Anarchismus, Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus

31. März 2019 By Vicky Schuijlenburg

Anarchismus, Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus

Vor circa 2 Jahren entschied ich mich dazu eine Livesendung auf Periscope zu veranstalten, in der ich versuchte, die Begriffe Anarchismus, Kommunismus, Faschismus und Kapitalismus zu erklären.

Bis heute haben sich 530 Menschen diese Sendung angesehen. Das politische Interesse ist gestiegen, vor allem bei jüngeren Menschen. Das bestätigen mir auch die steigenden Zahlen auf meinem Blog. Daher habe ich mich dazu entschieden, meine Notizen zu dieser Livesendung so zu redigieren, dass ich sie in einem Artikel veröffentlichen kann.

Der Anarchismus

Der Anarchismus ist die Bewegung, die die Anarchie, die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft, umsetzen will. In dieser Utopie sind alle Menschen gleich viel wert, haben gleich viel zu entscheiden und bringen sich so ein, wie sie es für richtig halten, in Absprache mit anderen. Gesetze und Regeln werden dezentral von denen aufgestellt, die sie betreffen und nur so lange sie gebraucht werden. In der Anarchie existiert die größtmögliche Freiheit des Einzelnen, die erst da aufhört, wo sie die eines anderen beschneidet.

Deshalb ist der Anarchismus auch keine Ideologie, denn in der Anarchie ist kein Platz mehr für Ideologien.

Wenn es nicht mehr um Labels, Gruppen oder Machtstrukturen geht, kann jede Entscheidung völlig frei getroffen werden, nämlich so, dass sie allen bestmöglich nutzt und dem Planeten am wenigsten schadet.

Wer explizit mehr zum Anarchismus lesen will, findet auf meinem Blog einige “Einsteigertexte”. Ansonsten: Google an, viel lesen und noch mehr selber denken, Quellen vergleichen und überprüfen, ob sich das Neue mit dem älteren Wissen deckt. Eine Art des Arbeitens, die bedeutet, dass man nicht daran interessiert ist, ein vorher schon definiertes Ergebnis zu bekommen, sondern dass man sich stattdessen von den Fakten leiten lässt.

Alle anderen politischen oder gesellschaftlichen Modelle außer dem Anarchismus haben einen Herrschaftsanspruch. Das bedeutet: Es gibt eine Gruppe, die sich für überlegen über den Rest hält und deshalb die Regeln vorgibt.

Der Kapitalismus

Der Kapitalismus ist ein System, welches durch uns alle am Laufen gehalten wird. Wir sind alle Täter und Opfer, weil wir dazu gezwungen werden. Wir haben mehr oder weniger keine andere Wahl, wollen wir überleben.

Deshalb strebt der Anarchismus eine klassenlose Gesellschaft an und deshalb sollten auch wir uns für eine klassenlose Revolution aussprechen. Selbst der größte Kapitalist profitiert am Ende von der Anarchie, denn seine Kinder werden eine bessere Lebensgrundlage vorfinden, wenn der Kapitalismus die Erde nicht weiter zerstört.

Die Täter-Opfer-Rolle kommt zum Beispiel besonders gut zum Vorschein, wenn man sich die Bedingungen der Erntehelfer in Spanien anschaut.

Vor allem Geflüchtete, die auf dem normalen Arbeitsmarkt aufgrund ihres “illegalen” Status keine Arbeitsmöglichkeit finden, werden auf den spanischen Feldern ausgebeutet und schuften unter katastrophalen Arbeitsbedingungen in der modernen Form der Sklaverei.

Gleichzeitig brechen immer wieder Kämpfe unter den Geflüchteten aus, genau um diese Jobs, die eigentlich keine sind, weil selbst die ganz unten in Konkurrenz zueinander stehen. Einen Artikel vom deutschlandfunk über die moderne Sklaverei auf den Plantagen und einen Artikel von n-tv kann ich euch zu diesem Thema nahelegen.

Doch das Konkurrenzprinzip funktioniert auch bei denen ganz oben, also denen mit sehr viel Macht und Geld. Es gibt keine Weltverschwörung von einigen wenigen Reichen. Diese schließen sich zwar hin und wieder zusammen, aber nur aus bestimmten Gründen, die allesamt auf ihren möglichen Vorteil hindeuten.

Nicht selten erleben wir auch, wie sich diese Menschen gegenseitig zugrunde richten. Deswegen macht auch nur eine klassenlose Revolution wirklich Sinn. Dabei sollte nicht nach Herkunft, bisheriger Leistung oder Bildung geurteilt werden, sondern ausschließlich danach, was der Einzelne ab dem Moment tut, in dem er sagt, dass er etwas ändern will.

Den Kapitalismus und seine Vorgänger finden wir bereits im Alten Rom und davor. Einige waren die Herren, andere die Sklaven. Aber was genau ist Kapitalismus denn nun?

Ein System, welches vor allem mit dem Konkurrenzprinzip arbeitet. Das bedeutet, ich stehe gut da, wenn andere schlechter dastehen. Heutzutage nennt man das Ellenbogengesellschaft [1]. Früher gab es Sklaven, die dafür sorgten, dass die Herren ein angenehmes Leben führten. Oder landlose Bauern, die für einen Hungerlohn für die großen Herren schuften mussten. Das Grundprinzip hinter dem Kapitalismus und die Begründung, warum er bis heute so gut funktioniert, ist folgendes Konzept: Teile & Herrsche.

Wenn Menschen in Gruppen unterteilt werden und diese Gruppen gegeneinander aufgehetzt werden, sitzen die, die vom System am meisten profitieren, fest im Sattel.

Da Macht sich selbst erhält, erhält sich auch diese Art von System bis heute. Wer etwas ändern will und dafür erst die Macht erlangen muss, wird von dieser korrumpiert und ändert am Ende eben nur den Inhalt seiner eigenen Brieftasche. Daher auch der Slogan vieler Anarchisten: “Keine Macht für niemanden!”

Der Beginn des Kapitalismus

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die ersten Menschen nicht von heute auf morgen anfingen zu siedeln, sich also an einem bestimmten Punkt für immer niederzulassen, sondern dass es über Jahrhunderte Siedler und Nomaden gab, die in anarchistischen Organisationsmodellen koexistierten. Das bedeutet, sie tauschten Wissen, Werkzeuge, Nahrungsmittel und andere Dinge aus.

Natürlich kam es hier und da auch zu Streit und Ärger, aber das war die Ausnahme. Mit dem Beginn von größeren Siedlungen mussten die Menschen sich anders organisieren. Durch die zunehmende Zahl von Menschen und den schlechten Lebensbedingungen kam es zu Kämpfen um gute Siedlungsplätze oder Vieh. Und ab da begann der Kapitalismus sich herauszubilden. Gebildetere, besser situierte Menschen versuchten alles, um ihren Stand zu halten. Und ab da wurde auch begonnen, gegen Gruppen von Menschen “Propaganda zu schreiben”.

Der Kommunismus

Der libertäre Kommunismus ist das Wirtschaftsmodell, was die allermeisten Anarchisten anstreben. Die Produktionskette muss man sich dann in etwa so vorstellen: Zunächst wird festgestellt, was von wem in welcher Menge benötigt wird, dann wird überlegt, wie das möglichst ressourcenschonend, lokal, ohne Umweltbelastung, mit möglichst wenig Aufwand produziert werden kann, anschließend werden Aufgaben verteilt und es wird gearbeitet, in freiwilliger Kooperation. Wer da näheres zu wissen will, sollte sich die Dokumentation “Economia Collectiva” anschauen, die explizit über den wirtschaftlichen Bereich in der spanischen, anarchistischen Revolution im letzten Jahrhundert berichtet. Doch wo genau liegt denn dann der Unterschied zwischen Anarchisten und Kommunisten?

Alle Kommunisten, die einen globalen, libertären Kommunismus als Wirtschaftsform wollen, sind Anarchisten, ob ihnen das gefällt oder nicht. Sie müssen sich von mir aus nicht als solche bezeichnen, sollten es aber aushalten, wenn man sie so nennt.

Doch es gibt noch eine weitere Gruppe von Kommunisten, nämlich die autoritären. Andere Gruppen im Kommunismus gibt es nicht. Autoritäre Kommunisten sind Kapitalisten, denn sie haben den Herrschaftsanspruch, dass sie besser gebildet sind, als die Gesellschaft und deshalb so lange an der Macht bleiben müssen, bis die Gesellschaft gebildet genug ist, um frei zu entscheiden, also in die Anarchie überzugehen. Da Macht sich als System selbst erhält und jegliche Ideale wirklich etwas zu ändern, korrumpiert, weiß man heute, dass genau das auch bei den Kommunisten passierte und passiert.

Da sie einen Herrschaftsanspruch haben, haben sie sich von jeher an Propaganda beteiligt. Sie versuchten also immer, wenn Anarchisten ihnen diesen Herrschaftsanspruch vorwarfen, diese zu diskreditieren.

Dies ist auch ein weiterer Beweis dafür, dass autoritäre Kommunisten Faschisten sind. Denn statt nach Lösungen für die von den Anarchisten genannten Probleme zu suchen, wurden die Anarchisten diskreditiert, verhaftet, gefoltert und ermordet, um sie zum Schweigen zu bringen. Dies wurde natürlich mit allem Möglichen begründet, auch hierbei spielte die Propaganda eine große Rolle.

Gerade in der Russischen Revolution lässt sich gut beobachten, wie der Kapitalismus im Kommunismus agierte. Die Russische Revolution kippte schon kurz nach ihrem Ausbruch nach rechts. Die Kommunisten wollten die hungernde Bevölkerung schnell ruhigstellen und empfanden den Aufbau von unten der Anarchisten als langwierig und störend. Zudem sahen sie ihre eigene Position bedroht.

Also wurden schon kurz nach der Revolution die selbst organisierten Arbeiterräte geschlossen und in den Führungsebenen überall autoritäre Kommunisten eingesetzt. Der westliche Kapitalismus sah sich durch dieses “scheinbar alternative” Modell bedroht und sprang dem Feind seines Feindes bei, nämlich den Anarchisten.

Bei Sacco und Vanzetti [3], zwei Anarchisten aus den USA, lief das Spiel dann später genau anders herum. Da hetzten die russischen Kommunisten gegen die imperialistischen USA, die zwei Anarchisten, zwei Genossen von ihnen, festgesetzt und am Ende sogar ermordet hatte. Es ging ihnen aber nicht um die Anarchisten, sondern darum zu hetzen und so ihre Ideologie zu manifestieren. Man schwört sich und die Seinen auf einen gemeinsamen Feind ein, zu dem man in Konkurrenz steht.

Dem Anarchisten ist es egal, ob sich das angestrebte Modell nun Anarchie, Räterepublik, autonome Gemeinde, Basisdemokratie oder libertärer Kommunismus nennt, denn es geht dem Anarchisten nicht darum, dass seine Ideologie sich durchsetzt, sondern darum, dass alle Menschen gleich viel wert sind, sich so einbringen, wie sie möchten und keiner über den anderen herrscht. Der Kommunist aber glaubt, dass er etwas Besseres ist und deshalb eine Führungsrolle benötigt. Wenn er diesen Anspruch nicht hat, ist er Anarchist.

Zum Thema Marx

Ein Marxist? Was ist das eigentlich? Ein aberwitziges Phänomen, war doch gerade Marx jemand [2], der sich bis zum Ende seines Lebens ständig selbst neu erfunden hat. Wenn überhaupt jemand sagen kann, dass er Marxist ist, dann höchstens mit Jahreszahl.

Marx hat ohne Frage viele kluge Dinge gesagt. Aber anstatt zu analysieren, in welcher Zeit und unter welchen Umständen er wann was gesagt hat, wie seine Meinung zustande kam und was davon wie heute anwendbar ist, wird oft ganz neoliberal Marx auswendig gelernt und ausgekotzt, wann immer man denkt, dass es passt.  Marx dreht sich wahrscheinlich permanent um sich selbst in seinem Grab, denn das war es ganz sicher nicht, was er wollte.

Einige Politologen sagen, dass Marx am Ende seines Lebens eher Anarchist war, als autoritärer Kommunist. Andere sagen, dass Marx Texte durch die Russische Revolution so missbraucht wurden, dass sie damit für die Nachwelt im Prinzip unbrauchbar sind.

Ich finde beide Ansätze spannend, konzentriere mich aber vor allem auf aktuelle anarchistische Möglichkeiten. Wenn darin ein konkretes Problem auftritt, bei dem mir ein Text von Marx helfen könnte, lese ich ihn sofort. Aber man sollte auch nicht aus den Augen verlieren, dass wir uns heute in einer komplett anderen Zeit mit anderen Anforderungen und anderen Problemen wiederfinden. Und auch Marx konnte nicht hellsehen.

Ging es vor 100 Jahren noch um “klassische Lohnarbeit für alle”, kann es heute darum gehen: “Was ist denn eigentlich Arbeit?” Lohnarbeit im klassischen Sinne hat ausgedient. Die Produktion wird größtenteils von Maschinen übernommen. Da bleibt viel Raum für Pädagogik, Bildung, Kunst, Kultur, Forschung, Wissenschaft und Menschlichkeit.

Der Faschismus

Der Faschismus-Begriff  kommt ursprünglich aus Italien, von der faschistischen Bewegung von Mussolini. Heutzutage wird er aber immer häufiger für alle Formen der systematischen Unterdrückung und Ausbeutung verwendet. An diese, neue Definition möchte ich anschließen.

Der Faschismus ist im Kapitalismus immer latent vorhanden. Sprachen wir vorhin die ganze Zeit über einen Herrschaftsanspruch, so muss es zwangsläufig immer auch Menschen geben, die weiter unten stehen, also beherrscht werden. Und genau das ist Faschismus. Eine Gruppe von Menschen abzuwerten, sie zu unterdrücken und auszubeuten, ist Faschismus. Und der kam und kommt in ganz unterschiedlichen Formen daher.

Wie vorhin erwähnt: die Sklaven der vergangenen Jahrhunderte, der Faschismus des Zweiten Weltkrieges, in Form von Hitler, Mussolini, Franco und natürlich ebenso Stalin, die Flüchtlinge auf den Plantagen heute in der modernen Form der Sklaverei, die Menschen, die vom IS unterdrückt und ausgebeutet werden oder eben auch die alleinerziehende Mutter mit dem “behinderten” Kind, der Rentner, der Hartz-IVer und der Minijobber.

Der Kapitalismus hat sich dem Fortschritt angepasst und teilt nun nicht mehr in Unterschicht und Oberschicht, sondern in ganz viele, unterschiedliche Schichten, die jeweils ein bisschen besser dastehen, als die Schicht darunter. Durch die mediale Propaganda werden diese Schichten permanent gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt.

Eine Art von Neofaschismus lässt sich bereits in den Flüchtlingslagern dieser Welt beobachten. Mehr und mehr kommt es bei der Ausgrenzung nicht mehr auf die Herkunft, sondern rein auf die Leistung an. So ließen sich französische Personen in Flüchtlingslagern beobachten, die auf der Suche nach besonders qualifizierten Geflüchteten waren, um diesen Asyl in Frankreich anzubieten. Ebenso verfahren Deutschland und etliche andere (europäische) Staaten mit ihrer Asyl- und Einwanderungspolitik seit Jahren.

Zu den verschiedenen Faschismen gibt es etliches an Literatur. Für den Anfang empfehle ich den Überblick von Wikipedia über die Faschismustheorie. Von dort aus könnt ihr euch dann weiter orientieren und recherchieren.

Was genau ist denn nun eigentlich links?

Die Idee mit Links und Rechts kommt aus dem Jahr 1789 von der Französischen Nationalversammlung und der dortigen Sitzposition. Je linker, desto fortschrittlicher und hierarchiefreier, je rechter, je autoritärer. Eigentlich ganz einfach, oder nicht?

An dieser Stelle möchte ich deshalb noch kurz die kapitalistische Propaganda gegen Anarchisten in Form der Hufeisentheorie widerlegen. Laut dieser, auch Extremismustheorie genannten Logik, verhält sich das politische Spektrum eben nicht wie eine Linie, sondern wie ein Hufeisen. Das bedeutet, extrem rechts und extrem links stehen sich näher als dem Rest der großen bürgerlichen Mitte.

Wie blödsinnig diese Theorie ist, sieht man schon daran, dass die sogenannte Mitte seit Jahren immer weiter nach rechts rückt. Wir erleben politisch angeordneten Massenmord in Europa. Im Mittelmeer sterben Zigtausende Menschen, weil wir es so wollen. Einen wirklich guten Text zum Thema Extremismustheorie findet ihr hier.

Autoritär – Ja oder Nein?

Es gibt einen grundsätzlichen Trick, mit dem man herausfinden kann, ob ein Mensch oder eine politische Gruppe autoritär eingestellt ist, oder nicht. Wer emanzipatorisch arbeitet, also die Gesellschaft in etwas Besseres verändern will, der arbeitet konstruktiv, nicht destruktiv. Das heißt, er orientiert sich an den gegebenen Möglichkeiten, konzentriert sich dort auf ein von ihm für wichtig erachtetes Thema und arbeitet gemeinsam mit anderen an einer Problemlösung oder Verbesserung der Situation, zum Beispiel durch das Anlegen eines Gemeinschaftsgartens.

Die meisten Autoritären kommen über die Kritik an den bestehenden Verhältnissen nicht wirklich hinaus. Das heißt, sie entwickeln keine Gegenmodelle zu einer schlechten Gegebenheit, sondern sie prangern nur an, dass etwas schlecht ist, und suchen dafür Sündenböcke.

Also umgesetzt ins Beispiel: Es gibt zu wenig gemeinschaftliche Gärten in unserer Stadt und schuld daran, sind die Reichen und die Politik, die alle öffentlichen Flächen privatisiert haben.

Das stimmt zwar, ist aber nicht emanzipatorisch und wird auch nichts ändern. Und natürlich ist es auch zu kurz gedacht, da im Kapitalismus ein Stück weit auch die großen Kapitalisten gezwungen werden, weiter zu machen, wenn sie ihr Leben nicht radikal ändern wollen. Und dass das keiner gerne tut, wissen wir, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Vielmehr ist es doch sogar so, dass es einem finanziell armen Menschen leichter fallen dürfte, sich gegen den Kapitalismus zu organisieren, da er Solidarität und Selbstorganisation aus dem Alltag viel eher kennen dürfte, als ein Superreicher.

In diesem Sinne schaut nicht auf Labels und schöne Worte, sondern verlasst euch auf die Taten. An denen könnt ihr Menschen messen und an nichts sonst.


Quellen und Anmerkungen

[1] Als Ellbogengesellschaft wird eine Gesellschaftsordnung verstanden, in der soziale Denkweisen und Verhaltensnormen unterentwickelt sind. Sie basiert auf Egoismus, Konkurrenz, Rücksichtslosigkeit und Eigennutz. Als Steigerung ist die Ego-Gesellschaft auszumachen. Sie entsteht unter anderem im Zuge der Entfremdung und werkzeughaften Ausnutzung menschlicher Beziehungen. Das Subjekt wird zum bezahlbaren Objekt, was zu sozialer Kälte und zur Entsolidarisierung führt. Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit verblassen, egoistische Werte und Korruption dominieren das gesellschaftliche Leben.

[2] Karl Marx (1818-1883) war ein deutscher Philosoph und Ökonom. Er war Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion sowie Protagonist der Arbeiterbewegung. Marx gilt als einflussreichster Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Die theoretischen Grundlagen des nach ihm benannten Marxismus beeinflussen die Diskurse der Geschichts- und Sozialwissenschaften und der Wirtschafts- und Politikwissenschaft bis in die Gegenwart.

[3] Ferdinando „Nicola“ Sacco (1891-1927) und Bartolomeo Vanzetti (1888-1927) waren zwei aus Italien in die USA eingewanderte Arbeiter. Sie hatten sich der anarchistischen Arbeiterbewegung angeschlossen und wurden der Beteiligung an einem Raubmord angeklagt. In einem umstrittenen Prozess wurden sie schuldig gesprochen. Revisionsanträge wurden abgelehnt. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1927 wurden Sacco und Vanzetti im Staatsgefängnis von Charlestown hingerichtet. Der US-amerikanischen Justiz wurde vorgeworfen, es handele sich um einen politisch motivierten Justizmord auf Grundlage fragwürdiger Indizien. Schuldspruch und Urteil führten weltweit zu Massendemonstrationen. 1977 wurden Sacco und Vanzetti postum rehabilitiert.


Foto: Vita Vilcina (Unsplash.com)

Victoria „Vicky“ Schuijlenburg ist eine politische Aktivistin aus Deutschland, die sich international engagiert. Sie berichtet als Micro-Bloggerin regelmäßig auf ihrem Twitter-Account über ihr gesellschaftliches und politisches Engagement und beantwortet Fragen der Community.

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