Das ist doch irre: Kann man im System noch psychisch gesund sein?

Psychische Gesundheit ist mehr als das Fehlen eines psychopathologischen Etiketts.

Die Feststellung einer psychischen Erkrankung ist in der aufgeklärten Gesellschaft sozial-, arbeits- und strafrechtlich ein Fortschritt gegenüber der in der Vergangenheit üblichen pauschalen Ächtung oder gar Wegsperrung der „Unnormalen“. Doch genügt das?

Medizin und Psychotherapie beziehen heute die Diagnose einer psychischen Erkrankung in die gesellschaftlich unterstützte Versorgung ein. Die betroffenen Menschen werden, zumindest sollte es so sein, aufwendig unterstützt und vom Geruch der Selbstverschuldung weitestgehend befreit. Das ist gut.

Doch die psychische Erkrankung wird im Gegensatz zu einer körperlichen Erkrankung ungleich schneller zum Etikett, weil eine Chronifizierung, also der Übergang von der vorübergehenden zur dauerhaften Präsenz einer Erkrankung oft vorausgesagt wird.

Lax ausgedrückt: Irre bleibt irgendwie irre, verrückt bleibt wohl verrückt, gestört bleibt gestört.

Misstrauen bezüglich dieser Etiketten muss spätestens dann wach werden, wenn sich Krankheitszuschreibungen und Diagnosen im Laufe von soziokulturellen Veränderungen wandeln:

Wenn der Homosexuelle nicht mehr krank ist, sondern normal. Wenn die Diagnose einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung bei Kindern und Jugendlichen keine Besonderheit mehr darstellt, sondern als Erscheinung förmlich explodiert. Wenn die Zunahme an Depressionen und Angstzuständen nicht als Belanglosigkeit abgetan, sondern als Warnsignal für eine sich krankhaft überschleunigende Gesellschaft akzeptiert wird. Aber auch, wenn Menschen, denen einmal eine psychische Störung zugeschrieben wurde, dieses Label kaum noch ablegen können.

Solche Veränderungen – ob sie nun zu begrüßen sind oder nicht – zeigen, wie die Krankheitszuschreibung soziokulturell geprägt ist und wie Etiketten ein Eigenleben bekommen. Dies wirft wichtige Fragen auf:

Wozu braucht die Gesellschaft den Krankheitsbegriff für die psychische Seite des Menschen?

Was ist oder was sind die Funktionen unserer gängigen Psychopathologie?

Wofür sind sie funktional und wozu dienen sie?

Wie profitieren Betroffene, wie profitiert die Gesellschaft und wie profitieren die mit Diagnostik und Behandlung befassten Berufsgruppen?

Psychische Störung als Endlosschleife

Ich beginne bei letzterer Fragestellung und greife den einschlägigen Prospekt eines Fachverlages heraus. Dort scheint das Angebot an Büchern, die die Wörtchen „Störung“ und „Pathologisch“ direkt oder indirekt im Titel tragen, fast endlos:

Persönlichkeitsstörungen, selbstverletzendes Verhalten, sexueller Missbrauch, Flugphobie, pathologisches Grübeln, körperdysmorphe Störung, Bulimia nervosa, Pathologisches Kaufen, Spielsucht, Internetsucht, Pathologisches Horten, Sexuelle Funktionsstörungen, Psychosen, Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung, Sexuelle Sucht, Binge-Eating-Störung, Burnout, Adipositas, Ärgerbezogene Störungen, Suizidalität, Depression, Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie, Prüfungsangst, Zahnbehandlungsphobie, Hypochondrie und Krankheitsangst, Zwangsgedanken, Trichotillomanie, Stottern, Tabakabhängigkeit, Stimmenhören und Wahn, soziale Angststörung, Chronisches Erschöpfungs-Syndrom, Dissoziative Störungen …

Diese Gebiete sind für Fachverlage thematisch ein großes und kommerziell ein lukratives Feld, unter anderem wegen der Spezialisierung der Therapeuten und durch die Vielzahl an Fortbildungsveranstaltungen.

Aber die Anerkennung solcher Störungen als Krankheiten entzieht sich schon weitgehend der öffentlichen Diskussion. Die Politik stellt nicht mehr infrage, dass die Therapie der psychischen Störungen in den Finanzierungsbereich der Krankenkassen fällt. Damit ist die Existenz anerkannter Psychotherapeuten gesichert, die noch viel mehr zu tun hätten, würde das Feld der Störungen ausgeweitet.

Warum gibt es eigentlich keine Massen-Mitlauf-Störung oder das Krankheitsbild Werbe-Verführbarkeit? Eine TV-Sucht ließe sich mit etwas Mühe und Argumentationsgeschick in den Klassifikationen des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Anm.: Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen; DSM) unterbringen oder mithilfe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten in die psychischen und Verhaltensstörungen einordnen.

Aber wie steht es mit den Massenphänomenen Entwurzelung oder Vereinzelung aus? Wo gehören die hin? Was ist mit der Neigung vieler Menschen zum raschen Abbruch von zum Beispiel Beziehungen? Die verbreitete Bindungsunfähigkeit ist nicht zu übersehen. Sind diese Störungen zu häufig, um noch aufzufallen oder gar therapierbar zu sein?

Die Menschheit unter Generalverdacht

Der Respekt vor psychischen Erkrankungen beziehungsweise den Menschen, die betroffen sind, hat Begrüßenswertes an sich. Es zeigt sich aber auch eine wenigstens problematische Tendenz: Die Fixierung auf die Möglichkeiten des „Versagens“ der betroffenen Menschen, also auf ihre „Störungen“, wirkt umfassend auf die gegenseitige Wahrnehmung. Aber auch auf die Selbstwahrnehmung und auf die Therapie, die eine Hilfe zur Veränderung darstellen soll.

Allein die Fragestellung entscheidet bereits über die Suche nach dem Ist- und vor allem nach dem Sollzustand. Wenn ich kranke, „abweichende“, also verdächtige Symptome suche, werde ich möglicherweise bei vielen, wenn nicht bei allen Menschen fündig. Das kann sich jeder etwa so vorstellen:

Die tägliche Putzerei meines Nachbarn scheint mir an der Grenze zur Zwanghaftigkeit, seine passiven Stunden wecken bereits den Verdacht einer chronischen Depressivität, und sein aktueller Rückzug in die Einsamkeit sieht mir schon nach einer schizoiden Persönlichkeitsstörung aus.

Wenn er meinen prüfenden Blick oder meine entsprechenden Fragen mitkriegt, versucht er sich diesbezüglich zu verstecken, was mich noch misstrauischer macht. Oder er bietet mir seine Merkwürdigkeiten fast an, um in einer Ecke (nämlich der Krankheit) Schutz zu suchen, weil er Überforderungen aus dem Weg gehen will. Letzteres ist ja auch schon wieder verdächtig.

Die ideologische Ablenkung vom unzureichenden Miteinander

Symptome sind durchaus oft Hilferufe. Sie drängen oder erzwingen vom Betroffenen, sich Unterstützung zu suchen. Aber sie sind selten der Kern der Problematik. Die alten „Innen-Sucher“, also jene Experten, die die wahren Ursachen tief in der Psyche des Menschen suchen, freuen sich allerdings zu früh, wenn sie solche Sätze lesen. Denn der Kern der Problematik ist nicht „tief“ in den Menschen selbst zu finden, sondern eher dicht um sie herum.

Es ist die fehlende Hilfe im natürlichen sozialen Umfeld, die Gegenseitigkeit, das fehlende Vertrauen der Menschen untereinander. Aber auch die beständige Überforderung, in die sich hineinmanövriert wurde oder in die die betroffenen Menschen hineinmanövriert worden sind.

Es sind oft genug langfristige Entwicklungen, die zum Beispiel aus unsinnigen Haltungen, etwa aus übertriebener Selbstständigkeit oder Selbstüberforderung in der „beruflichen“ Karriere, resultieren.

Die soziokulturell inzwischen weit entwickelte Individualisierung, diese völlig übertriebene Vereinzelung, verdammt die Menschen dazu, alles mit sich selbst auszumachen und zwingend sie förmlich, Schwächen zu überdecken. Nicht nur vor anderen, sondern, und hier liegt eine Dramatik, auch vor sich selbst. Dies geschieht oft bis zum Zusammenbruch. Das dann unterstellte „Tief-Drinnen“ ist eine optimale weil gelungene ideologische Ablenkung vom unzureichenden Miteinander.

Mauern aus Blech und die Unterwerfung als Normalität

Die Vereinzelung und Isolation ist schon lange auch im Städtebau verfestigt und quasi materialisiert. Nachbarschaften sind durch Straßen zerschnitten, Straßen voller Blechlawinen, und bieten keine echten Nachbarschaften mehr.

SUV-förmige Autos, diese Geländelimousinen, die gar nicht ins Stadtbild passen, haben die Pufferzone zwischen den Menschen vergrößert. Sie bieten nicht nur Schutz im verkehrstechnischen Sinne, sondern vor allem Schutz vor anderen Menschen. Man braucht ihn auch, diesen Schutzwall aus Blech, da man ja ständig von potenziellen Gegnern umgeben ist: Konkurrenz statt Kooperation, Isolation statt Gemeinschaft.

Oft besteht die individuelle Konsequenz des Zusammenbruchs – und des in der Folge erteilten Etiketts – in einer weiteren Verschärfung der Vereinzelung. Man hat sich abgestempelt und man ist abgestempelt.

Manchmal wenden sich andere Menschen mitleidig zu. Und die Fachleute, sie zerlegen alles. Sie rücken mit ihren speziellen Methoden an, finden noch mehr Sonderlichkeiten und drücken weitere Stempel auf.

Vergleichen, verstecken, abtauchen

Ein weiterer Aspekt der Frage nach der Verbreitung psychischer Störungen ist der Anspruch auf ein durchgängiges Glücksgefühl bei vielen Menschen und auf durchgängige Funktionstüchtigkeit vonseiten der Gesellschaft. Abweichungen müssen rasch „behandelt“ werden, weil sie den angepassten Ablauf beeinträchtigen. Je früher, desto besser. Es könnte ja noch schlimmer werden. Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft und des Individuums passen dabei perfekt zueinander.

Menschen müssen mit etwas zurechtkommen, was bei Tieren noch kein Problem ist: Sie nehmen nicht nur wahr, was gerade ist, sondern auch, was kommen könnte und was in vergleichbarer Lage war.

Diese Fähigkeit des Vorausschauens, das Antizipieren macht sie oft unglücklich. In der Freude können sie an deren Ende denken. In der elenden Lage vergleichen sie sich mit den Glücklichen. Sie tendieren dazu, künstlich das glückliche Gefühl zu verlängern, obwohl es nur ein Zeichen ist. Sie lösen es von der dienenden, der Signal gebenden Funktion in Richtung einer Verselbstständigung, als wäre es erstrebenswert, ein für alle Mal satt zu sein.

Die Zerreißproben, in die Menschen gestellt sind, führt bei vielen dazu, lieber in den Tag hineinzuleben. Das Planen wird den Mächtigen und Reichen überlassen. Der Verbrauchermarkt funktioniert nach diesen Gesetzen. Nur im Feld der Karriere wird das Unerträgliche ausgehalten.

Entsprechend wird der Mensch manipulierbar und auch manipuliert. Je nach Stellung in der Gesellschaft ist diese Unterwerfung „normal“. Ecken und Kanten werden abgelegt, Widerspruch bleibt aus, es wird sich eingeordnet – es wird sich versteckt. Dieses Verhalten will und muss gelernt sein. Wer es nicht lernt, hat oder bekommt Probleme, die leicht in Richtung Diagnose rutschen.

Gerade auch im sozialen Kontext ist immer und überall das Vergleichen und Verstecken anzutreffen: Andere Menschen scheinen glücklicher, obwohl sie oft nur die glückliche Seite zeigen. Andere machen und können es besser, auch wenn diese es nur besser verstehen, ihre Fehler und Schwächen zu verdecken.

In dem System der gegenseitigen Bewertung materialisiert sich der Vergleich. Er nimmt in seiner Ausprägung die Form eines unnatürlichen Anpassungsmechanismus an und führt dabei das Subjekt teilweise bis zur völligen Selbstverleugnung.

Der Besser-Darsteller, der seinen Lebenslauf bis zur Unkenntlichkeit frisiert, bekommt den Job, der authentische Charakter, der seine Schwächen benennt, bleibt vor der Tür.

In der Politik verblasst der ruhige und fachlich geeignete Kandidat in der hinteren Reihe, während der polternde Selbstdarsteller ohne Qualifikation, der in jede Kamera lächelt, Karriere macht. Ob er die Interessen der Wähler umsetzt oder nicht, fällt kaum auf, weil echte Veränderungen vielleicht erst weit nach seiner Amtszeit spürbar werden.

Der Aktienkurs der Gesellschaft steigt, die die geschicktere Öffentlichkeitsarbeit an den Tag legt, selbst wenn sie die Verbraucher betrügt oder belügt. Das eine wird zur Cleverness umgedeutet, das andere zur Flunkerei verharmlost.

Er fährt das edlere Auto, also muss er besser sein als ich. Ich will das Auto auch, damit ich besser werde. Steig immer auf, steig niemals ab, sonst verlierst du als Mensch an Wert. Diese Botschaft wird ausgesendet auf allen Ebenen des Daseins. Dabei ist sie banal und vor allem völlig falsch.

Soziale Einbettung und Vereinzelung

Wenn wir das Problem und dessen Kern in den tiefen Abgründen des Individuums suchen, isolieren wir es noch mehr, statt durch Hilfestellungen Wege aus der Isolation aufzuzeigen.

Dem Individuum herauszuhelfen gelingt oft nicht mehr. Zu sehr und zu tief stecken viele Menschen in dieser Grube, in der sie sich geschützt glauben. Dabei haben sie sich lediglich verschanzt, nehmen aber noch nicht einmal mehr diese Verschanzung als solche wahr.

Auch viele Therapeuten und auch die Therapieansätze sehen den diagnostischen und dann den therapeutischen Ansatz „innen“. Entweder weit drinnen, wie bei der Psychoanalyse, im kaputten interaktionellen „System“ um den Einzelnen herum (systemische Therapie) oder in den Gesetzen der entglittenen Verhaltensweisen, an die erst mal herankommen werden muss. Auf jeden Fall wird beim Einzelnen, beim Individuum angesetzt. Wo sonst sollten Veränderungsversuche auch ansetzen?

Die bevorzugte Form der Veränderung ist die Einzeltherapie. Patient und Therapeut ziehen sich zurück, analysieren und suchen wenigstens in den meisten Therapierichtungen Veränderungsmöglichkeiten, die der Einzelne selbst in Angriff nehmen kann. Nur in den verschiedenen Präventionsstufen werden weitere Helfer einbezogen.

Der Kern der meisten psychischen Problematiken ist die fehlende soziale Einbettung der Menschen im Privat- und im Arbeitsleben. Viele sind gar nicht mehr eingebettet, haben keinen oder keinen festen Arbeitsplatz, kein stabiles Zuhause. Und vielen fehlt diese echte Einbettung.

Sie ist nicht an einem Arbeitsplatz zu finden, an dem sich jeder voreinander verstecken muss, weil die unausgesprochene Konkurrenzsituation für Misstrauen und Entfremdung sorgt.

Auch die eigene Wohnung bietet kaum Einbettung ohne tiefere Verbindung mit den Nachbarn, wenn außer dem flüchtigen Gruß bei der zufälligen Begegnung im Treppenhaus nichts Gemeinsames existiert.

Mit sozialer Einbettung ist auch nicht die ununterbrochene Verfügbarkeit mittels sozialer Netzwerke gemeint, die die Menschen im physischen Nahbereich zu abwesenden Subjekten verformt.

Einbettung hieße Vertrauen, erfahrene Verlässlichkeit und Ansprechbarkeit über automatisierte Reaktionen hinaus zu erleben. Und das Riskieren von Offenheit und von Streit, wo er nötig ist. Doch wo ist der Streit? Streiten ist in unserer Gesellschaft wohl auch deshalb so riskant, weil in seinem Fahrwasser häufig die Einsamkeit offensichtlich wird, in der sich der einzelne Mensch befindet oder in die er leicht noch weiter geraten kann, etwa wenn er den Streit wagt und sich andere von ihm in der Folge abwenden.

Subtile Täuschung und individualisierte Verantwortlichkeit

Ergänzt und gefestigt wird die Vereinzelung durch die Verbreitung von Täuschungen. Menschen konnten schon immer das eine sagen und das andere tun. Doch die heutige Unübersichtlichkeit der Bezüge zwischen Wort und Tat verzögert und verhindert die Überprüfung weit mehr als in früheren Zeiten. Täuschungen sind raffinierter und lassen sich in der Masse besser verbergen, als in Zeiten übersichtlicher Dorfgemeinschaften. Die Werbung zeigt es uns. Sie ist voll von subtiler Täuschung.

Das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, erzeugt überall Gegner. Zusammenwirken dient letztlich wieder dem angestrebten Stärkerwerden gegenüber anderen. Und die Zurückgelassenen sind meistens so ausgepowert, dass sie die Wendung zum Zusammen auch nicht mehr schaffen. Sie kämpfen um ihr isoliertes Überleben, ums Durchhalten bis zum nächsten Geldeingang auf ihrem Konto oder um den Platz an der Tafel.

Die Verantwortlichkeit dafür wird von der Gemeinschaft auf das Individuum abgewälzt. Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es dann. Jeder, der in Schwierigkeiten kommt, ist selbst schuld. Wer beim Gott des Erfolges in Ungnade gefallen ist, wird von ihm bestraft. Das Drohen mit und bedroht sein durch solche „natürlichen“ Strafen, die in sozialen Gemeinschaften völlig unnatürlich sind, durchzieht die Gesellschaft: Jobverlust, Schulden, eine Justiz, die auf Strafen aufbaut. Und dann gibt es halt noch psychische Erkrankungen.

Sind wir also mehrheitlich psychisch krank, schon allein durch unsere Vereinzelung?

Die Bedeutung des Fragens oder Suchens nach Lösungen besteht darin, was sie für Konsequenzen haben. Jedes Identifizieren einer psychischen Krankheit fixiert auf das Fehlen von etwas, auf das Defizit. Aber macht es Sinn, dass wir uns alle etikettieren?

Etikett, Mitleid oder Zuwendung

Wenn Menschen, die sich psychisch in einer Krise befinden oder längere Zeit leiden, entfernt vom Beobachter sind, ist immer weniger eine helfende Befassung mit ihnen möglich.

Ohne Etikett werden solche Menschen nicht mehr versorgt, wenn sie nicht nahe Menschen um sich haben. Der Staat braucht daher Etikette, wenn er Aufgaben übernimmt oder übernehmen will, die von gewachsenen menschlichen Umgebungen nicht mehr getragen werden.

Selbst wenn es einen Menschen gibt, der einem Betroffenen nahesteht und ihm helfen möchte, läuft er Gefahr, selbst in den Strudel von Destruktivität zu geraten, in dem sich der Betroffene befindet.

Es ist, als wollte man einem Menschen helfen, der sich an einem Hang auf Glatteis befindet: Man rutscht selbst mit ab. Der dem Süchtigen Helfende wird selbst abhängig. Derjenige, der einem „Schizophrenen“ helfen will, überfordert sich in Richtung eigener „Störung“. Um beim Vergleich zu bleiben: Als Einzelner ist man mit der Aufgabe überfordert. Nur eine Menschenkette hätte eine reelle Chance den Entglittenen vom Eis zu holen.

Es werden Spezialisten gebraucht, weil Störungen, die nicht vom sozialen Umfeld aufzufangen sind, noch weniger nur intuitiv verstanden und „behandelt“ werden können. Sie wirken „absonderlich“. Sie werden zum gesellschaftlichen Anliegen, weil sie den reibungslosen Ablauf stören und Ausfälle in der Produktion verursachen.

Die „Instrumente“, die Techniken der Behandlung sind aber durch die professionelle Distanz ständig in Gefahr, sich zu verselbstständigen, künstlich und somit unecht zu werden.

Wenn nach Krankheiten und davon betroffenen Personen gesucht wird, werden diese ausgesondert und andere im Bereich der Normalität belassen. Wenn aber gefragt wird, wo die Möglichkeiten und Perspektiven derjenigen zu finden sind, die den Menschen „gesund“ erhalten oder Betroffene wieder gesund machen, beziehen sich alle mit ein. Dadurch können Betroffene gar nicht mehr ausgesondert werden.

Wenn wir andersherum fragen, gehen wir grundsätzlich einen anderen Weg: Was bietet Menschen eine erstrebenswerte Aussicht? Was macht Menschen reich, fähig, meinetwegen auch resilient beziehungsweise belastbar? Was hilft ihnen beim Aufbau von Werten? Was ermutigt sie, ihr Leben und ihre Welt zu gestalten, statt alles nur laufen zu lassen?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sehe ich folgende Hilfen beziehungsweise Voraussetzungen:

(1) Einbindung in stabile soziale Bindungen mit gegenseitiger Zuverlässigkeit.

(2) Bedeutung eines Menschen durch Beiträge zur Gemeinschaft, materiell und/oder ideell.

(3) Ermöglichung von Eigensinnigkeit, von Anders-Sein.

(4) Gegenseitiges Infragestellen, Kritik, Streiten und Versöhnen.

(5) Selbst-Infragestellung, Zulassen von Ratlosigkeit, Korrektur des eigenen Weges.

(6) Die Fähigkeit, die Zerreißproben unseres Vergegenwärtigens auszuhalten. Oder gerade auch in ihnen unsere Nähe und Geborgenheit in der Gemeinschaft mit ähnlich empfindenden und betroffenen Menschen zu suchen.

Erfahrungswissen und ein Fazit

Ich höre und lese schon jetzt die Antworten auf diese Ausführungen. Nämlich dass das ja alles recht und gut für normale Menschen sei, aber nicht für wirklich gestörte Personen. Dagegen wende ich schon vor der Entgegnung ein: Ich habe alle meine Therapien so aufgebaut, auch mit Betroffenen, die Stimmen hören, extrem depressiven Menschen oder Süchtigen.

In die sogenannten Tiefen von Störungen gingen vor allem psychoanalytisch ausgerichtete Therapeuten. Aber es geht weniger um die Tiefe, sondern um konzentrierte Befassung. Angebracht ist die Konzentration auf ein Leben mit Perspektive, auf Werte und auf die persönlich möglichen Mittel in dieser Richtung.

Auch in meinen Therapien habe ich versucht, dem Einzelnen die Verantwortung zu verdeutlichen, die er selbst hatte: Nur er konnte seine Lebenslage anders zu leben versuchen.

Doch es ist ein Unterschied, ob man dem Verfolgten sagt: „Ich hätte leicht auch in deine Lage kommen können. Ich traue dir folgende Umgangsweisen zu, um ihr zu entkommen oder deine Freiheit wieder auszubauen!“ Oder: „Du hast dich ziemlich ungeschickt in diese Lage manövriert! Diesen Mist müssen wir dir nehmen, damit du nicht immer wieder in diese missliche Lage kommst.“

Mein Vorgehen ist nicht originell, aber es war das bevorzugte Vorgehen in der frühen Verhaltenstherapie (und zum Teil auch in der Sozialpsychiatrie). Im Zuge der Etablierung im anerkannten Gesundheitswesen scheint es aber in den Hintergrund getreten zu sein.

Wenn wir psychische Gesundheit aufbauen wollen, statt psychische Krankheit zu beseitigen, müssen wir gesellschaftliche Strukturen errichten, die der Vereinzelung menschliche Beziehungen entgegenstellen, die in einem modernen Sinn „natürlich“ wachsen:

Die Menschen verbinden und vernetzen sich freiwillig, nicht erzwungen durch verwandtschaftliche Verhältnisse. Sie „bewerten“ und schätzen einander nicht über Geld oder den gesellschaftlichen Status. Sie machen vielfältige Erfahrungen miteinander, erleben, wo man sich auf- und beieinander verlassen kann und wo nicht.

Sie erfahren, wie die einzelnen Menschen Bedürftigkeit ausdrücken und wo sie in Ruhe gelassen werden möchten. Sie bauen wieder gemeinsame Werte auf statt nur individuelle. Sie unterstützen sich gegenseitig in einer solidarischen Lebensweise.[1]

Sie verlieren das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber der weltweiten Entwicklungen, weil sie andere Menschen nicht mehr wie Geldscheine zählen, sondern als Subjekt wertschätzen. Sie spüren, dass sie sich aufeinander verlassen können. Und das ist mächtiger als eine Militärmaschinerie oder finanzieller Reichtum. Eben auch mächtiger als die institutionalisierte Aggression, weil es eine soziale Macht ist.

Vor dem Hintergrund stützender sozialer Beziehungen finden Menschen wieder den Mut, ihre Lebenswelt aktiv zu gestalten, statt von den falschen Anreizen und unnatürlichen Bedrohungen getrieben zu werden. Sie können wieder Schwerpunkte setzen, auch gemeinsame. Sie leben wieder ein werteorientiertes Leben.

Störungen sind dann nicht mehr Anlässe zur Aussonderung, sondern Gelegenheiten, sich den Widrigkeiten zu widmen. Sie fast zu begrüßen, weil sie auf die Komplexität des Lebens hinweisen. Im Hintergrund stützt die Gemeinschaft.

Das wichtigste Element der Prävention und Behandlung psychischer Krisen oder Störungen ist also gemeinschaftliches Gestalten. Gemeinschaftlichkeit erweitert die Gestaltungsmöglichkeit und Gestalten verlangt geradezu nach Gemeinschaftlichkeit, da wir auf den Erfolgen der kulturellen Evolution aufbauen.

Kleine Gemeinschaften, wie ich sie etwa hier vorschlage, könnten geeignet sein, die Orientierung auf psychische Gesundheit statt auf Krankheit ins Zentrum zu rücken.


Gerhard Kugler ist Psychologischer Psychotherapeut. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie.Über den Autor: Gerhard Kugler (Jahrgang 1946) ist Psychologischer Psychotherapeut im Ruhestand. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) und der Gesellschaft für kontextuelle Verhaltenswissenschaften (DGKV), deren Therapieansatz die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist. Auf seiner Homepage www.erlebnisoffen.de finden sich weitere Informationen und Blog-Einträge.


[1] Brand U., Wissen M., Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. oekom-Verlag. München 2017.

 


Foto: Artem Beliaikin (Unsplash.com) und Gerhard Kugler.


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  1. Sehr geehrter Herr Kugler!

    Bitterer Tacheles – Ein Rundumschlag… –

    So würde ich Ihren Artikel überschreiben, zu dem ich Sie herzlich beglückwünsche. Sie sprechen Dinge an und aus, die nicht nur als Mahnung, sondern auch als grundsätzliche Gesellschaftskritik gelesen werden können. –
    Die einschlägigen Bücher von Erich Fromm und Arno Gruen sind Ihnen sicherlich bekannt. In der Frage nach der Pathologisierung bestimmter Eigenheiten von Menschen gebe ich Ihnen recht: Was »krank« zu nennen ist, scheint ziemlich klar, doch nur Wenige entwerfen ein Bild von einem »gesunden Menschen«. Dies indes haben Sie versucht. Auch wenn Ihr Artikel in meinen Augen etwas überladen daherkommt, kann ich Ihnen in fast allen Punkten zustimmen.

    Gruß aus Berlin,

    Christian Ferch

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    1. Gerhard Kugler 26. März 2018 um 17:12

      Danke, Herr Dr. Ferch, für das positive Feedback. Die Überladenheit muss ich eingestehen. Ich hoffe, sie hindert nicht, die Anliegen im weiteren Diskurs hier zu verfolgen.
      G.K.

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  2. Eine treffende Analyse, die Mut macht.

    Die derzeitigen gesellschaftlichen Zustände sind aber gewollt. Der Kapitalismus kennt lediglich den Vergleich. Ein Miteinader schadet ihm. Er nährt sich von Konkurrenz. Deshalb bekämpft er die Gemeinsamkeit auf allen Ebenen. Offensichtlich steht ihm dabei – schon seit langem – hochkarätige Wissenschaft zur Verfügung, gegen die nicht anzukommen ist.

    Je mehr eine Gesellschaft zerstückelt ist, um so leichter wird es, Macht auszuüben. Es kann keine Heilung geben, es sei denn, man heilt das System selbst, in dem man es abschafft und durch ein geordnetes, machtfreies ersetzt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin

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    1. Hallo, Martin,

      Sie treffen den Nagel auf den Kopf!
      Vor etwa einem Jahr habe ich über das Thema einen Artikel verfasst:

      https://neue-debatte.com/2017/03/25/ueber-die-spaltung-der-gleichgesinnten/

      Passend dazu auch:

      https://neue-debatte.com/2017/03/14/meinungsfreiheit-und-der-zwang-zur-hyperindividualitaet/

      Ich hoffe, diese Artikel können Ihnen ebenso Mut machen. Den Mut, mit Ihrem Denken nicht allein da zu stehen.

      Freundliche Grüße,

      Dr. Christian Ferch

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    2. Jürgen Elsen 26. März 2018 um 16:02

      Hallo Martin,
      vom Kapitalismus schreibst Du im Nominativ, also als Handelnder. Demnach könnte der Kapitalismus ein „Geistwesen“ sein, welches die Menschen dazu bringt, soundso zu handeln ?
      Auch wenn der Kapitalismus nur eine Idee wäre, so würde diese doch, um wirksam zu werden, in vielen Menschenköpfen ihrem Wesen nach Verhalten beeinflussen, kanalisieren…

      Demnach könnte eine Lösung sein, von einem anderen Bewußtseinszustand aus das zu betrachten, was sich auf der Bühne meines Bewußtseins so tummelt an Ideen oder Fremdintelligenzen ? (siehe eventuell Droschkenparabel).

      Es gibt also ein Denken, welches sich dem Denken gegenüber so verhält, wie das Aufwachen gegenüber dem Schlaf.
      Es ist also das Denken selbst, welches diese Qualität entwickeln kann.

      Vielleicht liegt hierin auch des Rätsels Lösung – sprich das Heilwerden: der Menschengeist hat die Fähigkeit das Hervorgebrachte immer wieder neu zu überprüfen, nämlich – was könnte der Maßstab anderes sein – als auf Kompatibilität zum Ganzen (siehe auch voriger Beitrag „Bild“).

      Nun, der Mensch, der dies nicht geübt hat (das Bildungssystem tut alles andere, als das zu üben – hier fehlt nahezu jedes große „Bild“), wird weiter zerstückeln.

      Und bei dieser Gelegenheit: der Kapitalismus – mit seinem Fokus auf „Haben“ – muß zwingend dadurch (Weg)Nehmen und so ein Mangelsystem erzeugen (die Umsetzung dazu ist das Geldsystem). Auch deshalb lehrt er uns, Konkurrenz sei das Gegenteil von Kooperation, baut damit eine Polarität auf.

      Kooperation ist jedoch überhaupt nicht auf dieser Ebene anzusiedeln. Konkurrenz ist nur eine (von vielen) Methoden der Kooperation !
      Die „Kooperation“ benutzt diese Methode beispielsweise, um die Kooperationspartner dazu anzuspornen, die Kooperation zu vereinfachen: die ineinanderzufügenden Puzzleteilchen (z.B. Schnittstellen), müssen nicht unnötig kompliziert werden.

      Betrachtet man nun die Konkurrenz auf einer Ebene mit der Kooperation, dann muß ich sogar gewisse „Komplikationen“ einbauen (z.B. Spezialwerkzeuge), um mich vor der „Konkurrenz“ zu schützen …

      Das wir Menschen in Deutschland nicht zu einer Gemeinschaft – im Sinne, daß ganz neue Strukturen (Bildungs-, Staats-, Wirtschafts-, Rechts- und Finanzsystem usw.) erschaffen werden – finden, liegt m.E. an diesem mangelnden Geisterleben.

      Aufwachen – und das impliziert selbstverständlich auch das Handeln – kann jeder nur selbst. Wir sind letztendlich Selbsterreger, so wie es das Geistprinzip in sich selbst auch ist (siehe gegebenenfalls das philosoph. Problem des „Absoluten Anfanges“) MENS(ch) – GEIST

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    3. Gerhard Kugler 26. März 2018 um 17:18

      Danke fürs Feedback. Mir geht es immer darum, nicht nur zu zerlegen, sondern wenigstens Richtungen vorzuschlagen, in denen Auswege möglich sind. Wenigstens im bescheidenen Rahmen.
      G.K.

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  3. Jürgen Elsen 26. März 2018 um 10:22

    Danke, hervorragender Text zu einem komplexen Thema!
    Denn die Frage: »was ist eigentlich krank und was ist gesund ?« kann ja nur im Einzelnen selbst und da dieser ja wiederum in einer Beziehung zur Umwelt steht auf Grundlage dieser Beziehung (Gestaltung) Beantwortung finden.

    So mag ein Mörder sich selbst als gesund bezeichnen – würde aber das Umfeld dies auch tun, so würde ja etwas Destruktives, Fragmentierendes und Lebenauslöschendes als gesund bezeichnet werden.

    Aber das sind ja gerade die Kriterien für »Krankheit« ! Krankheit ist also etwas, was sowohl das einzelne Leben, wie auch das Leben als solches bis hin zur Zerstörung einschränkt. Im Falle der Zerstörung wird es offensichtlich.

    Aber was ist mit allen anderen Fällen der Einschränkung ?
    Das bedingt ja, daß ich ein BILD vom gesunden Zustand habe, so daß ich also die Abweichung und Einschränkung dadurch erst wahrnehmen kann !

    Also, die Frage, die sich ja auch hier in dem Artikel stellt, ist u.a. auch die: Wo ist die Quelle des gesunden Bildes, besonders auch dann, wenn ich in einem Umfeld lebe, welches in Relation zu diesem Gesundbild nur noch als krank bezeichnet werden muß – bzw. wo der Normalzustand einem Krankenzustand entspricht ?

    Nehmen wir einmal an, dieses Gesundbild wäre die Blume des Lebens.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blume_des_Lebens#/media/File:Flower-of-Life-small.svg
    Mit der Verwirklichung dieses Bildes, würde dann ja auch das Potenzial (individuell und gesellschaftlich) bestmöglichst ausgeschöpft werden können bis hin zu neuen Gestaltungen.

    Möge ich mich selbst einmal als Zentrum dieser Lebensblume auffassen, dann habe ich 6 Blütenblätter als Fähigkeiten/Potenzialarme usw.. Das wäre also der wirklich gesunde Zustand bzw. wo IST und POTENZIAL übereinkommen.

    Lebe ich aber jetzt in einem Umfeld, welches mir 2 oder 3 der Arme abschneidet, die ich also gar nicht mehr leben oder entwickeln kann, dann wird anhand diesem Lebensblumenbild gut ersichtlich, daß ja nicht nur mir die Arme abgeschnitten sind, sondern den Nachbarblumen auch !
    Und wenn man das jetzt auf das GANZE sieht, dann ergibt sich als IST-Zustand unter Umständen eine zerfetzte Blume, die als solche auch gar nicht mehr auszumachen bzw. nicht mehr wirksam wäre !

    Aber die Menschen, die in dieser zerfetzen Struktur leben, die würden dies doch nur bemerken und verbessern können, wenn sie in sich noch das Bild der heilen Struktur schauen könnten …

    Will man das Kranke als das Gesunde haben, muß man also erst den Menschen dieses Bild rauben – bzw. ersetzen durch ein anderes …

    Und dies ist nur möglich, wenn der Mensch seinen Bewußtseinsfokus nicht mehr auf das Herz richten kann, sondern ständig in der „Birne“ gehalten wird – wozu z.B. die Medien einen großen Teil zu beitragen …

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    1. Gerhard Kugler 26. März 2018 um 17:23

      Bilder und Symbole können beitragen. Doch am ermutigsten sind Erfahrungen mit Menschen, die zeigen, was menschlich alles möglich ist. Es gibt im Alltag immer wieder Ansätze, aus der bloßen Betrachtung ins Zusammenwirken zu kommen.
      G.K.

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      1. Jürgen Elsen 26. März 2018 um 19:00

        Herr Kugler, Sie leiten mit der vorangestellten adversativen Konjunktion „Doch“ eine Aussage im Gegensatz zur vorhergehenden Aussage ein.
        Also Ihre Aussage: »Doch am ermutigsten sind Erfahrungen mit Menschen, die zeigen, was menschlich alles möglich ist« würde ich, statt in einen Gegensatz zu stellen, eher integrieren, da das »Zeigen« sich ja gerade auf ein »Vor-Bild« beziehen kann.

        Viele Menschen empfinden Bilder wirkmächtiger als intellektuell hochstehende Texte. Nicht nur deshalb habe ich hier ein Bild benutzt, sondern auch textimmanent, da ich von Bild im Sinne der GestaltBILDung (ob jetzt als Physische, Psychische oder Soziale) geschrieben hatte: wie könnte eine Gestalt gesund wachsen, wenn sie nicht in sich tragen würde das Bild des Gesunden ?

        Und genau dieses Bild des Gesunden kann man z.B. auch sehr gut darin finden, wenn wir Erfahrungen mit Menschen machen, die zeigen, was alles möglich ist – also: was alles GeBILDET werden kann!

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  4. …wesentlich wären m.E. die Grundübel unserer reduzierten-materialistischer Weltperspektive zu nennen – die fatalen Ursachen des Ellenbogenverhaltens fängt im Kiga an und zieht sich durch bis in das Studium. Selektion des „besseren“. Darwin läßt grüßen…
    Auch ein paar Sätze zur Digitalisierung habe ich vermisst. Immer mehr Kinder/Jugendliche werden allein gelassen mit der Droge Smartphone/PC und TV. Und anstatt Freiräume und Urvertrauen in der Erziehung zu schaffen, kommen die Kleinsten schon in die Kita-Verwahranstalten – um sie dorten systemkonform zu formatieren… Gelder für den Rüstungswahnsinn sind vorhanden – und was ist mit der sog.Familienpolitik? Um einigermaßen heute über die Runden zu kommen, fordert das System vollen Arbeitseinsatz beider Elternteile, um tls. mit Minijobs über die Runden zu kommen…
    Würden sich mal unsere Politkasper mit Prof.Spitzer/Prof.Hüther auseinandersetzen und dem Lobbyismus der Digitalisierungsmafiosis ein klares „Nein, so nicht“ entgegen setzen, sähe die Welt schon ganz anders aus.

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    1. Gerhard Kugler 26. März 2018 um 19:48

      Natürlich fehlt im Artikel jede Menge. Auf Probleme mit den neuen Medien bin ich nur mit der Andeutung von den abwesenden Menschen eingegangen.
      Zutreffend finde ich auch den Hinweis auf die mangelnde Zeit am Beispiel der berufstätigen Eltern. Die Menschen sind teilweise zugedeckt von Verpflichtungen, andere lassen sich zumüllen. Ich habe nicht den Anspruch, alle menschlichen Fehlentwicklungen im System zu erfassen.
      Allerdings geht es darum, den Ansatz zur Veränderung zu finden. Ich sehe ihn im interaktiven Handeln vor Ort. Aber im echten. Ich verweise ja auf weitere Artikel. Hier noch einer: https://neue-debatte.com/2017/11/20/aus-psychologischer-perspektive-gegen-die-ratlosigkeit-in-der-demokratie/
      G.K.

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  5. Uwe leonhardt 27. März 2018 um 19:27

    Hallo Ihr Lieben,
    Man könnte es auch kurz fassen. Bedenket, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. In unserer WfbM sind wirklich körperlich und geistig Kranke, sowie psychisch Kranke, die täglich in Gemeinschaft Tolles leisten. JEDER Tag fordert von uns allen jede Menge an Geduld und Verständnis. Aber wir bekommen durch uns alle auch sehr viel zurück. Das echte Leben ( Überleben ) bedeutet Balancieren auf einem Hochseil. FREUNDE und liebevolle Mitmenschen sind das Netz und der doppelte Boden. Eine intakte Gesellschaft benötigt intakte Familien oder ähnliche verantwortungsvolle Lebensgemeinschaften. Aus diesen nur kann wieder ein Geländer der Aufrichtigkeit, der guten Sitten hervorgehen ( Ausnahmen mit eingeschlossen ). Der pervertierte Finanzkapitalismus und dessen Helfeshelfer jedoch untergraben mit genialer Methode all das Friedfertige mittels Verblödungsstrategien. NUN LIEGT ES wieder an uns, geniale Strategien für die Völker der Welt zu entwickeln und dem schon genannten Zerstückeln eine wundervolle Breitseite zu verpassen. Alle auf Gefechtsstation……. Wir sollten tatsächlich unkonventionell und unberechenbar werden. Und wir müssen uns endlich einmal begegnen.
    L.G.
    Uwe Leonhardt

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    1. Gerhard Kugler 28. März 2018 um 8:01

      Wie ist der letzte Satz gemeint?
      G.K.

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  6. Uwe leonhardt 28. März 2018 um 21:35

    So, wie er da steht. Wir sollten uns in die Augen schauen, dann sehen wir weiter…!
    U.L.

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