Think outside the box. (Foto: Diana Parkhouse, Unsplash.com)
Es gilt nun zur Lösung der anstehenden sozialen und ökologischen Probleme zu schreiten, und die nächsthöhere Entwicklungsstufe zu ermöglichen, die Mensch und Natur dienlich ist.

Während in den „Raunächten“ draußen „die Rauen“ ihr Unwesen treiben und die Menschen in ihren Häusern den Rauch zum Himmel steigen lassen, geschieht nach uralter Überlieferung in der Zeit des Übergangs vom alten ins neue Jahr etwas Besonderes: Es wird über die Zukunft orakelt und die Lose werden neu Bestimmt.

Das Wort „Los“ ist heute in seiner Bedeutung als „Schicksal“ weniger gebräuchlich. Aber die Frage, ob uns ein „schweres Los“ bevorsteht oder ein „leichtes“, bewegt uns immer wieder.

Müssen die Menschen ein unumstößliches Schicksal ertragen, oder können sie ihr Los selbst bestimmen? Karl Marx sieht das so, “Freiheit des Willens heißt daher nichts andres als die Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können“, und weiter, „die auf Unkenntnis beruhende Unsicherheit, die zwischen vielen verschiedenen und widersprechenden Entscheidungsmöglichkeiten scheinbar willkürlich zählt“, beweise, „eben dadurch ihre Unfreiheit, ihr Beherrschtsein von dem Gegenstande, den sie gerade beherrschen sollte.”

Mensch – Erheb‘ dein Gesicht und beginne zu streben, suche das Licht der Erkenntnis und gewinne das Leben!

Schon seit jeher versucht jeder Mensch sein Dasein zu verlängern und die auf seinem Heimatplaneten gegebenen Möglichkeiten auszuschöpfen, um sein Leben sinnvoll gestalten zu können. So entwickelt sich ein jeder zur Persönlichkeit und nimmt seine menschliche Gestalt an. Für sich allein aber kann das kein Einzelner bewältigen. Wir alle brauchen Hilfe, Anleitung, Freundschaft und Liebe. Und wir brauchen Gerechtigkeit.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit muss der Blick immer in Richtung der Endlichkeit eines Menschenlebens gehen. Gerechtigkeit für den Einzelnen kann nur im Verhältnis zu seiner Einmaligkeit gewertet werden. Wie es einem Menschen möglich ist, sein Handeln eigenwillig bestimmen zu können, zeigt, ob ihm Gerechtigkeit widerfährt, was er eigenverantwortlich tut, gibt Auskunft darüber, ob er selbst Gerechtigkeit übt.

Es ist nicht leicht, Recht und Unrecht im Wechselspiel geschichtlicher Ereignisse zu erkennen und zu unterscheiden. Das Suchen nach Gerechtigkeit ist jedoch immer wieder historisch belegt und hat das Bewusstsein der Menschen maßgeblich beeinflusst. Besonders die Art und Weise des Umgangs mit Eigentum und vermeintlichem Besitz schafft Differenzierungen zwischen den Menschen, die wahrer Gerechtigkeit nicht entsprechen.

Soll das heissen, dass wir draussen bleiben
Ungeladen in der Kälte sitzen müssen
Weil da grosse Herrn geruhn, uns vorzuschreiben
Was da zukommt uns an Leiden und Genüssen?

Bertolt Brecht, aus: „Gegenlied von der Freundlichkeit der Welt“

Um unsere eigenen Geschicke durch gemeinsames politisches Handeln in die eigenen Hände nehmen zu können, müssen wir uns notwendigerweise unserer Selbst immer bewusster werden. Selbstbewusstsein entsteht, indem die in uns als vorhanden offenbarte Welt und unsere eigenen menschlichen Wesensmerkmale als zusammengehöriges und wechselwirkendes Ensemble der Wirklichkeit wahrgenommen und begriffen werden.

Selbstbewusst und eindringlich fragt und antwortet Bertolt Brecht in seinem Gedicht „Gegenlied von der Freundlichkeit der Welt“ nach den Befindlichkeiten der gemeinen Menschen:

„Soll das heißen, daß wir uns bescheiden und, so ist es und so bleibt es sagen sollen? Und, die Becher sehend, lieber Dürste leidend nach den leeren greifen, nicht den vollen?“ und weiter, „soll das heißen, das wir draußen bleiben ungeladen in der Kälte sitzen müssen weil da große Herrn geruhn, uns vorzuschreiben was da zukommt uns an Leiden und Genüssen“, um schließlich festzustellen, „besser scheint’s uns doch, aufzubegehren und auf keine kleinste Freude zu verzichten und die Leidenstifter kräftig abzuwehren und die Welt uns endlich häuslich einzurichten!”

Da es in der Politik immer um die Durchsetzung von Interessen oder deren Ausgleich geht, muss es in jedem Fall, um wahrhaftiger Gerechtigkeit möglichst nahe zu kommen, darum gehen, ob durch die endgültige Entscheidung ein von allen Beteiligten anerkannter und allgemeingültiger Nutzen stimuliert werden kann.

Der Mensch ist ein biotisches, psychisches und soziales Wesen. Es konnte sich nur als an Energie-Teilchen-dualistisch funktionierende Strukturen gebundenes, als gesellschaftlich interagierendes, sowie als die objektive Realität bewusst reflektierendes und diese willentlich beeinflussendes Wesen aus dem Reich der sich spontan entwickelnden Natur herausprozessieren, um schließlich zum bewussten Gestalter seiner Kulturen werden zu können.

Dieses Gebundensein an objektiv wirkende Gesetzmäßigkeiten kann nicht willkürlich beeinflusst werden, aber mit unseren Wesensmerkmalen ausgestattet, können wir Menschen, sobald wir es wirklich wollen, die Evolution unserer Wirklichkeit von Kulturstufe zu Kulturstufe bewusst moderieren und gelangen dadurch zu immer höherem Selbstbewusstsein.

Die Triebkräfte und Handlungsmotive zu unseren alltäglichen Aktivitäten ergeben sich aus den lebensnotwendigen natürlich-ökologischen und gesellschaftlich-wirtschaftlichen Stoff-, Energie- und Informationskreisläufen. Dabei müssen durch unser wirtschaftliches, politisches und kulturelles Tätigsein die Widersprüche gelöst werden, die durch die notwendige Integration der konkret Einzelnen in die gesellschaftliche und natürliche Wirklichkeit einerseits und der, einer wahrhaftigen Selbstverwirklichung entsprechenden Emanzipation eines jeden aus den uns bestimmenden Gegebenheiten andererseits entstehen.

Das Eingebundensein der Menschen, also objektiven Gesetzmäßigkeiten entsprechen zu müssen, setzt sich stets als bestimmende Forderung, als kategorischer Imperativ innerhalb eines Gemeinwesens durch. Die bewusste Freiwilligkeit der konkret einzelnen und einmaligen Individuen basiert auf dem bezweifelnden Hinterfragen, dem skeptischen Konjunktiv, sie muss innerhalb eines Gemeinwesens miteinander errungen werden.

Nur auf Gerechtigkeit gerichtete Lebensverhältnisse können im Sinne der Menschlichkeit leistungsmotivierend wirken.

Die Lösung der Probleme, die sich aus dem kapitalistischen Wirtschaften im destruktiven Stadium ergeben, kann nur durch bewusstes Umgestalten der Produktionsverhältnisse, also durch politisches Handeln erfolgen, in dem nach dem Begreifen der Notwendigkeiten gesucht, das Befriedigen wahrhaftiger Bedürfnisse erstrebt und das Bewahren der Wirklichkeit gewollt werden.

Den Stand der Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen die Menschen gegenwärtig existieren, progressiv bewertend, kann festgestellt werden:

Wenn durch die ständige Weiterentwicklung der Produktivkräfte erreicht wird, dass Energiequellen entsprechend des Bedarfs aller erschlossen und wenn sehr lange gebrauchsfähige, qualitativ hochwertige Materialien und zur kausalen Problemlösung geeignete Wirkstoffe für jeden zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Verfügung gestellt werden können, ist profitorientiertes Wirtschaften nicht mehr notwendig, braucht die Gier nach geldwertem Profit nicht mehr die treibende Kraft der gesellschaftlichen Bewegungen zu sein.

Es müssen Produktionsverhältnisse gestaltet werden, die das Erstreben befriedigender und bewahrender Nützlichkeit als treibendes Handlungsmotiv der Menschen ermöglichen.

Das Produzieren, Verteilen, Austauschen und Konsumieren muss sowohl befriedigend für jeden einzelnen sein, als auch im Einklang mit dem notwendigerweise zu erhaltenden Stoff-, Energie- und Informationswechsel der gesamten Wirklichkeit geschehen.

So, wie das zwischen dem geldwerten Aufladen des Kapitals und dessen Entladung – also der Kapitalakkumulation – stimulierte Wirtschaften die Beschränkungen feudaler Besitzstrukturen überwinden, die Position der darin erstarrten Naturalwirtschaft verlassen und die feudalen Produktionsverhältnisse beseitigen musste, um unter neuen gesellschaftlichen Verhältnissen die Produktivkräfte in vorher nicht zu erahnenden Ausmaßen zu dynamisieren und die Menschen auf eine höhere Kulturstufe zu heben, muss heute diese zur kapitalistischen Position gewordene Negation feudalistischen Wirtschaftens neuerlich negiert, also zu neuen Gesellschaftsverhältnissen erhoben werden.

Es gilt nun, zur Lösung der anstehenden, weltweit sehr verschieden erscheinenden, aber auf den gleichen Ursachen beruhenden, sozialen und ökologischen Probleme zu schreiten, und die nächsthöhere Entwicklungsstufe der Produktivkräfte in der dem Menschen und der Natur notwendigen Weise zu ermöglichen.

Jedem Menschen muss es möglich sein, mittels des von ihm selbst erarbeiteten Gewinns im Prozess seines konkret ihm möglichen Tätigseins und entsprechend seiner Bedürfnisse und weltanschaulichen Vorstellungen sein Leben eigenwillig zu gestalten.

Die Menschen beginnen zu erkennen, dass nicht nach geldwertem Vorteil und Profit gegiert werden muss, sondern es erstrebenswert ist, selbst- und verantwortungsbewusst das für Mensch und Natur Nützliche zu erarbeiten. Dazu bedarf es klarer Vorstellungen, wie es denn anders und besser gehen könnte, und dem daher kommenden, politisch formulierten und demokratisch umgesetzten Willen der Menschen zu Veränderungen in diesem Sinn.

Die Befähigung zur Arbeit, zur Produktivität und zur Kreativität ermöglichen es uns Menschen unsere lebensnotwendigen Bedürfnisse zu befriedigen. Um unsere Lebensberechtigung geltend zu machen, um entsprechend unserer Fähigkeiten wirksam, um menschlich und um zufrieden sein, um leben zu können, müssen die Menschen in konstruktivem Wettbewerb füreinander da sein. Das kann nur erreicht werden, wenn wir für die uns zufriedenstellenden Lebensverhältnisse eine mit Leistungswillen und Kompetenz ausgestattete basisdemokratische Grundordnung gestalten.

Grundeinkommen

Um der Menschheit die weitere Gestaltung und den Fortbestand ihrer Kulturen, das heißt, die bewusste, auf Nützlichkeit orientierte und das Menschsein bewahrende Einflussnahme, auf ihre gesamte Wirklichkeit zu ermöglichen, ist es unumgänglich, dass sich die mit immer mehr Restriktionen auf die Bevölkerungen wirkenden und sich konservierenden Staatsapparate zu dienstleistenden Verwaltungsorganen entwickeln, die alle, die zwischenmenschlichen Beziehungen bedingenden Stoff-, Energie- und Informationsflüsse, durch ihre Tätigkeit stimulieren.

Steuern und Abgaben müssen dort, wo sie erarbeitet werden für das Nützliche investiert, für soziale Gerechtigkeit eingesetzt und für kulturelle Bedürfnisse der Einzahlenden ausgegeben werden. Bildung muss in ihren Zielstellungen darauf gerichtet sein, dass jeder Mensch seine Begabungen und Talente erkennen und den auf deren Grundlage entstehenden Neigungen im Lernprozess nachgehen kann, und dass er dementsprechend zu seinem eigenverantwortlichen Tätigsein befähigt wird.

Und während der Übergangszeit von der kapitalistischen Wirtschaftsweise in Gesellschaftsverhältnisse, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht mehr existiert, muss es ein sozial gerechtes Grundeinkommen geben.

Wir Menschen müssen kreativ sein, um leben zu können. Denn unsere Bestimmung, die uns unser Lebenswille auferlegt, ist es, die sich zufallsnotwendig ereignende, natürliche Wirklichkeit in unserer bewusst und vernünftig gestalteten, Vervollkommnung und Schönheit erstrebenden, kulturellen Wirklichkeit aufzuheben, um so unsere Welt in ihrer Ganzheit zu bewahren.

Darum müssen jeder und jedem all die Rechte zugestanden werden, durch deren Inanspruchnahme sie ihre wesenseigenen Bedürfnisse befriedigen und alle immer besser zu kreativem Wirken befähigen. Kultur, Kunst, Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik – unser alltägliches Zusammenwirken also – sind Bewegungs- und Betätigungsfelder menschlicher Kreativität.

Damit wir Menschen künftig sowohl für unseren Lebensgenuss, als auch das Bewahren unserer Wirklichkeit, unserer Natürlichkeit, unserer Gesellschaftlichkeit, das Menschsein überhaupt wirken und dabei wahrhaftig aus dem Vollen schöpfen können, ist keine blutig verlaufende Revolution, sind keine Grausamkeiten gegenüber und Ausgrenzungen von Menschen erforderlich.

Mit unserem Verstand können wir das jeweils notwendigerweise Erforderliche begreifen und das dementsprechend Mögliche zur Umgestaltung unserer Lebensverhältnisse erkennen. Aus dieser Erkenntnis kann und wird der Wille zur Veränderung erwachsen.

Wir sind die Menschen, wir alle. Wir brauchen den weltweiten Dialog und weltweites Zusammenwirken, um uns auf der Erde einen würdigen und schönen Wohnsitz zu errichten.

Helfen wir uns selbst!


Foto: Diana Parkhouse (Unsplash.com).

Frank Nöthlich (Foto: Privat)

Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden.