahr.

Auch hierzulande sind wird von den gravierenden Folgen sozialer Ungleichheit betroffen: Unser Bildungssystem macht es Kindern aus einkommensschwachen Familien schwer, denselben Bildungsstand zu erreichen wie Kinder aus besser verdienenden Haushalten und schränkt die soziale Mobilität ein. Menschen in strukturschwachen Regionen sterben sogar im Schnitt sieben Jahre früher als Menschen in wohlhabenden Gegenden.

Schlechte Bildung und fehlende Gesundheitsversorgung führen dazu, dass Millionen von Menschen in einem Kreislauf aus Armut und sozialer Ungleichheit gefangen sind, der sich über Generationen fortsetzt. Sie haben oft keine Chance auf eine gut bezahlte Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben in Würde. Zudem verarmen jedes Jahr 100 Millionen Menschen, weil sie für Gesundheitsversorgung bezahlen müssen.

Diese extreme Ungleichheit hält Menschen in Armut gefangen, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ist ökonomisch kontraproduktiv und in der Konsequenz für uns alle katastrophal.

Diese Ungleichheit gefährdet zudem Demokratie und Gesellschaft: Sie heizt politische Krisen an, in denen es einerseits Vermögenden und großen Konzernen gelingt, die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen und andererseits verlieren Menschen das Interesse an Wahlen und Politik oder treiben sie in rechtspopulistische antidemokratische Bewegungen, weil sie ihre Belange nicht repräsentiert sehen.

All dies sind Folgen politischer Entscheidungen, die geändert werden können und müssen. Um die weltweit rasant zunehmende Ungleichheit zu überwinden, richtet Oxfam drei zentrale Forderungen an Politik und Weltwirtschaft:

Gerechte Steuern, Steuervermeidung Superreicher stoppen

Gewinne müssen dort versteuert werden, wo sie tatsächlich erwirtschaftet werden – wozu transparente, öffentliche, länderbezogene Berichterstattung nötig ist. Eine umfassende Finanztransaktionssteuer und international verbindliche Mindeststeuersätze müssen vereinbart werden. (Im Detail hier)

Faire Einkommen für Frauen und Männer

Die Empfehlungen dazu umfassen u.a. die Anhebung der gesetzlichen Mindestlöhne und die verpflichtende Umsetzung der UN-Leitprinzipien zu Wirtschaft, Arbeits- und Menschenrechten. (Im Detail hier)

Investitionen in Bildung und Gesundheit für alle

Dies u.a. mit einer Erhöhung der Bildungsfinanzierung auf 20 Prozent der gesamten Entwicklungszusammenarbeit und Investitionen von mindestens 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens in globale Gesundheit. (Im Detail hier)

Bericht von Oxfam in deutscher Übersetzung als PDF zum Download – Der Preis der Profite


Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Wien.Über den Autor: Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Österreich. Er engagiert sich ehrenamtlich für zahlreiche Bürgerinitiativen und NGO’s. Robert Manoutschehri lebt in Wien. Sein Beitrag erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Unsere Zeitung – Die Demokratische.


Fotos: Oxfam.org und Marija Zaric; Unsplash.com


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