Katalonien: Zeit für Unabhängigkeit

Connor Hartigan hat sich darüber Gedanken gemacht, warum Katalonien unabhängig sein sollte – und warum Amerikaner die katalanische Republik unterstützen sollten.

Ich bin hier, um den Fall der katalanischen Republik zu vertreten. Denjenigen, die überrascht „Huh?“ dachten, nachdem sie diesen Satz gelesen habe, möchte ich einen kurzen Überblick geben.

Katalonien, eine kulturell und sprachlich abgegrenzte Region, die derzeit von Spanien beansprucht wird, kämpft für die Unabhängigkeit. Nach einem Referendum im Oktober und einer anschließenden Unabhängigkeitserklärung durch das katalanische Parlament setzte die spanische Zentralregierung die autonome Verwaltung Kataloniens ab und zwang durch Strafverfolgung (Anm. d. Red.: U.a. Vorwurf des Aufstands und des Aufruhrs) führende Politiker, darunter auch Kataloniens Präsident Carles Puigdemont, nach Belgien zu fliehen. Andere katalanische Politiker werden zurzeit in Gefängnissen festgehalten.

Im Dezember gewannen die Unabhängigkeitsparteien bei einer neu angesetzten Regionalwahl jedoch wieder die Mehrheit. Jetzt haben sie das Parlament unter Kontrolle. Präsident Puigdemont soll wiedergewählt werden, notfalls, um aus dem Exil zu regieren, aber der spanische Staat bleibt so unnachgiebig wie immer.

Der Konflikt zwischen Katalonien und Spanien ist nicht neu. Die Katalanen haben jahrhundertelang unter spanischer Herrschaft gelebt und wurden fortwährend unterdrückt, unter anderem durch den faschistischen Diktator Francisco Franco, der Manifestationen der katalanischen Kultur als eine Bedrohung für die Einheit Spaniens ansah, diese verbot, und dessen Regime erst mit seinem Tod 1975 endete.

Auch nach dem „demokratischen“ Übergang Spaniens, der Transición, und der Etablierung einer halbautonomen katalanischen Regierung, änderten sich die Grundlagen für die jetzige Situation nicht.

Die rechtsgerichteten Regierungen in Madrid haben gegen die katalanische Stimmung gehandelt, um Wahlen zu gewinnen, und haben wiederholt die sozial und wirtschaftlich progressive katalanische Gesetzgebung umgestoßen.

Angesichts dieser Feindseligkeit fühlen Katalanen zu Recht, dass die spanische „Einheit“ ein toxisches System ist, das sie unterwürfig macht, wodurch sich der leidenschaftliche Drang nach einer unabhängigen Republik teilweise erklärt.

Warum sollte uns Amerikaner diese Angelegenheit interessieren, die einen Ozean entfernt von uns passiert?

Als Amerikaner ist Demokratie unser Gründungscredo. Unsere Nation wurde begründet durch eine republikanische Revolution gegen die Herrschaft eines fernen Königs, und wir glauben an das Recht der Menschen, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.

Der demokratische Aktivismus der Katalanen hat nichts als Unterdrückung aus Spanien gebracht. Am Tag des Referendums entsandte Madrid bewaffnete Polizisten (darunter die Guardia Civil, eine paramilitärische Truppe, die während des Spanischen Bürgerkriegs an der Seite Faschisten von Francisco Franco stand), um Wahllokale zu durchsuchen, die Wahlurnen zu entfernen und gegen die Wähler auch mit Gewalt vorzugehen.

Vier katalanische Anführer der Unabhängigkeit – Oriol Junqueras, Joaquim Forn, Jordi Sanchez und Jordi Cuixart – sitzen in spanischen Gefängnissen für ihre Rolle bei der Organisation der Abstimmung. So sollte sich eine moderne Demokratie, für die sich Spanien ausgibt, nicht verhalten. Es ist schlicht eine Ungerechtigkeit.

Viele Menschen – auch an meiner Schule – bemühen sich, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sie fordern ein Ende von Rassismus und Sexismus, eine freundlichere Einstellung gegenüber Flüchtlingen und Einwanderern, und Gerechtigkeit in Amerika.

Ich weiß es, weil ich unter ihnen bin. Ich frage sie jetzt, dass sie – wir – einen Blick auf Gerechtigkeit und Aktivismus werfen müssen, der über die amerikanischen Grenzen hinausgeht.

Es mag willkürlich erscheinen, sich in eine europäische Frage zu involvieren, aber im 21. Jahrhundert ist die Welt klein. Katalonien verdient unsere Unterstützung im Kampf für die Unabhängigkeit von einem starren, hierarchischen Staat.

Und zu den Katalanen sage ich: Endavant, amics. Vorwärts!


Connor Hartigan ist ein Autor aus den USA.Über den Autor: Connor Hartigan lebt in Connecticut (USA). Er ist Schüler und Redakteur einer Schulzeitung. Auf seinem Twitter-Account @hartigan_connor schreibt und berichtet er über amerikanische Politik und die Unabhängigkeit Kataloniens.


Foto: Di Maitland (Unsplash.com)


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