Die Gemeinwohl-Ökonomie

Rücksicht, Vertrauen und Fürsorge sind nötig, damit menschliche Beziehungen gelingen. Unser Wirtschaftssystem setzt jedoch auf Ellbogenmentalität, Egoismus und Härte. Im Berufsleben herrscht das glatte Gegenteil der Werte, die wir bräuchten, um ein glückliches Leben zu führen.

Christian Felber, Gründungsmitglied von Attac Österreich, arbeitete einen plausiblen Lösungsvorschlag aus. Unsere Ökonomie, so Felber, basiert auf Konkurrenz und Profit. Wir müssen ein Anreizsystem schaffen, das eher die humanen Verhaltensweisen belohnt. Das können wir erreichen durch die Umstellung unseres Wirtschaftssystems auf Gemeinwohl-Ökonomie.

Gibt es schon eine Alternative zum Neoliberalismus? Können wir einfach zurückkehren zum Modell der Sozialen Marktwirtschaft? Das ist zu kurz gesprungen. Wir brauchen ein neues System, das weder zügelloser Kapitalismus noch gleichmacherischer Kommunismus ist.

Bevor man über Alternativen zu einem etablierten System spricht, sollte man sich dessen aktuelle Wirkungen ins Bewusstsein rufen. Tatsache ist, dass der Neoliberalismus sich keineswegs auf ein Wirtschaftsmodell beschränkt, sondern eine gesamtgesellschaftliche Ideologie verkörpert. Mit Fug und Recht darf man jedoch das in Grundsätzen auch sozialdarwinistische ökonomische Modell der Neoklassik als Fundament des Neoliberalismus bezeichnen. Aber ihn deshalb auf die kapitalistische Marktwirtschaft zu begrenzen, wäre zu kurz gesprungen, denn es ist insgesamt betrachtet ein Weg in einen gnadenlosen Neo-Feudalismus.

Die US-Politologin Wendy Brown beschreibt in ihrem Buch „Die schleichende Revolution – Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört“ treffend, dass der Neoliberalismus eine Ideologie der Neuordnung des gesamten Denkens ist, die inzwischen alle Bereiche des Lebens sowie den Menschen selbst einem ökonomischen Bild entsprechend verändert – mit fatalen Folgen für die Demokratie. Alle Sphären der Existenz werden einer finanziellen Verwertung unterworfen und dieser entsprechend vermessen. Also die Politik, das Recht, die Kultur, die Bildung, die Familie, die Gesundheit, die Geschlechterrollen.

Darüber hinaus werden weltweit und auch in Deutschland massive Versuche unternommen, die in jahrzehntelangen Arbeitskämpfen im letzten Jahrhundert mühsam errungenen und grundsätzlich immer noch relativ schwach ausgeprägten demokratischen Mitbestimmungsrechte der abhängig Beschäftigten wieder rückgängig zu machen und Gewerkschaften massiv zu schwächen. Inzwischen gibt es speziell ausgerichtete Anwaltskanzleien, die letztlich die Arbeit von Betriebsräten mit nicht zu rechtfertigenden Methoden umfassend behindern.

Der Weg zurück in einen feudalen „Gutsherren-Kapitalismus“ wird durch den Neoliberalismus immer mehr freigemacht. Die gesellschaftlichen Auswirkungen sind mit dem Niedergang von Ethik und Moral in den Top-Etagen von Politik und Wirtschaft angekommen.

Fast gewöhnt man sich an die Meldungen von Betrug oder unethischen und die Gesellschaft schädigenden Handlungsweisen beim Ausnutzen von sogenannten „Gesetzeslücken“: Die Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte im Bereich der Finanzkonzerne, die Lebensmittel-Skandale, den fast global zu nennenden Betrugssoftware-Skandal einiger Automobil-Konzerne, die Steuervermeidungsstrategien globaler Konzerne, die Krebsmittel-Betrügereien im Gesundheitswesen mit auch tödlichen Folgen für die Patienten sind Beispiele eines fast umfassenden unethischen Ökonomieverständnisses der Gewinnmaximierung um jeden Preis.

Vielleicht war die Feststellung von Gabor Steingart im „Handelsblatt“ vom 30. Januar 2018, dass wir eine „Elitenverwahrlosung“ beobachten müssen, eine moralisch unzulässige Verallgemeinerung. Aber von einem „Eliteversagen“ von einer beachtlichen Zahl von Führungspersönlichkeiten in Politik und Wirtschaft zu sprechen, ist absolut gerechtfertigt. Gerade in diesem Kreis ist zu beobachten, dass der homo politicus, der sich für das Gemeinwesen engagiert, durch den homo oeconomicus ersetzt wurde.

Kooperation statt Konkurrenz

Aber gibt es schon eine Alternative? Können wir einfach zurückkehren zum Modell der Sozialen Marktwirtschaft? Das wäre zu kurz gesprungen! Denn auch die Soziale Marktwirtschaft basiert auf dem Modell der Neoklassik, einstmals verbunden mit starken sozialen Netzen für abhängig Beschäftigte. Die soziale Komponente war aber nicht das Hauptmotiv dieses Modells, sondern diente in der Wiederaufbau-Phase der Nachkriegszeit vor allem der Verhinderung einer Anziehungskraft des kommunistischen Systems auf die Arbeitnehmer.

Das Modell der perfekten Konkurrenz der Marktteilnehmer und damit das Ziel der Gewinnmaximierung für die starken Akteure, und zwar beispielsweise ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt, bliebe also auch bei einer Rückkehr zur Sozialen Marktwirtschaft der Nachkriegszeit bestehen. Dies ist kein zukunftssichernder Ansatz. Deshalb brauchen wir ein neues System, das weder zügelloser Kapitalismus noch gleichmacherischer Kommunismus ist.

Wir brauchen ein System der Kooperation statt der Konkurrenz, das marktwirtschaftliches Handeln kompromisslos mit drei Fragen verbindet, die in unserer neoliberalen Gesellschaft fast nostalgisch klingen, aber trotzdem für die Zukunft der Menschheit unumgänglich sind:

Dient es den Menschen?
Dient es der Umwelt?
Dient es dem Frieden?

Dieses Modell gibt es seit einigen Jahren, nämlich das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), dessen Hauptinitiator der Wissenschaftler Christian Felber ist. 2010 haben Christian Felber und 15 Unternehmerinnen und Unternehmer dieses Modell öffentlich gemacht, und zwar als Graswurzelbewegung von unten – eine Bewegung mit Praxisbezug, die nicht auf Vorgaben der Eliten in Wissenschaft und Politik wartet, sondern in der Praxis neue Wege ökonomischen Handelns aufzeigt. Dabei schlägt die Gemeinwohl-Ökonomie nichts Anderes vor, als die Umsetzung der Hauptzielsetzung aller Verfassungen weltweit, nämlich den Auftrag an die Ökonomie, das Gemeinwohl – also das Wohl und die allmähliche Verbesserung der Lebenshaltung aller Volksschichten – zu fördern. Die Grundsätze der GWÖ lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Soziale Sicherungssysteme schützen vor Absturz und Ausgrenzung.
  • Öffentliche Güter ergänzen die privaten.
  • Die Startchancen sind durch ein öffentliches Bildungs- und Gesundheitssystem sowie die Beschränkung des Erbrechts gleichmäßig verteilt.
  • Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen ist begrenzt.
  • Privateigentum, Gemeinschaftseigentum, Gesellschaftseigentum und Naturnutzungsrechte koexistieren maßvoll.
  • Unternehmen werden ab einer bestimmten Größe am weiteren Wachstum gehindert.
  • Handelsräume werden durch gemeinsame Arbeits-, Sozial-, Steuer-, Umwelt-, Transparenz- und Antikorruptionsstandards geschützt (Fairhandel statt Freihandel).

Der individuelle Nachweis der Beachtung dieser Grundsätze wird durch eine auditierte Gemeinwohl-Bilanz (GWB) erbracht. In dieser GWB werden, auf Basis der Gemeinwohl-Matrix, die Werte

  • Menschenwürde,
  • Solidarität und Gerechtigkeit,
  • ökologische Nachhaltigkeit,
  • Transparenz und Mitentscheidung,
  • mit den Berührungsgruppen der bilanzierenden Unternehmen und Gemeinden, also
  • Lieferanten,
  • Eigentümern und Finanzpartnern
  • Mitarbeitenden,
  • Kundinnen und Kunden sowie Mitunternehmen und
  • dem gesellschaftlichen Umfeld

verknüpft und nach demokratisch erarbeiteten Kriterien bewertet. Dabei ist diese Bilanzierung kein starres, sondern ein „atmendes“ System, entwickelt sich also mit den Erkenntnissen aus der Praxis Jahr für Jahr weiter.

Ziel ist vor allem, dass das derzeit neoliberale System der Belohnung für unethisches Handeln – zum Beispiel höhere Gewinne durch auf Kosten der Gemeinschaft verursachte Umweltschäden oder Ausbeutung abhängig Beschäftigter und damit zwangsläufig wirtschaftliche Bestrafung ethisch handelnder Akteure der Wirtschaft – umgekehrt wird.

Bilanzierende mit einer positiven GWB sollen letztlich auch wirtschaftlich belohnt werden, etwa durch Bevorzugung bei öffentlichen Aufträgen oder niedrigere Steuersätze.

Diese Grundsätze der GWÖ eignen sich geradezu beispielhaft auch zur Bewältigung des wahrscheinlichen Bedeutungsverlusts menschlicher Arbeit durch die immer schnellere und umfangreichere Digitalisierung der Arbeitswelt, die sogenannte Industrie 4.0.

Selbstverständlich werden nicht wenige Ökonomen bei den vorhersehbaren massiven Arbeitsplatzverlusten durch die Digitalisierung darauf vertrauen, dass entsprechend dem Sayschen Theorem diese Verluste durch die steigende Nachfrage an nunmehr kostengünstigeren Waren durch neue Arbeitsplätze ersetzt werden. Aber selbst wenn sich diese, auf Grund der extrem schnellen Entwicklung der „Industrie 4.0“, doch gewagte Hoffnung erfüllen würde, ist der Ansatz der GWÖ eine unverzichtbare Notwendigkeit zur evolutionären Entwicklung einer humanen, fairen und in einem sozialen Frieden lebenden Gesellschaft.

Obwohl die GWÖ erst vor 7 Jahren offensiv als Modell für eine zukunftsfähige Wirtschaft vorgestellt und von 15 Unternehmen praktiziert wurde, hat sie eine beeindruckend positive Resonanz erfahren, wenngleich der Teil „Rechtliche Anreize für Unternehmen mit GWB“ noch keineswegs politisch umgesetzt ist. Die Zahl von unterstützenden Unternehmen ist zum Beispiel von 15 auf über 2.300 angestiegen, wovon rund 500 Unternehmen, einige Gemeinden, Hochschulen und andere Organisationen bereits eine GWB erstellen.

Das Modell hat nicht nur in ganz Europa, sondern inzwischen auch in sogenannten „Energiefeldern“ international Fuß gefasst – von Schweden bis Chile, von den USA bis Ghana. Auf politischer Ebene hat die GWÖ mit der GWB Eingang in den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung in Baden-Württemberg gefunden. Sie ist inzwischen ein wichtiges, positiv besetztes Thema bei der EU-Kommission hinsichtlich der Richtlinien für eine nichtfinanzielle Bilanzierung durch Großunternehmen in der EU. Der EU-Wirtschafts- und Sozialausschuss hat sich mit überwältigender Mehrheit für eine Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie ausgesprochen.

Inzwischen ist das Thema auch in der universitären Wissenschaft angekommen. Beispielsweise hat die Universität Bremen 2018 eine Studie für kleine und mittlere Unternehmen zur Erreichung der UN-Empfehlungen hinsichtlich der „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals – SDG ) erstellt. Dabei stellt die Studie die Wirkung einer Strategie nach den Grundsätzen der Gemeinwohl-Ökonomie mit der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz unmissverständlich fest: „Der Ansatz der Gemeinwohlbilanz entspricht aus unserer Sicht dabei einem hohen Ambitionsniveau in der Umsetzung der SDGs“.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass mit der GWÖ endlich ein evolutionäres marktwirtschaftliches und praxistaugliches Modell entwickelt wurde, welches das über Jahrhunderte festgefahrene dogmatische Bild des „unfehlbaren freien Marktes“ überwindet und eine sinnhafte, „enkeltaugliche“ Neuausrichtung der Ökonomie ermöglicht.

In einigen Jahren wird man rückblickend erkennen, dass die GWÖ einen vergleichbaren Paradigmenwechsel für die Gesellschaft darstellt, wie das Zeitalter der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert zur Überwindung des Absolutismus.

Selbstverständlich wird auch die GWÖ immer wieder in einzelnen Bereichen in Sackgassen oder in Umwege geraten. Die demokratische Verfassung der GWÖ-Bewegung garantiert aber eine von der Mehrheit getragene erfolgreiche Entwicklung. Christian Felber als Haupt-Initiator der GWÖ wird zwar wohl kaum den in den Medien in unpräziser Weise „Nobelpreis für Wirtschaft“ genannten „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaft der Schwedischen Reichsbank“ erhalten. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung eines Tages einen echten Nobelpreis erhält, nämlich den Friedensnobelpreis.


Neue Buchveröffentlichung des Autors

Gunther Moll, Sarah Benecke, Günter Grezega: Die Vorstufe zum Paradies für uns alle. Verlag Papeto, 122 Seiten, 10 Euro.

Die Vorstufe zum Paradies. Gunther Moll, Sarah Benecke, Günter GrzegaBuchinfo: „Wir leben in der Vorstufe zum Paradies – so lautete im Landtagswahlkampf 2013 die Parole der CSU. Allerdings übertrieb die Parteiführung maßlos: Denn diese fast paradiesischen Zustände existieren nur für Wenige. Was ist mit den Millionen, die eine ganz andere Welt erleben? Ist die Vorstufe zum Paradies überhaupt für alle möglich? Reichen unsere Fähig- und Fertigkeiten, reicht unsere Menschlichkeit aus, um sie zu erreichen? Und vor allem: Können wir sie finanzieren? Auf der Suche nach Antworten gehen wir zurück zu den Anfängen der Menschheit, tauchen ein in die Psychologie der heutigen Gesellschaft – und erzählen, wie das Jahr 2050 aussehen könnte, wenn sich das Konzept einer Gemeinwohl-Ökonomie durchsetzt.“


Weiterführende Literatur

Brown, Wendy: Die schleichende Revolution. Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört (Suhrkamp, Berlin 2015)
Felber, Christian: Gemeinwohl-Ökonomie (Piper, München 2018)
Felber, Christian: Ethischer Welthandel (Deuticke, Wien 2017)
Meinzer, Markus: Steueroase Deutschland (C.H. Beck, München 2015)
Schirrmacher, Frank: EGO (Blessing, München 2013)
Schröm Oliver, Schenck Niklas: Die Krebs Mafia (Lübke, Köln 2017)
Stiglitz, Joseph: Der Preis der Ungleichheit (Siedler, München 2012)


Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 InternationalRedaktioneller Hinweis: Dieses Werk erschien auf Rubikon – Magazin für die kritische Masse und wurde von Neue Debatte übernommen. Es ist unter einer Creative Commons Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


Foto: Barbara Alçada (Unsplash.com) und Günter Grzega

Diplom-Bankbetriebswirt und Diplom-Verwaltungsbetriebswirt bei

Günter Grzega ist Diplom-Bankbetriebswirt, Diplom-Verwaltungsbetriebswirt, Vorsitzender des Ethik-Beirats der Sparda-Bank München eG, Finanzmarkt-Experte sowie Botschafter der Gemeinwohl-Ökonomie. Von 2010 bis 2015 war er Vorstandsvorsitzender des „Senatsinstituts für gemeinwohlorientierte Politik“. Zuletzt erschien von ihm „Die Vorstufe zum Paradies – für uns alle“.

1 thought on “Die Gemeinwohl-Ökonomie

  1. Die Art, wie die Menschheit miteinander umgeht, spricht nicht für ein soziales Verhalten. Psychologen haben schon länger erkannt, dass die Art des Umgangs im Miteinander gerade in den ersten drei Jahren geprägt wird. Da allgemein die Meinung vorherrscht, dass schon Kleinkinder in Kindertagesstätten gehören, wird also dort der Grundstein für das unsoziale Verhalten gelegt. Gerade in dieser Zeit lernen die Kinder neben einer frühkindlichen Kenntnis von Wissen, dort aber auch eine Selbstentfremdung, da sie von Anfang an selber Entscheidungen treffen müssen. Jedes Kind ist gezwungen, sich selbst zu behaupten und so zu kleinen Egoisten erzogen. Hier wird auch das Unterordnen gefordert, das sich dann für das ganze Leben einprägt. Die besten Kindergärtnerinnen ersetzen eben nicht die Eltern und das Gefühl der Geborgenheit, das bestimmend für das ganze Leben ist. Ihr soziales Verhalten ist gestört, sodass sie ihr Leben lang nicht mehr anders denken können. Gleichzeitig lernen sie, dass Arbeit das Wichtigste im Leben sein muss.
    Falls dann die Mütter auch noch glauben, dass man ihnen für diese Zeit dadurch die berufliche Bildung oder Beschäftigung verwehrt, dann kann man nur erwidern, dass dieses erste Miteinander wohl zu den Schönsten im Leben gehört. Sollte in diesen ersten Lebensjahren des Kindes wirklich der Beruf Vorrang vor der Kinderbetreuung haben. Ist jeder Beruf echt eine Berufung. Ist es nicht wertvoller, wenn der nachfolgenden Generation so wieder mehr menschliche Züge eingeprägt bekommen.
    Vor einigen Jahrzehnten waren Kitas nicht einmal ein Thema. Zu der Zeit gab es noch richtige Familien, wobei der Vater das Geld heranschaffte, dass dann für die ganze Familie reichte. Die Mutter kümmerte sich um den Haushalt und die Betreuung der Kinder. Wie wurde es damals angeprangert, dass in der DDR alle Kinder in Kitas untergebracht wurden. Und heute wird auch dieses als besonders wichtig gepflegt. Ist es nicht bedenklich, Kinder unter Stress aus dem Schlaf zu reißen. Auch sollten diese Kinder sich Spielkameraden leisten können, wobei sie die Zeit selbst bestimmen, oder sich mit Eigeninteressen befassen wollten, das die Kreativität fördert.
    Heute sind diese Kinder für das Miteinander auf sich selbst gestellt. Weiterhin werden sie meistens schon früh geweckt, da sie ja vor Arbeitsbeginn der Eltern in der Kita abgegeben werden. So ist es kein Wunder, wenn weiterhin der Wunsch nach eigenen Kindern solange zurückgestellt wird, bis die finanziellen Verhältnisse dafür gegeben sind. Die Folgen sind heute schon sichtbar. Es gibt in vielen Berufen einen Mangel an Nachwuchs, der sich speziell bei Ärzten, der Pflege und der Schule sehr nachteilig auswirkt. Daraus resultieren die geburtsschwachen Jahrgänge und auch der gesteigerte Egoismus.
    Die Folge dieser Art zu denken zeigt sich auch auf vielen Gebieten. Müssen wir heute so viel mehr arbeiten. Es ist doch ein Irrsinn, das Einkommen der Großkapitalisten zu vermehren. Das allgemeine soziale Verhalten sollte es nicht zulassen, dass die finanziellen Verhältnisse so gravierend voneinander klaffen. Der Egoismus eines Jeden wurde gefördert, da sich jedes Kind schon im Kindergarten seinen Platz erobern muss. Weiterhin werden diese Kinder zur Folgsamkeit erzogen, sodass bis ins hohe Alter alle Entscheidungen der Regierung gedankenlos akzeptiert werden. So sind Regierungen in die Lage versetzt, ihre Entscheidung unabhängig vom Willen der Volkes zu treffen. Gleichzeitig sind alle Regierungen so abhängig vom Kapital geworden, sodass auch diese wieder alle wichtigen Entscheidungen dem Kapital überlassen müssen.
    Um das Miteinander zu stärken und gleichzeitig viel Geld für soziales Miteinander einzusparen, sollten vielleicht Mehrfamilienhäuser bzw. Mehrgenerationenhäuser gebaut werden. Wie viel soziale Kontakte könnten gepflegt werden, wenn die Großeltern die Kinderbetreuung übernehmen würden, wenn die Altenbetreuung gleichzeitig gepflegt werden könnte. Wenn sich der Beruf auch nach den örtlichen Gegebenheiten anpassen würde, könnten die Ersparungen an Energie und Kinder- und Altenbetreuung ziemliche Ausmaße annehmen und in was für ein soziales Umfeld würden die Kleinkinder hineinwachsen, das sicher für das ganze Leben bestimmend wäre. Der Egoismus und das Konkurrenzdenken, das heute alles Leben so kennzeichnet, hätten ausgedient.

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