Es sollte sich nicht wiederholen!

Die Abwehr dessen, was als Phalanx von Faschismus und Krieg zu begreifen ist, kann nur mit einer Doppelstrategie erfolgreich sein. Es gilt, den Kampf gegen beide Flügel der Elite zu führen – gegen die Neoliberalen und die Neofaschisten.

Jetzt haben wir es gehört. Wie das rassistische Design den Weg zum Rednerpult des Bundestages gefunden hat. Es ging nur um den ersten Satz. Um mehr nicht, aber auch nicht um weniger. Als AfD-Vorstand Alice Weidel, ihrerseits akademisch gebildet und Mitbetreiberin einer Unternehmensberatung, zum Thema Regierungshaushalt ihre Rede eröffnete, wusste sie, dass es nur auf den ersten Satz ankam, um ihre Botschaft zu senden. [1]

Und so bezog sich dieser Satz auch nicht auf die Regierung und ihre politische Ausrichtung, sondern auf diejenigen, die ihrerseits die Verantwortung dafür tragen sollen, dass der Sozialhaushalt nicht solide finanziert werden kann.

Weidel sprach dabei von „Kopftuchmädchen, Messermännern und sonstigen Taugenichtsen.“ [2] Das war klug, das war sehr klug, denn die gewählten Substantive trafen genau das, was als dumpfe Mischung dazu geeignet ist, ein Feindbild zu schaffen, das es in sich hat. Es ist genderdiffamierend, es ist rassistisch und es ist antisolidarisch. Das ist ein Design, das wir seit den Nazis so kennen. Damit spielt man nicht. Und wer damit spielt, dem muss das Handwerk gelegt werden – politisch, wirtschaftlich und strafrechtlich. Brandfackeln wie Alice Weidel einfach weiter so flackern zu lassen mit dem Verweis auf demokratische Rechte, ist so, als ermunterte man sie nur dazu, weiter mit dem Ölkännchen auf Tournee zu gehen.

Aber machen wir uns nichts vor. Das ist die eine Seite, die besorgen muss. Die andere ist die, sich einer Politik hinzugeben, die sich als moralisch überlegen und alternativlos wähnt, obwohl sie voller Unzulänglichkeiten ist. Zu vieles ist in den letzten Jahren nicht mehr erklärt worden, zu vieles strotzt voller Widersprüche, als dass sich nicht zunehmend viele Menschen als Opfer einer Machtarroganz fühlen, derer sie überdrüssig sind.

Der Kampf gegen diese Art der Arroganz ist ebenso erforderlich wie der Kampf gegen den klug designten, aber auf die Dumpfheit abzielenden Faschismus.

Unterm Strich steht eine Summe, die ebenfalls nicht neu ist, mit der im Hier und Heute jedoch niemand gerechnet hat. Es ist die Erkenntnis, dass die beiden Triebkräfte des Faschismus der Elite entstammen. Es ist die Dominanz der Schamlosigkeit, die auf beiden Seiten vorherrscht. Die einen sich schamlos an der eigenen Macht und am eigenen Reichtum labend, die anderen schamlos auf die Wut und Demütigung der Übervorteilten spekulierend. Das ist es, was als Kern des Problems zu identifizieren ist.

Auch das ist nicht alt, aber das Wissen um seinen Bestand muss beflügeln. Es geht darum, schnellstens den Kampf gegen beide Flügel der Elite zu führen. Es reicht nicht, sich den Mächtigen anzuschließen, um die Hungrigen zu bekämpfen. Die Mächtigen müssen lernen, dass sie kein anderes Schicksal erwartet als diejenigen, die jetzt mit böser Zunge am Feuer spielen.

Die Abwehr dessen, was als Phalanx von Faschismus und Krieg zu begreifen ist, kann nur mit einer Doppelstrategie zum Erfolg führen: Die Neoliberalen wie die Neofaschisten gehören in einen Sack. Wer sich von nur einer Seite instrumentalisieren lässt, steht nachher geschlagen und beraubt auf freiem Feld. Auch das ist bekannt, altbekannt. Aber es sollte sich nicht wiederholen!


Gerhard Mersmann bloggt auf Form7

Über den Autor: Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure. Sein Beitrag erschien erstmals auf seinem Blog.


[1] Von Goldman Sachs zur AfD-Spitze. Beitrag im Manager Magazin vom 24.04.2017: www.manager-magazin.de/koepfe/alice-weidel-afd-frontfrau-a-1144588.html [abgerufen: 20.05.2018]. 

[2] Einspruch gegen Ordnungsruf mit 549 Stimmen abgelehnt. Information des Bundestages vom 17.05.2018: www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw20-de-einspruch-ordnungsruf/555494 [abgerufen: 20.05.2018] 


Foto: Jake Roxen (Unsplash.com)


Like a Boss. (Foto: Brooke Lark; Unsplash.com)

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  1. Es wiederholt sich doch ständig!
    Alice Weidel ist doch nur Neusprech für Franz Josef Strauss. Die CDU/CSU hat nicht nur die AfD ermöglicht, sie sind und waren es immer selbst. Nazis, Stasis und Merkels haben nach den Zusammenbrüchen in der CDU eine neue Heimat gefunden. Die SPD hat mitgemacht. Beide haben uns in neue Kriege geführt. Die Grünen haben dazu zum Morgenappell geblasen, die Linke hat sich geduckt und die FDP hat das Fähnchen in den Wind gehängt.

    Dieser ganze verlogene, faschistischer Parteienapparat muss mit Stumpf und Stiel endgültig beseitig werden. Geht einfach nicht mehr zur Qual/Wahl!

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  2. Jürgen Elsen 21. Mai 2018 um 12:33

    Für mich ist es das Wichtigste eine Vision zu verinnerlichen, die im Einklang mit meinem Selbst steht und von der ich den Eindruck habe, etwas durch mein Handeln dazu beizutragen (da mein Selbst im Weltenganzen steht, ist das, was ich durch und für das SELBST tue, genau das, was die Welt von mir braucht zur Weiterentwicklung / Transformation).

    Deshalb kämpfe ich nicht (dagegen usw.), brauche kein Abwehr, Verteidigung, sondern setze meine Energien FÜR die Vision ein und handele.
    Deshalb „fordere“ ich nicht, wünsche ich mir nicht, sprich: die ganzen Konjunktiv 2 (Modalverben) gehen mir am A… vorbei.

    Falls dann ein Angriff auf mich, meine Gruppe oder dergleichen erfolgt, ist es natürlich gut, zu wissen, wie ich dann, bzw. mit welchen Mitteln am besten gekämpft werden kann …

    Die Antwort auf die dann entstehenden Fragen und Ressourcenverfügbarkeiten erhalte ich durch mein in Liebe getauchtes Handeln (was dann durchaus bestimmt, klar, vielleicht sogar „hart“ sein kann).

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