Waffenhandel und die Signaturen der Barbarei

Der neue Bericht von SIPRI liegt jetzt vor. Von jenem schwedischen Institut, das sich mit dem Waffenhandel in der Welt beschäftigt. Die Zahlen, die jetzt von dort aus veröffentlicht werden, sind keine Fake News. Sie liegen kalt und gefühllos auf dem Tisch der Betrachtung und veranschaulichen, wer am meisten mit Rüstung verdient und wer andererseits selbst hochrüstet [1]. Demnach sind die USA mit Abstand die größten Waffenexporteure auf der Welt und Saudi Arabien mit Abstand der größte Importeur der todbringenden Werkzeuge.

Im Gegensatz dazu steht die Erzählung von Frieden und Freiheit und der Wertegemeinschaft. Irgendwie, so stellt sich die Frage, kann da etwas nicht stimmen.

Anscheinend reicht die politische wie kulturelle Attraktivität des westlichen Kapitalismus schon lange nicht mehr alleine aus, um die wirtschaftliche Weltherrschaft zu gewährleisten. Freie Märkte sind die Vorbedingung für eine sukzessiv zu erlangende politische Dominanz und freie Märkte entstehen nur, wenn die vorher bestehenden Strukturen nicht mehr existieren.

Der große Hunger

The trend in international transfers of major weapons, 1979-2018. Data and graphic SIPRI

Das, was den wesentlichen Widerspruch der USA zunehmend ausmacht, ist die innere Spaltung in Bezug auf die eigene Rolle als Weltpolizist. Einerseits sind sie strategisch überdehnt, das heißt, sie sind faktisch in mehr Ländern militärisch präsent, als sie es sich wirtschaftlich leisten können. Andererseits wäre das wirtschaftliche System nicht mehr in der Dimension zu halten, wenn die militärische Präsenz nicht da wäre.

Geostrategisch rächt sich mehr und mehr der große Hunger. Da ist einerseits die Befriedung Zentraleuropas zu konservieren und die Expansion nach Russland vorzubereiten. Da ist der ruhig geglaubte amerikanische Kontinent wieder in Bewegung geraten und er wird wieder verstärkte Aufmerksamkeit des Imperiums erfordern, das den Süden immer abschätzig als Hinterhof bezeichnet hat.

Venezuela und Kuba sind die beiden Brennpunkte, die zeigen, was bevorstehen könnte. Und dann ist da am Rande Chinas Korea, das bei einem Einigungsprozess verloren gehen und den dann verbleibenden amerikanischen Stronghold Japan dramatisch isolieren könnte [2].

Und im Nahen Osten, da soll es ja noch dem Iran an die Gurgel, dieses Unterfangen massiv getriggert vom Werteparadies Saudi Arabien, seinerseits das größte Waffenlager aus amerikanischen Rüstungsexporten.

Signaturen der Barbarei

Es gäbe noch viele kleinere Regionen, aus denen über das Dilemma eines angeschlagenen Riesen berichtet werden könnte. Gefährlich wäre die Unterschätzung der USA hinsichtlich ihrer Bereitschaft, aus der kalten Bedrohung eine ballistisch heiße Angelegenheit zu machen. Allein der Drohnenterror gegen zivile Ziele und die Aufpäppelung sowohl der Taliban wie des IS haben dokumentiert, zu welchen Schweinereien Uncle Sam bereit ist, wenn es um die globale Sicherung seiner Werte geht.

Waterboarding und Guantanamo sind keine denunziatorischen Chiffren, sondern real existierende Signaturen einer Barbarei, so wie übrigens auch der Einsatz der Gummigeschosse auf französischen Straßen.

Wer immer noch der Illusion erliegt, die Attraktivität der bürgerlichen Demokratie sei größer als der eine oder andere Kollateralschaden, der durch die militärische Absicherung des kapitalistischen Wirtschaftens seitens des Westens entsteht, hat trotz intensivierter weltweiter Kommunikation eines nicht gelernt: Zuzuhören!

Traumata und Kriegsverbrechen

Die Reaktionen in der arabischen Welt, in Südamerika, in Südostasien und auch in Zentralasien auf das Doppelpack von Regime Change und Unterjochung sind ein Urteil, von dem sich der sogenannte Freie Westen innerhalb der heute existierenden Generationen nicht mehr wird erholen können.

Die Traumata, die Kriegsverbrechen auslösen, wirken lange nach. Nicht nur bei den Opfern, sondern auch, wie gerade wir Deutschen wissen, bei den Tätern.


Quellen und Anmerkungen

[1] Global arms trade: USA increases dominance; arms flows to the Middle East surge, says SIPRI. Auf https://www.sipri.org/media/press-release/2019/global-arms-trade-usa-increases-dominance-arms-flows-middle-east-surge-says-sipri (abgerufen am 12.03.2019).

[2] Der englische Begriff Stronghold steht für Festung oder Bollwerk. Stronghold ist auch der Name einer Computerspielreihe aus dem Bereich der Echtzeitstrategiespiele.


Symbolfoto und Grafik: Nicole Honeywill (Unsplash.com) und SIPRI (The trend in international transfers of major weapons, 1979-2018).

Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

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10 Responses

  1. Michel Eyquem sagt:

    „Wer immer noch der Illusion erliegt, die Attraktivität der bürgerlichen Demokratie sei größer als der eine oder andere Kollateralschaden, der durch die militärische Absicherung des kapitalistischen Wirtschaftens seitens des Westens entsteht, hat trotz intensivierter weltweiter Kommunikation eines nicht gelernt: Zuzuhören!“

    Das ist Unsinn…
    Angesichts der banalen Tatsache. dass sich NICHTS gegen diese Zustände ausrichten lässt, macht es durchaus Sinn in den westlichen „Demokratien“ das auf dieser Welt derzeit bestmögliche Leben zu führen das möglich ist!

    Keiner will irgendwelchen Gut-Menschen verbieten zum Märtyrer zu werden!

    • VonSeiten sagt:

      Wenn sich nichts gegen die Zustände ausrichten lässt, kann die Party auf der Titanic weitergehen. Rettungswesen werden beim Absaufen ja nicht von allen benötigt. Würden Sie mir ihre borgen? Die bekommen Sie gebraucht zurück, wenn der Crash vorbei ist.

  2. Michel Eyquem sagt:

    Die kann ihresgleichen gerne haben, denn die Weste (ich nehme an das wollten sie tippen) wird sie im Eismeer nicht retten.

    Sehen sie, so völlig anders als schwafelnde Gut-Menschen ziehe ich es vor mich nicht auf der Titanic zu befinden…

    Ich schaue mir die Enwtwicklungen der Welt an und tue dann das Nötige/Mögliche. Deutschland ist zB keineswegs die Form der Titanic auf der ich sein will, wenn „the shit hits the fan“.

    Ich grüsse sie von fernen Stränden

  3. Uwe Leonhardt sagt:

    @VonSeiten,
    da Michael Eyquem vermutlich überdurchschnittlich viele Rettungswesten besitzen dürfte, könnte er ja noch ein Pfandsystem auf dem Dampfer einführen. Oder will er zuerst in die Boote?

  4. Michel Eyquem sagt:

    Das Niveu hier lässt mehr und mehr zu wünschen übrig. Ich versuche als wacher Mensch zu leben und so habe ich weder bisher jemaks eine Rettungsweste gebraucht, noch habe ich die Absicht so zu verblöden, dass ich Gefahr laufe ín Situtaíonen zu geraten wo ich mal welche brauchen werde,

    HINWEIS ADMIN: Nachsatz gelöscht. Lesen Sie bitte die Netiquette und halten Sie sich daran, um das Niveau zu retten. Sollten die in der Netiquette aufgeführten Kleinigkeiten als Regelwerk eine zu große Herausforderung darstellen, steht es Ihnen frei, sich eine andere Plattform zur Kommentierung zu suchen.

    • Michel Eyquem sagt:

      Ich bin nicht daran interssiert ein sogannetess Niveau zu retten, das keines istr. Das seit langer Zeit nicht mehr existiert, falls es das jemals tat.

      Ich habe kein wirkliches Problem mit Zensur oder gar Sperrung.
      Bei sowas geht es dann allein UM EUER NIVEAU!

      Ich habe nicht das Geringste gegen Kritik an meinen Ausagen, aber ich lehne es ab Fakten nicht auszusprechen, nur weil sich Deppen auf die Zehen getreten fühlen. Ganz im Gegenteil! Dass dies nicht sehr viel öfter passiert, ist der wohl grösste Teil des Problems. es istb KEIN zeichen für Toleranz oder gar Niveau, die Aussagen 2+2=4 und 2+2=5 für gleichwertig zu halten!
      Das Problein in den sozialen Medien ist ja gerade, dass Lernunfähigkeit geschützt wird!

      Gehen sie auf ihre Homepage. Da finden sie was Interessantes:

      „Der Hintergrund für die Neue Debatte ist banal: Wir interessieren uns für das Zeitgeschehen, für Menschen und für ihre Meinungen, ihre Kultur, ihr Wissen, ihre Argumente und Positionen – und wir haben selber auch Meinungen, Kultur, Wissen, Argumente und vertreten Positionen. Und über die wollen wir uns weltweit austauschen. Dafür brauchen wir neue Formen des Journalismus, die keine Deutungshoheit für sich beanspruchen oder kommerziellen Zwängen unterworfen sind.“

      Da steht was von DEUTUNGSHOHEIT !

      Sie können mich wie gesagt zensierten oder auch sperren, das wird nichts daran ändern was sie tatsächlich hinter all den (dann) offensichtlich geheuchelten und lehren Phrasen sind.

  5. waldemar hammel sagt:

    dem selbsternannten weltpolizisten USA fliegt langsam sein eigener geopolitischer und geostrategischer plot um die ohren, in dem er sich, gerade nach vorübergehendem wegfall des kalten krieges, gut eingerichtet glaubte, und dies zu einer zeit, in der auch die inneren widersprüche der USA selbst immer unbeherrschbarer werden, pech, dass die geschichte, die historie, einfach weitergeht, und auch selbst 500 flugzeugträger irgendwann auf historischen schrotthaufen landen werden.
    warum sollte es den USA anders ergehen, als zb einst dem römischen „reich“? („reiche“ waren immer arme, die den titel nur im wappen trugen), und am militärischen liegts dabei nicht, im gegenteil, die finale militärische über-hochrüstung historisch abtretender (welt) „reiche“ ist gerade ein unübersehbares anzeichen ihres schwächelns, ihres anlaufenden inneren zerfalls, solche systeme wehren sich nach aussen hin, beißen, kämpfen ihre letzten kämpfe in ihre umwelten hinein, weil sie ihre inneren widersprüche damit noch eine zeitlang in schach halten können (aussenfeinde).
    ein heutiger präsident trump, ein wahrer offenbarungseid des ökonomischen systems USA, ist braver teil des roulettes, in dem nordamerika sich und seine zukünfte weiterhin selbst verspielt …

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