Theodore J. Kaczynski – Schriften aus dem Gefängnis

Katastrophen, Kriege, Krisen, ökologischer Kollaps: Die Welt, in der wir alle leben, taumelt am Rand des Untergangs. Schuld ist „das System“, heißt es. Aber was ist eigentlich dieses ominöse System, das für alles Leid und Elend verantwortlich gemacht wird? Eine Frage, die vielleicht jemand beantworten kann, der sich für den Weg der Gewalt entschied, um „das System“ zu bekämpfen: Theodore John Kaczynski (Jahrgang 1942), hochintelligent, ehemaliger Professor für Mathematik und verurteilter Terrorist.

Theodore J. Kaczynski als Unabomber

Am 4. Mai 1998 wurde Kaczynski zu acht Mal lebenslänglich verurteilt. Seine Strafe sitzt er im Hochsicherheitsgefängnis ADX Florence im US-Bundesstaat Colorado ab. Kaczynski verschickte zwischen 1978 und 1995 Briefbomben an Universitäten, Professoren und Personen, die teilweise zur US-amerikanischen Elite gezählt werden können. Darunter ein Genforscher, Computerspezialisten und Percy A. Wood, der damalige Präsident von United Airlines.

Der Täter blieb unerkannt. Die Presse gab ihm den Namen Unabomber. Im April 1995 wandte sich der Attentäter an die „Washington Post“ und die „New York Times“. Sein Angebot: Er stellt die Anschläge ein, wenn seine Schrift „Industrial Society and Its Future“ (Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft) abgedruckt wird. Eine Form moralischer Erpressung.

Die Journalistin Sharon Veronica LaFraniere und ihr Kollege Pierre Thomas schrieben in ihrem Artikel „Manifesto Poses Ethical Dilemma for Two Newspapers“ (Manifest stellt ethisches Dilemma für zwei Zeitungen dar) in der Washington Post:

(…) If the bomber is to be believed, the newspapers conceivably could save lives simply by giving him the seven pages it would take to print his 56-page treatise against modern society. Sharon LaFraniere and Pierre Thomas; Washington Post: Saturday, July 1, 1995; Page A03
(…) Wenn man dem Bombenleger glauben will, könnten die Zeitungen möglicherweise Leben retten, indem sie ihm einfach die sieben Seiten geben, die nötig wären, um seine 56-seitige Abhandlung gegen die moderne Gesellschaft zu drucken.

Die Zeitungen willigten ein und der „Unabomber“, zu diesem Zeitpunkt immer noch unerkannt, bekam die Aufmerksamkeit, die er wollte. Kaczynski beklagt in seinem Manifest einen zerstörerischen technischen Fortschritt. Das Ökosystem Erde könne demnach nur überleben, wenn das industriell-technische System selbst zusammenbrechen würde. Der Schreibstil brachte die Ermittler auf seine Spur. Kaczynski, der im späteren Prozess betonte, er sei nicht psychisch krank, wurde erkannt, im April 1996 verhaftet und zwei Jahre später verurteilt. Seine Briefbomben hatten 23 Menschen verletzt und drei getötet.

Im Gefängnis verfasste Kaczynski weitere Essays, die eine umfassende und radikale Gesellschafts- und Technologiekritik transportieren. 2010 erschien im Packpapierverlag das Buch „Schriften aus dem Gefängnis“. Der Text „Der beste Schachzug des Systems“ ist Teil des Werkes. Neue Debatte veröffentlicht einen Auszug, in dem Theodore J. Kaczynski skizziert, was das System aus seiner Sicht ist und was es vor allem nicht ist.


Der beste Schachzug des Systems

Der höchste Luxus des Systems der Techno-Gesellschaft bestände darin, die Revolten unnütz und die Hinnahme lächelnd zu machen. Jacques Ellul, „The Technological Society“, NYC, 1964, Seite 427

Das System macht hinsichtlich der Revolutionäre und sogenannten Rebellen von heute einen guten Schachzug. Er ist so raffiniert, dass man ihn, wäre er bewusst geplant, für seine fast mathematische Eleganz bewundern müsste.

1. Was das System nicht ist

Fangen wir mit der Bestimmung dessen an, was das System nicht ist. Das System ist nicht George W. Bush und sein Kreis von Beratern und Beamten; ist nicht die Polizei, welche Demonstrationen unterdrückt; es ist nicht gleich den CEOs mächtiger Multis und auch nicht irgend ein krimineller Frankenstein, der in seinem Laboratorium versteckt die Gene lebender Kreaturen manipuliert. All diese Leute stehen im Dienste des Systems, konstituieren aber nicht an sich das System. Es ist sogar möglich, dass die persönlichen Werte, Haltungen, Überzeugungen und Handlungen dieser Leute als Einzelpersonen mit den Bedürfnissen des Systems in Konflikt stehen.

Nehmen wir ein Beispiel. Das System verlangt die Achtung der Eigentumsrechte und dennoch machen sich die Manager der Unternehmen, die Polizisten, Wissenschafter und Politiker gelegentlich des Diebstahls schuldig. (Der Diebstahl beschränkt sich nicht auf die Entwendung von Gegenständen. Er umfasst jedes illegale Mittel, Güter zu erwerben, also auch Steuerhinterziehung, Annahme von Bestechungsgeldern und jede Form von Korruption.). Doch die Tatsache, dass sich die CEOs, Polizisten, Wissenschafter oder Politiker gelegentlich des Diebstahls schuldig machen, bedeutet nicht, dass der Diebstahl Teil des Systems wäre. Im Gegenteil: Wenn ein Polizist oder Politiker etwas stiehlt, rebelliert er gegen die Ansprüche des Systems hinsichtlich der Achtung des Gesetzes und des Eigentums. Doch bleiben diese Leute auch wenn sie stehlen die Diener des Systems solange, wie sie öffentlich ihren Beitrag zum Gesetz und Eigentumsrecht leisten.

Welche illegalen Akte Politiker, Polizisten oder CEOs als Individuen auch immer begehen: Diebstahl, Korruption, Annahme „kleiner Geschenke“, so gehören diese nicht zum System, sondern sind Krankheiten des Systems. Je weniger Entwendungen es gibt, desto besser funktioniert das System. Deshalb gestehen die Diener und Förderer des Systems auch immer öffentlich ihren Gehorsamkeit gegenüber dem Gesetz, selbst, wenn sie es manchmal angenehmer finden, es privat zu übertreten.

Nehmen wir ein anderes Beispiel. Wenn die Polizei auch damit beauftragt ist, der Achtung der Regeln des Systems Nachachtung zu verschaffen, ist die Polizeibrutalität nicht Teil des Systems. Wenn die Polizisten einen Verdächtigen schlagen, um zu Aussagen zu gelangen, machen sie nicht die Arbeit des Systems, sondern drücken nur ihren eigenen Zorn und ihre Aggressivität aus. Ziel des Systems ist nicht die Brutalität oder der Ausdruck des Zorns. Die Polizei ist vom System beauftragt, der Achtung der Gesetze Nachachtung zu verschaffen, soll aber ihre Aufgabe mit möglichst wenig Aufruhr, Gewalt und schlechter Publizität ausführen. Aus dem Gesichtswinkel des Systems ist deshalb der beste Polizist derjenige, der nie zornig wird, nie mehr Gewalt anwendet als notwendig und der im Rahmen des Möglichen mehr auf Manipulation als auf Gewalt zurückgreift, um die Leute unter Kontrolle zu halten. Die Polizeibrutalität ist nur eine Krankheit des Systems, sie ist nicht Teil des Systems.

Man beachte zum Beweis das Verhalten der Medien. Die hauptsächlichen Medien verdammen fast immer generell die Polizeibrutalitäten. Natürlich drücken diese Medien in der Regel die Meinung der herrschenden Klassen hinsichtlich dessen, was für das System gut ist, aus.

Was zum Diebstahl, zur Korruption und Polizeibrutalität gesagt worden ist, lässt sich auch auf die verschiedenen Formen der Diskrimination [*] und Verfolgung anwenden, also Rassismus, Sexismus, Homophobie, Ausbeutung des Elends in sweet shops etc. All das ist schlecht für das System. Ein Beispiel: Je mehr sich die Schwarzen verachtet und ausgeschlossen fühlen, desto mehr tendieren sie zur Kriminalität und umso weniger wenden sie sich einer Karriere zu, welche für das System nützlich wäre.

Die moderne Technologie mit ihren schnellen Transportmitteln über grosse Distanz und mit dem Bruch, welchen sie mit den traditionellen Lebensformen bewirkt, führt zur Vermischung der Populationen, sodass die Leute der verschiedenen Rassen, Nationen, Kulturen und Religionen Seite an Seite leben und arbeiten müssen. Wenn sich diese Leute hassen oder aus Gründen ablehne, die rassisch, ethnisch, religiös, sexuell etc. sind, so behindern die daraus entstehenden Konflikte das gute Funktionieren des Systems. Ausser einigen alten Fossilen wie Jesse Helms wissen das die Führer des Systems sehr gut, weshalb wir denn auch in den Schulen und Medien gelehrt werden, dass der Rassismus, Sexismus, die Homophobie etc. Übel sind, die aus der Gesellschaft ausgemerzt werden müssen.

Ohne Zweifel sind einige der Führer des Systems, die Politiker, Wissenschafter und CEOs, privat der Meinung, dass der Platz der Frau im Hause ist oder dass die Homosexualität und die Mischehen abstossend sind. Doch selbst wenn die Mehrzahl von ihnen Überzeugungen dieser Art hegte, hiesse das nicht, dass der Rassismus, Sexismus, Homophobie etc. Teil des Systems wären – sowenig wie die Praxis des Diebstahls unter den Führern des Systems heisst, dass der Diebstahl Teil des Systems wäre. Genau so wie das System die Achtung des Gesetzes und des Eigentums fördern muss, um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten, genau so muss es den Rassismus und die andern Formen der Unterdrückung entmutigen. Das ist der Grund, weshalb das System trotz der individuellen Hässlichkeiten seiner Elite grundsätzlich in der Beseitigung der verschiedenen Formen von Diskrimination und Unterdrückung engagiert ist.

Den Beweis dazu liefern uns ein weiteres Mal die Mainstream-Medien. Trotz einiger randständiger, von den reaktionärsten Medien und provokativsten Kommentatoren ausgedrückter Meinungen ist die Medienpropaganda massiv für die Gleichheit der Geschlechter, der Rassen und für die Annahme von Homosexualität und Mischehen eingestellt [316].

Das System bedarf einer Bevölkerung, die fügsam, gewaltlos, zahm und gehorsam ist. Jeder Konflikt, jeder Aufruhr, der das geordnete Funktionieren der gesellschaftlichen Maschinerie stören könnte, muss vermieden werden. Über die Beseitigung der Rassenspannungen hinaus muss das System auch alle Bewegungen unterdrücken oder zu seinen Gunsten ausnützen, von denen anzunehmen ist, dass sie Unordnung hervorrufen könnten, wie etwa der Machismo, die aggressiven Ausbrüche und ganz allgemein jede Tendenz zur Gewalt.

Natürlich verschwinden die herkömmlich Rassen- und ethnischen Spannungen langsam; der Machismo, die Aggressivität und die gewaltsamen Regungen werden nicht leicht beseitigt, und die Verhaltensweisen gegenüber geschlechtlicher Gleichheit und Identität ändern sich nicht von einem Tag auf den andern. Infolgedessen gibt es viele Individuen, welche sich gegen diese Änderungen sträuben und das System muss mit ihrem Widerstand zurecht kommen [317].

2. Wie das System die Tendenz zur Rebellion manipuliert

In der modernen Gesellschaft sind wir alle Gefangene in einem engmaschigen Netz von Regeln und Ordnungen. Wir sind den grossen Organisationen: der Industrie, des Staates, der Syndikate, Universitäten, Kirchen oder politischen Parteien ausgeliefert, folglich ohnmächtig. Die Knechtschaft, Ohnmacht und die Unwürdigkeit, die uns das System auferlegt, rufen wachsende Frustration und den Wunsch nach Rebellion hervor. Hier nun spielt das System seine hinterhältigste Karte aus: Mit einem brillanten Taschenspielertrick dreht es die Rebellion zu seinen eignen Gunsten um.

Viele Menschen kennen den Grund ihrer Frustration nicht und ihre Rebellion bleibt eine ungerichtete Bewegung. Sie möchten rebellieren, wissen aber nicht wogegen. Da kommt das System und bietet ihnen unverhofft eine Liste von stereotypen Standard-Beschwerden, wogegen sie revoltieren können: der Rassismus, die Homophobie, die weibliche Lebensbedingung, das Elend der sweet shops . . . der ganze Wäschesack mit den Themen der „Aktivisten“.

Eine sehr grosse Anzahl von vorgeblichen Rebellen beissen an diesem Angelhaken an. Sie kämpfen gegen den Rassismus, Sexismus usw. . . . und verrichten nur die Arbeit des Systems, an seiner Statt. Wie ist das möglich?

Zu aller erst muss man sehen, dass vor 50 Jahren das System sich noch nicht im Kampf für die Gleichstellung der Schwarzen, Frauen und Homosexuellen einsetzte, so dass die Aktionen zu Gunsten dieser Gleichstellung wirklich eine Form von Rebellion darstellten. In der Folge wurden diese Sachen aber gemeinhin als Sache der Rebellion überhaupt betrachtet. Sie bewahren diesen Status in einer Art Tradition bis in unsere Tage. Jede Generation von Rebellen imitiert die vorangehenden Generationen.

Zweitens. Wie schon gesagt gibt es immer eine bedeutende Zahl von Leuten, die gesellschaftlichen Wandlungen gegenüber, welche das System verlangt, Widerstand leistet; einige dieser Leute sind sogar Autoritäten, seien es Polizisten, Richter oder Politiker. Letztere bieten sich für diese angeblichen Rebellen als Zielscheibe an, wogegen sie ihre Revolte richten können. Kommentatoren wie Rush Limbaug schreien gegen die Aktivisten und weil der Zorn solcher Leute geweckt wird, halten sich die Aktivisten für wirkliche Rebellen.

Schlussendlich propagieren die vermeintlichen Rebellen Vorschläge, die weit über das hinaus gehen, was die Führer des Systems für vernünftig halten, um mit der Mehrheit dieser Führer, welche die für das System notwendigen gesellschaftlichen Änderungen akzeptieren, in Konflikt zu geraten, und entwickeln einen extremen Zorn auf Subjekte ohne jede Bedeutung. So fordern sie zum Beispiel, dass den Schwarzen eine Entschädigung gezahlt werde und entrüsten sich ohne Sinn und Vernunft, sobald nur die geringste Kritik an einer Minderheit geübt wird. So halten die Aktivisten die Illusion aufrecht, dass sie gegen das System rebellieren. Diese Illusion ist aber absurd. Die Kampagnen gegen den Rassismus, Sexismus, die Homophobie und alle den Rest stellen keine wirkliche Rebellion gegen das System dar, sowenig wie die Anprangerung der Korruption im Bereich des Politischen. Leute, die gegen die Korruption und die „kleinen Geschenke“ kämpfen, bedrohen das System nicht, sondern sichern seine Förderung: Sie tragen dazu bei, die Politiker den Regeln des Systems unterzuordnen. Ebenso bewirken diejenigen, welche den Rassismus, Sexismus und die Homophobie bekämpfen, nur eine Stärkung des Systems: Sie helfen dem System, Verhaltensweisen zu beseitigen, die problematisch sind.

Die Aktivisten handeln aber nicht nur als Unterstützer und Förderer des Systems: Sie wirken auch als Blitzableiter, welche das System schützen, indem sie von ihm und seinen Institutionen den öffentlichen Groll fernhalten. So war es zum Beispiel aus verschiedenen Gründen im Interesse des Systems, die Frauen dazu zu bewegen, ausser Hauses zu arbeiten. Doch wenn das von Regierung und Medien repräsentierte System vor 50 Jahren eine schroffe Propagandakampagne mit dem Ziel gestartet hätte, für die Frauen gesellschaftlich annehmbar zu machen, dass sie ihr Leben mehr auf Karriere als auf Haushalt auszurichten, so hätte der natürliche Widerstand gegen die Veränderung eine grosse öffentliche Wut heraufbeschworen. Was ist dann aber geschehen? Radikale feministische Gruppen bildeten die Avantgarde und Speerspitze der Umwälzung, während die Institutionen des Systems vorsichtig in Distanz verblieben. So richtete sich die Wut der konservativsten Mitglieder der Gesellschaft hauptsächlich gegen die radikalen feministischen Gruppen und nicht gegen das System und seine Institutionen; die unter der Patenschaft des Systems geschehenen Veränderungen schienen dagegen als langsam und bescheiden; die von den radikalen Feministinnen propagierten Lösungen waren viel radikaler; und wo jene progressiv waren, gingen sie auf die Kosten der Radikalen.

3. Der schlaueste Trick des Systems

Zusammengefasst kann man den besten Schachzug des Systems folgendermassen schematisieren:

a) Im Interesse seiner eigenen Effizienz und Sicherheit muss das System tiefgreifende und radikale gesellschaftliche Veränderungen durchführen, um sich den neuen Bedingungen anzupassen, welche sich aus dem technologischen Fortschritt ergeben.

b) Die Frustration, welche mit den vom System auferlegten Lebensbedingungen verbunden ist, erzeugt den Wunsch nach Revolte.

c) Diese rebellischen Triebe werden vom System instrumentalisiert, um die gesellschaftlichen Veränderungen durchzuführen, die für es notwendig sind; die Aktivisten „rebellieren“ gegen die alten, ausser Mode gekommenen Werte, welche für das System nicht mehr nützlich sind, und wirken zu Gunsten neuer Werte, welche das System möchte, wir akzeptierten sie.

d) Auf diese Weise erweisen sich die Protestbewegungen, die für das System hätten gefährlich werden können, als ungefährlich, ja nützlich für das System.

e) Ein grosser Teil des öffentlichen Unmuts, der durch die aufgedrängten gesellschaftlichen Veränderungen hervorgerufen wird, wird vom System und seinen Institutionen abgelenkt und auf die radikalen Bewegungen gerichtet, die sich an die Spitze der Veränderungen stellen.

Selbstverständlich wird dieser listige Trick nicht zum voraus von den führenden Köpfen des Systems ausgedacht; diese sind sich dieses Schachzugs keineswegs bewusst. Die Dinge geschehen etwa folgendermassen:

Wenn die Chefredaktoren, Herausgeber und Eigentümer der grossen Medien entscheiden müssen, welche Position sie zu dieser oder jener Frage einnehmen sollen, müssen sie bewusst oder unbewusst verschiedene Faktoren in Rechnung ziehen: Sie müssen in Betracht ziehen, wie ihre Leser und Zuschauer darauf reagieren, was sie bezüglich eines Themas drucken oder senden; sie müssen gleichzeitig in Betracht ziehen, wie die Inserenten, die konkurrierenden Medien und verschiedene wichtige Personen darauf reagieren werden; und sie müssen schliesslich die Folgen für die Sicherheit des Systems von allem, was sie drucken oder senden, voraussehen.

Die praktischen Überlegungen sind gewöhnlich wichtiger als die persönlichen Gefühle bezüglich der anstehenden Fragen. Die persönlichen Gefühle der Chefs der Medien, Werbeagenturen und mächtigen Persönlichkeiten sind verschieden. Sie können liberal oder konservativ, religiös oder atheistisch sein. Der einzige gemeinsame Punkt dieser Eliten ist ihr konstanter Einsatz zu Gunsten des Systems, seiner Sicherheit und Macht. Folglich ist in den Grenzen, welche die Bereitschaft des Publikums, etwas anzunehmen, setzt, der ausschlaggebende Faktor für die von den Medien propagierten Meinungen der Konsensus der Eliten darüber, was für das System von Nutzen ist.

Somit überlegt ein Herausgeber oder Medienchef vor jeder Entscheidung, welche Stellung gegenüber einer Bewegung einzunehmen ist, ob diese etwas Gutes oder Übles für das System ist. Er sagt sich vielleicht, dass seine Entscheidung auf moralischen, philosophischen oder religiösen Prinzipien aufgebaut ist, es ist aber klar, dass in der Praxis die Sicherheit des Systems im Vordergrund steht und die Einstellung der Medien bestimmt.

Wenn zum Beispiel ein Chefredakteur eines Aktualitäten-Magazins einen Artikel über die Milizen-Bewegung publiziert, so teilt er womöglich ganz persönlich den Gesichtspunkt dieser Bewegung, er weiss aber auch, dass seine Inserenten und Konkurrenten dieser Art von Aktivitäten gegenüber grossenteils feindlich eingestellt sind, da sie für das System eine potenzielle Gefahr darstellen. Unter diesen Voraussetzungen hat sein Magazin alles Interesse, dieser Bewegung gegenüber eine kritische Stellung zu einzunehmen. Die negative Haltung der Medien erklärt denn auch teilweise die Auslöschung dieser Bewegung.

Betrachtet derselbe Chef-Redaktor die radikale Frauenbewegung, so stellt er fest, dass gewisse Forderung dieser Bewegung für das System gefährlich sind, er sieht aber auch, dass der Feminismus zahlreiche Vorschläge bringt, die für das System nützlich sind. Die Teilnahme der Frauen an der Business-Welt und der Welt der Technik fördert ihre Integration und die Integration ihrer Familien in das System. Die Talente der Frauen können nutzbringend ausgebeutet werden. Der hartnäckige Kampf der Feministinnen, Gewalt in der Familie und der Vergewaltigung ein Ende zu machen, dient auch den Interessen des Systems, denn jede Art von Gewalt beeinträchtigt das gute Funktionieren des Systems. Vor allem aber anerkennt der Chef-Redaktor, dass die Bedeutungslosigkeit und Nichtigkeit der Hausarbeit sowie die gesellschaftliche Isolation der Hausfrau dazu führen, dass viele Frauen in schwere Frustration fallen; diese Frustration ist problematisch, wenn die Frauen nicht ein Ventil dafür in der Welt des Business und der Technik finden.

Selbst wenn dieser Herausgeber eher ein Macho-Typ ist, der sich wohler fühlt, wenn die Frauen eine untergeordnete Stellung einnehmen, so weiss er, dass der Feminismus, zumindest der moderate Feminismus, für das System gut ist. Seine redaktionelle Linie wird folglich dem gemässigten Feminismus gegenüber positiv eingestellt sein, will er nicht die Missbilligung von Seiten der Werbung und einflussreicher Personen gewärtigen. Das erklärt, warum die hauptsächlichen Medien im allgemeinen dem gemässigten Feminismus gegenüber gewogen, dem radikalen Feminismus gegenüber ambivalent sind, während die feindliche Kritik ausschliesslich gegen die extremen Forderungen gerichtet ist.

Diesem Schema entsprechend unterliegen die rebellischen Bewegungen, welche für das System gefährlich sind, einer Negativpropaganda, wogegen die rebellischen Bewegungen, welche für das System nützlich sein können, von den Medien vorsichtig ermutigt werden. Der unbewusste Einfluss der Medien-Propaganda reizt die vorgeblichen Rebellen, in einer Weise zu revoltieren, welche den Interessen des Systems nützt.

Die universitären Intellektuellen nehmen ebenfalls an der Realisierung dieses guten Schachzugs teil. Obwohl sie sich gerne als freie und unabhängige Denker darstellen, bilden diese Intellektuellen (mit Ausnahme einiger weniger Individuen) heute die am meisten übersozialisierte, konformistische, handzahme, verzärtelte, entfremdete und feige Gruppe von ganz Amerika. Folglich ist ihre Tendenz zur Rebellion ganz besonders gross. Da sie aber zu selbständigem Denken unfähig sind, sind sie auch zu wirklicher Rebellion unfähig. Sie sind nichts als vom System manipulierte Einfaltspinsel, die seinen Spielzug zu Ende führen. Ihnen fällt die Rolle zu, die Leute zu provozieren und sich dabei lustvoll in der Illusion zu wiegen, zu rebellieren, wobei sie aber die Grundwerte des Systems unangetastet lassen.

In ihrer Rolle als Lehrer sind die universitären Intellektuellen wohl platziert, um dem System zu helfen, seinen Spielzug bei den Jungen durchzuziehen. Dies bewerkstelligen sie, indem sie die rebellischen Tendenzen der Jungen auf stereotype Standard-Ziele richten: den Rassismus, Kolonialismus, die Stellung der Frau etc. Die Jungen, die keine höheren Studien absolvieren, erhalten über die Medien oder persönlichen Kontakt Kenntnis von den Fragen der „gesellschaftlichen Gerechtigkeit“, welche die Rebellion der Studenten entzünden, und ahmen sie nach. So entwickelt sich unter den Jungen eine Kultur stereotyper Rebellion und verbreitet sich durch Nachahmung und Gruppeneffekt – wie eine Haarmode, eine Kleidermode oder was auch immer der Nachahmungstrieb verbreitet. (…)


Quellen und Anmerkungen

[316] Die ganz oberflächliche Prüfung der Massenmedien in den industrialisierten Staaten oder sogar in solchen Ländern, die nur noch auf die Modernität warten, bestätigt, dass dem System daran gelegen ist, die Diskrimination bezüglich Rasse, Religion, Geschlecht, sexueller Ausrichtung etc. etc. zu beseitigen. Es wäre einfach, Tausende von Beispielen dazu beizubringen. Hier nur aus drei Ländern:
USA: „Public Displays of Affection“, in „U.S. News & World Report“, 9. 9. 2002, Seiten 42-43. Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Propaganda funktioniert. Es wird ersichtlich eine objektive oder neutrale Position zu homosexuellen Paaren angenommen, wobei das Wort denjenigen gegeben wird, welche gegen die öffentliche Anerkennung der Homosexualität sind. Wer immer diesen Artikel liest, der offen seine Sympathie für ein homosexuelles Paar erklärt, gewinnt den Eindruck, dass die Anerkennung der Homosexualität wünschbar und auf lange Sicht unausweichlich ist. Besonders bezeichnend ist die Photographie des fraglichen homosexuellen Paares: es ist sehr attraktiv und nachgeradezu verführerisch. Wer auch nur eine geringe Kenntnis der Propagandamechanismen hat, sieht schnell, dass es ein Propagandaartikel zu Gunsten der öffentlichen Anerkennung der Homosexualität ist.
Russland: „Putin denunziert Intoleranz“, „The Denver Post“, 26. 7. 2002, Seite 16A. „Moskau – Der Präsident Vladimir Putin hat am Donnerstag heftig die rassischen und religiösen Vorurteile denunziert: „wenn wir den Keim des Chauvinismus und der Rassen- und Religions-Intoleranz aufgehen lassen, geht das Land zu Grunde“, erklärte Putin im Verlaufe von Erläuterungen an einer Aufzeichnung Donnerstag Abend am Fernsehen“. Etc. etc.
Mexiko: „Der Rassismus gegen die Eingeborenen dauert fort“, in „El Sol de Mexico“, 11.1.2002, S. 1/B. Die Legende zur Photo besagt: „Trotz der Anstrengungen zur Sicherung der Würde der autochthonen Völker in unserem Land leiden diese immer noch unter Diskriminierung . . .“. Der Artikel zeigt die Anstrengungen der Bischöfe von Mexiko, gegen die Diskrimination zu kämpfen und präzisiert, dass die Bischöfe die Gebräuche der autochthonen Völker „reinigen“ wollen, um die Frauen in traditionellem inferiorem Status zu befreien . „El Sol de Mexico“ ist eher Mitte Rechts gelagert.
Wer immer sich die Mühe nähme, könnte die Beispiele unendlich vermehren. Die Beweise, dass sich das System selbst die Aufgabe gestellt hat, Diskriminierung und Verfolgung zu beseitigen, sind so offensichtlich und zahlreich, dass man angesichts der Militanten verblüfft ist, die immer noch überzeugt sind, ihr Kampf gegen diese Arten von Ungerechtigkeit sei eine Form von Rebellion. Es gibt nur ein Phänomen zur Erklärung, das unter den professionellen Propagandisten wohl bekannt ist: Die Menschen haben die Tendenz, Informationen zu verdrängen, nicht wahrzunehmen oder zu vergessen, welche nicht im Sinne ihrer Überzeugungen sind. Man lese dazu den interessanten Artikel „Propaganda“ in „The New Encyclopaedia Britannica“, Vol 26, Makropaedia, 15. Ausgabe, 1997, Seiten 171 – 179, insbes. S. 176.

[317] Ich sage hier, was das System nicht ist, ohne zu sagen, was es ist. Einer meiner Freunde meinte, das könnte Leser verwirren, nur glaube ich, dass es für den Zweck dieses Artikels nicht notwendig ist, eine genaue Definition des Systems zu geben. Ich wüsste nicht, wie das in einem gut gedrechselten Satz möglich wäre, wollte ausserdem nicht die Kontinuität des Artikels durch eine lange Abschweifung brechen. Das dürfte den Leser nicht ernsthaft am Verständnis hindern.


Redaktioneller Hinweis: „Theodore J. Kaczynski – Schriften aus dem Gefängnis“ wurde herausgegeben in der „Reihe ketabha/Packpapierverlag“, 2010, Weggis/Osnabrück (Übersetzung: Andres Loepfe). Aus: Theodore J. Kaczynski: „The Road to Revolution“. The complete & authorized Unabomber. With afterwords by Dr. Patrick Barriot and Dr. David Skrbina. Editions Xenia, CP 395, 1800 Vevey, Schweiz, Herbst 2009. Das Werk ist online archiviert in der Anarchistischen Bibliothek auf https://anarchistischebibliothek.org/library/ted-kaczynski-schriften-aus-dem-gefangnis (abgerufen am 12.03.2019). Wir danken dem Packpapierverlag für die Zustimmung der Veröffentlichung des Textauszugs auf Neue Debatte.


Besondere Anmerkung:

[*] Der Begriff Diskrimination beschreibt die Unterscheidung, den Unterschied oder das Unterscheidungszeichen. Die Diskriminationsfähigkeit ist dementsprechend die Fähigkeit zur Unterscheidung.


Illustration (Ausschnitt): Geralt (Pixabay.com; Lizenz)

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5 Comments

  • Ich habe die ganzen Schriften gelesen. Schlussendlich fordert Kaczynski eine totale Abkehr/Zerstörung vom bisher Bestehenden. Hier ein weiterer Auszug:

    „Wenn man diese lebenswichtigen Organe des Systems angreift, so darf das nicht in Bezug auf die Werte des Systems selbst geschehen, sondern nur in Bezug auf die Werte, welche diesen vollständig entgegengesetzt sind. Ein Beispiel: Wenn man die heutige Industrie zur Erzeugung von elektrischer Energie deshalb angreift, weil sie die Umwelt verschmutze, so kann das System dem Protest die Spitze brechen, indem sie Mittel und Werkzeuge entwickelt, welche Elektrizität auf sauberer und sichere Weise herstellen. Letztlich könnte das System dazu übergehen, gänzlich auf Solar- und Windenergie überzugehen. Damit würden die Umweltschäden stark verringert, das technisch- industrielle System wäre dabei aber nicht an sein Ende gelangt und auch die Grundwerte des Systems erlitten keine Niederlage. Um etwas wirklich dem System Entgegengesetztes zu bewirken, muss man die ganze Produktion von elektrischer Energie angreifen; das ist eine Prinzipienfrage, welche auf der Tatsache beruht, dass die Abhängigkeit von der Elektrizität die Menschen vom System abhängig macht. Diese prinzipielle Sichtweise ist mit den Werten des Systems vollständig unvereinbar.“

    Nun, was das bedeutet dürfte klar sein. Es wird auf jeden Fall ein Kampf auf Leben und Tod stattfinden. Allerdings übersieht Kaczynski etwas sehr wichtiges. „Das System“ ist kein abstraktes Gebilde, sondern es ist die Summe aller Menschen, bis zum heutigen Tag.
    Dies hat er richtig erkannt in, „Was das System nicht ist“. Allerdings verfällt er in seinen Schriften wieder in das „allgemein gültige Dogma“, des bösen Systems.
    Deshalb wird ein Kampf gegen die Systemwerte, als auch gegen das System selbst (lt. Kaczynski) nicht helfen.

    Das von Menschen gemachte und dadurch nicht getrennte System kann nur nachhaltig durch wirkliche, humanistische Einsicht zerfallen und niemals durch Kampf. Denn Kampf bedeutet immer, dass alles was gegen die „neue Ideologie“ verstösst, total zerstört werden muss, auch Menschen. Also wieder Krieg.
    Gewalt und Krieg ist immer destruktiv. Neue, andere Systeme werden entstehen die wiederum einen anderen, neuen Kampf heraufbeschwören.

    Nur durch Verständnis, Einsicht und entspr. Bewusstsein wird sich nachhaltig etwas ändern. Ob noch genug Zeit dafür bleibt ist ungewiss, aber Gewiss ist auch, dass die Zeit (der Mensch) noch lange nicht reif ist.

    Übrigens, wen es interessiert, hier die gesamten Schriften von Kaczynski zum nachlesen:
    https://anarchistischebibliothek.org/library/ted-kaczynski-schriften-aus-dem-gefangnis

  • „Das System“ ist kein abstraktes Gebilde, sondern es ist die Summe aller Menschen, bis zum heutigen Tag.“

    Das ist sicher die korrekte Sicht und, dass K. das nicht sieht war schon immer einer seiner vielen grundsätzlichen Fehler. Die meisten Gut-Menschen streben nach einer Verbesserung des Seins, wollen egal auf welche Weise auch immmer, das Schlechte zu verhindern um das was sie für das Gute halten, zu erreichen.
    Das Lächerlichste an sochen Menschen sind die Methoden durch die sie ihre Ziele zu erreichen suchen.
    Alles was sie letztlich tatsächlich erreichen ist die Zerstörung des eigenes Lebens und möglicherweise das Leben vieler andere. Angefangen bei den Geschwiustern Scholl bis zu Julian Assange…..
    Weder eine Vrebesserung der Welt noch das Erreichen des Sinn des Lebens sind mit einen Märtyrerstatus zu erreichen.

    „Nur durch Verständnis, Einsicht und entspr. Bewusstsein wird sich nachhaltig etwas ändern. Ob noch genug Zeit dafür bleibt ist ungewiss, aber Gewiss ist auch, dass die Zeit (der Mensch) noch lange nicht reif ist.“

    Das ist eben falls, völlig richtig… leider!

    Denn die Realität der Menschen ist, dass sie zum aller-aller-grössten Teil der Menschheit, nichts weiter als habgierige, aggressive und dumme Halb Affen sind, deren „verständnis und Einsicht“ genau so weit reichen, wie ihre Konsum-Geilheit schauen kann.
    Selbst weniger dumme Menschen die versuchen an ihrem Bewusstsein zu arbeiten, sehen eine Sysiphus Arbeit vor sich, die sich in der kurzen Lebenszeit niemals vollenden lässt.

    Es ist also aus mehreren Gründen einfach nur albern eine „Lösung“ für das System-Problem finden zu wollen… selbst wenn unendlich viel Zeit zur Verfügung stehen würde.

    Die Evolution mag irgendwann eine neue Species hervorbringen. Wie bei der Evolution üblich, lässt sich sowas nicht vorhersagen, sondern lediglich nachträglich diagnostizieren.

    Die heutige Species, die zumindest genügend Humor hat sich immer noch Homo Sapiens zu nennen, wird sicher das Problem das sie selber darstellt in nicht allzu ferner Zukunft selber lösen.

    Die einzige sinnvolle Frage die sich ja offensichtlich seit einiger Zeit stellt ist, wie gehe ich als Individuum für mich und die meinen, mit dem Kommenden um? Der stets umfassenderen Umweltzerstörung, dem Klimawandel, und der lächerlichen Kriegstreiberei jenes Abschaums, der sich doch tatsächlich witzigerweise „Eliten“ nennt.
    Welche Änderungen kommen dort wo ich lebe und wie entziehe ich mich den unausweichlich kommenden ernsthaften Folgen dieser Änderung.

    • @Michel Eyquem

      Jain, ich würde es nicht so pauschalieren. Assange, Snowden, Manning und Co. haben Informationen veröffentlicht und keine Ideologie verbreitet, oder manifestieren wollen.
      Wodurch wissen wir denn von Umweltkatastrophen, „illegalen“ Kriegen, Korruption, Folter, Hexenverbrennungen, Kinderschändungen usw.? Es sind meist Whistleblower, die uns den Spiegel vorhalten. Aber bestimmt nicht durch die Mainstreampresse, die nur noch das veröffentlicht, was auch abgenickt wurde/wird. Und wer hat am meisten profitiert von Snowdens Enthüllungen? – Die Presse! Nachdem die Profite eingestrichen wurden, hat man die Informanten fallengelassen. Manning wird schon wieder vor Gericht gezerrt, weil er über seine Quellen schweigt.

      Hingegen stimme ich Ihnen zu, dass Weltverbesserer, Gutmenschen, Parteien u.ä. immer aus Eigeninteresse handeln und einfach nur einer Ideologie folgen und diese dann auch versuchen mit allen Mitteln durchzusetzen.

      Es ist schwierig die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber es gibt sie, wenn auch nicht viele Menschen, die verstanden haben, wie diese Welt funktioniert und das man sie nicht ändern kann, sondern (*man kann nur sich selbst ändern*). Aber dieses Wissen wird einem nicht in die Wiege gelegt. Insofern habe ich grossen Respekt vor Menschen, die ihr eigenes Leben gewaltfrei opfern, um ihr Wissen(keine Ideologie, reine Informationen) zu verbreiten. Auch wenn der Grossteil der Massen die Aussagen dieser Menschen überhaupt nicht versteht.

      Sehr aufschlussreich fand ich auch den Satz von Bernd Engelking: (Eine weitere Information ;-) )
      https://neue-debatte.com/2019/03/08/der-tiefe-staat-schlaegt-zu/#comment-3627

      „…Es ist auch ein Beleidigung und eine Diskreditierung der Menschen und der Völker, die nicht teilnehmen und nie teilgenommen haben an der kapitalistischen Zerstörung, stattdessen bedroht werden in ihrer Existenz gerade weil sie nicht teilnehmen und einen anderen Lebensentwurf haben der im Einklang steht mit der Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebensweise….“

      Denn sind wir doch mal ehrlich, wer heult den jetzt rum, auf hohem Niveau? Doch die (wir), die diese Welt kaputt gemacht haben, oder!? Und mehr als rumheulen, (*tun wir doch nicht…*)

  • Ein hochinteressanter Beitrag! Wenn auch nicht explizit, auf die Dialektik von objektiv und subjektiv abhebend, und damit auch auf das entsprechende Verhältnis von Theorie und Taktik. Eine hervorragende Anleitung zum Handeln, zum Herausarbeiten einer revolutionären Taktik. Einer Taktik, die eben nicht den wohlfeilen Angeboten des Systems folgt, sich nicht vermarkten lässt. Einer Taktik, die die Bourgeoisie vor sich herumtreibt. Slavoj Zizek nimmt indirekt darauf Bezug, in dem er beschreibt wie das Kapital jegliche revolutionäre Aktion vorweg vermarktet und damit den Widerstand zur reinen Geste werden lässt.
    Siehe auch:
    http://blog.herold-binsack.eu/2014/07/schwaeche-oder-staerke-ich-das-system/;
    http://blog.herold-binsack.eu/2011/08/zur-reinen-geste/

    Herold Binsack

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