Yuriko Yushimata – Die Braut

Eine Social Fiction Kurzgeschichte über die Auferstehung der europäischen Zivilisation.

„Du bist schön.“ Ihre Schwester Gerda sah Idun bewundernd an. Idun selbst fühlte sich etwas unsicher, aber sie wusste inzwischen, dass das niemand bemerkte.
Gerda betrachte Idun immer noch. „Hast Du Angst?“
Idun schüttelte den Kopf. „Nein.“

Sie trug ein schlichtes, reines weißes Kleid, dass ihre schlanke Figur betonte und nur wenig bedeckte. Es unterstrich ihre langen blonden Haare und blauen Augen.
Idun wusste, dass die meisten Männern sie als wunderschön und begehrenswert ansahen.
Auch ihre Freundinnen bewunderten sie.

Mit 17 war sie jung, aber nach heidnischen Brauch nicht zu jung.
Es war ihr großer Tag.
Der wichtigste Tag ihres Lebens.

Ihr Vater holte sie mit der schwarzen Limousine, einem Flugwagen, ab. Auch die Blicke ihres Vaters verrieten ihn. Auch ihr Vater war ein Mann.
Ihre Mutter weinte.
Idun trug eine rote Blume im Haar.

Noch war sie Jungfrau, nicht aus Mangel an Gelegenheit, sondern weil sie sich dafür entschieden hatte. Sie erinnerte sich an die gedruckste Frage ihrer Schwester. „Aber hättest Du nicht gerne einmal?“
Idun hatte ohne zu Zögern geantwortet und den Kopf geschüttelt. „Nein.“
Es ekelte sie an, allein die Vorstellung, schon als kleines Mädchen hatten sie diese Reden mit Furcht erfüllt, es kam ihr so schmutzig vor, so primitiv.
IHR Bräutigam hatte ein Anrecht, sie rein und unschuldig zu empfangen.
Sie spürte ein leichtes Beben, wenn sie an den Abend dachte.
Ganz leicht errötete sie.

Sie spürte den Blick ihres Vaters, der sie in diesem Moment noch begehrenswerter fand als sonst.
Iduns blaue Augen leuchteten. Ihr langes blondes Haar glänzte im Sonnenlicht.
Ihr Vater hatte sie auf diesen Moment vorbereitet, und sie würde sich hingeben, wie es von ihr erwartet wurde.

Sie erreichten bald den alten Wald mit seinen uraltem Baumbestand. Der Flug war schnell an ihr vorbeigeglitten, wie dieser Teil ihres Lebens.
Das letzte Stück mussten sie zu Fuß zurücklegen. Idun spürte die Blicke aller auf sich gerichtet und bemerkte, dass alle respektvoll Abstand hielten.
Die jüngeren Priester hatten jetzt ein Spalier gebildet für sie.

Schon von weitem hörte sie die heidnischen Gesänge auf der großen Lichtung. Die Stimmen umfingen sie und trugen sie durch den wunderschönen Frühlingstag.
Das Fest der Freya. Die Göttin der Fruchtbarkeit war ihnen offenbar zugetan.
Die jungen Mädchen streuten Blumen.
Sie war glücklich, so glücklich, wie noch nie in ihrem Leben. Dies war der größte heidnische Festtag und diesmal würde er unvergesslich werden, nicht nur für sie, für die Welt.

Heute würden die Moslems begreifen, dass es neben dem degenerierten jüdisch-christlichen Kult auch noch den wahren nordischen Glauben gab.
Die Macht der Asen würde wieder erstehen.

Der Platz der Feier lag im Zentrum eines uralten Kraftnetzes. Sie spürte, wie die alte Macht sie durchströmte.
Sie warf jetzt den Umhang, den ihr ihre Mutter beim Verlassen des Autos umgelegt hatte, ab.

Leicht und doch andächtig schritt sie zum Zentrum hin. Dort standen der älteste der Priester und die geschicktesten und stärksten der jungen germanischen Männer.
Sie spürte die begehrlichen Blicke der jungen Männer, die nun auf sie gerichtet waren, auf sie, die unerreichbar war.
Sie nahm Platz auf ihrem Thron und das Fest begann.

Die jungen Männer maßen ihre Kräfte im wilden Wettkampf. Sie kannten den Preis, der dem Besten zustand.
Huldvoll lächelte sie selbst den Verlierern zu, die tapfer bis zum Zusammenbruch durchhielten.

Bisweilen scherzte sie sogar mit den jungen Männern und ihr Lachen klang glockenhell über die Köpfe der Menge hinweg.
Dann war sie ganz das unschuldige 17jährige Mädchen mit einem Gesicht, das manchmal ganz leicht schüchtern errötete.
Alle starrten sie an, warteten.
Ihr Kleid schien durchsichtig. Doch hier achteten alle die Frau hoch, dies war nicht der Islam, nicht das Christentum, diese Kulte mit ihrer Verachtung der Frau.
Hier hätte sie nackt stehen können und wäre nicht weniger geachtet worden.
Hier entstand die neue Generation, die die ihr zustehende Rolle in Europa bald wieder einnehmen würde.

Als die Sonne zu sinken begann, wusste sie, dass es Zeit war.
Der Zeitpunkt war gekommen, als die Sonne die Erde traf, und Sonne und Erde sich im Abendrot vereinigten, um den neuen Tag zu zeugen.
Sie spürte, dass ihr heiß und kalt wurde. Ihr Begehren war nur auf das Eine gerichtet. Sie stand ohne zu zögern auf und beugte sich rückwärts über die Schale des Priesters.
Ihre Augen trafen den Blick des alten ernst blickenden Mannes.
Ihre Hände umfingen die Lenden des jungen Helden, der alle besiegt hatte und dem es nun zu kam direkt hinter der Schale zu stehen. Der junge Mann ergriff ihre Hände mit festem Druck.
Sie wusste, was von ihr erwartet wurde, Hingabe. Und sie gab sich ganz.

Der Schnitt des alten Priesters war sauber und tief. Das Messer scharf. Idun spürte nur noch das warme Blut an ihrem Hals. Dann begann sie konvulsiv zu zucken. Doch der junge Held hielt ihre zuckenden Hände fest umfangen. Idun wurde schwarz vor Augen.
Alles war gut.
Das Blut aus ihrer Halsschlagader bespritzte den jungen Mann von oben bis unten und die jungen Männer, die neben ihm standen.
Im Blut der Jungfrau gebadet, unsterbliche Helden für Germanien.
Sie hatten das Wertvollste geopfert, den Göttern zum Geschenk.

Der heidnische Sender strahlte die Bilder aus in alle Welt.

Die Muselmanen sollten begreifen, dass die europäische Zivilisation wieder auferstanden war.

FIN


Yuriko Yushimata wurde als Distanzsetzung zur Realität entworfen. Es handelt sich um eine fiktionale und bewusst entfremdete Autorinnenposition, die über die Realität schreibt. Die SoFies (Social Fiction) dieses Bandes zeigen in der Zuspitzung zukünftiger fiktiver sozialer Welten die Fragwürdigkeiten der Religionen und Ersatzreligionen unserer Zeit. Teilweise sind die Texte aber auch einfach NUR witzig. Sie erschien im Oktober 2014 unter dem Titel „Religion Version 2.100“ und befindet sich im Archiv der HerausgeberInnengemeinschaft Paula & Karla Irrliche. Spiegelung & Verbreitung der Texte sind ausdrücklich gewünscht!


Foto: Engin Akyurt (Pixabay.com; Creative Commons CC0)

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