Wie geht eigentlich sterben?

Nichts ist umsonst. Auch sterben nicht. Auch nicht in Österreich. Aber keine Sorge – damit du weißt, auf was du dich einlässt, hat Hannah Wahl einen kleinen Sterberatgeber für dich parat.

Wir fühlen uns unsterblich. Wir denken nicht ans Altern, bis wir plötzlich in den Uni-Kursen Gesprächsthemen mit SeniorstudentInnen finden. Die harten Partynächte sind auch am abklingen, und wir bevorzugen es, unsere Prüfungen ausgeschlafen und gut vorbereitet zu absolvieren. Dann entdeckt man die erste Falte auf der Stirn, die man gekonnt als Symptom des langjährigen Studiums ausmacht. Trotzdem haben wir immer noch unser ganzes Leben vor uns, und so vergisst man lieber schnell, dass es ein unbekanntes Ablaufdatum hat. Dieser Text soll nicht einfach sagen: Carpe diem oder memento mori. Sondern: Sei gut vorbereitet.

Natürlich kann man unbedacht den Löffel abgeben. Gerade als AtheistIn ist es einem doch egal was ist, wenn man nicht mehr ist. Das dachte ich bislang jedenfalls. Mit einiger Vorbereitung kann man der Familie jedoch einiges Ersparen.

(1) Der Zeitpunkt

Möglichst nicht vor Weihnachten sterben: Immerhin stört das den alljährlichen Kitsch, und das fröhliche Bescheren wird auch nicht in gewohnter Stimmung stattfinden. Außerdem entscheiden sich viel zu viele Menschen, Weihnachten lieber nicht mehr zu erleben, weswegen etliche Stunden vergehen können, bis ein Amtsarzt kommt, um den Tod festzustellen. Erst danach kann das Bestattungsunternehmen informiert werden. Auch wenn diese versichern, die genaue Adresse schon zu haben, geh auf Nummer sicher, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, und wiederhole die Adresse samt Stockwerk.

(2) Der Ort

Versuche möglichst nicht im exotischen Ausland zu versterben – denn das bringt haufenweise Bürokratie und Kosten für deine Familie mit sich. Solltest du dennoch im Ausland versterben, wird zuerst die österreichische Vertretungsbehörde informiert, die sich um die Verständigung deiner Angehörigen kümmert. Es folgt die Überführung des Leichnams, die die Zusammenarbeit des Bestattungsunternehmens im Ausland mit dem in Österreich erfordert. Je exotischer das Land, desto schwieriger könnte dieses Unterfangen werden. Wenn du eine Reiseversicherung abgeschlossen hast, wird’s billiger für die Angehörigen, denn die inkludiert normalerweise auch die letzte Reise – die Leichnamsüberführung. Immerhin spart man sich in diesem (Todes-) Fall die Anzeige beim Standesamt und kann sich gleich auf die Ausstellung eines mehrsprachigen Leichenpasses und die Bestattungsorganisation im Zielland konzentrieren.

(3) Die Vorsorge

Um deinen Liebsten möglichst viel abzunehmen, empfiehlt es sich schriftlich und unmissverständlich festzuhalten, was man will und was man nicht will. Die Bestattungsunternehmen müssen deinem Willen über die präferierte Bestattungsart nachkommen. Ist dein Wille nicht klar erkennbar, geht die Entscheidungsgewalt – in der genannten Reihenfolge – zu Ehepartnern oder eingetragenen Partnern, zu den großjährigen Kindern, den Eltern und den Geschwistern über. Neben der Bestattungsverfügung, in der deine Wünsche rechtlich bindend festgehalten werden können, regelt eine Sterbegeldversicherung auch das Finanzielle. Ganz praktisch kann man die Zahlung der monatlichen Raten per Einzug vom Konto abbuchen lassen. Im Todesfall wird die eingezahlte Summe dann für deine Bestattung wieder ausgezahlt.

(4) Die Organisation

Die traditionelle Erdbestattung ist in Österreich immer noch sehr beliebt, und das, obwohl diese Variante relativ kostenintensiv ist. Für einen Sarg, der je nach Verabschiedung ca. 30-60 Min. zu sehen ist, kann man auch mehrere tausend Euro hinblättern. Die Kosten sind vom Material abhängig, von Kiefer bis Mahagony ist die Auswahl groß. Die mittlerweile populärste Bestattungsform ist die Feuerbestattung, die bereits 1934 in Österreich der Erdbestattung gleichgestellt wurde. Gleichzeitig bietet die Einäscherung auch die Möglichkeit, sich bewusst von der christlichen Tradition abzugrenzen – die die Feuerbestattung aufgrund ihres Glaubens an die Auferstehung lange Zeit ablehnte. Zwar hat die römisch-katholische Kirche diese Art der Bestattung 1964 schließlich doch erlaubt, trotzdem will sie es doch lieber sich selbst (oder Gott?) überlassen sehen, wer wann ins (Fege)feuer kommt.

Nach der Einäscherung werden die Überreste in eine Aschekapsel gefüllt, die wiederum für die Bestattung in eine ansehnliche Bestattungsurne eingesetzt wird. Wer einen Kamin besitzt, kann die Urne stilecht auf den Sims stellen lassen. Das ist jedoch nur mit etwas Papierkram möglich, da in vielen Bestattungsgesetzen in Österreich der „Friedhofszwang“ herrscht – gleichzeitig kann die Urne aber an frei gewählten Orten beigesetzt werden. Bestattungsunternehmen bieten dazu rechtliche Auskünfte auf Anfrage an. Prinzipiell ist die Feuerbestattung aber günstiger als eine Erdbestattung, da man sich dadurch meist die Kosten für einen Grabstein sowie die laufenden Friedhofskosten spart.

Für alle Hippies und Naturverbundenen bietet die Baumbestattung eine Möglichkeit, sich ohne viel Bürokratie auf ungeweihter Erde bestatten zu lassen. Auch hier entfallen Folgekosten – bestattet wird eine kompostierbare Urne. Die Überreste privat auszustreuen ist in Österreich illegal – angeblich wurde aber ein solcher Fall noch nie exekutiert. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit einer Weltraumbestattung, Diamantenbestattung oder Seebestattung.

(5) Der liebe Gott

Willst du verhindern, dass bei deiner Beerdigung mehr über Gottes Gnade geredet wird als über dich, sollte man klarstellen, dass kein Geistlicher die Veranstaltung instrumentalisieren darf. Auch wenn du dir insgeheim wünscht, dass ein naher Verwandter eine kleine Ansprache auf dich hält – verzichte! Oder vermittle ihnen glaubwürdig Wahlfreiheit.

Es ist schon schwer genug, eine Beerdigung mitzuerleben, ohne große Reden schwingen zu müssen. Stattdessen kann das auch ein/e GrabrednerIn übernehmen. Da manche jedoch auf der esoterischen Seite daheim sind, gilt es auch hier, die undiskutierbaren Erwartungen zu transportieren. All das passiert am besten bei einem gemeinsamen Gespräch, bei dem über das Leben des/der Verstorbenen erzählt wird, und das die Grundlage der Grabrede darstellt. Zudem kann die Abschiedsfeier auch komplett ohne deinen verstorbenen Körper geschmissen werden. Durch eine Erklärung kann man seine Leiche den anatomischen Instituten österreichischer Universität spendieren, die dann für die Bestattung zuständig sind. In Salzburg gibt es für die Überreste der KörperspenderInnen eine eigene Grabstätte am Kommunalfriedhof.

Werde selbst aktiv!

Du findest das alles super spannend und willst selber Menschen unter die Erde bringen? Es ist noch nicht zu spät dein Studium abzubrechen und zum Bestattungsunternehmer umzuschulen, denn prinzipiell brauchst du weder bestimmte Vorkenntnisse noch eine bestimmte Ausbildung. Das notwendige Handwerkszeug wird durch den Betrieb oder Weiterbildungen vermittelt. Der Ausbildungsweg ist aber vergleichsweise schnell beschritten. Nach dem zweijährigen Berufsjubiläum darfst du dich selbstständig machen, wozu neben dem Praxisnachweis auch die Befähigungsprüfung ansteht. Der Arbeitsmarkttrend ist laut AMS [1] übrigens – oh Wunder – gleichbleibend. Für dich gibt es also immer was zu tun.


Über die Autorin: Die universitäre Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte und Politik weckte bei Hannah Marlene Wahl das Interesse für journalistische Wissensvermittlung. Ihre Spezialität sind Rezensionen, die Reaktionen von Kindern nach „Vorlesungen“ im Kindergarten miteinbeziehen. Ihre Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Geschichte, Literatur, Soziales, Disability und Soziale Bewegungen. Ihr Beitrag erschien erstmals in der Salzburger uni:press #692 (Studierendenzeitung der österreichischen HochschülerInnenschaft der Universität Salzburg), wurde bei unserem Kooperationspartner Unsere Zeitung – Die Demokratische veröffentlicht und von Neue Debatte übernommen.


[1] AMS ist die Abkürzung für Arbeitsmarktservice, einem Dienstleistungsunternehmen am Arbeitsmarkt in Österreich. Es erfüllt die Funktionen eines öffentlich-rechtlichen Arbeitsamts und soll Arbeitskräfte auf offene Stellen vermitteln.


Foto: Marion Michele (Unsplash.com)

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