Postkapitalismus ohne Verzicht

Plädoyer wider die Verzichtslogik in der gegenwärtigen Klimadebatte

In der öffentlichen Diskussion über Ursachen und Folgen des Klimawandels sind zumeist die ganz großen Verallgemeinerungen an der Tagesordnung: Wir lebten über unsere Verhältnisse, der Mensch an sich treibe durch seine Gier die Welt in den ökologischen Abgrund, wir alle trügen irgendwie durch unseren Konsum Schuld an der drohenden Klimakatastrophe, die Menschheit müsse endlich zur Besinnung kommen, etc.

Das ganz große „Wir“

Der sogenannte Earth overshoot day stellt eine jener Gelegenheiten dar, an denen die Medien sich dieses ganz großen „Wir“ bedienen können. Der dieses Jahr schon am 1. August erreichte Zeitpunkt, an dem die globale nachhaltige Ressourcennutzung überschritten wird und die Menschheit ökologisch „auf Pump“ lebt, wird von den üblichen Appellen ans große Ganze „Wir“ begleitet.

Ein „Weiter so“ sei keine Option, warnte etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), da wir auf Kosten kommender Generationen lebten und der Klimawandel „eine Folge unserer Übernutzung““der natürlichen Ressourcen sei. Annalena Baerbock von der Partei der Grünen warnte: „Wir müssen unsere Lebensweise endlich klimafreundlicher und nachhaltiger gestalten, um den Raubbau von Ressourcen zu stoppen.“

Worauf dieses „Wir“ hinausläuft, wird etwa bei der Finanzierung der gescheiterten deutschen Energiewende durch astronomische Strompreise, die letztendlich wie eine Kopfsteuer wirken, deutlich: Die Kosten, die aus dem kapitalistischen Wachstumswahn hervorgehen, sollen der Allgemeinheit aufgenötigt, letztendlich sozialisiert werden.

Wenn „wir alle“ irgendwie Schuld haben an dem sich überdeutlich abzeichnenden ökologischen Desaster, dann müssen wir alle auch dessen Last tragen – unabhängig vom Geldbeutel.

„Den Gürtel enger schnallen!“ – vor allem am Ende der sozialen Skala

Angesicht der extremen sozialen Spaltung in der Bundesrepublik, die inzwischen amerikanische oder russische Dimensionen erreicht, scheint bei dieser Verallgemeinerung eine Drohung gegen die marginalisierten Bevölkerungsschichten mitzuschwingen. Die überlebensnotwendige Forderung, die eigene Lebensweise endlich klimafreundlicher zu gestalten, läuft binnenkapitalistisch gerade am unteren Ende der sozialen Skala auf das berüchtigte Enger-Schnallen des Gürtels hinaus.

Vollends absurd wird diese in der Klimadebatte übliche, ganz große Verallgemeinerung zur „Menschheit“ auf globaler Ebene. Der Klimawandel wurde von der ersten Welt verursacht, von den USA, vom Autoland Deutschland, von Japan – obwohl China und viele Schwellenländer inzwischen bei den CO2-Emissionen aufgeholt haben, ist der historische Emissionsbeitrag gerade des Westens am größten.

Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung generieren rund die Hälfte der CO2-Emissionen, während die verarmte untere Hälfte der spätkapitalistischen Welt nur für zehn Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich ist (womit auch die üblichen rechten Überbevölkerungsphantasien, die inzwischen auch die FAZ propagiert, empirisch widerlegt wären).

Die Ideologie in der Klimadebatte erschöpft sich aber nicht nur in diesem billigen Taschenspielertrick, bei dem eine zutiefst sozial gespaltene, oligarchisch geprägte Gesellschaft oder Weltwirtschaft plötzlich in einer egalitär anmutenden Verallgemeinerung subsumiert wird, in der alle – vom Milliardär zum Obdachlosen – die Kosten des Klimawandels zu tragen hätten.

Die Eskalation des „Mehr“

Entscheidend ist gerade, was der „Erdüberlastungstag“ eigentlich erfasst. Es ist gerade nicht die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschheit, die zu einer immer stärkeren ökologischen Überbelastung „unseres“ Planeten führt. Es ist die Verwertungsbewegung des Kapitals, die den Ressourcenverbrauch über ein nachhaltiges Niveau ansteigen lässt.

Den Ressourcenverbrauch des Kapitalismus facht das Kapital in seinem uferlosen Wachstumszwang an. Als Kapital fungiert Geld, das durch Warenproduktion „vermehrt“ (verwertet) werden soll: Aus dem investierten Geld soll nach der Warenherstellung und deren Verkauf auf dem Markt mehr Geld werden. Niemand investiert sein Geld in eine „Unternehmung“, um nachher genauso viel oder gar weniger Geld zu erhalten.

Für den Kapitalisten ist die Ware somit nur als Träger von Mehrwert, der durch Verkauf auf dem Markt realisiert wird, relevant. Um den Mehrwert – dessen Substanz abstrakte Lohnarbeit bildet – durch Marktverkauf realisieren zu können, muss die Ware einen Gebrauchswert aufweisen. Sie muss für irgendwelche zahlungsfähigen Marktteilnehmer aus irgendwelchen Gründen einen Nutzen haben, der sie dazu verleitet, diese Ware auch zu erwerben. Es muss Marktnachfrage nach der betreffenden Ware herrschen. Der Gebrauchswert ist im Kapitalismus somit nur notwendiges „Nebenprodukt“, um den eigentlichen Selbstzweck der ganzen Veranstaltung zu realisieren: die uferlose Akkumulationsbewegung des Kapitals.

Die wachsende Bedürfnisbefriedigung der Menschheit?

Nun ließe sich argumentieren, dass diese Differenzierung nicht entscheidend sei, dass hier Haarspalterei betrieben würde, da über den Umweg der Kapitalverwertung in Gestalt der Gebrauchswerte doch letztendlich menschliche Bedürfnisse befriedigt würden. Das Kapital expandiere immer weiter – wobei immer größere Quanta an Gebrauchswerten entstünden, sodass der Earth-Overshoot-Day doch vermittelt die wachsende Bedürfnisbefriedigung der Menschheit erfasse, die in Konflikt mit den ökologischen Grenzen des Planeten Erde gerieten.

Zum einen sei hier auf den Unterschied zwischen Marktnachfrage und Bedürfnissen hingewiesen. Im Kapitalismus ist Nachfrage immer nur zahlungskräftige Nachfrage: Es mag eine breite Nachfrage nach Tamagotschis, sprithungrigen Automonstern oder an Unibody-Notebooks herrschen, die aus einen Aluminiumblock gefräst werden, während zugleich in Hungergebieten sich partout keine Nachfrage nach Lebensmitteln einstellen will.

Diese perverse Deformation der Bedürfnisse der Menschheit zur „Nachfrage“, bei der SUVs und künftiger Elektronikschrott wichtiger als das milliardenfach vorenthaltene Essen, Kleidung und Obdach sind, wird beim Earth-Overshoot-Day erfasst – und nicht die Bedürfnisse der Menschheit, die sich nur partiell mit der Marktnachfrage decken.

Das endlose Streben nach maximalen Profit, das ja das Wesen des Kapitals ausmacht, „kontaminiert“ aber auch den Gebrauchswert, es verändert die Funktionsweise, die Eigenschaften der Gebrauchsgegenstände, die Waren sind. Eine klare Trennung zwischen Wert und Gebrauchswert ist somit nicht gegeben, der abstrakte Wert, dessen Substanz verwertete Lohnarbeit bildet, schlägt sich auch in den konkreten Eigenschaften des Gebrauchswerts der Warenkörper nieder.

Produzieren für den Müll

Evident wird das bei den krisenbedingt zunehmenden Tendenzen zur geplanten Obsoleszenz. Hierunter ist – spätestens seit dem großen Glühbirnenkartell – der geplante Verschleiß von Waren zu verstehen, die möglichst bald nach Ablauf der Garantiezeit von Käufer ersetzt werden sollten, um wieder Nachfrage herzustellen. Für das Kapital ist dieser ökologisch verheerende Vorgang nur zu logisch, da dadurch die uferlose Akkumulationsbewegung des Kapitals – die ja den Selbstzweck der Warenproduktion bildet – weiter befördert wird.

Obsoleszenz wird nicht nur durch geplante Sollbruchstellen, durch eine nahezu unmögliche Reparatur der Geräte erreicht, wie es etwa Apple zur Perfektion treibt, sondern auch durch moralischen Verschleiß, durch Werbung, sich schnell wandelnde „Moden“ und den kulturindustriellen Zwang zum Update – nichts ist peinlicher als das iPhone der vorletzten Generation. Es geht der Mehrwertmaschine somit nicht um die Befriedigung von Bedürfnissen, sondern um die unentwegte Erzeugung immer neuer Bedürfnisse, um immer mehr Ressourcen in Warenform zu gießen und einen möglichst schnellen Verschleiß auszusetzen.

Zugleich dient die Ware, gerade bei krisenbedingt zunehmender Konkurrenz, als Statussymbol. Die irrationale präfaschistische Ästhetik und der dumpfe PS-Wahn, die die Autobranche in den letzten Jahren hervorgebracht hat, dient gerade der Beförderung von Statusgefühlen derjenigen Menschen, die es in einem härter werdenden Arbeitsalltag noch „geschafft“ haben. Das an ein Batmobil erinnernde SUV gleicht einem Panzer, der die Durchsetzungsfähigkeit des Eigentümers signalisiert. Es ist eine Penisverlängerung auf vier Rädern.

Die Irrationalität des Systems, das Bedürfnisse wie Kommunikation oder Mobilität vermittels der Warenform deformiert, kommt gerade in solchen Warenkörpern wie dem MacBook oder dem 500-PS-SUV zum Ausdruck. Die kapitalistische Binnenrationalität, die Waren hervorbringt, dient somit einem irrationalen Zweck: der absurden Anhäufung immer größerer Mengen abstrakten Reichtums, also verwerteter, toter Arbeit.

Spätkapitalistische Warenproduktion ist somit eine Form sehr effizient betriebener Ressourcenverbrennung. Es wird letztendlich für die Müllhalde produziert, während milliardenfach Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden.

Die Klima-Apokalypse ist immer noch vermeidbar

Ein Ende dieses immer weiter anschwellenden, evident zivilisationsbedrohenden Prozesses der Weltverbrennung ist somit nur jenseits des Kapitals möglich. Erst im Gefolge einer Systemtransformation könnten Bedürfnisse tatsächlich befriedigt werden, indem die Gebrauchsgegenstände ihren Warencharakter verlieren. In einer postkapitalistischen Gesellschaftsformation würde auch die Maxime des Effizienzstrebens transformiert, es fände eine Rationalisierung der Rationalität statt: Anstatt die Bedürfnisse durch den Selbstzweck der Wertverwertung zu deformieren, würde die postkapitalistische Ratio auf die maximale Schonung der Ressourcen abzielen.

Langlebigkeit und Modularität bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen würden die Bestrebungen zur Osboleszenz ersetzen. Damit käme auch das Verbrennen von Ressourcen bei der Produktion für die Müllhalde zum Erliegen, das den Spätkapitalismus in immer stärkeren Maße kennzeichnet – gerade aufgrund dessen permanenter Produktivitätsfortschritte. Bedürfnisbefriedigung und Ressourcenschonung wären vereinbar, wenn beispielsweise modular aufgebaute technische Geräte, wie eine Zeit lang in der Diskussion standen, zur Norm würden. Mobilität könnte beim Aufbau einer kollektiven Infrastruktur auch in einer postkapitalistischen, ressourcenschonenden Gesellschaft erhalten bleiben. Das Bedürfnis der Mobilität würde von seiner irrationalen Schlacke befreit, mit der die Werbebranche alltäglich das Bewusstsein zumüllt.

Die Klima-Apokalypse ist immer noch vermeidbar, selbst wenn die Kulturindustrie sie alltäglich in ihren Unterhaltungsprodukten ausschwitzt. Hierzu ist aber nichts weniger als ein Systemwechsel notwendig, wie inzwischen selbst von der Süddeutschen Zeitung zitierte Klimawissenschaftler erkennen:

Wir schlagen eine tiefe Transformation vor, die auf einer fundamentalen Neuorientierung der menschlichen Werte beruht, von gerechter Verteilung, Verhalten, Institutionen, Wirtschaft und Technologie. Johan Rockström, Katherine Richardson, Hans Joachim Schellnhuber et al.

Diese „tiefe Transformation“ ist aber nur bei einer tiefgreifenden, raschen Umwälzung der ökonomischen Basis der Gesellschaft möglich, indem das Kapital als destruktive gesellschaftliche Dynamik in Geschichte überführt wird.

Alle sonstigen Appelle an „Verteilung, Verhalten, Institutionen“ werden sonst ungestört verhallen. Die in der Krise zunehmenden ökonomischen Zwänge des Kapitals, das nur das Leben derjenigen Lohnabhängigen als vollwertig anerkennt, die direkt oder indirekt zum Akkumulationsprozess beitragen, sind einfach stärker. Als Beispiel seien hier etwa die Arbeiter in der Autoindustrie genannt, die nun vor der Wahl zwischen sofortiger Verelendung via Arbeitslosigkeit oder eines künftigen Klimakollaps‘ stehen. Deswegen könnte – allen Unzulänglichkeiten zum Trotz – die Einführung eines garantierten Grundeinkommens dabei helfen, in der Anfangsphase der Systemtransformation diese Widersprüche zu überwinden, indem es die kapitalistische Kopplung von Lohnarbeit und Existenzsicherung aufhebt.

Denn die Systemtransformation wird sich ereignen: Es stellt sich nur die Frage, ob sie bewusst gestaltet werden kann, oder ob sie einer Naturkatastrophe gleich über die Gesellschaft hereinbricht und diese in die Barbarei taumeln lässt.


Über den Autor: Tomasz Konicz ist Autor, freier Publizist und Journalist. Er studierte Geschichte und Philosophie in Hannover sowie Wirtschaftsgeschichte in Posen. Konicz schreibt regelmäßig zum Beispiel für Telepolis, Neues Deutschland, konkret sowie für Exit, Streifzüge, das Magazin Hintergrund und den Rubikon. Tomasz Konicz schrieb zahlreiche Bücher zur Ideologiekritik und Krisentheorie. Darunter Politik in der Krisenfalle (Telepolis): Kapitalismus am Scheideweg (2012), Heise; Krisenideologie. Wahn und Wirklichkeit spätkapitalistischer Krisenverarbeitung (2013) Heise und Kapitalkollaps. Die Finale Krise der Weltwirtschaft. Zahlreiche weitere Beiträge hat Tomasz Konicz auf seiner Webseite www.konicz.info veröffentlicht.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Tomasz Konicz erschien bei Streifzüge – Magazinierte Transformationslust (Österreich), im untergrundblättle (Schweiz), bei unserem Kooperationspartner Pressenza (Internationale humanistische Presseagentur) sowie bei Telepolis. Wir danken dem Autor für die Zustimmung zur Übernahme auf Neue Debatte und dem Team von Streifzüge für die Unterstützung.


Foto: Jill Wellington (Pixabay.com, Creative Commons CC0)


Weitere lesenswerte Artikel

  1. Die Macht des Volkes ist längst zu einer Phrase in Sonntagsreden verkommen. In den westlichen Demokratien herrscht nicht mehr das Volk, sondern das Kapital. Hier kann nur eine grundsätzlich andere Einstellung zu Geld eine Verbesserung herbeiführen.
    Die Schuldenkrise basiert auf unserem Geldsystem, das von Menschen gemacht und daher auch von Menschen geändert werden kann.
    Allein das bedingungslose Grundeinkommen kann eine zulunftsfähige Gerechtigkeit im Umgang miteinander schaffen.
    Die parlamentarische Demokratie ist nicht in der Lage,hier Lösungen aufzuzeigen, da sie sich so stark vom Kapital abhängig gemacht hat.
    Die Trinität von Vollgeld, bedingungslosem Grundeinkommen und direkter Demokratie kann wohl nur die heutigen gravierenden Mängel beheben.

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    1. Ich fürchte, das Volk hat noch nie geherrscht… In allem anderen stimme ich dir vollkommen zu. Vor allem der Ressourcenverbrennungsmotor Börse müsste abgeschafft werden… Ich finde, über diese Dinge müsste viel mehr öffentlich diskutiert werden – dieser Artikel und auch dein Kommentar dazu machen mir Hoffnung, das es auch andere gibt, die über die Systemdimension des Klimawandels nachdenken. Vielen Dank dafür!

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  2. Vielen Dank für diesen klugen Artikel. Das traurige ist, dass über diese Dinge, soweit ich weiß, von einzelnen Wissenschaftlern schon lange nachgedacht wird, aber es verhallt alles und Medien befassen sich immer nur sehr kurz mit alternativen, ökonomischen Strategien. Es bräuchte einen großen, transnationalen Think-Tank, der ein neues, global-gerechtes Wirtschaftssystem erdenkt. Ich bezweifle aber, dass die „oberen Zehntausend“, die im jetzigen System profitieren, das einfach geschehen lassen. Sie haben das Geld, sie haben die Medien, sie haben Polizei und Militär auf ihrer Seite, die Gesetze, den Staat – der Hambacher Forst war hierfür das beste Beispiel. Alles spricht dafür, diesen Wald einfach stehen zu lassen, aber die Staatsgewalt handelt gegen Volk, gegen Umweltschutz, gegen Ressourcenschonung, gegen das Klima und schützt Kapital und Zerstörung. Ich fürchte, der Wandel wird als Naturkatastrophe und Krieg kommen, denn alles andere wird diejenigen an der Macht nicht zum Einlenken bewegen.

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  3. Noch einmal Mahatma Gandhi: Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse , aber nicht für jedermanns Gier. Diese Motto wird oft von der oedp gezeigt.

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  4. Ob jetzt die „Tiefe Systemtransformation“ oder eine rigide , aber nach demokratischen Gesichtspunkten gestaltete bzw. gesteuerte Begrenzung oder Teilsteuerung des Marktes der Königsweg ist, sollte noch weit ausführlicher analysiert werden.
    Denn: Beides hat Vorteile und Nachteile:
    Die „Tiefe Systemtransformation“ riecht schon eine wenig nach einer halbreligiösen Art von „Grünem Stalinismus“. Kein Wunder deshalb auch, dass gerade die „Süddeutsche“ eine „…. tiefe Transformation“.. vorschlägt, „….die auf einer fundamentalen Neuorientierung der menschlichen Werte beruht, von gerechter Verteilung, Verhalten, Institutionen, Wirtschaft und Technologie. Johan Rockström, Katherine Richardson, Hans Joachim Schellnhuber et al……“
    Und dass sie meint, dass sie meint:
    „…….Diese „tiefe Transformation“ ist aber nur bei einer tiefgreifenden, raschen Umwälzung der ökonomischen Basis der Gesellschaft möglich, indem das Kapital als destruktive gesellschaftliche Dynamik in Geschichte überführt wird….“
    (Zitatende)

    Da hat man etwas den Eindruck, als ob die Klimaapokalypse geradeezu herbeigesehnt würde, um danach die Menscheit ins gelobte post- transformatorische Land des Heils führen zu können.

    Und die Arbeiter aus der Automobilindustrie kann man eh schon abschreiben, denn die (bzw. ihre Gewerkschaftsvertretungen) haben sich ja gerade „gegen das Klima“ entschieden, indem sie sich beim Nachrüststreit aus Angst um Arbeitsplätze auf die Seite der Industrie geschlagen haben.

    Bleibt also durchaus zu diskutieren, ob demokratisch kontrollierte rational regulierende Systemeingriffe bei genereller Beibehaltung des Marktes als Verteilungs- und Bedürfnisbefriedigungs- Instrument, nicht doch die bessere Alternative wären. Insbesondere, weil diese bei einem etwaigen Misslingen (womit immer gerechnet werden muss) leichter wieder korrigierbar sind,

    Und zum Schluss noch eine Bemerkung, die Hasser von Verschwörungstheoretikern und Aluhutträgern einfach überlesen mögen:

    Es gibt durchaus ernstzunehmende Kritiker einer „Kimahysterie“ (meistens eher Geografen bzw. Geologen ohne „Superrechner“) die z. B. die Rolle des CO2 etwas anders einschätzen, und deshalb die Klimasituation als ewas weniger dramatisch darstellen..
    Schon merkwürdig, wie sonst im politisch- soziologischen Bereich oft messerscharfe Analysten manchmal recht naiv bestimmte Mainstram- Narrative ziemlich kritiklos nachbeten, nur weil sie glauben, dass die Wissenschaftler dort wirklich immer nur völlig objektiv im Dienste der „reinen Wissenschaft“ unterwegs seien und Manipulateure grundsätlich immer nur interessengeleitet auf Seiten der Industrie zu finden wären..

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  5. Ich habe den Beitrag mit Interesse gelesen, und war gespannt, was nun am Ende für eine Lösung angeboten wird. Doch dann kam… das bedingungslose Grundeinkommen. Eine Utopie, nicht unmöglich, aber derzeit noch soweit weg, wie der Flug zu anderen bewohnten Planeten. Da will man also jemanden in der Autoindustrie, die/der bisher netto so 2500 € verdient hat sagen „Du hast bisher umwelt- und klimaschädliche Autos gebaut, bleibe du jetzt zuhause und sei mit 800 € Grundeinkommen zufrieden!“ Nein, das funktioniert so nicht, jedenfalls nicht heute und nicht in den nächsten Jahrzehnten. Auch wenn wir mit der Mobilitätswende weniger Leute brauchen, die Autos bauen, aber auch Elektroautos müssen von jemanden gebaut werden (auch wenn dazu weniger Arbeit erforderlich ist), auch Busse, Bahnen und Fahräder muss jemand bauen, und wir werden mehr Beschäftigte im ÖPNV benötigen.
    Das bedingungslose Grundeinkommen sollte man jedoch nicht völlig aus dem Auge verlieren: Zu früheren Zeiten wurde schon mal die durch Rationalisierung und Technisierung eingesparte Arbeitszeit in Arbeitszeitverkürzung umgesetzt. (Um 1900 lag die Arbeitszeit bei 60 Stunden die Woche, heute zwischen 35 und 41 Stunden). Doch das haben wir die letzten zwei Jahrzehnte wieder aus den Augen verloren, wegrationalisierte Arbeitszeit wird eher für die Produktion neuer, oft unnötiger Produkte eingesetzt. Um nachhaltiger zu werden, sollten wir aber das materielle Wirtschaftswachstum wirder etwas bremsen, und die Arbeitszeiten dafür verkürzen. Doch der weiteren Verkürzung ist irgendwann mal die Grenze der Fixkostendegression gesetzt, und hier könnte dann das bedingungslose Grundeinkommen ansetzten, damit die dann für den Wirtschaftsprozess nicht mehr benötigten Menschen wenigstens ein unkompliziertes Auskommen haben.
    Mit freier Persönlichkeitsentfaltung hat das bedingungslose Grundeinkommen übrigens nur wenig zu tun, denn die Menschen, die dazu in der Lage sind, kann man wohl fast nur an einer Hand abzählen.

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    1. Nicht ganz, das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Möglichkeit, aber fast richtig erkannt wurde am Schluss, dass es zwangsläufig eine Systemtransformation geben wird.
      Ich glaube aber, eine Systemtransformation kann nur einhergehen mit einer Bewusstseinstransformation. Und dann wird das bedingungslose Grundeinkommen keine Rolle mehr spielen, genauso wenig wie ausbeuterische Produktionsprozesse, für Mensch, Tier und Umwelt. Und da glaube ich, sind wir noch Lichtjahre von entfernt. Zur Zeit ist es wie ein Rennen zwischen Hase und Igel. Was wird uns zuerst dahinraffen, Kriege und/oder Umweltgau?

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      1. Nun, noch bin ich voller Hoffnung, dass die Menschheit zur Besinnung kommt, bevor sie von Kriegen oder Umweltgau dahingerafft wird.
        Doch für eine Bewussheitstransformation ist es wichtig, dass all diejenigen, die sich schon auf dem Weg in eine bessere Zukunft befinden, soviele wie möglich andere an die Hand nehmen, um sie auch dahin zu führen. Und das diejenigen entlarft werden, die mit erfundenen oder aufgebauschten Problemen von den wahren Problemen ablenken wollen.
        Doch auch in einer besseren Zukunft werden die menschlichen Haupteigenschaften Faulheit und Gier eine Rolle spielen, und daher wird es auch in der Zukunft Geld geben müssen, und ein Verteilungsmechanismus wäre dann ein bedingungsloses Grundeinkommen.

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