USA: Die lupenreinen Demokraten

Wie die Hunde schlagen sie an. Die Vertreter der Wahrheit und die Prediger der demokratischen Presse. Endlich, ja, endlich haben sie ihn. Den, der keine politische Kultur hat und über alles mit jedem zockt.

So falsch ist die Einschätzung nicht. Was jedoch dabei aus dem Blick gerät, ist das, worüber er verhandelt hat. Es geht um das Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit dem neu gewählten Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj [1].

Trump soll bereits zugesagte Militärhilfen in Milliardenhöhe davon abhängig gemacht haben, ob Selesnkyj seinerseits kooperiere. Wobei? Bei der Untersuchung von Verwicklungen des Sohnes des möglichen Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Demokraten Joe Biden, Hunter Biden, in Geschäfte, denen das Stigma der Korruption anhaftet. Die ganze Angelegenheit ist klebrig. Auf allen Seiten.

Erstens

Indem so nebenbei erwähnt wird, dass die Ukraine seitens der USA Militärhilfe in Milliardenhöhe erwartet, wird deutlich, wie tief die USA in der direkten Konfrontation mit Russland bereits stecken. Der Krieg in der Ostukraine ist also längst keine Auseinandersetzung der Ukraine mit dem Nachbarn Russland mehr, sondern eine mit US- und NATO-Beteiligung. Dass dieses nicht bemerkt wird, spricht für sich.

Zweitens

Dass Hunter Biden bereits 2014 im Vorstand einer ukrainischen Ölfirma saß, deren Geschäftsfeld die Ölgewinnung durch Fracking in der Ostukraine war, zeigt, wie sehr neben den geostrategischen auch direkte Wirtschaftsinteressen bestimmter US-Kreise in der Ukraine eine Rolle spielten. Die Entscheidung des dann geflohenen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, doch nicht der EU und der NATO beizutreten, bedeutete sein Todesurteil bei den Lobbyisten in Washington. Alles was folgte, bis hin zu den denkwürdigen Auftritten des damaligen Senators John McCain auf dem Maidan, sind Belege für eine Aggression gegen die Unabhängigkeit der Ukraine. Alles, was seit dem folgte und als Argumentation für eine harte Haltung gegen Russland hervorgebracht wurde, ist in diesem Licht eine wunderbare Beweisführung für die von Washington aus lancierte Aggression.

Drittens

Dass die US-amerikanischen Demokraten nun den Versuch Trumps anprangern, diese Tatsache ans Licht zu bringen, selbstverständlich aus der Motivation heraus, diesem auch etwas ans Zeug zu flicken, zeigt jedoch deutlich, wes Geistes Kind auch diese sind. Das hat mit dem ganzen Gerede von Menschenrechten und Völkerrecht nichts zu tun. Die Demokraten echauffieren sich nicht etwa über das Agieren eines Hunter Biden, der am Fracking in der Ostukraine verdienen wollte, sondern an einem Präsidenten der Interventionsgelder zurückhalten wollte, um herauszufinden, was es mit der Sache auf sich hat.

Das Holz der Demokraten

Es zeigt, dass nicht nur Präsident Trump ein rücksichtsloser Geschäftemacher – unabhängig von den Nebenwirkungen – ist, sondern auch, dass die Demokraten, die sich gerne als die moralisch Überlegenen darstellen, aus dem gleichen Holz geschnitzt sind.

Bleibt man bei der lupenreinen demokratischen Terminologie, dann sind beide Seiten gleich frevlerisch. Der eine will von einer auch militärisch unterstützten Intervention eines Drittlandes profitieren und dort mit ökologisch fragwürdigen Methoden Profite machen. Und der andere will wissen, was es damit auf sich hat, um die eigenen Schweinereien in einem milderen Lichte erscheinen zu lassen. Da hat sich ein wunderbares Konsortium gefunden, dass nur noch durch eine dritte Partei komplettiert wurde.

Diese sitzt in den Redaktionsstuben der sogenannten vierten Gewalt und übernimmt ohne Abstriche die Version der Demokraten, die ihrerseits dokumentieren, dass sie beim besten Willen keine Alternative zu der so verfluchten Trump-Administration darstellen. Wofür Joe Biden steht, sollte er denn als Präsidentschaftskandidat bestätigt werden, ist hiermit dokumentiert. Wofür die Parteinahme für ihn steht, ist auch ebenso deutlich geworden.


Quellen und Anmerkungen

[1] Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj (Jahrgang 1978) arbeitete nach einem Jurastudium als Schauspieler, Synchronsprecher, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Filmproduzent. 2003 gründete er das Filmstudio „Студія Квартал-95“ (Studija Kwartal-95). Seit Mai 2019 ist Selenskyj der 6. Präsident der Ukraine. Nachdem er am 31. März 2019 den ersten Wahlgang und am 21. April die Stichwahl der Präsidentschaftswahl mit etwa 73 % der abgegebenen Stimmen vor dem amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko gewann, wurde er am 20. Mai 2019 in Kiew in das Amt des Präsidenten eingeführt.


Symbolfoto: Olivier Miche (Unsplash.com)

Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

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