Wehren wir uns gegen die Kriegstreiber!

Exklusivabdruck aus „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“.

Westliche Politiker werfen Putin vor, was sie selbst tun. Es wird auf allen Seiten gelogen. Glaubt wirklich noch irgendein aufgeklärter Mensch, dass es um Demokratie geht, für die wir streiten, kämpfen und bomben? Wenn zwei Weltmächte aufeinanderprallen, ist nicht der eine gut und der andere böse. Dann gibt es die, die vom Krieg profitieren, und die, die das blutige Geschäft verrichten sollen.

Vor vier Jahren hat sich endgültig ein Phänomen etabliert, das man als „zweiten Kalten Krieg“ bezeichnen könnte. Kanzlerin Angela Merkel hat Präsident Wladimir Putin damals vorgeworfen, mit der „unakzeptablen russischen Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben“. Der US-Präsident Barack Obama unterstrich in einem Telefonat mit der Kanzlerin, dass die russische Intervention in der Ukraine „absolut unrechtmäßig“ sei. Zuvor hatte bereits US-Außenminister John Kerry Russland vorgeworfen, gegen das Völkerrecht zu verstoßen.

Teilweise musste ich – obwohl kein Freund der NATO-Politik – den Kritikern recht geben. Mir schnürte es das Herz zu, als ich sah, wie die wenigen mutigen Pazifisten in Russland bei ihrer Demonstration für den Frieden verhaftet und vermutlich für lange weggesperrt wurden. Was ich allerdings unerträglich fand, war, dass die Kanzlerin alle Verstöße der USA oder der NATO gegen das Völkerrecht anscheinend völlig in Ordnung fand. Bis heute habe ich zumindest keinen auch nur irgendwie ähnlich gearteten Vorwurf in dieser Richtung von ihr gehört.

Mit ihrem Krieg gegen Jugoslawien ohne UN-Mandat haben die NATO-Staaten das Völkerrecht gebrochen und dabei die Öffentlichkeit manipuliert. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Der Militärschlag der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gegen das Regime von Saddam Hussein gilt bei vielen deutschen Völkerrechtsexperten für unzulässig. Ich kann mich nicht erinnern, dass Merkel George W. Bush für diesen ungeheuerlichen Krieg jemals gemaßregelt hätte.

Für Barack Obama empfand ich ja lange gewisse Sympathien. Wer aber mit Drohnen Tausende von Verdächtigen und Zivilisten als Kollateralschaden ohne Gerichtsverhandlung ermordet, hat meiner Ansicht nach jede Berechtigung verloren, anderen Staatspräsidenten Belehrungen über internationales Recht zu erteilen.

Es ist wahr, es müssen alle diplomatischen Versuche unternommen werden, einen Krieg zu verhindern. Ich bin und bleibe Pazifist, und keiner soll mir je unterstellen, ich hätte Sympathien für das System Putin. Aber ich kann diese Verlogenheit nicht mehr ertragen. Glauben Sie, Frau Merkel hätte sich nur eine Sekunde aus dem Fenster gelehnt, wenn die Vereinigten Staaten sich das Recht herausgenommen hätten, in welchem Land auch immer das Militär zum Schutz amerikanischer Bürger einzusetzen? Genauso lautet die Rechtfertigung Putins für seinen Aufmarsch.

Viele meiner Freundinnen und Freunde sind bei ihren Versuchen, gegen die völkerrechtswidrigen Kriege der NATO und der USA zu demonstrieren, ähnlich martialisch verhaftet worden wie die Friedensfreunde in Russland. Das moralische Aufheulen unserer Politiker gegen Russland ist Heuchelei. Ich empfinde Solidarität mit den Pazifistinnen und Pazifisten in der Ukraine, in Russland, in den USA und in Europa. Solidarisch mit unseren politischen Führern kann ich nicht sein.

Man schimpft mich „Putin-Versteher“? Ja, gerne, das bin ich. Aber wer so gern mit Schimpfworten um sich schlägt, sollte sich halt auch in der Semantik etwas auskennen. Ein Versteher ist kein Liebhaber, kein Bewunderer, kein Fan, kein Verehrer. Es kann auch ein Volltrottel sein, den man versteht. Ein Versteher versucht zu verstehen. Nicht mehr, nicht weniger. Wie kann so ein Wort ein Schimpfwort werden? Ich bin genauso wenig „Putin-Freund“, wie ich im Irakkrieg „Hussein-Freund“ war. Ich bin ein Freund des Friedens und ein Verfechter der Gewaltlosigkeit.

Mein leidenschaftliches Bekenntnis zum Pazifismus wird gerne als „naiv“ oder „unrealistisch“ verspottet. Aber was sei naiv an solchen Wünschen, schrieb Arno Gruen in seinem Buch Ich will eine Welt ohne Kriege. Was bitte sei lächerlich daran, sich eine Welt ohne Gewalt vorzustellen?

Warum wird ein von Liebe bestimmtes menschliches Zusammenleben verächtlich als naiver Traum abgetan?

„Der Pazifismus hat Auschwitz erst möglich gemacht“, behauptete Heiner Geißler vor über 30 Jahren im Bundestag. „Wir Deutsche“, verkünden seit dem rot-grünen Antrittsbesuch in Washington die ideologisch führenden Köpfe in den Reihen sogar der Grünen, „haben gelernt, dass wir von Hitler nur durch Krieg befreit werden konnten.“ „Nie wieder Auschwitz“, fügte Joschka Fischer hinzu, als sei der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg je mit dem Ziel erfolgt, den Genozid der Nazis an der jüdischen Bevölkerung zu verhindern.

Man ist gut beraten, den großen Denker und Pazifisten Eugen Drewermann zu diesem Thema zu befragen:

„Fragen wir, um Hitler zu widerlegen, nur einmal so: ‚Was wäre passiert, wenn man 1918, am Ende des Ersten Weltkrieges, gesagt hätte: Nach dem Zersprengen, Zerfetzen, Zerstechen, Zerschießen und Vergasen von mehr als zehn Millionen Menschen kann es diesseits und jenseits der Front keine Sieger mehr geben. Wir alle haben unsere Menschlichkeit in den Schützengräben und unter dem Stahlhelm verloren, als wir glaubten, in den Fabriken des Todes Menschlichkeit, Freiheit und Kultur verteidigen und durchsetzen zu können. Wir alle sind im Krieg zu Verbrechern geworden.‘ Hätte man so gesprochen, der Mann aus Braunau wäre nie etwas anderes geworden als Postkartenmaler in Wien. Der Pazifismus hätte Hitler verhindert; einzig der Pazifismus. So aber wollten die einen gesiegt und die anderen nicht verloren haben. So begann der Weg in das blutigste Jahrhundert, das die Menschheit je gesehen hat. Hat die Menschheit das unsägliche Leid der beiden Weltkriege schon wieder vergessen?“

Albert Einsteins Aufruf an die Europäer ist das erste politische Dokument, das von ihm mitverfasst und -unterschrieben wurde. Es verdeutlicht, dass Einstein auch in politischen Fragen gegen den Strom schwamm, anstatt sich, wie viele seiner Kollegen, vom Strudel militaristischer und chauvinistischer Gefühle mitreißen zu lassen. Und es ist kein Wunder, dass Krieg und Militär Gegenstand seiner ersten politischen Äußerung sind; sie verachtet er mit mindestens ebenso großer Emotionalität, wie sie von anderen verherrlicht werden:

„… komme ich auf die schlimmste Ausgeburt des Herdenwesens zu reden: auf das mir verhasste Militär: Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun zu beteiligen …“

Ich bleibe dabei – zum Pazifismus gibt es keine Alternative!

Martin Luther King schrieb einmal: „Kriege sind schlechte Werkzeuge, um ein friedvolles Morgen zu beginnen.“ Und wenn ich mich so quer durch die gängigen Medien informiere, beschleicht mich das dumpfe Gefühl, als würden einige der ach so klugen Köpfe der hohen Politik und in den hoch angesehenen Redaktionen mit dem Gedanken spielen, sich eventuell wieder dieser schlechten Werkzeuge zu bedienen.

Ich kann mich des schrecklichen Verdachts nicht erwehren, dass manchen der Gedanke an einen möglichen Krieg insgeheim vielleicht näherliegt als die Bereitschaft zur Versöhnung. Die Medien tun ja auch viel dazu, diese Haltung zu unterstützen. Und unsere mitgefühlfreie und sinnentleerte Leistungsgesellschaft hat das in unseren Herzen schon lange vorbereitet.

Es wird auf allen Seiten gelogen, keine Frage. Und nein, die Friedensbewegung himmelt Herrn Putin nicht als aufrichtigen Heilsbringer an. Es gibt viele Gründe, ihm zu misstrauen. Nur bitte, was wollen die Bellizisten mit ihrem „Jetzt zeigen wir’s dem Putin aber mal kräftig!“ eigentlich erreichen?

Wer von diesen Kriegstreibern zieht denn schon persönlich in den Krieg? Wirtschaftsbosse, Politiker, wild gewordene Rentner, Frau Merkel, Frau von der Leyen, Herr Steinmeier – wo werden sie sein, wenn es kracht? Ja, natürlich, sie sind ja zu wichtig, um sich selbst in Gefahr zu bringen. Da gefährden sie schon lieber ihre Bürgerinnen und Bürger.

Am Ende geht es doch wieder darum, wie zu allen Zeiten, „unsere Jungs und Mädels“ in die Schlacht zu schicken, denn verrichten sollen das blutige Geschäfte stets die anderen. Ich verachte all jene zutiefst, die immer so gerne andere für ihr einseitiges Weltbild opfern, eher habe ich dann schon Respekt vor denen, die bereit sind, selbst den Kopf hinzuhalten. Auch wenn ich es nicht für richtig halte. Meistens sind die größten Kriegstreiber alte Männer, und der Verdacht liegt nahe, dass sie sich an der Jugend rächen wollen. Rächen für die Lebendigkeit, die ihnen verloren gegangen ist.

Milliarden haben die Westmächte investiert in die sogenannte „Demokratisierung“ der Ukraine. Gemeint ist natürlich die Öffnung des Marktes für Kapitalinteressen und die Sicherung der NATO-Ostgrenzen. Und ebenso hat natürlich Putin die Hand im Spiel, wenn es um die Sicherung seiner Märkte und Grenzen geht. Glaubt denn wirklich noch irgendein aufgeklärter Mensch, dass es um Demokratie geht, für die wir streiten, kämpfen und bomben?

Der Ukraine-Konflikt lässt in Deutschland die Angst von einem neuen Krieg hochkommen: Nach einer Umfrage der ARD fürchten 72 Prozent der Befragten eine Eskalation der Situation. War es nicht immer schon so? Die Menschen wollen keinen Krieg, man muss ihn mit gezielten Lügen und einer beispiellosen PR-Maschinerie vorbereiten. Denn bevor das Wirtschaftssystem restlos zusammenbricht und eine Revolution droht, wollen die Machthaber lieber weiter Geld verdienen. Mit Kriegen. Und Lügen. „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hineingehen müssen“, sagte Erich Maria Remarque einmal.

„Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen.“ Karl Kraus, der die Manipulation der Massen in den Kriegszeiten des Ersten Weltkrieges durchschaute und wie kein anderer messerscharf analysierte, verachtete die meisten Journalisten. Er verabscheute den „Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft“. Ich hielt das lange für übertrieben, zumal ich hervorragende und unbestechliche Journalistinnen und Journalisten kenne und schätze. Mittlerweile befallen mich Zweifel an meiner Loyalität.

Klar, es gibt sie noch, diese aufrechten Vertreter ihres Fachs. Aber wo dürfen sie noch schreiben? Die Propagandamaschine läuft bereits, und es ist erschreckend, wie ein Großteil der Zunft einem Plan zu folgen scheint, der trotz des Widerspruchs der meisten Leser die Wirklichkeit im Sinne einflussreicher Geldgeber gestaltet.

„Als einer der Pioniere der Medienkritik hatte Karl Kraus erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen, dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden“, schreiben Matthias Bröckers und Paul Schreyer in ihrem lesenswerten Buch Wir sind die Guten.

Ich habe in den letzten sechs Jahrzehnten, in denen ich mich bewusst mit Nachrichten und Zeitungen beschäftige, nicht annähernd eine derartige Propagandaschlacht erlebt wie heute. Es erschreckt mich, wenn ich sehe, wie manche Leitmedien mit zum Teil sehr klugen Leserkommentaren überschüttet werden und sich penetrant weigern, ihre Leser ernst zu nehmen. Was ist da passiert? Es ist sicher auch dem Internet zu verdanken, dass die Leser zu einem Großteil gebildeter sind als die Reporter. Aber in diesem Fall ist es einfach auch nur der gesunde Menschenverstand, der uns, wie es zum Teil aussieht, aberzogen werden soll.

Wie macht man ein friedliebendes Volk kriegslüstern? Durch Propaganda, durch Erfindungen, Lügen, durch die Erschaffung eines Feindes.

Wenn es nun zum Krieg kommt, dann werden sich in erster Linie die Hersteller der Waffen freuen, die diese nun endlich ausprobieren, vernichten und neu produzieren können. Und da sind viel mehr Industriezweige dran beteiligt, als es den Anschein hat. Man braucht doch nur mal versuchen, Aktien zu erwerben, die nicht in irgendeiner versteckten Form am Waffenhandel beteiligt sind.

Wir, wir alle, müssen unseren Regierungen eindeutig klarmachen, dass wir keinen Krieg wollen.

Und wir sollten unsere Journalisten auffordern, nicht mehr so einseitig zu berichten. Wenn zwei Weltmächte aufeinanderprallen, ist nicht der eine gut und der andere böse. Es geht um handfeste wirtschaftliche und territoriale Interessen, um Eitelkeit, Missgunst, Paranoia, mangelnde Empathie, krude sture Weltbilder mächtiger Menschen, die ihre Lebendigkeit eingetauscht haben gegen erstarrte Ideologien.

Lasst uns diesen Krieg verhindern. Es könnte schrecklich werden.

Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen. (Buchcover Westend Verlag)

Adelheid Bahr (Hg.): „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen. Ein Aufruf an alle von Matthias Platzeck, Peter Gauweiler, Antje Vollmer, Oskar Lafontaine, Gabriele Krone-Schmalz, Peter Brandt, Daniela Dahn und vielen anderen“, 208 Seiten, Verlag Westend. (Buchcover: Westend Verlag)


Konstantin Wecker (Foto: Rubikon.news)Konstantin Wecker (Jahrgang 1947) gehört als Liedermacher, Poet, Schauspieler und Komponist zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten im deutschsprachigen Raum. Besonders bekannt wurde er durch seine Lieder, die die Lebenslust feiern und zu politischer Rebellion aufrufen. Er veröffentlichte zahlreiche Lyrikbände, die Romane „Uferlos“ und „Der Klang der ungespielten Töne“ und schreibt Theater-, Bühnen- und Filmmusiken.


Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 InternationalDieses Werk erschien erstmals auf Rubikon – Magazin für die kritische Masse. Es ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


Illustration und Fotos: Zorro4 (Pixabay.com; Creative Commons CC0), Westend Verlag und Rubikon.


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  1. Die Moralisten sind die schlimmsten Feinde des Friedens und der Demokratie!
    Ihre Sichtweise befürworte ich voll und ganz!

    Es grüßt Sie Babsi Schnabel

  2. Nun ja, kaum eine große Nation in dieser Welt ist frei von Schuld, fast alle haben in den letzten 100 Jahren entweder selbst Krieg geführt oder zu mindest Kriege unterstützt. Und selbst die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind nicht unumstritten. Aber die USA sind wohl die größten Kriegstreiber der Welt.
    Nun ja, die Annexion der Krim war unter dem derzeit gültigem Völkerrecht unrechtmäßig. Aber es stellt sich die Frage, ob dieses gültige Völkerrecht denn der Gerechtigkeit entspricht. Dieses Völkerrecht stammt schließlich noch aus der Zeit der konstitutionellen Monarchien, wo Staatsgebiete persönliches Eigentum der Monarchen waren, und eine Abtrennung von Gebieten nur mit Zustimmung des Monarchen (und eventuellen Gegenleistungen) waren. Bei Demokratien hingegen sollte doch eine Mehrheitsentscheidung der im betroffenen Gebiet lebenden Bürger ausreichen (was ja auf der Krim geschehen ist).
    Frieden in Europa wird es nur geben, wenn die Nato aufgelöst wird (und sich Europa vom Kriegstrieber USA löst) und die europäischen Staaten ein eigenes Verteidigungsbündnis gründen. Mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien düfte das Bündnis genügend Abschreckungspotenzial haben. Und das Ganze zwar ohne Mitgliedschaft, aber mit strategischer Partnerschaft mit Russland.

  3. Gibt es wirklich einen Unterschied zwischen Merkel, Putin, Trump, Gaddafi, Hussein, Obama, Netanjahu Hitler, Honecker, Stalin, Pinochet und wie sie alle heissen? Und wie kann es sein, dass immer die gleichen an der Macht sind? Die Masse ist träge, das wusste auch Einstein. Und die Masse steht Stunden vor Ladenöffnung in der Kälte um das neue iphone zu ergattern und wählt weiterhin die Kriegsverbrecher, die das unersättlich ermöglichen.

    Vater Unser
    (Hagen Rether, über 10Jahre alt und leider immer noch aktueller denn je…)

    Mit zwölf ist man in Asien zu alt zum Teppichknüpfen für IKEA, weil die Hände zu groß sind. Man darf aber erst mit 14 bei NIKE anfangen. Da entsteht eine Versorgungslücke von 2 Jahren, die meistens mit Prostitution gestopft wird.

    Oh Herr, wir haben keine Ahnung von Sklavenhandel mit Kindern, Zerstörung ganzer Volkswirtschaften durch Börsenspekulationen und Umweltkatastrophen durch Ressourcenausbeutung.
    Oh Herr, wir wissen nichts von Hermesbürgschaften für Staudämme und Turnschuhproduktionen in Südostasien.
    Herr, die meisten von uns sind froh, wenn sie sich ihr Autokennzeichen merken können.
    Kein Schwanz kennt (aus dem Stegreif) den Zusammenhang zwischen Aktienkursen und Leitzinsen. – Wir kennen ja noch nicht mal unsere Blutgruppe.

    Oh Herr, wir sind so degeneriert, dass wir nicht bezahlen können, weil wir uns nicht einmal die vierstellige EC-Karten-Nummer merken konnten.
    Herr, wir sind so hohl wie wir voll sind. Die Anderen hoffen auf Frieden und wir hoffen, dass man uns im Urlaub nicht entführt.
    Die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern und wir haben Angst, dass unser Deo versagt und dass man uns beim Telefonieren im Auto erwischt.

    Oh, Herr, wir kaufen ihre Frauen und behaupten, sie würden uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen. Unsere Beichtväter sind die Steuerberater und UNICEF ist unser Ablass. Lassen Sie uns eng zusammenstehen und greifen Sie die Hand Ihrer Nächsten.
    Herr, mach hoch die Tür, die Tor mach zu und die Mauern dick, denn es kommt ein Heer von kleinwüchsigen, wütenden Analphabeten und Hungerleidern über uns.
    Die Tutsie und Hutu werden sich gemeinsam gegen uns verschwören, die nicaraguanischen Kaffeebauern, die Schafhirten aus Kaschmir und die kampferprobten Kindersoldaten aus Sierra Leone. Sie alle werden kommen, über unsere Nato-Zäune krabbeln und uns hinwegfegen wie El Nino.
    Sie werden uns mit Basmatireis bewerfen und mit Naturreis und mit Parfumreis und mit Milchreis und mit Langkornreis und mit Wildreis und mit Uncle Ben’s Beutelreis und mit Puffreis.
    Sie werden in unseren Hobbykellern Darts spielen und in unseren Swingerclubs swingen, von unseren Tellerchen essen und mit unseren blonden Töchtern in unseren Ikea-Bettchen schlafen.
    Sie werden auf unseren Teakholzmöbeln gammeln, Cohibas rauchen, Darjeeling schlürfen und „Wer wird Millionär?“ gucken.

    Wahrlich, ich sage euch, sie werden mit unseren Geländewagen im Stau stehen und über die Öko-Steuer fluchen. Herr wie kriegen wir in ihren Dritteweltschädel rein, dass du ein Aufsichtsratsvorsitzender bist. Machen wir es uns gemütlich vor dem Herrn, lasset uns beten:

    Vater unser, der du bist im Himmel, gereinigt werde dein Name.
    Wir sind steinreich, komm ey, unser Wille geschehe wie in Chile so auch in Schweden.
    Deren täglich Brot gib uns heute und vergib du ihnen doch ihre Schulden,
    wie auch wir vergeben unsere Kredite.
    Und führe keine Untersuchung, sondern gib die Erlöse uns von den Börsen.
    Denn wir sind reich, ham die Kraft und die Herrlichkeit
    und sie bleiben immer die in Ewigkeit Armen.

  4. Vielen Dank für diesen tollen Artikel, er spricht mir aus der Seele. Ich wünschte, er würde einem wirklich breiten Publikum zugänglich und in sämtlichen Abendtalkshows besprochen – ohne, dass er als naiv und „gutmenschlich“ verspottet würde. Aber wahrscheinlich würde in einer ARD- oder ZDF-Talkshow genau letzteres passieren. Was ist in diesem Land, was ist mit unseren Medien nur passiert?

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