Zündeln auf dem Balkan

Schwarz-Weiß-Schnitt Klassik (Illustration: OpenClipart-Vectors, Pixabay.com, Creative Commons CC0)

Das Zitat der Bundeskanzlerin, die Ursachen für Migration gelte es genauso zu bekämpfen wie ihre konkreten Folgen, ist heute bereits zu dem folgenschwersten Satz ihrer gesamten politischen Karriere geworden. Denn nichts stellt die Verhältnisse mehr auf den Kopf als dieser Satz.

Nicht, dass Deutschland durch seine Außenpolitik in allen Fällen für die großen Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte direkt verantwortlich zu machen wäre. Aber das Bündnis, jenes viel gerühmte, von den USA angeführte und militärisch immer willfährig und jederzeit von Großbritannien und Frankreich unterstützte, hat nahezu alle Kriege auf dem Kerbholz, die als camouflierte Volksbewegungen begannen und als Regime-Change-Projekt endeten.

Das Ergebnis war in allen, ja, in allen Fällen Chaos und eine für den Großteil der jeweiligen Bevölkerung drastische Verschlechterung der Verhältnisse. Denn um eine Verbesserung ging es nie, sondern um Destabilisierung.

Eines der Husarenstücke, das sich die selbst reklamierte westliche Wertegemeinschaft geleistet hat, waren die Balkankriege [1] Ende des letzten Jahrtausends mit dem Ziel der Destabilisierung des Balkans. Das besonders gegenwärtig immer wieder im Falle der Krim und Russlands dortigen Ansprüchen genannte Völkerrecht wurde seitens des Westens auf dem Balkan mit Füßen getreten. Es wurde ein Krieg ohne Mandat geführt und Territorien aus bestehenden Staaten gelöst, ohne auch nur durch die lokale Bevölkerung legitimiert zu sein. Dagegen war Russlands Vorgehen auf der Krim regelrecht musterhaft.

Die schlimmste Entgleisung jedoch war die Gründung des Kosovo als eigenständiger Staat. Ziel war es, Serbien, die stärkste lokale Kraft, massiv zu schwächen.

Die Karte so zu spielen, dass eine vorwiegend islamisch geprägte Gesellschaft die dortige, vorwiegend christliche Bevölkerung majorisierte, bekam erst später noch einen Geschmack. Dort jedoch ein Regime zu alimentieren, das sich ohne große Anfangsschwierigkeiten zu einer Drehscheibe für den südosteuropäischen Menschen-, Drogen- und Waffenhandel etablierte, das war eine überragende Leistung. Vier Milliarden lässt sich alleine die EU den Stachel im Fleisch Serbiens jährlich kosten. Chapeau!

Dass nun, genauer gesagt am letzten Freitag, dieser Separatistenstaat gegen das bestehende Statut der formalen Neutralität eigene Streitkräfte beschloss, ist auf die massive Unterstützung seitens der USA und Großbritanniens zurückzuführen, die das kosovarische Regime aktiv ermuntert haben, gegen die bestehenden Vorgaben der Vereinten Nationen zu handeln.

Es geht wie immer um Destabilisierung. Das Interessante dabei ist, dass sich die NATO gegen den Aufbau eigener Streitkräfte ausspricht, die USA und GB sich nicht daran halten und Deutschland im Verborgenen eher mit dem kriegstreibenden Approach des transatlantischen Buddies kuschelt.

Der vermeintlich kleine Kosovo kann großen Schaden anrichten. Die Fluchtbewegungen aus dem Balkan aus eben jener Zeit Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind deshalb nicht groß in der Erinnerung präsent, weil viele Menschen ins Land kamen, die sich schnell integrierten und die heute zu festen und geschätzten Leistungsträgern des hiesigen Wirtschaftssystems geworden sind.

Sollte das Kalkül hinter dem völkerrechtswidrigen und demokratiefeindlichen Manöver stehen, wieder Menschenmaterial für den mitteleuropäischen Arbeitsmarkt akquirieren zu wollen, so ist die Rechnung dieses Mal ohne Serbien und Russland aufgestellt worden und die kriminelle Energie des Verbündeten namens Kosovo dramatisch unterschätzt worden.

Auch wenn sich das Personalkarussell begonnen hat zu drehen: Die Politik ändert sich nicht. Und es stellt sich die Frage, wer in der hiesigen politischen Landschaft in der Lage ist, sich gegen derartige aggressive und plumpe Manöver zu stellen.


Quellen und Anmerkungen

[1] Der Balkankonflikt, auch Jugoslawienkrieg genannt, war eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Die Auseinandersetzungen endeten mit dem Zerfall des Staates. Als bedeutende kriegerische Handlungen werden der 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), der Kroatienkrieg (1991–1995), der Bosnienkrieg (1992–1995), der kroatisch-bosniakische Krieg, der Kosovokrieg (1999) und der albanische Aufstand in Mazedonien (2001) angesehen. Zu bemerken ist, dass sich der Krieg 1992 auch auf Bosnien und Herzegowina ausweitete. 


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Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

2 thoughts on “Zündeln auf dem Balkan

  1. Die USA und Deutschland gehören zu den größten Waffenexporteuren weltweit. Eine ganze neue, wenn auch kleine Arme auszustatten, ist wirtschaftlich gesehen ein super Deal, denn es geht ja eigentlich nur noch um Deals seit geraumer Zeit. Ein Deal dient natürlich vor allem dazu, Marktmacht zu erhalten. Und was ist die Erde für die westlichen Nationen denn noch mehr, als ein riesiger Marktplatz, den es mit den eigenen Produkten zu beglücken gilt?

  2. Eine wichtige Tatsache wurde übersehen. Die Unterdrückung der kosovarischen Muslime – Aberkennung einer Teil-Souveranität – durch die damalige serbische Regierung. Dies führte zu einer Fluchtbewegung innerhalb des Kosovo und nach Albanien von 120.000- 200.000 Personen. Diese Fluchtwelle sollte gestoppt werden. Und dies gelang.

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