Dokumentation: Fernand Pelloutier und die Arbeitsbörsen

Fernand Pelloutier (1867 – 1901) gilt als früher Verfechter anarcho-syndikalistischer Ideen. Er wurde nicht nur bekannt für seinen Anteil an der Entstehung der Arbeitsbörsen, sondern auch für seine Verteidigung des Generalstreiks als effektivstes Mittel, um eine revolutionäre Situation herbeizuführen.

Die 2002 von Filmemacher Patrice Spadoni realisierte Dokumentation „Fernand Pelloutier und die Arbeitsbörsen“ (Original mit deut. Untertitel auf der Seite von Labournet.tv) skizziert die Lebensgeschichte des französischen Schriftstellers, Sozialrevolutionärs und Aktivisten Fernand Pelloutier und die Ideen der anarchistischen Gewerkschaftsbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

„Vertraut darauf, bald sind die Kassen der Arbeiter gut genug gefüllt für den Generalstreik, der die alte Welt bezwingt.“

(Fernand Pelloutier, 1889)
Fernand Pelloutier war ein französischer Journalist und Anarchist. (Foto: Musée social; gemeinfrei)

Fernand Pelloutier (1867 – 1901) war ein französischer Journalist und Anarchist. (Foto: Gemeinfrei)

Fernand Pelloutier (1867 – 1901) gilt als früher Verfechter anarcho-syndikalistischer Ideen. Er wurde nicht nur bekannt für seinen Anteil an der Entstehung der Arbeitsbörsen, sondern auch für seine Verteidigung des Generalstreiks als effektivstes Mittel, um eine revolutionäre Situation herbeizuführen. Seine Überlegungen beeinflussen die anarcho-syndikalistische Bewegung bis heute.

Pelloutier, der mit seinem Freund und späteren Friedensnobelpreisträger Aristide Briand die Broschüre De la révolution par la grève générale (deut.: Über die Revolution durch den Generalstreik) verfasste, setzte sich als Journalist intensiv mit den Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in Frankreich auseinander, um zu verstehen, welche Möglichkeiten es für Bewegungen von unten gab. Lokale Gewerkschaftskartelle sind eine dieser Optionen.

1895 wird Pelloutier zum Sekretär der „Fédération nationale des Bourses du Travail“ gewählt und entwickelt in dieser Funktion die Arbeitsbörsen weiter. Es sind Organisationsformen der Solidarität, die auf Gegenseitigkeit und Unterstützung setzen. Es entstehen Solidaritäts-, Kranken- und Arbeitslosenkassen und Arbeitsvermittlungen.

Sie boten als Versammlungsort Freiraum für eine alternative Gegenkultur, für Berufsbildungskurse, kulturelle Veranstaltungen und ermöglichten gelebte Solidarität zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen.

Die Zahl der Arbeitsbörsen, die sich zu Zentren des Arbeiterwiderstands entwickelten, wuchs auf über 81.000 an. Pelloutier sah ihr übergeordnetes Ziel in der „Revolution durch den Generalstreik“. Erlebt hat er die Revolution nicht. Pelloutier, der sein Leben lang an Tuberkulose litt, starb 1901.


Informationen zur Dokumentation

FERNAND PELLOUTIER UND DIE ARBEITSBÖRSEN

Frankreich (2002): Original mit deutschem Untertitel auf der Seite von Labournet.tv
Länge: 59 Minuten
Regie & Drehbuch: Patrice Spadoni

Die deutsche Fassung der Dokumentation wurde von Sabcat Media mit Unterstützung der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt realisiert und kam 2015 in die Kinos. Sie ist Teil des Filmarchivs von Labournet.tv, einem Projekt von Content – Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.


Fotos: Sabcat Media und Wikipedia (Gemeinfrei)


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