Der innere Raum – Teil 10: „Die Mutation des „Wollens“ in der Gesellschaft“

Wie entsteht mein Wollen? Wollen wir überhaupt noch eigenständig oder wird es schon, von außen manipuliert, von uns selbst nicht mehr steuerbar, gelenkt?

Unser gesundes Wollen

Am Anfang steht das naive, kindliche, gesund entwickelte, Nähe bedürftige Wollen. Ausgedrückt in der kuschelnden Suche der Nähe zu Mutter und Vater.

Später wandelt es sich, noch immer im natürlich begründeten Wollen, zu einer Suche nach einer anderen Nähe. Nicht mehr der elterlich familiären, sondern der fremden, umgebungsbedingten Nähe.

Hier wird der Körper umgebaut und es gibt einen gehörigen Entwicklungssprung. Auch immer noch natürlich. Aber ich beobachte eine in diesem Umbruch unnatürliche Beeinflussung dieser so schönen natürlichen Großwerdung des Geistes. Nicht nur das wir weggeführt werden von unserem Geist, nein, er wird auch noch fleischlich gemacht. Dass es bei dem größten Teil der Spezies unserer weltlichen Natürlichkeit natürlich ist – eine Fleischlichkeit zu entwickeln und dadurch die Arterhaltung möglich wird –, zweifel ich nicht an. Aber wir Menschen haben uns die Entscheidung genommen, ob wir zur Arterhaltung unsere Nachkommen betragen wollen oder nicht. Mittlerweile nehmen wir uns wieder diese Chance, die Frage nach der möglichen Fleischlosigkeit zu stellen. Vor allem in dieser Zeit der Werdung.

Die Unnatürlichkeit des Systems ist hier das unausweichliche, nicht infrage zu stellende Verlangen nach der Entwicklung der Fleischlichkeit. Hier beginnt  die Mutation:

Das „Wollen müssen“ oder das „Müssen wollen“

Du musst Sex haben wollen. Keine Lust auf „Sex haben wollen“ ist „verwerflich“.

 

Wollen müssen = Der Wille wird gezwungen.

Müssen wollen = Das Müssen soll gewollt werden.

 

Du bekommst nicht die Chance, die Frage nach dem „Will ich das“ zu stellen, weil dir nur das „Wollen müssen“ vorgelebt wird.

 

Das „gewollte Müssen wollen“ oder das „gemusste Wollen müssen“

Das gewollte Müssen wollen = Nicht nur, dass du Sex haben wollen sollst; du musst das Sollen auch noch völlig frei wollen.

 

Die perfide Wahrheit kommt erst bei dem „gemussten Wollen müssen“ zutage. Hier ist der doppelte Zwang erst ersichtlich, was in den vorherigen noch durch das mehrzählige „Wollen“ verdeckt werden konnte. Beziehungsweise das gesellschaftliche „Versagen“ im „Keine Lust auf Sex haben“ wird auf die einzelnen in sich / mit sich verwirrten Individuen zurückgeworfen. Diese werden als „Unnormal“ betitelt und die gesellschaftliche „Norm“ wird wieder hergestellt sein.

 

Hier ist aber das „Wollen“ in der Minderheit und das Hässliche des Zwangs, was ihm nun innewohnt, kann sich nicht hinter einem weißzähnigen Ratgeberlächeln verstecken.

Hier musst du nicht nur Sex haben, dies sollst du mit freiem Willen wollen bzw. mit einem feinen Lächeln begrüßen und zu diesem Lächeln wirst du auch noch gezwungen.

 

Kurz gesagt = Du wirst vergewaltigt! Aber vornehmlich der Geist durch die Taten deines Körpers, den du eigentlich selbst lenkst.

 

Sex ist eines der schambehaftesten Themen, aber was für ein sexbehaftetes Umfeld haben wir uns geschaffen.

In der Werbung, in allen Formen.

In den Doppeldeutungen der Sprache in unseren Köpfen aus den Interpretationen unsere Sprache heraus. Wie oft wird etwas sexuell-doppeldeutig verstanden.

Je schambehafteter desto höher ist die unbewusste Kompensation im Anheften des Sexes an Dinge, die eigentlich überhaupt nichts damit zu tun haben beziehungsweise wo es gar nicht nottut, so zu denken.

Dabei können nicht-sexuelle Dinge auch orgastisch sein und in so manchem Fall auch weitaus orgastischer, als das es ein Höhepunkt je sein könnte. Aber dies ist der Standpunkt einer asexuellen Person. Inwieweit kann diese Aussage also auf die natürliche, auch tantrische Tragweite des Sexes also eine Bedeutung haben?


Foto: Kaley Dykstra (Unsplash.com)


 

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  1. So sieht es aus. Das Wollen ist zum Müssen verformt, selbst auf der „Matraze“ incl. Konsumkompatibelen Beischlafs.

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  2. Dr. Christian Ferch 28. Mai 2018 um 20:28

    Hallo, Alex,

    eine sehr schöne, nach Freiheit und Selbstbestimmung ringende Überlegung.
    Einst, ich arbeitete 1986/87 als Soldat in einer LkW – Werkstatt, dachte ich mir: »Man sollte das Müssen zum Wollen machen.«, und damit den Zwängen – in diesem Fall zu Arbeit – zuvorzukommen.
    Zwänge – sei es zu Arbeit, Lernen, Anpassung oder eben zu Sexualität – schränken eben ein freies Wollen ein.

    Go on & herzliche Grüße,

    Christian

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