Farben als Ausdrucksmittel für Sprache. (Foto: Aashish R Gautam, Unsplash.com)
Vokale sind das Licht der Sprache, in der Dichtung ist dieses Licht der Schleier des Gedankens.

Jahrelang ging ich wie selbstverständlich davon aus, dass die Sprache in jedem von uns Farbassoziationen hervorruft. Ich war überrascht, als ich herausfand, dass die wenigsten Menschen in Farbe hören. Eine farblose Sprache, entsetzlich …! Was nützt einem ein Gedicht, wenn es sich nicht in seine Farben kleiden darf? Was ist ein Gespräch unter Liebenden, wenn nur einer dabei ein Farbbad nimmt?

A = schwarz, E = weiß, I = gold, O = grau, U = weinrot, Y = silber.

Wenn ich als Kind zu müde war, um auf Inhalte zu achten, dann habe ich mich an die Lautmalereien gehalten. Sie verrieten mir, worum es im Wesentlichen ging und wer mit welcher Zunge zu mir sprach.

Namen sind Farbkleckse. Adolf: schwarzgrau. In welcher Weise die Konsonanten zur Färbung der Worte beitragen, steht auf einem anderen Blatt.

Rimbaud. Rim-ba-ud. Würde man den Namen des Dichters deutsch ablesen, klänge er gold-schwarz-rot, auf französisch ist er grünblau. Arthur Rimbaud. Es freut mich, dass ich die Bestätigung ausgerechnet von ihm erhalten habe. Ich fand ein Gedicht von ihm aus dem Jahre 1871:

VOKALE. A schwarz, E weiß, I rot, Ü grün, O blau. Einst künd ich den verborgnen Grund, den ihr entstiegen …!Jean Nicolas Arthur Rimbaud (1854 - 1891)

Vokale sind das Licht der Sprache, in der Dichtung ist dieses Licht der Schleier des Gedankens.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Dirk C. Fleck ist einer von 258 Gedanken aus seinem Buch „La Triviata – Der Duft der Achtziger“. Er schrieb sie vor 33 Jahren auf und veröffentlichte sie erst 2018 im Verlag p.machinery. Mehr Informationen zum Buch und über den Autor gibt es auf der Webseite von Dirk C. Fleck.


Foto: Aashish R Gautam (Unsplash.com)

Dirk C. Fleck (Jahrgang 1943) ist freier Journalist und Autor aus Hamburg. Er machte eine Lehre als Buchhändler, besuchte danach in München die Deutsche Journalistenschule und absolvierte Mitte der 1960er ein Volontariat beim „Spandauer Volksblatt Berlin“. 1976 siedelte er wieder nach Norddeutschland über und arbeitete bei der „Hamburger Morgenpost“, wo er Lokalchef wurde. Später war er Chefredakteur des „Hanse-Journal“, Reporter bei „Tempo“ und Redakteur bei „Merian“. Er arbeitete im Auslandsressort der Wochenzeitung „Die Woche“ und schrieb ab Mitte der 90er Jahre als freier Autor und Kolumnist für Tageszeitungen (u.a. Die Welt) und Magazine wie zum Beispiel Stern, GEO und Spiegel. Seit den 1980ern setzt er sich journalistisch mit den ökologischen Folgen der zügellosen kapitalistischen Wirtschaftsweise auseinander und verarbeitet seine Erfahrungen, Überlegungen und Recherchen in Romanen. Das Buch „Palmers Krieg“ erschien 1992 und beschäftigt sich mit der Geschichte eines Ökoterroristen. „GO! Die Ökodiktatur“ (1993) ist eine Auseinandersetzung mit den Folgen des Ökozid. Außerdem erschienen von Dirk C. Fleck die Bücher „Das Tahiti-Projekt“ (2008), „MAEVA!“ (2011), „Die vierte Macht – Spitzenjournalisten zu ihrer Verantwortung in Krisenzeiten“ (2012) und „Feuer am Fuss“ (2015).