Der Wahnsinn der Normalität

Wir leben in einer Demokratieillusion, die durch propagandistische Lügen am Leben gehalten wird.

Die Machteliten treiben uns scheinbar unaufhaltsam in die Katastrophe – durch Ökozid, Freiheitsabbau und eine profitgetriebene, unverantwortliche Kriegspolitik. Es hat keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen, wie weit wir schon auf der abschüssigen Bahn in Richtung Abgrund vorangekommen sind. Dennoch ist das schlimmste anzunehmende Szenario nicht unausweichlich, wenn wir alle dem Wahnsinn die Kooperation verweigern. Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke interviewte den Politikwissenschaftler und Mitherausgeber von „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“ Ullrich Mies.

Herr Mies, Sie publizieren viel zu Krieg und dem sogenannten Tiefen Staat. Wie würden Sie die aktuelle Weltlage skizzieren und warum ist Aufklärung über den Tiefen Staat Ihrer Ansicht nach notwendig?

Zunächst will ich mich ganz kurz auf die aktuelle Weltlage beziehen. Da sehe ich Chaos auf der ganzen Linie, Herr Wernicke. Chaos als die letzte Vorstufe zur Dystopie! Es geht realiter um das Endspiel des Planeten, bevor er sich der Spezies Mensch entledigt. Dieses Chaos ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Menschen gemachtes Resultat der ökonomischen, politischen und technologischen Prozesse, die Jahrhunderte zurückliegen und aufeinander aufbauen. [1]

Die Spitze dieser Prozesse währt nunmehr knapp 30 Jahre. Ich meine damit konkret den Kollaps der UdSSR und den Aufstieg des US-amerikanischen und EU-Brutalkapitalismus als Formation, die ich als „neoliberalen Faschismus in Lauerstellung“ [2] bezeichne. Die „Demokratie, wie wir sie kannten“, also die parteienbasierte parlamentarische Demokratie unter den Bedingungen des Marktradikalismus und der Herrschaft der Finanzindustrie, halte ich für ein völliges Fehlkonstrukt zur Lösung unserer Probleme. Wir leben in Scheindemokratien, die aus puren Klasseninteressen propagandistisch am Leben gehalten werden.

Das alles hört sich nicht besonders ermutigend an und reizt auch nicht zum Widerstand, wenn man sagt: Die Dystopie ist unausweichlich.

Nein, das ist sicher nicht ermutigend, aber das ist die Wirklichkeit und die Augen zu verschließen, hilft zum einen nicht weiter, zum anderen ist eine solche Haltung für denkende Menschen unwürdig. Die Dystopie ist aber nicht zwingend unabwendbar.

Sie tritt jedoch zwingend ein, wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher. Sie tritt auch nur dann ein, wenn „die Lämmer weiter schweigen“, um den Begriff Rainer Mausfelds zu verwenden. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, dass „die Lämmer“ sich gegen die Wölfe erheben werden. Vielleicht werden „die Lämmer“ ja durch bislang unvorhergesehene Ereignisse aus dem Schlaf gerissen, um in der Begrifflichkeit zu bleiben.

Die andere und sehr viel entscheidendere Frage ist aus meiner Sicht, ob man für fundamentale Umorientierungen in einer Gesellschaft die „schlafenden Schafe“ überhaupt aufwecken muss, oder ob nicht vielmehr eine intelligente Minderheit – „die kritische Masse“, das sind ja unter anderem auch die Leser, an die sich RUBIKON wendet – ausreicht, um das pseudo-demokratische Schmierentheater zum Einsturz zu bringen, zum Beispiel diese unsägliche große Ignoranten-Koalition in Deutschland. Denn zu keiner der überlebenswichtigen Fragen liefern die führenden Politchargen und deren Medienkomparsen irgendwelche Lösungen.

Wir erleben seit gut 30 Jahren schleichende Verschlechterungen, Verschlimmbesserungen, dümmliches Reformgelaber in Endlosschleife, Pseudo-Reparaturen des selbst verursachten Chaos’ und vor allem den Privilegien- und Machterhalt, besser gesagt, die Macht- und Reichtumserweiterung zu Gunsten einer verschwindend kleinen Oligarchie.

Lassen Sie vor Ihrem inneren Auge einmal die letzten 30 Jahre Revue passieren! Dann wissen Sie, was ich meine. Vor allem ist ja hochinteressant, dass genau die Führungschargen, die nach der „Friedensdividende“ 1990 alles vor die Wand gefahren haben, dieselben sind, die meinen, uns noch irgendwelche „Lösungen“ anbieten zu können. Schauen Sie sich zum Beispiel das kollabierende Herrschaftsprojekt EU an, ein einziger gigantischer, selbst angerichteter Scherbenhaufen. Tatsächlich sind die Führungschargen Insolvenzverschlepper.

Als neuen Ausweg aus der selbstverschuldeten Misere bieten sie uns nun die Konflikteskalation gegen Russland und China mit der Gefahr des ganz großen Krieges an. Dieser große Krieg kann sich zudem an den vielen aktuellen Krisenherden rund um Russland, dem Iran, im chinesischem Meer und so weiter entzünden. Es ist kein Zufall, dass das Bulletin of the Atomic Scientists die Doomsday Uhr auf 2 Minuten vor 12 gestellt hat. [3] Wir leben in Zeiten, die sind mindestens so brisant wie die Zeit der Kuba-Krise.

Welche Faktoren sind für die drohende Dystopie bestimmend?

Die Dystopie ist ein Prozess und kein ad hoc Ereignis. Die ist nicht morgen da. Auch spuckt der Planet den homo sapiens voraussichtlich nicht innerhalb der kommenden 100 Jahre aus.

Aber wenn die „Krone der Schöpfung“ so weitermacht wie bisher, dann betreibt sie ein gigantisches Biozidprogramm, mit dem sie selbst untergehen wird. Alle Kriege, die unsere Schein-Eliten anzetteln, beschleunigen lediglich diesen Vorgang. Und was sind 100 oder 200 Jahre im Verlauf der Erdzeit? Ein Nichts!

Ein kurzer Blick auf einige zentrale Problemfelder, die für die bevorstehende Dystopie kennzeichnend sind, reicht aus, um die ganze Dimension des Scheiterns der westlichen US-, EU- und Berliner-Politparallelwelten zu skizzieren, die permanent von den westlichen Werten faseln. Zum Umweltdesaster mit dem gigantischen Biodiversitätsverlust nur so viel: Die Daten des Living Planet Index 2016, den der WWF alle 2 Jahre erstellt, sind niederschmetternd.

So hat die Menschheit die untersuchten Wirbeltierpopulationen – Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien – innerhalb von nur 40 Jahren halbiert und es ist mit einem jährlichen Rückgang um 2 Prozent zu rechnen. Die untersuchten Süßwasserarten sind zwischen 1970 und 2012 um über 80 Prozent zurückgegangen, um nur wenige Beispiele zu nennen. 2012 verbrauchte die Menschheit Ressourcen, die 1,6 Erden entsprachen. Das alles sind dramatische Entwicklungen. Das in Kombination mit dem Klimawandel. [4]

Zur Jahrtausendwende wurden umfangreiche Millenniumsziele formuliert. So wurde auch eine gigantische Analyse zum Zustand der Umwelt [5] auf UN-Ebene in Auftrag gegeben, an der über 1900 Wissenschaftler aus der ganzen Welt mitwirkten. Die Milleniumsziele waren Handlungsanweisungen für die Regierungen, zu denen sie sich selbst verpflichteten. Einen Dreck haben sie sich darum geschert.

Als weiteres Beispiel für dystopische Entwicklungen möchte ich die NATO- und EU-Osterweiterung [6] nennen, 9/11 mit dem „war on terror“ und niemals endenden Kriegen, die Militarisierung der Staaten mit massiver gesellschaftlicher und ökonomischer Fehlsteuerung sowie die gezielte Feindpropaganda. Ferner die Möglichkeit eines „begrenzten“ Atomkriegs als scheinbar „rationale“ Strategieoption im Rahmen der Kriegsführung, der dann mit Sicherheit zur Totalkatastrophe ausartet.

Zudem sind die Migrationsströme Teil dieser Dystopie. Als Folge der Freihandelsstrategie der westlichen Staaten und ihrer zerstörerischen Kriege haben die Menschen in ihren Heimatländern jede ökonomische Basis verloren. Darum werden sie zu Migranten. Europa gerät durch Desintegration zunehmend unter Druck. Es ist das Ziel der politischen Hasardeure, dass die Menschen aufeinander losgehen sollen, um so Widerstandspotentiale zu kanalisieren. Darüber hinaus zähle ich die gigantische Reichtumsumverteilung von unten nach oben, Privatisierungen und den Wettbewerbsterror hinzu, der maßgeblich zur Brutalisierung der Sozialbeziehungen geführt hat.

Wer sind denn nun die Verantwortlichen für den ganzen Wahnsinn?

Das ist das Werk der herrschenden „Eliten“, denen der Kalte Krieg abhanden kam und die den neuen Kalten Krieg 2.0 entfachten, um nur bloß nicht in die Verlegenheit zu gelangen, die „Friedensdividende“ einlösen zu müssen.

Der Frieden ist für den staatsterroristischen MIlitärkomplex ein Anti-Geschäftsmodell.

Darum musste die Friedensdividende zerstört und die NATO-Ost-Erweiterung, die ich als NATO-Ost-Eroberung bezeichne, realisiert werden. Diese Ost-Eroberung wurde in den USA ausgeheckt, die politischen Eliten in den abhängigen europäischen Vasallen-Staaten wurden nicht gefragt, sondern eingebunden.

Die Saat der neoliberalen Globalisierer ist bis dato in ihrem Sinne weitgehend aufgegangen. Die Merkel-Regierung, besser das Regime, ist ein klassisch marktradikal-neokonservatives Regime, reaktionär bis ins Mark, das die dystopischen Triebkräfte massiv befördert hat.

Statt zur Vernunft zu gelangen, treiben unsere Entscheidungseliten alles auf den Höhepunkt: den Ressourcenverbrauch, die Konflikteskalation durch Sanktionen, Aufrüstung an allen Fronten, neue Kriege und als deren Folge Flüchtingsströme. Aber auch die sogenannte Zivilgesellschaft ist an den dystopischen Entwicklungen massiv beteiligt: Monsterevents, Massentourismus, exzessiver Freizeitverkehr, Naturvernutzung, Fleischkonsum aus Massentierhaltung, Komasaufen und so weiter. Das sind Zeichen kollektiver Verblödung großer Gesellschaftssegmente.

Welcher Politiker denkt schon 100 Jahre voraus? Viele sind froh, wenn sie im Parlament eine Legislaturperiode überleben. Das ganze politische und ökonomische System, in dem wir leben, wird den dringenden Erfordernissen unserer Zeit in keiner Weise gerecht.

Zum eigenen Machterhalt wollen „unsere“ Polittölpel jetzt noch mehr Ressourcen für die Kriegsapparate verschwenden und Menschen ins Militär kanalisieren, um zum Beispiel ihren kranken Putinhass und ihre Eroberungsfantasien auszuleben.

Die Bundeswehr wirbt in Schulen, um die Unbedarften einzufangen. Was mich immer mehr erschüttert, ist diese interessengeleitete Ignoranz und Niedertracht der Eliten in Finanz- und Großindustrie, in Politik und Medien, die die Treiber der dystopischen Entwicklungen sind. Wie sehr zum Beispiel der BDI neben der Spur läuft, zeigt sich an seinen Forderungen. Ich zitiere aus german-foreign policy:

„Führende deutsche Wirtschaftsvertreter fordern die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die Ausbeutung des Weltraums durch deutsche Privatunternehmen. Die Bundesregierung müsse umgehend ein „Weltraumgesetz“ verabschieden und darin auch den Abbau von Rohstoffen im All regeln, heißt es in einem aktuellen Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)“. [7]

Das heißt, die Erd-Ressourcen sind endlich und darum müssen wir das hirnrissige Eroberungs-Regime des Kapitalismus nun ins All ausdehnen? Das ist doch einfach nur noch krank. Eigentlich zeigen sie, dass sie mit ihrem nekrophilen Kapitalismus am Ende der Fahnenstange angekommen sind und nicht mehr weiter wissen.

Sie haben vor ein paar Tagen über den neoliberalen Faschismus in Lauerstellung geschrieben. Wann könnte die derzeitige Postdemokratie dahin umschlagen?

Nun, ich bin ja kein Hellseher, aber es ist bestimmt nicht ausgeschlossen, dass die Dystopie schon in 5 oder 10 Jahren eintritt, vielleicht sogar noch früher: dann, wenn die Politik in ein brutales Gewaltregime umgeschlagen ist und der „neoliberale Faschismus“ seine Lauerstellung verlassen hat, die Verteilungskämpfe um die Restressourcen des Planeten weiter eskalieren und die innergesellschaftlichen Konflikte bürgerkriegsähnliche Zustände angenommen haben.

Die ersten Vorboten dieser Entwicklung können Sie eindrucksvoll in Frankreich beobachten. Damit die meisten nicht merken, wohin die Reise geht, dafür haben wir Systemmedien und Regierungssprecher. Aber deren Glaubwürdigkeit sinkt bekanntlich auf der nach unten offenen Vertrauensskala immer tiefer. Das lässt hoffen.

Die Dystopie droht dann, wenn wir es nicht schaffen, „die kritische Masse“ zu bilden – im doppelten Wortsinn –, die nach dem unausweichlichen Finanz- und Systemcrash das Steuer herumreißt, um die Akteure des Kapitalismus inklusive der politischen Hasardeure zu entmachten.

Das hört sich ziemlich abstrakt an, wen meinen Sie konkret?

Was ist daran abstrakt? Wir als Bürger können uns in dem politischen System, in dem wir leben und das vorgibt, eine Demokratie zu sein, doch nur an die sogenannten gewählten Vertreter halten. Was aber, wenn diese ihren Vertretungsauftrag missbrauchen? Stattdessen den Kapital- und Lobbyinteressen in der marktradikal transformierten Scheindemokratie verpflichtet sind, die Merkel selbst einmal als „marktkonforme Demokratie“ bezeichnet hat. Dabei hat sie ungewollt die Sau herausgelassen, denn eine marktradikale Demokratie ist nunmal keine. Damit hat sich der gesamte Herrschafts-Apparat letztlich als Putschist gegen die verfassungsmäßige Ordnung geoutet.

Die Täternetzwerke, die für diesen schleichenden Putsch verantwortlich sind, sitzen unter anderem in den politischen Herrschaftsspitzen. Sie vertreten wie gesagt nicht die Interessen der meisten Bürger oder der Mitwelt. Sie sind für die gigantischen Fehlsteuerungen verantwortlich.

Vieles geschieht jedoch in abgeschotteten Parallelwelten des Tiefen Staates, auf Geheimtreffen, „Eliten“-Treffen wie in Davos oder der Münchener Sicherheitskonferenz, in Hinterzimmern, an Runden Tischen, in EU-Direktoraten und -Senaten, Finanzinstitutionen, um nur ein paar zu nennen. Dort agieren Mächtige, die niemand kennt oder nur wenige kennen und die schon gar nicht demokratisch legitimiert sind. Es geht also um Netzwerke der Macht.

Eine Verschwörung also?

Zunächst: Wer nach Verschwörern oder Verschwörungen sucht, wird in den Herrschaftsnetzwerken und Tiefenstaatsstrukturen in der Regel fündig. So ist die ganze Geschichte der CIA und der Geheimdienste eine einzige Verschwörung gegen den Frieden und das friedliche Zusammenleben der Völker. Auch kann man die gesamte NATO-Osterweiterung unter diesem Gesichtspunkt sehen: Es handelt sich um ein nachweisbares Komplott der westlichen Politik-Eliten unter Führung der USA nach 1990, um die NATO nicht auflösen zu müssen. Genau das Programm läuft: War on terror und die beiden Bösewichte Russland und China, die die „westliche Wertegemeinschaft bedrohen. So ein Schwachsinn!

Die meisten derjenigen, die so vehement von Verschwörungstheorien oder Verschwörungstheoretikern schwadronieren, plappern schlicht das nach, was ihnen Pseudoautoritäten vorgeben. Aber auch Wissenschaftler, vor allem aus der Psycho- oder Geisteswissenschaftsbranche, reden bisweilen von Verschwörungstheoretikern, die sie überall da vermuten, wo es um Herrschaftskritik geht. Diese sind Teil des Herrschaftskomplexes und mit Machtstrukturen oder den Elitenmachenschaften in Geheimdiensten und Militär eng verbunden. Argument-freie Denunziation als perfide Technik der Macht. [8]

Edward Snowden, Julian Assange, Bradley Manning, sind das Verschwörer, die Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt haben? Oder haben sie nicht vielmehr das ganze Ausmaß an organisiertem Staatsterrorismus freigelegt von der Totalüberwachung bis zu Kriegsvorbereitungen und Kriegsverbrechen? Sie wurden genau darum zu Staatsfeinden des Tiefen Staates [9] oder des Secret Team. [10]

Welchen analytischen Ansatz vertreten Sie?

Für mich stehen die handelnden Menschen im Mittelpunkt des Interesses und ich vertrete exakt den polit-ökonomischen Ansatz des power-structure-research, wie ihn in Deutschland die leider verstorbenen Hans-Jürgen Krysmanski [11] und Bernd Hamm [12] formuliert haben. Power-structure-research ist Machtstrukturanalyse. Darum geht es aus meiner Sicht. Es geht um Machtstrukturen, die das Werk konkreter Menschen sind. Diese justieren den Kapitalismus täglich neu, plündern Länder, privatisieren, was ihnen nicht gehört, und organisieren die Reichtumsübertragung aus der Fläche in das Segment der 0,01 Prozent.

Die herrschenden ökonomischen Klassen und deren Politikkasten und Medienkomparsen sind Täter in Verantwortungsfunktion, denen zunehmend die Legitimation abhanden kommt. Bevor zumindest „die kritische Masse“ nicht verstanden hat, wer die konkreten Treiber der herrschenden Zustände sind, kommen wir nicht weiter.

Wie würden Sie denn die „kritische Masse“ definieren?

Die „kritische Masse“ wäre die, die zum Sturz der herrschenden marktradikalen-neokonservativen Kriegs- und Eroberungs-Hasardeure führt und in Deutschland, zum Beispiel das Grundgesetz und das Völkerrecht wieder in Funktion setzt und zum Friedensgebot zurückfindet.

Wie viele Menschen brauchen Sie dazu? 4 Prozent, 5 Prozent?

Ich denke, ein relativ kleiner Prozentsatz würde genügen. Wir brauchen intelligente, aufgeschlossene, entschlossene und zähe Menschen. Menschen, die über Organisationsfähigkeiten verfügen und Strukturen aufbauen können und auch klandestin zu arbeiten in der Lage sind. Denn eines ist klar:

„Die ausbeuterischen Oligarchen einigen sich immer!“ [13]

Wir müssen also völlig neue Wege beschreiten, deren Pfade noch nicht einmal angelegt sind, weil die herrschenden Cliquen in Einigkeit verbunden und die widerstreitenden Kräfte in Uneinigkeit zersplittert sind.

Wie könnten die aussehen, diese „neuen Wege“? Neoliberal-links, links-rechts-autoritär oder marxistisch-orthodox, was noch nie funktionierte?

Wenn ich links bin, kann ich nicht neoliberal sein und umgekehrt. Sie meinen mit neoliberal-links wahrscheinlich die Restbestände jener intellektuell, ethisch-moralisch komplett auf den Hund gekommenen SPD und die moderne Kriegstreiberpartei, die Grünen. Was ist an den beiden links? Nichts, weil beide neoliberal, besser marktradikal sind. Diese beiden Parteien sind gewollt oder ungewollt eine Unterorganisation der NeoCons. Zu links-rechts-autoritär:

Ich bin Befürworter eines Staates, der die dringende Notwendigkeit des Naturerhalts zur absoluten Priorität erhebt, der sich alles andere unterzuordnen hat. Ende mit „marktkonformer Demokratie“ und „Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kannten“.

Eine fundamentale Änderung geht mit dieser korrupten Lobby-basierten Parteien-Scheindemokratie nicht. Links an dieser Staatskonzeption wäre der totale Umsturz der aktuellen Verhältnisse: Die Rückholung der Staatsfunktion zum Wohle der Menschen und der Natur impliziert die Zerschlagung der Monopole, die massive Besteuerung des Reichtums, die totale Neuordnung der Medienlandschaft, die Abschaffung des Spekulationsunwesens, die Reduktion des Bankenwesens auf seine Kreditfunktion, die Ent-Neoliberalisierung auf allen Ebenen, die Re-Sozialisierung der Menschen über Bildung, die den Namen verdient, den sofortigen Austritt aus dem NATO-Kriegspakt, die totale Rekonzeptionalisierung der EU, den Rückbau der Bundeswehr auf die Landesverteidigung und Katastrophenabwehr, um nur einige Punkte zu nennen.

„Rechts“ im Sinne von autoritär an diesem Staat wäre seine ethisch-moralische Fundierung und Verfassungstreue, die sich an den Grundprinzipien Naturerhalt, Friedensgebot und Gerechtigkeitsgrundsatz orientiert.

In diesem Staat hätten Persönlichkeiten von Format das Sagen, die sich durch besondere fachliche und charakterliche Eigenschaften auszeichnen. Der Klein- und Mittelstand könnte sich innerhalb eines staatlich definierten Rahmens entfalten. Autoritär an diesem Staate wäre die Durchsetzung seiner Grundprinzipien.

Marxistisch-orthodox ist doch wohl kaum eine tragfähige Variante. Den Kasernenhof-Sozialismus, so der Marxist Robert Kurz, [14] hatten wir schon und die Diktatur des Proletariats stellvertretend durch eine Einheitspartei und die totale ökonomische Planung wird in einem neuen Fiasko enden, weil sie das Sammelbecken und die Karriereschmiede neuer Polit- und Apparatschiks wäre. Aus meiner Sicht ist das orthodoxe Modell historisch abgefrühstückt.

Wie könnte denn ein Staat, der den Menschen und der Natur dient, Wirklichkeit werden?

In diesem Parteiensystem sicher nicht, Herr Wernicke, das ist völlig aussichtslos. Die Akteure dieses nekrophilen Kapitalismus haben uns in die Miseren hinein manövriert, von denen ich vorhin einige kurz skizziert habe. Wir haben aus meiner Sicht nur eine Chance nach dem Platzen der Spekulations- und Schuldenblase. Diesen Kollaps sehen einige Fachleute [15] in gar nicht mehr so weiter Ferne, dann werden die Karten neu gemischt. Das, was diese Fachleute voraussagen, ist aber eine schlimmere ökonomische und soziale Katastrophe als 1929. Dann ist das Scheitern dieses System und seiner Systemchargen komplett. Wie es dann weiter geht, weiß niemand. Bis es so weit ist, bleibt die Kriegsgefahr.

Einem alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem fehlt das erforderliche qualifizierte „Personal“. Wo ist der „Pool an Menschen“, der nach einem Kollaps ein neues ökonomisch und politisch tragfähiges System aufbauen könnte?

Herr Wernicke, da herrscht aus meiner Sicht allgemein große Ratlosigkeit. Wir erleben einen brutalen Klassenkampf, der „von oben“ mit allen Mitteln – full-spectrum-dominance – geführt wird und es geht um die Sicherung der Vorherrschaft des taumelnden Welt-Hegemon USA. Wir leben an einer weltgeschichtlichen Epochenwende was die Überlebensfähigkeit der Spezies Mensch generell und was die Neuformation einer unipolaren hin zur multipolaren Welt anbelangt.

Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die Welt zum Besseren zu gestalten?

Jeder kann aus dem System zumindest teilweise aussteigen und sich dem ganzen Irrsinn individuell entziehen. Dazu zählt, den Herrschaftscliquen die Gefolgschaft zu verweigern, Wahlen fernbleiben oder Anti-Systemparteien wählen, das Konsumverhalten komplett ändern, Details erspare ich mir, sich dem Massentourismus verweigern, sich bilden und intelligent vernetzen, Mainstreammedien meiden beziehungsweise untersuchen, was sie alles weglassen und wie sie manipulieren, auf den eigenen Körper und die Psychohygiene achten, zum Beispiel bei der Frage, mit wem ich Kontakt pflege.

Soweit es die ökonomische Lage zulässt, dem Billig-Dreck entsagen: Billig ist immer teuer für irgend jemanden. Dummschwätzern nicht auf den Leim gehen, immer alle ihre Aussagen und Behauptungen überprüfen, soweit möglich. Sich politisch vernetzen und den Widerstand organisieren.

Das sind ja nur einige, aber wichtige Schritte, die der Einzelne unternehmen kann, um in diesem Wahnsinns-System einigermaßen unbeschadet zu überleben, was sehr, sehr wichtig ist.

Ich bedanke mich für das Gespräch.


Ullrich Mies ist Sozial- und Politikwissenschaftler. Er studierte in Duisburg und Kingston/Jamaica. Seine Interessenschwerpunkte sind internationale politische Konflikte, organisierte Friedlosigkeit, Staatsterrorismus, Neoliberalismus, Demokratieerosion, Kapitalismus- und Militarismuskritik sowie die Erhaltung der Biodiversität. Er ist seit 1994 selbständig und lebt seit 30 Jahren in den Niederlanden. 2017 erschien von ihm und Jens Wernicke als Herausgeber „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“.


Quellen und Anmerkungen:

[1] Siehe hierzu die Schriften von Fernand Braudel, Giovanni Arrighi und Immanuel Wallerstein.

[2] www.rubikon.news/artikel/neoliberaler-faschismus

[3] https://thebulletin.org/doomsday-clock/

[4] https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-LivingPlanetReport-2016-Kurzfassung.pdf; Gegen die Wand: Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber über das Irrsinnstempo, mit dem die Menschheit gerade auf die Katastrophe zusteuert, Süddeutsche Zeitung – Nr. 110 – Dienstag, 15. Mai 2018.

[5] https://www.millenniumassessment.org/en/index.html

[6] Jürgen Wagner: NATO-Aufmarsch gegen Russland oder wie ein neuer Kalter Krieg entfacht wird, 2. Auflage, Berlin 2016.

[7] https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7669/

[8] Eine Abrechnung mit den Denunzianten siehe: Ansgar Schneider, Stigmatisierunf statt Aufklärung. Das Unwesen des Wortes „Verschwörungstheorie“ und die unerwähnte Wissenschaft des 11. Septembers als Beispiel einer kontrafaktischen Debatte, Berlin 2018.

[9] Ullrich Mies, Jens Wernicke: Fassadendemokratie und Tiefer Staat. Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter, 4. Auflage, Wien 2017.

[10] L. Fletcher Prouty: The Secret Team, The CIS ans its Allies in Control of the United States and the World, New York 2011.

[11] https://kenfm.de/hans-juergen-krysmanski-classics/

[12] https://www.rubikon.news/artikel/das-ende-der-demokratie

[13] https://www.rubikon.news/artikel/was-tun-gegen-die-kriegsgefahr

[14] Robert Kurz: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M. 1999.

[15] Max Otte: https://www.youtube.com/watch?v=JGfgmBKNRho&frags=pl%2Cwn;
Ernst Wolff: https://www.youtube.com/watch?v=pGKCx9eJ0ZQ


Jens Wernicke (Foto: Rubikon - Magazin für die kritische Masse)Jens Wernicke (Jahrgang 1977) ist Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien) und arbeitete lange als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik und als Gewerkschaftssekretär. Er verantwortete mehrere Jahre das Interviewformat der NachDenkSeiten, Deutschlands meistgelesenem politischen Blog. Heute ist er Autor, freier Journalist und Herausgeber von „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“. Zuletzt erschienen von ihm als Mitherausgeber „Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh und „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“. Sowie von ihm als Autor Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung.


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Foto: Paweł Czerwiński (Unsplash.com)


Superheld an der East Side Gallery. (Foto: Peter Dargatz, Pixabay.com; Creative Commons CC0)

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  1. In diesem ratlosen Gelaber offenbart sich nicht nur ein tiefer Pessimismus, eine nicht zu überbietende fatalistische Grundhaltung und ein Geschichtsnihilismus, die schließlich zu nichts anderem führen muß als zu Lethargie – was können wir schon tun! Die Erde schafft sich ab – „sie entledigt“ sich des Menschen. Ein Ausweg? Fehlanzeige. Und nebenbei bemerkt: Wer war Robert Kurz? Niemals war er ein Marxist!

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    1. gabriele weis 20. August 2018 um 19:38

      Worin, bitte,besteht Ihre Nicht-Lethargie?

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  2. Es gibt eine Möglichkeit, die Pseudo-Demokratie zu beenden Der Staatenverbund Europa ist nicht demokratisch. Ich zitiere aus dem Urteil des BVerfG vom 30.06.2009 (verkürzt): Solange im Rahmen einer europäischen Bundesstaatsgründung nicht ein einheitliches europäisches Volk seinen Mehrheitswillen politisch wirksam formulieren kann, bleiben die Völker der Mitgliedsstaaten der EU die Träger öffentlicher Gewalt, einschließlich der Unionsgewalt. Dazu wäre jedoch mindestens in Deutschland ein Volksentscheid notwendig für die neue Verfassung..
    Der Weg hierzu wird derzeit von Mehr Demokratie AK Europa-Welt ausführlich diskutiert. ..

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    1. ERGÄNZUNG ADMIN: Der vollständige Text des BVerfG, als Presseaussendung veröffentlicht unter der Überschrift „Zustimmungsgesetz zum Vertrag von Lissabon mit Grundgesetz vereinbar; Begleitgesetz verfassungswidrig, soweit Gesetzgebungsorganen keine hinreichenden Beteiligungsrechte eingeräumt wurden“, ist auf https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2009/bvg09-072.html zu finde.

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      1. Es ist doch völlig bedeutungslos, was in diesen Gesetzen steht. Die entscheidende Frage ist doch die: in wessen Händen befinden sich die Produktionsmittel? Der Staat, der diese Gesetze gemacht hat, ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Und das sind im falle der BRD (der EU, der USA usw.) immer die Kapitalisten, in deren Händen sich auch die Maschine, Fabriken, Grundstücke, Finanzen usw. befinden.

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  3. Die „Lämmer“ sind und werden damit beschäftigt und werden dabei dauernd gezwungen, sich um ihr „Fressen“ zu kümmern. Sie sind meistens kurzsichtig und schwerhörig und leider konnte ein „Lautsprecher“ noch nicht in Betrieb gesetzt worden, es gibt immer noch zu viel Wühlmäuse, die am Kabel knabbern. So marschiert die ganze Herde dem Abgrund entgegen.

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  4. Uwe leonhardt 7. August 2018 um 21:35

    Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Doch wer hätte gedacht, dass sich dem Adenauernachkriegsdeutschland ein Wiĺly Brandsches Versönungsdeutschland anschließen könnte. Wir sollten mental auf alles gefasst sein. Wir sollten auch in Erwägung ziehen, dass wir tatsächlich kämpfen müssen und es körperlich ungemütlich werden könnte. Der Übergang in eine andere Epoche, die Ullrich Mies hier vorsichtig skizzierte, wird mit Sicherheit kein barmherziger Spaziergang werden. Also seid wachsam in alle Richtungen! Wenn erst der Wasser- und Nahrungskampf weltweit entfacht wird, gilt sowieso das „Recht“ des Stärkeren. Diesen unumkehrbaren Fall sollte die reiche Welt gar nicht erst provozieren. Es gilt also die einzige Vernunft zum Schutze der Natur im Allgemeinen zum Anspruch für Alle und Alles zu erheben. Nur das allein steht im Vordergrund und wir Menschen stehen irgendwo auf „Platz“. Wenn das allen erst einmal klar werden könnte, würden VIELLEICHT auch die bekloppten Politiker langsam aus ihrer Letargi erwachen und leise weinend abtreten.

    Euch allen eine gute Nacht!

    Uwe Leonhardt

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  5. gabriele weis 9. August 2018 um 1:04

    Wir alle verfehlen wieder und wieder vieles von dem, was mehr oder minder gedeihlich zu wirken vermöchte…

    Die Verfehlungen zu analysieren ist unerlässlich wichtig.

    Dabei stehen zu bleiben – aus verzweifelt gewaltbereiter Ungeduld, voller Hass und Pranger-Versessenheit – bedeutete freilich vergleichbare Vernichtungs-Effekte wie das verfehlte Tun jener, von deren lebens-zermahlendem Tun wir uns nicht länger abhängig zu machen bereit sind…

    Besinnen wir uns auf Spielräume semi-institutionell auf den Weg zu bringender souveräner Willens-Vorgaben an Politik und Finanz-Oligopolisten.

    Ich sehe solche.

    Es bedarf konzentriert Neuaufstellungen zur Vorschlags-Reife bringender ARBEITSGRUPPEN, die vorstellbar machen, was wir konsensitiv auf welche gewaltfreie Weise neugestaltet sehen wollen.!

    Und: es bedarf findiger ARBEITSGRUPPEN mit geschicktem Kommunikations-Faden-Knüpfungsvermögen in immer umfassendere Bereiche der Gesellschaft hinein.

    Machen wir uns doch endlich daran, ernsthaft zu erarbeiten und geeignet ausdifferenziert zu Gehör zu bringen, über welche Institutionen wir zu neuen Auskömmlichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten finden könnten !

    Über dergleichen nachzudenken und es im Internet verfügbar zu machen, w o jeweils konkret bestimmte Neunsätze mir wichtig und austauschbedürftig erscheinen – das ist ein Stück weit mein Ding…
    Mit Straßenaktivitäten tu ich mich dagegen schwer, obwohl erst sie (je nach ihrer Friedlichkeit) für erste und anhaltende Unübersehbarkit sorgen ! Und beim Netzwerken bin ich leider wohl so etwas wie Analphbetin…

    Für Interessenten deshalb einfach einmal der Link zu einem Aufruf, den ich gerne verbreitet sähe:
    (HINWEIS ADMIN: Link gelöscht. Bitte keine Mehrfachnennung eines Links in unterschiedlichen Kommentaren, nur der Verbreitung des Links willen. Bitte lesen Sie die Hinweise zu SPAM in der Netiquette.)

    Wär schön, wenn sich jemand angesprochen fühlte und Ähnliches anzuzielen hülfe ! – Merci gar für eventuelles Mailen !

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    1. Das hatten wir doch alles schon mal:
      – Verfehlungen analysieren
      – „Spielräume semi-institutionell auf den Weg zu bringender souveräner Willens-Vorgaben an Politik und Finanz-Oligopolisten.“ (so ein schwülstiger, nichtssagender Satz!)
      – „ARBEITSGRUPPEN“ bilden „mit geschicktem Kommunikations-Faden-Knüpfungsvermögen“ (das tropft ja nur so von Formulierungskunst!)
      – „neue Auskömmlichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten finden“
      uns. usf.

      Worauf läuft das ganze schöne Gespinst hinaus? Reform der Reform mit Reförmchen und „Gestaltungen“. Tut mir leid, aber viel ist wohl davon nicht zu erhoffen. Das unterscheidet sich nicht von dem „Liebet einander“-Gesäusel der Hippies und von den schönen Chorälen in den Kirchen.

      Wir leben im Kapitalismus, falls Ihnen das was sagt, Frau Weis. Und im Kapitalismus haben die Kapitalisten die Macht (oder haben Sie schon mal erlebt, daß auch nur eine einzige Entscheidung im Bundestag vom Volk getroffen wurde? Nein, sie wird von denen getroffen, die lediglich vorgeben, das Volk zu vertreten. Es sind die Lobbyisten verschiedener Konzerne und Parteien. Das Volk wiurd nicht gefragt, es darf nur ab und zu mal Petitionen einreichen usw.). Und es kann doch nicht sein, daß eine Minderheit von ein paar Millionären und Milliardären darüber bestimmt, was Millionen und Abermillionen von Menschen zu tun, zu denken und zu essen haben. Aber es ist so.

      Der Kapitalismus wird eben von Profit bestimmt und nicht von den Interessen der arbeitenden Menschheit. Veränderungen wird es da nicht geben, solange die ökonomischen Verhältnisse nicht verändert werden. Über „Arbeitsgruppen“ und „Fadenknüpfungsmöglichkeiten“ kommen die Kapitalisten doch vor Lachen nicht in den Schlaf. Übrigens: Gewalt gab es schon immer. Und heute herrscht die Gewalt der Mächtigen, der Geldsäcke und Oligarchen.

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      1. gabriele weis 20. August 2018 um 19:31

        Ja, Gewalt hat offenbar etwas extrem Ansteckendes: was kommt denn nach dem täglich überbordender strapazierten Pranger? ´Eigene´ Gewalt gegen die der anderen… – Und?

        Beides entlastet offenbar ungemein. Reicht menschlicher Einfallsreichtum nirgend anders hin?

        Warum sollte sich entschlossen auf Gewaltverzicht setzende in vielem grundlegende SYSTEM-NEUAUFSTELLUNG weder denken, noch auf den Weg bringen lassen ?

        vgl Instrument LOSBÜRGERVERSAMMLUNG …

        [HINWEIS ADMIN: Link gelöscht.]

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        1. Mal eine Frage: Was würden Sie tun, Frau Weis, wenn jemand sie von Ihrem Platz stoßen würde, den Sie sich (vielleicht mühevoll) erarbeitet haben? Diskutieren und nachgeben? Oder würden Sie kämpfen?

          Was meinen Sie denn mit „Systemneuaufstellung“? Wenn Sie den Sturz des alten, ungerechten kapitalistischen Systems meinen … darüber haben die Leute schon vor mehr als 100 Jahren nachgedacht. Und praktikable, gerechte Lösungen gab es auch!

          Die DDR z.B. war solche eine gerechte Gesellschaftsordnung – da gab es ein Recht auf Arbeit (!) und keinen einzigen Arbeitslosen. da war die Gesundheitsvorsorge und die med. Betreuung kostenlos, ebenso das Studium, um nur vier von hundert Beispielen zu nennen. Glauben Sie das nicht? Ich kann es Ihnen bestätigen!

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          1. Da würde ich Ihnen sogar im Grundsatz zustimmen. Aber, dass die DDR, die eine Klassengesellschaft war und sich seine Lieblinge gönnte, eine „gerechte Gesellschaftsordnung“ gewesen sein soll, da wäre korrekterweise und als Fünkchen Kritik das Wort „gerechtere“ überzeugender. Überall gibt es schließlich Licht und Schatten.

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  6. Warum sollte die freie Presse die meisten Entscheidungen der Regierung nicht als antidemokratisch definieren, das würde doch der Wahrheit mehr entsprechen. Die Medien und auch die Regierung versuchen doch immer wieder, Forderungen, die nicht dem Mainstream entsprechen, in solcher Form abzuwürgen.

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