„Die Vorstufe zum Paradies“


Eine Zusammenfassung wie wir Großes bewegen können

„Die Vorstufe zum Paradies“ – Hm, klingt schön, aber auch realistisch?

Gunther Moll, Sarah Benecke und Günter Grzega sagen: Ja! In ihrem kleinen Büchlein „Die Vorstufe zum Paradies für uns alle – Warum wir sie erreichen können und wie sie finanzierbar wäre“ beschreiben sie uns wie es gehen kann. Hören wir doch mal rein:


Die Entwicklung

Das Büchlein begibt sich in einer einfachen und NICHT fach-chinesischen Art in tiefe Bereiche der Psyche. Warum lassen wir uns überhaupt manipulieren und dadurch kontrollieren? Um zu verstehen, warum die Welt der Menschen gerade so ist, wie sie ist, machen die Autoren einen Rundumschlag um die Entwicklung des Homo sapiens. Sie fangen zwar auch bei Adam und Eva an, aber das Ganze auf 70 Seiten auf verständliche Art gekürzt:


Das Paradies

Nachdem beschrieben wird, wie schlimm es derzeit ist und dass wir schnell eine Handbremse wieder in unser System einbauen müssen, um anhalten und aussteigen zu können, geben sie uns einen Blick in ein Wirtschaftssystem mit paradiesischen Aussichten.

Dazu erzählen sie die Geschichte von Charlotte, die – im Jahre 2050 – mit ihren Enkeln Kuchen essend im Garten des Mehrgenerationenhauses sitzt und diese darüber staunen, wie ignorant doch die Menschen Anfang des 21. Jahrhunderts waren. Doch die Menschen in Charlottes Erzählung brachten einen großen Wandel zustande. Hier kommen nun Begriffe wie „Gemeinwohl-Ökonomie“ und „Finanz- und Gemeinwohl-Bilanz“ ins Spiel. Was bedeutet dieses neue Konzept?


Die Finanzierung

Es stellt sich nun die Frage: Was ist die größte Hürde, warum die Gemeinwohl-Ökonomie es so schwer hat Fuß zu fassen? Die Erklärung ist die Finanzierungsfrage. Für die Autoren begründet sich das darin, dass wir Menschen das Wesen des Geldes noch nicht verstehen. „Wir (glauben) […], dass Geld ein begrenztes Gut ist. Wir (verstehen) überhaupt nicht seine Wirkungsweise – und vor allem, dass es ein intellektuelles Konstrukt ist.“ [1] Diese Wissenslücke wird im letzten Abschnitt des Buches von „dem Banker“, einem Freund Charlottes, gefüllt. Wir erfahren nicht nur, was Geld ist, sondern unser Freund klärt uns auch über das Schreckgespenst „Steuern“ auf:

Noch sind wir in dem Dogma gefangen, dass Sparen gut ist und Schulden machen schlecht. Natürlich lernen wir heute, dass ein guter Umgang mit Geld darin besteht, nur so viel auszugeben, wie wir auch haben. Für private Haushalte und Unternehmen stimmt das ja auch, aber nicht für den Staat.


Die Geldschöpfung

Auf so großer Ebene muss begriffen werden, dass sich die „weltweiten Schulden und Finanzvermögen ausgleichen, also auf null addieren, und es deshalb weder eine ‚Überschuldung der Welt‘ noch ein ‚Über-Geldvermögen der Welt‘ geben kann.“ [2] Wir müssen die Wirkung von Staatsschulden anders begreifen als die privaten Schulden. „Staatsschulden sind Schulden, die wir Bürger uns selbst schulden. Demgegenüber sind private Schulden Forderungen zwischen verschiedenen Wirtschaftseinheiten, die tatsächlich erfüllt werden müssen. Deshalb sind Kredite in diesem Bereich immer auch zurückzuzahlen.“ [3]

Geldschöpfung des Staates funktioniert anders. „Der souveräne Staat mit einer Zentralbank beeinflusst durch sein Handeln entscheidend die Zinsentwicklung und damit auch die Geldmenge in einer Marktwirtschaft. Er beeinflusst also sowohl die inflatorischen als auch deflatorischen Entwicklungen. Und das Entscheidende: Der Staat – nicht die Zentralbank – erhebt Geld zu einem „Staats-Geld“, wenn er dieses Konstrukt als Zahlungsmittel zur Begleichung von Steuern und staatlichen Abgaben zulässt. Dirk Ehnts hatte es […] klar und deutlich ausgedrückt: „Der Staat ist nicht Nutzer der Währung, sondern der Erschaffer.“ [4]

„Der Staat ist also derjenige Akteur in einer Volkswirtschaft, der jederzeit durch entsprechende Regeln die Verteilung von Einkommen und Vermögen steuern kann. Zusätzlich kann er notwendiges neues Geld schaffen.“ [5] Diese Macht, die der Staat, also eigentlich WIR haben, haben wir abgegeben an Zentralbanken, wie die Federal Reserve Bank in den USA oder die Europäische Zentralbank. Diese bestimmen die Geldmenge und der Bürger hat keine Chance mehr, demokratisch einzugreifen.


Die Finanzkrise

Nicht nur, dass wir keine Eingreifmöglichkeiten mehr über demokratische Tools haben, der Schiedsrichter für Wetten für Banken wurde abgeschafft, ohne uns zu fragen. Und wir Erwachsenen sind genauso unbesonnen und unvernünftig wie so manches grenzenlos erzogene Kind.

Verhaltensweisen wie zum Beispiel die Reaktion beim freien Zugang zu Süßigkeiten, ohne jegliche Aufklärung der Wirkung oder gar Regeln bezüglich des Verzehrs, und das daraufhin natürlich folgende „Sich-Vollstopfen“ damit, verschwinden nicht einfach mit dem 21. Geburtstag. Und plötzlich sind wir alle vernünftig und essen nur noch Weisheit mit Lösungen mit einem Häubchen Wahrheit obendrauf. Solches Verhalten verwächst sich nicht, sondern wir wachsen in dieses Verhalten hinein und perfektionieren es. Und wundern uns später gaaaaanz unschuldig darüber, dass wir ein komplett neues Gebiss brauchen.

Die Abschaffung der Spielregeln 1999 in den USA, das Streichen des „amerikanischen Trennbank-Systems, der sogenannte ‚Glass-Steagall Act‘ […] war der Grundstein für die erste große Finanzkrise des 21. Jahrhunderts.“ [6]

Die Autoren sprechen an dieser Stelle des Buches, von einer Trennung der Geschäftsbanken und Investment-Unternehmen. Durch die Einschränkung der Rechtsformen, wie öffentliches Geld und Dienstleistungen verwaltet werden dürfen, kann das öffentliche Gut, dass uns allen gehört, geschützt werden.

„Die Rechtsform der Kreditgenossenschaft (ist) für diese verbindliche Gestaltung des Bankenwesens von besonderer Bedeutung. Diese urdemokratische und nicht an Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmensform (praktiziert) die Kreditgewährung […] ohne große Finanzkrisen zu verursachen […].“ [7] Über diese Rechtsform lässt sich der Neoliberalismus überwinden, da hier keine „Rendite-Jagd“, sondern „eine dauerhaft gesicherte wirtschaftliche Zukunft aller“ Mitglieder im Fokus steht [8].

Aber wir brauchen nicht nur die Regulierung der Wirtschaftssysteme in einem vertretbaren Rahmen, sondern auch etwas anderes:


Zum Abschluss

Ich interessiere mich nicht sonderlich viel für Wirtschaft und wie’s funktioniert, trotz Wirtschaftsabitur. Aber dieses kleine Büchlein gibt, glaube ich, jedem Leihen auf charmante Art einen Einblick, wie wir unser System umgestalten können. Es ist keine Bibel, die alle Lösungen parat hat, aber Komplexes einfach verständlich erklärt. Gemeinwohl-Ökonomie ist ein sehr spannendes Thema.


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Gunther Moll, Sarah Benecke, Günter Grzega

Die Vorstufe zum Paradies für uns alle

Die Vorstufe zum Paradies von Gunther Moll, Sarah Benecke, Günter Grzega


Zum Hintergrund

Neues vom Finanzmarkt: Höchste Zeit für Gemeinwohl-Ökonomie


Quellen und Anmerkungen

Zitate aus dem Buch „Die Vorstufe zum Paradies für uns alle – Warum wir sie erreichen können und wie sie finanzierbar wäre“:

[1] „Wir (glauben)[…], dass Geld ein begrenztes Gut ist. Wir (verstehen) überhaupt nicht seine Wirkungsweise – und vor allem, dass es ein intellektuelles Konstrukt ist.“ (S. 88)

[2] „[…] weltweiten Schulden und Finanzvermögen ausgleichen, also auf null addieren, und es deshalb weder eine „Überschuldung der Welt“ noch ein „Über-Geldvermögen der Welt“ geben kann.“ (S. 95)

[3] „Staatsschulden sind Schulden, die wir Bürger uns selbst schulden. Demgegenüber sind private Schulden Forderungen zwischen verschiedenen Wirtschaftseinheiten, die tatsächlich erfüllt werden müssen. Deshalb sind Kredite in diesem Bereich immer auch zurückzuzahlen.“ (S. 98)

[4] „Der souveräne Staat mit einer Zentralbank beeinflusst durch sein Handeln entscheidend die Zinsentwicklung und damit auch die Geldmenge in einer Marktwirtschaft. Er beeinflusst also sowohl die inflatorischen als auch deflatorischen Entwicklungen. Und das Entscheidende: Der Staat – nicht die Zentralbank – erhebt Geld zu einem ‚Staats-Geld‘, wenn er dieses Konstrukt als Zahlungsmittel zur Begleichung von Steuern und staatlichen Abgaben zulässt. Dirk Ehnts hatte es […] klar und deutlich ausgedrückt: „Der Staat ist nicht Nutzer der Währung, sondern der Erschaffer“. (S. 99/100)

[5] „Der Staat ist also derjenige Akteur in einer Volkswirtschaft, der jederzeit durch entsprechende Regeln die Verteilung von Einkommen und Vermögen steuern kann. Zusätzlich kann er notwendiges neues Geld schaffen.“ (S. 100)

[6] „(…) des amerikanischen Trennbank-Systems, der sogenannte ‚Glass-Steagall Act‘ […] war der Grundstein für die erste große Finanzkrise des 21. Jahrhunderts.“ (S. 103)

[7] „Die Rechtsform der Kreditgenossenschaft (ist) für diese verbindliche Gestaltung des Bankenwesens von besonderer Bedeutung. Diese urdemokratische und nicht an Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmensform (praktiziert) die Kreditgewährung […] ohne große Finanzkrisen zu verursachen […].“ (S. 105)

[8] „(…) keine Rendite-Jagd“ und „(…) eine dauerhaft gesicherte wirtschaftliche Zukunft aller […]“


Foto: Marek Okon (Unsplash.com) und Gunther Moll (Buchcover)

Autorin und Künstlerin bei

Sie emi­g­rie­rte aus den schwäbisch-bayrischen Bergen in die Lüneburger Heide. Nach dem Abitur zog sie nach Hamburg, um ein Handwerk zu erlernen. Alex gibt sich als Autorin dem Schreiben hin und als Künstlerin der kreativen Malerei. Ihre Essays unterzieht sie dem Urteil der eifrigen Leserkultur. Sie schreibt über die kleinen Schönheiten und die großen Gemeinheiten des Alltags. Alex lebt im Norden Deutschlands.

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