Von der Weisheit

Wo sind die Weisen, denen man zuhören sollte? Gibt es sie überhaupt noch?

Da hat es die Natur verstanden, alle möglichen Lebewesen zu erschaffen. Unter den Arten entstand auch eine Spezies, die gelernt hat, zu sprechen, zu schreiben und zu lesen. Diese Spezies bezeichnete sich selbst als weise und verstehend: als „Homo sapiens“.

Und dieses Wesen, das für sich die Weisheit reklamierte, verbreitete sich über die ganze Welt. Und es verstand, die Natur zu seinem Untertan zu machen und auszubeuten. Dieses Wesen schaffte es, eine Unzahl von Maschinen und Geräten zu erfinden und zu bauen – Weisheit war dafür nicht unbedingt erforderlich.

Doch alleine war das Wesen hilflos. So entstanden immer mehr Gemeinschaften von gleichen und freien Wesen. Und diese Gemeinschaften bestimmten Anführer oder wählten sie wieder ab, wenn diese nicht „weise“ genug waren.

Einige Anführer fanden großes Gefallen an ihrem bequemen Leben – die anderen fütterten sie jeden Tag.

Diese Anführer, die sich beständig durchfüttern ließen, forderten von ihren neuen Untertanen, dass diese jede ihrer Entscheidungen immer befolgen müssten. Aus der Gemeinschaft von gleichen und freien Wesen wurde eine Herrschaft von wenigen über viele. Das gilt bis in die Gegenwart.

So waren und sind diejenigen, die sich zu Wahlen aufstellen lassen, meistens Menschen mit Machtansprüchen. Es gibt bei den Gewählten eine Anzahl, die mit dem Virus „Homo oeconomicus“ infiziert ist. Dabei ist nicht geklärt, ob diejenigen, die vom „Homo oeconomicus“ befallen sind, dafür schlicht prädestiniert waren oder ob mit der Übernahme eines Amtes automatisch eine Infektion mit „Homo oeconomicus“ stattfindet.

Sicher gehören alle Bürger zur Spezies „Homo sapiens“, sie sind vielfach aber leider zufrieden, wenn sie sich nicht mit Themen des Miteinander befassen müssen: der Nährboden für den „Homo oeconomicus“.

So sind bei einigen Gewählten die Machtinstinkte so groß geworden, dass sie auch vor Kriegen nicht zurückschrecken.

Wenn sich fremde Länder nicht dem Willen der Despoten unterwerfen wollten, fanden sich immer Gründe, kriegerische Aktionen zu starten. Früher ritt der Regent noch hoch zu Ross dem Feind entgegen, heute führen Despoten Krieg vom Sessel aus. Als „Anführer“ fordern sie von ihren Untertanen, Bomben und Raketen auf fremde Länder zu werfen. Und obwohl die Untertanen zur Spezies „Homo sapiens“ gehören und deshalb ein friedliches Miteinander anstreben, siegt hier jedoch der Untertanengeist. Durch solche Aktionen verloren so ihnen völlig fremde Mitmenschen ihr Leben.

Im normalen Rechtswesen ist im Fall einer Tötung schon immer mit einer Anklage und Verurteilung zu rechnen gewesen. Warum erfolgt das eigentlich nicht (automatisch) auch bei denen, die Kriege anordnen?

Warum hat es die Natur bloß zugelassen, dass gerade nur das mit dem größten Gehirn ausgestattete Wesen mit solchem kriegerischen Denken infiziert werden konnte. Diejenigen, die den Auftrag geben, Waffen herzustellen oder zu verwenden, müssen immer wieder angeprangert werden.

Die Mehrzahl aller Menschen ist wohl weiser – und mit mehr „Homo sapiens“ ausgestattet – und sollte noch die Kraft aufbringen, sich allen kriegerischen Aktionen zu verweigern.

Es wird kein weiser Mensch auf die Idee kommen, andere ihm völlig unbekannte Menschen zu töten. Es sind niedrigste Instinkte und ein Verbrechen, Kriege anzuordnen oder auszuführen.

Wo sind eigentlich die Weisen, denen man mit Hochachtung begegnet und denen man zuhören sollte? Gibt es sie überhaupt noch oder lässt es die heutige Gesellschaft nicht zu, etwas mehr über den Sinn des Lebens nachzudenken.


Claus Meyer ist ein Autor aus Deutschland. Er schrieb das Buch Über den Autor: Claus Meyer (Jahrgang 1930) befasst sich vor allem mit den Themen Gemeinwohl, Geldsystem, bedingungsloses Grundeinkommen und direkte Demokratie. 2017 verfasste er das Buch „Mensch bleiben: Warum machen Menschen sich ihr Leben so schwer“.


Fotos: David Clode (Unsplash.com) und Claus Meyer (Privat)


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  1. Heutzutage denkt man nicht mehr über den Sinn des Lebens nach, sondern über den Spass des Lebens.
    Kriege machen auch Spass, zumindest für die Leute, die mit dem Joystick jeden Tag echte Menschen ermorden. Und wenn Uschi mit den „weisen Haaren“ noch mehr Geld für noch mehr Kriegsspielzeug anfordert, dann weiss man, warum nur die gefärbten Haare weise sind.
    Und wenn man stutzig wird, weil Hohlnuss Trump und Parade Uschi eigentlich die selben Frisuren haben, dann kann man sicher sein, wir verteidigen nur unsere Demokratie und wenn dann für die anderen paar Überlebenden noch Schulen, Frauenhäuser und Brunnen abfallen, dann haben wir doch einen guten Job gemacht.

    Möge am Ende noch genug Geld übrig sein, damit wir mit Anstand unsere letzten Dichter und Denker beerdigen können. Und danach merkt sowieso keiner mehr was…

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  2. „Wo sind eigentlich die Weisen, … “

    Wenigstens einen Weisen kann ich Ihnen nennen: Platon.

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  3. In einer biblischen Diskussion sagte ein Teilnehmer: Wozu brauche ich Gott. Es geht mir doch gut.

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    1. Der Untertanengeist muss weg, damit der Kopf frei wird.

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