Die fünfte Kolonne und die Journaille

Medien degenerieren zu Propagandaorganen einer Politik, die nicht den Frieden will. Der Westen ist gut, der Russe böse. Wer anmahnt, einmal über Zusammenhänge nachzudenken, wird direkt oder indirekt als „Fünfte Kolonne“ diskreditiert. Ein durchschaubares Spiel.

Wer die Zeiten nicht mehr kennt, der kann sich über die Auswüchse auch nicht sonderlich aufregen. Wer sie allerdings kennt und die Analogien leugnet, der arbeitet mit an dem großen Plan der Zerstörung.

Es ist unglaublich, aber die bösen Bilder der alten Propaganda geistern durch den deutschen Journalismus, als wären sie nie weg gewesen. Irgendwie steckt hinter all dem Unheil der Russe. Alle, die andere Interessen vertreten, sympathisieren mit dem Terrorismus und diejenigen, die anmahnen, einmal über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken, bevor sie für militärische Aktionen plädieren, werden gleich als fünfte Kolonne [1] bezeichnet. Spiegel online über die Linke: Putins Bollwerk in Berlin! [2]

Es ist ein Denken in Freund und Feind, in Schwarz und Weiß. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und wer nicht unserem Weg folgen will, der ist nicht nur ein feindliches Element, sondern der ist uns auch moralisch unterlegen.

Das Phänomen ist bekannt. Wer die positiven Werte einer Gesellschaft für sich reklamiert, der hat erst einmal die Nase vorn, der besitzt die Lufthoheit, wie manche Zyniker es gerne ausdrücken. Wenn die Propagandistin aus dem Verteidigungsministerium zum Halali bläst, dann natürlich im Rekurs auf unsere Werte.

Letztere sind, was die Kommunikation zwischen Mandatsträgern und Volk betrifft, längst auf der Strecke geblieben. Es mutet an, als sei die heimliche Erosion all dessen, was an Aufklärung innerhalb der Verfassung steckt, seit mittlerweile drei Jahrzehnten im Gange. Der Zeitraum ist nicht zufällig, sondern er geht einher mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.

Fukuyamas „Ende der Geschichte“ [3] bedeutete auch, dass der Westen die Camouflage beenden konnte und die Pläne für ein Großdeutsches Reich  zumindest einmal wieder zur Ansicht freigab. Jede Aggression Richtung Osten ist seitdem ein willkommener Anlass, sich einen Blick auf die begehrte Beute zu gönnen.

Wäre da nicht das Hindernis, der eigenen militärischen Schwäche und die partielle Unkalkulierbarkeit vor allem des Bündnispartners USA. Im Krieg gegen Russland scheint er eine Bank zu sein, in Gesprächen über die Aufteilung der Beute ist er allerdings nicht mehr allzu freundschaftlich gesinnt. Es kann auch sein, dass die Liaison lediglich zu einem führt, nämlich der eigenen Vernichtung. Denn ohne eigene Streitkräfte, die den Namen verdienten, bleibt der Status eines Mündels. Und bei den geostrategischen Herausforderungen, vor denen das taumelnde Imperium USA steht, kann es schon passieren, dass die Sicherheit der Suprematie über Nacht dahin schwindet. Zumindest hinsichtlich eigener Bündnisbeschwörungen.

Aber sie reden weiter und lassen weiter schreiben, als hätten sie beim Stürmer [4] ihr Handwerk gelernt. Als hätte es nie einen Antifaschismus und eine Friedensbewegung gegeben.

Da kommen Fälscherrotzlöffel wie ein ehemaliger Verteidigungsminister, der über Betrug gestolpert ist, aus ihrem „amerikanischen Exil“ und fordern zum aggressiven Bruch des Völkerrechts und militärischen Interventionen in fremden Ländern auf. Und die Journaille – man entschuldige die Verwendung des Begriffes, aber auch der soll ja an die alten Zeiten erinnern – pimpt den Hallodri auch noch in die Schlagzeilen. Oder, wie eh und je, das berühmte Kontaminierungsorgan des Springerkonzerns zitiert Syrer, die darum betteln, militärisch viel stärker gegen ihr Land vorzugehen.

Das Volk sieht, nimmt man demoskopische Resultate als Indizien wahr, was da passiert. Es sieht die Degeneration der Medien zu Propagandaorganen und es sieht eine Politik, die nicht den Frieden will. Und es befürwortet beides nicht. Die einzige Spekulation, die momentan Spaß macht, ist die über den Zeitpunkt einer gewaltigen Opposition.


Gerhard Mersmann bloggt auf Form7

Über den Autor: Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure. Sein Beitrag erschien erstmals auf seinem Blog.


[1] Heimliche, subversiv tätige oder der Subversion verdächtige Gruppierungen werden als „Fünfte Kolonne“ bezeichnet, deren Ziel der Umsturz einer bestehenden Ordnung im Interesse einer fremden aggressiven Macht ist.

[2]Linkspartei und der Syrienkonflikt – Putins Bollwerk in Berlin. Auf: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-linke-und-der-syrien-konflikt-bollwerk-fuer-wladimir-putin-in-berlin-a-1203655.html [Abgerufen: 24.04.2018].

[3] Der Begriff Ende der Geschichte (engl.: End of History) wurde vom Politikwissenschaftler Francis Fukuyama durch einen Artikel und ein Buch (The End of History and the Last Man, 1992) popularisiert. Fukuyama vertrat die These, dass sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der von ihr abhängigen sozialistischen Staaten zeitnah die Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft endgültig und überall durchsetzen würden. Mehr Informationen auf Wikipedia.

[4] Der Stürmer war der Titel einer am 20. April 1923 von Julius Streicher in Nürnberg gegründeten antisemitischen Wochenzeitung. Sie bediente sich einer besonders hetzerischen Sprache und zeichnete sich durch drastische – bei Schilderungen von sogenannten „Rassendelikten“ pornographische – Berichte, Bilder und Karikaturen aus.


Foto: Peter Dargatz (Pixabay.com; Creative Commons CC0)


Like a Boss. (Foto: Brooke Lark; Unsplash.com)

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  1. Es gibt Tage, da überlege ich, wie die Welt wohl aussehen würde (die letzten fast 70 Jahre ausgesehen hätte), wenn „die Regionalmacht“ KEINE Atomwaffen gehabt hätte.

    Man KÖNNTE den Faden natürlich auch noch mal weiter spinnen, wie es aussehen würde, wenn die anderen Atom-Besitzer (außer England und Frankreich) nackt da stehen würden. Pakistan, …? Diese Antworten spielen bei der Ergänzungsfrage eine Rolle: „Wieso darf der Iran (und ggf. auch Nord-Korea) keine Atombomben haben?“ Müsste „man“ dann kleinere Brötchen backen?

    Mindestens Nord-Korea kann man nicht absprechen, dass sie eine sehr engagierte Nachrichtensprecherin haben, um die es mir leid tun würde, wenn diese Frau, in ihrem rosa Tütü, ihr vollstes Engagement, ihre panische Angst vor dem bösen Feind und ihren Stolz auf ihr „Vaterland“ nicht mehr ins Mikrofon schreien könnte.

    Dieses Fragespiel schien ausgeglichen, bis zu dem Tag, als Trump ankündigte, dass seine Atomwaffen für einen Nadelstich zu groß seien und man deswegen kleinere Atomwaffen entwickeln müsse. Man will den Gegner ja nicht auslöschen oder zu einer „Antwort“ ermutigen, sondern nur mal kräftig auf den Fuß treten und: „Hallo“, sagen.

    Einfach mal zeigen, dass man den viel längeren … äh sry, größeren Knopf hat.

    Es gibt Tage, da wünsche ich mir, dass die einen und die anderen einfach mal antreten und zeigen, ob sie wirklich das drauf haben, was die Propagandamaschinen so behaupten und was die Steuerzahler (meist teuer) bezahlt haben. Dann gucke ich schnell auf einen Globus und stelle fest, dass ich genau in der Mitte wohne. Scheiße!
    Also geht das Spiel der Bekloppten und Angeber der letzten 75 Jahre auch noch in der nächsten Zeit (Politiker-Generation) weiter.

    Und alle machen mit!
    PRIMA!

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  2. Uwe leonhardt 25. April 2018 um 20:48

    Das alles so ist, wie es ist, hat meines Erachtens den Hauptgrund in uns selbst. Der größere Teil unserer konsumgeilen Bevölkerung degradiert sich täglich, indem er gedankenlos die hirnlosen Brotkrumen der Werbeindustrie, der Medien und der verdorbenen Politik wie abgerichtete Hunde am Tisch des Herrchens aufschnappt. Die Frage zu stellen nach einer mehrheitlichen Opposition halte ich deshalb auch noch zu verfrüht. Schaut Euch doch nur mal die gehetzten Menschen ringsherum an. Sicher kennt man den einen oder anderen, der ähnlich denkt und fühlt wie wir. Doch wenn es darauf ankommen würde, stünden wir wahrscheinlich im Regen. Eher glaube oder hoffe ich, dass unsere Nachbarländer mit dem viel höheren Leidensdruck ordentlich Gas geben und eine kritische Masse erreichen können. Solidarität ist dem Deutschen nicht fremd, aber die Übung darin scheint nicht gerade eine Tugend von uns zu sein. Da können wir von den Südeuropäern noch was lernen.
    Und träumen wir mal, es würde tatsächlich unseren Politikern über Nacht einfallen, zurück zu treten…..
    Wie sollte eine neue Führung dann aussehen?
    Die Räterepublik stünde glaube ich nicht in Wartestellung und könnte daher das verwirrte Volk auch nicht in eine bessere Zukunft führen, weil das mehrheitliche Volk den öffentlich rechtlichen Medien leider immer noch den letzten Mist abkauft. Vielleicht braucht es einfach noch Zeit und Geduld, bis die Jungen Wilden durchstarten. Wir wollen glauben, dass es eine REVOLUTION geben könnte. Dazu muss die Zeit tatsächlich reif sein. Kraft muss klug eingeteilt werden. Kraft muss gezielt auf einen Punkt gebracht werden. Erst dann können wir die Welt aus den Angeln heben.
    Ich finde es gut, dass es eine Bewegung zur Gründung einer echten und friedfertigen deutschen Verfassung gibt. Das ist die rechtliche Grundlage für alles Weitere. Selbst die Einhaltung des Völkerrechtes jedoch ist mit unserer Regierung defacto ausser Kraft gesetzt.
    Also werden wir nicht müde weiter zu reden, zur reden, zu reden und zu verweigern.
    Sara Wagenknecht könnte mal ein übergreifendes überparteiliches Zeichen setzen und alle Bürger ansprechen mit ihren wichtigsten Themen. Sie hat, so glaube ich wenigstens, das Charisma einer Führerin. Wenn Sie dazu auch noch Teamfähigkeit besäße, dann wäre Sie eine Personalie für das neue Deutschland, der ich ziemlich Vertrauen schenken könnte.
    Könnte, wäre,…..

    Schauen wir mal.

    L.G.
    Uwe L.

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