Glück haben – Über Zufriedenheit und Unglück

Frei sein, sich fallen lassen, glücklich sein. (Foto: Joseph Gruenthal, Unsplash.com)

Glücklich zu sein ist besser, als Glück zu haben. Ersteres ist Zustand, Letzteres Zufall. Der ereignet sich freilich öfters, während der Status als solcher zwar realisiert, aber nie konsolidiert werden kann. Er ist in seinem Dasein immer flüchtig. Derlei ist zu erleben, aber nicht zu erhalten und somit auch nicht zu haben. Das Glück ist immer in Eile. „Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön!“, heißt es in Goethes Faust I.

Indes ist der Glücksmoment doch eine Bereicherung sondergleichen, vor allem auch weil er in der Erinnerung weiterlebt. Schon wenn sich Glück in und als Zufriedenheit destilliert, ist einiges gewonnen. Diese soll man gar nicht gering schätzen, aber das Glück selbst ist in der Zufriedenheit nur noch verdünnt vorhanden, nicht mehr in seiner außergewöhnlichen Fülle zugegen, erfahrbar und erfassbar. Enormes als Anormes ist fragil und resolut zugleich. Wenn es anklopft, verkündet es nicht nur seine Bekömmlichkeit, sondern auch schon seine Vergänglichkeit. Aber selbst wenn das Glück sich nicht festigen lässt, ist es als Fluidum deutlich spürbar.

Glück gehabt zu haben, meint hingegen nur, kein Unglück gehabt zu haben, ist also eine rein negative Bestimmung, vom Glück weiter entfernt als vom Unglück. Das seltsame Glück des Soldaten immer wieder nicht umgekommen zu sein, wird kein Mensch zu den glücklichen Phasen des Lebens zählen können. Davongekommen zu sein bezeugt bloß Glück im Unglück.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Franz Schandl erschien bei unserem Kooperationspartner untergrundblättle, einem Online-Magazin für kritischen Journalismus aus dem Großraum Zürich. Das untergrundblättle publiziert analytische und kontroverse Texte zu den Themenschwerpunkten Politik, Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie. Ein besonderes Augenmerk gilt dem kulturellen Teil. Der inhaltliche und redaktionelle Anspruch liegt unter anderem darin, Synergien innerhalb von linken Strömungen herzustellen. Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz von uns hervorgehoben. Wir danken dem untergrundblättle für die Zustimmung zur Veröffentlichung auf Neue Debatte.


Foto: Joseph Gruenthal (Unsplash.com)

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2 thoughts on “Glück haben – Über Zufriedenheit und Unglück

  1. Nach meiner Erfahrung kann sich das relativen Glücklichsein jeder Mensch selbst erarbeiten, indem er immer wieder Selbstreflexion betreibt,nicht im Verdrängugsmodus vegetiert, sodass sich Unklarheiten, Schuldgefühlen, unbewusster Ängste immer wieder schonungslos und gründlich entledigt durch ureigenstes Nachdenken und Nacherleben(z.B. auch durch Meditation)und die logisch daraus resultierenden Verhaltensänderungen dann bewusst einleitet .
    Was dem Glücklichsein am meisten im Weg steht, ist das unbewusste Schuldgefühl. Und dieses unbewusste Schuldgefühl belastet all jene, die immer noch brav im bestehenden weltweiten Gewaltsystem mitstrampeln, egal in welcher Kultur oder Tradition. Jeder kann und sollte den Weg zur eigenen Erleuchtung gehen. Es ist die wahre Bestimmung des Menschseins und die einzige Möglichkeit, wirklich Zufriedenheit und Glück zu erlangen. Der Leitfaden dabei -das Ziel- ist natürlich die All-umfassende Liebe. Wer z.B. bei all unserem heutigen Wissen noch an der traditionellen Tiervernutzung partipiziert, geht nicht diesen Weg.

  2. Ich kenne eine Geshcihte, bei der Unglück letztlich Glück bedeutet. Ich hab eliede rnur eine Episode inErinnerung: Ein Mann verpasst sein Flugzeug zu einem wichtigen Termin. Pech. Das Flugzeug stürzt ab. Ein ähnliches Beispiel mit Kriegseinsatz und schwerer Verletzung zuvor? Feage: Was ist nun Glück?

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