Wenn die Mayonnaise an den Seiten austritt

Rasant verändern sich die Rahmenbedingungen des Seins. Die Technik erblüht, die Gefühle vertrocknen, der mächtige Rhein führte 2018 ungekanntes Niedrigwasser, kurz vor dem Jahreswechsel bricht auf Sizilien der Vulkan Ätna aus und der neue Boss bei Audi, will die Produktivität steigern, weil es zu viele Arbeitnehmer in seinem Laden gebe. In der politischen Schüssel rühren die Feinde von Menschlichkeit und Freiheit beharrlich den Hass zwischen den Völkern an wie der Metzger das Blut eines armen Schweines bei der Hausschlachtung. Und als Untermalung ertönen Kriegstrompeten von der Krim bis Sanaa, während in allen Erdteilen Kain seinen Abel meuchelt.

Diese Melange auf den Feldern des Miteinander und der Existenz riecht moderig und ist Sinnbild für eine Hochkultur, die den Zenit überschritten hat: traurig, weil unnötig, aber wahr. So viel zur Lage.

Im globalen Norden beeilt sich die Abrissmannschaft aus Politikern, Bürokraten, Konzernbossen, Finanzheuschrecken, Lobbyisten, Juristen und durchgeknallten Militärs, den letzten Kit aus den Fugen der sozialen Struktur zu kratzen.

Gefüllt wird das Nichts mit dem benebelnden Placebo aus Recht, Paragrafen, Artikeln, Verordnungen und irgendeiner auf Postleitzahl, Adresse und Reisepass aufgebauten Identität, alles unterlegt mit dem Schrei nach “Wir” – ohne den Widerhall einer Utopie allerdings. Völlig untauglich daher, eine Gesellschaft zusammenzuhalten oder gar zu befrieden.

Hand aufs Herz: Wo sollte sich zum Beispiel ein europäisches “Wir” verstecken, wenn Menschen in Berlin, Rom oder Paris Tür an Tür leben und noch nicht einmal den Namen des Nachbarn kennen?

Genau an dieser Stelle beginnt Gesellschaft. Sie baut sich über Gemeinschaften von unten nach oben auf. Soziale Akteure befinden sich in Interaktion und sind über gemeinsame Werte und übergeordnete Ziele miteinander verknüpft. Ähnlich eines Computernetzwerks oder der “Verdrahtung” im Gehirn, wo Nervenzellen über Synapsen verbunden sind und sich über elektrische und chemische Wege austauschen. Fehlen die Verknüpfungspunkte, fällt die Bude auseinander. Das gilt für den Kopf, wie es für Völker, Nationen und die Zivilisation insgesamt gilt.

Die Fratze der Tyrannei

Wird in Erwartung einer stabilen Verbindung von oben formalistisch übersteuert und Werte ignoriert, tritt unten der gegenteilige Effekt ein: Die Stabilität geht verloren, weil die kleinen Einheiten zerdrückt werden. Die Zügel fest im Griff zu halten, führt daher erst zum sicheren Stillstand und dann zum Zerfall des sozialen Gebildes. Es wird durch ein Übermaß an externer Lenkung zerquetscht.

Das Resultat ist die Abkehr von der herrschenden Macht. Ihr wird die Gefolgschaft verweigert.

Da sie selbst auf soziale Fragen keine anderen Antworten kennt als die Anwendung physischer oder psychischer Gewalt gegen die Fragenden, entblößt sich die Herrschaft zügig. Sie zeigt die Fratze der Tyrannei, so wie es in Frankreich zu beobachten ist. Emmanuel Macron hat kein Volk mehr, das ihm und seiner Regierung folgt.

Die Gelbwesten lassen sich nicht besänftigen von den Worten eines Mannes, der sich mehr als einmal als ihr sozialer Feind zu erkennen gab. Hätte der Ex-Banker auf dem Präsidentenstuhl auch nur eine Unze von einer Führungspersönlichkeit im Leib, würde er abtreten von der großen Bühne, die für ihn zu groß ist. Er tut es nicht, hält sich fest am Spielzeug Macht.

So bleibt es dem Publikum überlassen, den Schausteller von den Theaterbrettern zu brüllen. Welches Stück gespielt wird, auch wenn es kaum einer glauben mag, das bestimmt die Straße. Sie gewinnt, wenn sie durchhält, Macron und seinesgleichen verlieren, wenn sie nicht gewinnen.

Gewalt wird so zum letzten Strohhalm, gepaart mit dem Versuch, das eigene Handeln als moralisch unbedenklich zu rechtfertigen, weil die moralisch Verwerflichen ein paar Autos angezündet, Scheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert haben, während die Plünderung der Gesellschaft rechtlich ohne Beanstandung bleibt.

Gewalt ist keine Lösung, springt es mahnend durch den Kopf. Auch wenn der Gedanke stimmig ist mit dem Bild von der humanen Gesellschaft, so ist er doch gewöhnungsbedürftig im Verständnis vom Miteinander. Denn ist der Staat gewalttätig, verkriecht sich die Mahnung im Hinterstübchen, als hätte lediglich das Subjekt einen exklusiven Anspruch auf Ermahnung. Wie auch immer: Europa steht vor der Revolte.

Die Völker, der Eindruck verstärkt sich mit jeder Demonstration, jedem Streik und jeder Form zivilen Ungehorsams, sind der Drangsalierungen überdrüssig. Die Garrotte der Ausbeutung drückt immer mehr Hälse zu. Verstärkt wird die Würgung durch das entfesselte Kapital, das keine soziale Komponente kennt und raubt, was es rauben kann – verharmlosend Privatisierung genannt.

Es breitet sich in den Systemen aus, die die Gesellschaft stabilisieren sollten, sickert ein in Wissenschaft, Bildung, Gesundheit und Infrastruktur und zerstört wie Knochenkrebs die Substanz. An die Stelle von Werten zur sinnstiftenden Orientierung tritt der Wert verstanden als Messergebnis und Preis.

Die Entwertung der Werte

Seine Vollendung findet diese Transformation in den Regelwerken der Wertegemeinschaften: Nationen, aber auch Konzerne und Vereinigungen, schütten ihr Verständnis von Werten in juristisches Kauderwelsch. Die Versachlichung der ethischen Auseinandersetzung mit dem Dasein entzieht den Gemeinschaften ihr Lebenselixier, weil Werte eben kein Schriftgut sind, sondern allgemein erstrebenswerte, als gut und nützlich erkannte Wesensmerkmale, die der einzelne Mensch in seiner Gemeinschaft sowie bei Vorbildern und final in der großen Wertegemeinschaft leben und erleben sollte, damit sie in Fleisch und Blut übergehen. Zumindest in der Theorie.

Doch wo sind die Werte versteckt, wenn das Zusammenleben als Gesellschaft durch Tausende von Paragrafen und Verordnungen geregelt wird?

Sie sollen gar nicht ans Tageslicht gelangen, damit die Falle unsichtbar bleibt, in die jeder tappen muss: Die Entwertung der Werte. Der angebotene Ersatzstoff, das Recht, schiebt sich wie bei einer Mondfinsternis vor die Sonne der Selbstverpflichtung. Das ist nicht neu. Der Deserteur, der dem Wert der Unverletzlichkeit der Person folgt, und der in der Konsequenz der Gewalt entsagt, wird schon seit Ewigkeiten bestraft. Ein Oberst, der im Nordosten von Afghanistan Zivilisten bombardieren lässt, klettert die wertlose Preisleiter rauf – nicht Wert stand an seiner Seite, sondern das Recht. Das ist die herrschende Logik.

Werden Werte dem Menschen entrückt, werden sie verhandelbar und damit beliebig. Dieser Moment markiert das Ende der Wertegemeinschaft, die sich schließlich reduziert auf den Wettbewerb jeder gegen jeden – zu Gunsten der Asozialität eines Regelutilitarismus, der den Kapitalismus absichert. Staaten, Gruppen und jedes Individuum sind getrieben durch Konkurrenz zur Befriedigung der Kapitalgelüste, das blinde Befolgen von Regeln ist dafür zwingend erforderlich. Ein absurdes Beispiel liefert das sogenannte Gesundheitswesen.

Niemand will krank sein und der medizinisch geschulte Mensch, will dem Kranken helfen: So sollte es sein, wenn Werte zählen. In der Realität wird demjenigen, der krank ist, ein Preis zugemessen. Und jener, der medizinische Hilfe geben kann, wird entlohnt, wenn der Mensch krankt ist. Krankheit ist die Ware und die medizinische Kunst eine Dienstleistung. So wird der gesunde Mensch zum Negativwert und damit zur ökonomischen Störgröße im kapitalistischen Denken, während der Chroniker, verstanden als Dauerkunde, dem Ideal entspricht – er sorgt für Wert.

Triumph und Tris­tesse

Was im Kleinen gilt, gilt ebenso im Großen. Die Überhöhung der eigenen Gesellschaft gegenüber ökonomisch und vor allem militärisch schwächeren Völkern, die einen ökonomischen oder geostrategischen Wert darstellen – und die im Extrem rechtlich abgesichert mit Mord und Totschlag überzogen werden, um die eigenen Sachinteressen zu befriedigen –, ist ein Symptom der verfaulenden Strukturen nach außen. Der Kampf um Erwerbsarbeit oder bezahlbaren Wohnraum findet im inneren Zirkel statt, wo das Einkommen die Sklavenkette der Antike ersetzt hat. Wer sich nicht verwerten kann, trägt daran alleine Schuld und ist ohne Wert, in der von Wert befreiten Gesellschaft.

Dem Triumph folgt die Tris­tesse. Auf den Sieger wartet der nächste Konkurrent schon am Gartenzaun der Trostlosigkeit. So setzt sich die Epoche der Totalzerbröselung unbeirrt fort – die Zivilisationen zerfallen in der Dauerschleife des Wettbewerbs vor aller Augen.

Historische Beispiele gibt es genug. Die Sumer und das Reich von Akkade in Mesopotamien, die Maya und Inka in Südamerika oder das Weströmische Reich: Alle Hochkulturen verschwanden früher oder später mit mehr oder weniger lautem Getöse. Soziale Aspekte spielten dabei nicht unbedingt die Hauptrolle, doch beteiligt waren sie immer.

Was zum sozialen Wandel nicht mehr fähig ist, dass wird, der Idee der Evolution streng folgend, aus dem Genpool entfernt. Die Regel Survival of the fittest versagt in der globalisierten Welt – nicht die anpassungsfähigste Gesellschaft setzt sich durch und schon gar nicht die stärkste. Konkurrenz beschreibt das Kräftemessen von gestern, Kooperation die Erfolgsformel der Zukunft: Survival of the most cooperative.

Die Welt wird diese Lektion lernen. Nicht nur die ehemaligen Kolonialmächte und die USA, die ihren Wohlstand auf Raub, Sklaverei und Kriegen aufbauten, und die sich als getunte Industrienationen wie Thomas Mann’s Doktor Faustus an das feindseligste Ding überhaupt verkauften: eben an dieses nun entfesselte Kapital. Auf dessen Payroll reiten heute alle politischen Gewaltgebilde – und dazu gehören Staaten nun einmal, dass wusste nicht allein Max Weber.

Ob Demokratie, Diktatur oder Monarchie – ausnahmslos jedes Regime[1] der Gegenwart steht unter dem Einfluss der kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzordnung, dessen Wesen eine unbestreitbare Tatsache in sich trägt: Alle Macht geht vom Kapital aus.

Das war in Westeuropa lange Zeit erträglich. Sozialvertrag nannte sich eine dieser Beruhigungspillen, die dankbar geschluckt wurden, als hätte soziales Verhalten tatsächlich etwas mit einem Vertrag zu tun.

Der reale Turbofinanzkapitalismus zum Beispiel, gleichzusetzen mit unnachahmlicher Verantwortungslosigkeit und fehlender Perspektive, kennt das Wort sozial nicht. Er ist weder gemeinnützig noch hilfsbereit oder barmherzig, sondern nimmt, was er kriegen kann, und sei es die letzte Scheibe Brot vom Teller eines Verhungernden.

Der Endboss

Wo das eigene Handeln zum riesigen Plus auf dem Konto führt, entsteht irgendwo ein gigantisches Minus. Nimmt das ökonomische Ungleichgewicht überhand, die Fans des Monopoly kennen sich aus, ist das Spiel noch während des Spiels vorbei und der nette Abend ebenfalls; kommt es ganz hart, ist der soziale Frieden dahin und es herrscht die Diktatur des Streits.

Diese Weisheit aus den Tiefen der Brettspiele gilt im Turbokapitalismus für jene, die kein Kapital besitzen, das Macht entfalten könnte, wie es auch überraschenderweise für diejenigen gilt, die durch die Macht des Kapitals direkt oder indirekt das Spielfeld beherrschen. Es ist eine Groteske: Selbst die Herrschenden treffen auf ihren Endboss in Gestalt von Revolutionen, Kriegen, ökologischer Grenzen und des persönlichen Ablebens. Der Volksmund weiß es: Auch ihr letztes Hemd hat keine Taschen.

Wer vom beschwerlichen Diesseits ins unvermeidliche Jenseits wechselt, ob nun als untergehende Zivilisation oder mit dem Namen Bettencourt, Andresen, Koch, Albrecht, Bezos, Heister, Bloomberg, Ellison, Ortega, Zuckerberg oder Jedermann auf dem Grabstein, der geht wie er kam: als Staubkorn in der Zeit.

Vielleicht erbarmt sich jemand und wirft ein paar Goldstücke für den Fährmann mit in die Grube, was keine Gewähr ist, dass die klingende Münze den Adressaten tatsächlich erreicht.

Wer etwas glänzendes auf der letzten Reise dabei hat, der wird vom Tross gerne gefleddert. Nicht nur die verwelkten Pharaonen vom Nil wissen davon ein Lied zu singen. Schwamm drüber: Jeder lebt im Hier und Jetzt und träumt vom Immer.

Träume haben aber Schönheitsfehler. Zum einen sind sie nicht real und zum anderen wird irgendwann aufgewacht – dann it’s all over now, Baby Blue. Hin und wider wird vor Schreck aus dem Bett gefallen. Warum eigentlich?

Die Faust ballt sich in der Tasche beim flüchtigen Blick auf die Fakten:

Das Artensterben nimmt dramatisch zu, der Ökokollaps droht. Jeder dritte Mensch auf dem Planeten leidet an Mangelernährung, gleichzeitig gehen gigantische landwirtschaftliche Flächen durch Erosion und Urbanisierung verloren[2].

Weltweit sind 194 Millionen Menschen ohne Erwerbsarbeit. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 13 Prozent. Alle Staaten stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten, verschuldet sind sie alle. Und jeder weiß, dass diese Schulden niemals zurückgezahlt werden können, völlig egal, wie schnell die Wirtschaft wächst. Ein Reset per Schuldenschnitt ist tabu, ein Crash des finanziellen und sozialen Gefüges folglich nicht ausgeschlossen.

Als ewiger Notausgang bleibt die Hohe Schule der Gewalt: Krieg, um möglichst viel Kleinholz zu fabrizieren, damit sich die gesellschaftlichen Überreste an einem neuen Wirtschaftswunder erfreuen können.

Radikale Wege aus der Schuldenfalle bleiben verschlossen und führen zum Niedergang. Griechenland[3] liefert in Europa ein trauriges Beispiel. Ja, die Wirtschaft wächst, aber zu welchem Preis? In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote bei fast 40 Prozent. Da wird eine ganze Generation auf dem Scheiterhaufen der neoliberalen Strategie verbrannt. Nichts geschieht ohne Grund: Private Gläubiger sind bemüht, Griechenland Stück für Stück auszuschlachten. Jedem Staat in Europa, so viel Weitblick sei erlaubt, wird es so ergehen.

Privatisierung, dieses von der Politik als Heilmittel gegen leere Kassen vergötterte Gift, ist nichts anderes als die Abwicklung einer Insolvenz auf der betriebswirtschaftlichen Klaviatur. En passant wird das Recht gekapert, die Demokratien scheibchenweise abgeschafft und die Bevölkerung politisch komplett entmachtet. Eine neufeudalistische Ordnung zieht am Horizont auf. Eine Zukunft hat sie nicht, weil sie Werte wie Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Bescheidenheit, Idealismus, Höflichkeit, Toleranz Solidarität oder Vertrauen nicht durch Preis ersetzen kann und sich daher selbst zersetzt.

Der Zug des globalen Nordens rast mit überhöhter Geschwindigkeit. Mal eben voll in die Bremsen zu treten erscheint riskant, könnte es das lieb gewonnene Gefährt doch glatt aus der Schiene werfen. Auf der anderen Seite ist nicht zu übersehen, dass diese veraltete Lokomotive auf dem Schachbrett der Weltwirtschaft eher früher als später mit der automatisierten Dampfwalze aus China kollidieren wird, der per Handelskrieg seitens der USA der Saft abgedreht werden soll. Ob dieser Move funktioniert ist eher fraglich. Alles in allem: Es sind wenig erfreuliche Aussichten.

Werten wieder Wert zugestehen

Stellt man sich die Welt eurozentrisch vor, was in Anbetracht der Lage gewagt erscheint, und nimmt zur Kenntnis, dass sich auf der einen Hälfte der Erdkugel ein absterbendes Imperium einigelt und sich auf der anderen eine neue Weltmacht ausbreitet: Wo liegt Europa dann?

In der Mitte vom Sandwich, wo beim ersten Bissen die Mayonnaise austritt.

Gibt es Optionen? Natürlich. Den Werten wieder Wert zugestehen. Dem unbekannten Nachbarn wieder einen guten Tag wünschen zum Beispiel, mit der Kassiererin beim Discounter ein paar aufmunternde Worte wechseln, überhaupt mehr aufrichtige Kommunikation zulassen, ohne Erwartung eines Vorteils. Das Subjekt als Subjekt behandeln – eine Hürde, die ebenso unüberwindlich erscheint, wie das System, in dem alle leben.

Der Ausbruch wäre zu suchen in der radikalen Abkehr von Kapitalismus und Militarismus verbunden mit dem Übergang in eine kooperative und der Konkurrenz entsagenden Gesellschaft; dies bleibt in der großen Struktur reine Utopie, solange die auf Preis fixierte Verantwortungslosigkeit das Zepter schwingt.

Und da sich die Verantwortungslosen nie selbst infrage stellen oder gar einräumen, auf der sozialen Ebene unnachahmlich zu versagen, sondern unbeirrt Kurs halten, bleibt auf den Unterdecks der Klassengesellschaft die demokratische Selbstorganisation auf Basis gemeinsamer Werte und Ziele als politische Möglichkeit.

Und in den noch intakten lokalen und regionalen Gemeinschaften, in den Dörfern und Kleinstädten, beispielsweise die Etablierung von gemeinnützigen Genossenschaften und Bürgerstiftungen als Modelle zur Sicherung von Infrastruktur, Strom, Wasser, Bildung und landwirtschaftlicher Grundversorgung – auch um sich auf das vorzubereiten, was im Worst Case nach der Mayonnaise kommt: Ein angebranntes Hemd.


Quellen und Anmerkungen

[1] Der Begriff Regime wird in den Politikwissenschaften wertneutral verwendet, um Ordnungs- und Regelungssysteme zu beschreiben, also jede Art von Regierung oder eine Regierungsform, Staatsform und jede andere Form der Herrschaft und Leitung in einem gesellschaftlichen Gebilde.

[2] Speiseräume: Dramatischer Verlust an Ackerland: Stadtplanung ist Weltpolitik. Auf https://speiseraeume.de/dramatischer-verlust-an-ackerland-stadtplanung-ist-weltpolitik (abgerufen am 02.12.2018).

[3] Eurostat: Länderprofil Griechenland. Auf https://ec.europa.eu/eurostat/guip/introAction.do?profile=cpro&lang=de&theme=POP&country1=EL&country2=EU28 (abgerufen am 02.12.2018).


Foto: Annie Spratt (Unsplash.com).

Gunther Sosna studierte Psychologie, Soziologie und Sportwissenschaften in Kiel und Hamburg, und arbeitete im Bereich Kommunikation, Werbung und als Journalist für Tageszeitungen und Magazine. Er lebte über zehn Jahre im europäischen Ausland und war international in der Pressearbeit und Werbung tätig. Er ist Initiator von Neue Debatte. Regelmäßig schreibt er über soziologische Themen, Militarisierung und gesellschaftlichen Wandel. Außerdem führt er Interviews mit Aktivisten, Politikern, Querdenkern und kreativen Köpfen aus allen Milieus und sozialen Schichten zu aktuellen Fragestellungen.

7 thoughts on “Wenn die Mayonnaise an den Seiten austritt

  1. Das alles ist fast allen bekannt, die Symptome treten immer deutlicher hervor. Doch lässt es sich nicht mehr reformieren. Demos, Streiks, Revolten sind nur ein letztes Aufbäumen um letztendlich den Status Quo zu erhalten. Denn eine radikale Umkehr die nötig wäre, scheitert an der Trägheit der Masse. Das ist nicht verwunderlich, sondern eine physikalische Gesetzmässigkeit.

    Was bleibt ist der Niedergang, so zuvor es allen anderen Kulturen ergangen ist. Nur so kann etwas neues, etwas anderes entstehen. Ob es besser werden wird? Wohl kaum, denn die Geschichte(n) und der damit verbundene Schmerz werden verblassen. Also wird es wohl nur eine Zukunft der immer wieder untergehenden Kulturen geben. Eine ständige Wiederholung des Alten im neuen Gewand. Und ewig grüsst das Murmeltier. Und darin liegt vielleicht der Schlüssel zum Bewusstseinssprung des Menschen. Nicht die Geschichte wird uns lehren, sondern die Verzweiflung der tödlichen Wiederholungen aus dem ewig Gestrigen.

    1. So in etwa sehe ich das auch. Diese etwa 7-10 000 jährige patriarchale und kriegerische Hirtenkultur- unsere “Zivilisation”- ist letztendlich vor allem eine Entwicklung von Gewalt gewesen, in der eine gesunde geistige Entwicklung, die der “Krone der Schöpfung” eigentlich würdig gewesen wäre, immer und überall von den Interessen der Machtgeilen erstickt wurde(das probateste Mittel war wohl immer neben den Kriegen der politische Mord und die damit verbundene Angstmache). So lange die gewaltbereite Geilheit zur Macht auf der einen Seite und der devote Glaube an Gewalt auf der anderen nicht versiegen, wird es keine gesunde Menschengesellschaft auf diesem Planeten mehr geben. Mein eigener erster Schritt aus diesem fatalen Denkmuster bestand seit den 1970-er Jahren in meiner Ernährungsumstellung. “Die gefährlichste Waffe der Welt ist die Gabel”.(Gandhi)

      1. Ja genau, aber nicht nur die Gabel, sondern fast jeder (technische),(überflüssige) Konsum ist quasi eine Kriegserklärung. Sei es durch den Ressourcenraub, die Ressourcenkriege, oder die Ausbeutung der Menschen durch Billiglohn (Sklavenhaltung). Und nicht zu vergessen, den Krieg gegen Mutter Erde!

  2. Diese wütende Analyse gefällt mir. Viel Hintergrund- Wissen und spannend geschrieben. Aber wer ist denn nun der Autor, die Autorin?

    1. Dank für das Lob und die Frage nach dem Autor. Da wir die Seite zurzeit umgestalten, findet Sie nun Hinweise zu den Autorinnen/Autoren am Ende des jeweiligen Beitrags in einer Autoren-Box.

  3. Hier in Sachsen sind seit einiger Zeit große Reklametafeln mit martialischer Offizierswerbung verortet. Mir kommt da so eine Idee…. Vielleicht spricht der Buschfunk bald davon…

    LG
    Der Friedfertige

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