Ist die Menschheit noch zu retten?

Das auf Sand gebaute Kartenhaus der neoliberalen Global Player fällt zusammen und wir alle müssen uns darauf einstellen.

Es gibt sie, die Vorstellungen und Erkenntnisse zur Gestaltung eines gerechteren Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Nichts muss so bleiben wie es ist, wenn man das jeweils Notwendige benennt und das Mögliche tut. Aufklärung über das Warum, das Was und das Wie ist die Grundlage für zielorientiertes Verändern.

Gehen wir zuerst der Frage nach, ob man die kapitalistische Wirtschaftsweise reformieren kann.

Das ist natürlich nur eine rhetorische Fragestellung. Denn sowohl alles, was in der Natur geschieht, als auch alles, was in der menschlichen Gesellschaft etwas bewirkt, ist in Bewegung. Und alles, was sich in Bewegung befindet, verändert sich ständig beziehungsweise kann verändert werden.

Besser wäre es also zu fragen, in welche Richtung sich die gegenwärtige, alles, was geschieht, bestimmende Wirtschaftsweise bewegen müsste, um die durch sie immer mehr eskalierenden Missstände in der Welt zu überwinden. Muss und darf es in der grundlegenden, der wirtschaftlichen Sphäre menschlichen Handelns, unmoralisch zugehen? Kann sich der Mensch nur profitorientiert und überlegenheitsmotiviert wirtschaftlich bewegen?

Sich selbstbewusst als bio-psycho-soziales Wesen begreifend, kann und muss der Mensch doch sein Wirtschaften so gestalten, dass jeder seinen Bedürfnissen, seinen Fähigkeiten und seinem Wollen entsprechend Anteil am zwischenmenschlichen Miteinander haben kann. Denn Erarbeiten, Austauschen, Verteilen und Nutzen sind Bewegungsvorgänge der wirtschaftlichen Sphäre des menschlichen Handelns, in die wir unsere Arbeitskraft und unsere Kreativität einbringen, um das zum Leben Notwendige und Nützliche zu erschaffen und zu leisten.

Wie sieht es gegenwärtig in der Weltgesellschaft aus?

Die Hässlichkeit so mancher menschlichen Unternehmung und Tat kann durchaus vergessen machen, dass eigentlich die Tatsache, dass jeder Mensch geliebt werden und Liebe geben will, sein menschliches Wesen und Wirken bestimmt, dass die Menschen aus ihrer Liebe zum Leben heraus zu Schöpfertum bei der Gestaltung ihres endlichen Lebens motiviert sind, sie sich, so überhaupt erst als menschliche Wesen aus dem Tierreich erheben konnten – und so auch nur als solche weiter existieren können.

Nicht selten führten und führen – sehnsüchtig oder ängstlich, aus Unwissenheit oder Verblendung heraus – einseitig angestellte Betrachtungen und Bewertungen zu, später und im Nachhinein gesehen, schier unglaublichen Vermutungen und daraus resultierendem Irrglauben und eben solchem unglaublichen Tätigsein der Menschen.

So konnte aus dem Irrglauben an ihr „Herrenmenschentum“ die Heimat- und Nächstenliebe der Deutschen in zwei Weltkriegen zu schrecklichen Grausamkeiten missbraucht werden. Aus der Hoffnungslosigkeit heraus, in ihrem Leben nicht glücklich werden, ihr konkretes Dasein so nicht mehr ertragen zu können, glauben viele Anhänger des Islam der Gegenwart, ihrem Leben durch die Grausamkeit eines Selbstmordattentats einen Sinn geben zu können.

Nicht selten werden wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften, die die relative Unabhängigkeit des Menschen von den Naturgesetzen durch deren sinnvolles Anwenden zum nutzbringenden Beherrschen des Naturgeschehens ermöglichen können, zu zerstörerischem Beenden missbraucht.

Spätestens nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki musste die ganze Welt bitter zur Kenntnis nehmen, dass jeder einem Irrglauben erliegt, der meint, die Gesetzlichkeit und Verfassungen bürgerlicher Demokratien würden ausreichen, einen entsetzlichen Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse und menschlichen Wirkens auszuschließen.

Wer annahm, der Zweite Weltkrieg sei allein dadurch zu beenden, dass dem nationalsozialistischen Deutschland und Japan mit dem Einsatz von Nuklearwaffen gedroht würde, übersah die Eigendynamik, die im Militarismus und in kriegerischen Auseinandersetzungen steckt. Was für den Sieg auf dem Schlachtfeld verwendet werden kann, wird verwendet werden.

Dass sich ausgerechnet der Pazifist Albert Einstein 1939 bei US-Präsident Franklin D. Roosevelt für den Bau der Bombe einsetzte, weil er befürchtete, Nazi-Deutschland könne eine solche Massenvernichtungswaffe bereits entwickeln, ist aus der Situation der Vorkriegszeit erklärbar. [1] Andere Physiker und Forscher pflichteten Einstein bei. Doch nach der ersten gelungenen Kettenreaktion im Dezember 1942 war ebenfalls klar, dass die Büchse der Pandora auf ewig geöffnet wurde. Der Physiker Leó Szilárd sprach von einem wissenschaftlichen Erfolg und einem schwarzen Tag in der Geschichte der Menschheit. [2]

Die sowohl aus dem Überlebenswillen des Einzelnen als auch aus den Notwendigkeiten der Arterhaltung aller Menschen entspringende egozentrische Sichtweise im Ausnutzen der Naturgesetze zur individuellen Selbstbefriedigung verursacht die Verwüstung vieler Regionen der Erde. Die Menschen konnten sich zwar als sozial zusammenwirkende Lebewesen im ständigen Wechselspiel zwischen der Wirkung ihrer sich allmählich und fortwährend verändernden Erbanlagen und der daran anschließenden natürlichen Auslese als bewusst wirkende Wesen aus dem Tierreich erheben, ihre natürlichen, also ererbten Anlagen bringen jedoch auch den Selbsterhaltungstrieb und dadurch Konkurrenzverhalten der Individuen mit sich.

Daraus folgt besonders in den gegenwärtig hoch entwickelten Gesellschaften der Wettlauf der Menschen mit sich selbst, durch den sie einerseits ihr Wissen und Können vorwiegend im Erschließen technologischer Möglichkeiten erweitern, durch den sie aber andererseits lebensnotwendige soziale Beziehungen zerstören, moralische Bewertungen ihres Wirkens unterlassen und psychische Befindlichkeiten nicht berücksichtigen.

Konflikte zwischen konservierenden und revolutionierenden Bestrebungen, um lebensnotwendige, aber in wachsendem Maße auch scheinbare, teilweise abartige Bedürfnisse befriedigen zu können, werden eher mittels aggressiver Verhaltensweisen als durch die vernünftige Suche nach Alternativen, die alle Seiten zufriedenstellen könnten, ausgetragen.

Die gegenwärtige Weltgesellschaft tritt mehr und mehr als zu manipulierten Interessengruppen zusammengenötigt in Erscheinung. Einerseits nach egoistischem Vergnügen suchend beziehungsweise andererseits nach Vernichtung und Zerstörung von Hab und Gut sowie des Lebens Andersartiger strebend. Besonders gefährlich wird diese Entwicklung dadurch, dass den Menschen heute in wahnsinnigen Größenordnungen Massenvernichtungswaffen zur Verfügung stehen beziehungsweise, dass Einzelne in der Lage sind, mit geringem Aufwand Errungenschaften des wissenschaftlich–technischen Fortschritts zur Vernichtung Anderer, in Verblendung oft auch selbstmörderisch, benutzen zu können.

Die ungeheure Dynamik im Prozess des Wettlaufs der Menschen mit sich selbst verursacht das Abreißen der Traditionen innerhalb historisch gewachsener Gemeinwesen und immer aggressivere Auseinandersetzungen zwischen altehrwürdigen, aber oft sehr unterschiedlichen Gestaltungsweisen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Die Schere zwischen den überwiegend am Erhalten des Althergebrachten interessierten Älteren und den eher zu umwälzenden Veränderungen bereiten Jüngeren öffnet sich immer weiter, der Hass zwischen Angehörigen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen wächst, die Generationen und Anhänger der verschiedensten Traditionslinien stehen sich mehr und mehr konträr gegenüber.

Die ständig größer werdende, sich alltäglich über die Menschen ergießende, Informationsflut führt zu zunehmender Indoktrination und geistiger Abhängigkeit. Die Menschen fühlen sich so den sich verselbstständigenden gesellschaftlichen Gewalten immer hilfloser ausgesetzt und verfallen mehr und mehr in untertänige Lethargie. Das technologische Wissen und Können der Menschen wird in steigendem Maße zu einem gigantischen Potenzial für ihre eigene Vernichtung und der des Lebensraums Erde.

Worin liegen die Ursachen für solches Verhalten von uns Menschen und woran ist zu erkennen, dass durch die kapitalistische Wirtschaftsweise viele Missstände entstehen?

Das Kartenhaus der Global Player

Weder die Arroganz von Managern oder Politikern noch eigene Interessen einzelner Staaten oder Wirtschaftsgemeinschaften sind die tiefgründigen Ursachen für den eskalierenden Verfall des Ökosystems Erde und der unser Menschsein ausmachenden Werte. Unsere Welt wird immer deutlicher von der allgemeinen Krise der kapitalistischen Wirtschaftsweise geprägt. Sie äußert sich dadurch, dass sie in kurzer Zeit aufeinanderfolgend in vielen Varianten erscheint, wie Wirtschafts- und Finanzkrisen, Staatskrisen, Strukturkrisen, humanitäre Krisen, Terrorkrisen, Flüchtlingskrisen und so weiter.

Das auf Sand gebaute Kartenhaus der neoliberalen Global Player fällt zusammen und wir alle müssen uns darauf einstellen, dass aggressives Gegeneinander um geostrategische Einflusssphären, um Rohstoffe, Energiequellen, Absatzmärkte und billige Arbeitskräfte fast immer mit Zerstörung und Krieg endet.

Die kapitalistischen Zentren sind von einem langfristigen Trend zur Wachstumsschwäche gekennzeichnet, der schon Jahrzehnte anhält. Immer mehr Kapital hat Schwierigkeiten sich zu verwerten und erweist sich damit als überflüssiges Kapital. Ein Beispiel dazu ist die Automobilindustrie: Schon viele Jahre lang gibt es weltweit eine riesige Überproduktion von Pkws, die man unter anderem mittels Rückruf der betreffenden Autos etwas abbauen will, um sie billiger doch noch verkaufen zu können. Auch Software- und Diesel-Skandale werden nicht gescheut, um sich im internationalen Konkurrenzkampf durchzusetzen.

Der Versuch, den wirtschaftlichen Aufschwung durch Kreditausweitung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten aufrechtzuerhalten, ist an seine Grenzen gestoßen.

Ein Beispiel dazu ist die sogenannte Immobilienblase, die 2007 platzte und zu einer weltweiten Finanzkrise führte. Hier ging es besonders in den USA, aber auch in der Europäischen Union darum, dass Banken grenzenlos Kredite für Investitionen in Immobilien vergaben. Dadurch wurden die Wirtschaftskreisläufe gestört beziehungsweise unterbrochen, da für Gebäude wie Hotels, Wohneinheiten und weitere keine Kaufkraft vorhanden war.

Viele Bauunternehmen und Zulieferer gingen in die Insolvenz und konnten somit die Kredite nicht mehr abzahlen. Nur die vor der Pleite stehenden Banken wurden mit Steuergeldern gerettet. Um das Wirtschaftswachstum wieder in Schwung zu bringen, wurde von Zentralbanken wertloses Geld „gedruckt“, das aber auf den Finanzmärkten angelegt wurde, statt es in die Wirtschaft zu investieren. [3]

Speziell in Europa kamen als weitere Krisenursachen die großen Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der nationalen Ökonomien im einheitlichen Währungsraum des Euros hinzu. Hier ist Griechenland ein Beispiel. Der griechische Staat war und ist immer noch verschuldet. Er bekam von der sogenannten Troika keine Kredite mehr, da er nicht genügend Steuergeld einnehmen konnte, um die Kreditschulden zu begleichen. Die Hauptursache dafür ist, dass die griechische Volkswirtschaft durch billige Importe niederkonkurriert wurde. Viele Unternehmen gingen Pleite, die Kaufkraft ging zurück, die Arbeitslosigkeit wurde immer größer und die staatlichen Steuereinnahmen wurden immer geringer. [4]

Eine Zusammenfassung der Misstände

Der globale Charakter kapitalistischer Standortkonkurrenz sowie die heute tendenziell unbegrenzte Kapital- und Standortmobilität führen zu Einschnitten in den Nationalökonomien sowie zu Veränderungen bisheriger Wirtschaftsstrukturen und Steuerungsmechanismen.

Unsicherheiten der Wirtschafts- und Sozialentwicklung spitzen sich zu und die Zerstörung des Ökosystems Erde wird in Kauf genommen. Möglichkeiten der Produktivkraftentwicklung werden einseitig für radikale Kostensenkungen und Einsparungen von Arbeitsplätzen eingesetzt, um die Kapitalverwertung zu verbessern und die internationalen Konkurrenzpositionen des Kapitals zu stärken.

Überall in der kapitalistischen Welt erfolgt die relative Loslösung der monetären Sphäre von der Realökonomie. Die hohen Renditen der Geldanlagen, die Labilität und die Erschütterungen der internationalen Finanzmärkte sowie anhaltende Währungsturbulenzen beeinträchtigen die realwirtschaftliche Entwicklung.

Gemeinsame Lösungen von Problemen wie der Abrüstung und der Friedenssicherung, der Erhaltung der natürlichen Umwelt und der Sicherung sozialer Mindeststandards durch die internationale Gemeinschaft, werden durch das Streben der Wirtschaftsblöcke zum Erhalt und der Gewinnung von geostrategischen Einflusszonen, von Rohstoffen, billigen Arbeitskräften und Absatzmärkten verhindert.

Auf die größeren Herausforderungen und Probleme reagieren die Regierungen und die Unternehmerverbände im Innern mit dem Angriff auf den Sozialstaat und nach außen mit verstärkten Bemühungen, die politische und militärische Präsenz der führenden kapitalistisch wirtschaftenden Staaten in der Weltpolitik und deren ökonomische Vormachtstellung zu erhöhen, ohne dass wirksame Beiträge zur Lösung der realen Konflikte geleistet oder auch nur Konzepte hierfür erarbeitet werden.

Warum ist das so?

Die immer wiederholt werdenden Kreisläufe der Marktwirtschaft verlaufen von Produktion (herstellen) über Distribution (verteilen), Zirkulation (verkaufen und kaufen), Konsumtion (verbrauchen) und Regeneration (zurückgewinnen) hin zur Reproduktion – der erweiterten Fortsetzung der Produktion und Leistungserbringung.

Dabei werden Waren und Leistungen hergestellt beziehungsweise erbracht, die für die jeweiligen Nutzer erstens einen Gebrauchswert haben. Und zweitens haben die Waren und Leistungen auch – je nach Angebot und Nachfrage – einen Tauschwert, mittels dessen sie gehandelt und verteilt werden können. Schließlich müssen die ver- und gekauften Leistungen und Waren erneut erzeugt und erbracht werden, um das Wirtschaften weiterhin fortsetzen zu können. Dies bedeutet, dass die Wirtschaft die (wesentliche) Grundlage für das zwischenmenschliche Miteinander ist.

Doch in der kapitalistischen Wirtschaftsweise werden Gebrauchswerte zu dem Zweck hergestellt, um durch ihren Verkauf möglichst hohe Profitraten generieren zu können. Der erwirtschaftete Profit wird aber nur zu einem geringen – nicht ausreichenden – Teil in die Reproduktion des Produktionsprozesses investiert. Der andere Teil wird zu privaten Zwecken abgeschöpft.

Betriebe müssen zur Fortsetzung der Produktion Geld leihen, das selbstverständlich mit Zinsen zurückgezahlt wird. Außerdem werden Dividenden an die Investoren fällig. Wenn also in einem Betrieb nicht genügend Gewinn generiert wird, werden die Geldgeber die Besitzer des jeweiligen geldwerten Kapitals. Oder anders gesagt: Wird nicht genügend Profit erwirtschaftet, ist ein Betrieb irgendwann insolvent. Er muss sein Eigentum verkaufen und wird durch Kapital enteignet. Darum gibt es weltweit immer weniger Eigentümer von Produktionsmitteln. Fast alles Eigentum befindet sich in machtpolitisch gestützten und juristisch garantiertem Besitz von mehr oder weniger anonymen Finanzgesellschaften. [5]

Auch die Volkswirtschaften sind davon betroffen. Produktion, Dienstleistung, staatlich gestützte Konsumtion und Investition, und auch immer stärker die Aufwendungen zur notwendigen privaten Bedürfnisbefriedigung, werden durch Kreditinstitute vorfinanziert und machen so alles Zwischenmenschliche abhängig von Ware-Geld-Beziehungen: Alles wird feilgeboten und alles ist käuflich.

So wird Arbeitsleistung von immer mehr Menschen nur als notwendige Last, nicht aber auch als Freude am Schaffen empfunden, da der größte Teil des im Arbeitsprozess Geschaffenen nicht zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen dient, sondern zum Füttern des immer gefräßiger werdenden Geldmolochs vergeudet wird.

Spezifisch für das kapitalistische Wirtschaften ist es, dass alle gesamtgesellschaftlich erbrachten Arbeitsleistungen in privatem Interesse verwendet werden können. Dadurch werden Waren, besonders die Ware Arbeitskraft, nicht korrekt bewertet, woraufhin die Wirtschaftskreisläufe gestört oder gar unterbrochen werden, und es zu Wirtschaftskrisen, sozialen Ungerechtigkeiten und ökologischen Katastrophen kommt.

Verschärft wird das Ganze, weil erstens der Konkurrenzkampf zu immer kostengünstigerem, rationellerem Produzieren zwingt. Zweitens hängt die Realisierung immer höherer Profitraten von der Eroberung immer neuer Märkte und Einflusssphären ab. Das Profitstreben treibt das Kapital zur Globalisierung. Und drittens schließlich ist der Trieb zur schrankenlosen Ausdehnung der Produktion untrennbar mit dem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate verbunden. [6]

Dieser Fall ergibt sich infolge der Produktivkraftentwicklung, insbesondere durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Dadurch wird immer mehr Kapital in Anlagen, Maschinen, Technik und so weiter investiert, hauptsächlich um den Lohn für Arbeitskräfte einzusparen. Geldwerter Gewinn kann aber nur erzielt werden, wenn Produkte und Dienstleistungen gekauft werden. Wenn jedoch prozentual immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer werden, kann zwar immer mehr produziert, aber immer weniger konsumiert werden. Anders ausgedrückt: Es wird Gebrauchswert produziert, der nicht gekauft wird, weil unter anderem durch Lohndumping und steigende Arbeitslosigkeit die Kaufkraft tendenziell sinkt.

Dadurch werden sämtliche gesellschaftlichen Widersprüche, die durch die kapitalistische Wirtschaftsweise hervorgebracht werden, ebenfalls weiter verschärft.

Denn erstens müssen Betriebe die Nützlichkeit des Unternehmens auf Grundlage fast nur vorfinanziert möglichen Tätigseins und anschließender Verpflichtung zur Kredit- und Zinstilgung dem Streben nach Profit unterordnen und werden im gnadenlosen Konkurrenzkampf verschlissen. Zweitens lösen sich Volkswirtschaften im Rahmen der sich auf Druck der internationalen Finanzmärkte durchsetzenden Globalisierung auf.

Dadurch bestimmen zunehmend Überschussproduktion von immer weniger an der Produktion Beteiligten, nicht proportionaler Austausch, ungerechte Verteilung sowie teils verschwenderischer und weitaus größerer, teils unzureichend möglicher Konsum das Leben aller Menschen. Drittens sind Staatsapparate, eigentlich verantwortlich, möglichst hoher Nützlichkeit verpflichtete, volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Aktivitäten zu stimulieren, kaum noch in der Lage zu agieren und reagieren immer hilfloser.

Und viertens muss der ausgebeutete, unterdrückte, diskriminierte, verhungernde, geplagte, verelendende, dahinvegetierende Großteil der heute lebenden Menschen mittels Machtinstrumenten immer offener mit psychischer und physischer Gewalt ruhiggestellt werden, da dem gesellschaftlichen Getriebe immer schneller das bisschen soziale Öl, wie Bismarck es nannte, ausgeht, und das Ökosystem Erde immer mehr zum Kollaps hin gefährdet wird.

Dies alles beweist, dass nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Ansprüchen die Triebkraft und die Zielstellung des kapitalistischen Wirtschaftsgeschehens ist, sondern einzig und allein die Gier nach geldwertem Vorteil. Darum kann es in der kapitalistischen Marktwirtschaft nicht um Ethik gehen.

Wie kann die kapitalistische Wirtschaftsweise überwunden und ein besseres Heute und Morgen erarbeitet werden?

Wissenschaft hat seit jeher mehrere Funktionen erfüllt. Sie wird zur Produktivkraft, wenn sie die Effektivität menschlicher Tätigkeit erhöht. Wissenschaftsfortschritt als Kulturfortschritt bedeutet Erweiterung des Erklärungs-, Vorhersage- und Gestaltungspotenzials der Wissenschaft, das durch Bildung weiter gegeben werden kann und muss. Zur Humankraft wird Wissenschaft dann, wenn sie die Grundlagen für die Gestaltung und Erhaltung solcher Daseinsbedingungen liefert, die der Fortexistenz und der Weiterentwicklung der Menschheit dienen.

Überaus viele Inhalte im Sinne gesellschafts- und naturwirklicher Notwendigkeiten gilt es zu durchdenken, zu diskutieren und zu bearbeiten, um das produktive Potenzial der Gesellschaft zu erschließen.

Unser menschliches Mit- und Füreinander erfordert den weiteren Ausbau der Demokratie, um die schöpferischen Potenzen aller zu nutzen, Engagement zu fördern, Gefahren zu erkennen, Risiken zu minimieren sowie Entscheidungen durch das Zusammenführen der Kompetenzen der Betroffenen, der Entscheider und der Macher zu fundieren. Humane Daseinsbedingungen sind in zunehmendem Maße nur durch das aktive Wirken, durch die organisierte und koordinierte Teilhabe vieler, wenn nicht aller Menschen zu realisieren.

In und mit diesem demokratischen Prozess der gemeinsamen Gegenwartsbewältigung und Zukunftsgestaltung wachsen nicht nur die Anforderungen an die Berücksichtigung unterschiedlicher individueller, Gruppen-, nationaler und globaler Interessen, sondern auch die Kompetenz der Beteiligten. Schließlich muss unbedingt beachtet werden, dass die menschliche Gesellschaft ein Teil des Ökosystems Erde ist. Leben kann ein Mensch nur, wenn er die Vielzahl der von ihm lebensnotwendigerweise zu erbringenden Leistungen unter Verwendung seines Bewusstseins in menschlicher Gemeinschaft erarbeitet, austauscht, verteilt und nutzt.

In Ökosystemen geschieht Gleichwertiges durch Interaktionen zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Rückgewinnern, wobei jedes in die ökologischen Kreisläufe integrierte Lebewesen sowohl den Produzenten als auch den Konsumenten und den Reduzenten zugeordnet werden kann. In diesen Systemen und selbstverständlich auch im gesamten Ökosystem Erde, in dem auch wir Menschen leben, werden Stoffe, Energie und Informationen produziert, verteilt, ausgetauscht und verbraucht, wodurch die momentane Existenz und die künftige Entwicklung sowohl der Einzelnen als auch aller Beteiligten in ihrer Gesamtheit ermöglicht wird.

Von Menschen nicht genutzte Ökosysteme passen sich spontan an die sie bestimmenden äußeren Bedingungen im Rahmen der sie bewirkenden und durch sie selbst mitverursachten Auf- und Abbauprozesse an und bewegen sich erhebend, verkomplizierend und ihre Existenz bewahrend, solange es eben die vorhandenen äußeren und inneren Bedingungen zulassen.

Erst das zu Bewusstsein befähigte und zu Kreativität begabte Wesen Mensch kann die Spontanität natürlicher Entwicklungslinien in der Kultur seines Willens aufheben und sich mit harmonisch verlaufenden Wirtschaftskreisläufen in das Ökosystem Erde bewusst und zielorientiert eingliedern.

In welche Richtung müssten sich die demokratischen Verhältnisse weiterentwickeln?

Dazu gilt es, für demokratisch notwendige Entscheidungsfindungen, die Kompetenz der Betroffenen, der Entscheider und der Macher zusammenzuführen. Um möglichst viele oder besser alle Menschen zu motivieren, sich an der Gestaltung unseres Zusammenlebens zu beteiligen, ist es notwendig, auf vier Ebenen, in entsprechenden demokratischen Gremien und mit jeweils geeigneten Methoden der Meinungs- und Entscheidungsfindung, den Diskurs zu gesellschaftspolitischen Aufgaben zu führen:

  • Die Ebene der Grundwerte – Hier sollten alle Inhalte von Weltanschauung, Ethik und Menschenwürde behandelt werden, beispielsweise Entscheidungen durch Volksentscheide über solche Verfassungsänderungen wie das Recht auf Arbeit oder ein sozial gerechtes Grundeinkommen oder zu Einsätzen der Streitkräfte.
  • Die Ebene der kulturvollen Lebensweise – Hier müsste die Lösung der gesellschaftlich gestellten Aufgaben von Pädagogik, Wissenschaft, Publizistik und Kunst durch aktive und verbindliche Anteilnahme bei Entscheidungsfindungen über Rundtischgespräche, Petitionen, Studien, Interessensvertretungen und vieles mehr stimuliert werden.
  • Die Ebene der politischen Lenkung und Leitung – Hier gilt es, Verwaltung, Exekutive, Legislative und Judikative zu organisieren und zu gestalten, zum Beispiel durch Transparenz auf den Wegen zur jeweiligen Entscheidungsfindung und beim Festlegen von Ausführungsbestimmungen oder über öffentliche und offizielle Statements der Entscheidungsfinder, die vor der Entscheidung öffentlich zur Diskussion gestellt werden.
  • Die Ebene der Erwirtschaftung der materiellen Grundlagen – Hier sollten Konsum, Produktion, Handel und Geldsystem überwacht werden, beispielsweise durch Einflussnahme von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Umweltschützern, Bürgerinitiativen und vielen mehr auf Entscheidungen über die Wirtschaftskreisläufe.

Welche notwendigen Veränderungen hin zu sozial gerechten, ökologisch vertretbaren und fortschrittlich produktiven Gesellschaftsverhältnissen müssten durchgesetzt werden?

(1) Überall in der Welt müssten sich demokratische Gesellschaftsverhältnisse entwickeln und staatliche Institutionen zu dienstleistenden Verwaltungsorganen werden. Im gesamtgesellschaftlich-demokratischen Prozess der gemeinsamen Gegenwartsbewältigung und Zukunftsgestaltung müssten immer konsequenter die oft sehr unterschiedlichen individuellen, Gruppen-, nationalen und globalen Interessen aller Beteiligten wie auch deren Kompetenzen berücksichtigt und beachtet werden.

(2) Steuern und Abgaben müssten dort, wo man sie erarbeitet, für das Nützliche investiert, für soziale Gerechtigkeit eingesetzt und für kulturelle Bedürfnisse der Einzahlenden ausgegeben werden. Dazu bedarf es eines gerechten und gleichzeitig die Produktivkräfte der Gesellschaft fördernden Steuersystems. Zweierlei Arten von Steuern sind dazu erforderlich, die Einkommenssteuer und die Mehrwertsteuer.

Für eine gerechte Einkommenssteuer müsste künftig in der Verfassung das Recht auf Arbeit verankert sein, das mit der Verpflichtung für jeden Arbeitsfähigen verbunden ist, sich ein vertraglich gesichertes steuerpflichtiges Einkommen zu erarbeiten. Die Mehrwertsteuer müsste künftig auf den geldwerten Anteil des erwirtschafteten Gewinns einer privatwirtschaftlichen Unternehmung erhoben werden, der nicht in die Reproduktion des Produktionsprozesses investiert wurde, und sie dürfte nicht auf den Preis der Produkte und Leistungen aufgeschlagen werden.

(3) Jedem Menschen müsste es möglich sein, mittels des von ihm selbst erarbeiteten Gewinns im Prozess seines konkret ihm möglichen Tätigseins und entsprechend seiner natürlich-biotischen, psychischen und weltanschaulichen Bedürfnisse und Vorstellungen sein Leben eigenwillig zu gestalten.

Grundlegende Bedingungen dafür sind: erstens das in der Verfassung verankerte Recht auf Arbeit, das mit der Verpflichtung für jeden arbeitsfähigen Menschen verbunden ist, sich ein steuerpflichtiges Einkommen zu erarbeiten – und zweitens ein sozial gerechtes Grundeinkommen für jeden, der es aus zu rechtfertigenden Gründen wie zum Beispiel Erziehung von Kindern, Pflege von Angehörigen, altersgemäßem Ausscheiden aus dem Berufsleben, Erwerbsarbeitslosigkeit, selbstständigem künstlerischem Arbeiten, Krankheit, Behinderung in Anspruch nehmen will.

(4) Um die grundlegenden Wirtschaftskreisläufe von Leistungserbringung, Verbrauch und Wiederbelebung in zusammenwirkenden Wirtschaftsregionen aufrechtzuerhalten, müsste der geldwerte Gewinn aller Betriebe nur in Kreditinstituten eingelagert werden, deren Geschäftsbereich in einem geschlossenen Wirtschaftsraum liegt. Geschäfte, die darüber hinausgehen, sollten durch eine demokratisch kontrollierte Zentralbank vermittelt werden.

(5) Kreditinstitute müssten künftig unter Leitung einer demokratisch kontrollierten Zentralbank ihre Darlehen zielgerichtet, mit moderaten und jeweils entsprechend stimulierenden Zins- und Tilgungsraten an in erster Linie auf Nützlichkeit und mit dieser auf Gewinn zum zwischenmenschlichen Leistungsaustausch orientierte produktive Betriebe sowie Dienstleistungsunternehmen aller Art vergeben werden.

So würden mit Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein tätige und dadurch legitimierte Eigentümer von Produktionsmitteln durch fließendes Geld unterstützt, beziehungsweise deren Wirken würde vielfach überhaupt erst ermöglicht.

(6) Energiebereitstellung müsste weltweit für alle Menschen demokratisch stimuliert, gewährleistet, verantwortet und kontrolliert werden. Die dazu und zur Gewinnung von Stoffen, Materialien und Wirkstoffen notwendigen natürlichen Ressourcen, müssten zu garantiertem Eigentum der Menschheit als Ganzer werden. Dazu bedarf es eines gerechten, sich von national zu schließlich weltweit gültig entwickelnden Bodennutzungsrechts.

(7) Die großtechnische Verarbeitung von Rohstoffen zu hochwertigen Materialien oder Bauelementen müsste künftig in ebenfalls weltweit demokratisch zur Produktion stimulierten und kontrollierten, vollautomatischen Betrieben an den geeignetsten, dem Bodennutzungsrecht entsprechenden Standorten geschehen. So könnten sie für das konkrete zwischenmenschliche Tätig- und Nützlichsein, die von Menschen für Menschen zu leistende Arbeit, verwendet werden

Vollautomatisch funktionierende Wirtschaftseinheiten brauchen Wachstum nur zur qualitativen Verbesserung ihrer Produkte, aber keine ständig wachsende Profitrate. Kleine und mittelständige Betriebe sollten durch Be- und Verarbeitung hochwertiger Materialien, von Wertstoffen und Bauelementen zu Gebrauchswerten beziehungsweise durch Erbringen von Dienstleistungen geldwerte Gewinne erarbeiten und sozial gerecht verteilen.

So könnten proportional ausgewogene Wirtschaftskreisläufe zwischen Produktion, Distribution, Zirkulation, Konsumtion und Reproduktion und sowohl die Befriedigung der existenziell für uns Menschen notwendigen Bedürfnisse wie Beköstigung, Bekleidung und Behausung als auch alle unsere kulturellen und den Lebensgenuss befriedigenden Bedürfnisse durch fließendes Geld gewährleistet werden. [7]

(8) Bildung, Erziehung und Wissenschaft sollten in staatlich bereitgestellten und verwalteten Einrichtungen unter demokratischer Kontrolle stattfinden und allen Menschen zugänglich sein. Grundlagen- und angewandte Forschung sollte künftig in gesamtgesellschaftlicher, demokratisch kontrollierter Verantwortung geleistet und deren Ergebnisse ebenso verwertet werden.

Das daraus hervorgehende Wissen sollte allen Menschen zugänglich sein. Bildung und Erziehung sollten in ihren Zielstellungen darauf gerichtet sein, dass jeder Mensch seine Begabungen und Talente erkennen und den auf deren Grundlage entstehenden Neigungen im Lernprozess nachgehen kann, und dass er dementsprechend zu einem eigenverantwortlichen Tätigsein befähigt werden kann.

Ein Schlusswort

Für uns Menschen ist es lebensnotwendig kreativ zu sein. Denn um als Mensch leben zu können, ist es für uns notwendig, die sich zufallsnotwendig ereignende, natürliche Wirklichkeit zur von uns bewusst und vernünftig mitgestalteten Wirklichkeit zu beeinflussen und so unsere Welt in ihrer Ganzheit zu bewahren.


Frank Nöthlich (Foto: Privat)Über den Autor: Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.


Quellen und Anmerkungen

[1] Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB: Mensch Einstein. Auf https://www.menscheinstein.de/mythos/fragen/sequenz_jsp/key=2216.html (abgerufen am 01.09.2018).

[2] Süddeutsche Zeitung vom 6. August 2010: Albtraum Atombombe – Einstein überzeugt Roosevelt. Auf https://www.sueddeutsche.de/wissen/serie-albtraum-atom-prophet-vater-und-gegner-der-bombe-1.983487-3 (abgerufen am 01.09.2018).

[3] Sächsische Zeitung: Die EZB und ihre Geldschwemme: Zur falschen Zeit am falschen Ort? Auf https://www.sz-online.de/nachrichten/die-ezb-und-ihre-geldschwemme-zur-falschen-zeit-am-falschen-ort-3050873.html (abgerufen am 31.08.2018).

[4] Krautreporter: Die Griechenland-Krise, verständlich erklärt. Auf https://krautreporter.de/2342-die-griechenland-krise-verstandlich-erklart (abgerufen am 31.08.2018).

[5] Frankfurter Rundschau: 147 Unternehmen kontrollieren die Welt. Auf http://www.fr.de/wirtschaft/maechtige-konzerne-147-unternehmen-kontrollieren-die-welt-a-906561 (abgerufen am 31.08.2018).

[6] Der Gesellschaftstheoretiker und Ökonom Karl Marx definierte die Profitrate als das Verhältnis von Profit zur Summe aus eingesetztem variablen Kapital und konstanten Kapital. Die durch technischen Fortschritt bedingte Zunahme der organischen Zusammensetzung des Kapitals führt nach der Auffassung von Marx zu einem tendenziellen Fall der Profitrate. Daraus wird die (zwangsläufige) zeitliche Begrenztheit des Kapitalismus abgeleitet.

[7] Umlaufgesichertes Geld ist ein Konzept der Freiwirtschaft. Es soll dafür sorgen, dass sich der Umlauf des freiwirtschaftlichen Geldes verstetigt. Diese Umlaufsicherung steht im Widerspruch zu der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Pierre-Joseph Proudhon, ein französischer Ökonom, stellte Mitte des 19. Jahrhunderts die Hypothese auf, dass durch den Wertverfall von Waren und Gütern, der von Geld aber nicht reflektiert würde, dieses ein Privileg erhalte, wodurch es einen zusätzlichen Preis erzwingen könne. Dadurch könne der Geldbesitzer den Warenbesitzer schließlich ausbeuten. Weitere Informationen auf https://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgesichertes_Geld (abgerufen am 31.08.2018).


Foto: Joshua Wilking (Unsplash.com)


Weitere lesenswerte Artikel

  1. Müssen wir uns wirklich diesem Geldsystem beugen. Lassen wir uns durch solch ein unsinniges System so unter Druck setzen. Gibt es eines Tages einen „Denker“, der es schafft, diese Unsäglichkeiten einer großen Anzahl Menschen klar zu machen. Wie kann es sein, dass man sich wegen Zahlen, die nur als digitale Bits existieren, die Bewegungsfreiheit bei der Ausübung wichtiger Arbeiten und Leistungen nehmen lassen . Wenn das nicht in Kürze passiert, wird die Menschheit wohl nicht überleben.

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  2. Der Artikel strotzt nur so von Widersprüchen und letztendlich wird das zuvor in Frage gestellte System wieder als Lösung angeboten, mit kleinen kosmetischen Veränderungen. Aber daran sieht man, wie sehr wir Menschen indoktriniert wurden und eine radikale Loslösung/Veränderung gar nicht möglich ist.

    Hier einige Beispiele:
    „Der Überlebenswille und die Arterhaltung des Menschen führen zur Verwüstung der Erde.“
    Nach der Logik müsste sich das Tierreich schon längst ausgerottet haben. Nein, unsere degenerierte Lebensart hat mit natürlicher Arterhaltung nichts mehr zu tun.

    „Weder arrogante Manager, noch Politiker sind die Ursache für den Zerfall des Ökosystems, sondern eine Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems.“
    Also hat sich das Wirtschaftsystem in eine Entität entwickelt, die mit dem Menschen nichts mehr zu tun hat. Ja, so einfach kann man sich rausreden, wenn man alle Verantwortung zurückweist auf die neu erschaffene, ungezügelte „Lebensform Kapitalismus“.

    „Dies alles beweist, dass nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Ansprüchen die Triebkraft und die Zielstellung des kapitalistischen Wirtschaftsgeschehens ist, sondern einzig und allein die Gier nach geldwertem Vorteil.“
    Bedürfnis und Anspruch sind schon ein Widerspruch und wenn sie die Triebkraft in einem kapitalistischen System sind, dann ist das Resultat Gier.

    Und so zieht sich das wie ein roter Faden durch den Artikel, wobei die Ursache Mensch nur marginal erwähnt wird.

    Als Lösungen werden dann all die Dinge angeboten, die wir schon haben: Steuern für soziale Gerechtigkeit, erarbeitete Gewinne zur Lebenssicherung, Wirtschaftskreiskäufe, Zentralbanken, Kreditinstitute, Ressourcenabbau zur Güter- und Energiegewinnung, wachstumsorientierte Wirtschaftseinheiten, staatliche Bildungseinheiten usw.
    Merkt der Autor nicht, dass das alles schon irgendwo und in irgendeiner Form auf der Welt existiert und gescheitert ist?

    Und dann der Unsinn mit dem Recht auf Arbeit, aber eher einer Verpflichtung gleicht und der man sich würdig erweisen muss, damit evtl. Grundeinkommensberechtigungen möglich werden.

    Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet die Leute, die in diesem System ausgebildet wurden und verschieden Karrierestationen durchlaufen haben, sich nicht vorstellen können, das nur ein Zusammenbruch des Systems UND ein Bewusstseinssprung der Menschheit eine Lösung herbeiführen können. Und es ist wichtig dabei zu erkennen, dass es nur in der Symbiose (Zusammenbruch und Erkenntnis) möglich ist. Alles andere ist nur überflüssige Kosmetik.
    Insofern bietet der Artikel nichts Neues, sondern nur das übliche Standardblabla tausender anderer Artikel.

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  3. Die berechtigte Frage „Ist die Menschheit noch zu retten?“ wird beantwortet mit Konzepten, die, wenn nicht verantwortlich, einen Teil der Verantwortung dafür tragen, wie sich die Zustände entwickelt haben. Ausgelaugte Sozialdemokratie paart sich mit kleinsten Ännährungen an neue Ideen (zB Grundeinkommen), aber der Schreiber klammert sich am bekannten fest (zB Grundeinkommen, aber nicht bedingungslos). Die Verhältnisse sollen sich ändern, ja, aber nicht die Ordnung, ohne die diese Verhältnisse nicht denkbar sind. Wo ist das radikale politische Element, wo bleibt das revolutionäre neue Weltbild? Es fällt aus. Der Autor setzt an und verweigert den Sprung über ein inneres Hindernis. Das kapitalistische System ist zwar unreformierbar, erkennt er, aber er unterstellt, es wäre zum Wandel fähig, wenn es „alten Wein“ in neue Schläuche füllt. Das ist nicht fortschrittlich, sondern konservativ. Da lob ich mir die Klarheit in https://neue-debatte.com/2018/05/27/die-entscheidung-kapitaldiktatur-oder-souveraenitaet-der-menschen-teil-1/ Da wird über den Kapitalismus Tacheles geredet: „Was die bürgerliche Wählerschaft dabei nicht versteht: Weder rechts, links noch in der Mitte sind sie vor diesem Raubtier sicher, dass keinen Krieg auslassen wird, wenn es etwas zu verdienen gibt.“ Die Lösung ist folgerichtig: „Wenn der Mensch als Gattung überleben will, muss sich die Art des Wirtschaftens ändern. Dazu braucht es eine Abkehr vom Finanzkapitalismus und eine neue politische und wirtschaftliche Ordnung.“ Die Frage, ob die Menschheit zu retten sei, wird knall hart beantwortet. In dem Beitrag hier aber nicht. Der Autor versucht, sich eine bessere Gesellschaft vorzustellen. Das ist gut. Er nimmt die Rolle des denkenden Revolutionärs aber nicht an. Damit neutralisiert er seine sinnvollen Gedanken selbst, bleibt gefangen in den gewünschten Mustern und geht dem alten System auf den Leim.

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