#freeyourmind – Endstation Erkenntnis!

Wir sind alle ein Produkt unserer Erfahrungen, Geschichte und vor allem unserer Gedanken.

How to live a perfect life?! – Zusammengefasst trifft das die Botschaft eines jeden Werbeslogans. Ständig wird uns erklärt was wir machen, sagen, dürfen, sollen, zu wollen haben, wonach wir streben müssen, worauf wir achten müssen und noch weitere, sich der Vorstellungskraft vieler entziehende Dinge. Aber das alles ist nicht so schlimm wie die uns dadurch verloren gegangene Kontrolle über unser Wissen, unser kritisches Denken. Das verstehen leider viele nicht.

Es ist bestimmt einfacher, wenn man Dinge nicht weiß, nicht wissen will, nicht wahrhaben will, ausblendet, verdrängt, sich schönredet. Wie auch immer.

Enjoy your li(f)e – but … which is yours? Tja, auch das wissen leider viele nicht. Aber auch das ist keine Ausrede, denn wie Immanuel Kant [1] schon sagte: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Sapere aude!)

Kant war ein Mann der Aufklärung. Jemand, der bereits über seine Zeit hinaus dachte, indem er die Vergangenheit und das Jetzt reflektierte. Damit war er einigen anderen weit voraus.

Er hinterfragte das Jetzt und vor allem sich selbst ebenso wie die Gesellschaft. Er dachte kritisch, er übte Kritik. Kritik. Konstruktive Kritik. Darin steckt Konstruktion. Etwas konstruieren, darum geht es doch letztendlich. Das Alte überdenken und mittels Erfahrungswerten neues, besseres konstruieren.

So funktioniert Fortschritt. Aber erst einmal das Zitat, ich schweife ab, ich weiß.

„Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Inspiration. Egal auf welche Art. Ja, auch auf sexuelle Art. Dabei kann man übrigens auch unglaublich viel über sich lernen. Und über menschliches Verhalten allgemein. Nur so ein Tipp. Nicht immer direkt Alles und/oder Jeden verurteilen, der anders ist. Anders bedeutet nicht falsch. Anders bedeutet auch nicht besser. Aber es bedeutet Umdenken und Umdenken erfordert Bewegung. Und Bewegung bedeutet Fortschritt. Manchmal auch Rückschritt. Aber Rückschritt hat schon Revolutionen hervorgebracht, was Stillstand hingegen nicht von sich behaupten kann. Perspektivenwechsel.

Entdecke dich selber, entdecke die Anderen, entdecke was Neues, entdecke was Altes, entdecke was Verrücktes, entdecke was, was du nie zu suchen geglaubt hast. Am Ende steht die Erfahrung und das ist wieder etwas, was uns alle letztlich eint:

Wir sind alle ein Produkt unserer Erfahrungen, Geschichte und vor allem unserer Gedanken.

Endstation: Erkenntnis!


Nadine Vetter. (Foto: Kilian Amrehn; kilianamrehn.com)Über die Autorin: Nadine Vetter studierte nach dem Abitur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Romanistik und Geschichte (Bachelor of Arts) und Internationale Geschichte der Neuzeit (Master of Arts). Sie studierte außerdem ein Semester in Barcelona und absolvierte verschiedene Praktika unter anderem in Brüssel (Europäisches Parlament) und in Budapest bei Pester LLoyd, einer deutschsprachigen Tageszeitung. Nadine Vetter arbeitet aktuell als Hostess, Promoterin, Barkeeperin und Modell, um genug Zeit für ihre Recherchen und Gedanken zu haben und sich das Schreiben zu finanzieren. Das Reisen ist eine ihrer größten Leidenschaften, ebenso wie Literatur und Geschichte. Sie bloggt auf Facebook unter @restlessthoughtsaboutsociety (Restlessmind) und teilt auf Instagram (nadine.primo) und ihrer Webseite www.nadine-primo.com Eindrücke von ihren Reisen und ihrem Leben.


Quellen und Anmerkungen

[1] Immanuel Kant (1724-1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er verfasste Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie und Beiträge zur Astronomie und zu den Geowissenschaften. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft wird als Wendepunkt in der Philosophiegeschichte betrachtet und als Beginn der modernen Philosophie. Kants Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft beeinflussen die Diskussionen über Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik bis in die Gegenwart.


Fotos: Kilian Amrehn (www.kilianamrehn.com) und Jon Tyson (Unsplash.com)


Weitere lesenswerte Artikel

  • Florian Ernst Kirner im Gespräch mit Dirk C. Fleck. (Foto: Rubikon.news) Der geheilte Pessimist 14. November 2018 - Dirk C. Fleck erklärt im Gespräch mit Florian Ernst Kirner, woher er die Kraft nimmt, in Anbetracht der Weltlage nicht zu resignieren.
  • Gegensatz Stadt und Land. (Foto: Pixabay.com, Creative Commons CC0) Polarisierung der Positionen 8. November 2018 - Angesichts der Reduktion der Globalisierung auf die städtische Atmosphäre stellt sich die Frage, wo die Komplexität wesentlicher reduziert wird: in der Stadt oder auf dem Land?
  • Unbefugte haben keinen Zutritt. (Foto: B J, Unsplash.com) Der Weg abwärts: Fremdenfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu 7. November 2018 - Xenophobie hat in Deutschland weiter zugenommen. Fast jeder Dritte vertritt ausländerfeindliche Positionen. Zu diesem Ergebnis kommt die Autoritarismus-Studie 2018 der Universität Leipzig.
  1. „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

    Fragt sich, wie das gehen soll, „…sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“?
    Erinnert ein wenig an das Mantra von „Jeder ist seines Glückes Schmied“, da dieses
    (wie Kant?) die vor-herrschenden sozioökonomischen Verhältnisse außer acht lässt und somit
    schlecht bestehende Verhältnisse vor allem dem Individuum anlastet.

    Immanuel Kant (1724-1804) schrieb: „Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften. […] Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege.“

    Tja, da hätte der kluge Kant sich besser „..der Leitung eines anderen…“ bedienen sollen.

    Gefällt mir

    Antwort

    1. Berechtigter Einwand im ersten Teil. Es fragt sich, wie es (praktisch) gehen soll, … oder gehen kann, wenn schon Bildung/Erziehung das Weltbild geprägt haben oder das gerade geborene Kind erst lernen muss, den Verstand zu nutzen. Deshalb ist die Kritik an Kant im zweiten Teil korrekt, aber doch nicht korrekt, weil sein Weltbild eben geprägt war. Ähnlich wie bei Aristoteles, Platon, Epikur und, und, und, die alle gute Gedanken hatten, aber immer nur aus der Perspektive einer kleinen Gruppe (der herrschenden Klasse). Frauen, Fremde und Sklaven hatte da nix zu melden. Selbst ein Karl Marx hat sich zu seiner Zeit zu der einen oder anderen – aus heutiger Sicht rassistischen und nationalistischen – Äußerung hinreißen lassen, die andere Menschen wegen ihrer Herkunft oder Abstammung herabwürdigt.

      Gefällt mir

      Antwort

  2. Klar, die ‚großen Philosophen‘ waren als ‚Kinder ihrer Zeit‘ auch mit geprägt von den vorherrschenden Menschen/Weltbildern.

    Umso notwendiger, sich bewusst zu bleiben, dass wir alle auf dem ’neuesten
    Stand des Irrtums‘ agieren und kommunizieren.

    So halte ich das Autonomie-Postulat, welches nicht nur vom Philosophen Kant so betont wird,
    für ein fragwürdiges. Zitiere aus einem nachdenkenswerten Text:

    „Die westliche Denktradition der Männer (und faktisch waren es ja nun einmal Männer, diese ganzen Philosophen, die ich an der Uni studieren musste), setzt ein Bild vom Menschen voraus, wonach er von Natur aus frei und autonom ist, und die ideale Welt ist demnach eine, wo all diese Einzelnen sich aus eigenem Antrieb und ohne Zwang organisieren, wobei sie sozusagen von Null ausgehen. Aber ist der Mensch überhaupt so? Das Bild, das die Italienerinnen dem des autonomen Männermenschen entgegensetzen, ist das des neugeborenen Kindes, das wir alle einmal waren: Wir alle werden von einer Frau zur Welt gebracht, das heißt, wir plumpsen nicht von irgendwoher als Einzelne hier auf diese Erde, stellen plötzlich fest, dass es auch noch andere Leute gibt und müssen uns dann mühsam Regeln erfinden, zum Beispiel Gesetze und Verträge, damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen. In Wirklichkeit kommen wir anders zur Welt: Wie brauchen – und haben – von Anfang an eine Vermittlung zwischen uns und der Welt, zwischen uns und den anderen Menschen. Diese Vermittlung war zuerst unsere Mutter (oder eine andere Person an ihrer Stelle), und das sind später Lehrerinnen, Freundinnen, Vorbilder. Das heißt, Autorität ist nichts, was wir erst erfinden müssen, machen müssen, einfordern müssen, sondern sie ist geradezu das erste, was wir vorfinden, wenn wir das Licht der Welt erblicken.“

    http://www.antjeschrupp.de/autoritaet-und-macht

    Gefällt mir

    Antwort

    1. @Ute Plass

      Nun, es ist ganz offensichtlich, dass wir in eine Welt hineingeboren werden, die uns von Anfang an ihren Stempel aufdrückt und uns ein Leben lang formt.

      Aber die Welt war und ist ja nicht immer gleich. Die Dynamik einer Gesellschaft, oder besser gesagt vieler Individuen verändert(e) die Welt ständig, heute schneller denn je.
      Grosse Philosophen, Wissenschaftler, Gelehrte (mittlerweile gibt es auch zahlreiche weibliche Vertreter) wären gar nicht möglich gewesen, wenn sie nicht ihre eigenen Gedanken hervorgebracht hätten, meist auch gegen die vorherrschende Doktrin.

      Ich denke, das Zitat ist eher so zu verstehen: Wenn es niemanden mehr gibt die/der eigene Gedanken entwickelt entgegen „der neuesten Standards aller Irrtümer“, so gibt es keine weiteren Entwicklungen mehr, sondern nur noch Stillstand.

      Man bedenke nur, der Nationalsozialismus hätte nach 1945 kein Ende gefunden, weil da niemand gewesen wäre, der sich seines Verstandes ohne fremde Leitung eines anderen nicht mehr hätte bedienen können.

      Oder man denke nur an die Schrecken der katholischen Kirche…

      Gefällt mir

      Antwort

      1. „Aber die Welt war und ist ja nicht immer gleich. Die Dynamik einer Gesellschaft, oder besser gesagt vieler Individuen verändert(e) die Welt ständig, heute schneller denn je.“

        Das ist wohl wahr. Die Fragen, die sich mir dabei stellen, ist, aus was heraus sich diese
        Dynamiken speisen und welche (Werte)Richtungen sie anstreben, und ob damit das
        ‚gute Leben aller‘ gemeint ist?

        Gefällt mir

        Antwort

        1. @Ute Plass
          „…aus was heraus sich diese Dynamiken speisen…“

          Es ist die Unzufriedenheit. Warum wohl sonst jagt der Mensch einer Idee nach, oder stolpert von einem Krieg in den nächsten? Eine Mutter wird alles dransetzen ihre Nachkommen nicht nur durchzubringen, sondern sie will ihnen auch „ein besseres Leben“ ermöglichen.

          Es ist dieses „bessere Leben“, das primäre Ziel, dem wir alle hinterherjagen und von Generation zu Generation weitergeben. Doch je mehr wir davon haben wollen, oder besser gesagt meinen, dass wir es noch nicht erreicht haben, schliesslich sind die Ansprüche verschieden, desto schlimmer wird es.

          Vom Höhlenmenschen zum computergesteuerten Eigenheim. Doch wir vergessen dabei, geistig sind wir immer noch Höhlenmenschen. „Glück“ lässt sich nun mal nicht im Äusseren finden, oder durch Konsum befriedigen.

          Gefällt mir

          Antwort

          1. ‚ „Glück“ lässt sich nun mal nicht im Äusseren finden, oder durch Konsum befriedigen. ‚

            Dass der Mensch „nicht vom Brot alleine lebt“ ist eine Binsenwahrheit.
            Doch stimmt eben auch, was Brecht sagt: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.

            Gefällt mir

            Antwort

    2. Gerhard Kugler 30. Oktober 2018 um 20:27

      Zustimmung. Ich hinterfrage auch die Autonomie-Verehrung. Frau Vetter Beiträge verherrlichen wohl durchgängig den Individualismus. Ein Produkt unseres Systems. Ich habe nichts gegen die Emanzipation des Individuums. Aber es soll dabei nicht vergessen, womit all sein Denken, seine Erkenntnisse zu tun haben: mit dem Vor-Wirken anderer Menschen. In der eigenen kleinen Geschichte ohnehin.
      Und irgendein Entdecken muss nicht weiterführend sein. Verrücktes ist nicht an sich toll oder fruchtbar. Es sei denn, man richtet sich nach Werten, denen es dienen kann.
      Werte wiederum sind auf die Gemeinschaft abzustimmen. Erst dann bereichern sie das Leben.
      Individualisten laufen letztlich ins Leere. Ob das wohl gut tut?!
      G.K.

      Gefällt mir

      Antwort

      1. @GerhardKugler Sie unterstellen Individualismusverherrlichung (wo entdecken Sie die Durchgängigkeit?) und verstehen offenbar die Generation Y nicht. Die sucht nach Gemeinschaft ohne sich dabei verbiegen zu müssen oder sich das Kreuz brechen zu lassen, was die Generationen davor freiwillig getan haben. Die Nazi-Generation und die 68er sind die traurigsten Beispiele für die Anpassung des Individuums an Gemeinschaften.

        Gefällt mir

        Antwort

        1. Gerhard Kugler 31. Oktober 2018 um 10:43

          Hab‘ schon befürchtet, dass ich dazu beitrage, dass es noch abstrakter wird, als es der Artikel schon ist. Ich höre halt überall, man solle in sich hineinhören, um den richtigen Weg zu finden. um sich auszuleben usw. Die Menschen bekommen dabei kaum mit, wie sie sich verbiegen lassen, etwa durch Konsumorientierung.
          Selbstfindung findet für mich dort statt, wo man sich auf Auseinandersetzungen einlässt, wenn man an der Welt um uns mitzuflicken oder besser: zu gestalten versucht.
          In meinem Filmchen https://neue-debatte.com/2018/09/02/politik-und-leben-verbinden/ gibt es zwei Spiralen: eine geht nach innen, die andere nach außen. Frau Vetter scheint mir vorwiegend an die erste zu glauben, wenn sie Gedanken zur Grundlage des Selbst macht.
          G.K.

          Gefällt mir

          Antwort

        2. „Die Nazi-Generation und die 68er sind die traurigsten Beispiele für die Anpassung des Individuums an Gemeinschaften.“

          Kann das so pauschal behauptet werden, insbesondere das, was Sie zur sog. 68er Generation
          sagen?

          Gefällt mir

          Antwort

    3. Dem „neuesten Stand des Irrtums“ stimme ich zu. Was das Zitat angeht auch, bis zur Autorität. Der Begriff ist falsch benutzt an der Stelle. Wer das Licht der Welt erblickt trifft auf Macht/Übermacht. Ein Mensch hat aus sich heraus keine Autorität, sondern wird durch Anerkennung seines Könnens/seiner Fähigkeiten zur Autorität. Deshalb gibt es auch Titel und Uniförmchen, um vorauseilend Gehorsam gegenüber einer angeblichen Autorität einzufordern, die nicht bewiesen hat, eine zu sein, aber die Anerkennung braucht, um überhaupt agieren zu können. Beispiel: Ein General. Denkt man sich das Amt und die Uniform weg, ist die Autorität auch weg. Oder ein Beamter: Da steht keiner stramm, weil der Beamte eine Autorität ist, sondern weil man sich vor der Macht fürchtet, die mit dem Amt verbunden ist.

      Gefällt mir

      Antwort

      1. „Ein Mensch hat aus sich heraus keine Autorität, sondern wird durch Anerkennung seines Könnens/seiner Fähigkeiten zur Autorität.“

        Das ist auch eine Aussage des verlinkten Textes, in dem die Autorin sich vertieft damit auseinander setzt.

        Gefällt mir

        Antwort

Wie ist Deine Meinung? Schreibe einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: