Sinn und Sinnlosigkeit: Das Menschsein und das kapitalistische System

Sinn und Sinnlosigkeit begleiten das Menschsein. (Foto: Keisuke Higashio, Unsplash.com)

Lediglich menschliches Selbstbewusstsein ist in der Lage, das eigene Ich einer umfassenderen Bestimmung zuzuordnen und daraus sinnvolles Handeln für sich selbst und für seine Mitmenschen abzuleiten.

Wir Menschen bestehen aus Fleisch und Blut, vermögen uns selbst zu erkennen und brauchen einander. Wir haben Hunger oder Appetit, spielen aus Neugier oder zum Zeitvertreib und erstreben einen geachteten und wohligen Platz unter unseresgleichen. Wir haben Angst vor dem Unbegreiflichen und sind begierig, unser eigenes Selbst immer wieder neu zu erschaffen. Dafür müssen Fragen gestellt und Antworten gegeben werden.

1. Ist die Gesellschaft reformierbar?

Das ist eine rhetorische Fragestellung. Denn alles, was in der Natur geschieht, ist in Bewegung und auch alles, was menschliche Gesellschaften ausmacht. Und alles, was sich in Bewegung befindet, verändert sich ständig beziehungsweise kann verändert werden.

Das Menschsein entwickelt sich im Spannungsfeld der Emanzipation und der Integration der Menschheit insgesamt, dies aus ihrer und in ihrer natürlichen Wirklichkeit sowie in der Lebenswirklichkeit jedes Einzelnen – in seiner (mit-)menschlichen Gemeinschaft und in diese hinein.

Besser wäre es also zu fragen, in welche Richtung sich die Gesellschaft bewegen müsste, damit die immer mehr eskalierenden Missstände in der Welt – vor allem ausgelöst durch die Wirtschaftsweise – beseitigt werden können, und zwar von jenen, die dies nicht mehr ertragen wollen.

2. In welcher Krise befindet sich die Welt?

Weder Dummheit und Arroganz noch individuelle Interessen sind die tiefgründigen Ursachen für den eskalierenden Verfall des Ökosystems Erde und der unser Menschsein ausmachenden Werte. Unsere Welt wird immer deutlicher von einer anhaltenden Verwertungskrise des Kapitals und der kapitalistischen Wirtschaftsweise allgemein verformt.

Akut äußert sich dies in zahllosen Krisen, die in kurzer Zeit aufeinanderfolgend in vielen Varianten erscheinen: Wirtschafts- und Finanzkrisen, Staatskrisen, Strukturkrisen, humanitäre Krisen, Terrorkrisen und so weiter. Das auf Sand gebaute Kartenhaus der neoliberalen Global Player fällt zusammen. Wir alle müssen uns deshalb darauf einstellen, dass die Bestien im Haifischbecken des Kapitalismus immer bösartiger werden.

Das aggressive Gegeneinander um geostrategische Einflusssphären, um Rohstoffe, Energiequellen, Absatzmärkte und billige Arbeitskräfte spitzt sich zu. Historisch endet dies immer in Zerstörung und Krieg. Und es wird wieder so enden, wenn wir es weiterhin zulassen, dass der Wachstumsmoloch mit Schweiß und Opferblut gefüttert wird.

Die altbekannte Tatsache, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, wird in drastischer Weise offensichtlich. Es gibt auf der Erde etwa 230 Menschen, die ein Vermögen von einer Billion Dollar besitzen. Das ist genauso viel, wie die Hälfte der Menschheit, nämlich drei Milliarden, an jährlichem Einkommen hat. Gleichzeitig haben 1,3 Milliarden Menschen pro Tag zum Leben weniger als den Gegenwert eines Dollars. Zwei Milliarden können ärztlich nicht regelmäßig versorgt werden und haben kein sauberes Trinkwasser.

Es sollte daher gefragt werden: Muss es in der wirtschaftlichen Sphäre unmoralisch zugehen? Und: Kann sich der Mensch nur profitorientiert und überlegenheitsmotiviert wirtschaftlich bewegen?

Nein, lautet die Antwort in beiden Fällen.

Erarbeiten, austauschen, verteilen und nutzen sind Handlungsvorgänge jedes menschlichen Wirkens, also auch in der wirtschaftlichen Sphäre, in die wir unsere Arbeitskraft und unsere Kreativität einbringen, um die zum Leben notwendigen und nützlichen Gebrauchsgüter zu erschaffen und Dienstleistungen zu erbringen.

Sich selbstbewusst (als biopsychosoziales Wesen) begreifend, kann der Mensch sein Wirtschaften daher so gestalten, dass jeder seinen ihm gemäßen und möglichen, seiner menschlichen Würde, seinen Fähigkeiten und seinem Wollen entsprechenden Anteil am zwischenmenschlichen Miteinander und allen Ressourcen und Gütern haben kann.

3. Welche gravierenden Probleme hat die kapitalistische Wirtschaftsweise?

Die kapitalistischen Zentren sind von einem langfristigen Trend zur Wachstumsschwäche gekennzeichnet. Diese hält schon seit Jahrzehnten an. Immer mehr Kapital hat Schwierigkeiten, sich zu verwerten und erweist sich damit als überflüssiges Kapital. Versuche, die Prosperität der Wirtschaft zum Beispiel durch Kreditausweitung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten zu erhalten, sind höchstens zeitweilig wirksam. Speziell in Europa kommen als weitere Krisenursache die großen Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der nationalen Ökonomien im einheitlichen Währungsraum des Euro hinzu.

Der globale Charakter kapitalistischer Standortkonkurrenz sowie die heute tendenziell unbegrenzte Kapital- und Standortmobilität führen zu Einschnitten in den Nationalökonomien sowie zu Veränderungen bisheriger Wirtschaftsstrukturen und Steuerungsmechanismen.

Unsicherheiten der Wirtschafts- und Sozialentwicklung spitzen sich zu und die Zerstörung des Ökosystems Erde wird in Kauf genommen.

Möglichkeiten der Produktivkraftentwicklung werden einseitig für radikale Kostensenkungen und Einsparungen von Arbeitsplätzen eingesetzt, um die Kapitalverwertung zu verbessern und die internationalen Konkurrenzpositionen des Kapitals zu stärken.

Überall in der kapitalistischen Welt erfolgt die relative Loslösung der monetären Sphäre von der Realökonomie. Die hohen Renditen der Geldanlagen, die Labilität und die Erschütterungen der internationalen Finanzmärkte sowie anhaltende Währungsturbulenzen beeinträchtigen die realwirtschaftliche Entwicklung.

Gemeinsame Lösungen von Problemen wie dem der Friedenssicherung oder des Erhalts der natürlichen Umwelt und der Sicherung sozialer Mindeststandards durch die internationale Gemeinschaft werden durch die Konkurrenz der Volkswirtschaften verhindert, vor allem durch deren Drang, geostrategische Einflusszonen abzustecken, um sich Rohstoffen, billige Arbeitskräfte und Absatzmärkte zu sichern.

Auf die größeren Herausforderungen und Probleme reagieren die Regierungen und die Unternehmerverbände im Innern mit dem Angriff auf den Sozialstaat. Nach außen wird mit verstärkten Bemühungen reagiert, die politische und militärische Präsenz der führenden kapitalistisch wirtschaftenden Staaten in der Weltpolitik und deren ökonomische Vormachtstellung zu erhöhen. Dies geschieht, ohne wirksame Beiträge zur Lösung der realen Konflikte zu leisten oder auch nur Konzepte hierfür zu erarbeiten.

4. Welche Regelmäßigkeiten skizzieren die kapitalistische Wirtschaftsweise?

Die sich immer wiederholenden Kreisläufe der Marktwirtschaft verlaufen von Produktion (herstellen) über Distribution (verteilen), Zirkulation (verkaufen und kaufen), Konsumtion (verbrauchen) und Regeneration (zurückgewinnen) hin zur Reproduktion (der erweiterten Fortsetzung des Herstellens).

Dabei werden Waren und Leistungen hergestellt beziehungsweise erbracht, die für die jeweiligen Nutzer einerseits einen Gebrauchswert haben. Und andererseits haben die Waren und Leistungen auch, je nach Angebot und Nachfrage, einen Tauschwert mittels dessen sie gehandelt und verteilt werden.

Schließlich müssen die ver- und gekauften Leistungen und Waren erneut erzeugt beziehungsweise erbracht werden, um das Wirtschaften weiterhin fortsetzen zu können. Das bedeutet, dass die Wirtschaft die Grundlage für das zwischenmenschliche Miteinander ist.

Doch in der kapitalistischen Wirtschaftsweise werden Gebrauchswerte hauptsächlich als Mittel zum Zweck hergestellt, um durch deren Verkauf möglichst hohe Profitraten zu generieren.

Der so erwirtschaftete Profit wird aber nur zu einem geringen (nicht ausreichenden) Teil in die Reproduktion des Produktionsprozesses investiert, während der andere Teil zu privaten Zwecken abgeschöpft wird. Darum müssen die Betriebswirtschaften zur ständigen Fortsetzung der Produktion Kredite für Investitionen aufnehmen, die mit Zinsen zurückgezahlt beziehungsweise als Dividenden ausgezahlt werden müssen.

Wenn also von Betriebswirtschaften nicht genügend Gewinn generiert wird und sie insolvent werden, werden die Geldgeber die neuen Besitzer des jeweiligen geldwerten Kapitals. Oder anders gesagt: Wenn sie nicht genügend Profit erwirtschaften sind sie irgendwann zahlungsunfähig, müssen ihr Eigentum verkaufen und sind enteignet.

So gibt es weltweit immer weniger Eigentümer von Produktionsmitteln. Fast alles Eigentum befindet sich in machtpolitisch gestütztem und juristisch garantiertem (Privat-)Besitz mehr oder weniger anonymer Finanzgesellschaften.

Auch die Volkswirtschaften sind davon betroffen. Produktion, Dienstleistung, staatlich gestützte Konsumtion und Investition und immer mehr auch die Aufwendungen zur notwendigen privaten Bedürfnisbefriedigung werden durch Kreditinstitute vorfinanziert. So wird alles Zwischenmenschliche abhängig von Ware-Geld-Beziehungen. Alles wird feilgeboten und alles ist käuflich.

Die Arbeitsleistung wird von immer mehr Menschen nur als notwendige Last und nicht auch als Freude am Schaffen empfunden. Der größte Teil des im Arbeitsprozess Geschaffenen wird nicht zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen eingesetzt, sondern vergeudet zur Fütterung des immer gefräßiger werdenden Geldmolochs.

Spezifisch für das kapitalistische Wirtschaften ist es also, dass alle gesamtgesellschaftlich erbrachten Arbeitsleistungen in privatem Interesse verwendet werden können.

Dadurch werden Waren, besonders aber die Ware Arbeitskraft, nicht richtig bewertet. Die Wirtschaftskreisläufe werden gestört oder gar unterbrochen, es kommt zu Wirtschaftskrisen, begleitet von sozialen Ungerechtigkeiten und ökologischen Katastrophen.

Verschärft wird das Ganze, weil erstens der Konkurrenzkampf zu immer kostengünstigerem, rationellerem Produzieren zwingt. Zweitens hängt die Realisierung immer höherer Profitraten von der Eroberung immer neuer Märkte und Einflusssphären ab, das Profitstreben treibt das Kapital zur Globalisierung. Und drittens schließlich ist der Trieb zur schrankenlosen Ausdehnung der Produktion untrennbar mit dem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate verbunden.

Dieser Fall ergibt sich infolge der Produktivkraftentwicklung, insbesondere durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Dadurch wird immer mehr in Anlagen, Maschinen, Technik und so weiter investiert, hauptsächlich um den Lohn für Arbeitskräfte einzusparen.

Geldwerter Gewinn kann aber nur erzielt werden, wenn Produkte und Dienstleistungen gekauft werden. Wenn jedoch prozentual immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer werden, kann zwar immer mehr produziert werden, aber immer weniger wird konsumiert. Anders ausgedrückt: Es wird Gebrauchswert produziert, der nicht gekauft wird, weil durch steigende Arbeitslosigkeit beziehungsweise stagnierende Löhne die Kaufkraft tendenziell sinkt.

5. Was ist mit dem Dogma vom Wirtschaftswachstum?

Die grundlegende Ursache für die allgemeine Krise der kapitalistischen Produktionsweise ist die Notwendigkeit, dass das Kapital zur erweiterten Reproduktion des Wirtschaftsgeschehens – also des Wirtschaftswachstums und damit des Erarbeitens von immer mehr Gewinn und Profit – akkumulieren muss.

Allgemein werden im Reproduktionsprozess die Bedingungen zur Fortsetzung der Produktion erneuert. Das betrifft sowohl die stofflich-wertmäßige Erneuerung der Produktionsmittel als auch die Regeneration der Arbeitskräfte und die Erneuerung der gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt. Das kapitalistische Streben nach Vergrößerung des Profits zwingt das Kapital zu erweiterter Reproduktion, die Wiederholung des Produktionsprozesses auf jeweils höherer Stufe. Dies ist nur möglich, wenn ständig ein Teil des erzielten Mehrwerts in Kapital verwandelt wird.

Die erweiterte Reproduktion und damit das Wirtschaftswachstum ist für die kapitalistische Produktionsweise eine zwingende Notwendigkeit. Der Konkurrenzkampf zwingt zu immer kostengünstigerem, rationellerem Produzieren. Und die Realisierung immer höherer Profitraten hängt von der Eroberung immer neuer Märkte und Einflusssphären ab. Das Profitstreben treibt das Kapital zur Globalisierung.

Die wirtschaftliche und soziale Situation hat sich in der Welt seit Mitte der 1970er Jahre mit wachsender Geschwindigkeit enorm verändert. Die Akkumulations-, Verteilungs- und Regulierungsweise, die sich in der Nachkriegsperiode des Zweiten Weltkrieges unter maßgeblichen Einfluss des Keynesianismus herausgebildet hatte, geriet zunehmend in eine Krise. Der internationale Konkurrenzkampf erhält seither immer mehr globale Züge und nimmt auf allen wichtigen ökonomischen Feldern an Schärfe und Druck zu.

Die immer schwieriger bis schließlich ganz unmöglich werdende Höherentwicklung der Produktivkräfte verstärkt die Lebensbedrohlichkeit der kapitalistischen Produktionsweise.

Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, also die gesellschaftliche Produktion von Mehrprodukten und Mehrwert zum Zweck des notwendigen Austauschs (bei deren gleichzeitiger unrechtmäßiger individuellen Aneignung und Verteilung), ermöglicht dem noch zu wenig selbstbewussten Menschen, seit er sich aus der Urgesellschaft “herausprozessierte”, die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Dies geschieht bis schließlich – unter kapitalistischen Bedingungen – in atemberaubender Weise teils die realen, teils sogar im Verdrängungswettbewerb als scheinbar vorhanden dargestellte Bedürfnisse befriedigt werden können.

Die für die kapitalistische Produktionsweise existenziell notwendige erweiterte Reproduktion des Produktionsprozesses kann nur durch den Einsatz von Mehrwert für die Kapitalakkumulation realisiert werden. So wird letztlich die reine Profitmaximierung oder das reine finanzwirtschaftliche Kalkül als das alles beherrschende Handlungsziel wirksam. Kapitalismus ist die Formation gesellschaftlicher Entwicklung, in der der Mensch mittels der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen die Produktivkräfte in enormer Geschwindigkeit und steigender Effektivität beträchtlich steigert.

6. Tendenzielle Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche

Betriebswirtschaften müssen die Nützlichkeit ihres Unternehmens auf Grundlage fast nur vorfinanziert möglichen Tätigseins und anschließender Verpflichtung zur Kredit- und Zinstilgung dem Streben nach Profit unterordnen und werden im gnadenlosen Konkurrenzkampf verschlissen.

Volkswirtschaften lösen sich auf im Rahmen der auf Druck der internationalen Finanzmärkte sich durchsetzenden Globalisierung. Kennzeichnend sind die Überschussproduktion, immer weniger an der Produktion Beteiligte, nicht proportionaler Austausch und ungerechte Verteilung. Das Leben ist unbestritten gekennzeichnet durch Verschwendung, aber zu einem weitaus größeren Teil bestimmt von unzureichenden Möglichkeiten des Konsums.

Staatsapparate, eigentlich verantwortlich und möglichst hoher Nützlichkeit verpflichtete, volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Aktivitäten zu stimulieren, sind kaum noch in der Lage zu agieren – und reagieren immer hilfloser.

Der ausgebeutete, unterdrückte, diskriminierte, verhungernde, geplagte, verelendende, dahinvegetierende Großteil der heute lebenden Menschen wird immer offener mit psychischer und physischer Gewalt ruhiggestellt. Dies, weil dem gesellschaftlichen Getriebe das bisschen soziale Öl (wie es Bismarck nannte) ausgeht, während das Ökosystem Erde immer mehr gefährdet wird.

Heute und Morgen

Dies alles zeigt, dass nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Ansprüchen die Triebkraft und die Zielstellung des kapitalistischen Wirtschaftsgeschehens ist, sondern einzig und allein der geldwerte Vorteil, der aus dem System selbst entsteht. Darum kann es in der kapitalistischen Marktwirtschaft nie um Ethik gehen, nie um den Menschen und auch nie um die Natur.

Die Gesellschaft ist somit nur reformierbar, wenn sie sich von der kapitalistischen Wirtschaftsweise abwendet und somit von der irrationalen Logik aus Wachstum, Zerstörung und Konkurrenz um jeden Preis – eine Logik, die zwingend zur nächsten Krise und früher oder später zum Kollaps führt.

Was bleibt zu tun? Alternative Modelle zum Kapitalismus müssen vorgestellt, besprochen und umgesetzt werden, um die Grundlagen für das Morgen zu legen, wo das Prinzip Verantwortung vielleicht den größten Raum einnehmen wird.


Symbolfoto: Keisuke Higashio (Unsplash.com)

Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

8 thoughts on “Sinn und Sinnlosigkeit: Das Menschsein und das kapitalistische System

  1. … Weitere Alternativ-Aspekte und Denkansätze gäb´s hier:
    https://diskursblickwechsel.wordpress.com/

    Viel österliche Nachdenkfreude!

    Marie Luise Kaschnitz/

    Auferstehung

    Manchmal stehen wir auf
    Stehen wir zur Auferstehung auf
    Mitten am Tage
    Mit unserem lebendigen Haar
    Mit unserer atmenden Haut.
    Nur das Gewohnte ist um uns.
    Keine Fata Morgana von Palmen
    Mit weidenden Löwen
    Und sanften Wölfen.
    Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
    Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
    Und dennoch leicht
    Und dennoch unverwundbar
    Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
    Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

  2. auch ohne ökonomische tiefenbetrachtungen ist der finale kollaps des heutigen systems vorhersehbar:

    – das bis heute extensive system konnte bislang seine entropie = seine unvermeidbare abfall-“wärme” erzeugung, in die noch nicht involvierte globale umgebung abführen, im rahmen der komplett-globalisierung gibt es dann keine entropiesenke mehr, das system wird zuletzt unter kataklysmen vermutlich epischen ausmaßes an seiner eigenen entropie-erzeugung ersticken

    – das heutige wirtschafts-system ist sog. “nicht-nachhaltig”, sondern auf gedeih und verderb = system-immanent bedingt, zu endlosem wachstum gezwungen, endloses und zudem exponentielles wachstum aber führt in natura = naturgesetze, stets zum finalen crash = und naturgesetze sind nicht verhandelbar oder auszutricksen

    – das ebenfalls exponentielle anwachsen der schieren anzahl von menschen auf diesem planeten PLUS immer höheren ansprüchen der immer mehr menschen wird ebenfalls unvermeidlich zum finalen crash des systems führen, auch hierbei kataklysmen voraussehbar: epidemien, kriege, massenmorde als dann notwendigkeiten, soziale höllen – wir haben nur 1 erde mit limitierten ressourcen – auch hier werden schlicht die naturgesetze die tierart mensch “abfangen”, nur darf man dabei dann nicht auf “gnade” rechnen, denn natürliche rückkopplungen enthalten das gesamte spektum bis hin zu “bestialisch”

    theoretisch hätten wir es heute noch in der hand, obiges zu antizipieren und entsprechend gegenzusteuern – praktisch dürfte es dazu allerdings bereits heute zu spät sein, weil wir nicht in der lage sind, quasi “vorgestern schon” entsprechende veränderungen = gegensteuerungen, vorzunehmen

    *
    die heute hektisch thematisierte ebenfalls anthopogen mitverursachte klima-drift ist nur ein mildes lüftchen gegenüber dem, das, siehe oben, auf uns zukommen wird …

  3. “Weder Dummheit und Arroganz noch individuelle Interessen sind die tiefgründigen Ursachen für den eskalierenden Verfall des Ökosystems Erde und der unser Menschsein ausmachenden Werte. Unsere Welt wird immer deutlicher von einer anhaltenden Verwertungskrise des Kapitals und der kapitalistischen Wirtschaftsweise allgemein verformt.”
    Diese Aussage stellt die Problemlage auf den Kopf. Die kapitalistische Wirtschaftsweise konnte sich nur behaupten, weil sie den individuellen Interessen der Mehrheit entgegen kommt und ihrem simplen Denkschema “Ich habe, also bin ich” entspricht.. Weil das so ist, flüchtet sich der Mensch in die Irrationalität und tut eben nicht das, was vernünftig wäre, sondern legitimiert das bestehende System mit seinem individuellen Verhalten täglich aufs Neue. Der tendenzielle Fall der Profitrate führt zur Verschärfung sozialer Widersprüche, aber es ist immer wieder gelungen, Dampf vom Kessel zu nehmen, und so ist auch heute nicht in Sicht, dass diese Widersprüche zu einem mehrheitlichen Umdenken führt. Wäre die kapitalistische Wirtschaftsweise das Problem, hätte der Mensch vorher in altruistischen Gesellschaften gelebt. Das ist aber zu keiner Zeit der Fall gewesen, wahrscheinlich nicht einmal in der Urgemeinschaft. Die eigentliche Frage ist also die von Ihnen gestellte Frage Nr. 1: “Ist die Gesellschaft reformierbar?” Und reformierbar bedeutet aus meiner Sicht: Ist es möglich, das Primat der Wirtschaft durch das Primat der Vernunft zu ersetzen?

    1. “Weil das so ist, flüchtet sich der Mensch in die Irrationalität”

      NEIN! das ist kein naturgesetz.

      sowie im kinsey-report die sexuelle vielfalt der menschen erforscht wurde – gibt es heute reichlich – wenig publizierte, aber wissenschaftlich fundierte studien über die menschliche psyche.

      JEDER! hat die möglichkeit seine ganz individuelle stelle in dem sammelbegriff “mensch” zu erkunden … zu hinterfragen … und ja sogar sich selbst zu verändern … oder sich in seiner angeblichen außenseiter-position zu bestätigen (und die konsequenzen zu erkennen)

      die psychologie wird zu einem großen aufkläer für die zukunft werden – sie ist allgemeingut und kann nicht ewig als (geheimes) herrschaftsinstrument benutzt werden!

      mensch: bilde dich selbst – um der menschheit willen … doch alle anfänge sind schwer – aber immer besser sichtbar … selbst die bequem eingerichteten SPÜREN die widerspüche … und fürchten sie … doch ist die furcht für sie noch nicht groß und nahe genug … NOCH beruhigt sie der konsum … und suchtabhängigkeit von machtspielen … die LEIDER große teile der menschen mitspielen … das wird solange weiter gehen, wie ihnen die lust daran nicht verdorben wird … und das verderben kommt und kommt

  4. @ klaus fürst,

    hervorragende argumentation, der ich mich anschließe !

    mensch ist und war immer “typisch mensch”, ein von irrationalen ängsten und welterlebensweisen gesteuertes lebewesen zu allen zeiten, dessen operativer verstand nicht nur nicht ausreicht, den unguten untergrund in schach zu halten, sondern der sich diesem untergrund sogar dienerlich anschließt = verstand und intelligenz werden sogar aktiv genutzt, um den untergrund des irrationalen gegen alle vernunft durchzusetzen, zb das “immer mehr haben wollen” usw,
    und alle religionen, moralen, ethiken konnten das bis heute nicht stoppen oder ändern, daher ist nicht zu erwarten, dass es sich morgen, demnächst, oder zukünftig ändern lassen wird.

    daher bin ich sog kultur-pessimist, nach meiner ansicht, und in anbetracht der abgelaufenen menschlichen historie, sind gesellschaften willentlich, also aktiv gewollt, GRUNDLEGEND NICHT veränderbar,
    was indes gesellschaften entweder vernichtet oder im rahmen zwangs-(neu)adaptionen, massiv verändert, sind jeweils abgelaufene katastrophen, die dann “friss oder stirb”, “adapt or perish”, auch nachhaltige, krasse, brutale veränderungen schlicht erzwingen.

    naturgesetzlich ausgedrückt ist das:

    menschlicher verstand/intelligenz reichen als trigger zu grundlegenden veränderungen einzelner und gesellschaften nicht aus,
    abgelaufene katastrophen können indes genügend starke trigger sein, danach(!) grundlegende veränderungen zu induzieren (falls sie überlebt werden!, und dieses “falls” ist der knackpunkt)

    thermodynamisch-kybernetisch betrachtet:
    das system mensch läuft in mensch-selbst-referenten balancen, welche durch führungs-moden gesteuert werden, das ganze auf niedrigst-möglichem energie-niveau (wie alles in natura) – zustand heute – um dies aufzubrechen, muss man ein system stehts energetisch hoch”pumpen”, bis es seine führungsmoden verliert und in sog. determiniertes chaos übergeht (aufweitende amplituden, martingales sys-verhalten, usw), dies würde zb eine katastrophe von aussen bewirken, erst in diesem zustand kann man einem solchen system dann von aussen her neue (erwünschte) führungs-moden auferlegen, und dabei nachsteuern, damit das sys sich in die neuen führungs-moden einschwingen kann (was dann von hoher entropiefreisetzung begleitet ist, weil das so manipulierte system dabei in eine neue energetische senke hineinfällt und sich darin neu stabilisiert/labilisiert) – dürfte einleuchten, dass dieser ganze prozess unter, vom system her betrachtet, kataklysmen abläuft – und heute schon und morgen noch stärker, wegen der bereit stattgehabten globalisierung, ist/wäre die frage, wohin mit der finalen entropie-“explosion”?, wohin diese “abfallwärme” exportieren, damit das “re-formierte” = das unter neuen führungs-moden neu-formierte, system in (s)eine neue energetische senke hineinfallen kann?, denn kann diese entropie nicht aus dem neuen system fortgeschafft werden, erstickt das system an seiner eigenen, nicht exportierbaren entropie-erzeugung – im rahmen globalisierung haben wir allerdings nur 1 erde, also weiterer entropie-export “in noch unbenutzte dritte welten usw” unmöglich,

    heruntergebrochen heißt bereits heute:
    rien ne va plus – game over

  5. Jedermensch hat die freie Wahl!
    Solange die tagtäglichen Abstimmungen an den Supermarktkassen und Arbeitszeiterfassungen für dieses System sprechen, werden wir es haben.
    Doch auch in diesem System steht es jedermensch frei, anders zu leben.
    Ich bin eher fürs ‘Vorleben’ von Alternativen als fürs ‘Aufrufen’ gegen etwas.
    In diesem Sinne:
    paradise your life! ;-)

  6. Solange wir an Supermarktkassen und Arbeitszeiterfassungen für dieses System stimmen, werden wir es haben.
    Doch auch innerhalb dieses Systems lässt es sich gut alternativ leben. Ich tu das seit über 20 Jahren.
    In diesem Sinne:
    paradise your life!

  7. Dass alle und alles einmal ein Ende hat, macht Existenz und im engeren Sinne Leben aus – immer zwischen wundervoll und schrecklich changierend.

    Wer nur auf diese Endlichkeiten, ganz gleich wie jeweils zustandekommend, starrt, wird zum Vergäller seiner selbst wie seiner engeren wie weiteren Umgebung….
    Wozu?

    Ich hingegen suche und habe Geschmack am Nachdenken und Austausch über Systeme, die mit weniger Vergällung aukommen als die gegenwärtigen – wen´s interessiert:
    http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de/0-DEBATTENRAUM-D/word-versionen/maerz-april2019%20SYSTEM-ALTERNATIVEN%20gw.pdf

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