Yuriko Yushimata – Alptraum

Sehr geehrte Frau Y.Y.,

durch Entscheidung in der Sache AZ 347/1G-0 wird Ihnen untersagt, den von Ihnen geträumten Traum XXXXX weiter zu träumen oder sich positiv mit Traumfiguren aus diesem Traum zu identifizieren, da dieser Traum dazu geeignet ist, den Religionsfrieden zu stören.

Unter positiver Identifikation fällt dabei auch kritisches Träumen über das Traumverbot, das als positiver Bezug auf den ursprünglichen verbotenen Traum auszulegen ist.

Bei Zuwiderhandlung wird ein Schlafentzug in Höhe von 7 Nächten angesetzt.

Ihnen wird außerdem hiermit untersagt, weiterhin zu behaupten, der zuständige Gerichtshof in der Sache AZ 347/1G-0 würde Traumzensur ausüben.

In der Sache AZ 347/1G-0 wurde strikt nach der Gesetzeslage entschieden. Dies als Zensur zu bezeichnen oder gar als Alptraum, ist eine Falschaussage und dazu angetan, den Ruf des für Traumsachen zuständigen Gerichtshofes zu schädigen.
Bei Wiederholung sehen wir uns gezwungen, als Ordnungsstrafe Traum hemmende Schlafmittel zu verabreichen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht dulden können, dass dem Gerichtshof traumatisches Verhalten unterstellt wird.

Eine Zensur findet nicht statt.

Hochachtungsvoll i.A. Z.Z.
(Traumsachbearbeiterin)

FIN


Symbolfoto: Verne Ho (Unsplash.com).

Yuriko Yushimata wurde als Distanzsetzung zur Realität entworfen. Es handelt sich um eine fiktionale und bewusst entfremdete Autorinnenposition, die über die Realität schreibt. Die SoFies (Social Fiction) zeigen in der Zuspitzung zukünftiger fiktiver sozialer Welten die Fragwürdigkeiten der Religionen und Ersatzreligionen unserer Zeit. Teilweise sind die Texte aber auch einfach nur witzig. Sie befindet sich im Archiv der HerausgeberInnengemeinschaft Paula & Karla Irrliche (www.irrliche.org). Spiegelung und Verbreitung der Texte sind ausdrücklich gewünscht!

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