Dokumentarfilm: Ende der Vertretung

Vor zehn Jahren endete in Deutschland die härteste Tarifauseinandersetzung, die es bis dahin im Einzelhandel gegeben hat. Die Streiks und Arbeitskämpfe zogen sich über 18 Monate hin. Das Ergebnis war ernüchternd.

Bärbel Schönafinger begleitete die Streikenden über mehrere Monate mit der Kamera. In dem 2009 entstandenen Dokumentarfilm „Ende der Vertretung“ startet Schönafinger den Versuch, die Hintergründe und Zusammenhänge des Konflikts zu verdeutlichen. Beachtenswert ist die kritische Darstellung der Beziehung zwischen den Streikenden und den Gewerkschaften, die sich eben nicht verlässlich mit den Arbeiterinnen und Arbeitern solidarisierten. Hintertüren für den Rückzug blieben offen.

Sehr klug setzt Bärbel Schönafinger den gesprochenen Kommentar ein. Am Ende wünscht man sich, dass dies der erste Film von vielen über das Thema sein möge.

Aus: Sozialistische Zeitung, Juli 2009

Die Situation der Beschäftigten im Einzelhandel, darunter viele Frauen in Teilzeit oder alleinerziehend, hatte sich über die Jahre drastisch verschlechtert. Während die Arbeitsbelastung stieg, blieben die Löhne hinter den Steigerungen bei den Lebenshaltungskosten zurück. Gleichzeitig strichen die Unternehmen immer größere Gewinne ein. Zwischen 2000 und 2006 stiegen die Löhne lediglich um 11,4 %, während die Gewinne der Unternehmen um 64,3 % zulegten.

Doch das reichte nicht. Ende 2006 sollten die Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit gekürzt werden. Die Unternehmen kündigten den Tarifvertrag. Der Versuch, weiteren Profit aus den Beschäftigten zu pressen, bildete den Auftakt für den Tarifkonflikt.

Die ohnehin weitestgehend prekär Beschäftigten traten entschlossen in den Ausstand und forderten 6,5 % mehr Lohn. Am Ende wurden die Löhne und Gehälter rückwirkend zum 1. April 2008 um drei Prozent erhöht. Als Ausgleich für das Jahr zuvor gab es eine Einmalzahlung von 400 Euro.

In Filmen sind wertvolle Erfahrungen von Menschen gespeichert, die sich aufgelehnt haben, um das Arbeitsleben erträglicher zu gestalten – die dürfen nicht verlorengehen.

Bärbel Schönafinger im Interview mit JW, 2011

Der Dokumentarfilm „Ende der Vertretung“ sucht nach Antworten auf die Frage, weshalb die Beschäftigten und ihre Organisationen nicht in der Lage gewesen sind, sich gegen die Unternehmen durchzusetzen. Beleuchtet wird deshalb neben dem Engagement der Arbeiter und Arbeiterinnen im Streik, auch das Handeln der Streikleitung und die Rolle der Betriebsräte.


Informationen zum Dokumentarfilm

ENDE DER VERTRETUNG

Deutschland: 2009
Länge: 56 Minuten
Regie: Bärbel Schönafinger
Realisierung: kanalB

Der Dokumentarfilm ist Teil des Filmarchivs von Labournet.tv, einem Projekt von Content – Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.


Titelbild: Streetart Künstler Banksy (eigenes Werk), CC BY-SA 3.0 (Anmerkung: Foto auf Format beschnitten; Link zum Original.)

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