Offener Brief: „Wenn Grenzen töten…“

Offener Brief an MDB Tobias Pflüger, stellv. Parteivorsitzender DIE LINKE, verteidigungspolitischer Sprecher der Linksfraktion.

Freiburg den 07. 09. 2018

Offener Brief an MDB Tobias Pflüger, stellv. Parteivorsitzender DIE LINKE, verteidigungspolitischer Sprecher der Linksfraktion

Betreff: Veranstaltung „Wenn Grenzen töten…“ im Grünhof in Freiburg, am 06. 09. 2018

Lieber Tobias,

ich möchte Dir, als Parteimitglied, auf unsere gestrige Diskussion auf diesem Wege noch antworten. Das Thema ist mir, gerade vor dem Hintergrund von Chemnitz, zu wichtig als das ich es offen stehen lassen könnte. Und da die Veranstaltung öffentlich war, Du aber so plötzlich gegangen bist, wahrscheinlich wegen Terminen, wähle ich jetzt diesen Weg um die Diskussion fortzuführen. Ich muss etwas ausholen um meinen Standpunkt zu verdeutlichen, bitte investiere die Zeit.

Deinen Vortrag fand ich sehr gelungen, informativ, sachlich und mit Standpunkt. Die skandalöse und inhumane Abschottungspolitik der BR sowie der EU, den Flüchtlingen auf der Mittelmeerroute gegenüber, hast Du treffend und klar kritisiert, Strukturen und große Linien aufgezeigt sowie Stellung bezogen. Danke dafür. Irritiert hat mich Einzig die, wie ich fand, in der Sache deplatzierte „Spitze“ auf unseren Genossen Oskar Lafontaine, in Bezug auf seine Rolle bei der Asylrechtsänderung 1993. Aber gut. In der anschließenden Runde habe ich Dir eine Frage gestellt, ich stelle Sie Dir auf diesem Wege nochmalig, zur Verdeutlichung etwas ausführlicher:

Tobias, ich habe ein Problem. Ich bin Kraftfahrer, komme viel herum, Schwarzwald und Alb. Metallbranche, nette Leute, Dreher, CNC-Fräser, Mittelständler, Lagerleute, Fahrer etc. Ich rede mit diesen Menschen, wie es ihnen geht, wie das Geschäft läuft, was macht der Hund usw. und ich rede mit vielen auch über politische Dinge. Der Chef einer kleinen Firma begrüsst mich seit der BTW mit „Hallo, mein Linker“ und ich antworte „Hallo, mein AFDler“. Dann lachen wir beide und plaudern ein wenig. Dieser Mann, und die wenigsten der anderen Leute mit denen ich rede, sind „Rechte“, „Rassisten“ oder gar Schlimmeres. Das sind „einfache“ Menschen, Mitbürger die sich gerade ehrliche, und für mich verständliche Sorgen machen. Wegen der „Flüchtlingsthematik“. Das überschattet alles andere und ich benötige ein klare Stellungnahme der Parteispitze um diesem Mann Antworten auf seine Fragen geben zu können.

Unsere Gegner, die politisch „Rechten“ haben diese „Antworten“, kurz und knackig. „Ausländer raus“ „Merkel muss weg“… das reicht um viele dieser Leute zu verlocken. Aber bitte nicht falsch verstehen, mein AFDler kann durchaus differenzieren. Das Asylrecht stellt er nicht in Frage. Wer Schutz benötigt im Sinne GG hat diesen selbstverständlich zu erhalten. Ihn enttäuscht, das die etablierte Politik keine Lösungen für seine Probleme anbietet. Er sieht, was in seiner Branche los ist, überall prekäre, ausbeuterische Jobs besetzt von immer mehr „Ausländern“. Die Integrationsprobleme, der politische Islam, Anschläge, das „Abschiebechaos“. Das sind reale Probleme der „Flüchtlingsthematik“, diese sind nicht wegdiskutierbar, die Ohnmacht und der Unwille der „Eliten“ ist offensichtlich und ich benötige, schnellstmöglich, „kurze und knackige“ Antworten um den rechten Rattenfängern Paroli bieten zu können.

Also Tobias, 3 Sätze, und trenne bitte zwischen Asylrecht und Armuts-/Arbeitsmigration. Das sind zwei paar Schuhe für mich und „meine Leute“. Ist nicht einfach, das Thema ist komplex, das verstehe ich aber dafür bist Du ja in der Politik.

Das war meine Frage, im Sinn und größtenteils wortwörtlich, genau so. Deine Antwort? Circa 3 Minuten, nicht 3 Sätze, gute Argumente zur Flucht-Ursachenbekämpfung, Kriege, Waffenhandel, Handelsverträge, Umweltzerstörung etc. Flüchtlinge sind nicht „Schuld“ an der Wohnungs- und Arbeitsplatzproblematik, DIE LINKE hat Lösungen dafür etc. Alles richtig. „Kurz und knackig“ war es aber nicht. Und erst Recht war es keine Antwort auf die Frage zur Armuts-/Arbeitsmigration. Kein Wort darüber. Du hast nur über „Flüchtlinge“ gesprochen, und das lies mich aufhorchen. Ich musste schließlich Deine Antwort so verstehen, das Du alle Menschen, die aus wirtschaftlicher Not zu uns kommen wollen, auch als „Flüchtlinge“ im Sinne Asylrecht GG einstufst. Konnte das sein?

Ich hakte nach und meldete einen neuen Redebeitrag an. Hier stelle ich ihn erneut. „Tobias, verstehe ich Dich richtig? Du vertrittst die Meinung das „jeder, egal woher oder warum, der zu uns möchte und in Deutschland leben will, zu uns darf und hier bleiben kann? Ungeprüft und ohne Einschränkung? Diese Frage kann jeder mit Ja oder Nein beantworten und darum bitte ich Dich jetzt.“

Deine Antwort? Etwas von „wir wollen diese Leute ja nicht einladen, aber wer kommt…“, etwas mit „Humanismus“ und schließlich ein „ich bin ja für Freizügigkeit, es sollte sich jeder Niederlassen dürfen wo er will“. Damit hast Du dich abgewendet und bist zur nächsten Frage übergegangen. Ich habe nochmal versucht einzuhaken, „Tobias, kriege ich 2 Minuten? Es wäre wirklich wichtig“, aber Du hast leider, mit Verweis auf die Uhrzeit und die anderen Redner, abgeblockt. Ich war erst mal „platt“. Und „sauer“. Mein Abgeordneter, der stellvertretende Vorsitzende meiner Partei, weigert sich, auf einer öffentlichen Veranstaltung, eine klare, legitime und wohl für jeden verständlich, aktuell wichtige Frage zu beantworten und lässt mich „auflaufen“? Bin ich im falschen Film?

Die Runde ging zu Ende, ich musste es einfach wissen und habe, erfolgreich, versucht mit Dir ins persönliche Gespräch zu kommen. Mein Argument lautete das, wenn jeder hier her darf, ungeprüft und uneingeschränkt, dann könnnen wir, logischerweise, das Asylrecht abschaffen. Wir bräuchten es nicht mehr, weil es genau das macht was Du erklärtermaßen nicht willst. Es prüft, wer Anspruch auf Asyl nach GG hat, und wer diesen nicht hat, der muss, leider, wieder gehen. Und ich sagte sehr deutlich, das unsere Partei „untergehen“ wird, denn wenn ich dieses Statement von Dir meinem AFDler erzähle, dann jagdt er mich vom Hof. Mit vollem Recht aus meiner Sicht. Denn diese Einstellung ist einfach unrealistisch. Es können nicht ALLE kommen. Der Mann ist doch nicht doof.

Das Gespräch wurde lauter und Du hat mich gefragt, angeschnautzt würde besser passen, „wie willst Du diese Menschen aufhalten“? Ich wollte, mittlerweile auch sehr laut, Entschuldigung meinerseits, noch etwas entgegnen aber da warst Du schon aus dem Saal. Aber ich beantworte Sie Dir jetzt sehr gerne und komme damit auch zum eigentlichen Punkt. In den 2 Minuten, die Du verweigert hast, hätte ich meinen Standpunkt gerne persönlich erklärt. Jetzt kann ich es ausführlich, auch gut.

Ich weiß es nicht. Wie wir sie „aufhalten“ können. Die vielen Menschen in Not auf der Welt die alles tun um zu uns zu kommen. Ich weiß es wirklich nicht, das Thema ist extrem komplex, mir zerreist es das Herz ob der Probleme, aber es gibt so viele Zusammenhänge das ich ehrlich passen muss. Und Du weißt es offensichtlich auch nicht, verständlicher Weise. Ich verstehe die „Flucht“ in die humanistische Haltung, den „Wunsch“ nach einer „besseren Welt“, der in Deiner „Lösung“, dem OpenBorder-Gedanken, steckt. Das finde ich ehrenwert, das ist für mich links im Sinne der Solidarität. Dies teilen auch mein AFDler sowie die Menschen die ich kenne und schätze.

Aber dieser schöne Gedanke, diese „Vision“ die auch ich gerne träume, hat, leider, mit der Realität nichts zu tun. Unsere Träume zerplatzen, Deine „Haltung“ zerschellt an ihr. Und mein AFDler ist Realist. Ein bodenständiger Mensch, ehemaliger FDP-Wähler, „der Lindner ist unerträglich“, er erwartet realistische Lösungen für seine Probleme. Und zwar pronto. Keiner liefert, außer der AFD. Die haut auf den Tisch, schnelle Lösungen für dringende Probleme. Sie haben es einfach, denn diese Probleme, nicht nur in der Flüchtlingspolitik, sind real und gigantisch. Die „Etablierten“ vertuschen und leugnen wo es nur geht, die Massenmedien lassen jedes Verantwortungsgefühl vermissen, Orwell lässt grüßen, die Konzerne sind außer Kontrolle. Die Menschen verstehen „die Welt“ nicht mehr. Aber sie wissen es, sie fühlen es und nur die AFD spricht es aus: Der Kaiser ist nackt.

Die Parteien haben ihr Blatt endgültig überreizt. Immer weniger Menschen glauben „Denen da oben“auch nur noch ein Wort. Das höre ich von allen. Im privaten habe ich eher mit „Akademikern“ zu tun, die wählen zwar nicht AFD, aber sind sich in der Kritik am „System“ völlig einig. Die politische Klasse ist total abgehoben, wirkt arrogant, inkompetent, unehrlich, intrigant, und berücksichtigt die politischen und sozialen Interessen der Mehrheit in keinster Weise. Gibt sogar eine Bertelsmannstudie dazu. Und da Vertreter meiner Partei, DIE LINKE, eine Partei die wirklich gute Ideen für viele Probleme hat, lieber billigen Spargel essen, Schulen und Autobahnen vertickern, angebliche „Antisemiten“ zensieren wollen und ansonsten untereinander mit Intrigen und üblen Anschuldigungen beschäftigt sind, wird DIE LINKE in den selben Topf geworfen. Bravo, wir sind „etabliert“.

Und weil Du, stellvertretend für viele Andere, aus allen Parteien, deinen Job gestern Abend nicht gemacht hast, darum ist DIE LINKE keine Alternative für meinen AFDler. Dein Job lieber Tobias, als MDB mir und allen anderen Menschen im Land gegenüber, wäre es gewesen die Frage „wie sollen wir sie aufhalten?“ Dir selbst zu stellen. Es ist Dein Job, Dich der Realität zu stellen, mit Deinem Wissen und Engagement, für das Du gewählt wurdest. Das ist mühsam, nicht lustig und tut manchmal richtig weh. Ich möchte wirklich nicht mit Dir tauschen, ehrlich. Aber Du hast Dich mit der Annahme Deines Mandats dafür entschieden. Freiwillig. Jetzt stehe auch dazu, und versuche nicht nur „Haltung“ sondern auch „Handlung“ zu zeigen. Die Menschen und ich erwarten das von Dir.

Und wenn Du das verstanden hast, das es um die klare und schonungslose Analyse der realen Welt geht, Du den Mut hast unbequeme Wahrheiten auszusprechen, dann kann es auch echte Veränderungen geben. Höre den Menschen zu, nehme sie Ernst und stelle Dich der „Wahrheit“, den Fakten. Dann werden Dich wieder viele Menschen unterstützen und gemeinsam nach tragfähigen, realistischen Lösungen suchen. Dies ist auch der einzige Weg „gegen Rechts“ und im Grunde bin ich mir sicher das Du das weißt.

Was hat mir, dem „kleinen“, unwichtigen LKW-Fahrer und Parteimitglied den „Mut“ gegeben Dir diesen Brief zu schreiben? Warum in öffentlicher Form? Fragst Du Dich das? Es hat viel mit dem gesagten zu tun, denn ich erlebe gerade „live“ wie viele Menschen ähnlich wie ich denken. Wie viele Menschen sich gerade artikulieren, solidarisieren und diskutieren, für Ihre Interessen und den Wunsch, nicht wie kleine Kinder behandelt zu werden. Ich danke den Initiatoren von #Aufstehen für die Hoffnung, die diese Bewegung uns allen macht und wünsche jedem engagierten Mitmacher alles Gute und viel Kraft. Schau es Dir mal an Tobias, Du bist herzlich willkommen, es liegt nur an Dir.

Mit sozialistischen Grüßen,
Jochen Hochstein, Freiburg


Redaktioneller Hinweis: Dieser Offene Brief wurde Neue Debatte am 07. September 2018 zugesendet. Er wurde redaktionell nicht bearbeitet und spiegelt die Position des Verfassers wider.


Symbolfoto: Neue Debatte mit Material von Clker-Free-Vector-Images (Pixabay.com, Creative Commons CC0).


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  1. Hier vielleicht einige Antworten:

    Die FDP unterscheidet sich nur marginal von der AfD, früher hiess sie CSU
    Die AFD liefert nicht, sie streut Sand in die Augen ihrer Anhänger.
    Wenn auch die Linke keine Lösung sieht und wegläuft vor unbequemen Fragen, so hat sie keine Macht und Angst die Ursachen anzusprechen und anzupacken.
    Auch deshalb hat sich DIE LINKE schon längst etabliert, genauso wie die AfD.
    Wie soll ein „gemässigter“ AfDler verstehen, wenn selbst Linke das Problem nicht verstehen (wollen!).

    Die Flüchtlinge sind nicht das Problem, sie sind das Resultat unserer jahrzehnterlanger, dekandenten Lebensweise auf „Kosten der Dritten Welt“. Da haben ALLE mitgemacht! Unsere Rohstoffkriege sind nur die Spitze des Eisbergs.

    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“
    Albert Einstein

    Deshalb wird die Politik keine Probleme lösen, sie selbst ist das Problem.
    Wir müssen uns von der Politik lösen und eigenverantwortlich unseren Lebensstandard überdenken! Stoppt die Kriege, reduziert den Konsum, achtet die Umwelt!
    Wäre schon mal ein Anfang….

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  2. Meine volle Unterstützung für diese angedeuteten Konsequenzen!
    Das Flüchtlingsproblem ist isoliert im Grunde unlösbar. Die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms werden wahrgenommen und nach herkömmlichen Mustern beantwortet. Das spaltet dann die Gesellschaft, wo Versöhnung nicht möglich ist. Um so verzweifelter oder abfertigender werden die Konsequenzen, die vorgeschlagen werden.

    Der Satz: „Wir müssen uns von der Politik lösen und eigenverantwortlich unseren Lebensstandard überdenken!“ geht in die richtige Richtung, bleibt aber beim Einzelnen. In meinem Ansatz https://neue-debatte.com/2018/09/02/politik-und-leben-verbinden/ versuche ich genau den Vorschlag umzusetzen, aber nicht auf individueller Basis.
    G.K.

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  3. Korrekte Ansage! Beide Daumen hoch!!!. Es ist höchste Zeit, klare Antworten einzufordern. Werden die nicht gegeben, unabhängig von der Parteifahne, zeigt es, dass die Politik keine Lösungen hat. Sprachlosigkeit ist aber keine Option. Die Menschen müssen sich selbst organisieren und ihr Leben so gestalten, wie sie leben wollen. Verbreitet den Vorschlag von G.K. https://neue-debatte.com/2018/09/02/politik-und-leben-verbinden/ Der ist konkret, inwieweit umsetzbar, steht auf einem anderen Blatt.

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  4. Ein in meinen Augen wunderbarer Brief, Jochen Hochstein – davon sollte es ganze Fluten geben !

    Ich selbst bin vor ein paar Tagen über ein Interview von Seiten der Grünen gestoßen.
    Es hat mich zu folgender Mail an Frau Eckardt veranlasst – (auch noch zu einer an Herrn Hofreiter, zu finden unter: http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//POLITISCHES/M/offBrief%20an%20goering-eckart-chemnitz.html)

    : Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

    anlässlich des gestern (6.9.) ausgestrahlten Interviews mit Ihnen und Herrn Hofreiter, möchte ich Sie im Besonderen, aber mit Ihnen im Grunde sämtliche Polit-Akteur/innen, dringend bitten, einmal ernsthaft über Folgendes nachzudenken:

    Wie viel t r ä g t wohl die von Ihnen allen tagtäglich gepflegte Praxis b e i zu eben jenen Spaltungsprozessen, die Sie CDU/CSU wie ´den Rechten´… so reichlich zum Vorwurf machen… ?! —

    — die Praxis der mehr oder minder ´zutiefst´ verurteilenden Anprangerung der Haltungen von Menschen und Gruppierungen … , die anderes wollen und anders agieren, als (in Ihren Augen und darüber hinaus) wünschenswert und akzeptabel…
    Hören Sie sich einmal wirklich selbst zu – und lassen Sie den Schauder zu, der für möglicherweise nicht wenige von solchen Statements ausgeht …

    Wenn alle so agieren – und sie tun das leider zunehmend – kann die Wechselwirkung nur allseitige Verrohung sein…

    … entsprechend war ja auch auf Seiten der ~60000 ´Wir sind mehr´- GEGEN-Demonstranten bzw der Liedtexte, die dort massenhaft mit-skandiert wurden, reichlich Entsetzliches zu hören und zu sehen …

    Wo Sie, Frau Göring-Eckardt, ja auch der Bundespräsident (!), in der jeweils geäußerten Weise ´Haltung´ und ´Zusammenstehen´ ´gegen´ & ´für´ im Sinne eines ´Wir-sind-mehr´ einfordern (auch Sie arbeiten dabei ja mit Ängsten und dem Pranger ), da entgleist Verhalten … !
    … wie umgekehrt auf Seiten derer, die mit mehr oder minder rechter Grobschlächtigkeit und lautstarkem bis gewalttätigen Einschüchterunggebaren auf Fremden-Angst & Elitenhass setzen, um unser System ins bewusst Undemokratische zu kippen … !

    Mir graust wie Ihnen vor dem, was da und in welchen Formen von rechts außen auf die Straße getragen wird.

    Mir graust aber gleichzeitig nicht wenig, wenn ich die wachsende Bereitschaft zum rundum unangemessenen und restlos unfruchtbaren Hype sehe: 

    Die Hamburger Ereignisse etwa hatten eine extrem zerstörerisch ausgerichtete Qualität.
    Die aktuellen Chemnitzer Ereignisse haben auch nicht entfernt Vergleichbares gezeitigt !
    Im Umgang mit Beidem stellen sich nun überdimensional viele nahezu auf dem Kopf!

    Wahrnehmungs-Verschrägungen ohne Ende !

    Verhalten entsteht aus Wechselwirkungen, die sich situationsbedingt hochzuschaukeln pflegen…

    Also ist es geboten, nicht den bösen anderen, sondern sich selbst ins Auge zu fassen:

    Wenn Menschen sich in Rassismen und Faschismen, sowie einfache bis mafiose Kriminalität etwa versteigen, tun sie das doch nicht – und sogar in zunehmend beängstigendem Maße – ohne dass der andere Gesellschaftteil, der Vergleichbares unbedingt vermieden sehen möchte, daran seinen nicht eben geringen Anteil hätte …! !

    Da fällt doch nichts einfach vom Himmel !

    Es hat mit uns allen zu tun, wie groß und skrupellos die Gruppen jener mittlerweile geworden sind, die sich rechts wie links außen wenig Besseres mehr vorstellen können für ihr Leben und ihre soziale Position, als dreinzuschlagen – in Hamburg vor Monaten noch weit weit weit (!) anders als jetzt in Chemnitz !!!

    Von allein ist niemand so – und auch nicht, weil da auch ein paar geschickte Organisatoren am Werk wären !!

    Wo Menschen-Seelen sich nicht verloren fühlen, kann kein noch so cleverer Organisator etwas ausrichten…

    Ich möchte einmal erleben, dass sich Politiker/innen vor die Kameras stellen, die von nichts anderem reden als ihren eigenen ganz konkreten Versäumnissen dort, wo sie für gedeihliche(re) Regelungen zu sorgen gehabt hätten … 

    Ich möchte einmal erleben, dass Politiker/innen dieses Landes eingestehen, dass sie keine allseits als gut empfindbare Lösung wissen für Problem X,Y,Z…

    Ich möchte endlich erleben, dass Politiker/innen dieses Landes Menschen fragen, wofür sie sich andere Regelungen wünschen als jene, die bis dahin politisch ausgehandelt wurden – das Internet böte dazu doch wunderbare Möglichkeiten, die man endlich einmal nicht nur pro forma einsetzen könnte … ! ! !

    Sie alle – und nicht nur Herr Seehofer & Co – versteigen sich seit 2015 zunehmend in nahezu ein einziges Thema : ´Flüchtlinge´!

    Und Sie tun es – in Varianten – im Abwehrmodus – ganz Europa tut es im Abwehrmodus…
    Und da das am eigenen werte-missionarischen Selbstverständnis kratzt, tut man es mit wechselseitigen Vorwürfen bezüglich der Rigitätsunterschiede zwischen den europäischen Staaten…wie innerhalb des eigenen Landes …

    Die Diskussion über dieses Alibi-Verhalten ersetzt auf allen Seiten den ebenso nüchternen wie selbstbewussten Blick darauf, welche Probleme mit den hier Aufgeschlagenen man in die Welt schiebt, w e n n man sie zu v e r w a l t e n trachtet, wie das seit 3 Jahren immer noch geschieht:
    Das betrifft bürokratische Monstrositäten, es betrifft vor allem die Unterbringung, die Art, wie Kompetenzerwerb angeboten & zugelassen wird …

    Die darüber geschaffenen Lebens-Umstände für die hier Gelandeten würde in jeder Menschengruppe dieser Welt Agressionen erzeugen – der Kriminalität, die man so evoziert, kann man ängstigende Wirkungen niemals nehmen, solange man mit ihr nicht klar und wirksam umgeht.Das aber war nie klares und beherzt geregeltes Thema !

    Und erst recht hatte und hat offenar kaum jemand die Anziehungskraft der seit Jahren ausgeblendeten Clan-Kriminalität für außer Tritt geratene Menschen im Blick !
    Schließlich bildet nicht zuletzt sie offenbar den bis heute so gut wie nicht thematisierten Tathintergrund des Chemnitzer Mordes …

    Was die Weltlage, an der D keineswegs unbeteiligt ist (!!!), zu uns an Menschenelend herüberschwappen lässt, sollte uns demütige Akzeptanz abverlangen, statt jenes arroganten Gesetzes-Fetischismus, mit dem wir die nun einmal hier Gelandeten zu kategorisieren trachten:

    Das Asylrecht passt längst nicht mehr zu den Menschenquälereien, wie sie die Kontexte unserer modernen Weltordnung kennzeichnen. ..

    Also: wer nun einmal hier ist und sichtlich entschlossen und auf dem Weg, hier seine neuen Lebensgrundlagen zu finden, für den sollte es keine Hürden geben hierzubleiben.Das wird auch für alle zu gelten haben, die es in Zukunft schaffen, deutschen Boden zu erreichen.

    Abgesehen davon wäre endlich ein weltweit durchsichtiges Einwanderungsrecht zu etablieren – – –

    – – – neben einer völlig anders als bisher betriebenen Handels- & ´Entwicklungs´-Politik gegenüber dem Vorderen Orient und Afrika…!!!

    Überlegen Sie einmal, wieviel Zeit Sie täglich für Alibi-Diskussionen über die Klassifizierung und Abschiebepraxis von Flüchtlingen vergeuden, …
    – …statt endlich wirklich Grundlegendes bezüglich der aus dem Ruder gelaufenen Einkommensordnung hierzulande zu entwickeln und in den Horizont der Menschen zu rücken – niemand hätte dann mehr Anlass, Migranten staatliche Unterstützungsgelder zu neiden …

    usf. … !

    Ein Rechtsstaats-Konzept, dessen Instrumente sich dem Phänomen traditioneller wie neuer organisierter Kriminalität gegenüber als stumpf erweisen, gehört konsequent so angepasst, dass da keine Spielräume mehr einfach offenstehen, wie seit Jahrzehnten offenbar zunehmend!
    Menschenjagd vollzieht sich hierzulande weit mehr als durch Rechtsradikale in den Kontexten ausufernder Clan-Kriminalität !
    Auch hier gilt es grundlegend neu Anzumessendes endlich wirksam zu erarbeiten und umzusetzen !

    AlleWelt versteigt sich heute von Tag zu Tag mehr ins Herbeireden von Beängstigendem, von Abzulehnendem:

    – reden wir von hier Gestrandeten aus aller Welt so, wie w i r von ihnen reden möchten – ohne Abqualifizierungen derer, die anders von ihnen reden …

    – reden wir von Regelungen, die wir möchten, s o , dass quasi von selbst einleuchtet, wie gut unsere Ideen dabei bereits sind, und wo so Raum für noch uneingelöste Abklärungen entsteht ..

    .- hören wir auf, in Kampfkategorien zu denken und ständig zuerst und zuletzt vom ´Kämpfen´ und ´Bekämpfen´ zu reden und dies als unsere Hauptaufgabe zu signalisieren !!!

    …Und uns dann zu wundern, wenn uns Kämpfer ganz anderer Qualität als wir selbst entgegenkommen…
    (vgl etwa auch: http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//POLITISCHES/M/no-hype.html)

    Pardon, dass ich Ihre Aufmerksamkeit so ausführlich in Anspruch nehme, sofern meine Mail Sie überhaupt erreicht und beschäftigt:
    Ich kann die tagtägliche Abqualifiziererei aller gegenüber allen samt der damit verbundenen Forcierung all dessen, was man ja gar nicht haben möchte, kaum mehr ertragen … und wünsche mir ein kräftiges Stück selbstkritische Nachdenklichkeit in diesem Bereich der politischen Kultur dieses Landes…

    Merci und beste Grüße

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    1. Jochen Hochstein 13. September 2018 um 18:57

      Hallo Frau Weiß, Dankeschön … einen Teil meiner Antwort finden Sie weiter unten unten.
      Lieben Gruß, Jochen

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  5. Lieber Jochen,

    mir scheint, dass Dein Linksparteiabgeordneter Dir die Fragen beantwortet hat. „No border, no nation“ heißt konsequent zu Ende gedacht, dass alle Menschen, die herkommen wollen, sich auf den Weg machen können sollen, um sich hier niederzulassen. Ob der volkswirtschaftliche Nettoeffekt nicht sogar positiv ausfallen könnte, weil mehr Nachfrage entsteht und durch die neu angekommenen Leute auch Arbeitsplätze hinzukommen könnten, sei dahingestellt. Schon der bloße Hinweis, dass kulturelle Differenzen unter den Neuankömmlingen selbst zu Problemen führen könnten, ist für die „No border“-Fraktion schon menschenfeindliches, inhumanes, rechts-offenes Gedankengut.

    Dass sich die Flüchtlingszahlen im Vergleich zu den schon hier Ansässigen vergleichsweise gering ausnehmen und die Rechten die aktuellen Zustände maßlos übertreiben, um sich ihre Sündenböcke schaffen zu können, ist zwar korrekt. Doch muss sich die „No border“-Linke die Frage gefallen lassen, welche Szenarien sie im Sinn hat, sollten die Grenzen tatsächlich wegfallen. Wieviele Menschen werden kommen? Wo werden sie – abhängig von der Zahl – unterkommen? Diese Fragen sind unangenehm, angenehm ist hingegen, seine humanistische Gesinnung damit zum Ausdruck bringen zu können. Zugegeben erfüllt sich auch die „No nation“-Forderung, braucht man sich darüber keine Gedanken zu machen, weil die Menschen das dann von selbst regeln…

    Gruß
    Andreas

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  6. Jochen Hochstein 13. September 2018 um 18:24

    Hallo, an alle hier die einen Kommentar geschrieben haben.
    Danke, schöne Anregungen und, ich fühle mich verstanden, das ist ein klasse Gefühl.
    Ich würde gerne jedem antworten, bin aber im Moment mit #Aufstehen voll und ganz beschäftigt, diese Bewegung, die wunderbaren Menschen die voller Hoffnung mitmachen, brauchen die Unterstützung von uns „alten Hasen“. Denn wie Ihr sicher gemerkt hab, ich war nicht immer ein „kleiner“ LKW-Fahrer … ;-)
    Nochmals vielen Dank und alles Gute, jedem von Euch.
    Jochen
    for the many, not the few

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    1. Jochen Hochstein 13. September 2018 um 18:53

      P.S. Wenn ich gerade hier bin, ich werde hier ab und an reinschauen und wer möchte kann gerne via FB mit mir Kontakt aufnehmen.(leider, aber das ist im Moment das Medium der Bewegung).

      Und jetzt antworte ich doch noch schnell, Frau Weiß, ja, es sollte ganze Fluten geben, Fluten von empörten Menschen die sich trauen, diese Realitätsverweigerer und verdreher öffentlich zu stellen.
      Ich habe viele Hände geschüttelt, nach dem der feine Herr geflüchtet ist, ein kleiner Sieg, und ich wünsche mir nichts sehnlicher das ich vielen ein Vorbild sein konnte.
      Und deshalb engagiere ich mich jetzt für #Aufstehen, dieses Projekt schafft Gemeinsinn, Solidarität im besten Sinne und gibt „einfachen“ Menschen endlich die Wirkmächtigkeit zurück, die ihnen zusteht.

      Ganz lieben Gruß, schaut es Euch an und macht mit. Jeder auf seine Art, denn
      Jeder Weiß Was – Jeder Kann Was – Jeder Hat Was … seht Ihr das Potential?
      In diesem Sinne, Jochen

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      1. Hallo Jochen,

        falls Du nochmal hier hereinschaust, würdest Du mir mitteilen, wie man an Informationen kommt, wo in den verschiedenen Regionen Deutschlands sich Aufstehen-Gruppen treffen. Auf der Webseite konnte ich dazu nichts finden, muss ich dafür tatsächlich zu facebook? Das kann es doch nicht sein.

        Gruß Andreas

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        1. In welcher Stadt/Region bist du? Bau eine Gruppe selbst auf.

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          1. Wenn mir jemand Zugriff auf die Datenbank gibt, dann schreib‘ ich hier am westlichen Rand des Ruhrgebiets gerne Leute in der Nähe an. Der Zweck der Datenbank ist doch, dass ich mich nicht in die Fußgängerzone stellen muss, um Flyer zu verteilen in der Hoffnung, dass ein paar Menschen zu einem Treffen kommen, sondern dass diese Arbeit an sich schon erledigt ist.

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          2. Jochen Hochstein 24. September 2018 um 16:40

            Bitte keine Alleingänge … wendet Euch immer erst an die Admins (FB) der nächst höheren Ebene, in diesem Fall Bundesland. Die helfen dann gerne und geben grobe Leitlinien vor.
            Es gibt schon jede Menge „Trittbrettfahrer“, typisch FB :-(

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        2. Jochen Hochstein 24. September 2018 um 16:34

          Ohne FB geht im Moment leider nix … es gibt bereits viele Untergruppen, Landes und Stadtebene.
          Die DachOrga ist im Moment total überlastet, vom Erfolg überrannt.
          Langsam gewinnt alles Konturen, es scheint bald ein vernünftiges „Fachforum“ für „Macher“ zu geben … die „Mitmacher“ bleiben wohl bei FB …
          Das wird noch ein langer Weg … aber es lohnt sich :-)
          Hoffe ich konnte Dir helfen, Gruß, Jochen

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          1. Fachforum für Austausch klingt gut. Untergruppen, Landes-, Stadtebene, DachOrga riecht nach Partei.

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            1. Jochen Hochstein 25. September 2018 um 17:49

              Nein, Forum riecht eher nach „Schwarmintelligenz“ oder „Öffentlicher ThinkTank“.
              Die Landes- & Untergruppen sind für FB nötig & sinnvoll.
              Parteien können das, warum nicht die Organisationsstruktur übernehmen.
              Ist doch bewährt … Bin selbst alter Sozi … ;-)
              Werde ALLES tun damit #Aufstehen keine Partei wird, ALLES, ich schwör

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            2. Jochen Hochstein 25. September 2018 um 17:50

              P.S. Ich trenne strickt zwischen „Machern“ & „Mitmachern“, ok soweit? Gruß

              Gefällt mir

  7. Ich habe an anderer Stelle einen ausführlichen Kommentar geschrieben. Bitte nachschauen bei fibeamter. Der Fehler ist, das unsere Politiker immer nur von Asyl reden. Da nur ca. 6% der Flüchtlinge asylberechtigt sind (politsche Verfolgung), entsteht durch das Hindernis von Art. 33 Genfer Flüchtlngskonvention (über Art.25 Grundgesetz wegen Ratifizierung bindendes Recht!) mit dem aus vielerlei Gründen enthaltenen Zurückweisungs-und Abschiebeverbot ein falsches Bild. Dies führt auch zu der hohen Anzahl -über 300.000 -Verfahren vor den Verwaltungsgerichten. Hier fehlen klare Ausführungsbestimmungen, um Mißbrauch und Betrug zu vermeiden. Siehe Fall Amri…

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  8. Jochen Hochstein 27. September 2018 um 15:05

    Hallo, mein AFDler hat den Brief gelesen… hier seine vorläufige Antwort, die mich sehr gefreut hat.

    „Hallo Herr Hochstein,

    Ihren „offenen Brief“ habe ich jetzt gelesen.
    Er ist sehr gut geschrieben.
    Meine Hochachtung!

    Ich möchte Ihnen dazu etwas schreiben, jedoch brauche ich dafür Zeit.
    Da ich täglich sehr lange (auch samstags) arbeite, brauch ich allerdings etwas Zeit.
    Ansonsten alles Gute, und vertreten Sie auch weiterhin Ihre Meinung, bleiben Sie Realist und bis bald“

    Ich halte Euch auf dem Laufenden …. Gruß

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