Sanierungsfall Megamaschine: Die Vernetzung der Entschlossenen

Vernetzung ist Teil der Lösung komplexer Problemstellungen. (Foto: Anastasia Dulgier, Unsplash.com)

Nach zahlreichen Durchläufen durch unseren Gedanken-Ringbeschleuniger und durch unser virtuelles Spiel SimUtopia – mit dem Ziel „Make the world a better place“ –, begeben wir uns in Teil 3 B der Trilogie auf die Startposition. Der Auftrag lautet:

Simuliere die neue bessere Welt!

Es gibt aber nur dann Punkte, wenn die neue Utopie den Widrigkeiten der Realität standhält oder wie Wittgenstein es ausdrückt, diese bis zur Wirklichkeit reicht:

„Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr.“ (Tractatus 2.1511)

Über 200 Jahre nach der Aufklärung, die ebenfalls das Projekt einer besseren Welt verfolgte, erinnern wir uns an das Motto Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Im Sinne einer Modernisierung modifizieren wir diese Devise in Freiheit, Fairness, Solidarität. Dies erlaubt uns die Anbindung an den oben erwähnten Aufruf zu open mind, open heart, open will, der eine alte chinesische Weisheit mit der modernen Theorie U von Otto Scharmer verbindet.

Somit schlagen wir eine Brücke über die letzten 2500 Jahre der Menschheitsgeschichte. Eine weitere Brücke, die das Alter der potenziellen Spieler markiert, reicht von der frühesten Kindheit (wir kommen alle mit open heart, open mind und open will auf die Welt) bis hin zu den Erwachsenen, die wir auf dem Weg unserer Individuation noch werden wollen.

Anders ausgedrückt: Das Spiel richtet sich an großherzige, entschlossene Freigeister aller Altersstufen. Das Spielfeld ist in der folgenden Grafik abgebildet, wobei der Weltkubus stellvertretend für alle Maßstabsbereiche vom lokalen bis zum globalen Umfeld zu sehen ist.

Erläuterungen zum Spielaufbau

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Antoine de Saint-Exupéry

Die Große Transformation. (Grafik: Franz Jakob)


In unserem langen – und manchmal auch verwirrenden – Vorspann haben wir unsere Konzepte der Welt so lange zertrümmert, bis wir nichts mehr wegnehmen konnten. Übrig geblieben sind drei „Dinge“, die auf rätselhafte Weise miteinander zusammenhängen:

  • Das System Erde (Raum).
  • Wir als Beobachter und Akteur in diesem System (Subjekt/Sinn).
  • Eine Transformation, die einen Zustand A in einen Zustand B transformiert (Zeit).

Die drei fundamentalen Kategorien Raum, Zeit und Sinn, die wir auch den drei Entitäten Materie, Energie und Information zuordnen können, spannen ein 5-dimensionales Koordinatensystem auf (Rx, Ry, Rz, Z, S), das möglicherweise vollkommen ausreicht, um all unsere Lebensvorgänge zu beschreiben. Diese Lebensvorgänge stellen wir uns als Aufgaben (Life Tasks) vor, die dazu dienen, unsere Bedürfnisse, wie sie beispielsweise in der Maslow’schen Bedürfnispyramide [1] beschrieben sind, zu befriedigen.

Eine Aufgabe wird so formuliert:

A → B

Dies bedeutet: Der Zustand A wird mittels eines Transformers in einen Zustand B transformiert.

Da sich das ganze Leben auf diese Weise, das heißt als Transformation von A nach B, beschreiben lässt, können wir nahtlos zwischen Spiel/Simulation und Realität wechseln. Das macht aber nur dann Sinn, wenn wir die “Jetons” unseres Spielgewinns auch in reale Euros umwechseln können, das heißt, wenn wir die Erkenntnisse unserer Simulation in reale Handlungen umsetzen können.

Der Transformer

Mit der Turingmaschine haben wir bereits einen Transformer kennengelernt, der lineare und damit komplizierte Transformationen durchführen kann (a → b). Unser gesuchter neuer TRANSFORMER soll darüber hinaus auch nichtlineare komplexe Aufgabenstellungen lösen können, was durch die Großschreibung (A → B) signalisiert wird.

In der obigen Grafik, welche die komplette Spielsituation beschreibt, sind einige mehr oder weniger versteckte Hinweise eingebaut, die wegweisend für den weiteren Spielablauf sind.

Den Weltkubus kann man sich als den Marmorblock vorstellen, aus dem Michelangelo den David herausgemeißelt hat. Als er gefragt wurde, wie es ihm möglich war, so eine wunderschöne Statue zu erschaffen, antwortete er: „Der David war immer schon da gewesen. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.“ Dahinter liegt seine Erkenntnis: „Was immer schon ein Künstler in sich trägt, es hält der Marmorblock in harter Hülle.“

Spieler und Masterplan

Was können wir als Spieler dieses Spiels und als Spieler unseres Lebens, in Hinblick auf die von uns geforderte Kreativität sowie hinsichtlich eines eventuell anzuwendenden Masterplans lernen?

Wir sind nicht Herr im eigenen Haus, das hat uns Freud gelehrt. Also sollten wir vorsichtig sein, und uns nicht als Herr unseres Masterplans aufspielen. Auf der anderen Seite ist unsere Statue (die Lösung für jede Aufgabe) schon da: „Der David war immer schon da gewesen“. Es gibt also doch so etwas wie einen Masterplan, aber dieser liegt scheinbar außerhalb von uns.

Auf der anderen Seite können wir diesen Plan durch den Weg nach innen erschließen; dies entspricht dem Anschluss an die Quelle bei Otto Scharmer. Verschwindet diese Trennung von innen und außen, dann sind wir im Zustand des Flows. Wie beim japanischen Zen Bogenschießen heißt es dann nicht mehr, ich schieße, sondern es schießt, das heißt, wir haben unsere Führungsrolle aufgegeben und geben uns einer „höheren Macht“ hin: Nicht ich führe, es führt ( … den Masterplan aus).

Das Wahre, Schöne, Gute

Schon wieder werden wir zwischen höchster Schwierigkeit und größter Einfachheit hin- und hergeworfen. Ein Jahrhundertwerk wie den David zu erstellen ist scheinbar ganz einfach, es passiert einfach so, wenn wir an die Quelle angeschlossen sind. Viele Künstler beschreiben diesen Vorgang mit ähnlichen Worten, sie fungieren nur als Transformator ihrer Eingebung.

Wir sind immer schon erleuchtet, schreibt der Psychologe Kenneth “Ken” Earl Wilber, wir haben es nur vergessen. Im Zustand der „Erleuchtung“ (Erkenntnis) könnten wir – völlig nüchtern und esoterikfrei – den Marmorblock Michelangelos durchleuchten und so den David erkennen und mühelos freilegen, füge ich hinzu.

Ken Wilbers Buch „Das Wahre, Schöne, Gute“ endet mit folgendem Absatz:

„Als der große Zen-Meister Fazang im Sterben lag, keckerte ein Eichhörnchen auf dem Dach. Das ist es, sagte er, sonst nichts.“

Wie bei vielen Heureka-Erfahrungen spricht hieraus die Erkenntnis, dass das Schwierige und das Einfache dicht beieinanderliegen – es muss nur der Schleier von dem Bild zu Sais [2] weggezogen werden. Aber es kann ein ganzes Leben dauern, solch kryptische Botschaften zu entschlüsseln. Manche mag dies zudem an die kurze Distanz zwischen Genialität und Schwachsinn erinnern.

Wäsche waschen

Eine andere buddhistische Weisheit holt uns auf den Boden der Tatsachen und zu unserem Spiel zurück. Dort heißt es:

Vor der Erleuchtung: Wasser holen, Wäsche waschen.
Nach der Erleuchtung: Wasser holen, Wäsche waschen.

Diese Weisheit ist in unserem Spiel, das auf der Lösung der Aufgabe A → B beruht, bereits eingebaut.

In der Managementtheorie ist vom lösungsinvarianten Kundenproblem die Rede. Die Lösung der Aufgabe Wäsche waschen ist unabhängig von der angewandten Methode (lösungsinvariant), wobei wir heute gerne auf das Wasser holen verzichten. Dieses und das Waschen der Wäsche erledigt der in unsere Waschmaschine eingebaute Transformer (schmutzig → sauber).

Analog zur Lösungsinvarianz können wir auch von einer Invarianz bezüglich von Einstellungen und Weltanschauungen sprechen. Am Ergebnis der gewaschenen Wäsche können wir nicht erkennen, ob diese von einem erleuchteten Buddhisten, einem Christen, einem Materialisten, einem Idealisten oder von sonst jemandem gewaschen wurde.

Beim Waschgang (Transformation) wurde diese Information quasi herausgewaschen. Dies hat viele Vorteile, denn auf diese Weise können wir uns Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Weltanschauungen ersparen und uns auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren.

Was sind die wesentlichen Aufgaben in unserem Spiel und in unserem Leben?

Setzen wir etwas vereinfacht das Erledigen von Aufgaben mit der Befriedigung von Bedürfnissen gleich, dann haben wir mit der Maslowschen Bedürfnispyramide genug Ausgangsmaterial für die Erstellung eines Lastenheftes.

Dabei sind wir in der Rolle des Auftraggebers. Als Auftragnehmer oder als Spieler, der eine bestimmte Aufgabe erledigen muss, wandeln wir das Lastenheft in ein Pflichtenheft um, in dem die Lösung unserer Aufgabe (der TRANSFORMER) beschrieben wird. Im Lackmustest der Simulation oder des wirklichen Lebens (Hic Rhodus, hic salta!) zeigt sich dann, ob unser Ansatz richtig ist, das heißt, ob die Aufgabe auch tatsächlich gelöst wird.

Aufbau einer dezentralen Plattform als Basis für die Zivilgesellschaft

Bei unserer Aufgabe, eine dezentrale Kommunikations- und Interaktionsplattform zu schaffen, können wir uns wie Michelangelo bei seinem Auftrag, eine Statue des David zu erschaffen, fühlen. Dabei gibt es erstaunlich viele Parallelen zu unserem Vorhaben, wobei wir über 500 Jahre nach diesem Meisterwerk bequemerweise auf neue Technologien zurückgreifen können.

Michelangelos David stellt diesen kurz vor seinem erfolgreichen Kampf gegen den Riesen Goliath dar. Auch wir befinden uns in einem Kampf mit der übermächtigen Megamaschine, wobei wir den parallelen Kampf mit dem Mega-Schweinehund in unserem Inneren nicht vergessen wollen.

Michelangelo benötigte vier Jahre, um den David aus dem Marmorblock herauszumeißeln. Wenn wir einen 3D-Drucker verwenden, dann schaffen wir einen David vielleicht in einem Tag. Das gelingt aber nur dann, wenn wir vorher – etwa per Laserscanner – eine Kopie des Originals anfertigen. Bei unserer Aufgabenstellung dagegen müssen wir das Original selbst schaffen. Tröstlich dabei ist die Erkenntnis, dass dieses Original (der Masterplan) längst vorhanden ist:

“Der David war immer schon da gewesen. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.”

So genial Michelangelos Meisterwerk auch ist, es handelt sich in gewisser Weise doch nur um die Lösung eines komplizierten Problems. Das erkennen wir daran, dass eine (Turing-)Maschine, unser 3D-Drucker diese Aufgabe lösen kann. Wir dagegen haben es mit komplexen Problemen zu tun. In unserem „Marmorblock“ müssen wir nicht nur einen David finden, sondern besser gleich 10 Milliarden (wenn wir enkeltauglich denken). Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei unseren Davids nicht um leblose Marmorskulpturen handelt, sondern um lebende Menschen.

Den Goliath überwinden

Unsere Aufgabe ist also ganz schön anspruchsvoll, aber wie wir bereits mehrfach gesehen haben, besteht kein Grund vor dieser sich auftürmenden Komplexität zurückzuweichen. Gemäß dem Handwerkerspruch „Nach fest kommt locker“ treten wir die Flucht nach vorne an, in der Hoffnung, nach dem Durchbruch durch die widerspenstige Komplexität den Zustand größter Einfachheit zu erreichen.

Dann sind wir im Flow, wie ihn auch Künstlern und Sportlern erleben. Ähnliches wird in dem Film Rain Man von Autisten beschrieben, die mühelos schwierigste Aufgaben wie die Primfaktorzerlegung lösen. Dabei rechnen sie nicht, sie sehen – wie Michelangelo – die Lösung unmittelbar. Vielleicht geht es der Autistin Greta Thunberg ähnlich.

Bei der Erklärung dieses scheinbar paradoxen Phänomens finden wir Hilfe bei unserer neuen Logik, die den Goliath des linearen Denkens überwindet.

Stellen wir uns eine Linie vor, auf der die Stärke des Widerstandes auf einer Skala von – 5 (gering) bis + 5 (hoch) aufgetragen ist; die beiden Pole haben den größtmöglichen Abstand.

Wenn wir diese Linie zu einem Kreis verbiegen, dann geht der höchste Widerstand unmittelbar in den geringsten Widerstand über. Nach schwierig kommt einfach, wir brauchen nur so etwas wie eine Kreisformel, da bekanntlich die Quadratur des Kreises – der gewaltsame lineare Weg – nicht funktioniert. Vielleicht ist das schon das ganze Geheimnis von Einsteins kryptischer Aussage mit dem alten Denken, das uns nicht weiterbringt.

Das Gleiche gilt auch für die Pole “Abstrakt” und “Konkret”, die scheinbar weit auseinanderliegen und deswegen zum Streit zwischen Theoretikern und Praktikern führen. Nach dem genannten Prinzip führt der Weg von der größten Abstraktion direkt zur Praxis. Vielleicht besteht da eine direkte Analogie zum Zusammenbruch der Wellenfunktion, bei dem abstrakte Möglichkeit in konkrete Realität überführt wird. Potenzialität gerinnt zu Realität, wie es Hans-Peter Dürr ausdrückte.

Michelangelo musste harten Marmor bearbeiten, wir dagegen müssen uns nur mit leicht formbarer Information auseinandersetzen. Die harte Arbeit übernimmt dann der 3D-Drucker oder die CNC gesteuert Fräse (Computerized Numerical Control). Diese technischen Apparate wandeln im wahrsten Sinn des Wortes In-Formation durch eine Trans-Formation in Form um.

Die Komplexität umarmen

Bei unserem Vorhaben, das sich mit lebenden Systemen befasst, brauchen wir so etwas wie einen 5D-Drucker beziehungsweise SSC Fräsen (Subjective Sensemaking Control). Entsprechend unserer Erkenntnis und unserer neuen Logik, mit der wir größte Komplexität in größte Einfachheit verwandeln, ersetzen wir dafür Michelangelos Marmorblock durch die Floridische Infosphäre.

Nach Floridi ist die Infosphäre im engeren Sinn der semantische Raum, bestehend aus der Gesamtheit der Dokumente, der Agenten und ihrer Operationen. Im weiteren Sinn deckt die Infosphäre die gesamte Wirklichkeit ab.

Wir haben mittlerweile gelernt, die Komplexität zu umarmen, deswegen stellen wir uns unseren Infosphären-Block als Erde oder gleich als Universum vor. Nach der Urknall-Theorie hat dieses Universum in seiner frühesten Phase in eine Nussschale oder in unsere Hosentasche gepasst. Die Vorstellung, dass unser Modell des Universums, wie der dekorative Leuchtglobus auf unserem Schreibtisch, in unser Zimmer oder gar in unsere Hosentasche passt, ist also gar nicht so abwegig. Der Genauigkeit halber muss man allerdings hinzufügen, dass zu Beginn des Universums auch die Nussschalen ebenso wie die Hosentaschen kleiner waren.

Arbeiten wir wie Turing mit Gedankenmodellen, dann passt unser Universalmodell sogar in unseren Kopf. Dort haben wir etwa 100 Milliarden Nervenzellen zur Verfügung, um uns mit den künftig zu erwartenden 10 Milliarden Bewohnern unseres Planeten zu befassen.

Nach der Ur-Theorie Carl Friedrich von Weizsäckers [3] benötigen wir 10120 Quantenbits um die 1080  Atome unseres Universums zu erschaffen. In der Exponentialschreibweise fühlen sich Zahlen dieser astronomischen Größenordnung recht überschaubar an. Auch dies ist ein Hinweis dafür, wie eine kleine Änderung in unserem Koordinatensystem (Bewusstsein) eine große Auswirkung auf unser Verständnis haben kann.

Der Physiker John Archibald Wheeler [4] entwickelte ein ähnliches Modell, in dem sich alles letztendlich auf eine Ja-Nein-Entscheidung reduzieren lässt. In dem Buch „Die 4. Revolution“ von Luciano Floridi, wird der Kern seines Konzeptes folgendermaßen beschrieben:

“It from bit”. Anders gesagt, jedes „es“ – jeder Partikel, jedes Kraftfeld, selbst das Raum-Zeit-Kontinuum [und daher jeder Körper meiner Spezifizierung] bezieht seine Funktion, seine Bedeutung, seine eigentliche Funktion zur Gänze – wenn auch in manchen Kontexten mittelbar – aus den der Ausstattung entlockten Antworten auf Ja- oder Nein-Fragen, den Binärentscheidungen, den Bits. „It from bit“ steht sinnbildlich für die Idee, dass jeder Einzelheit in der materiellen Welt etwas Immaterielles zu Grunde liegt – in einer sehr tiefen Grund zumeist – und sich jedes durch etwas Immaterielles erklären lässt.

Dass, was wir Wirklichkeit nennen, letztendlich aus dem Stellen von Ja-Nein-Fragen und dem Registrieren der durch die Ausrüstung bedingten Antworten erwächst; kurz gesagt, dass alles Materielle informationstheoretischen Ursprungs ist und dass dies ein auf Beteiligung beruhendes Universum ist.”

Mit diesem ausführlichen Zitat von John Archibald Wheeler sind wir an unserem Ziel angelangt. Der kleinste Baustein in unserem auf Beteiligung beruhenden Universum ist nicht das Atom, sondern das Bit, die einfache Ja-Nein-Entscheidung.

Dies bedeutet, ausgehend von unserem archimedischen Ausgangspunkt – ich handle verantwortlich – kann ich mich durch einfache Ja-Nein-Entscheidungen vorwärts zum Ziel bewegen, vorausgesetzt ich habe die richtigen Methoden und die notwendigen Ressourcen; beides soll unsere Plattform liefern.

Es schießt!

Im Laufe der Geschichte wurden wir mehrfach von unserem vermeintlich privilegierten Platz im Universum vertrieben. Im Sinne der an Descartes angelehnten Formel „Ich denke, also bin ich verantwortlich, also handle ich“ können und sollen wir uns als verantwortliche Teilhaber in diesem faszinierenden Spiel des Lebens betrachten.

Dies bedingt eine erste Entscheidung: Wähle ich das Kantsche “Sapere aude” (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.), das heißt, will ich als aufgeklärter mündiger Bürger durchs Leben gehen oder nicht. Dies entspricht der Entscheidung für die rote oder die blaue Pille im Film Matrix.

In These 1 hatten wir festgestellt, dass Aufklärung allein nicht genügt. Ohne die notwendigen Ressourcen und ohne Vernetzung – dazu dient unsere konzipierte Plattform – kommen wir nicht weit. Um weiter zu kommen, mussten wir gemäß These 2 die „Schallmauer“ der Komplexität durchdringen, um hinter dieser Mauer die einfachen Grundregeln zu finden, die unser Leben bestimmen.

Die in These 3 propagierte Polykontexturale Logik liefert uns die nötigen Hilfsmittel, die wir benötigen, um das alte Denken zu überwinden, mit dem wir unsere aktuellen Probleme verursacht haben. Allerdings muss diese Logik in Form einer operationalen Handlungstheorie so weiterentwickelt werden, dass sie für jedermann praktikabel ist; sie muss quasi in unsere Vernetzungsplattform hinein designt und auf diese Weise wieder unsichtbar gemacht werden.

Bei diesem Vorgang bekommt der Begriff der Transparenz eine doppelte Bedeutung. Unser Marmorblock beziehungsweise die Infosphäre musste erst einmal durchsichtig gemacht werden (black box → transparent box), damit wir darin unseren David (die angestrebte Lösung) erkennen konnten. Dies gelang nur, indem wir in unserem fiktiven Gedanken-Ringbeschleuniger mit hohem Energieaufwand unser altes Denken zertrümmerten, um aus den somit gefundenen Grundelementen das Fundament für unser neues Denken zu legen.

Auf einem höheren Niveau wird dieses Denken wieder unsichtbar (transparent box → black box), die einzelnen Denkvorgänge werden wieder transparent, wir müssen uns nicht mehr anstrengen. Im Idealfall sind wir im Flow, und wie am Beispiel von Künstlern, Sportlern und  hochbegabten Autisten beschrieben, stellen sich die gewünschten Ergebnisse ganz von allein und in höchster Perfektion ein.

In einem derartigen Zustand verschwindet die Diskrepanz zwischen der Welt und unserem Konzept dieser Welt (zwischen Landschaft und Karte). Deswegen sagen wir auch nicht mehr ich handle, sondern es geschieht: Es schießt! Das ist der Zustand, der beim Zen-Bogenschießen erreicht werden soll.

Die Integration der Pole

Die Zen-Künste und die damit verbundenen östlichen Weisheitslehren haben sich über Jahrtausende entwickelt. Einerseits beeindruckt die unter anderem durch Meditationstechniken zur Perfektion getriebene Meisterschaft in den verschiedenen Kampfkünsten und sonstigen Disziplinen, auf der anderen Seite findet sich hinter farbenfrohen Mönchsgewändern allzu oft noch der alte gewalttätige Mensch, wie wir es beispielsweise an den Auseinandersetzungen in Myanmar sehen können.

Auch die westliche Alternative ist nicht viel besser. Zwar hat die dort entwickelte Technik und Technologie dank der kalkülmäßig gehärteten Logik, die nach Gotthard Günther dem asiatischen Denken nicht zur Verfügung stand, die Welt erobert, aber diese Eroberung war auch immer mit brutalen, den christlichen Idealen widersprechenden Kriegen verbunden.

Nach dieser Jahrtausende alten Geschichte an kriegerischen Auseinandersetzungen, bei der sich Ost und West nichts geschenkt haben, steht die Wende zu einer friedlicheren Geschichte der Zivilisation an, damit diese ihrem Namen auch Ehre machen kann. Dies erfordert die Integration beider Pole, das heißt, des östlichen und westlichen Denkens und dessen Weiterentwicklung auf einem höheren Niveau. Unsere angestrebte Plattform für die Zivilgesellschaft soll dazu einen Beitrag leisten, auch wenn wir damit erst einmal auf lokaler und regionaler Ebene beginnen wollen.

Sinntopia

Die im bekannten Andersen Märchen nicht existenten Kleider des Kaisers stehen für die vielen positiven Aspekte, die wir uns als Menschen zuschreiben. Das aufgeklebte Etikett hält allzu oft nicht das, was es verspricht; wir beziehungsweise der Kaiser stehen nackt da.

Interessanterweise ist aber auch Michelangelos David, der Prototyp eines idealen Menschen, nackt. Vielleicht lebt ja in jedem von uns ein Dr. Jekyll und ein Mr. Hyde und dann ist es diese Doppelnatur, die uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Deswegen sollten wir nicht wie Diogenes auf unseren Marktplätzen ausschwärmen und am helllichten Tag mit der Lampe nach unseren Vorstellungen entsprechenden Menschen suchen, selbst wenn wir heute leuchtstärkeres Equipment zur Verfügung haben.

In unserem realutopischen Simulationsspiel SimUtopia müssen wir den real existierenden Menschen Instrumente anbieten, die ihnen dabei helfen, in den gefährlichen Gewässern unserer Komplexitätsgesellschaft zu navigieren. Der Kompass muss dazu auf den Sinn ausgerichtet sein. Deswegen können wir unser Spiel auch Sinntopia nennen. Um sinnvoll handeln zu können, muss den Menschen die Möglichkeit geboten werden, sich für die bessere Alternative zu entscheiden. Erinnern wir uns hierzu an die Aussage von John Archibald Wheeler:

“Dass, was wir Wirklichkeit nennen, letztendlich aus dem Stellen von Ja-Nein-Fragen und dem Registrieren der durch die Ausrüstung bedingten Antworten erwächst; kurz gesagt, dass alles Materielle informationstheoretischen Ursprungs ist und dass dies ein auf Beteiligung beruhendes Universum ist.”

Unsere Wirklichkeit erwächst aus dem Registrieren der durch die Ausrüstung bedingten Antworten und aus unserer Beteiligung. Die Plattform für die Zivilgesellschaft stellt die Ausrüstung zur Verfügung, die es ermöglicht, sinnvolle Antworten auf die gestellten Ja-Nein-Fragen zu geben. Sie registriert diese und sie ermöglicht die Kooperation der entschlossenen Akteure, das heißt, die verantwortliche Beteiligung.

Der Beginn der Reise

Auf diese Weise kann die vielfach angekündigt Reise angetreten werden, die von der ego-zentrischen zur wir-zentrischen Gesellschaft führen soll (from ego- to ecosystems; Otto Scharmer). Auf dieser Reise wird der Mensch eine neue und angemessenere Stellung im Kosmos finden, indem er sich als „Leben inmitten von Leben, das Leben will“ (Albert Schweitzer) betrachtet und auch entsprechend verhält.

Auf unserer Reise entlang des zwischen den Wurzeln, die im Ursprung gründen, und der Sonne, die uns den Weg aus Platons Höhle weist, aufgespannten roten Fadens, haben wir uns womöglich der Antwort auf zentrale Fragen und Herausforderungen der Menschheit angenähert.

Die Stellung des Menschen im Kosmos ist immer noch eine Frage wert. Statt Kosmos sollte es heute allerdings Medium heißen, da man sich nie in der Welt selbst befindet, sondern immer nur ihrem Abbild begegnet, wie es sich auf dem Bildschirm des subjektiven Erlebens abzeichnet […]. Die Welt ist Schnittstelle. Das verschleierte Bild zu Sais (Schiller) wartet noch immer auf die nichtfrevlerische Hand, die es enthüllt.Florian Rötzer; Vom Chaos zur Endophysik (S. 359 ff)

Die nichtfrevlerische Hand des Menschen, der sich als verantwortungsvoll handelnden Teilhaber des Universums betrachtet, könnte das verschleierte Bild zu Sais enthüllen und so die Einheit zwischen dem Menschen und der Natur erkennen.

Epilog

Das Metier eines Bürgerjournalisten lebt von der engen Verzahnung des Journalisten mit dem realen Leben. Einige Ereignisse der letzten Zeit führten zu der Gelegenheit, die hier vertretenen Thesen in der Realität zu überprüfen.

Die Wirklichkeit zwischen Graswurzelbewegung und der staatlichen Anstalt für Pflanzenbau:

Der Besuch der Netzwerkkonferenz „Verbraucherbelange in der Digitalisierung“ bot die Gelegenheit, die eigenen Aussagen und Thesen mit der Realität zu konfrontieren. Einen schönen Kontrast zu dieser vom bayerischen Minister für Umwelt und Verbraucher, Thorsten Glauber, eröffneten Konferenz, stellt die aktuelle Arbeit in den Graswurzelbewegungen Gemeinwohlökonomie, der Transition Initiative sowie die Teilnahme an der Online-Konferenz der Pioneers of Change dar.

Anstelle einer möglichen Konfrontation gegensätzlicher Weltanschauungen ergab sich in den Grundfragen eine erstaunliche und erfreuliche Übereinstimmung. Diese reichte von der höchst ministeriellen positiven Erwähnung der von Greta Thunberg initiierten Fridays for Future Bewegung [5], die am Folgetag mit zahlreichen Demonstrationen einen Höhepunkt erreichte, bis hin zur abschließenden Rede von Alexander Filipović , der sich als Professor für Medienethik kritisch mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzte.

Seine Forderungen nach Freiheit und Autonomie für die Verbraucher (diese bedinge Bildung und Kompetenz), nach Privatsphäre und informationeller Selbstbestimmung sowie nach Gerechtigkeit unterscheiden sich kaum von dem oben aufgestellten Motto “Freiheit, Fairness, Solidarität”.

Dirk Heckmann, der sich als Professor unter anderem mit Internetrecht befasst, forderte wiederholt dazu auf, sich bei der wirtschaftlichen Tätigkeit am Gemeinwohl zu orientieren. Nach seinen persönlichen Beweggründen für sein ehrenamtliches Engagement als Sprecher der Themenplattform Verbraucherbelange befragt, antwortete er sinngemäß: Er könne auf ein sehr erfolgreiches Leben zurückblicken, aber die größte Motivation bestehe darin, etwas Sinnvolles zu tun.

Dieser Verweis auf die übergeordnete Klammer Sinn, die für alle Akteure gelten sollte, kommt auch in der Umbenennung des Spieles SimUtopia in Sinntopia zum Ausdruck.

Terra incognita

Bei der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Corporate Digital Responsibility & Privacy by Design“ musste ich erst einmal diese für mich neue Begrifflichkeit kennenlernen, die sich ähnlich kryptisch anfühlt, wie der Komplex der transklassischen polykontexturalen Logik.

Überhaupt erinnerte vieles auf dieser Konferenz an ein Stochern im Nebel oder an das Kinderspiel Topfschlagen. Auch im Jahr des 30-jährigen Jubiläums des World Wide Web erscheint vieles selbst im Kreis von hochkarätigen Experten als unerforschtes Neuland.

Einerseits drohen in dieser Terra incognita große Gefahren durch die Kavallerie aus dem Silicon Valley und durch den Drachen aus China, andererseits gewöhnt man sich zusehends an die Verheißungen einer digitalen 7 x 24 Stunden Rundumversorgung, bei der die Amazon-Lieferdrohne die gebratenen Tauben just in time vorbeibringt.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion und in mehreren Workshops versuchte man den Nebel der Floridischen Infosphäre zu durchdringen, und zu konkreten Handlungsempfehlungen zu kommen. Auch hier kam es zu einem gleichermaßen überraschenden und erfreulichen Ergebnis, das mich an die bereits zitierte Mahnung von Jean Gebser erinnert:

“Wir können nur eins tun: In der Betrachtung aller Äußerungen unserer Zeit so weit und so tief vorzustoßen, daß uns die dämonischen und zerstörenden Aspekte nicht mehr bannen, so daß wir nicht nur sie sehen, sondern hinter und unter ihnen die unermeßlich starken Keimlinge des Neuen wahrnehmen, für das die einstürzende Welt den Humus liefert.”

Wir sollen uns nicht bannen lassen von den Datenkraken wie Alibaba und den anderen 40 Räubern, die auf ihren “Raubzügen” einen nackten und entmündigten Verbraucher zurücklassen. Vielmehr sollen wir nicht nur den unermesslich starken Keim des Neuen wahrnehmen, wie Jean Gebser schreibt, sondern wir sollen selbst dieser Keim sein (do it yourself auf deutscher und europäischer Ebene).

Und dieser Keim beziehungsweise diese Keime brauchen eine Art Permakultur, die sowohl ökologische Nischen für die lokalen Graswurzelbewegungen bereithält, wie Anbauflächen für die staatlichen Pflanzenbauer, füge ich hinzu; diese Permakultur hängt eng mit unserer Aufgabenstellung, dem Aufbau einer dezentralen Plattform für entschlossene Akteure zusammen. Erfreulicherweise wird dieser Gedanke durch einen Appell von Prof. Heckmann unterstützt, der sagte: Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag!

Übereinstimmung, Aktion, Beziehung, Vertrauen, Wandel

Ein Gesellschaftsvertrag bindet den graswurzelbewegten Bürger, die Wirtschaft und staatliche Institutionen mit ein. Interessanterweise hörte ich im Rahmen der Online-Konferenz der Pioneers of Change einen Kommentar von Franz Nahrada, der auf das Problem der mangelnden Effektivität und Effizienz der verschiedenen Ansätze hinwies. Er legt mit einem Zitat von Robert “Rob” Hopkins, dem Gründer der Transition-Town-Bewegung, den Finger auf den wunden Punkt vieler Graswurzelbewegungen, die viel zu selten eine gesunde Wachstums- und Ertragsphase erreichen:

Wenn wir auf den Staat warten, dann dauert es zu lange, wenn wir es selbst tun, sind wir zu klein.

Wie so oft dürfte auch hier die Lösung in der goldenen Mitte liegen, also in der Zusammenarbeit der durch die Wissenschaft unterstützten drei Akteure Bürger, Wirtschaft und Staat.

Zusammenarbeit wiederum bedingt eine gemeinsame Sprache, sonst scheitern wir – wie beim Turmbau zu Babel – bei unserem Projekt Sinntopia aufgrund der sprichwörtlichen babylonischen Sprachverwirrung. Die Kommunikationsplattform World Wide Web [6] konnte nur dank der in dem Hypertext Transfer Protokoll HTTP und Hypertext Markup Language HTML festgelegten Sprachregelungen funktionieren, also einer Art von Masterplan.

Eine neue Sprache

Das Gleiche gilt für die angedachte Interaktionsplattform. Auch hier wird es maßgeblich auf Sprachregelungen für die Interaktionen ankommen. Wir brauchen daher so etwas wie die generative Transformationsgrammatik von Noam Chomsky, die Sprache in Handlung transformiert.

Etwas Derartiges fordert Paul Pangaro in seinem auf der globalen Innovationsplattform PICNIC gehaltenen Vortrag mit dem Titel „Rethinking Design Thinking“ [7]. Dort präsentiert er folgenden Regelkreis, der unsere aktuelle Herausforderung gut beschreibt:

Konversation führt zu Übereinstimmung,
Übereinstimmung führt zu Aktion und Transaktion,
Aktion, die über längere Zeit wiederholt wird, führt zu Beziehung,
Beziehung, die über längere Zeit aufrechterhalten wird, führt zu Vertrauen,
Vertrauen sorgt für einen fruchtbaren Grund für Wandel,
Wandel ist der Drehpunkt für Innovation,
Innovation verlangt eine neue Sprache,
eine neue Sprache wird durch Konversation geschaffen.

Der ausführliche Vorspann diente vor allem dazu, zwei Punkte dieses Regelkreises zu erfüllen. Mit der Einführung von Aufgaben (Life Tasks), die einer Transformation des Ausgangszustandes A in einen angestrebten Zustand B entsprechen, haben wir in Anlehnung an die Constructor Theorie von David Deutsch eine neue Sprache mit fast mathematische Präzision erreicht, die in der Formel A → B zum Ausdruck kommt.

Ethic by design

Der Besuch der Netzwerkkonferenz „Verbraucherbelange in der Digitalisierung“ hat exemplarisch gezeigt, dass es bezüglich der Grundwerte eine breite Übereinstimmung zwischen allen gesellschaftlichen Akteuren gibt. Die Erweiterung von René Descartes Formel “Ich denke, also bin ich” in “Ich denke, also bin ich verantwortlich, also handle ich”, erlaubt es uns, mit der Aufforderung „Hic Rhodus, hic salta!“ anhand realer Aufgabenstellungen (Life Tasks) zu überprüfen, ob dem vorgeblichen ethischen Anspruch eines Akteurs auch ein reales Handeln entspricht.

Wie bei der Konferenz wiederholt festgestellt wurde, scheitert der gute Vorsatz nicht unbedingt am mangelnden guten Willen, sondern häufig an den nicht vorhandenen Alternativen und damit an den nicht gegebenen Bedingungen der Möglichkeit.

Aufgrund einer undurchschaubaren Komplexität darf man die Verantwortung nicht allein dem Verbraucher/Bürger aufbürden. Diesem Dilemma soll durch das Einbinden der Ethik in die digitale Plattform-Wirtschaft begegnet werden, sozusagen durch „ethic by design“. In dem Lastenheft, das unserer konzipierten Plattform zugrunde liegt, spielt dieser Gesichtspunkt eine zentrale Rolle.


Quellen und Anmerkungen

[1] In der Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow werden menschliche Bedürfnisse und Motivationen in Form einer Hierarchie abgebildet.

[2] Beim verschleierten Bild zu Sais handelt es sich um eine verhüllte Götterstatue der Isis beziehungsweise der Göttin zu Sais, die als Stellvertreterin der Natur angesehen wird. Die Enthüllung dieser Statue entspricht unserem Vorhaben, in unserem „Marmorblock“ das Bild des David und damit das Bild des Menschen, der wir sein wollen, freizulegen.

[3] Mit seiner Theorie der Ur-Alternativen strebte Carl Friedrich von Weizsäcker eine einheitliche Beschreibung der Natur auf Basis der Quantentheorie an. Weizsäckers Freund Werner Heisenberg schrieb zu dieser Theorie: „Aber die exakte Durchführung deines Programms stelle ich mir doch außerordentlich schwierig vor. Denn sie wird ein Denken von so hoher Abstraktheit erfordern, wie sie bisher, wenigstens in der Physik, nie vorgekommen ist.“

[4] Der Physiker John Archibald Wheeler suchte nach einer einheitlichen Beschreibung der Welt. Dazu stellte er fünf zentrale Fragen:

(1) Wie komm es zu dem was existiert?
(2) Warum gibt es Quanten?
(3) Haben wir Teil am Universum?
(4) Was führt zu Bedeutung?
(5) Das Seiende aus Information? It from bit?

[5] Die Friday4Future-Bewegung geht wesentlich auf Greta Thunberg und folgende Frage zurück: Warum sollte ich für eine Zukunft studieren, die vielleicht bald gar nicht mehr da ist, wenn niemand etwas dafür tut, diese Zukunft zu retten? Link zur Homepage der deutschen Bewegung: https://fridaysforfuture.de (abgerufen am 12.04.2019).

[6] Das World Wide Web, das wesentlich auf Tim Berners-Lee zurückgeht, hat dieser vor 30 Jahren am europäischen Forschungszentrum entwickelt. Ursprüngliches Ziel war es, den Informationsaustausch unter Kollegen zu verbessern.

[7] In seinem PICNIC Vortrag „Rethinking Design Thinking“ fordert Paul Pangaro eine neue Sprache. Link zum Video des Vortrags https://vimeo.com/15836403
sowie der Link zur Slideshare Präsentation https://www.slideshare.net/picnicfestival/redesign-5449841 (beide abgerufen am 12.04.2019).


Foto und Grafik: Anastasia Dulgier (Unsplash.com) und Franz Jakob

Geologe

Franz Jakob hat Geologie studiert und dort einen ordentlichen Abschluss vorzuweisen, im Gegensatz zu dem parallelen und bis heute andauernden "Studium generale" mit den Schwerpunkten Philosophie und Strukturwissenschaften. Ein Forschungsvorhaben bei einer geologischen Landesbehörde, bei dem es um die Lösung eines umstrittenen gesellschaftlichen Problems ging – wie und wo sollen wir unseren Müll ablagern – brachte ihn mit dem Thema Komplexität in Verbindung. Seit dieser Zeit versucht er, die theoretische und die praktische Seite komplexer Probleme durch eine Synthese in Form einer operationalen Handlungstheorie zu verbinden. Die Spannweite reicht von kleineren lokalen Aufgabenstellungen – wie können wir für 40 Hauseigentümer ein Nahwärmenetz aufbauen – bis hin zur Frage, wie können wir die anstehende "Große Transformation", die vielfach als dritte große Revolution in der Menschheitsgeschichte bezeichnet wird, gestalten.

17 thoughts on “Sanierungsfall Megamaschine: Die Vernetzung der Entschlossenen

  1. gut gedacht, und alles stimmt und ist schlüssig an diesem gedankenkonstrukt,, nur eines nicht, nämlich das wichtigste, das, worauf es ankommt =
    das hier vorgetragene konstrukt würde lediglich eine neue IDEOLOGIE installieren, und alle ideologien sind früher oder später, zwangsläufig aufgrund ihrer notwendigen inneren strukturen, tyranneien – wir hätten also gegenüber heute und historie damit nichts gewonnen !

    die ideologie beginnt mit der überschrift: “gesucht ist eine BESSERE welt” – angenommen das stimmt, was ist dann mit “besser” gemeint, besser im hinblick auf …???

    *
    soweit naturwissenschaftliche sachen im artikel beansprucht werden, sind einige darstellungen ziemlich fragwürdig, und einige ableitungen, einfach formuliert, schlicht unzulässig bzw falsch. es ist dem thema auch nicht förderlich, in synthetischer zusammenschau über unterschiedliche große einzelgebiete hinweg “eintopf” zu kochen

    alles nicht schlimm, denn wichtig, dass sich hier jemand überhaupt belastbare gedanken darüber macht, dass es, so wie bisher, nicht weitergehen kann …
    ich würde den artikel nochmal überarbeiten, und dabei dann ohne allzu viele seitenwege enger beim thema bleiben, welches ich beim überarbeiten dann sehr viel klarer heraus-arbeiten würde …

  2. Wer Wirklichkeit “spielend” erschaffen will, kann sich ja auf einem Spielfeld anmelden, welches Dinge umgesetzt hat, wovon andere nur reden oder im Sandkasten spielen – z.B. eine echte Alternative zum KRANKENsystem, genannt Deutsche Heilfürsorge (mit Rechtsansspruch also auch für “Angestellte und Beamte” geeignet) – das ist EINMALIG und absolut Pharmakartell frei!!
    Also, gießt das Neue, damit es wachsen kann – es liegt an jedem selbst …

  3. ich möchte in diesem kontext bzgl DE an heines “schlesische weber” erinnern:
    https://www.deutschelyrik.de/die-schlesischen-weber.407.html

    ” Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
    Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
    Wo jede Blume früh geknickt,
    Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
    Wir weben, wir weben! ”

    und an max planck (sinngemäß):

    ” der fortschritt der menschheit = essentiell neues, entsteht nicht aus der fantasie, der vermeintlich großen kreativität der leute, sondern schlicht aus dem aussterben der jeweils alten generationen, die, solange sie leben, alles essentiell neue blockieren, ua weil sie bis zum tod die macht dazu haben, und ein ambiente des stillstandes erzeugen ”

    gerade auch DE, neben weltweit den meisten anderen ländern, ist eine gerontokraten-de-publik, die alten und uralten haben die macht, und alte menschen befinden sich rein biologisch in “Involution” = das ist in den auswirkungen im denken und welterleben mit defensivem festhalten und/oder rückschritt verbunden, solange diese “alten äffchen” inthronisiert sind, sind essentielle veränderungen so gut wie unmöglich, und ihre alles mögliche petrifizierende macht geben die alten äffchen erst auf dem friedhof ab – nur junge menschen sind noch in auch mentalen/geistigen “Evolutionen” begriffen, deshalb gehören ihnen die jeweiligen möglichen zukünfte, weil SIE solche zukünfte tatsächlich noch gewinnen können

    das problem ist, dass einmal erreichte “macht”, und das sind meist die alten bis uralten, keine autopilotische exit-funktion enthält, weshalb selbst medizinisch eindeutig geistig altersdefekte in ihrem machtpositionen verbleiben, bis sie körperlich “vom stuhl fallen”

    es wäre daher eine sehr gute idee, menschen ab 50/55 grundsätzlich aus allen irgendwie-machtpositionen auszuschließen, sie könnten dann mit ihren lebenserfahrungen zb die machtLOSEN (!) hintergrundberater für die jungen sein

    das altersproblem ist als modell wie alte große bäume im wald, die den boden abschatten und damit aufwuchs den neuer bäume verhindern, weil sie ihnen nahrung und licht nehmen …

  4. DE als altenheim,
    wenn man die welt global einigermaßen kennt, und/oder selbst erlebt hat, andere länder, andere leute, kann man ohne übertreibung festellen, was in DE als grundlegend “neues”, fortschrittliches, zukunftsträchtiges erlebt und verkauft wird, sind allermeist nur sumpfblüten, die in den randbezirken eines geistig/kulturell/mental ausgebrannten systems ihre kurzatmigen scheinblüten treiben,
    DE = petrifikation, ein schiff ohne fahrt, weil alle segel vorsorglich eingeholt sind aus angst vor evtl stürmischen zukünften =
    “ich will so bleiben, wie ich bin”, und ja, das geht sogar, allerdings nur auf den friedhöfen der geschichte !

  5. Hallo Herr Hammel,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Was die Länge des Artikels, die Vielzahl der Seitenwege und den resultierenden Eintopf angeht, so ist mir die Problematik bewusst. Immerhin mündet der Text in eine sehr kurze “Formel”

    Ich handle verantwortlich bzw. ich gestalte die Transformation von A nach B verantwortlich.

    Den Rest des Textes kann man nach dem Verständnis der Ableitung wie ein Mathematikbuch, das man nicht mehr braucht, auf die Seite legen.

    Gerade habe ich die Positionen 17 von KenFM angesehen (Länge 2:45) und ich lese ein 400-Seiten Buch mit dem Titel Frei, fair und lebendig. Auch die Arbeit in diversen Graswurzelgruppen beansprucht viel Zeit. Einerseits ist es ein Wert an sich, tiefer in eine Thematik einzusteigen, anderseits soll diese Anstrengung dazu beitragen, effektive und effiziente Lösungswege zu erkennen, um somit künftig Zeit einzusparen. Dies ist u.a. ein Anliegen des Textes.

    Das Bild des Gedankenringbeschleunigers impliziert, dass nicht nur eigene Gedanken aufeinander prallen, sondern auch die Gedanken der diversen Leser. Aufgrund dieser Wechselwirkung kann dann auch die von Ihnen empfohlene Weiterentwicklung des Textes erfolgen. In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, was Sie genau mit dem Begriff IDEOLOGIE meinen.

    Prinzipiell habe ich auch Probleme mit bestimmten Arten von Ideologie. Als Anhänger von Popper´s Kritischem Rationalismus verstehe ich darunter z.B. dogmatische Behauptungen absoluter Wahrheiten oder die Tendenz zur Immunisierung gegen Kritik.

    Mein Text spricht sich an vielen Stellen gegen eine derart verstandene Ideologie aus.

    Verstehe ich unter Ideologie “bestimmte Grundeinstellungen und Werte, die in einer gesellschaftlichen Schicht oder Gruppe wichtig sind und die zusammen eine Art Weltanschauung bilden”, dann finde ich das weniger problematisch. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, wie man gänzlich ohne Weltanschauung und ohne Werte leben soll.

    In den o.g. Positionen 17 von KenFM hält Gunther Moll das Bild eines 2 Tage alten lächelnden Kindes in die Kamera. Dieses Lächeln drückt nach seinen Worten das Wesen eines Menschen aus.

    Ich habe eine konfuzianische Weisheit aus dem Buch “Weisheit des lächelnden Lebens” von Lin Yutang zitiert, in der es um die Gestaltung einer harmonischeren (besseren) Welt geht. Auch nach längerem Nachdenken finde ich überall die Tendenz, sich für die bessere von verschiedenen gegebenen Alternativen zu entscheiden. Dieses besser meint ein besser in Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse aber auch in Hinblick auf die Bedürfnisse der Mitwelt.

    viele Grüße

    Franz Jakob

    1. »Dieses besser meint ein besser in Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse aber auch in Hinblick auf die Bedürfnisse der Mitwelt«

      Die eigenen Bedürfnisse: auf welcher Grundlage entstehen diese (siehe ich einmal von den rein biologisch-körperlichen ab)?
      Diese geistig/seelischen Bedürfnisse leiten sich ja gerade wiederum aus der »Weltanschauung« des Betroffenen ab.
      Darauf – der Beeinflussung und auch Erzeugung! von Bedürfnissen durch Anschauung – basiert ja gerade jede Art von Propaganda und Werbung.

      Um die Bedürfnisse der Mitwelt wahrzunehmen bedarf es außer einer Portion Empathie, Aufmerksamkeit, Kommunikation und ganz banal auch: dem zeitlichen Raum/Rahmen dafür aber eben damit gekoppelt die entsprechende Bewußtseinsleistung, das alles wiederum in Abhängigkeit der »Weltanschauung« steht, so daß eine Trennung von »Weltanschauung« und »Bedürfnis« gar nicht gegeben ist.

      Jedes »das ist gut – und das ist schlecht« (Bewertung usw.) – was also das Bessere sei – ist also Weltanschauungs geprägt.

      Und wenn Wahrheit durch Beliebigkeit oder sich aus Iterationen von Falsifikationen temporär ergibt – und das auch nur für den Bewußtseinsträger, der gerade damit beschäftigt ist – wäre es doch gut, dieses Wort gleich aus dem Sprachgebrauch zu verbannen!

      Vielleicht aber gibt es ja noch eine ganz andere Begrifflichkeit des Wortes »Wahrheit«, wie die Poppersche Weltanschauung dem ein oder anderen Menschenbewußtsein suggerieren will?

      1. @ jürgen elsen,
        “wahrheit”, “gut”, “schlecht”, usw

        (A)
        in natura ist “wahr” dasjenige, das jeweils “ist”, und zwar, weil es ist,
        zb ein stein, der irgendwo liegt, ist wahr, WEIL er irgendwo liegt/stattfindet – der vorhandene stein ist seine eigene “wahr”-begründung

        (B)
        im menschlichen bereich der wertungen ist “wahr” jedoch nicht sich-selbst-begründend, sondern kontextuell abhängig = eine sache kann in kontexten a-c “wahrsein”, “teil-wahr-sein”, “unwahr-sein”, oder sogar bzgl wahrheit undefinierbar sein, das heißt, menschliche wertungen/bewertungen sind stets spektral, weil sie zwangsläufig auf unterschiedlichen kontexten stattfinden,
        da gilt nicht
        (a) sache = wahr oder unwahr
        sondern aus
        (b) sache kontext resultiert wahr, unwahr, teilwahr, usw

        (schon daran scheitern übrigens sämtliche religiösen, säkularen, und gemischten ideologien zwangsläufig, weil ihre zugrunde liegenden dogmen nach (a) strukturiert sind !)

        *
        genauer genommen, ist auch oben (A) nicht so einfach, (1) aus gründen der thermodynamik (physik) nicht, und (2) aus gründen der “autopoiese” nicht (siehe konstruktivismus, wahrnehmungs-physiologie, usw) – letztlich ist (A) daher ein unter-punkt von (B) in der form “aussenwelt-erleben+werten” – zudem “IST” natur nicht, sondern findet jeweils statt, denn es handelt sich um (sinn-freie und damit wert-freie) endlos-prozesse

  6. @ jürgen elsen,
    nachtrag:

    unabhängig von den geistigen akrobatiken, mit denen wir hier und überall diskutieren können,

    wir haben HEUTE, zu beginn dieses neuen jahrtausends, massive und dieses erste mal in der geschichte globale probleme-lagen bzgl zukunft der menschheit, und wir werden nicht ausweichen können wie in vergangenheiten, denn wir haben nur EINE erde, und es gibt keine “dritten welten” mehr als entropie-senken, in denen wir die müll-arten (umwelt-vernichtung usw bis zu echtem müll) menschlicher lebensweisen “entsorgen” könnten

    bekommen wir diese (schon bis heute) bekannten problemelagen nicht schnellstens UND FRIEDLICH unter kontrolle (“in den griff” wäre schon zu hoch gegriffen), haben wir ganz schlechte karten, und es sieht real (global-politisch, global-wirtschaftlich, sozial, psychologisch) nicht danach aus, dass wir dazu auch nur annährend in der lage wären.
    was uns daher droht (ganz real, nicht angst-fantasiert), dagegen ist die biblische apokalypse ein paradies …

    die existenz der menschheit war und ist sowieso und schon immer von allen möglichen natürlichen gegebenheiten bedroht, von möglichen ausbrüchen der supervulkane, über kometentreffer, bis instabilitäten der sonne usw usw = unsere existenz als tierart mensch war und ist seit je ein wandeln auf messers schneide, und spätestens seit historisch “gestern” drehen wir auch noch selbst daran, den schmalen grad unserer weiteren existenzfähigkeit noch weiter zu schmälern – das kann und wird auf dauer nicht gutgehen. wir besitzen bis heute nicht einmal annähernd hinreichende globale infrastrukturen, welche die voraussehbaren katastrophen wenigstens auch nur abpuffern könnten, wir leben und tun und kaspern herum, als hätten wir keinerlei antizipierenden verstand.

    über was werden wir beispielseise endlos noch diskutieren, wenn historisch demnächst 10 oder 15 milliarden menschen die erdatmosphäre so aufgeheizt haben werden, dass die methaneis-mengen der meeresböden zu vergasen beginnen, mit der folge, dass dann alles diskutieren gegenstandslos sein wird, weil ein natürlicher point-of-no-return überschritten wurde, der uns alle dann ohne möglichkeiten der gegensteuerung umbringt, und zum beispiel dies ist kein ausgedachtes hirngespinst, sondern reale bedrohung, bereits heute vergasen große methanmengen in die erdatmosphäre aus den auftauenden perm-eis-böden der erde, und wir machen trotzdem weiter wie bisher, lediglich wird ein wenig beruhigungs-kosmetisiert (“ja, wir wollen (nicht wir werden!) zb den CO2 ausstoß bis 2099 (vielleicht …) um 5% reduzieren” oder ähnlichen blödsinn, reine kasperiaden als beruhigungsdrogen),
    und das fatale: wir haben KEINE praktisch-realisierbaren lösungen parat, wir KÖNNTEN theoretisch alles mögliche zum gegensteuern machen, aber real umsetzbar geht so gut wie überhaupt nichts, wie sollte man in wirksamem zeitrahmen zb die exponentiell = rasch, weiter zunehmende globale überbevölkerung in den griff bekommen? wer sollte und wie die bis heute extensive globale wirtschaftsweise “gestern schon” auf nachhaltig umstellen können? wer sollte und wie die globalweit grassierenden umwelten-zerstörungen in wirksamem zeitrahmen stoppen können? (ein einmal vernichteter regenwald bleibt danach abertausende jahre lang echte wüste wie marslandschaft, die bodenerosion (fließwasser, regen, wind) trägt dann alles ab bis auf den sog. “ortsstein” oder die nackten felsen – beispiel heutiger mittelmeer-großraum, da haben unsere vorfahren typisch menschlich gewirtschaftet, war mal vor wenigen 1000 jahren noch alles bewaldet, dann kam der mensch, kein heuschreckenschwarm hätte solche schäden anrichten können !)

    wir laufen alle sehender augen in die messer, und können trotzdem unseren eigenen zug nicht stoppen auf dem wir es uns bequem gemacht haben, noch gilt uns “die unerträgliche leichtigkeit des so-sein könnens” als oberste lebensdevise …

    1. Das menschliche Wachbewußtsein erlebt sich selbst als getrennt von der Welt und ebenso als getrennt von sich SELBST, der Quelle.
      Dieses gegenständliche Bewußtsein hat prinzipiell zwei Möglichkeiten:
      entweder es bleibt in dem Zug (um Ihr Bild aufzugreifen) der Trennung, in dem es sich befindet – oder aber es erkennt diese grundsätzliche Trennung und der Mensch beginnt damit, Wege einer Bewußtseinserweiterung – eines ganz anderen Bewußtseins – aufzusuchen.

      Das “im Zug steckende” Bewußtsein muß und kann von dieser Warte aus auch immer nur Annahmen bzw. Hypothesen und Theorien (also im Prinzip Konstrukte – eben: Konstruktivismus) aufstellen, um durch Falsifikation Korrekturen im Denksystem zu erfahren. Hierdurch bestätigt es seine Eigenart immer auf´s gleiche und kommt so auch nie über sich selbst hinaus.

      Im Gegensatz dazu kann sich das “die Trennung beobachtende und wissende” Bewußtsein dahin entwickeln, die materielle Maja zu Gunsten einer WESENSBEGEGNUNG zu verlassen.
      Hier können wir dann von einer echten Kommunikation (communicare – gemeinsam werden/machen) reden: ich bin der Baum, es gibt keinen Unterschied von Betrachter und Betrachtetes.
      Diejenigen die “im Zug” sitzen verfügen über eine solche Erfahrung nicht und müssen eine solche grundsätzlich abstreiten, um weiter “im Zug” sitzen bleiben zu können. Sie entscheiden sich für das Sitzenbleiben.

      Die Vernetzung der Entschlossenen hat so oder so statt gefunden: diejenigen, welche diese “Zugmatrix” beherrschen wollen – im Bild die Pyramide (Top-Down-Ansatz) – oder diejenigen, welche die Illusion des Getrenntseins und die grundsätzlich jedem zur Verfügung stehende Möglichkeit der Auflösung desselben überwinden und dadurch in eine freie Gemeinschaftsfindung als Ausdruck des Nichtgetrenntseins – also eine Kohärenzbildung – gelangen.
      Das letztere – die freie Gemeinschaft durch Überwindung des getrennten Bewußtseinszustandes – wird in der Mystik als chymnische Hochzeit und die daraus entstehende Christusgemeinde bezeichnet.
      Ich bin der ich bin -> a=a, Existenzsatz ohne Trennung (Identifikation a=b)
      Allen Ichen gemeinsam ist das Ich-bin. HIer also die Souveränität aus dem Ursprung selbst.
      Als Gegenbild dazu: ich bin das Programm (Pyramide deren Spitze letzten Endes “ihr Programm” in die Biologie des Menschen transplantiert – führt zwangsweise zu dem, was wir heute Transhumanismus nennen).

      Ich für meinen Teil habe micht entschieden, in einer freien Gemeinschaft der Souveräne mitzuwirken.
      Das könnte jeder, der aus dem Zug aussteigen will …

  7. Danke für die Kommentare und für die tiefgründige Beschäftigung mit dem Thema

    @Jürgen Elsen

    „Also, gießt das Neue, damit es wachsen kann – es liegt an jedem selbst … „

    Zweifellos liegt es an jedem selbst, aber das persönliche Engagement ist notwendig vermutlich jedoch nicht hinreichend, um die gewünschte Grosse Transformation zu erreichen. Allein schon der Begriff der Heterarchie zeigt, dass unser persönlicher Beitrag nur ein nebengeordneter Beitrag unter vielen anderen ist. Auf dieses Problem weist auch Philipp von Becker in einem aktuellen Beitrag hin:

    Philipp von Becker, Telepolis 19.04.2019
    „Womit sich die Bewegung und ihre Vertreter nun jedoch konfrontiert sehen, ist die
    Kardinalfrage: “Was tun?” Von Kommentatoren und Talkshowmoderatoren wird dabei gerne der Versuch unternommen, diese Frage auf eine individuell-moralische Ebene zu verengen. Appelle an den Einzelnen, “weniger zu fliegen, weniger Fleisch zu essen et cetera”, sind hierbei zwar prinzipiell richtig, aber sie beladen den Einzelnen zusätzlich mit Schuld und blenden die Dimension politischer Verantwortung und ökonomischer Interessen und Macht aus. Eine solche Debatte entpolitisiert den Protest. Und genau dies ist Mittel und Ziel der herrschenden Ideologie: In einer Art perfidem “double bind” wird die Verantwortung stets auf den Einzelnen gelegt – man ist selbst “schuld”, ob man “erfolgreich” ist oder nicht – oder aber Entscheidungen werden mit “Sachzwängen” begründet und als “alternativlos” ausgegeben. Die Verantwortung (für “moralischen Konsum”) darf deshalb gerade nicht vollständig beim Individuum liegen. Vielmehr muss die Politik Regeln schaffen, die dem Einzelnen die Entscheidung abnehmen, ihn von Verantwortung entlasten. Genau dafür ist Politik in einer repräsentativen Demokratie da.“

    „Jedes »das ist gut – und das ist schlecht« (Bewertung usw.) – was also das Bessere sei – ist also Weltanschauungs geprägt. …
    Vielleicht aber gibt es ja noch eine ganz andere Begrifflichkeit des Wortes »Wahrheit«, wie die Poppersche Weltanschauung dem ein oder anderen Menschenbewußtsein suggerieren will?“

    Wir haben in beiden Fällen, der Frage nach dem Guten und der Frage nach dem Wahren ein zirkuläres Verhältnis oder ein Henne-Ei-Problem. Aber ich denke, es ist nicht notwendig, erst das absolut Gute oder das absolut Wahre zu erkennen oder zu definieren, um verantwortlich handeln zu können. Wenn das Haus des Nachbarn brennt, oder wenn wir Feuer am Fuß haben (Dirk C. Fleck), dann rufe ich die Feuerwehr oder beginne zu löschen.

    Bei Johannes Heinrichs (Handlung, Sprache, Kunst, Mystik) können wir zum Problem der Zirkularität der Weltanschauung lesen:
    “Ich möchte versuchen, dieses Paradigma unter Verzicht auf geistesgeschichtliche
    Abgrenzungen, die ins Uferlose zu führen drohen, folgendermaßen zu kennzeichnen: Der
    Semiotiker (im idealtypologischen Verständnis) sieht seine Welt als eine Gesamtheit von
    Informations- oder Sinnprozessen vermittels Zeichen. …
    Um mit Paul Tillich zu reden, dessen Einteilung der Wissenschaften in Denk-, Seins- und
    Geisteswissenschaften soeben übernommen wurde: „Hier handelt es sich um Urelemente
    des Wissens . Wir können darum das Denken gar nicht anders bestimmen, als daß wir es als
    den Akt definieren, der auf das Sein gerichtet ist, und wir können das Sein nicht anders
    definieren als das vom Denken gemeinte, das, worauf der Denkakt gerichtet ist.”

    „Das menschliche Wachbewußtsein erlebt sich selbst als getrennt von der Welt und ebenso als getrennt von sich SELBST, der Quelle.
    Dieses gegenständliche Bewußtsein hat prinzipiell zwei Möglichkeiten:
    entweder es bleibt in dem Zug (um Ihr Bild aufzugreifen) der Trennung, in dem es sich befindet – oder aber es erkennt diese grundsätzliche Trennung und der Mensch beginnt damit, Wege einer Bewußtseinserweiterung – eines ganz anderen Bewußtseins – aufzusuchen. …

    Die Vernetzung der Entschlossenen hat so oder so statt gefunden: diejenigen, welche diese “Zugmatrix” beherrschen wollen – im Bild die Pyramide (Top-Down-Ansatz) – oder diejenigen, welche die Illusion des Getrenntseins und die grundsätzlich jedem zur Verfügung stehende Möglichkeit der Auflösung desselben überwinden und dadurch in eine freie Gemeinschaftsfindung als Ausdruck des Nichtgetrenntseins – also eine Kohärenzbildung – gelangen.“

    Das Thema Bewusstseinbildung spielt eine große Rolle in der Transformationsbewegung. Der Verleger Christian Strasser hat dazu ein ganzes Buch geschrieben (Das erwachende Bewusstsein; Aufbruch in die neue Zeit). Mit der Analogie zum lösungsinvarianten Kundenproblem wollte ich andeuten, dass es auch so etwas wie bewusstseinsinvariante Lösungen für unsere dringendsten Probleme geben sollte. Vielfach höre ich, zunächst soll die Transformation des Bewusstseins erfolgen, der Rest erledigt sich dann fast von allein. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass auch 2.500 Jahre Bewusstseinsbildung (s. Konfuzianische Weisheit) nicht zum gewünschten Durchbruch geführt hat.
    Was die Unterscheidung zwischen einem Top Down und einem Bottom Up Ansatz angeht, so würde ich keine entweder-oder-Situation sehen. Das Bild von dem roten Faden, der sich zwischen unseren Wurzeln (dem Ursprung) und dem Licht aufspannt, verbindet beide Ansätze zu einer integralen Bewegung. Dort gibt es für alle Akteure – unabhängig von ihrem Bewusstseinszustand – genug zu tun, um verantwortlich handeln zu können.

    @Waldemar Hammel

    „zudem “IST” natur nicht, sondern findet jeweils statt, denn es handelt sich um (sinn-freie und damit wert-freie) endlos-prozesse“

    unabhängig von den geistigen akrobatiken, mit denen wir hier und überall diskutieren können,
    wir haben HEUTE, zu beginn dieses neuen jahrtausends, massive und dieses erste mal in der geschichte globale probleme-lagen bzgl zukunft der menschheit, und wir werden nicht ausweichen können wie in vergangenheiten, denn wir haben nur EINE erde, und es gibt keine “dritten welten” mehr als entropie-senken, in denen wir die müll-arten (umwelt-vernichtung usw bis zu echtem müll) menschlicher lebensweisen “entsorgen” könnten
    und das fatale: wir haben KEINE praktisch-realisierbaren lösungen parat, wir KÖNNTEN theoretisch alles mögliche zum gegensteuern machen

    wir laufen alle sehender augen in die messer, und können trotzdem unseren eigenen zug nicht stoppen auf dem wir es uns bequem gemacht haben, noch gilt uns “die unerträgliche leichtigkeit des so-sein könnens” als oberste lebensdevise … „

    Ähnlich wie bei den Begriffen des Guten und des Wahren würde ich annehmen, dass wir für die vermutlich nicht erreichbare endgültige Klärung der Sinnfrage keine “geistige Akrobatik” betreiben müssen, um angesichts der schwierigen Lage, die Sie beschreiben, verantwortlich handeln zu können.

    Wer sind wir? Im Gegensatz zu der vielfach ausgerufenen Bewegung der Vielen (Schwarmintelligenz, WeQ-Bewegung, Co-evolution, …) sehe ich bedauerlicherweise keine Indizien, die auf eine transformative Massenbewegung hindeuten, welche über die Rausch- und die Verstärkungszone, eine selbstragende neue Struktur aufbauen könnte. Vieles dürfte von der Vernetzung der entschlossenen Akteure abhängen und von der Anwendung systemisch wirksamer Methoden, um auf diese Weise die Bedingungen der Möglichkeit für die Transformation zu schaffen.

    1. Vielen Dank für die griffige Zusammenschau! Zu Ihrem letzten Satz im letzten Absatz:
      »Vieles dürfte von der Vernetzung der entschlossenen Akteure abhängen und von der Anwendung systemisch wirksamer Methoden, um auf diese Weise die Bedingungen der Möglichkeit für die Transformation zu schaffen.«
      vielleicht noch ein mehr oder weniger bekanntes Bild:
      Das DREIECK (oder die Pyramide) und dem gegenüber Kuppel(bau), ein »Sammelraum« – der KREIS (saal).
      Diese Konstellationen finden wir nicht nur in Freimaurer-Architekturen (Weißes Haus) oder z.B. sakralen Kirchenbauten (so auch Vatikan) sondern bereits in der Megalith-Kultur in Steine eingemeißelt.

      Das Dreieck symbolisiert die männliche Kraft, welche in Transformationsprozessen der Treiber ist (First Mover).
      Diese Kraft wird zu meist durch nur einen »Ideenfinder« gebündelt und von ihm in die »Follower-Group« übertragen.

      So können wir immer von einem »Eingeweihten« ausgehen und seinem engsten KREIS. Dies entspricht auch dem Bild, was wir von Jesus und seinen 12 Aposteln kennen.

      Es gibt also, wie Sie auch eine transformative Massenbewegung anzweifeln, keinen Schwarmintelligenz-Massenschalter, der so direkt einen Shift bewirkt – sondern es hat immer diesen Kristallisationspunkt – der dann, und das ist immanent notwendig – auf fruchtbare Erde fallen muß (das ist der KREIS !)

      Dieses Dreieck-Kreis-Bild ist gleichsam der Urtyp jedes gesellschaftlichen Transformationsprozesses, darin zum Ausdruck kommt:
      1. die Kommunikation des Eingeweihten (Ideenstifter/-finder) mit dem universellen (Wissens)raum
      2. die Kommunikation des Eingeweihten mit dem Kreis seiner Folger
      3. die Kommunikation der Folger mit dem großen Menschenkreis
      Hierin kommt zum Ausdruck die Notwendigkeit der Vernetzung von 1, 2 und auch 3 …

      Der Eingeweihte ist nur der Führer bezogen auf die Kompetenz – das hat nichts mit Macht über andere zu tun!
      Die Folger sind ebenso keine »Hörigen«, sondern sie empfinden die Wahlverwandschaft der Idee mit dem, was in ihren Herzen lebt.
      Der große Menschenkreis hingegen »folgt« dem Neuen, weil es banalen Nutzen zeigt – ein negentropischer Prozess ohne großen Aufwand ermöglicht, durch die Neustrukturierung mittels der »Idee« (nicht mit Ideologie zu verwechseln!).

      1. @ jürgen elsen,
        ja, Sie schildern hier praktisch das, was man “attraktoren in offenen multiteilchen-systemen” nennt, und funktioniert auch in offenen systemen gut – im rahmen “globalisiert sein” ist das multi-menschen-system aber kein offenes sys mehr, sodass der attraktoren-mechanismus durch die im system zunehmende und nicht mehr exportierbare entropie ausgehebelt wird. statt sich gemäß der attraktoren intern neu zu organisieren,, bewirkt die systeminterne entropiezunahme, dass ein solches system in gleichverteilung übergeht, anders gesagt, die strukturen zerfallen, das system hört auf system zu sein, und übrig bleibt amorpher “matsch”.

        stellen Sie sich dazu als modell einen automotor vor, der so gegen die umgebung isoliert ist, dass er seine im betrieb erzeugte abfallwärme nicht mehr in die umwelt exportieren kann. was wird passieren ?

        1. Ja, Sie beschreiben eben den entropischen – oder auch Zerfallsprozess.
          Jedes Lebewesen kommt an den Punkt, wo die alte Form überwunden werden muß, damit eine Weiterentwicklung geschehen kann.
          Insofern kann das Wort “Transformation” auch in die Irre führen: wenn es darum geht, das tote Pferd – oder den sinkenden Kahn – zu verlassen (weil der entropische Prozess weder gestoppt noch rückgängig gemacht werden kann) – dann geht es darum, etwas komplett Neues ins Leben zu bringen…

          Der entropische Vorgang ist u.a. ein strukturelles Auflösen, ist ein “Tod”, der sowohl im Geistigen wie auch in der Seele vollzogen werden kann (Goethes Stirb und Werde). Nur hier können wir von Transformation sprechen, denn die lebenstragende Form muß sich selbst dabei NICHT auflösen sondern “nur” neu strukturieren (z.B. Netzwerkaufbau als negentropischer Prozess) – hingegen auf der materiellen Ebene es eine entgültige Auflösung des individuellen Körpers bedeutet.
          Auf Grund der Kopplung von Geist, Seele und Körper und den Identifikationsmustern des 3-D-Bewußtseins, fällt es den meisten Menschen sehr schwer, eine Transformation umzusetzen: der “innere Sterbeprozess” ist mental programmatisch so stark mit dem äußeren Sterbeprozess (des materiellen Körpers) gekoppelt, daß Existenzängste auftreten, die nicht überwunden werden können und also in der Folge Transformation unmöglich wird.

          Jacob Böhme: Wer nicht stirbt bevor er stirbt, verdirbt, wenn er stirbt.

          Die Materie stellt also einerseits die Fessel der Transformation dar – gleichzeitig ist sie aber auch der Widerpart durch den der Mensch zur Freiheit kommt, in dem er der natürlichen Entropie durch die Kraft des Geistes negentropisch (Mensch als Gärtner der Erde) entgegenwirken kann.
          Das entscheidet eben jeder für sich selbst – und dort, wo diese negentropische Kraftquelle gefunden wird, dort wird letztenendes auch materieller Wohl-Stand die sekundäre Wirkung daraus sein – umgekehrt: ohne Geistdurchdringung – wie Sie schon sagten – wird alles Richtung (Einheits)Brei zerfließen …(man kann dem ja denn den modernen Namen “Multi-Kulti” geben, spielt keine Rolle …)

          1. @jürgen elsen,

            (1)
            als “transformation” könnte man einen vorgang beschreiben, der von einem A => zu einem A’ führt,
            A’ bleibt dabei dem A ähnlich,
            dann gäbe es (1a) “de-gradierende transformation”, bei dem A’ geringer-komplex als A wäre.
            und (1b) “a- gradierende transformation” mit A’ komplexer als A

            (2)
            systeminterne entropische übersättigung durch unmöglichkeit des weiteren exports der systemerzeugten entropie nach aussen wäre dann modellierbar als A => geht über in systemzerfall => übrig bleibt ein simples mehrteilchensystem in gleichverteilung (equilibrium) ohne oder fast ohne gegenseitige kopplungen der teilchen – und heute real zu beobachten: je mehr menschen-teilchen, desto mehr dissipieren meinungen, politische richtungen, zielsetzungen, hoffnungen uvm, am ende bleibt eine zu entscheidungen unfähige laute kakophonie aus gleichgewichteten menschenteilchen = “weißes rauschen” ist das gegenteil von struktur – siehe DE, es ist nicht einmal mehr möglich, eine harmlose stromtrasse von nord nach süd zu bauen, ohne dass sofort sich erhebendes weißes rauschen alles blockiert

            (2a)
            da wir nach der globalisierung keine weitere aussenwelt als entropiesenke mehr haben, zb keine zweite erde zum weiteren entropie-export, vermute ich als folge der globalisierung den letztlichen und wahrscheinlich dann exponentiell immer rascher ablaufenden sozialen, wirtschaftlichen etc systemzerfall

            (2b)
            diesen zerfall jeglicher strukturen desto rascher, je mehr die menschheit numerisch weiter anwächst, denn desto exponentiell stärker wird die weitere entropierzeugung/zeit werden – salopp ausgedrückt, falls ende, dürfte das ende dann sehr rasch kommen

            falls obiges zutrifft, werden wir zuletzt ins messer laufen, weil wir schlicht gegen die physikalischen grundlagen der thermodynamik leben, wirtschaften usw

            1. Fall 2 und die Folgen: klar ausgedrückt – entspricht den physikalischen Gesetzen.
              Dazu sagt Rudolf Steiner: das die ganze Erde sich einerseits in einem entropischen Zustand befindet, der z.B. auch die Radioaktivität erhöhen läßt (obwohl ja eigentlich anhand der Zerfallsreihen und Halbwertszeiten die Radioaktivität abnehmen müßte!) – und führt das auf die “Todesmächte” (die im Prinzip auch die Entropie bewirken) in der Materie selbst zurück, die notwendig sind, damit die Seelen überhaupt noch eine Freiheit für sich erwirken können.

              So beruht aus meiner Sicht sämtliche Einbringung von Negentropie als ordnende und das Komplexere erwirkende Kraft auf immateriellen – man könnte auch sagen – Geisteskräften.

              Fehlen diese Strukturkräfte herrscht nur mehr das Diktat der Materie und der Entitäten, die diese Verdichtung bis in Richtung Zerbröselung betreiben.

              Als zentrales Transformationsorgan im Menschen betrachte ich das Herz, welches eine Art “Wumloch” für die negentropischen Prozesse bedeutet, also eine Implosion kosmischer Kräfte in den Wirkkreis der Erde hinein ermöglicht, diese organisierend – also aufbauend.

              Eine Abkehr von den Herzkräften bewirkt also immer die Zunahme der Entropie bzw. läuft dann einfach das “natürlich-materielle”, rein physikalische Ausschaukeln ab …

    2. @ franz jakob,

      Sie schrieben:

      >> Wer sind wir? Im Gegensatz zu der vielfach ausgerufenen Bewegung der Vielen (Schwarmintelligenz, WeQ-Bewegung, Co-evolution, …) sehe ich bedauerlicherweise keine Indizien, die auf eine transformative Massenbewegung hindeuten, welche über die Rausch- und die Verstärkungszone, eine selbstragende neue Struktur aufbauen könnte. <> Vieles dürfte von der Vernetzung der entschlossenen Akteure abhängen und von der Anwendung systemisch wirksamer Methoden, um auf diese Weise die Bedingungen der Möglichkeit für die Transformation zu schaffen. <<

      dafür hätte ich, mit verlaub, eine lösung: wir brauchen eine zeitmaschine, die uns etwa 100-200 jahre in die vergangenheit rückversetzt, denn schon HEUTE haben wir bereits keine zeit mehr, essentielle veränderungen zu erzeugen, die uns noch retten könnten …
      schon heute gilt, "heißa, dreimal werden wir noch wach, heißa dann ist abrechnung", "morgen" bereits 10/12/15/20 milliarden menschen auf diesem planeten, mit entsprechend ansteigenden umweltschäden, sozialen spannungen, futtermangel, "übermorgen" bricht dann bei noch weiterem temperaturanstieg das förderband der globalen meerwasserzirkulation zusammen, dann haben wir massenaussterben wie vor 450 millionen jahren, und/oder noch ein wenig chemie in die umwelt und plastikmüll in die meere, das zwingt die globale luftsauerstoff-versorgung in die knie, weil das meeresplankton/algen/ ausstirbt (seit ca 1960 sind bereits 30-40% verschwunden)

      wer sollte in der lage sein, "ab praktisch morgen" welche essentiellen veränderungen globalweit durchzusetzen?, denn viel mehr zeit haben wir nicht, wir wissen sogar schon jetzt nicht, ob wir nicht bereits irgendwelche natürlichen points-of-no-return überschritten haben, ob es also überhaupt noch essentiell-wirksame gegensteuermöglichkeiten für uns gibt oder gäbe,
      und wir haben keine planetaren infrastrukturen aufgebaut, welche als notstopper = als puffersysteme, dienen könnten, um zukünftige schlimme abläufe wenigstens abzumildern.

      was wir bis heute tun und weiterhin tun werden, ist ganz real selbstmörderisch, und nichts und niemand in sicht, den bereits um den hals liegenden strick abzuschneiden, wenn den menschen dies wirklich klar wäre, würden sie in hilflose paniken verfallen, denn einzelne können nichts tun, die fehler liegen bereits in der vergangenheit, und dabei in den strukturen, in denen einfach immer weiter gelebt und gewirtschaftet wird …

      wasser, erdböden, luft werden weiterhin zugrunde gerichtet, und je mehr menschen es gibt, desto intensiver und schneller, das wird zur kenntnis genommen wie die letzten fußball-ergebnisse, aber es ändert sich genau nichts – "tante emma" wird weiterhin nach mallorca fliegen, möglichst 5x im jahr und CO2 und atemluftvergiftung egal, die landwirtschaft bleibt weiterhin ein globales programm zur umweltvernichtung, statt weniger autos werden die SUVs usw immer mehr, die meere sind bereits heute verklappte müllkippen, aus den augen, aus dem sinn, die pole schmelzen ab, na prima, dann werden endlich die dortigen bodenschätze erreichbar usw
      es MUSS doch kaputt zu kriegen sein …

      1. nachtrag:
        es wird dennoch eine epochale zeitenwende kommen, obwohl wir nichts tun als einfach weiterzumachen wie bisher, nur wird diese wende nicht VON menschen bewirkt werden, sondern MIT den menschen und der gesamten umwelt als dann opfern.
        eines der prinzipien der evolution:
        adapt or perish = passe dich an, oder stirb aus = lebe entsprechend den naturgesetzen, oder du hast genau null chancen. und dies gilt nicht theoretisch, sondern ganz schlicht real und praktisch.

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