Totaler Blackout

Blackout auf zwei Rädern? Ein verlassenes Fahrrad in New York. (Foto: Alistair Macrobert, Unsplash.com)

Totaler Zusammenbruch des Stromnetzes. Dunkelheit, kein Google, keine Freund*innen mehr bei Facebook, kein fließendes Wasser, keine Lebensmittelkühlung, keine Sprinkleranlagen und Futteranlagen, keine Zapfsäulen, keine Lieferungen, keine Nachrichten mehr.

Auch Atomkraftwerke brauchen Netzversorgung von außen zur Kühlung, etwa für zwei Wochen gibt es in der Regel Treibstoff für die Notaggregate, danach droht der Supergau. Wie viele Atomkraftwerke gibt es in Europa?

Viele Spezialist*innen halten einen Blackout für möglich bis wahrscheinlich, da die Netze immer komplexer werden und immer abhängiger voneinander – international.

Auslöser für einen Blackout könnten Netzschwankungen durch die gleichzeitige Abschaltung von mehreren Kraftwerken oder auch Angriffe oder schlicht Fehler in Internet-Verbundenen Endgeräten oder Zählern sein. Besonders erneuerbare Energien tragen zur Instabilität der Netze bei. Gleichzeitig werden immer mehr Bereiche des Lebens an den Strom und das Internet angeschlossen, der Energiebedarf steigt stetig.

Die momentane tiefgreifende Automatisierung und Virtualisierung ist immer auf Strom und sensible Netzwerke angewiesen. Wir verlernen dabei die einfachsten Dinge zur Befriedigung unserer Grundbedürfnisse: Essen herstellen, Wege ohne Maschinen zurückzulegen und auch soziale Beziehungen zu führen ohne Geräte.

Wir eignen uns unglaublich viele Fähigkeiten nicht mehr an, die ein Leben ohne große Konzerne, ohne Fabriken, aber mit großer Autonomie ermöglichen. Es geht um den Aspekt der Abhängigkeit, die uns entmündigt. Wir sind so sehr gewohnt, dass alles für uns geregelt wird, dass wir im Falle eines Blackouts dastehen wie einjährige Kinder, die sich nicht um sich selbst kümmern können.

Die Frage, welche Chancen oder Gefahren ein Zusammenbruch durch einen Blackout mit sich bringen würde, ist hier vorerst außen vor gelassen. Erst einmal geht es darum, sich bewusst zu werden, wie abhängig und verwundbar uns der Überfluss der Dinge werden lassen.

In Herrschaftssystemen sind Abhängigkeiten jedoch gewollt, denn sie binden einen an die Strukturen, sie vermitteln die Alternativlosigkeit. Doch jede*r muss für sich selbst Entscheidungen treffen, wenn man nicht nur ein Teil einer Maschine sein will. Sich darüber Gedanken machen, wie erneuerbare Energien funktionieren könnten, ist ja erst einmal nicht schlecht. Wenn wir aber endlos viele technische Geräte benutzen wollen, wird ein riesiges Energievorhaben unmöglich, es geht einfach nicht alles auf einmal.

Wie können wir also Abhängigkeiten reduzieren? Wie erst einmal bewusst werden darüber? Braucht es erst ein paar Aussetzer, um die eigentliche Verwundbarkeit aufzuzeigen?


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag “Totaler Blackout” wurde von einem anonymen Autor verfasst. Er erschien erstmals in SHITSTORM – Anarchistische Zeitung Berlin (Januar 2019 – #3), wurde von der Anarchistischen Bibliothek archiviert und von Neue Debatte übernommen, um eine kritische Diskussion über Energie- und Technikabhängigkeit zu ermöglichen. Einzelne Abschnitte wurde zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben.


Foto: Alistair MacRobert (Unsplash.com)

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9 thoughts on “Totaler Blackout

  1. in diesem zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die meisten weltweiten strom-verbund-netze keine schutzvorrichtungen gegen sog. sonnenstürme besitzen, welche ab gewisser stärke die irdischen stromnetze elektrisch überladen, und damit ua die transformatoren zerstören, problem dabei, diese großen transformatoren gibt es nicht auf vorrat, sie müssten dann erst neu gebaut werden, dann transportiert, ehe sie wieder konnektiert werden könnten. würde in worst-case bedeuten, großflächige stromausfälle über längere zeiträume, und damit ausfall aller elektrizitäts-abhängigen installationen..
    im schnitt alle paar jahrzehnte entsprechend heftige sonnenstürme, was aber keinerlei vorhersage-möglichkeiten zulässt.
    das deutsche stromnetz ist ebenfalls nicht hinreichend gegen sonnenstürme “gehärtet”

    *
    aktuell ist die sonne bis 2023/24/25 “in urlaub”, also ruhige sonne und wahrscheinlich keine gefahr

    **
    die im artikel erwähnte gefahr durch atomkraftwerke bei stromausfall besteht eigentlich nicht, soweit diese technisch wie vorgesehen funktionieren, denn die reaktoren können dann, gerade mithilfe der notstrom-aggregate, geordnet “heruntergefahren” werden, womit “gau” und “supergau” auszuschließen sind, und völlig veraltete u prinzipiell-risikoreiche graphit-moderierte atommeiler, wie damals tschernobyl, gibts in europa nicht.

  2. Diese Abhängigkeit – von der viele meinen, sie könnte in einer arbeitsteiligen Welt gar nicht anders sein – ist ein Produkt der Schulbildung: dort versteckt man Kinder in einem Bunker vor der Welt, um ihnen darinnen etwas über die Welt zu erzählen.

    Damit ist der Zugang zur Welt und ihren Ressourcen und wie man sie selbst nutzen könnte zunächst einmal verbaut und die Menschen gleichzeitig in diese Abhängigkeitsverhältnisse getrieben, die zu Ängsten und Depressionen führen.
    Denn – auch, wenn der Mensch es nicht bewußt verarbeitet – er spürt sich als Ausgelieferter, Abhängiger – und das erzeugt die Ängste (Süchte), Stress (Wellness-Industrie) und Krankheit (Gesundheitswirtschaft) also noch weitere Abhängigkeiten…

    Das System ist aber perfide perfekt – schützt sich selbst vor Veränderung. Es gilt deshalb ein völlig neues aufzubauen, so wie auch die Natur neben einen absterbenden, morschen Baum, neue wachsen läßt (statt das tote Pferd/Baum weiterzureiten) …

    1. funktionierende kybenetisch-echte systeme sind immer selbst-referent, d.h. ihre führungs-moden setzen jedem auf sie einwirkenden einfluss, der system-relevante teile betreffen würde, widerstand entgegen, nicht aber aus gründen von absprachen oder verschwörungen usw, sondern weil solche sys in energetischen senken ablaufen (resonanz-effekt), es braucht trigger-energie um den potentialtopf, in dem ein solches sys liegt, zu überwinden.
      dass in menschensystemen zusätzlich noch egoistische eliten usw am systemerhalt des “status quo” fleißig mitbasteln, ist da fast nebensächlich – die eliten ziehen dabei nur zufällig am selben strang wie die naturgesetze

      bei zunehmender entropischer aufladung verschwinden die führungsmoden von selbst, und mit ihnen geraten dann auch die eliten unter die räder aufweitender und dann martingaler amplituden, siehe als historisches beispiel etwa die franz revolution samt ihrem vorlauf

  3. Das mit dem toten Pferd ist sehr treffend, Jürgen Elsen.
    Wir sind im Eimer – nein, niemals werden wir kampflos das zugeben!
    Wir treffen uns zum Pax Terra Musika und schauen uns sehr sehr tief in unsere alten jungen Augen. Dann werden wir weiter sehen. Nur wir ungebundenen wilden unbeugsamen ( 100% vom Leben erfüllten ) werden den Kampf führen können. Die Kinder und Kindeskinder lassen wir außen vor. Die haben Welpenschutz. Und das ist gut so!
    Ich freue mich schon auf ein Glas vom guten alten Rotwein. Bringe ihn mit.
    Bis dahin hoffentlich.

    Gute Nacht euch allen!

    Uwe Leonhardt

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