Is this the future: Etwas Neues beginnt

Ich freue mich, wenn Du das liest, und an dem Prozess des Austausches teilnimmst.

Ich sehe aktuell drei grundlegende Probleme und beschreibe dazu meine Lösungsvorschläge.

Erster Punkt

In der Vergangenheit haben sich menschliche Gesellschaften typischerweise um „Große Erzählungen“ gebildet, beispielsweise Religionen, oder auch politische Utopien. Das ist zumindest in meinem Umfeld heute nicht mehr so. Die Ideale der Meinungsfreiheit, der Individualität, generell der Freiheit, etc. haben dazu geführt, dass es keine ideelle Grundlage der Gesellschaft mehr gibt. Die Gründe dafür sind historisch sehr verständlich, oft genug wurde das „Gemeinsame Wir“ missbraucht, und für Herrschaft und Kampf instrumentalisiert.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir für eine friedliche Zukunft der Menschheit eine gemeinsame ideelle Grundlage brauchen. Zur Veranschaulichung schlage ich meinen persönlichen Satz vor, und führe den Gedanken danach fort. Mein persönlicher Satz lautet:

Ich bin ein Teil von allem. Alles ist ein Teil von mir.
Ich gebe, was ich kann. Ich nehme, was ich brauche.
Nur die Liebe zählt.

Es geht also um die umfassende Verbundenheit, um den fairen Austausch, und schlussendlich um die Liebe. Der Satz soll für alle Menschen aller Kulturen und Weltanschauungen zugänglich sein. Natürlich ist er so formuliert, dass er ein friedliches Miteinander ermöglichen soll. Wenn ein Satz gefunden wird, der dies besser zum Ausdruck bringt, oder besser aufgenommen wird, freue ich mich sehr. Der Sinn dieses (oder eines besseren) Satzes ist es, ihn zur gedanklichen Grundlage unserer Gesellschaften zu machen. Es geht also durchaus darum, ihn gemeinsam zu diskutieren, zu testen („Stimmt das überhaupt?“), ihn in Schulen zu lehren, und ihn bei öffentlichen Veranstaltungen zu sprechen. Das gedankliche Fundament unserer Gesellschaft muss sichtbar und spürbar sein, damit es uns tragen kann.

Zweiter Punkt

Der zweite und der dritte Punkt betreffen jeweils eine systemische, organisatorische Frage. Punkt Nr. 2 behandelt den Nationalstaat. Der Nationalstaates erweckt den völlig falschen Eindruck, dass meine Interessen fundamental verschieden sind von den Interessen jener Menschen, die nicht den selben Reisepass besitzen wie ich. Wenn also z.B. „Österreich“ gegen „Ungarn“ „kämpft“ (auf diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher, sportlicher Ebene, etc.), dann soll es für mich ein Vorteil sein, wenn „Österreich“ gewinnt, und „Ungarn“ (bzw. die Menschen in Ungarn) verliert, weil ich einen Österreichischen Pass besitze. Das ist vollkommen absurd. Es wird höchstens nachträglich dadurch untermauert, dass sich „Österreich“ auf Kosten von „Ungarn“ bestimmte Vorteile sichert. Das ist alles sehr abstrus, denn einen echten Sieg erkennt man daran, dass alle Beteiligten gewinnen.

Trotzdem ist das nationale Denken extrem wirkmächtig, denn aktuell ist der Nationalstaat der zentrale Punkt, wo die Menschen einerseits ihre politische Mitbestimmung verankert sehen (Parlamentswahlen), und wo andererseits auf globaler Ebene Interessen ausverhandelt werden.

Besonders hässlich zeigt sich die aktuelle Situation im Bezug auf das Erstarken populistischer Rechtsparteien. Der Nationalstaat ist kein neutraler Rahmen, der nach dem „Willen des Volkes“ mit „linker“ oder „rechter“ Politik bespielt werden kann. Der Nationalstaat ist per se ein Mittel der Exklusion. Wenn es um die Haltung gegenüber Flüchtlingen oder um internationale Solidarität geht, lässt er ausschließlich jene bestimmen, die über die „richtige“ Staatsbürgerschaft verfügen, und damit wahlberechtigt sind. Das ist so ähnlich wie die Situation im Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden, wo es den Männern oblag, zu entscheiden, ob Frauen wählen dürfen. Dieses Ansinnen haben die Männer noch 1990 abgelehnt, und schließlich musste das Schweizer Bundesgericht das Frauenwahlrecht durchsetzen. Analog stimmen momentan die „Österreicher“ darüber ab, ob sie ihren Reichtum mit den Menschen teilen wollen, die der Zufall der Geburt in eine arme Region geworfen hat.

Das nationale Denken erscheint mir so: Ein großes Schiff mit vielen Passagieren fährt über das Meer. Plötzlich beginnt es in einer Kabine zu brennen – wie reagieren die Passagiere? Sie sagen: „Oh, ich bin sehr froh, dass es nicht meine Kabine ist, die brennt“ „Denkt Du auch, das die Leute, deren Kabine brennt, selbst am Brand schuld sind?“ – und ignorieren völlig, dass sich das Feuer ausbreiten wird, wenn man es nicht gemeinsam löscht…

Ich bin also der Überzeugung, dass im Sinne einer friedlichen Entwicklung der Menschheit der Nationalstaat abgeschafft werden muss. Was könnte an seine Stelle treten? Einige Worte zur Einleitung: Prinzipiell bin ich ein großer Fan von Autonomie und Selbstbestimmung. Meine Idee wäre es also, einen neuen globalen Rahmen zu schaffen, der von den Menschen vor Ort sehr unterschiedlich gefüllt werden kann. Deshalb beschreibe ich hier nur diesen allgemeinen Rahmen, und die Bitten, die sich an alle Menschen und allfällige regionale Verwaltungen richten. Auf einige Ideen, die ich für mein persönliches Lebensumfeld habe, kommt ich in Punkt 3 zu sprechen.

Was tritt also an die Stelle der Nationalstaaten? Ich gehe sehr wohl davon aus, dass es sinnvoll ist, die ganze Landmasse der Erde nach bestimmten Kriterien aufzuteilen. Der Grund dafür ist, dass die Erde unsere Lebensgrundlage ist, und dass wir sie dementsprechend gut behandeln sollen. Deshalb schlage ich die Aufteilung der Landmasse der Erde in sogenannte „Verantwortungsgebiete“ (responsibility areas) vor. In jedem Gebiet sollen ca. 10 Mio. Menschen Ihren fixen Wohnsitz haben (bei 8 Mrd. Weltbevölkerung sind das ca. 800 Gebiete). Die Grenzen der Gebiete sollen von einem internationalen Team (aus Geographie, Geschichte, etc.) unter Einbindung der Bevölkerung vor Ort beschlossen werden. Die Grenzziehungen folgen anhand von drei Parametern (in dieser Reihenfolge).

  1. Ozeane, hohe Gebirge, natürliche Begrenzungen
  2. Sprachgrenzen
  3. historische und kulturelle Gemeinsamkeiten

Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn dieser Prozess von vielen Menschen unterstützt wird, und bald beginnt. Allerdings möchte ich dem Prozess durchaus Zeit geben, und uns Zeit lassen, vom nationalen Denken Abschied zu nehmen. Ich könnte mir eine Übergangsfrist von 50 Jahren vorstellen. Dazu möchte ich anmerken, dass diese Grenzziehungen im Sinne des Satzes von Punkt 1 keine „Sieger“ und „Verlierer“ produziert. Es geht darum, den Menschen einer Region genau aufzuzeigen, bis wohin ihre Verantwortung zur Bewahrung der Ökosysteme reicht, und wo der nächste Verantwortungsbereich beginnt. Wenn ein Gebiet weniger als 8 Mio., oder mehr als 15 Mio. Menschen umfasst, werden die Grenzen adaptiert. Natürlich ist der Maßstab der Grenzziehung rein am menschlichen Faktor orientiert (der Bevölkerungszahl), aber es geht ja auch um das Ausmaß der menschlichen Verantwortung. Dementsprechend entstehen so Gebiete von sehr unterschiedlicher Größe, aber hoffentlich von gleicher „Mächtigkeit“. Natürlich ist es sehr gewünscht, dass die Gebiete miteinander kooperieren, und sich gegenseitig unterstützen. Folgende 4 Wünsche richten sich an jedes Gebiet:

  • Der Wunsch nach Erfassung jedes dort lebenden Menschen, sowie einer Möglichkeit, mit ihm/ihr in Kontakt zu treten (z.B. Mail-Adresse, Post-Adresse, etc.).
  • Der Wunsch, mit den Ökosystemen des jeweiligen Gebietes, und insbesondere mit den Bodenschätzen, behutsam und solidarisch umzugehen.
  • Der dringende Wunsch, keine aggressiven Akte gegen andere Gebiete zu richten, und keine Waffen zu produzieren, die zum Einsatz gegen Menschen bestimmt sind.
  • Der Wunsch, keine Hoheitssymbole einzuführen, und auf Flaggen, Nationalhymne und Ähnliches zu verzichten. Um sich global „vorzustellen“, mag ein leicht bearbeitetes Foto eines markanten Wahrzeichens genügen.

Ich denke, alles andere kann in den jeweiligen Gebiet autonom entschieden und geregelt werden. Noch einige Worte zur „Beheimatung“.

Wie zu allen Zeiten, wird wohl auch in Zukunft die wichtigste Heimat für die Menschen die Familie und der Freundeskreis sein. Durch den Lebensmittelpunkt gründet sich auch die geographische Beheimatung in einem Gebiet. Darüber hinaus möchte ich aber noch ein „globales Zuhause“ vorschlagen. Das funktioniert so, dass jeder Mensch selbst einen „Verein“ auswählen kann, dem er/sie angehören möchte. Vielleicht ist es möglich, dass jeder dieser Vereine ein weitverzweigtes Netzwerk an „Clubs“ oder Treffpunkten errichtet, sodass ich dort ein Stück Gemeinschaft in meinem unmittelbaren Lebensumfeld finde. Das Thema des Vereins soll den wichtigsten Teil meiner Identität abbilden. Ich schlage folgende 12 Themen vor:

Ich bin ein Mann; Ich bin eine Frau; Ich bin jung; Ich habe Kinder; Ich bin alt; Ich lebe in der Stadt; Ich lebe auf dem Land; Ich lebe am Meer; Ich bin modern/progressiv; Ich bin konservativ/traditionell; Ich interessiere mich für Sport; Ich bin religiös; Ich bin schwarz; Keines von den anderen; Alle diese Themen leben vom Interesse, das Ihnen entgegen gebracht wird. Die Bitte ist, dass sich jeder Mensch nach Selbsteinschätzung einer der Gruppen zuteilt. Er/sie kann natürlich auch jederzeit wechseln, aber ich würde vorschlagen, dass bei einem Wechsel eine Wartezeit von einem halben Jahr besteht, damit die Entscheidung mehr Gewicht bekommt.

Die optimale Zahl der globalen Identitäts-Gruppen ist 12. Allerdings kann es auch sein, dass (zumindest eine Zeit lang), zwischen 10 und 15 Gruppen bestehen. Wenn eine Gruppe nämlich weniger als 5 % der Menschen verbindet, wird sie aufgelöst, bzw. einer anderen Gruppe eingegliedert. Wenn eine Gruppe mehr als 20 % der Menschen umfasst, wird sie aufgeteilt, und damit weiter spezifiziert. Die einzige Gruppe, die immer bestehen bleibt, ist die „Keine von den anderen“. Sie dient auch als Sammelbecken für eine allfällige neue Gruppenbildung. Ich nenne oben meine Vorschläge für den Start der Gruppen – vielleicht gäbe es auch genug globales Interesse für eine Gruppe „Ich liebe Musik/Tanz“…

Das doppelte System der „Verantwortungsgebiete“ und der „Identitätsgruppen“ bildet auch die Grundlage des globalen Austausches. Es gibt keine „UNO“, oder eine Weltregierung.

Aus jedem Gebiet wird per Zufallsgenerator eine Person (von z.B. mindestens 8 Jahren) ausgewählt, die zum globalen Treffen fährt. Bei diesem Treffen darf jede Person vor allen anderen z.B. 3 Minuten über die aktuelle Situation in ihrem Gebiet erzählen. Das ganze Treffen wandert ebenfalls zufällig über den Globus, und die Ausrichtung ist eine Ehre für das jeweilige Gebiet. Das Treffen soll Festcharakter haben, und viel Austausch und gemeinsame Erlebnisse ermöglichen (Tanz, etc.). Die lokale Bevölkerung ist herzlich zur Teilnahme eingeladen! Natürlich ist es ganz wünschenswert, dass viel über diese Treffen berichtet wird (mündlich, über Medien, Internet, über die Inhalte, etc.)

Allerdings wird dort nichts beschlossen oder „abgestimmt“.

Ich vermute, dass das Treffen zwischen zwei und drei Wochen dauern dürfte. Mein Vorschlag wären 6 Treffen pro Jahr, also jeden 2. Monat. In den „Identitätsgruppen“ möchte ich vorschlagen, dass eine globale Sprecherin oder ein globaler Sprecher gefunden wird. (Für die Auswahl habe ich noch keine konkrete Idee, vielleicht am einfachsten per Internet). Diese 12 Personen werden hauptberuflich für Ihre Rolle bezahlt, sie sollen sich oft treffen, und versuchen, im Sinne Ihres Themas globale Verbesserungen zu erreichen. Vielleicht ist es auch gewünscht und möglich, aus ihren jeweiligen Gruppen Ressourcen für Ihre Tätigkeit zu sammeln. Soweit zur globalen Ebene. Nun zu Punkt 3, den ich auf mein persönliches Gebiet beziehe.

3. Punkt

Wie oben angesprochen, liegt die weitere politische Ausgestaltung in den Händen der jeweiligen Gebiete. Allgemein vermute ich, dass folgende drei Prinzipien eine gute Politik für alle ermöglichen: Entscheidungen sollen möglichst dezentral fallen und umgesetzt werden, sie sollen möglichst transparent gemacht werden, und sie sollen aufgrund breiter Partizipation der Betroffenen erarbeitet werden. Das ist natürlich auch eine Kritik am System der derzeitigen repräsentativ-parlamentarischen Demokratie. Natürlich gibt es wesentlich Schlechteres, aber für eine friedliche Zukunft scheint dieses System nicht geeignet zu sein.

Stattdessen möchte ich den hohen Wert von sozialen Gruppen mit gegenseitiger Unterstützung betonen, und viel freien Raum für Eigenverantwortung und Selbstbestimmung schaffen – natürlich im Kontext der Reflexionsfläche, die eine soziale Gruppe bietet.

Darüber hinaus gibt es zweifelsohne noch viele offene Fragen, z.B.: Wie groß können/sollen Städte sein, damit sie eine gute Lebensqualität bieten, und ökologisch vertretbar sind? Wie sollen Verwaltung und Gerechtigkeit administriert werden? Wie sollen Wirtschaft und Arbeitswelt organisiert sein?

Dazu einige allgemeine Gedanken, was ich mir diesbezüglich für mein Gebiet wünsche:

Angelehnt an die „Vier-in-einem-Perspektive“ von Frigga Haug würde ich jedem Menschen empfehlen, seine Energie und Lebenszeit etwa gleichmäßig auf die folgenden vier Felder aufzuteilen (natürlich gibt es Überschneidungen):

Politik/Gesellschaft/Vereine;
Pflege/Familie/Haushalt;
Erwerbsarbeit;
Persönliche Entwicklung/Freizeit/Freunde/Nachbarn;

Weiters möchte ich anregen, die Bezahlung der Erwerbsarbeit gemeinschaftlich zu bestimmen. Dazu werden alle bezahlten Tätigkeiten in z.B. 20 Kategorien eingeteilt (wobei mir die Kategorie: „Keine der anderen“ wiederum sehr wichtig ist). Dann wird für jede Kategorie gemeinsam entschieden, wie viel unserer gesellschaftlichen Arbeitsleistung dort eingesetzt werden soll. (z.B. Anbau und Ernte von Lebensmitteln – 10 % der Bevölkerung).

Außerdem wird gemeinsam entschieden, wie hoch das durchschnittliche Gehalt ist (als reines Rechenbeispiel: 1000 €).

Jeder Mensch sucht sich nun selbst seine Arbeit aus. Wenn allerdings gemeinsamer Entschluss und individuelle Wahl in einem Missverhältnis stehen (beispielsweise wollen sich 15 % der Bevölkerung um Lebensmittel kümmern), dann wird dadurch der Durchschnittslohn in dieser Kategorie entsprechend rechnerisch abgesenkt, im konkreten Beispiel wäre der Durchschnittslohn dann 667 € (wie gesagt, reines Rechenbeispiel; Wenn es jemand damit besser geht, kann er gerne 6.667 € als Rechenbeispiel verwenden).

Weiters wünsche ich mir, dass es ein transparentes und faires System der Leistungsbeurteilung gibt. (Nur um ein illustratives Beispiel zu nennen: Wenn jemand zum Beispiel durchwegs digital bezahlt wird, könnte man die Möglichkeit schaffen, jeden Bezahlvorgang mit einem „Gut-“ oder „Mangelhaft-Button“ zu kommentieren. Wenn jemand ausschließlich „Mangelhaft“-Bewertungen bekommt, sinkt sein Lohn auf die Hälfte des Durchschnittslohnes in der jeweiligen Kategorie ab, im Beispiel also 333 €. Wenn jemand ausschließlich gute Bewertungen sammelt, kann sein Lohn maximal das Doppelte des Durchschnitts werden, im Beispiel also 1.333 €).

Falls jemand (auch angesichts des Satzes von Punkt 1) einen möglichst hohen Verdienst erzielen möchte, gibt es dafür zwei Ansatzpunkte:

  1. Die Wahl einer unterbesetzten Kategorie, sprich wo gesellschaftlicher Wunsch und individuelle Entscheidung weit auseinander liegen.
  2. Das Sammeln von möglichst vielen guten Bewertungen.

Die Spreizung der Einkommen für Angestellte verbleibt damit aber jedenfalls zwischen der Hälfte des gemeinsam festgelegten Einkommens, und des Doppelten. Daneben gibt es natürlich ebenfalls die Möglichkeit, als Selbstständiger sein Unternehmen aufzubauen, und Geld zu verdienen – das ist sehr willkommen. Für alle großen finanziellen Investitionen, die ein Individuum tätigen möchte, soll eine faire und transparente öffentliche Kreditvergabe aufgebaut werden. Zinsen lehne ich eher ab.

Außerdem würde ich stark empfehlen, juristische Personen abzuschaffen (also die Idee, dass etwas von einem rechtlichen Konstrukt – AG, GmbH, etc. – besessen werden kann, statt von einer Person). Diese Besitzmöglichkeit soll nur für Organisationen der Gesellschaft möglich sein, also z.B. für Genossenschaften und Vereine. Überhaut würde ich Steuern und Erben abschaffen. Wenn ein Mensch verstirbt, so geht sein ganzer Besitz an die Gesellschaft über (außer persönlichen Erinnerungsgegenständen). Damit deckt die Gesellschaft die Kosten für die Infrastruktur und die Dienstleistungen, die sie anbietet und aufgebaut hat.

Insbesondere würde ich empfehlen, dass sie jedem Mensch bei Erreichen der Volljährigkeit ein kleines Startkapital überreicht, und eine kleine Eigentumswohnung übergibt. Leistbarer Wohnraum ist ein großes Thema: Ich könnte mir vorstellen, dass global ca. 20 qm pro Person eine brauchbare Größenordnung darstellen. Eine Wohnung für eine Einzelperson könnte vielleicht eine Größe von ca. 30 qm haben? Hier ist wohl auch in Betracht zu ziehen, ob jemand in einer Stadt leben will, oder ob er/sie bereit ist, auf dem Land zu leben.

Ich denke, es ist ganz sinnvoll, uns in Erinnerung zu rufen, dass unsere materiellen Bedürfnisse nicht überbordend groß sind. Der meiste Überkonsum rührt eher aus ungesunden Umständen, als aus einem tatsächlichen Bedürfnis.

Die Grundbedürfnisse sind ja:

Was esse ich? (inkl. Trinken)
Wo wohne ich? (Haus, Wohnung, Hütte)

Dazu noch einige weitere Fragen wie: Was ziehe ich an? Welche Ressourcen habe ich für Kochen, Waschen, Beleuchtung? Wie halte ich mich sauber und gesund? Benötige ich ein Entsorgungssystem? Wie bewege ich mich fort?

Und vielleicht benötigt auch die folgende Frage materielle Mittel: Wie kommuniziere ich mit anderen, und wie unterhalte ich mich? Wie mache ich mich oder meine Umgebung hübsch?

Das ist aber bestimmt alles machbar, ohne dadurch die Erde zu ruinieren, oder Tieren allen Lebensraum zu versagen, oder Ihnen ständig Leid anzutun.

So, nun zu einem kurzen Resümee: Was ist also zu tun?

Als ersten Schritt empfehle ich die Prüfung des Satzes von Punkt 1, tiefgehende innere Auseinandersetzung damit, häufige (innere) Rezitation, und Anwendung in möglichst vielen Situationen; Ein weiterer Schritt ist der Widerstand gegen jedes nationale Denken, und die Überlegungen, wie man persönlich zur Überwindung des nationalstaatlichen Korsetts beitragen kann. Hierzu zählen insbesondere alle Bemühungen um Autarkie und starke soziale Vernetzung. Ich habe für mich persönlich auch die Entscheidung getroffen, nicht mehr an Wahlen teilzunehmen. Das macht zwar per so noch nichts besser. Es ist aber immerhin eine starke Erinnerung für mich selbst, dass die Abgabe einer Wahlstimme in keiner Weise eine hinreichende politische Mitgestaltung ist.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten: Vielleicht ist ja jemand motiviert, die hier beschriebenen (oder ähnliche) Ideen öffentlich zu besprechen, und für Unterstützung zu werben. Gleichzeitig wäre es naheliegend, die genannten Leitlinien im persönlichen Leben umzusetzen, beispielsweise im persönlichen Konsum, in der Organisation von hierarchiefreien Umgangsformen, und im Entwickeln einer gemeinschaftlichen Entscheidungskultur. Oder um es mit einer paradoxen Floskel zu sagen: Let love rule :-)


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Albert Unterberger erschien bei unserem Kooperationspartner untergrundblättle, einem Online-Magazin für kritischen Journalismus aus dem Großraum Zürich, veröffentlicht. Das untergrundblättle publiziert analytische und kontroverse Texte zu den Themenschwerpunkten Politik, Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie. Ein besonderes Augenmerk gilt dem kulturellen Teil. Der inhaltliche und redaktionelle Anspruch liegt unter anderem darin, Synergien innerhalb von linken Strömungen herzustellen. Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz von uns hervorgehoben. Wir danken dem untergrundblättle für die Zustimmung zur Veröffentlichung auf Neue Debatte.


Foto: Ryoji Iwata (Unsplash.com)

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2 Comments

  • Hallo Albert Unterberger ,

    Leider stolpere ich sehr über Denkansätze wie die hier vorgestellten:

    Für meine Begriffe verträgt das Ganze und darin die Menschheitsfamilie, um mit Ganser zu sprechen, nicht im MIndesten Formen von Reißbrett-Rahmensetzungen für die Gemeinwesen, in denen Lebensorganisation zu geschehen hat.

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    „Deshalb schlage ich die Aufteilung der Landmasse der Erde in sogenannte „Verantwortungsgebiete“ (responsibility areas) vor. In jedem Gebiet sollen ca. 10 Mio. Me“nschen Ihren fixen Wohnsitz haben …“

    „…möchte ich aber noch ein „globales Zuhause“ vorschlagen. Das funktioniert so, dass jeder Mensch selbst einen „Verein“ auswählen kann, dem er/sie angehören möchte.“
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    Alles, was existiert, wächst und schwindet schließlich in den verschiedensten mal mehr natürlichen, mal mehr willentlich gesetzten Rhythmen.
    Wir entgehen willentlichen Setzungs-Notwendigkeiten nicht, aber wir irren uns über ihnen nur allzu leicht.

    Das Reißbrett ist da in meinen Augen einer der verhängnisvollsten Irrtums-Quellen – Aufgehobenheitsgefühle werden sich in Schema-F-Kontexten seltenst einstellen, Angeregtheitsgefühle auch nicht….

    Ich sehe weder, dass Menschen dergleichen vielfältigst gruppenspezifisch wachsende Identitätsgrundlagen nicht bräuchten… und ohne solche bereits nach kurzer Zeit jenseits aller Chauvinismen angekommen wären… – Die Identität Jeder/s einzelnen gestaltet sich in Lebens- Familien-, Gemeinwesens und Weltgeschichte(n) unterschiedlichster Akzentuierungen – sie einfach anders zuschneiden zu wollen, kann nur so schief gegen, wie es unter der Ägide kolonialer Staatenbildungen geschehen ist.
    (Ob Menschen in Staaten leben, in Reichen oder in „Verantwortungsgebieten“: vor Interessengegensätzen bewahrt sie das nicht! Die Frage bleibt: wie mit ihnen umgehen ?! )

    Noch sehe ich, dass wir uns auf ein Leben mit gar via Reißbrett zugewiesenen Residenzpflichten je vollständig einzulassen vermöchten, zwingen doch allein schon die immer wieder immensen geologischen und klimatischen Veränderungen im Grunde alle Arten in letztlich unablässige Lebensraum-Wechsel…

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    „Der Sinn dieses (oder eines besseren) Satzes ist es, ihn zur gedanklichen Grundlage unserer Gesellschaften zu machen. Es geht also durchaus darum,gemeinsam zu diskutieren, zu testen („Stimmt das überhaupt?“), ihn in Schulen zu lehren, und ihn bei öffentlichen Veranstaltungen zu sprechen. Das gedankliche Fundament unserer Gesellschaft muss sichtbar und spürbar sein, damit es uns tragen kann.“
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    Wenn das gedankliche Fundament einer Gesellschaft nicht unmittelbar aus dem spricht, wie sich organisiert, wie ihre Mitglieder einander und ihre Nachbarn behandeln, wie sie mit Fehlentwicklungen, Irrwegen gar umgeht, befördert auch das Sprechen solcher Sätze das mit ihnen Angezielte am allerwenigsten, scheint mir.

    „Ich gebe, was ich kann. Ich nehme, was ich brauche.“

    – W i e mache ich das denn – wie meine Familie, Freunde, Bekannte, wie machen es Bauern, Informatiker, Wissenschaftlicher, Anlernkräfte, Eltern … Alte, Junge, Kranke, Gesunde, Angenommene und Beiseite-Gedrängte, politsche Funktonsträger/innen X … ?
    Und was soll über diesen und anderen Konkretheiten denn in mir und für mich, um mich und für andere entstehen?

    Mantren klären und bewegen für sich genommen in meinen Augen leider erheblich weniger, als viele sich von ihnen erhoffen…

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    „in der Organisation von hierarchiefreien Umgangsformen, und im Entwickeln einer gemeinschaftlichen Entscheidungskultur“ – für dich genommen: d´ accord!

    Wie und Wo konkret ? – Darauf käme es an….

    Mein aktueller Nachdenk-Punkt kreist um entsprechende Konkretisierungen in eichtigen Strukturwandelsfeldern – er findet sich bei Interesse hier:
    https://diskursblickwechsel.wordpress.com/2019/01/15/impulssektor-hanfwirtschaft/

  • „Nur die Liebe zählt“. Da bin ich uneingeschränkt dabei. Aber bitte nicht, wie üblich, an der Artengrenze halt machen mit dieser Liebe, denn dann ist es nur wieder die erste Stufe zum Faschismus.

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