Kataloniens Diada – Die Geschichte hinter dem Tag

Am 11. September feiert Katalonien die Diada, ein für viele Katalanen und Katalaninnen historisch wichtiger Tag. Man gedenkt der Niederlage Barcelonas am 11.9.1714 gegenüber den französischen Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg.

Die Belagerung

Damals hielt die Stadt 14 Monate der Belagerung durch die spanischen und französischen Heere unter Felipe V. stand. Schließlich mussten sich die Bewohner aber unter hohen Verlusten ergeben. Nach der Niederlage folgte eine Welle der Unterdrückung, denn der bourbonische Thronfolger vergab den Katalanen nicht, dass sie sich auf die Seite der Habsburger gestellt und mit Holländern und Briten gegen die Franzosen und Kastilien gekämpft hatten.

Die Katalanen hatten tatsächlich ihre gesamte Hoffnung auf Karl von Habsburg, später Kaiser Karl VI. gesetzt und ihn mit Rat und Tat unterstützt. Karl von Habsburg ließ sich auch noch in Barcelona zu Karl III., König von Spanien und Graf von Barcelona, krönen. Als man ihn aber nach dem überraschenden Tod seines Bruders Josef I. an den Wiener Hof rief, um sein Kaiseramt anzutreten, überließ er die Katalanen ihrem Schicksal.

Nach dem Verrat

Viele Katalanen mussten nach Ende des Krieges vor der Rache der Franzosen flüchten und gingen nach Wien. Später, im Jahr 1735, gründeten einige von ihnen im heutigen Serbien eine Kolonie, das Nova Barcelona (Neue Barcelona), wo ca. die Hälfte der Bewohner nach kurzer Zeit der Pest zum Opfer fielen. Heute heißt dieser Ort Zrenjanin, aber seine Bewohner wissen kaum etwas über diese Vorgeschichte.

Die Frau von Kaiser Karl VI., Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, war bis zu ihrem Tod so von Barcelona angetan, wo sie sich mit Karl von Habsburg in der Kathedrale der Santa Maria del Mar vermählte, dass sie die Szene ihrer Ankunft im Hafen von Barcelona auf ihrem Sarg in der Kapuzinergruft verewigen ließ.

La Diada heute

Charmanterweise feiern die Katalanen heute dieses Datum als arbeitsfreien Tag, an dem kulturelle Aktivitäten und familiäre Zusammenkünfte stattfinden.

In den letzten Jahren ist La Diada („Der Feiertag“) politisch zudem stark geladen. Viele Bewohner Kataloniens nehmen die historische Niederlage immer noch als den Verlust ihrer Freiheit wahr. Deshalb fanden und finden in Barcelona die festlichen Riesendemonstrationen von mehr als 1 Million Menschen statt, um ein Referendum über die Unabhängigkeit von Spanien zu fordern.

Anlässlich der angespannten politischen Situation in Spanien und in gesamt Europa organisiert auch dieses Jahr die Katalonische Nationalversammlung (ANC) erneut eine Demonstration im Zentrum Barcelonas, zu der Hunderttausende Menschen erwartet werden.

Sie demonstrieren auch mit Blick auf das noch ausstehende Urteil über die 12 seit bald zwei Jahren inhaftierten Aktivisten und Politiker. Diese erwarten Strafen von bis zu 25 Jahren Freiheitsentzug für die von Madrid als illegal erklärte Volksabstimmung am 1. Oktober 2017.

Neben den politischen Forderungen wird die Diada aber auch weiterhin in vielen Landesteilen als traditionelles Fest gefeiert werden.

Eine Veranstaltung

Auch in Wien lädt die Delegation Kataloniens zu einem Get-together ein. Die Veranstaltung findet am 11. September, ab 18 Uhr, im VIENNABallhaus (Berggasse 5, 1090 Wien) statt.

Neben Live-Jazz-Musik von Andrea Motis und Quartett werden gutes Essen und fantastische Weine gereicht.

Gerade der zunehmenden Spaltung der Menschen wegen sind Veranstaltungen wie diese von besonderer Bedeutung. Völkerverständigung muss nicht nur anstrengend sein, sondern kann auch Spaß bringen und unterhalten.


Foto: Archiv Neue Debatte (September 2017, Catalan Diada Human Towers; Volkssport zur Integration und Zusammenhalt aller Generationen Kataloniens)

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