Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft (Teil 9)

Die Automatisierung im 21. Jahrhundert wird begleitet von einem nie gekannten Verlust an Erwerbsarbeit und dem dramatischen Verfall des Wertes menschlicher Arbeit. Die technologische Revolution der Gegenwart bietet der Gesellschaft nur zwei Optionen an. Entweder wird der Zerfall aller sozialen Strukturen, der begleitet sein wird von Gewalt und der Auflösung staatlicher Ordnung, in Kauf genommen oder das Verhältnis zur Arbeit wird völlig neu definiert, sodass jeder die gewonnene Freizeit zur Selbstverwirklichung nutzen kann. Die Menschheit würde einen ungeahnten kulturellen Aufschwung erleben und vielleicht sogar das Paradies entdecken.

Die Automatisierung kann eine andere, eine bessere Zukunft mit sich bringen. Herbert Marcuse beschreibt diese wie folgt:

„[…] je mehr die Arbeit für den Einzelnen zu etwas Äußerlichem wird, desto weniger berührt sie ihn im Bereich des Notwendigen. Von den Erfordernissen der Herrschaft befreit, führt die quantitative Abnahme der Arbeitszeit und Arbeitsenergie zu einer qualitativen Wandlung im menschlichen Dasein: die Freizeit und nicht die Arbeitszeit bestimmt seinen Gehalt. Der wachsende Bereich der Freiheit wird wirklich zu einem Bereich des Spiels – des freien Spiels der individuellen Fähigkeiten. So befreit, werden diese Möglichkeiten neue Formen der Realisierung und Weltentdeckung hervorbringen.“ [1]

Dafür bedarf es aber einiger systemischer Änderungen. Im Folgenden sollen die Vorschläge von André Gorz näher beleuchtet werden, der sich lange Zeit mit den Auswirkungen der Automatisierung beschäftigte.

Bruch mit Verwertungs- und Konsumlogik

Laut Gorz muss die Produktion von Waren, die landes- oder kontinentweit benötigt werden, wie beispielsweise Erzeugnisse der Chemieindustrie, Stahlerzeugnisse, Mikroelektronik, Glas, mechanische Bauteile, Automobile etc. aufgrund ihrer Komplexität weiterhin durch Großbetriebe geregelt werden.

André Gorz (1923-2007) war Sozialphilosoph und Publizist. (Foto: Lopsidedness, CC BY-SA 4.0)

André Gorz (1923-2007) war Sozialphilosoph und Mitbegründer des Nachrichtenmagazins Le Nouvel Observateur. (Foto: Lopsidedness, CC BY-SA 4.0)

Auf lokaler Ebene benötigte Konsumgüter (zum Beispiel Nahrungsmittel etc.) sollten jedoch durch kleine, lokale Produktionsgenossenschaften, die von ihren jeweiligen Standortgemeinden kontrolliert werden, produziert werden und effizient die lokalen Bedürfnisse befriedigen. Dadurch werden Produzenten, Konsumenten und Staatsbürger (wieder) eine Einheit und es entsteht ein Bruch mit der kapitalistischen Verwertungs- und Konsumlogik. Nicht mehr die Maximierung des Konsums und Profits ist dann das Ziel, sondern die Maximierung der effizienten Bedürfnisbefriedigung. [2]

Die größte Neuerung der Mikrotechnologie besteht nach Gorz in dem Umstand, dass sie sowohl Investitionen (fixes konstantes Kapital) als auch Arbeitskraft (variables Kapital) und Rohstoffe einzusparen vermag. Sie zieht einen Wandel nach sich, der die Grundlagen des ökonomischen Denkens zerrüttet, weil sie nicht nur, wie vorherige Technologien, eine Abnahme des Wertes fixen Kapitals pro Produktionseinheit verursacht, sondern auch eine Abnahme der Gesamtmasse des fixen Kapitals, welches zur Produktion eines schnell wachsenden Warenvolumens nötig ist.

Wenn der Staat Investitionen in Mikrotechnologie fördert, so fördert er zwar durchaus auch die Erneuerung des Produktionsapparats und der Profitrate, aber er sorgt dabei eben auch für Kapitalzerstörung in Form von Firmenschließungen, des Abbaus existierender Anlagen und vor allem der Vernichtung von Arbeitsplätzen[3]

Arbeitszeit wird in Folge dessen nicht mehr das Maß des Tauschwertes und der Tauschwert nicht mehr das Maß des ökonomischen Wertes sein können. Der Lohn kann nicht mehr vom Arbeitsquantum abhängen und das Recht auf ein Einkommen nicht mehr dem Besitz eines Arbeitsplatzes untergeordnet sein, ansonsten wird die Gesellschaft, wie schon beschrieben, in Gewalt und Armut versinken. Die politische Definition und Lenkung dieses Wandels werden laut Gorz für den Ausgang der Krise entscheidend sein. [4]

Das Ende von Arbeitszwang und Lohnabhängigkeit

Dass das Recht auf Arbeit, das Recht auf einen Arbeitsplatz und das Recht auf ein gesichertes Einkommen schon längst nicht mehr ein und dasselbe sind, wird im Kapitalismus dadurch verschleiert, dass Arbeitslosigkeit als ein vorübergehendes konjunkturelles Phänomen behandelt und Arbeitslosengeld als Almosen dargestellt wird.

Arbeitslosigkeit und auch die Arbeitslosen selbst werden dabei so behandelt, als wäre die Vollbeschäftigung die Norm und als könne und müsse dies auch so bleiben: Man ist entweder vollbeschäftigt oder arbeitslos. [5]

Die Beseitigung menschlicher Arbeit durch Maschinen kann für sich alleine aber nicht die Freiheit des Individuums zum Ergebnis haben. Sie kann lediglich neue materielle Bedingungen schaffen. Aus linker Perspektive muss ein bedingungsloses Grundeinkommen laut Gorz nicht mehr als Entschädigung, Beihilfe oder staatliche Betreuung erscheinen, sondern

„[…] als die gesellschaftliche Form, die das Einkommen annimmt, wenn die Automatisierung nicht nur den ständigen Zwang zur Arbeit, sondern auch das Wertgesetz und die Lohnabhängigkeit selbst abgeschafft hat.“ [6]

Denn die Produktion der notwendigen Güter wird in Zukunft ein so geringes Quantum an menschlicher Arbeit benötigen, dass niemand von einem für Arbeit gezahlten Stundenlohn leben könnte.

„Aus der Automatisierung der Produktion folgt notwendig das Erlöschen der Lohnarbeit, der Marktmechanismen und des Arbeitswertes; und es ist implizit mit der Idee einer Lebensarbeitszeit verbunden und in der Idee der Einkommensgarantie auf Lebenszeit enthalten. Sobald das Wesentliche der gesellschaftlichen Produktion nicht aus der Arbeit der Individuen, sondern aus der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Mittel resultiert – Mittel, die selbst nur ein geringes Quantum direkter Arbeit erfordern – läßt sich das „Recht auf Arbeit“ nicht mehr mit dem Recht auf lohnabhängige Beschäftigung vermengen; es muß einerseits zum Recht des Bürgers auf ein lebenslängliches Einkommen werden, das dessen Anteil am gesellschaftlich produzierten Reichtum darstellt, und andererseits muß es das Recht des Zugangs zu denjenigen Mitteln sein, mit denen die gesellschaftlich nicht programmierbaren Güter entworfen und hergestellt werden – jene Güter, die man außerhalb des Marktes, auf der Ebene der basisgenossenschaftlichen Gemeinschaft oder Vereine benutzen, konsumieren, austauschen will. Dies ist der Bereich der autonomen Tätigkeiten.“ [7]

Arbeitszeitverkürzung und Maschinensteuer

Die Finanzierung dieses Einkommens stellt dabei laut Gorz weder ein neues Problem dar noch muss sie automatisch eine Stärkung des Zentralstaates bedeuten. Am leichtesten lässt sie sich mit der Besteuerung von nicht-menschlicher Arbeit gewährleisten. Bereits 1983 forderte die japanische Arbeitgeberschaft, dass Roboter gewerkschaftliche Beiträge zahlen sollten. Sie pro Produkteinheit eine Sozialabgabe zahlen zu lassen, ist daher keine weltbewegend neue Idee. [8] Diese Besteuerung soll bei Gorz zwei elementare Zwecke erfüllen:

(a.) den Soziallohn aller Bürger finanzieren und

(b.) den Preisverfall materieller oder immaterieller Güter verhindern, deren Produktion sich am schnellsten automatisieren lässt, die aber von der Gesellschaft nicht in steigendem Maße konsumiert werden können (aufgrund von Rohstoffknappheit) oder sollen (aufgrund moralischer Bedenken).

Dadurch wird der Marktpreis durch einen politischen Preis ersetzt, was dem bereits existierenden Prinzip der Besteuerung von Tabak und Alkohol oder der Subvention von landwirtschaftlicher Produktion und Kultureinrichtungen entspricht, durch die bereits heute der Preis und damit das Kaufverhalten der Konsumenten politisch beeinflusst wird. [9]

Der Wille zur Veränderung

Die allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit setzt daher aber auch den Willen zu gesellschaftlichen und politischen Veränderungen voraus. Elemente und Instrumente dieses Wandels müssen eine veränderte Arbeitszeit- und Beschäftigungspolitik sein. Auch Gewerkschaften müssen das Portfolio ihrer Aufgaben verändern. Der Kampf für Vollbeschäftigung kann nicht mehr ihr Ziel sein, denn die Vollbeschäftigung ist eine Fantasie, die nie wiederkehren wird. [10]

„Insbesondere setzt sie (Anm. d. Verf.: die allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit) ein Zentrum der Prognose, Planung und Informationssammlung voraus. Ständige Verlagerungen von Arbeitskräften aus den Tätigkeitsbereichen, in denen die Automatisierung rasch verläuft, in solche, in denen sie langsamer erfolgt; eine überschaubare, unmittelbar allen zugängliche Arbeitsvermittlungsstelle mit der Möglichkeit, seine Arbeit mit einer oder mehreren Personen zu tauschen oder zu teilen; eine hohe berufliche Vielseitigkeit und Mobilität: Die Arbeiter müssen mühelos von einer Tätigkeit mit schnell wachsender Produktivität überwechseln können – oder auch, je nach der Jahreszeit, verschiedene Tätigkeiten ausüben können. Die Gleichgültigkeit gegen den Inhalt der Arbeit und deren Natur hat dann wieder den positiven Sinn, den Marx ihr in den Grundrissen zuschrieb. Nur eine Gesellschaft, in der jeder eine breite, vielseitige gesellschaftliche Qualifikation hat, kann die größtmögliche Zahl banalisierter und austauschbarer Arbeiten auf die größtmögliche Zahl von Personen verteilen.“ [11]

Die Gefahr der technokratischen Elite

Diese Banalisierung der Berufe ist laut Gorz die zentrale Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft die Zeit, in der die menschliche Arbeit Schritt für Schritt an Bedeutung verliert und durch mechanische Arbeit ersetzt wird, überstehen und überbrücken kann. Denn nur dann kann sich die weiterhin vorhandene Arbeit fortlaufend auf die Bevölkerung verteilen und die Arbeitszeit für alle stückweise verringern lassen.

Das neue Verhältnis zwischen Arbeiter und Unternehmer. Karikatur aus dem Neuen Postillon, Zürich, Schweiz 1896.

Das neue Verhältnis zwischen Arbeiter und Unternehmer. Karikatur aus dem Neuen Postillon, Zürich, Schweiz 1896. (Foto: Gemeinfrei)

Möglich ist dies laut Gorz, da die Arbeit, die scheibchenweise der Automatisierung zum Opfer fällt, hauptsächlich niedrigqualifizierte Arbeit ist. Banalisierung und Wechsel von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz sind daher laut Gorz möglich. Nur dadurch kann verhindert werden, dass sich mit dem Abnehmen des erforderlichen Quantums Arbeit eine Minderheit von Fachkräften zu einer technokratischen Elite entwickelt, die den Rest der Bevölkerung zur Abhängigkeit verurteilt. [12] Damit würde sich die Spaltung der Gesellschaft in Bourgeoisie und Proletariat, die die Automatisierung abschaffen könnte, stattdessen zementieren. [13]

„Informatisierung und Automatisierung können nur dann emanzipierend wirken, wenn sie einen noch größeren Teil an Aufgaben und Funktionen banalisieren als in der Vergangenheit, d. h. wenn sie es allen ermöglichen, auf der Basis einer allgemeinen Grundausbildung sich in kurzer Zeit einen breiten und wechselnden Fächer von Qualifikationen selbst zu erwerben. Nur unter dieser Bedingung wird die Arbeit für alle verringert und auf alle verteilt, für alle ein Recht sein können: Das Recht, sich gesellschaftlich nützlich zu machen und nützlich zu wissen.“ [14]

Zweieinhalb Tage Arbeit pro Woche

Die Verkürzung der Arbeitszeit hat weitere positive Effekte. Eine Arbeit, die in ihrer Dauer und der Zeit, die sie im Leben eines Menschen einnimmt, (stark) auf beispielsweise tausend Stunden pro Jahr verkürzt ist, hat nicht mehr den selben Charakter wie eine Arbeit im Kapitalismus, die vierzig Jahre lang 40 Stunden pro Woche ausgeübt wird. Tausend Stunden entsprechen dabei etwa zweieinhalb Tagen Arbeit pro Woche.

Den Einwand, dass die Leute ja nicht mehr arbeiten würden, sobald sie ein garantiertes Grundeinkommen ausgezahlt bekämen, hält Gorz für unbegründet. Das Treffen von anderen Menschen als jenen aus dem direkten Umfeld, das Gefühl, ein nützlicher Teil der Gesellschaft zu sein, sei laut Gorz bereits heute Anlass genug, um Menschen zur Arbeit zu bewegen, die eigentlich nicht arbeiten müssten wie zum Beispiel Rentner oder Hausfrauen. [15]

Ein Grundeinkommen wird darüber hinaus zu einer Zunahme von Menschen führen, die nicht-automatisierbare Berufe ergreifen, weil das Grundeinkommen es begabten Personen erlaubt, ihren Interessen und Talenten nachzugehen, wo sie dies vorher durch finanzielle Zwänge nicht tun konnten. Künstlerische Betätigungen sind ein Beispiel hierfür. [16]

Produktionsmittel für alle Menschen

Um die durch Automatisierung freigesetzte Zeit für alle Individuen bestmöglich zu gestalten, darf aber auch niemandem verwehrt werden, sich in seiner neugewonnenen Freizeit mit der Produktion von Notwendigem zu beschäftigten, wenn ihm danach beliebt. Dazu können beispielsweise allen Stadtvierteln, Gemeinden oder großen Wohnanlagen Werkstätten zur Verfügung gestellt werden, die von jedem genutzt werden dürfen. [17]

Auch eine Zwischenstufe zwischen der institutionellen Großproduktion und der Bedarfsproduktion auf individueller oder nachbarschaftlicher Ebene ist sinnvoll, in der sich in genossenschaftlicher Form Menschen zusammenfinden können, die innovative Ideen haben. Dies kann der Einschränkung der Berufsmöglichkeiten entgegenwirken und gewährleisten, dass der Drang zur Innovation weiterhin ausgelebt werden kann. Möglich wird dies, weil bereits jetzt der Großteil der Innovation aus Mikrobetrieben kommt, in denen sich zum Beispiel mehrere Hochschulabsolventen mit einer Idee zusammenschließen.

Diese Innovationen geschehen aber im Postkapitalismus nicht aufgrund finanzieller Anreize, sondern (ähnlich wie in der Kunst oder der Forschung) aus der Leidenschaft zum Erfinden und Erneuern der einzelnen Individuen. [18] Damit umfassen die Tätigkeiten jedes Einzelnen in der post-kapitalistischen, automatisierten Gesellschaft drei Elemente:

„1. die makrosoziale heteronome Arbeit, im Maßstab der Gesamtgesellschaft organisiert, die sowohl deren Funktionen wie die Deckung der Grundbedürfnisse sichert; 2. die mikrosozialen, kooperativen, gemeinschaftlichen oder Vereinstätigkeiten, die auf lokaler Ebene selbstorganisiert werden und fakultativ und freiwillig sind, außer in den Fällen, wo sie an die Stelle der makrosozialen Arbeit treten, um auf lokaler Ebene die Grundbedürfnisse zu befriedigen; 3. die autonomen Tätigkeiten, die den persönlichen Plänen und Wünschen der Individuen, Familien oder kleinen Gruppen entsprechen.“ [19]

Das alte Konzept hat ausgedient

Man kann Gorz durchaus vorwerfen, dass seine Ideen auf einem (zu) positiven Menschenbild und einer gehörigen Menge an Optimismus beruhen. Zu bedenken ist auch, dass menschliche Arbeit nicht vollständig verschwinden wird. Es wird immer noch Aufgaben geben, die Maschinen nicht übernehmen können. Die Veränderungen werden aber so gravierend ausfallen, dass am alten Konzept von Arbeit sicherlich gerüttelt werden muss. Sinnstiftung durch Lohnarbeit wird massiv an Bedeutung und Einfluss verlieren und das dadurch entstehende Vakuum muss und wird rasch von einem neuen Konzept gefüllt werden. [20]

Wir stehen vor dem Beginn eines neuen Zeitalters. Wie dieses aussehen wird, steht aber noch nicht fest. Es liegt an den Menschen selbst, die Form, die die Zukunft annimmt, aktiv zu gestalten. Im letzten Teil der Beitragsserie über die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft soll ein umfassender Ausblick gewagt werden.


Weitere Beiträge der Serie

Link zu Teil 1: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Über Cotton Gin, Spinning Jenny und Sklaverei

Link zu Teil 2: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Eine Bestandsaufnahme in der Landwirtschaft

Link zu Teil 3: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Eine Bestandsaufnahme in der Industrie

Link zu Teil 4: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Eine Bestandsaufnahme im Management

Link zu Teil 5: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Roboter und Software im Dienstleistungssektor

Link zu Teil 6: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Telepräsenz, Kampfdrohnen und die ruhige Hand von DaVinci

Link zu Teil 7: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Der Blick in die Vergangenheit

Link zu Teil 8: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Glänzende Zukunft oder Mad Max Land

Link zu Teil 10: Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – Die Utopie


Über den Autor: Thilo Rösch (23) verfasste unter dem Titel „Die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“ an der Universität Erfurt im Fachbereich Staats- und Sozialwissenschaften seine Bachelorarbeit. Gegenwärtig studiert er im Master Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück. Das Werk, das Neue Debatte mit Zustimmung des Autors veröffentlicht, wurde journalistisch angepasst und erscheint als Beitragsserie.


[1] Marcuse, Herbert: Triebstruktur und Gesellschaft (Schriften, Band 5), Frankfurt am Main 1979, S. 190.

[2] Gorz, André: Wege ins Paradies, Paris/Berlin, S. 36f.

[3] Ebd., S. 50.

[4] Ebd.

[5] Ebd., S. 56f.

[6] Ebd., S. 69.

[7] Ebd., S. 72f.

[8] Ebd., S. 73.

[9] Ebd., S. 73f.

[10] Ebd., S. 75f.

[11] Ebd., S. 75f.

[12] Ebd., S. 76f.

[13] Ebd.

[14] Ebd., S. 80.

[15] Ebd., S. 86f.

[16] Ebd., S. 88f.

[17] Ebd., S. 94f.

[18] Ebd., S. 95f.

[19] Ebd., S. 98.

[20] Bittman, Felix: Soziologie der Zukunft – Intelligente Maschinen und ihr Einfluss auf die Gesellschaft, Berlin 2014, S. 156.


Fotos: Alex Block (Unsplash.com), Aufnahme von André Gorz von Lopsidedness (eigenes Werk, CC BY-SA 4.0) sowie Karikatur aus dem Neuen Postillon von 1896 (gemeinfrei).


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  1. Notwendige schrittweise Veränderungen in den Wirtschaftsstrukturen und deren Funktionalität hin zu sozial gerechten, ökologisch vertretbaren und fortschrittlich produktiven Gesellschaftsverhältnissen

    – Überall in der Welt müssen sich demokratische Gesellschaftsverhältnisse entwickeln und staatliche Institutionen zu dienstleistenden Verwaltungsorganen werden.
    Humane Daseinsbedingungen sind in zunehmendem Maße nur durch das aktive Wirken, durch die organisierte und koordinierte Teilhabe vieler, wenn nicht aller Menschen zu realisieren. In und mit diesem demokratischen Prozess der gemeinsamen Gegenwartsbewältigung und Zukunftsgestaltung müssen immer konsequenter die oft sehr unterschiedlichen individuellen, Gruppen-, nationalen und globalen Interessen aller Beteiligten wie auch deren Kompetenz berücksichtigt und beachtet werden.

    – Steuern und Abgaben müssen dort, wo man sie erarbeitet, für das Nützliche investiert, für soziale Gerechtigkeit eingesetzt und für kulturelle Bedürfnisse der Einzahlenden ausgegeben werden. Dazu bedarf es eines gerechten und gleichzeitig die Produktivkräfte der Gesellschaft fördernden Steuersystems. Zweierlei Arten von Steuern sind dazu erforderlich, die Einkommenssteuer und die Mehrwertsteuer.

    – Für eine gerechte Einkommenssteuer muss in der Verfassung das Recht auf Arbeit verankert sein, das mit der Verpflichtung für jeden Arbeitsfähigen verbunden ist, sich ein vertraglich gesichertes steuerpflichtiges Einkommen zu erarbeiten. Die Befähigung zur Arbeit und zur Kreativität ermöglichen es uns, die für unser Leben notwendigen Bedürfnisse befriedigen zu können. Die Mehrwertsteuer muss künftig auf den geldwerten Anteil vom erwirtschafteten Gewinn einer Betriebswirtschaft erhoben werden der nicht in die Reproduktion des Produktionsprozesses investiert wurde.

    – Um die grundlegenden Wirtschaftskreisläufe von Leistungserbringung, Verbrauch und Wiederbelebung in zusammenwirkenden Wirtschaftsregionen aufrecht zu erhalten, darf der geldwerte Gewinn aller Betriebswirtschaften nur in Kreditinstituten eingelagert werden, deren Geschäftsbereich in einem geschlossenen Wirtschaftsraum liegt. Geschäfte darüber hinaus müssen durch eine demokratisch kontrollierte Zentralbank vermittelt werden.

    – Kreditinstitute müssen unter Leitung einer demokratisch kontrollierten Zentralbank ihre Darlehen zielgerichtet, mit moderaten und jeweils entsprechend stimulierenden Zins- und Tilgungsraten an in erster Linie auf Nützlichkeit und mit dieser auf Gewinn zum zwischenmenschlichen Leistungsaustausch orientierte produktive Betriebswirtschaften sowie Dienstleistungsunternehmen aller Art vergeben. So würden mit Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein tätige und dadurch legitimierte Eigentümer von Produktionsmitteln durch fließendes Geld unterstützt, beziehungsweise deren Wirken vielfach überhaupt erst ermöglicht.

    – Energiebereitstellung muss weltweit für alle Menschen demokratisch stimuliert, gewährleistet, verantwortet und kontrolliert werden. Die dazu und die zur Gewinnung von Stoffen, Materialien und Wirkstoffen notwendigen natürlichen Ressourcen müssen zu garantiertem Eigentum der Menschheit als ganzes werden. Dazu bedarf es eines gerechten, sich von national bis schließlich weltweit gültig entwickelnden Bodennutzungsrechts.
    Das Energiesystem, das wir heute haben, ist langfristig nicht haltbar. Dafür gibt es drei zwingende Gründe: Erstens sind die Vorräte an Öl, Erdgas und Kohle endlich, zweitens brauchen die kommenden Generationen auch noch wertvolle Rohstoffe und drittens haben die Treibhausgas-Emissionen das Klima unseres Planeten bereits verändert und werden es noch weiter schädigen.
    Die Lösung dieser Probleme ist zwar erkenntnistheoretisch sowohl durch Verringern des Energieaufwandes als auch die effizientere Nutzung der Energieträger und der Energiequellen möglich, nicht aber in der neoliberal globalisierten Weltwirtschaft, da die Energiekonzerne durch den Zwang, größtmöglichen Profit erwirtschaften zu müssen, nicht in der Lage sind, ihre Produktion dahingehend umzustellen. Verallgemeinert auf die Nutzung aller für die Wirtschaft und die Landwirtschaft notwendigen Ressourcen gesehen, muss festgestellt werden, dass diese nur gemeinsam in einer solidarisch zusammenwirkenden Weltgemeinschaft aller Menschen zur Nutzung in Anspruch genommen werden können. Nur so können sich sozial gerechte, die Produktivkräfte nutzbringend steigernde und das Ökosystem Erde vor Zerstörung bewahrende Gesellschaftsverhältnisse für alle Menschen auf unserem Heimatplaneten etablieren.

    – Die großtechnische Verarbeitung von Rohstoffen zu hochwertigen Materialien oder Bauelementen muss künftig in ebenfalls weltweit demokratisch zur Produktion stimulierten und kontrollierten, vollautomatischen Betrieben an den geeignetsten, dem Bodennutzungsrecht entsprechenden Standorten geschehen. So können sie für das konkrete zwischenmenschliche Tätig- und Nützlich-sein, die von Menschen für Menschen zu leistende Arbeit verwendet werden.
    Vollautomatisch funktionierende Wirtschaftseinheiten brauchen nur Wachstum zur qualitativen Verbesserung ihrer Produkte aber keine ständig wachsende Profitrate. Kleine und mittelständige Betriebswirtschaften müssen durch Be- und Verarbeitung hochwertiger Materialien, Wirkstoffe und Bauelemente zu Gebrauchswerten beziehungsweise durch Erbringen von Dienstleistungen geldwerte Gewinne erarbeiten und sozial gerecht verteilen. So können proportional ausgewogene Wirtschaftskreisläufe zwischen Produktion – Distribution – Zirkulation – Konsumtion und Reproduktion und sowohl die Befriedigung der existenziell für uns Menschen notwendigen Bedürfnisse, wie Beköstigung, Bekleidung und Behausung, als auch alle unsere kulturellen und den Lebensgenuss befriedigenden Bedürfnisse durch fließendes Geld gewährleisten werden.

    Grundeinkommen ja oder nein:

    – Nicht ein bedingungsloses sondern der Anspruch auf ein sozial gerechtes und notwendiger Weise in der Zeit vom Übergang der kapitalistischen in eine solidarischere Wirtschaftsweise zu beantragendes Grundeinkommen kann die derzeitigen Probleme lösen.
    Jedem Menschen muss es möglich sein, mittels des von ihm selbst erarbeiteten Gewinns im Prozess seines konkret ihm möglichen Tätig-seins und entsprechend seiner Bedürfnisse und weltanschaulichen Vorstellungen sein Leben eigenwillig zu gestalten. Grundlegende Bedingungen dafür sind erstens,
    dass jegliche Bildung in gesellschaftlich bereitgestellten und verwalteten Einrichtungen unter demokratischer Kontrolle stattfindet und allen Menschen zugänglich ist. Grundlagen- und angewandte Forschung muss künftig in gesamtgesellschaftlicher, demokratisch kontrollierter Verantwortung geleistet und deren Ergebnisse ebenso verwertet werden. Das daraus hervorgehende Wissen muss allen Menschen zugänglich sein. Bildung und Erziehung muss in ihren Zielstellungen darauf gerichtet sein, dass jeder Mensch seine Begabungen und Talente erkennen und den auf deren Grundlage entstehenden Neigungen im Lernprozess nachgehen kann und dass er dementsprechend zu seinem eigenverantwortlichen Tätig-sein befähigt wird. Und zweitens muss es
    ein sozial gerechtes Grundeinkommen für jede und jeden, die oder der es aus zu rechtfertigenden Gründen wie Erziehung von Kindern, Pflege von Angehörigen, altersgemäßes Ausscheiden aus dem Berufsleben, Erwerbsarbeitslosigkeit, selbstständiges künstlerisches, handwerkliches, landwirtschaftliches und so weiter Arbeiten, Krankheit, Behinderung und vieles mehr in Anspruch nehmen will.
    – Wir Menschen müssen kreativ sein um leben zu können, denn unsere Bestimmung, die uns unser Lebenswille auferlegt ist die sich zufallsnotwendig ereignende, natürliche Wirklichkeit in unserer bewusst und vernünftig gestalteten, Vervollkommnung und Schönheit erstrebenden, kulturellen Wirklichkeit aufzuheben und so unsere Welt in ihrer Ganzheit zu bewahren. Und darum müssen uns Menschen all die Rechte zugestanden werden, durch deren Inanspruchnahme wir unsere wesenseigenen Bedürfnisse befriedigen, uns immer besser zu kreativem Wirken befähigen und so unsere Pflichten erfüllen können. Kultur, Kunst, Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik – unser alltägliches Zusammenwirken also – sind Bewegungs- und Betätigungsfelder menschlicher Kreativität.

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