Eugen Drewermann über Schuld, die Maxime unseres globalen Geldsystems

14. Februar 2019 By Neue Debatte

Eugen Drewermann über Schuld, die Maxime unseres globalen Geldsystems

Moderatorin Paula P’Cay von Idealism Prevails hat sich in Paderborn mit dem Theologen, Psychoanalytiker und Schriftsteller Eugen Drewermann getroffen. Im Zentrum des Gesprächs steht eine umfassende Kritik am Wirtschaftssystem, dessen Sinn in der Ausbeutung und Versklavung der Natur und des Menschen bestehe.

Auf Augenhöhe – Von Mensch zu Mensch: Moderatorin Paula P’Cay von Idealism Prevails im Gespräch mit dem Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann. (Quelle: YouTube/Idealism Prevails)

Der 78-Jährige spricht über die bürgerliche Selbstverständlichkeit, anzunehmen, man habe Reichtum qua Geburt verdient, und über das Feigenblatt der Menschenrechte, die in vielen Ländern mit Füßen getreten werden.

Ziel des Kapitalismus sei, die Menschen in Schuldknechtschaft zu treiben, um von ihrer Arbeitsleistung günstig profitieren zu können.

Wenn Spekulanten mit Nahrungsmittelpreisen Milliarden verdienen, und durch die in die Höhe getriebenen Preise Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind, steht es für Drewermann außer Frage, dass dieses Wirtschaftssystem krank ist.

22 Millionen Kriegstote seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, vor allem in Auseinandersetzungen, die von westlichen Mächten begonnen wurden, werden in der öffentlichen Diskussion kaum jemals erwähnt. Während man die 3000 Verkehrstoten pro Jahr in Deutschland unkommentiert annimmt, wird bei jedem der relativ wenigen Terrortoten von den Verantwortlichen und den Medien nach mehr Überwachung gerufen und oft übertriebener Aktionismus betrieben.

Angst würde quasi künstlich erschaffen und Feinde nach Belieben kreiert. Drewermann erinnert an den Vietnamkrieg, in dem 2 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Und noch heute gibt es Opfer, zum Beispiel durch das von den US-amerikanischen Streitkräften verwendete Entlaubungsmittel Agent Orange.

Drewermann meint, dass sich das Bewusstsein ändern muss. Getötet würde unter dem Vorwand, den Frieden zu wollen. Damit sei man im Recht, und dies sei dann die Ausrede. Der Gewalt dürfe man aber kein Recht geben.

Nützlich sei heutzutage eigentlich das Unnütze. Die Schnelllebigkeit mache sich auch in den Medien bemerkbar. Nachrichten fänden nur noch in kurzen Sequenzen statt, die Aufnahmefähigkeit verkürze sich zunehmend. Unsere Gefühle seien betäubt. Doch es müsse wieder gelernt werden, nein zu sagen. Denn für Drewermann ist jeder einzelne für die Handlungen, die er im Laufe seines Lebens begeht, verantwortlich. Nur beim Einzelnen könne deshalb Veränderung beginnen, um das Ruder für die Menschheit noch herumzureißen.


Zur Person: Eugen Drewermann (Jahrgang 1940) ist ein deutscher Theologe, Psychoanalytiker, Schriftsteller und ehemaliger römisch-katholischer Priester. Er ist Vertreter der tiefenpsychologischen Exegese und als kirchenkritischer Publizist tätig. Drewermann stammt aus einer Bergmannsfamilie. 1960 legte er sein Abitur am humanistischen Gymnasium Hammonense in Hamm ab und studierte anschließend bis 1965 Philosophie in Münster und Katholische Theologie in Paderborn. 1966 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete als Studentenseelsorger. Ab 1968 ließ er sich in Göttingen in Neopsychoanalyse ausbilden. Ab 1979 hielt er an der theologischen Fakultät Paderborn als Privatdozent Vorlesungen. Am 8. Oktober 1991 entzog ihm Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt die katholische Lehrbefugnis und im Januar 1992 die Predigtbefugnis. Im März 1992 folgte die Suspension vom Priesteramt. Gründe waren strittige Ansichten Drewermanns in Fragen der Moraltheologie und der Bibelauslegung. Am 20. Juni 2005, seinem 65. Geburtstag, trat Drewermann aus der römisch-katholischen Kirche aus.


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COMMENTS

eugen drewermann sieht durch … er hat einen klarblick und seine integrietät bewahrt

ich kann nur hoffen, dass diese tugenden reichlich nachahmer finden werden … vor allem in alltäglichen taten der verweigerung des “bösen” und der aufklärung darüber … vielleicht auch ein gewisser ekel und scham, sich noch in einer form daran zu beteiligen. doch das erfodert eine tiefe einsicht – radikalen kontakt zur eigenen seele … zu ethisch menschlichen maßstäben !

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