Sanierungsfall Megamaschine: Unternehmen Breakthrough!

Der erste Teil der Trilogie „Sanierungsfall Megamaschine“ beschäftigt sich mit der gegenwärtigen globalen Krise der Gesellschaft. Bezugnehmend auf das Buch „Das Ende der Megamaschine“ [1] von Fabian Scheidler geht es nach der Beschreibung der Ausgangslage nun darum, Ursachenforschung zu betreiben, um darauf aufbauend Sanierungsmaßnahmen ergreifen zu können.

Die Schallmauer

Die Hartnäckigkeit der Krise, die sich mindestens über die letzten 5000 Jahre der Zivilisationsgeschichte erstreckt, legt nahe, dass es die Menschheit mit einem fundamentalen Problem zu tun hat. Ähnlich wie beim Phänomen der Schallmauer liegt eine Schwierigkeit in der Unsichtbarkeit des Hindernisses. Wir spüren die Mauer erst dann, wenn wir gegen sie stoßen.

Die realen Versuche, die Schallmauer zu durchbrechen, fanden etwa 40 Jahre nach dem ersten Motorflug der Gebrüder Wright im Jahr 1903 statt. Zahlreiche Flugzeuge wurden dabei über ihre Belastungsgrenze hinaus beansprucht und gingen zu Bruch.

10.000 Jahre nach der ersten großen Revolution der Menschheitsgeschichte, der Neolithischen Revolution, die den Beginn der Sesshaftigkeit markiert, und gut 200 Jahre nach einem Beschleunigungsschub der gesellschaftlichen Entwicklung im Zuge der Industriellen Revolution, steht die Menschheit ebenfalls vor einer unsichtbaren Mauer.

Nur besteht die Gefahr diesmal nicht darin, dass einzelne Flugmaschinen zerbrechen. Die Gefahr liegt vielmehr im Zerbrechen der Megamaschine selbst oder anders ausgedrückt, im Zerbrechen unserer Zivilisation. Wobei viele gerade auf die Selbstzerstörung dieser Maschine hoffen, da diese für eine fast krankhafte Fehlentwicklung oder Pervertierung der Zivilisation [2] steht.

Theorie U

„We live in an age of profound disruption“ (Wir leben in Zeiten einer tiefgreifenden Zerstörung). Mit dieser Aussage beginnt ein Video von Otto Scharmer [3], in dem er auf den Ernst der globalen Krise verweist.

Einführungsvideo von Otto Scharmer zu seinem U.Lab, einem frei zugänglichen Online Kurs, in dem er die Grundlagen seiner Theorie U vermittelt. Titel der Veranstaltung: Transforming Business, Society, and Self. (Quelle: YouTube/edX)

„Whats ending and dying is a civilization thats build on a mindset of maximum me, of bigger is better and of special interest group driven decision making …“

„Was endet und stirbt ist eine Zivilisation, die auf einer Mentalität der Maximierung, des größer ist besser und einer von egoistischen Interessen geleiteten Entscheidungsfindung beruht …“

Das Video schließt mit dem Motto und Anspruch von Scharmers Lösungsansatz in Form seiner Theorie U: U.Lab – Transforming Business, Society and Self.

Die angestrebte Transformation der Gesellschaft, der Personen und der Wirtschaft erinnert besonders auch in Zusammenhang mit dem Aufruf zu open mind, open heart und open will an die in Teil 1 der Trilogie zitierte 2.500 Jahre alte chinesische Weisheit:

„Wer sein persönliches Leben pflegen wollte, der fing damit an, daß er sein Herz festigte (open heart). Wer sich einen aufrichtigen Willen (open will) schaffen wollte, der gelangte zuvörderst zum Verständnis. Verständnis aber kommt vom Forschen nach der Erkenntnis der Dinge (open mind).“

Das Tal der Tränen

Die Dimension des Problems, mit dem wir uns beschäftigen, wird durch den langen Zeitraum seines Bestehens, durch das globale Ausmaß und durch die große Anzahl teurer und zum Teil verschreibungspflichtiger, aber dennoch wirkungsloser „Medikamente“ und „Therapien“ deutlich.

Noch mehr als beim Befall unserer Zähne mit Karies müssen wir also tief bohren und den Dingen auf den Grund beziehungsweise bis an die Wurzeln der Ursachen gehen. Damit folgen wir auch einem Aufruf von Jean Gebser [4] aus seinem Buch „Ursprung und Gegenwart“:

„Eine Überwindung des jetzigen Zustandes der Welt, die wahrscheinlich ihren rationalistischen und technokratischen Höhepunkt bald erreichen wird, kann weder durch die Ratio noch durch die Technokratie, aber ebenso wenig durch Predigen und Mahnen zu Ethos und Moral oder durch ein irgendwie geartetes Zurück geschehen.“

Wir können nur eins tun: In der Betrachtung aller Äußerungen unserer Zeit so weit und so tief vorzustoßen, daß uns die dämonischen und zerstörenden Aspekte nicht mehr bannen, so daß wir nicht nur sie sehen, sondern hinter und unter ihnen die unermeßlich starken Keimlinge des Neuen wahrnehmen, für das die einstürzende Welt den Humus liefert.“

Auch Gregory Bateson [5] kommt in seinem Buch „Ökologie des Geistes“ bei der Untersuchung der Erfolge der Selbsthilfegruppe Anonyme Alkoholiker zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Die ersten Schritte zur Bekämpfung der Sucht sind folgende:

  1. Wir gaben zu, dass wir gegenüber dem Alkohol machtlos waren – dass unser Leben nicht mehr kontrollierbar war.
  2. Wir gelangten zu der Überzeugung, dass eine Macht, die größer ist als wir selbst, uns wieder gesund machen könnte.

Johannes Heimrath [6] fordert in seinem Aufsatz „Auf in die Post-Kollaps-Gesellschaft“:

„Egal, was wir tun – der Weg in eine nachhaltige Welt wird durch ein Tal der Tränen führen. Statt unsere Kräfte im Versuch zu vergeuden, den Kollaps aufhalten zu wollen, sollten wir uns mit aller Kraft auf die Welt vorbereiten, in der wir dann leben werden.“

„Ich denke, also bin ich.“

Die anstehende Aufgabe (Sanierung der Megamaschine und/oder Entwicklung einer alternativen Gesellschaftsform) wird vielfach [7] mit den beiden bereits erwähnten großen Transformationen oder Revolutionen der Menschheitsgeschichte verglichen, das heißt mit der neolithischen und der industriellen Revolution.

Dies mag auch die Vielzahl der oben angeführten mahnenden Worte entschuldigen. Aber nach einem weiteren Ausflug in die Physik, oder besser in die Quantenphysik, nähern wir uns dem Ziel an, indem wir die Verwirrung auf die Spitze treiben und somit vielleicht in die Lage kommen, dem Weg René Descartes [8] zu folgen.

Er trieb den Zweifel bis zur Verzweiflung und fand letztendlich mit seinem Satz cogito ergo sum („Ich denke, also bin ich.“) so etwas wie einen archimedischen Punkt. Angeblich soll Archimedes [9] ja gesagt haben, er könne ganz alleine die Erde anheben, wenn er nur einen festen Punkt und einen ausreichend langen Hebel hätte.

Von Archimedes ist es nicht weit zu einem weiteren griechischen Mythos, dem des Phönix aus der Asche – auch hier findet sich das Motiv mit dem Neuanfang nach der totalen Niederlage –, was wiederum zu folgender Erkenntnis führt: Auch wenn man wie ein Hase durch die Windungen seiner Gedankengänge sprintet, so findet sich doch hinter jeder Biegung ein Igel, der ein Schild mit einem berühmten Namen und einem millionenfach zitierten Ausspruch hochhält. Diese Einsicht lädt zu einer ultimativen Zertrümmerung unserer Gedanken ein, und zwar in dem in Teil 1 der Trilogie eingeführten fiktiven (Gedanken-)Ringbeschleuniger (Large Thought Collider).

Im realen Teilchen-Ringbeschleuniger, der Weltmaschine The Large Hadron Collider am Europäischen Kernforschungszentrum CERN [10], werden Teilchen zur Kollision gebracht, um den Zuständen unmittelbar nach dem Urknall auf die Spur zu kommen. Gewissermaßen treffen sich an dieser Stelle Mikro- und Makrokosmos und damit die ganze Komplexität unseres Universums. Hier können alleine die Ausmaße dieser realen Megamaschine einen Menschen einschüchtern, ganz abgesehen von der im doppelten Sinn des Wortes behandelten Materie.

Zum Glück gibt es zum Thema Physik ein schönes kindgerechtes Erklärvideo der Physikerin Sabine Hossenfelder [11]. In einer weiteren empfehlenswerten Präsentation [12] kann man sich mit einem Schieberegler mühelos zwischen den kleinsten und den größten Dimensionen des Universums bewegen.

Bis an die Grenzen

Wie bereits erwähnt, hat dieses an die Grenzen des denk- und machbaren gehen Methode; man kann es als gymnastische Dehnübung für die Gedanken ansehen. Schließlich sind nach Wittgenstein die Grenzen unserer Sprache (Gedanken) die Grenzen unserer Welt und um diese Grenzen zu erreichen, muss man sich – wie er sagt – beim Denken Beulen holen. Ziel ist es, mit dem Durchdringen der Komplexität und des damit verbundenen Chaos an einen Punkt zu kommen, an dem alles ganz einfach wird. Diese Annahme steht auch hinter der These 2 aus dem ersten Teil der Trilogie:

„Wenn wir die Komplexität durchdrungen haben, dann wird es mit einem mal recht einfach, dann stoßen wir auf ein paar einfache Regeln, die das ganze Spiel des Lebens beschreiben.“

Der Mensch war seit der Antike auf der Suche nach den kleinsten Bausteinen der Welt, den Atomen. Damit wollte man eine Art archimedischen Punkt beziehungsweise einen Grundbaustein finden. Mit dessen Hilfe sollte die ganze Welt von Grund auf rekonstruierbar (Vergangenheit; Erkenntnistheorie) und damit auch konstruierbar (Zukunft; Handlungstheorie) sein. Diesem Motiv folgt das Buch „Im Anfang war der Wasserstoff“ von Hoimar von Ditfurth [13], in dem er ausgehend vom Urknall und dem ersten Element Wasserstoff, die Geschichte der letzten 13 Milliarden Jahre beschreibt beziehungsweise rekonstruiert.

Der Masterplan

Analog zum Vorgehen der Physiker dient der fiktive Gedanken-Ringbeschleuniger dazu, Grundbestandteile unserer Gesellschaft und unserer Um- und Mitwelt zu finden, um darauf aufbauend die angestrebte Große Transformation hin zu einer harmonischeren Gesellschaft gestalten zu können. Dieses Ziel haben wir keine Sekunde aus den Augen verloren und zur Bestätigung wollen wir es nochmals grafisch verdeutlichen.

Die Große Transformation. (Grafik: Franz Jacob mit Material von Pixabay.com)

Unsere Aufgabe besteht darin, den wenig harmonischen Zustand auf der linken Seite in einen harmonischen Zustand auf der rechten Seite umzuwandeln. Dazu dienen unter anderem die 17 im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030, die auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Bildung [14] vertreten werden.

Interessanterweise kommt auch das Standardmodell der Physik mit 17 Materie- und Kraftteilchen aus, welche als Grundlage der teilchenphysikalischen Beschreibung der Welt dienen. Allerdings ist diese Beschreibung noch unvollständig, weswegen es Schritte zum Ausbau des Standardmodells hin zu einer Art „Weltformel“, einer „Theorie für Alles“ oder einem „Masterplan“ gibt.

Discours de la méthode

Das angestrebte Höchstmaß an Abstraktion und an Vereinheitlichung, das letztendlich in einem einzigen Symbol oder Begriff endet, macht nur dann Sinn, wenn es einen Weg oder eine Methode gibt, aus dem Grundsymbol oder dem Grundelement wie zum Beispiel dem Wasserstoff, das gesamte Universum abzuleiten.

Sowohl in der Physik wie auch in den überlieferten Weisheitslehren findet sich das Bild der Leere, aus dem sich die ganze Fülle des Kosmos entwickelt. In der Physik ist das Quantenvakuum quasi die Rohmasse für Form, im Zen Buddhismus steht der leere Kreis für das Wechselspiel von Leerheit und Vollendung.

Mit der Fülle des Seins beschäftigt sich die Ontologie, mit der Erkenntnis der zugrunde liegenden Zusammenhänge die Epistemologie. Ziel der deduktiven Methode ist es, ausgehend von den Grundaxiomen und den Grundelementen eines Systems, in einer Reihe strenger logischer Folgerungen (= Ableitung) vom Allgemeinen zum Besonderen zu gelangen, wobei das Besondere eine spezielle Erkenntnis oder das Ergebnis einer auszuführenden Aufgabe sein kann. Spätestens an dieser Stelle schließt sich dann auch die vermeintliche Kluft zwischen Theorie und Praxis.

Ohne (Handlungs-)Theorie kann es keine praktischen Ergebnisse geben, wobei es erst einmal nicht darauf ankommt, ob uns die zu unseren Handlungen gehörige Theorie auch bewusst ist. So wie die Spinne ohne theoretische Vorbildung ihr Spinnennetz webt, so führen wir auch viele Handlungen erfolgreich ohne explizite Kenntnis der Theorie aus.

Allerdings ändert sich die Lage dann, wenn wir – wie in unserem Fall – seit Jahrhunderten bei unseren Bemühungen gegen eine unsichtbare Wand rennen. Spätestens dann ist es notwendig, sich intensiv auf die Fehlersuche bezüglich der angewandten Methodik/Theorie zu begeben. Damit bewegen wir uns auf den Spuren von Descartes und seinem „Discours de la méthode“ [15].

Descartes hat unser Weltbild maßgeblich geprägt und er wird in gewisser Weise auch für negativen Folgen seiner Zweiteilung in res extensa (die ausgedehnten Dinge der Physik) und res cogitans (die Welt der Gedanken) verantwortlich gemacht. Die damit verbundene zweiwertige Logik und das lineare Denken hat Fabian Scheidler als einen von vier Tyrannen ausfindig gemacht. Dieser dürfte mit ziemlicher Sicherheit für viele der Probleme verantwortlich sein, die wir mit diesem Denken nicht lösen können (Albert Einstein: Wir müssen neu denken; Jean Gebser: Defizientes mentales Denken muss durch integrales Denken ersetzt werden).

Vielleicht hilft uns die Zertrümmerung derartiger „tyrannischer“ Denkweisen in unserem Gedanken-Ringbeschleuniger dabei, diese Denkgewohnheiten zu überwinden und – wie Phönix – aus der Asche unserer untauglichen Konzepte eine schöne neue Welt zu gestalten. Das mag dann auch die bisher möglicherweise eingetretenen Schwindelanfälle und andere Nebenwirkungen infolge des Parforcerittes durch die Weiten des Universums beziehungsweise unserer globalen Probleme rechtfertigen.

Im Sinne einer kurzen Verschnaufpause können wir ein Zwischenergebnis festhalten:

Komplexität verliert ihren Schrecken, wenn wir in einer Top-down-Bewegung zu den einfachen Grundbausteinen und Grundprinzipien eines Systems vorstoßen und wenn wir von diesem festen, archimedischen Grund aus in einer Bottom-up-Bewegung aus der Fülle der gegebenen Möglichkeiten schöpfen können. 

Bereits Asterix und Obelix kannten dieses Prinzip und nahmen auf ihren langen Reisen ein platzsparendes Pulver mit, aus dem sie dann die jeweils benötigten Gebrauchsgegenstände formen konnten. Heute übernimmt der 3D-Drucker diese Aufgabe.

Ein 3D-Drucker arbeitet strikt linear und ist damit auf den Bereich komplizierter Aufgabenstellungen beschränkt. Viele Aufgaben unseres täglichen Lebens sind komplexer Natur und lassen sich damit nicht rein auf Basis eines linearen Algorithmus (= mit einer Turingmaschine) beheben. Das Finden einer Lösungsform(el) für komplexe Probleme wird entscheiden über Erfolg oder Misserfolg unserer Mission zum Überwinden der Schallmauer, die die Rede vom Handeln trennt.

Generative Transformationsgrammatik

Beim Thema Sprache liegt es nahe, sich mit Noam Chomskys „Generativer Transformationsgrammatik“ [16] zu befassen, zumal Chomsky nicht nur Linguist, sondern auch Aktivist und Ikone der Gegenbewegung zur Megamaschine ist.

(…) Eine generative Transformationsgrammatik ist also ein Modell der Beschreibung des dynamischen Prozesses der Sprachproduktion und Sprachrezeption, der Fähigkeit des idealen Sprechers/Hörers, grammatikalische Ausdrücke zu erzeugen und zu verstehen (Kompetenz).Quelle: Wikipedia

An dieser Stelle ist es nicht wichtig, tiefer in diese komplexe Theorie einzusteigen, wichtig ist es nur, auch hier unser oben beschriebenes maßgebliches Prinzip wiederzuerkennen: Aus einem aus wenigen Grundregeln und Grundbausteinen bestehenden System können wir eine unendliche Fülle an Ausdrücken und Sätzen generieren.

Allein die drei grundlegenden Begriffe generativ, Grammatik und Transformation beinhalten das, was wir auch für unsere übergeordnete Aufgabe, der Gestaltung der Großen Transformation, benötigen.

Allerdings befinden wir uns immer noch auf der Ebene der Sprache. Wir müssen also noch den entscheidenden Schritt von der Sprache zur Handlung bewältigen. An dieser Stelle kann uns ein weiterer Theoretiker helfen, der ähnlich wie Chomsky zugleich Aktivist und Praktiker ist. Die Rede ist vom Philosophen und Semiotiker Johannes Heinrichs, der mit seinem an die Physik angelehnten „Periodischen System der menschlichen Handlungen“ den Weg in die Praxis ebnen will. Zugleich bietet er mit seinem Konzept des viergliedrigen Parlaments ein Modell für die Umgestaltung unserer Gesellschaft an [17].

Die Megamaschine und Antoine de Saint-Exupéry

Auf unserem Methoden-Parcour scheinen wir mit der Verbindung von Handlung und Sprache kurz vor unserem Ziel, dem Durchbruch durch die Mauer, die die Worte von den Taten trennt, angelangt zu sein. Gönnen wir uns an dieser Stelle noch einen Zwischenstopp, um mit dem Sextanten oder einem anderen geeigneten Gerät unsere Position genau zu bestimmen.

Unser Schiff – die Megamaschine – ist in höchster Gefahr. Es droht zu stranden oder schlimmer noch, an einem Eisberg zu zerschellen. Wenn wir uns retten können, wie sieht dann das neue Schiff aus, das wir bauen werden, und bei dem wir die Systemfehler des alten Konstrukts vermeiden?

Wie immer gibt es berühmte Namen, die etwas Passendes zu einer Frage gesagt haben. Ähnlich bekannt wie das Einstein-Zitat mit dem ungeeigneten alten Denken dürfte ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry über den Schiffbau sein:

(…) Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt. Was muss einer sein? Das erst ist die wesentliche Frage; denn der Geist allein befruchtet den Verstand. Er ist vom künftigen Werk trächtig. Der Verstand wird ihn zum Ziel führen. Was muss der Mensch tun, um das erste Schiff zu erschaffen? Die Formel ist zu verwickelt. Im Grunde wird dieses Schiff aus tausend widersprechenden Tastversuchen erstehen. Aber dieser Mensch, was muss er sein? Hier halte ich die Schöpfung an ihrer Wurzel. Er muss Kaufmann oder Soldat sein; denn dann wird er erfüllt von der Sehnsucht nach fernen Ländern, Techniker herbeirufen, Arbeiter einsetzen und eines Tages sein Schiff vom Stapel lassen! Quelle: Antoine de Saint-Exupéry: Flug nach Arras

Verbinden wir beide Zitate und integrieren noch die apokalyptische Aussage von Johannes Heimrath (siehe oben), dann fragen wir:

Welches neue Denken brauchen wir für den Neubau unserer Arche Noah, mit der wir das Meer der Tränen auf dem Weg in die Post-Kollaps-Gesellschaft überqueren können?

Was muss einer sein?

Kann uns die Erkenntnis von Antoine de Saint-Exupéry bei unserem Vorhaben weiterhelfen? Wie viele andere kannte ich dieses Zitat seit langer Zeit, zumindest in der verkürzten Kalenderspruch-Version. Haften geblieben ist bei mir die Aussage: Alles hängt von der Sehnsucht nach dem großen weiten Meer ab. Diese gilt es, zu vermitteln. Auf einen Bauplan, gar einen Masterplan, kommt es nicht an. Das regelt die unsichtbare Hand der Selbstorganisation dann ganz von allein.

Nutzen wir die Gelegenheit, um bei unserer Analyse die von Fabian Scheidler als die vier Tyrannen identifizierten Faktoren zu betrachten, die sich unserer Fahrt in die neue Heimat, einer friedlichen und harmonischen Welt, entgegenstellen.

  1. Physische Macht
  2. Strukturelle Gewalt
  3. Ideologische Macht
  4. Lineares Denken

Sehr schnell lässt sich die Problematik des linearen Denkens identifizieren. „Was muss einer sein“, lautet die erste Frage, aber nicht, was denkt der Mensch.

„Der Geist allein befruchtet den Verstand“, er ist also höher gestellt, was durch den aus dem Kleinen Prinzen bekannten Ausspruch „(…) man sieht nur mit dem Herzen gut“ untermauert wird.

Hier wird die Unterscheidung zwischen Wissen und Weisheit getroffen. Trotzdem wird nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Schließlich werden noch Techniker und Arbeiter gebraucht, um das Schiff zu bauen. Und das ist zweifellos die Domäne des linearen Denkens. Es wird zwar nicht explizit von einem Masterplan gesprochen, aber der Bau eines Schiffes ist ohne einen solchen nicht vorstellbar, auch wenn diesem „tausende widersprechende Tastversuche“ vorangegangen sind (Prinzip Versuch und Irrtum).

Auch der Faktor ideologische Macht lässt sich gut erkennen, selbst wenn er hier im positiven Sinn zur Anwendung kommt. Die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer beziehungsweise nach fernen Ländern – und damit nach einem besseren Leben – ist der entscheidende Attraktor [19], nach dem unserer innerer Kompass geeicht ist. Etwas überraschend ist es, dass diese Sehnsucht mit dem Berufsstand von Soldaten und Kaufleuten verbunden wird.

Soldaten verbinden wir mit physischer Macht und Kaufleute, als Stellvertreter unseres Wirtschaftssystems, mit struktureller Gewalt. Aber wie immer haben die Dinge zwei Seiten. Sicher können wir den Mut und die Robustheit von Soldaten brauchen, um den Widrigkeiten und Gefahren auf unserer geplanten Reise zu trotzen.

David gegen Goliath

Wollen wir der strukturellen Gewalt begegnen, die sich als ein System der strukturellen Nicht-Nachhaltigkeit manifestiert, dann brauchen wir eine neue Art von Kaufleuten, die ein Wirtschaftssystem der strukturellen Nachhaltigkeit aufbauen. In diese Richtung zielen unter anderem die Bemühungen von Günter Faltin, wie schon die programmatischen Titel seiner drei Bücher zeigen: Kopf schlägt Kapital, Wir sind das Kapital und David gegen Goliath [20].

Alle drei Titel haben eine kämpferische Attitüde. Es bietet sich daher an, weiter Rat bei Antoine de Saint-Exupéry zu suchen. Der beobachtete als David gegen Goliath den vergeblichen Kampf seines Landes im Zweiten Weltkrieg und den unvermeidlichen Kollaps. In dieser verzweifelten Lage versucht er, vom Feind zu lernen:

Von der Sonne betreut findet der Keim immer seinen Weg durch das Geröll des Bodens. Wenn keine Sonne ihn zu sich zieht, ertrinkt der reine Logiker immer in der verwirrenden Fülle der Probleme. Ich werde die Lehre im Sinn behalten, die mir mein Feind selbst gegeben hat. Welche Richtung muss die Panzerkolonne nehmen, um den Gegner im Rücken abzuschnüren? Man weiß keine Antwort darauf. Was muss die Panzerkolonne sein? Sie muss der Wucht der Meeresbrandung gegen den Damm gleichen. […] Aber ich pfeife auf die Logiker. Ich will das mein Volk besteht – geistig und leiblich –, wenn der neue Tag anbricht. Um zum Wohle meines Landes zu handeln, muss ich jeden Augenblick meine ganze Liebe in diese Richtung werfen. Es gibt keinen Durchgang, den das Meer nicht fände, wenn es drückt. Ich kann an der Rettung nicht mehr zweifeln.

Hier finden wir zwei Gesichtspunkte, die uns bei der Operation Breakthrough Mut machen. Der „von der Sonne betreute Keim“ erinnert an den oben ausführlicher zitierten Jean Gebser: „(…) wir können nur eines tun … die unermeßlich starken Keimlinge des Neuen wahrnehmen, für das die einstürzende Welt den Humus liefert.“

Die quasi im Keim eingebaute Ideologie ist so mächtig, dass diese in der Lage ist, sichtbare Mauern zu durchstoßen – wie der Pilz, der durch die Asphaltdecke stößt –, vielleicht aber auch unsere unsichtbare Mauer, gegen die wir anrennen.

Visionauten und Halbinsulaner

Auf ähnliche Weise vermittelt das Bild mit dem an den Damm anbrandenden Meer Hoffnung: Gemeinsam sind wir stark, wir sind das Volk, die neue WeQ-Bewegung wird es schaffen. Hierzu gibt es Regale voll mit verheißungsvollen Sprüchen und Ratgeberliteratur. Und natürlich stehen auch die entsprechenden Experten geflissentlich bereit, um uns bei unserer Problembewältigung beizustehen. Daneben gibt es zahlreiche „Selbsthilfegruppen“ sowie die Tastversuche der „Visionauten und Halbinsulaner“, wie sie Johannes Heimrath nennt.

Diese sind aber wenig vielversprechend, wie er aus eigener Anschauung berichtet.Dieser Einschätzung kann ich mich nach jahrzehntelanger Erfahrung mit Nachhaltigkeits- und Gutmenschen-Initiativen anschließen.

Der Begriff Gutmensch – der mich selbst trifft – ist nicht abwertend gemeint. Aber ähnlich wie bei der Tragik der Allmende [21] würde ich in diesem Zusammenhang von einer Tragik der Gutmenschen und ihrer gut gemeinten Initiativen sprechen.

Oft kann man diese Tragödie nicht einmal einem übermächtigen Gegner zuschreiben, der nach dem Prinzip „divide et impera“ (teile und herrsche) vorgeht. Entgegen dem viel gepriesenen Wir-Prinzip teilen sich die wohlmeinenden Akteure von sich aus in kleine Gruppen und sind somit nicht in der Lage, die erforderliche kritische Masse in die Waagschale zu werfen.

Gerade weil sich hier so viele großartige Menschen engagieren – und oft genug auch aufarbeiten –, erscheint es notwendig, ein kleines Zwischenkapitel einzufügen.

Auch die Hoffnung auf den Kollaps des Systems und damit auf eine Art Selbstheilung könnte sich als trügerisch erweisen. Schließlich konnten und können wir viele Post-Kollaps-Gesellschaften beobachten, angefangen vom Niedergang des römischen Reiches, über die Erfahrung von 1918, 1945 und 1989 im eigenen Land, bis hin zu den Failed States im Nahen Osten. Es ist also weiterhin notwendig, auf der Hut vor voreiligen Schlüssen und vor untauglichen Methoden zu sein.

Wider dem Methodenwahn: Not anything goes!

Paul Feyerabend [22] hat sich als Gegenreaktion auf den kritischen Rationalismus gegen den Methodenzwang gewandt. Er war der Ansicht, dass alles geht (anything goes). Heute werden wir von einer Fülle von Methoden überhäuft – hast du schon gehört, da gibt es die neue Supermethode und den neuen Superstar – , und es ist schon schwierig genug, sich die Namen und die aktuelle Rangliste auf der Methoden-Hitparade zu merken. Von einem tieferen Eindringen in eine Methodik ist man in der Regel weit entfernt. Und bevor der Nachweis ihrer Wirksamkeit angetreten werden kann, ist schon die nächste Methode auf dem Markt.

Beispielhaft möchte ich zwei einschneidende Erfahrungen der letzten Jahre herausgreifen. Seit etwa 10 Jahren beschäftige ich mich mit der Theorie U von Otto Scharmer und habe 2017 und 2018 an drei seiner kostenlosen MOOCs (Massive Open Online Course) teilgenommen.

Vieles an dieser Theorie war und ist mir sympathisch – anfangs verteilte ich in meiner Begeisterung Textauszüge an meine Kollegen –, mit der Zeit fiel es mir aber immer schwerer, die Substanz und damit auch die Wirkungsweise dieser Theorie, zu verstehen. Bei einer Live Session im November 2017 hatte ich dann ein Schlüsselerlebnis.

Eine Mitarbeiterin des U.Lab Kernteams sprach zunächst eine Vision an, die auch meiner entspricht: Das Ideal wäre der globale Zusammenschluss aller gutwilligen Akteure. Leider folgte die Einschränkung unmittelbar. Diese Vision sei zu groß, deswegen beschränke sie sich auf einzelne konkrete Beispiele (sogenannte Prototypen).

Anspruch und Wirklichkeit

An dieser Stelle brach für mich die Theorie U in sich zusammen, alleine schon wegen dem impliziten logischen Widerspruch. Die Theorie U hat den Anspruch, von der Zukunft her zu führen (leading from the emerging future) und die höchsten Zukunftsmöglichkeiten (highest future possibilites) auszuschöpfen. Dazu sei es nötig, sich die Dinge vom Ganzen her anzusehen (seeing from the whole).

Auch findet sich der oben beschrieben Bogen, der sowohl in den Weisheitstraditionen wie in der Quantenphysik von der Leere hin zur Fülle führt (sources from which leaders operate = blank canvas, processess they use, results they produce). Die Aussage, wir beschränken uns auf das Vorzeigen von positiven Einzelbeispielen (Prototypen), widerspricht somit dem wunderbaren Ansatz der Theorie, der in wenigen Worten alles Notwendige beschreibt.

Die weiße Leinwand (blank canvas) entspricht den höchsten Zukunftsmöglichkeiten (die Fülle), und dann benötigen wir nur noch die richtigen Prozesse (Constructor im Sinne von David Deutsch [23]), um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

Selbst wenn es sich bei den genannten Prototypen um großartige Projekte von großartigen Menschen handelt, kann auf diese Weise (mit Tausenden widersprechender Tastversuche) niemals unser geplantes Ersatzschiff für die Megamaschine, die neue Arche Noah, entstehen. Bekanntlich verderben viele Köche den Brei: Ohne einen Küchenchef und ohne eine Art Masterplan wird es wohl nicht gehen (dazu mehr in Teil 3 der Trilogie).

Die Bedeutung der Computersimulation

Ein weiteres schockartiges Erlebnis hatte ich vor wenigen Tagen. Als Anhänger der Strukturwissenschaften nahm ich die Gelegenheit wahr, an einem Planspiel beziehungsweise an einer Simulation teilzunehmen. In seinem lesenswerten Aufsatz „Die Strukturwissenschaften als Bindeglied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“ weist Bernd-Olaf Küppers [24] auf die Bedeutung der Computersimulation hin.

Ziel der Simulation war es, sich mithilfe richtiger Maßnahmen den 17 Zielen der Agenda 2030 anzunähern, wobei wir uns in diesem Fall auf das Gebiet von Deutschland beschränkten. Ein pädagogisches Anliegen bestand darin, die Teilnehmer mit dem Thema Komplexität vertraut zu machen. Komplexität ist nach Stephen Hawking, Fredmund Malik [25] und vielen anderen das Thema unseres Jahrhunderts und auch unser Unternehmen Breakthrough wird nur gelingen, wenn wir den Durchbruch durch die Mauer der Komplexität schaffen. Von daher war ich sehr auf den didaktischen Ansatz des Planspiels gespannt.

Die zehn Teilnehmer konnten sich aus einem Stapel von Karten eine Rolle aussuchen (Lehrer, Politiker, Experte, …). Für verschiedene Problemstellungen und Ereignisse wurden dann nach einer durch die verteilten Rollen geleiteten Diskussion Maßnahmen ergriffen, die aus einer vorgegebenen Liste ausgewählt wurden. In einem sogenannten Managementcockpit konnte man dann die fiktiven Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen auf die 17 SDGs (Sustainable Development Goals) auf einer Skale von 0 bis 100 beobachten.

In der abschließenden Feedbackrunde tauchte folgende Frage auf: Was geschieht genau auf den Linien, die die 17 Nachhaltigkeitsziele verbinden und die die ganze Komplexität der Aufgabenstellung versinnbildlichen; vermutlich werdet ihr immer danach gefragt.

Nach Auskunft der Trainerin wurde diese Frage zum ersten Mal gestellt und sie konnte auch keine befriedigende Antwort geben. Sie gehe davon aus, dass die auf den Instrumenten des Managementcockpits angezeigten Ergebnisse gut begründet und mit entsprechenden Quellenangaben hinterlegt seien.

In meinem Feedback zog ich einen Vergleich zwischen dieser Simulation und einem Flugzeugsimulator, den ich in der Managementausbildung kennengelernt hatte. Der Flugzeugsimulator funktioniert nur deswegen, weil sowohl das Flugzeug als auch die Umgebung als naturgetreues Modell hinterlegt sind. Auf diese Weise sind Maßnahmen, die ich im Simulator treffe (zum Beispiel das Fahrwerk einfahren) 1:1 auf die Realität übertragbar. Die daraus folgende Ableitung, dass man analog dazu das System Gesellschaft und Umwelt als Modell hinterlegen müsse, wurde als überzogene Forderung betrachtet: Das geht aber dann doch zu weit!

Das semiotische Dreieck

Der Begriff Methode leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet das nachgehen beziehungsweise verfolgen eines Weges. Eine Methode macht demzufolge nur dann Sinn, wenn der verfolgte Weg auch zum gewünschten Ziel führt. Die beiden dargestellten Fälle stehen exemplarisch dafür, dass dies nicht immer der Fall ist, sondern dass dies aufgrund innerer Widersprüchlichkeiten sogar ausgeschlossen beziehungsweise dem Zufall überlassen bleibt. Ein Ausweg aus dem Dilemma besteht darin, das viel beschworene Motto – vom Reden zum Handeln – ernst zu nehmen.

Eine Methode, ob schriftlich oder mündlich fixiert, besteht zwangsläufig auch aus Worten und damit aus Blabla. In Anlehnung an die Constructor Theorie könnte man diese Worte als Blablator bezeichnen; akademisch hochstehender befasst sich das semiotische Dreieck [26] mit diesem Sachverhalt.

Der entscheidende Lackmustest besteht darin, zu überprüfen, ob der Blablator nur aus heißer Luft besteht oder ob er im Sinne eines Constructors zu einem realen Ergebnis führt. Ansonsten könnten wir einen neuen Ausspruch prägen:

Stell dir vor, es gibt komplexe Probleme, aber keiner löst sie!

Zwischenergebnis

Auf unserer Reise per Anhalter durch die Galaxis und durch das Alphabet der großen Namen … Asterix, Bateson, Chomsky, Descartes, Einstein, … haben wir festgestellt, dass das unendlich Große und das unendlich Kleine dicht beieinanderliegen.

Vielleicht ist der für diese gedankliche Reise benutzte Ringbeschleuniger so eine Art Möbiusband, auf dem wir oben (groß) und unten (klein) gar nicht auseinanderhalten können. Und vielleicht verweist uns diese Erfahrung auf das Prinzip der Komplementarität, nachdem erst die beiden Seiten einer Medaille ein sinnvolles Ganzes ergeben.

Auf dieser Reise hat auch die Vorstellung vom großen Ganzen ihren Schrecken verloren. Ebenso wenig wie ein Tiefseefisch durch die Nachricht, dass er einem ungeheuren Wasserdruck ausgesetzt ist, zerquetscht wird, kann uns die Nachricht von der ungeheuren Komplexität, in der wir leben, erschrecken oder zermalmen.

Es ist eher umgekehrt. Diese Komplexität ist geradezu die Voraussetzung dafür, die unendliche Fülle des Seins kreativ ausschöpfen zu können. Dafür benötigen wir nur drei Dinge, sobald wir unsere Aufgabenstellung hinreichend genau beschrieben haben.

  1. Materielle Ressourcen
  2. Informelle Ressourcen
  3. Energetische Ressourcen

Diese Aufgabe beinhaltet immer die Transformation eines Zustandes A in einen Zustand B, egal ob es eine kleine Transformation im persönlichen Bereich (Mikrokosmos) oder die Große Transformation im Sinne der dritten großen Revolution der Menschheit (Makrokosmos) ist.

Know what, know how, know why

Asterix und Obelix hatten auf ihren Reisen ein platzsparendes Pulver (Materie) dabei, mit dessen Hilfe sie sich die jeweils benötigten Gebrauchsgegenstände formen konnten (know what). Die Information darüber, wie diese Transformation funktionierte, ist in den Wirren der Geschichte verloren gegangen. Deswegen muss sich der Quantenphysiker David Deutsch erneut mit der Frage befassen, wie man Materie in nützliche Gegenstände verwandelt.

Der materielle Constructor kann dabei ein 3D-Drucker sein. Verdichtete Informationen und damit Wissen ist der abstrakte Constructor (know how). Sowohl die Umwandlung von Materie als auch die Umwandlung von Information erfordert Energie. Asterix hatte einen Zaubertrank, der ihm Energie verlieh, Anita Roddick hat da eine andere Empfehlung, wie wir in „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin lesen können (know why; s.a. Ted Talk von Simon Sinek [27]):

Das Geheimnis heißt weder Wissen noch Geld. Was man wirklich braucht, ist

• Optimismus, Zuneigung, Enthusiasmus, Intuition,
• Neugier, Liebe, Sinn für Humor und Freude,
• Magie und Spaß.

Kurz: Ein Schlückchen vom Zaubertrank Euphorie.

Nichts davon findet man im Lehrplan einer Business School.

Einstein fügt hinzu: Wenn du ein glückliches Leben leben willst, verbinde es mit einem Ziel. Auf Englisch: Go for a cause!

Operation Breakthrough: Mission accomplished?

Haben wir unser Ziel erreicht oder uns diesem zumindest angenähert? Unsere Aufgabe war es, den Engpass oder die unsichtbare Wand zu finden, der/die uns daran hindert, unsere mehr oder weniger vollmundig ausgesprochenen Ziele (Make the world a better place) auch in die Tat umzusetzen.

Der Schall unserer Worte hat nichts bewirkt. Es ist wie bei den ärgerlichen bis humoristischen vergeblichen Versuchen, einer automatisierten Telefonhotline seine Wünsche per Spracheingabe mitzuteilen. Als Fürsprecher unserer Wünsche haben wir Greta Thunberg und Harald Lesch [28] genannt.

Sie stehen exemplarisch für das Kind beziehungsweise für den Hofnarren, die im Märchen den Kaiser ungestraft aber auch folgenlos darauf hinweisen dürfen, dass dieser nackt ist. Wir wollen oder können aber nicht die Machart des Kaisers neuer Kleider erkennen. Dies liegt auch an einem blinden Fleck, den beispielsweise Otto Scharmer in seiner Theorie U benennt.

Einen blinden Fleck hatte auch Antoine de Saint-Exupéry. Erst die existenzielle Bedrohung durch den massiven Beschuss auf seinem Flug nach Arras im Jahr 1940 hat ihm die Augen geöffnet:

„Das Schießen von Arras hat mir den Star gestochen, und ich bin sehend geworden. All die meinen sind auch sehend geworden. Wenn ich also morgen früh starte, weiß ich, warum ich noch kämpfe. Ich will aber in Erinnerung behalten, was ich gesehen habe. Ich brauche ein einfaches Credo, um mich zu erinnern. Ich kämpfe von nun an für den Vorrang des Menschen vor dem Individuum – wie des Allgemeinen vor dem Besonderen. Ich glaube, dass der Kult des Universellen die Fülle des Einzelnen steigert und zusammenschließt – und die einzig wahrhafte, lebendige Ordnung aufbaut.“

Saint-Exupéry hat den Kollaps seines Heimatlandes aus der Vogelperspektive beobachtet. Vor diesem Hintergrund würde ich die Hoffnungen nicht so sehr auf den sich abzeichnenden Kollaps der Megamaschine setzen und darauf, dass danach alles besser wird. Vielmehr würde ich hoffen, dass auch uns der Star gestochen wird und wir sehend werden. Johannes Heimrath setzt auf die Post-Kollaps-Gesellschaft, und er hat dazu ein schönes, von Nicanor Perlas entlehntes Bild von der Raupe, die sich zum Schmetterling wandelt:

„Das Bild gefällt mir. Schneller, als uns lieb sein kann, werden wir herausfinden, ob wir zu den Imagozellen der Post-Kollaps-Gesellschaft gehören, die den Bauplan für den erwachsenen Schmetterling bewahren: eine zur vollen Blüte entwickelte Menschheit, die ihre Fressphase in der Larve des Homo industrialis endgültig hinter sich gebracht hat.“

Das Bild von der sich zum Schmetterling wandelnden Raupe führt uns auf eine neue Fährte. Vielleicht ist die unsichtbare Mauer, die wir überwinden wollen, gar nicht im Außen zu suchen, vielleicht liegt diese Mauer in unserem Inneren. Die Erleichterung über diese Entdeckung hält aber nur kurz an. Schließlich hatten die alten Chinesen diese Einsicht schon vor 2.500 Jahren. Es muss also noch eine weitere Mauer geben.

Die Schwallmauer

Der Exkurs über den Methodenwahn regt zu einer weiteren Wortschöpfung an. Möglicherweise haben wir es aufgrund des Schwalls an Methoden und dem Gerede der Experten mit einer Art Schwallmauer zu tun.

Wie beim realen Überschallflug steigt durch die Verdichtung der vielen Methoden der Widerstand vor dieser Mauer so stark an, dass die Energie für die Überwindung der Mauer und damit für die Umsetzung der Theorien in die Praxis nicht mehr ausreicht.

Etwas ernsthafter ausgedrückt würde ich es folgendermaßen formulieren: Das Problem ist durchaus bekannt.

Die von Einstein geforderte neue Denkweise ist eine Denkweise, die mit komplexen Problemen umgehen kann, die mehr auf Qualität als auf Quantität setzt, die Wissen und Weisheit integriert.

Viele Komplexitätsexperten statten sich wie im Märchen mit neuen Komplexitätskleidern aus, die aber nicht das halten können, was sie versprechen. Dabei ist nicht ganz klar, ob wir vorsätzlich getäuscht werden oder ob wir uns gerne täuschen lassen. Verbinden wir das Märchen von des Kaisers neue Kleider mit dem Film Matrix, dann hilft uns die Wahl der roten Pille dabei, diese Täuschung zu überwinden. Denn schließlich gibt es kein richtiges Leben in falschen Kleidern. So ähnlich hat es zumindest Theodor W. Adorno ausgedrückt.

Nachbrenner einschalten

Wir haben uns der Schallmauer angenähert und versuchen nun den Durchbruch, indem wir das Kondensat der Gedanken, das sich in unserem Gedanken-Ringbeschleuniger angesammelt hat, in unsere Turbine einspritzen. Dieses Kondensat besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: dem Faktor Mensch und dem Faktor Methode/Werkzeug.

Wir haben lediglich Gedanken kollidieren lassen. Saint-Exupéry wurde ganz real beschossen und dies hat ihm die Augen geöffnet:

  „Was muss einer sein? Das erst ist die wesentliche Frage; denn der Geist allein befruchtet den Verstand. Er ist vom künftigen Werk trächtig.“

Was muss einer sein, das ist eine uralte Frage und Herausforderung. Erkenne dich selbst und werde der du bist. Bei unserem Selbstbeschuss im Ringbeschleuniger haben wir erkannt, dass unter unseren neuen Kleidern allzu oft noch der alte Adam steckt. Die schönen neuen Kleider unserer Visionen und Utopien halten nicht das, was sie versprechen.

Eine alte Fliegerweisheit sagt: Wenn uns das Flugzeug überholt, dann sind wir verloren. Das erste Beispiel im Exkurs über den Methodenwahn zeigt exemplarisch, wie uns unser Flugzeug mit dem Kennzeichen „Schöne neue Welt“ überholt. Wir können dem Schall unser visionären Worte nicht mehr folgen und verlieren dabei die Kontrolle.

Ausblick

Das zweite Beispiel zeigt, dass vielen unserer Komplexitätsexperten nicht unbedingt zu trauen ist, selbst wenn sie vier Streifen auf ihrer Kapitänsuniform tragen. Viele tragische Flugzeugunglücke wurden durch das Kappen der Verbindung zwischen Steuerknüppel und Ruder verursacht. Die Anschlussfähigkeit zwischen Steuerimpuls und Wirkung – und damit die Operationalität – ging verloren.

Die Steuerung von Flugzeugen ist ein vergleichsweise einfacher (nur komplizierter) Vorgang. Beim Eingriff in komplexe Systeme gibt es keine einfachen linearen Wirkungszusammenhänge mehr. Einfache Knopfdrucklösungen funktionieren nicht. Dies wird aber häufig durch die Verwendung von Netzwerkgrafiken suggeriert. Erst beim Lackmustest zeigt sich, ob die behaupteten Wirkungen nur fiktiv sind oder in der Realität Bestand haben.

Mit dieser Frage beschäftigt sich Teil 3 der Trilogie. Und um die notwendige Seriosität wieder herzustellen, wird dort Asterix durch Aristoteles ersetzt und am Beispiel der transklassischen Logik Gotthard Günthers gezeigt, wie sich durch die Verbindung der aristotelischen Klassik und der kybernetischen Transklassik neue Gefährte für die Navigation in den Gewässern der Komplexität bauen lassen.

Die Megamaschine und der Durchbruch durch die Schallmauer. (Grafik: Franz Jakob)

Der Durchbruch durch die Schallmauer. (Grafik: Franz Jakob mit Material von Pixabay.com)



Quellen und Anmerkungen

[1] “Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ erschien 2015 im Promedia Verlag (Wien). Autor Fabian Scheidler, Mitbegründer des unabhängigen Fernsehmagazins Kontext TV, beschreibt in dem Buch die Ursprünge ökonomischer, militärischer und ideologischer Macht bis ins heutige Weltsystem hinein. Kritisiert wird die radikale und immer rücksichtslosere Ausbeutung von Natur und Mensch, die in der Zerstörung der Ökosysteme und der Gesellschaften gipfelt. Es ist der Abgesang auf die globale Megamaschine. Mehr Informationen auf www.megamaschine.org.

[2] Diese Perversion kommt bereits im Titel des Buches „Der Wahnsinn der Normalität“ von Arno Gruen zum Ausdruck. Weitere Informationen über Arno Gruen auf https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen (abgerufen am 04.03.2019).

[3] Claus Otto Scharmer ist Senior Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Professor im „Thousand Talents Program“ an der Tsinghua University, Peking, und Mitbegründer des Presencing Institute.

[4] Jean Gebser (1905-1973) war ein deutsch-schweizerischer Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer. Er gilt als einer der kulturwissenschaftlich orientierten Bewusstsein­sforscher, die ein Strukturmodell der Bewusstseinsgeschichte des Menschen etabliert haben.

[5] Gregory Bateson (1904-1980) war ein angloamerikanischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph. Batesons Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und Lerntheorie. Außerdem beschäftigte er sich mit Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie und der Linguistik. Bateson setzte sich mit diesen wissenschaftlichen Gebieten nicht getrennt auseinander, sondern sah sie ganzheitlich beziehungsweise als verschiedene Aspekte und Facetten an, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt.

[6] Johannes Heimrath (Jahrgang 1953) ist ein deutscher Unternehmer, Publizist, Musiker und Aktivist. Das Essay „Auf in die Post-Kollaps-Gesellschaft!“ erschien auf seinem Blog (Link: http://www.johannesheimrath.de/auf-in-die-post-kollaps-gesellschaft).

[7] Ein Beispiel liefert die Stellungnahme „Lehren aus der Vergangenheit für die Transformation zu einer klimafreundlichen Gesellschaft“ von Rolf Peter Sieferle (Universität St. Gallen), die in das Hauptgutachten Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung einfloss. Das vollständige Gutachten ist auf als PDF auf der Seite https://www.wbgu.de/hauptgutachten/hg-2011-transformation verfügbar (abgerufen am 04.03.2019).

[8] René Descartes (1596-1650) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Er gilt als Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus.

[9] Archimedes von Syrakus (etwa 287 v. Chr. bis 212 v. Chr.) war ein griechischer Mathematiker, Physiker und Ingenieur. Archimedes gilt als einer der bedeutendsten Mathematiker der Antike, dessen Werke noch im 16. und 17. Jahrhundert Bedeutung hatten bei der Entwicklung der höheren Analysis.

[10] Der Large Hadron Collider (LHC) ist ein Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf. In Bezug auf Energie und Häufigkeit der Teilchenkollisionen ist der LHC der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt. Link zur Webseite: https://home.cern/science/accelerators/large-hadron-collider (abgerufen am 04.03.2019).

[11] Sabine Hossenfelder (Jahrgang 1976) ist Physikerin und Bloggerin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Frankfurter Institut für Höhere Studien und beschäftigt sich mit der Quantengravitation. Hossenfelder ist die Autorin von „Lost in Math: How Beauty Leads Physics Astray“, das die Eleganz der grundlegenden Physik und Kosmologie untersucht. In dem Lehrvideo „What is Physics“ erklärt sie in 4:48 Minuten die gesamte Spannweite der Physik, die von den kleinsten bis zu den größten Dingen reicht. Das Video ist auf https://www.youtube.com/watch?v=XkA1UrickiQ verfügbar (abgerufen am 04.03.2019).

[12] In The Scale of the Universe kann man sich mit einem Schieberegler durch das Universum bewegen. Die Präsentation, deren Nutzung den Adobe Flash Player voraussetzt, reicht in all seinen Maßstäben vom kleinsten bis zum größten Objekt. Link zur Präsentation: http://htwins.net/scale2/lang.html; UPDATE 11.03.2019: Nutzung der Seite erfordert Adobe Flash Player. (abgerufen am 04.03.2019).

[13] Hoimar Gerhard Friedrich Ernst von Ditfurth (1921-1989) war Arzt und Journalist. Bekannt wurde er als Fernsehmoderator und populärwissenschaftlicher Schriftsteller. 1972 erschien im Verlag Hoffmann und Campe sein Buch Im Anfang war der Wasserstoff.

[14] Auf der Website des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 beschrieben: https://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/17_ziele/index.html (abgerufen am 04.03.2019).

[15] Der Discours de la méthode, eigentlich „Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la verité dans les sciences“ (Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen), ist ein philosophisches und autobiographisches Werk von René Descartes. Ausgehend von einem allgemeinen Zweifel an überlieferten Wahrheiten und auch am eigenen Urteil, versucht Descartes unwiderlegbare wahre Sätze zu finden. Der Discours gilt als einer der Ursprünge der Wissenschaftsphilosophie.

[16] Die generative Transformationsgrammatik (auch bekannt als Erzeugungsgrammatik) ist eine generative Grammatik mit Transformationsregeln. Generative Grammatik ist der Oberbegriff für Grammatik-Modelle, mit deren Regelsystem sich die Sätze einer Sprache (im Gegensatz zu den ausschließlich die Phänomene beschreibenden Sprachlehren) generieren lassen. Das Modell der generativen Transformationsgrammatik wurde in den 1950er Jahren von Noam Chomsky konzipiert, mehrfach revidiert und erweitert. Mehr Informationen auf Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Generative_Transformationsgrammatik (abgerufen am 04.03.2019).

[17] Johannes Heinrichs (Jahrgang 1942) ist ein deutscher Sozialphilosoph und Semiotiker. Auf seiner Homepage veröffentlichte er die Abhandlung „Das periodische System der menschlichen Handlungsarten“ (siehe: http://www.johannesheinrichs.de/media/155/cms_4d94d6d762dd5.pdf) und stellte in der Sendung „Gesellschaftsbarometer“ (siehe: https://youtu.be/PSLdwFpSsGc) sein viergliedriges Demokratiemodell vor. Links abgerufen am 04.03.2019.

[18] Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) war ein französischer Pilot und Schriftsteller. Seine märchenhafte Erzählung Der kleine Prinz, die 1943 erschien, gehört zu den erfolgreichsten Büchern der Welt.

[19] Attraktor ist ein Begriff aus der Theorie dynamischer Systeme. Er beschreibt eine Untermenge eines Phasenraums, auf die sich ein dynamisches System im Laufe der Zeit zubewegt, und die unter der Dynamik dieses Systems nicht mehr verlassen wird.

[20] Günter Faltin (Jahrgang 1944) ist ein deutscher Hochschullehrer und Unternehmensgründer. Im Mittelpunkt von Faltins Lehre steht die Idee, dass Entrepreneurship heute allgemein zugänglich und in Abgrenzung zu Business Administration ein kreativer Akt sei. In der Wissensgesellschaft sei ein durchdachtes Ideenkonzept (Entrepreneurial Design) für den Erfolg einer Unternehmensgründung ausschlaggebender als die Verfügung über große Mengen von Kapital. Sein Buch David gegen Goliath erscheint Mitte März 2019.

[21] Die Tragik der Allmende, die Tragödie des Allgemeinguts, die Allmendeklemme oder Allmendeproblematik, bezeichnet ein sozialwissenschaftliches und evolutionstheoretisches Modell, nach dem frei verfügbare (aber begrenzte Ressourcen) nicht effizient genutzt werden und durch Übernutzung bedroht sind, was auch die Nutzer selbst bedroht.

[22] Paul Karl Feyerabend (1924-1994) war ein österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker. Er wurde bekannt durch seinen wissenschaftstheoretischen Anarchismus. Demnach lassen sich keine universellen und ahistorischen wissenschaftlichen Methoden formulieren. Produktive Wissenschaft müsse vielmehr Methoden nach Belieben verändern, einführen und aufgeben dürfen.

[23] David Deutsch (Jahrgang 1953) ist ein israelisch-britischer Physiker. Er forscht auf dem Gebiet der Quanteninformationstheorie und ist Vertreter der sogenannten Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik. Link zur Homepage: http://www.daviddeutsch.org.uk (abgerufen am 06.03.2019).

[24] Bernd-Olaf Küppers (Jahrgang 1944) ist ein deutscher Physiker, Philosoph und theoretischer Biologe. Er befasst sich mit Grundlagenforschung in Naturwissenschaften und Wissenschaftsphilosophie und mit Fragen nach der Entstehung des Lebens. In seinem Aufsatz „Die Strukturwissenschaften als Bindeglied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“ (verfügbar als PDF auf http://www.ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/Oekologie-Umwelt/Strukturwissenschaften_Publikation_Kueppers.pdf) schreibt Küppers: „(…) Daß der Anteil der Strukturwissenschaften in den Naturwissenschaften ständig zunimmt, kann man unter anderem daran erkennen, dass die Computersimulation zunehmend das klassische Experiment in den Naturwissenschaften verdrängt. Denn der Computer ist das wichtigste methodische Instrument der Strukturwissenschaften. Seine Theorie ist selbst eine Strukturwissenschaft.“

[25] Fredmund Malik (Jahrgang 1944) ist ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler. Außerdem ist er Inhaber und Leiter eines Management-Beratungsunternehmens. Maliks Forschungsschwerpunkt liegt auf der Managementlehre. Er nutzt unter anderem systemtheoretische und kybernetische Ansätze zur Analyse und Gestaltung von Managementsystemen.

[26] Link zu einem in der Neuen Debatte veröffentlichen Artikel über das semiotische Dreieck von Christian Ferch: https://neue-debatte.com/2018/10/15/der-kulturschock-der-antike-das-semiotische-dreieck

[27] Ted Talk von Simon Sinek, in dem er darauf eingeht, wie große Führungspersönlichkeiten zum Handeln inspirieren: https://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action/transcript?language=de#t-28376 (abgerufen am 06.03.2019).

[28] Vortrag von Harald Lesch auf einem Diözesanempfang 2019. Lesch spricht zum Thema „Was hat die Natur noch mit uns zu tun“: https://www.youtube.com/watch?v=_ccCrhWhkTQ (abgerufen am 06.03.2019).


Illustration, Fotos und Grafiken: Franz Jakob mit Material von Geralt und Noupload sowie Piro4d (Pixabay.com; Lizenz)

Geologe

Franz Jakob hat Geologie studiert und dort einen ordentlichen Abschluss vorzuweisen, im Gegensatz zu dem parallelen und bis heute andauernden "Studium generale" mit den Schwerpunkten Philosophie und Strukturwissenschaften. Ein Forschungsvorhaben bei einer geologischen Landesbehörde, bei dem es um die Lösung eines umstrittenen gesellschaftlichen Problems ging – wie und wo sollen wir unseren Müll ablagern – brachte ihn mit dem Thema Komplexität in Verbindung. Seit dieser Zeit versucht er, die theoretische und die praktische Seite komplexer Probleme durch eine Synthese in Form einer operationalen Handlungstheorie zu verbinden. Die Spannweite reicht von kleineren lokalen Aufgabenstellungen – wie können wir für 40 Hauseigentümer ein Nahwärmenetz aufbauen – bis hin zur Frage, wie können wir die anstehende "Große Transformation", die vielfach als dritte große Revolution in der Menschheitsgeschichte bezeichnet wird, gestalten.

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2 Responses

  1. Morgentau sagt:

    Nur ein Wort hätte schon genügt: Transformation.

    Es ist das Denken, das uns in die heutigen Abgründe geführt hat und was durch (neues) Denken nicht zu lösen ist. Die Komplexität des Denkens ist es, die uns die Sicht auf die Einfachheit des Lebens versperrt. Die Erkenntnis, dass wir keine neue Arche Noah brauchen, wird den Schmetterling in uns entfalten und den Humus* der alten Welt endgültig begraben.
    Überwinden wir die Mauer in unseren Köpfen, legen wir alle Kleider ab und hören wir endlich auf irgendetwas sein zu wollen.

    Wir sind schon, seit Anfang an. Alles ist – Sein.

    Bin gespannt auf den 3. Teil.

    (*Aus dem Humus alter Kartoffelpflanzen können Karotten wachsen, daraus Kohlrabi usw. Aber irgendwann werden wir wieder Kartoffeln ernten. Menschen lernen nicht aus der Geschichte, sie wiederholen sie in unendlichen Variationen. Deshalb wird die Transformation keinen „neuen Menschen“ hervorbringen, sondern sie ist eine Metamorphose, wenn sie denn stattfinden sollte…)

    • Franz Jakob sagt:

      Danke für den Kommentar.

      „Wir sind schon, seit Anfang an. Alles ist – Sein.“

      Das ist richtig, aber auch die anderen Aspekte spielen ein Rolle. Wenn ich Hunger habe, ist es schön etwas zu essen zu haben und wenn ich als Klavierspieler Anfänger bin, ist es schön, ein guter Pianist zu werden. Problematisch wird immer die Überbetonung eines Aspektes, was auch den Erfolg der Bücher „Haben oder Sein“ von Erich Fromm und „Vom Sein zum Werden“ von Ilya Prigogine erklärt.

      Danke auch für den Tipp mit der Metamorphose. Als Geologe denke ich da an die Umwandlung von Steinen und Mineralien unter Druck und Temperatur, ein Bild, das ganz gut auf unsere aktuelle Lage passt. Sind Druck und Temperatur hoch genug, dann wandelt sich schlichter Kohlenstoff in einen hochwertigen Diamanten um. In unserem Kontext steht dies im übertragenen Sinn für die Umwandlung der Persona, die wir vorgeben zu sein, in den darunter verborgenen eigentlichen Menschen. Dies führt nahtlos zu ihrem folgenden Satz:

      „Überwinden wir die Mauer in unseren Köpfen, legen wir alle Kleider ab und hören wir endlich auf irgendetwas sein zu wollen.“

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