Die finale Zensur

Das Fenster zur Wirklichkeit schließt sich bereits.

Wir können uns kaum daran erinnern, wie es war, als es das Internet noch nicht gab. Dank dieses Fensters zu einer neuen Wirklichkeit, konnten immer mehr Menschen die Propaganda des Establishments durchschauen. Als Blogs und alternative Seiten noch keine große Reichweite hatten, wurden sie als ungefährliche Beweise für „Meinungsfreiheit“ akzeptiert. Doch seitdem sie immer mehr Zulauf erhalten, tobt der Kampf gegen die alternativen Informationsanbieter im Internet. Zunächst mit Verleumdung und inzwischen auch immer stärker mit Zensur, natürlich nur zum Besten der Bevölkerung, damit wir nicht auf falsche Ideen kommen.

Als ich vor 20 Jahren recherchierte, musste ich Stunden, manchmal Tage in Universitätsbüchereien verbringen. Dann auf Bücher oder Auszüge von Artikeln warten. Ich war auf Freunde angewiesen, die jene in manchen Ländern in der Giftschatulle versteckten Werke für mich ausgruben. Und am Ende vergingen Wochen, oft Monate, bis ein Artikel fertig war. Ganz zu schweigen von der Zeit, die ein Buch beanspruchte. Die Bücherei war für mich so wichtig, dass ich, als ich aus dem Ausland nach Deutschland zurückkam, eine Wohnung mietete, die fußläufig zu einer Uni-Bücherei lag.

Aber dann bemerkte ich, dass meine Besuche dort immer seltener wurden. Immer mehr Informationen waren im Internet verfügbar. Und die Zeiten für Recherchen verkürzten sich. Ein Fenster zur Wirklichkeit hatte sich geöffnet: mit dem Internet. Leider wird es damit wohl bald vorbei sein.

Die Zensur des Establishments

Nicht erst seit der Veröffentlichung vertraulicher interner Dokumente war klar, dass Google die Suchergebnisse manipuliert [1]. Die Zensur bei Twitter ist bereits so weit verbreitet, dass der Leser vielleicht sogar schon selbst zum Opfer derselben wurde [2].

Bei Facebook war es anfangs noch die Zensur von Veröffentlichungen, die nach Behauptung der jeweiligen Regierung gegen ihre Gesetze verstießen, aber nach der Verabschiedung des obskuren Netzwerkdurchsetzungsgesetzes in Deutschland verbreitete sich der Virus der Bevormundung der Internetnutzer ungehemmt und unkontrolliert. Durch wen auch kontrolliert? Liegt es doch im Interesse des Establishments, dass der Rahmen der Diskussion drastisch eingeschränkt wird. Viele dürften die kluge Analyse Noam Chomskys zu dem Thema kennen [3].

Als Blogs und alternative Seiten im Internet keine Reichweite hatten, waren sie akzeptierte Feigenblätter der „Meinungsfreiheit“. Als sie aber begannen, immer mehr Menschen zu erreichen, wurde das Establishment nervös und fürchtete, der Rahmen der erlaubten Diskussion könnte gesprengt werden, die von ihr vertretene Wirklichkeit könnte als eine von mehreren entlarvt werden.

Es begann der Kampf gegen die Alternativen. Und mit den unbeschränkten Mitteln der Macht ausgestattet, war es nicht schwer, Menschen dazu zu bringen, an den Alternativen zu zweifeln. Denn mehr brauchte das Establishment nicht zu erreichen.

Menschen, die zweifeln, wählen den Status Quo.

Dann begann sich aber die dargestellte Wirklichkeit so drastisch von der erlebten Realität der Gesellschaft zu unterscheiden, dass aus Zweiflern immer öfter Meinungsgegner des Establishments wurden. Wobei einige auch Scharlatanen auf den Leim gingen, die eine Welt der Gegenabsurdität abbildeten. Inwiefern darunter Provokateure des Establishments waren, wurde nie untersucht. Denn diese falschen Propheten wiederum schufen den Vorwand für die dann einsetzende Verleumdungs- und Zensur-Kampagne. Alles nur zum Besten der Menschen natürlich.

Aber wie kommt es, dass sich so viele gut ausgebildete und sich zur Elite der Gesellschaft zählende Menschen für diese Zensur aussprechen? Offensichtlich glauben sie. Glaubten die Menschen früher an ihre Religion, glauben sie heute angesichts der perfektionierten Methoden der Propaganda an den Inhalt derselben.

Die Propagandafalle

Menschen, die in der Propagandafalle des Establishments stecken, haben es unsäglich schwer, die Absurdität der sie indoktrinierenden „Nachrichten“ zu erkennen. Die Tatsachen, die „andere“ Wahrheit, die ihnen von den „Alternativen“ angeboten wird, erscheinen ihnen zu unwahrscheinlich.

Die Lügen, Verdrehungen, Auslassungen der Propaganda des Establishments sind so allgegenwärtig, dass es für die Opfer der Propaganda kaum möglich ist zu glauben, dass die alternativen Nachrichten ein zutreffendes Bild ergeben könnten. Wird die Unglaubwürdigkeit doch einmal zu drastisch, wenden sich manche Menschen von der Propaganda des Establishments ab und geraten direkt in die Falle von Scharlatanen. Und das dient dann dem Establishment wiederum, die gesamten Nachrichtenalternativen zu verleumden.

Dass tatsächlich mächtige Unternehmer und ihre Manager, Politiker, höchste Beamte, entscheidende Justizangehörige, insbesondere die so genannten Qualitäts-Medien und deshalb auch ihre Journalisten, alle Teil eines gleich denkenden elitären Kreises sind, erscheint Propagandaopfern wie eine gigantische „Verschwörungstheorie“ [4]. Ein Begriff, dessen Einführung durch den US-Geheimdienst vor etwas über 50 Jahren so erfolgreich war, dass er heute noch eines der wichtigsten Totschlagargumente des Establishments ist.

Aber Claus Kleber hatte Recht, wenn er einmal sagte, dass er niemals „Aufträge“ von der Regierung erhält, so oder so zu reden [5]. Auch wenn das in anderen Fällen vielleicht einmal der Fall gewesen sein kann [6]. Denn er benötigt gar keine Anweisung. Er denkt genauso wie der Rest des Establishments und weiß daher aus sich selbst heraus, was er zu sagen hat. Auch seine Mitarbeiter brauchen keine Anweisungen. Sie wären gar nicht eingestellt worden, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, dass sie solche benötigten.

Dass die Propaganda des Establishments so wirksam ist, liegt auch an dem immer höheren Bildungsgrad in Deutschland. Fremde, die in das Land kommen, aus einer anderen Kultur und mit einem anderen geschichtlichen Hintergrund, Menschen aus dem Osten Deutschlands, die ebenso eine andere Sozialisierung erlebt haben, Menschen mit niedrigerem Bildungsstand, oder Menschen die lange Jahre im Ausland verbrachten, verstehen oft nicht, zu welchen für sie seltsamen Schlüssen die Entscheidungsträger in Deutschland kommen können.

Jacques Ellul hat die Antwort darauf schon in den 1960er Jahren gegeben [7]. Viele Menschen, die im gleichen Bildungsumfeld, der gleichen Kultur aufwachsen, zur Schule gehen, studieren, arbeiten, sind viel empfänglicher für Propaganda, die im Sinne dieses Bildungsumfeldes auf sie einwirkt.

Diese Teile einer gleich denkenden Gesellschaftsschicht, um das falsche Wort „gleichgeschaltet“ zu vermeiden, glauben an sich selbst. Und sie denken, weil sie gebildet sind, sollten sie auch zu allem eine Meinung haben, und natürlich die richtigen Antworten wissen. Beides zusammen erzeugt bei der Verarbeitung von Propaganda eine immer dickere Schicht der Gläubigkeit und eine immer geringere Bereitschaft, den eigenen Glauben zu hinterfragen. Und es gibt eine Art Ringschluss. Da alle gleich denken, bestätigt der Eine den Anderen. Und so sind beide sicher: Wir tun das Richtige.

Ungebildete Menschen oder solche, die lange im Ausland, in anderen Kulturen lebten, die einen, wie man sagt, „gesunden Menschenverstand“ haben, sind eher bereit, die in der zeitlich kürzeren oder ganz ausgebliebenen Spanne der Prägung durch Schule und eventuell Studium sowie durch das gesellschaftliche Umfeld erworbenen Glaubenssätze zu hinterfragen.

Diese Zusammenhänge sind natürlich bekannt, nicht umsonst werden „aussichtsreiche junge Führungskräfte“ in Wirtschaft und Politik aus Deutschland in US-Universitäten durch großzügige Stipendien „gefördert“. Nicht umsonst wird dem einfachen Wähler die Fähigkeit abgesprochen, komplexere politische Sachverhalte mitzuentscheiden.

Schauen Sie doch mal in die Lebensläufe der führenden deutschen Politiker und suchen Sie nach einer Teilnahme an einem „Young Leader“-Stipendium. Das Young-Leaders-Programm der Atlantik-Brücke hilft jungen Politikern und Unternehmern, die Welt richtig zu verstehen [8]. Ende Sarkasmus. Beobachten Sie, welche Politik er vertritt. Was nicht ausschließt, dass Politiker, die in Konkurrenz zu den Young-Leader-Absolventen stehen, sogar noch extremer deren Positionen vertreten.

In Thailand beobachtete ich Studenten auf dem Land dabei, wie sie Menschen, die lediglich Lesen und Schreiben konnten und ansonsten keine Bildung besaßen, die Menschenrechtskonventionen erklärten. Gefragt, ob sie diese für sich beanspruchen würden, kam deutliche Zustimmung. Im weiteren Gespräch kam es dann zu einem Hinterfragen der bisher für nicht bestreitbar gehaltenen Rechte des Militärs und des Königshauses. Ein unglaublicher Vorgang. Die Hierarchie, die diese Menschenrechte verweigerte, wurde hinterfragt!

Als ich aber 2008 mit Demonstranten der so genannten „Gelbhemden“ diskutierte, die durch massive Proteste bis hin zu einer vom Militär indirekt unterstützten Besetzung des größten Flughafens des Landes die gewählte Regierung stürzten, die dann durch die Justiz abgesetzt wurde, traf ich auf das Gegenteil. Die gebildeten Demonstranten des Mittelstandes, oft gut situierte Damen im besten Alter, weigerten sich, die Menschenrechte für Thailand gelten zu lassen. Thailand wäre etwas Besonderes, etwas, das nicht mit den üblichen westlichen Werten gemessen werden könnte.

Die Hierarchiestellung der Monarchie und des Militärs, als über der Verfassung stehend und Sicherer der Nation, dürfte nicht hinterfragt werden. Wer das nicht akzeptiert, so die oft gehörte Meinung, sollte kein Wahlrecht haben. Dieses Denken hatte den Militärputsch von 2006 ermöglicht und dann zum nächsten Putsch im Mai 2014 geführt — und dazu, dass Thailand wieder eine Militärdiktatur ist. Eine Diktatur, die von immer noch großen Teilen der „Gebildeten“ unterstützt wird, aus Gründen, die im vorherigen Absatz beschrieben sind.

Wie wahrheitsfremd die Nachrichten, das heißt das als Wahrheit bezeichnete Narrativ des Establishments, oft sind, ohne jedoch hinterfragt zu werden, sollen ein paar Beispiele zeigen:

USA — Die Vorbild-Demokratie

Die USA werden im Westen dargestellt, als wären sie eine Musterdemokratie, die deshalb das Recht hat, andere Länder zu kritisieren, die die von den USA aufgestellten Kriterien nicht erfüllen wollen. Dass längst die Wissenschaft klar zeigte, dass die USA eben keine Demokratie, sondern eine Oligarchie sind, was sogar die BBC und die Washington Times erwähnten, wird mit einem Schulterzucken quittiert, man lacht darüber [9, 10, 11].

Aber niemand wagt ernsthaft, die Argumente der Wissenschaftler zu widerlegen. Propaganda lässt sich nicht auf tiefgehende Diskussion ein, sie appelliert an den Glauben, an die Prägung durch Umfeld und Bildung. Und so passt es zu diesem Bild, wenn der deutsche Außenminister behauptete:

„Es waren Amerikaner, die die deutsche Wiedervereinigung möglich gemacht haben.“

Eine Äußerung, die von den meisten Qualitätsmedien schamhaft übergangen wurde. Sie waren wohl noch nicht so weit in der Geschichtsumschreibung. Aber da sie problemlos das Narrativ verbreiten, dass die USA den Krieg gegen Nazi-Deutschland entschieden hätten, wird wohl bald auch diese phantastische Geschichte verbreitet werden [12].

Terroristenbekämpfung

Dass die westlichen Länder, allen voran die USA, genau die Terroristen mit Waffen und Geld ausrüsteten, die sie behaupten selbst zu bekämpfen, ist so absurd, dass viele einfach den Kopf schütteln. Das Kopfschütteln ist der Ausdruck der Gläubigkeit. Dabei haben zum Beispiel WikiLeaks und Gerichtsverfahren in den USA klargemacht, dass Hillary Clinton als Außenministerin, bei der Bombardierung von Libyen eine Hauptrolle spielend, sehr wohl in die Lieferung von Waffen an islamistische Extremisten von al-Qaida verwickelt war.

Seymore Hersh, Pulitzer-Preisträger, erklärte 2016 nicht, wie leider fälschlich verbreitet worden war, dass Hillary Clinton über eine Chemiewaffenlieferung aus Libyen nach Syrien informiert worden war, sondern es ging um Waffen allgemein:

„Die Bedingungen des Vertrages sahen vor, dass die Finanzierung aus der Türkei sowie Saudi-Arabien, Katar und der CIA kam, mit der Unterstützung von MI6, verantwortlich dafür, die Waffen von Gaddafis Arsenal nach Syrien zu schaffen“ [13].

Praktischerweise wurde ein Gerichtsverfahren gegen einen Waffenhändler plötzlich beendet, als dieser erklärte, dass die US-Regierung sogar den Auftrag gegeben hatte, und Geheimunterlagen drohten, in dem Verfahren aufzutauchen [14]. Die Luftangriffe Israels — genannt Selbstverteidigung gegen iranische Waffen, die Israel bedrohten, oder die Grenze überschreitende Projektile — und die teilweise „versehentlichen“ Massaker der US-geführten Koalition gegen Einheiten der legitimen Streitkräfte in Syrien, die gegen die Terroristen kämpften, sollten eine eindeutige Sprache sprechen.

Syrien-Krise

Immer noch pflegt das westliche Establishment das Narrativ des „blutigen Diktators Assad“, wenn es um Syrien geht. Dass der Krieg in Wirklichkeit von den ehemaligen Kolonialmächten, von den USA — um endlich die letzten Reste des Denkens aus der ehemaligen Sowjetunion zu beseitigen — und von den Golfdiktaturen — um den gefährlichen Virus eines säkularen und zunehmend demokratischen Staates zu vernichten — geplant, finanziert und unterstützt wurde, dürfte von Historikern nicht mehr bestritten werden. Die Tatsache, dass die NATO-Länder Türkei und USA gemeinsam mit Frankreich Teile des Landes besetzt haben und versuchen den Staat Syrien durch Teilung zu vernichten, ist eine deutliche Sprache.

Die Lügen und Verdrehungen haben bei Syrien einen neuen Höhepunkt in der Geschichte der Propaganda erreicht. Waren die Brutkastenlüge, die Massenvernichtungswaffenlügen, die Lügen über die geplante Ermordung von Gaddafis Zivilisten und ähnliche Absurditäten einzelne große Erzählungen, die schließlich die Wähler auf einen Krieg vorbereiteten, so sehen wir im Fall von Syrien eine Bombardierung der Öffentlichkeit mit gefälschten Informationen, mit Verdrehungen und weiteren Lügen.

Giftgas, Fassbomben, Phosphor, Massaker, die „Zivilschutzhelden“ der White-Helmets. Sie sind so zahlreich und unglaublich, dass ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, sondern als Beispiel für mögliche Aufklärung auf das Buch „Der schmutzige Krieg gegen Syrien“ von Tim Anderson verweisen will [15].

Ukraine-Krise

Ein weiteres Beispiel für die Unglaublichkeit der Lügen des westlichen Establishments ist das über die Ukraine-Krise verbreitete Narrativ. Es gab jene historische Sendung der Satiremacher der „Anstalt“, die die Kommunikation deutlich machten, mit der wir einfachen Menschen konfrontiert waren [16].

Ich habe auf fast 400 Seiten im Detail nachgewiesen, das Buch erscheint voraussichtlich noch im November, wie die Führung der Politik in meiner Meinung nach verbrecherischer Gemeinschaft mit den Medien die Menschen in Deutschland in die Irre führte. Und das, wie ich glaube, bewusst, um eine elitäre Politik durchzusetzen, die zwar von den Menschen nicht akzeptiert werden würde, „aber das Beste für Deutschland“ ist. Dafür marschiert unser Bundespräsident Arm in Arm im Gedenken an jene Ermordeten, die durch Elemente des jetzigen Regimes umkamen [17]. Heuchlerischer kann man kaum sein.

Die Politik der Absurdität

Beobachtet man zum Beispiel die Reden im UNO-Sicherheitsrat, oder von westlichen Vertretern in der UNO [18], in denen mit größter Inbrunst beziehungsweise Überzeugung die dreistesten Lügen verbreitet werden, ohne dass dies durch kritischen Journalismus hinterfragt werden würde, beginnt man zu verstehen, dass es eine Politik gibt, die die Wahrheit so absurd machen soll, dass niemand wagt, sie in Erwägung zu ziehen.

Aber diese Politik kann zu einem Rohrkrepierer werden. Denn in den Fällen der Ukraine und Syriens waren Grenzen überschritten worden, die einigen Menschen die Augen öffneten. Wird die Propaganda nun diese Politik weiterführen, die Wirklichkeit zur Absurdität zu erklären, könnten immer mehr Menschen darüber stolpern und beginnen diese Propaganda zu hinterfragen.

Und wieder werden weniger durch Indoktrination vorgeprägte und kritische Geister im Vorteil sein. Denn jene, der eigenen Propaganda erlegenen „Gebildeten“ werden, wenn sie beginnen die Wirklichkeit zu erkennen, die Lügen entschuldigen, zugunsten eines höheren Wertes. Denn Sie halten das Ziel, das durch diese Lügen erreicht werden soll, für wertvoller als die Wahrheit. Für sie ist oft Niccolo Machiavelli ein Vordenker, der politisches Handeln für die Ewigkeit definierte. „Erfolgreiche Politik verlangt außerdem ‚die Kunst, den richtigen Schein zu erzeugen‘“ [23]. So schreibt er im Fürstenbuch:

„Die Menschen urteilen im Allgemeinen nach dem Augenschein, nicht mit den Händen. Sehen nämlich kann jeder, verstehen können wenige. Jeder sieht, wie du dich gibst, wenige wissen, wie du bist. Und diese wenigen wagen es nicht, sich der Meinung der vielen entgegen zu stellen. Denn diese haben die Majestät des Staates zur Verteidigung ihres Standpunkts“ [19].

Der Fürst, heute die neue Aristokratie in Form des Establishments, muss die traditionelle Moral vorgeblich wahren können, aber er darf auch — im Interesse der Staatsräson — vor Gewalt und Terror nicht zurückschrecken.

In diesem Kontext muss man die Aussagen der Ex-Außenministerin Madeleine Albright über die Folgen der Sanktionen in Vorbereitung des Krieges der USA gegen das Land verstehen; Sanktionen, die das Leben von über 500.000 Kindern kosteten.

„Ich denke es ist eine schwere Wahl, aber wir denken, dass es den Preis wert ist“ [20].

Vor dem Hintergrund muss man die Folgenlosigkeit des Bruchs des Völkerrechts und des Grundgesetzes im Fall des Angriffskrieges gegen Jugoslawien sehen, der heute noch von den damaligen Protagonisten des Krieges als „notwendig“ verteidigt wird [21]. Ebenso wie die ausgebliebenen Entschuldigungen wegen der Verbreitung von Lügen über angebliche Völkermord-Absichten Gaddafis [22]. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Das Internet und Machiavelli

Das Internet gefährdet nun die Weltsicht Machiavellis. Vorfälle unter falscher Flagge, False-Flags, werden inzwischen dank Internet in Stunden bekannt, hatte es früher Wochen, Monate oder Jahre gedauert. Unter Umständen werden Kriegslügen sogar schon VOR ihrer Verbreitung offensichtlich, wie die Giftgasvorwürfe gegen Syriens legitime Streitkräfte im Kampf gegen den Terrorismus aufzeigen. Die Machiavellis der heutigen Zeit können das natürlich nicht zulassen.

Die Zeit der Machiavellis wäre bald vorbei, sollte das Fenster zur Wirklichkeit, das Internet, weiter ohne Kontrolle des Establishments bleiben. Dabei wäre das unbedingt notwendig. In einer überbevölkerten Welt, mit immer knapper werdenden Ressourcen, riesigen Umweltproblemen und immer größeren Risiken, die nicht nur ein Volk vernichten, sondern die ganze Erde unbewohnbar machen könnten, müssen neue Formen der Herrschaft oder besser gesagt des Zusammenlebens gefunden werden.

Deutschland hatte mit seiner Vergangenheit des 2. Weltkrieges die Chance, hier einen Neubeginn vorauszudenken. Aber leider wurde Deutschland zu nichts anderem als dem größten Flugzeugträger der USA, auf dem Junior-Eliten versuchen, ein paar Krumen vom imperialistischen Kuchen des großen Hegemons abzubekommen, und sich für dessen Niedergang vorteilhaft aufzustellen.

Die Frage ist, ob sich die Mehrheit das gefallen lässt.


Quellen und Anmerkungen

[1] https://www.theverge.com/2018/10/10/17961806/google-leaked-research-good-censor-censorship-freedom-of-speech-research-china

[2] https://www.businessinsider.de/twitter-has-gone-from-bastion-of-free-speech-to-global-censor-2017-6?r=US&IR=T

[3] http://www.vordenker.de/blog/?p=1078

[4] https://www.westendverlag.de/kommentare/jfk-und-die-erfindung-des-kampfbegriffs-verschwoerungstheorie/

[5] https://youtu.be/xmPCwjrJjRc

[6] https://www.reddit.com/r/de/comments/43f4yd/es_gibt_tats%C3%A4chlich_anweisungen_von_oben/

[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Propaganda:_The_Formation_of_Men%27s_Attitudes

[8] https://www.atlantik-bruecke.org/unsere-arbeit/veranstaltungen/young-leaders-programm/

[9] https://www.cambridge.org/core/journals/perspectives-on-politics/article/testing-theories-of-american-politics-elites-interest-groups-and-average-citizens/62327F513959D0A304D4893B382B992B

[10] http://www.bbc.com/news/blogs-echochambers-27074746

[11] http://www.washingtontimes.com/news/2014/apr/21/americas-oligarchy-not-democracy-or-republic-unive/

[12] https://youtu.be/DpuiIMvSX4c

[13] https://www.truthorfiction.com/hillary-clinton-supplied-chemical-weapons-syria/

[14] https://www.politico.com/story/2016/10/marc-turi-libyan-rebels-hillary-clinton-229115

[15] https://dirty-war-on-syria.blogspot.de/

[16] https://youtu.be/LSDitudiGR4

[17] https://www.academia.edu/8776021/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine und https://twitter.com/I_Katchanovski/status/1035532383469154311

[18] https://www.huffingtonpost.com/entry/top-5-lies-nikki-haley-iran-deal_us_59b00074e4b0b5e531029d76

[19] https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli#Il_Principe_%E2%80%93_Der_F%C3%BCrst_als_Herrscher

[20] https://youtu.be/omnskeu-puE

[21] https://youtu.be/MYcRjHX50og

[22] https://www.freitag.de/autoren/gela/zdf-info-libyenkrieg-beruhte-auf-fake-news

[23] Volker Reinhardt: Machiavelli oder Die Kunst der Macht. Eine Biographie, C.H. Beck Kindle 2017 oder Hardcover München 2012, S. 256.


Über den Autor: Jochen Mitschka, Jahrgang 1952, veröffentlichte unter verschiedenen Pseudonymen Artikel und Bücher über Südostasien, nach 2009 auch über die Piratenpartei. In letzter Zeit schreibt er vorwiegend unter eigenem Namen und übersetzt politische Bücher. So etwa „Der schmutzige Krieg gegen Syrien“ von Tim Anderson und „Der Abschuss – Flug MH17, die Ukraine und der kalte Krieg“ von Kees van der Pijl. Auf Jo Menschenfreund bloggt er über Demokratie, Medien sowie internationale Krisen.


Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 InternationalDer Beitrag erschien auf Rubikon – Magazin für die kritische Masse. Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


Foto: Ashim D’Silva (Unsplash.com)


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  1. Zitat:`
    „Die Frage ist, ob sich die Mehrheit das gefallen lässt.“ ?

    Ja klar, denn der Autor hat das Fragezeichen vergessen ;-) und die Mehrheit ist politisch nicht interessiert, sie hat genug mit sich selbst zu tun. Arbeit und Familie halten das Hamsterrad am Laufen. Und die wenigen die sich interessieren sind untereinander gespalten.

    Übrigens, Staatspropaganda und Desinformationen werden nur schneller durch das Internet aufgedeckt, aber gegeben hat es das zu allen Zeiten. Und nicht Google, Facebook, Twitter und Co zensieren, sondern es sind ja nur die verlängerten Arme der !Regierungen! Genauso wie Wochenschau, Tagesschau, Süddeutsche, Spiegel und Co seit Bestehen immer nur Atlantiktreue propagierten und als Steigbügelhalter mit verantwortlich für die heutige Kriegspolitik sind und waren.

    Es gab nach 1945 weltweit weder Frieden, noch Demokratie. Wer das anzweifelt, sollte sich weiter von der Wochen(tages)schau berieseln lassen und auf den nächsten Urlaub, das Auto und/oder Smartphone sparen… – solange es noch geht!

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  2. Ein bemerkenswerter Artikel, der zu Denken gibt und bei sich selber die Selbsterkenntnis sucht. Man glaubt, den selbst gewählten Inform ationsquellen bedingungslos vertrauen zu können, sie werden in dem Artikel namentlich erwähnt, weil sie als demokratisch, frei und objektiv gelten. Und bekommt dann doch Zweifel, ob Sendungen wie Monitor, Kontraste, usw.. unfehlbar sind. Es heisst also, auf der Hut zu sein und die Neuronen heiss laufen zu lassen!

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  3. Hierzu passt ein früherer Kommentar von mir: Bei einem Besuch der Kinderfilmtage in Frankfurt/Main schauten meine Frau und ein Enkel einen Kinderfilm. Während dieser Zeit schaute ich au feinem Monitor . wie Berichte manipuliert werden, einschließlich Tagesschau etc.
    Während des nachfolgenden Gesprächs mit einer Aufsichtsperson sagte mir diese: Die wichtigste Person für diese Berichte ist die Cutterin.

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