Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?

Was ist Geld? Auf jeden Fall keine unerklärliche Macht. Der Historiker Reinhard Paulsen zeichnet in seinem aktuellen Buch die Entwicklung des Geldes bis in die Gegenwart nach, in der Banken und Finanzwirtschaft ihre ruinösen Geld- und Finanzpraktiken zu verschleiern suchen.

Wer Wirtschaftsfaktoren besitzt, hat Macht über jene Menschen, die Nichtbesitzende sind. Besitz bedeutet Verfügungsmacht. Aus dieser erwächst nicht nur Entscheidungsgewalt, sondern auch die politische Herrschaft im und über den Staat – und die Macht über das Geld. Doch was ist Geld?

Der Historiker Reinhard Paulsen entzaubert in seinem aktuellen Buch „Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?“ die Mystifikationen des Geldes und zeigt dessen Potential als Kulturtechnik auf, das sich aber nur entfalten kann, wenn sich die Menschheit von der ruinösen Bank- und Finanzwirtschaft der Gegenwart trennt, die das Geld für ihre Zwecke und die Interessen einer besitzenden Elite instrumentalisiert hat.

Geld ist kein Mysterium

Regiert Geld wirklich die Welt? Wie ist das eigentlich möglich? Was geschieht in einer Gesellschaft mit, durch und für Geld? Was ist Geld überhaupt? Zahlreiche Autoren haben sich an diesen und ähnlichen Fragen versucht. Befriedigende Antworten zu finden, erweist sich als schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.

Die Verwirrung über das Wesen und die Funktion von Geld nimmt scheinbar sogar zu, je mehr sich die Bank- und Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft entfernt. Die Jagd nach Geld, Knete, Zaster, Moos, Asche erfasst selbst die kleinsten sozialen Einheiten. Jeder strebt nach dem Lebenselixier. So wird Geld fast schon wie ein Mysterium gesehen, von dem eine unerklärliche Macht ausgeht, die alles, jeden und jeden Winkel beherrscht.

Um den Verwirrungen und der Mystifikation rund um das Geld entgegenzutreten, zeichnet Reinhard Paulsen nicht nur dessen Entstehungsgeschichte nach, sondern stellt in der Einleitung seines Buches „Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?“ heraus, dass das gesellschaftspolitisch bestimmende Establishment mithilfe der etablierten Wissenschaften alles daran setzt, nicht nur die Grundzusammenhänge von Wirtschaft und Gesellschaft zu verschleiern, sondern auch die Antwort auf die Frage „Was ist Geld?“ schuldig zu bleiben.

Denn im Kern dreht sich alles um den Erhalt der bestehenden Besitzverhältnisse. Die damit untrennbar verbundene Spaltung der Gesellschaft in Klassen und die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung durch die Elite der Besitzenden, ist Ausgangspunkt der Argumentation:

„Es ist kein Geheimnis, dass Gesellschaften sich in unterschiedliche Interessengruppen aufspalten. Die wohl entschiedenste Spaltung ergibt sich aus einseitiger Beanspruchung und Verteilung von Besitz. […] Privater Besitz an Wirtschaftsfaktoren bedeutet Macht über die Lebensbedingungen der Nichtbesitzenden. Aus dieser Verfügungs- und Entscheidungsgewalt erwächst politische Herrschaft im und über den Staat – und die Macht über das eingebettete Geld.“

Der Historiker erkennt eine Tabuisierung durch die offizielle Wissenschaft „von oben“, die „Ideologien verbreitet, in denen ökonomische Klassen, Ausbeutung, Arbeitswert und politische Klassenherrschaft“ nicht thematisiert würden und „in denen Geld zu einem arbeitswertfreien Mysterium gemacht wird“.

Das große Tabu

Dagegen sind die Ausarbeitungen und Argumente in „Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?“ als Wissenschaft von unten zu verstehen, die die ökonomische Ordnung anzweifelt, eine antikapitalistische Position einnimmt und diese auch offensiv vertritt. Es wird somit am wissenschaftlichen Marxismus angeknüpft, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vom kapitalistischen Westen quasi abgewickelt und „durch die scheinbar bestätigte, bürgerliche Wissenschaft westlichen Typs“ ersetzt wurde.

Reinhard Paulsen geht seinen eigenen Weg. Er nutzt Erkenntnisse, die nicht nur auf Karl Marx und Friedrich Engels zurückgehen, über die „herrschenden Besitzklassen einerseits und der übergroßen Masse der produzierenden und arbeitenden Bevölkerung andererseits“, denn lediglich auf der „Grundlage solcher Wissenschaft wird das weltgeschichtliche Ausmaß dessen, was sich momentan auf dem Globus abspielt, in aller Konsequenz deutlich […].“

Thematisiert werden zwei geschichtliche Stränge: Geld als Kulturtechnik und „geniale Erfindung wirtschaftender Gesellschaften“ sowie die Instrumentalisierung von Geld in „neu entstandenen Klassenstaaten“, in denen es als Mittel „der Bereicherung und Ausbeutung“ dient – das große Tabu.

„Will man allerdings Wesen und gesellschaftliche Realität des Geldes verstehen, muss man bereit sein, dieses Tabu zu brechen und von Klassengesellschaft und gewaltbasierten Klassenstaaten, von juristisch sanktionierten Besitzverhältnissen und Ausbeutung der arbeitenden Massen reden.“

Verfügungsgewalt, Papiergeld und gewissenlose Spekulanten

Das Grundverständnis von Geld und der Aspekt der Gerechtigkeit in menschlichen Gemeinschaften, die aus der ökonomischen Debatte des Mainstreams verschwunden sind, wird von Reinhard Paulsen schon im zweiten Kapitel ins Zentrum gerückt. Er führt den Leser über das Scheitern früher Verteilungsarten, den Warentausch, den Wertformen produzierter Waren bis zu den Grundlegenden Geldfunktionen und dem alles entscheidenden historische Einschnitt: der Staatenbildung und der Überführung des Geldes in die Verfügungsgewalt der herrschenden Klasse. Dieser Zustand hat die Zeit überdauert und ist bis heute so geblieben.

Besonders lesenswert ist der Abschnitt zur Entstehung von Papiergeld. Dramatisch in der Sache, aber dennoch amüsant zu lesen, ist der Seitenblick auf den „Großen Coup“ des Wirtschaftstheoretikers und Finanzjongleurs John Law. Sein Wirken stürzte Frankreich im 18. Jahrhundert in eine schwere Krise, an deren Ende sich auch der Staat als gewissenloser Spekulant demaskierte.

Buchgeld, Währungen mit und ohne Golddeckung und die Geldschöpfung privatwirtschaftlicher Banken sowie das sie legitimierende Rechtssystem und Gesetzeswesen unterzieht der Autor einer kritischen Betrachtung, die so fokussiert wohl selten anzutreffen ist.

Bargeldlose elektronische Fußfesseln

Auch das elektronische Kreditgeld und die Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle des Ökonomen Prof. Franz Hörmann, dem „Querdenker des wirtschaftswissenschaftlichen Mainstreams“, setzt Reinhard Paulsen einem Stresstest aus – mit erstaunlichem Ausgang.

Spätestens bei der Überschrift „Bargeldlose elektronische Fußfesseln“ dürfte der Leser erahnen, was sich hinter der nächsten Biegung, nämlich der Abschaffung von Bargeld, verbirgt. Wie weit die Geldmystifizierung durch die Wissenschaft von oben getrieben wird, zeigt der Autor an einem Extrembeispiel auf: Der Behauptung, Geld sei ein „leeres Wesen“.

Mit „Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?“ legt Reinhard Paulsen nicht nur ein lesens- und empfehlenswertes Buch vor, das trotz seiner Komprimierung auf 104 Seiten selbst verschüttet geglaubte Details erklärt, sondern dem kritischen Leser werden schonungslos die Augen geöffnet für ein System der Herrschaft, das in der Gegenwart die arbeitenden Menschen über das Geld versklavt und ausplündert.


Geld - Fluch oder Segen der Menschheit. (Buchcover: Reinhard Paulsen)Geld – Fluch oder Segen der Menschheit?

Erschienen im Verlag tredition

Autor: Reinhard Paulsen

Seiten: 104

ISBN: 978-3-7469-2691-9 (e-book)
ISBN: 978-3-7469-2689-6 (Paperback)
ISBN: 978-3-7469-2690-2 (Hardcover)


Foto/Cover: Chris Benson (Unsplash.com) und Reinhard Paulsen (privat)

 

  1. Stefan Elbel 2. Mai 2018 um 16:33

    Regiert Geld wirklich die Welt?
    Ein eindeutiges Ja.

    Der Mensch ist zum Sklaven des „Geldes“ geworden.
    Der arbeitende Mensch „dient“ dem Kapital. Am 5. Mai 2018 wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Fast jeder kennt sein Hauptwerk „Das Kapital“. Auch wenn Karl Marx nicht mit allem recht hatte, der Kommunismus nicht besser war , so hatte er mit vielem recht: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Das „Geld“ macht den Menschen kaputt.Die arbeitenden Menschen schaffen Arbeit und damit noch mehr für die Reichen. Die Soziale Marktwirtschaft schafft Wohlstand und Wachstum – die gute Situation in Deutschland ist der Beleg für den Erfolg unseres Wirtschaftssystems? Wirklich? Wer profitiert wirklich vom Erfolg des Wirtschaftssystem. Es sind die Konzerne und die Aktionäre. Es sind die Reichen.

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  2. >Die Verwirrung über das Wesen und die Funktion von Geld nimmt scheinbar sogar zu

    Das Wesen des Geldes ist die Lüge in dem das Geld stets als Totalidentifikation des Seins mit dem Spiegel erscheint:
    Ich bin Du! Der Schein (Spiegel) gibt sich als Sein aus. Das ist die Lüge.
    Wir haben hier ein Narzisstisches Problem vorliegen, in dem sich die Menschenseele selbst bespiegelt und das Bild für das Wirkliche hält.

    So IST das Geld (G) ein Auto, aber auch:
    G=Vergnügen,
    G=Grundstück,
    G=Dienstleistung,
    G=Sicherheit(Rente)
    [a=b] Identitätssatz
    [a=a] Existenzsatz: ich bin der ich bin

    Das Geld kann deswegen ALLES sein, weil es selbst nichts ist. Man kann es weder essen – höchstens verbrennen, wenn es aus Papier besteht …

    Besitzverhältnisse resultieren aus dem Rechtsempfinden und der Übereinkunft von Kompetenzen mit dem zu Besitzendem: ein Fahrrad zu besitzen, macht nur Sinn, wenn man es fahren kann usw..
    Eine bloße Anhäufung von Besitztümern z.B aus Machtgründen ist UNRECHT.

    Selbst wenn es Geld gibt, kann dieses nicht durch sich selbst für RECHT sorgen. Es ist selbst ein Rechtsmittel (Vertrag, Anspruch auf Leistung) und muß als solches durch RECHT (Quellen) bestimmt werden.

    Dies sind die beiden gröbsten Fehler, die man im Umgang mit Geld machen kann:
    1. es wird nicht als Rechtsmittel, sondern z.B. als Ware aufgefaßt. Da es somit an keinen Rechtsrahmen gekoppelt ist, „darf“ es machen, was „es“ will – wenn ich (be)zahlen kann „ist ALLES gut“ …

    2. Geld ist ein Instrument, welches auf Mißtrauen basiert (was durch den fehlenden Rechtsrahmen zusätzlich verstärkt wird). Möchte ein Volk oder eine Gemeinschaft wieder ins Vertrauen kommen, müssen Formen und Wege gesucht werden, das Geld abzuschaffen. Das Geld, muß, wenn es seinem Wesen nach begriffen worden ist, als notwendiges Übel kommuniziert werden, so daß es – wenn die Bewußtseine im Umgange damit reifen – auch abgeschafft werden kann. Siehe z.B. Ubuntu – Bewegung …

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  3. Claus Meyer 13. Mai 2018 um 15:57

    Da haben wir hoffentlich festgestellt, dass das heutige Geldsystem nur Vorteile für die ganz Reichen bietet und gleichzeitig auch noch mit einem Zusammenbruch enden muss.
    Da gibt es Reihe Wissenschaftler, die sich mit dem heutigen System befasst haben und auch Lösungen anbieten. Es ist das Kreditgeld- und Zinsgeldsystem, das immer mit einem Crash enden muss. Der wesentliche Grund ist, dass Banken die Herausgeber Kreditgeldes einschließlich Zinsen sind. Die erste Frage dabei kann nur heißen, warum man profitorientierten Unternehmen diese Aufgabe zugeteilt hat. Nicht nur, dass sie dieses Recht für sich in Anspruch genommen haben, sondern, dass nur sie sich dazu berechtigt fühlen. Da existiert nun ein Staat mit seinen Bürgern und überlässt einigen wenigen Personen, wie und wo Gelder entstehen und vergehen. Das darf doch nicht wahr sein, dass wir uns alle solch einem unglücklichen System beugen. Wann werden wir uns davon befreien.
    Was ist der eigentliche Grund für Geld: es sollte den Tausch von Waren einfacher gestalten und Dienstleistungen entgelten.
    Was machen wir heute damit, die Eigentümer großer Geldmengen spekulieren, um aus Geld noch mehr Geld zu machen. Bei Aufgaben für das Gemeinwohl wir müssen erst einmal Geld haben, um dann eine Arbeit beginnen zu können. Diese Aufgaben können aber nach der heutigen Auffassung nur dann begonnen werden, wenn das erforderliche Geld vorhanden ist. Wenn es nicht vorhanden ist, gibt es 2 Wege, das anstehende Problem zu lösen. Erstens, man verschiebt die Lösung der Aufgabe in die Zukunft. Zweitens, man nimmt einen Kredit auf. Dass heißt immer, man verlagert diese Arbeit auf die Nachkommen, sollen die doch sehen, wie sie das Problem lösen. Das ist reinster Egoismus, der wieder ein Resultat unseres Geldsystems ist, weil es geradezu dazu verleitet.
    Man könnte ja auch eine andere Lösung finden, bei der nicht alle Bürger sich den Entscheidungen Weniger beugen müssen.

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