„America first“ und der Handelskrieg!

In einem Kampf der Wirtschaften ist das System Chinas dem in sich konkurrierenden freien Markt überlegen. Es wird existenziell für alle Beteiligten.

Noch einmal für das große Panorama: Nach dem II. Weltkrieg war der Globus zweigeteilt. In der Hälfte, die die westliche genannt wurde, herrschten die USA und mit ihnen Kapitalismus und freier Welthandel. In der östlichen Sphäre die Sowjetunion und das erwachende China mit staatlichem Zentralismus und Planwirtschaft.

In den USA war man sich bewusst, dass der neue, lukrative Weltmarkt nicht in Gänze von der amerikanischen Wertschöpfung bedient werden konnte. Also besann man sich einer Strategie, die es in sich hatte. Mit Deutschland und Japan erwählte man zwei Werkstätten für den Weltmarkt, die beide den Krieg verloren hatten und aus ihrer wirtschaftlichen Stärke keine politische Macht ableiten konnten. Die Revenuen aus den Gewinnen, die in diesen Ländern erzielt wurden, liefen an die Wall Street und gaben den USA das nötige Äquivalent, um die Kosten für die Rolle der Weltpolizei decken zu können.

Mit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 ist dieses Spiel ausgespielt und die USA, nach dem Zerfall des kommunistischen Blocks in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, haben nicht mehr die Ressourcen, um ihren immensen Apparat zur Weltüberwachung zu finanzieren.

Aus diesem Licht betrachtet erklärt es sich nahezu von selbst, dass sich die Verhältnisse in den USA erdrutschartig verändern. Die Weltfinanzkrise stürzte große Teile der Bevölkerung in den Ruin, weil die luftigen Kredite, mit denen viele den American Way of Life nur finanzieren konnten, platzten wie zu fest aufgeblasene Luftballons.

Nach 1929, der großen, verheerenden und legendären Weltfinanzkrise, gab es in den USA bereits eine Bewegung, die sich America first nannte. Dieses Szenario wiederholt sich nun, und ein Blick in die Geschichte deutet auf die fürchterlichen Konsequenzen hin, wenn die beteiligten Player sich weiter so verhalten, wie sie es momentan tun.

Die Strategie Donald Trumps ist einfach und klar: Ihm ist daran gelegen, dass die amerikanische Wertschöpfung an Boden gewinnt und den eigenen Markt wieder stärker bedienen kann, um die Außenbilanz zu verbessern. Dafür belegt er ausländische, konkurrierende Produkte mit Zöllen.

Das Geschrei der Produzenten, wie zum Beispiel der deutschen Automobilindustrie, ist insofern heuchlerisch, als dass auf amerikanische Autos in Europa schon immer Zölle erhoben wurden, umgekehrt jedoch nicht. Anders erklärt sich auch nicht, dass die deutschen Edelmarken auf dem amerikanischen Markt weitaus billiger sind, als auf dem deutschen.

Wie das ausgehen wird, ist nicht schwer zu deuten. Man wird sich einigen, und die injizierten Ängste auf beiden Seiten werden zu einer weiteren Hysterisierung der Politik führen.

Dass sich Donald Trump auch mit China anlegt, könnte als das suizidale Muster gedeutet werden, das auch bei ihm und seinem Spielernaturell zu beobachten ist. Wenn China dazu übergehen sollte, die billigen Konsumgüter, die auf den amerikanischen Markt fließen, zu reduzieren oder zu stoppen, dann werden viele Amerikaner nicht mehr in der Lage sein, das Lebensnotwendige zu bezahlen. Dann wird es Aufstände geben und der Traum von America first ist ausgeträumt.

Wie das ausgehen wird, ist noch ungewiss. In einem Kampf der Wirtschaften ist das dirigistische, zentralistische System, sofern es sich um eine so effiziente Form wie das chinesische handelt, dem in sich konkurrierenden freien Markt überlegen. 

Mit dem lapidaren Satz, dass es spannend bleibt, ist die Situation nicht treffend beschrieben. Es wird existenziell für alle Beteiligten. Und am Schluss stehen Optionen wie Krieg und Verwüstung. Wer jetzt keinen Plan hat, der wird zum Spielball anderer.


Gerhard Mersmann bloggt auf Form7Über den Autor: Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure. Sein Beitrag erschien erstmals auf seinem Blog.


Foto: Jeremy Dorrough (Unsplash.com)


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