Hallo Neugier, hallo Mensch!

Uns Menschen ist gar vieles möglich. Zum Arbeiten und zum Streicheln haben wir zwei Hände. Mit unserer Herzlichkeit fühlen wir, was schön ist und was uns bedrückt. In unserem Gehirn können wir über das, was wir wahrgenommen haben, nachdenken und es verstehen. Immer müssen wir etwas verbrauchen und vieles verändern. Wir Menschen können bezweifeln und begreifen. Wir begehren vieles und wollen es benutzen und wir beenden manches oder bewahren es.

Und was wäre, würden wir nicht neugierig sein? Kurz gesagt: Dann würde es uns Menschen gar nicht geben.

Niemand weiß, wann die Neugier auf der Erde aufgetauchte. Vielleicht gab es sie schon bei den Vorgängern der Frösche, Kröten und Molche, den Vorvätern aller Landtiere. Diese Amphibien hatten ein winzig kleines Gehirn. Sie konnten deshalb nicht so neugierig sein wie der moderne Mensch mit unserem hoch entwickelten Zentralnervensystem. Trotzdem könnten sie durchaus ein prickelndes Gefühl verspürt haben, als sie anfingen, das feste Land zu erkunden. Die Neugier hat sich auf jeden Fall früh eingestellt.

Die Neugier des Tieres

Ein neugieriges Tier untersucht seine Umgebung auf der Suche nach größeren Chancen einen sicheren Wohnort, reichere Jagdgründe oder einen Partner zu finden, um sich dann zu vermehren. Genauso ist es bei Schimpansen, die enge Verwandte von uns Menschen sind [1]. Wenn ein Schimpanse etwas Neues und Unbekanntes sieht, dann hat er zuerst Angst und bleibt in sicherer Entfernung. Aber nach einer Weile besiegt ihn die Neugier. Der Affe kann sich nicht beherrschen, er muss das ihm Unbekannte berühren, muss daran riechen, muss es ansehen oder es kosten, um es möglichst vollkommen wahrzunehmen und zu begreifen, was es wohl ist.

Sowohl bei uns Menschen als auch bei den Tieren sind die Kinder neugieriger als die Erwachsenen. Wenn ein Schimpansenjunges lernen soll, wie es alleine zurechtkommt, kann seine Mutter ihm nicht alles beibringen. Das Kleine muss neugierig sein, damit es sich traut, auf Bäume zu klettern, um alle möglichen Nahrungsmittel zu probieren und in Erfahrung zu bringen, um welche Tiere es lieber einen Bogen machen sollte.

Menschenkinder experimentieren wie Affenkinder, gleichzeitig stellen sie aber auch immer wieder bohrende Fragen. Mit vier oder fünf Jahren beginnt das Fragealter, eine der wichtigsten Phasen im Leben. Durch Fragen und Antworten legen wir Menschen uns als Kinder und auch noch als Erwachsene, das Wissen zu, das wir brauchen, um das Leben zu meistern.

Darum sollten wir in unserem Leben drei Grundsätze beachten:

(1) Wir alle müssen ein Leben lang nach Antworten suchen auf die Fragen …

  • Was brauche ich, um sein zu können,
  • wie kann ich es bekommen und
  • warum brauche ich es eigentlich?

So sieht es Prometheus [2], der an einen Felsen geschmiedete Vater des Homo sapiens:

Welch ein Genuss
das Nehmen und das Geben
zu begreifen – zu bewahren
und zufrieden leben
ach könnte ich ein Mensch auch sein
wie ich ihn schuf
um nicht allein im ewigen Geschehen
nur diesen Abgrund noch zu sehn
welche Weisheit denn
gab mir die Neugier und der Glaube
an mich selbst
bin ich zur Liebe fähig – darf ich hoffen

(2) Niemand kann ganz alleine leben. Wir alle erfahren im Laufe unseres Daseins, dass man alles, was man braucht, nur gemeinsam erschaffen kann.

Und dennoch spielt Sisyphos [3], der Homo ludens [4], mit dem Tod, wenn er sagt:

Wen kümmert das Getön
von Sitte und Moral und gar Besonnenheit
ist’s nicht egal
wenn nur das Leben schäumt
und wie der Wein von Trübsal uns befreit
erst muss der Mensch doch die Natur an sich
um wirklich Mensch zu sein
in die Natur für sich umwandeln
um ganz zuletzt noch
mit dem Tode zu verhandeln

(3) Alle die ihr Leben lieben, werden auch ihre Mitmenschen achten und mit ihnen in respektvollem Miteinander und nützlichem Füreinander zusammenleben.

Darum fragt sich Herakles [5], der Homo faber [6], als er am Scheideweg stand:

Ist es das Leichte
dem’s zu folgen gilt
oder das Schwere

Gewichtlos zwar
und leichter noch als Luft
wird alles frei und klar
doch auch bedeutungslos
nur mit Gewicht wird die Wirklichkeit
als ein Etwas wahr

Ist das Leichte gut und schrecklich das Schwere
was soll man wählen wenn’s denn möglich wäre

Das bedeutet für uns alle, dass wir das, was uns Menschen ausmacht, was also das Wesentliche des menschlichen Daseins ist, immer bedenken müssen. Und dazu brauchen wir die Neugier, die wichtig ist, um erkennen zu können, was wir auf dem Weg unseres Daseins beachten müssen.

Zum Schluss bleibt noch eine Frage

Welchen Sinn hat eigentlich unser einmaliges Dasein?

Die Antwort darauf ist zwar ganz gesagt, aber dennoch benennt sie das schwer zu Machende. Denn dazu muss man zunächst in sich schauen, um sein Innerstes zu erkennen. Das sollten wir immer wieder tun, um festzustellen, was wir erlernt haben, was wir machen können und was wir tun wollen.

Danach muss man um sich schauen, um zu erkennen, was uns zufriedenstellt. Und wir müssen wissen, wo wir gebraucht werden, wo wir das, was wir wollen erreichen können und wo wir uns wohlfühlen.

Und letztendlich ist es notwendig, auch über den eigenen Horizont hinauszuschauen, denn wir Menschen können nur in einer friedlichen Menschengemeinschaft gut leben und unser einmaliges Leben zu unserer Zufriedenheit auf unserem wunderschönen Heimatplanet Erde angenehm gestalten.

Wir alle stehen immer wieder am Scheideweg:

I. Weg der Genüsse

dies ist der Weg zu den leichten Genüssen
nimm dir was du willst und was du liebst
nimm was dir Gewinn erbringen kann
auszuschlagen brauchst du nichts
Gelüste kannst du immer haben
Angenehmes brauchst du nie zu scheuen
trinken sollst du nur den feinsten Wein
und nur erlesene Speisen sollen dich laben

II. Weg des Schaffens

was hat denn jener Weg an Gutem zu bieten
dort wo man isst noch eh man den Hunger verspürt
dort wo man trinkt ohne Durst und wo man nur liebt
was man sich leichthin einfach nehmen kann

dort wo die scheinbaren Freunde die Nächte verprassen
und den besten Teil des Tages verschlafen
in der Jugend hüpfen sie sorglos herum ohne Sinn
und im Alter schleppen sie sich in stumpfer Einsamkeit dahin

von hoffnungsvollem Glauben gibt’s dort keine Spur
und das Schöne verliert sich im Drüben

III.

der verführerische Weg erschien dem Homo faber
gar zu elysisch – faul und gar zu hart der Weg der Strenge
so entschied er sich zur Strebsamkeit auf beiden Wegen
denn wer sein Leben liebt kann auch dem Elend andrer
nicht den Rücken kehren

IV.
doch dem Homo ludens ist’s eigentlich egal

Darum müssen wir uns auch immer wieder fragen, was kann ich tun, wie kann ich es erreichen und warum will ich es überhaupt?

Die Antworten auf diese Fragen können wir finden, wenn wir bewusst nach Ursachen und Wirkungen, die unser Dasein ermöglichen, suchen, wenn wir das Erkannte zielorientiert bearbeiten und wenn wir die unser Dasein bedingende Umwelt zu unserer Zufriedenheit gestalten und sie vor dem Verfall bewahren.

Damit uns dies gelingt müssen wir dafür sorgen, dass alles Geschehen in unserem zwischenmenschlichen Miteinander gerecht zugeht und es unser gemeinsames Handeln ermöglicht, dass sich alle, die es wollen, in die Gesellschaft integrieren und entsprechend ihrer Fähigkeiten emanzipieren können.

Also ihr alle: Geht hinaus in die Welt, bewährt euch als Menschen und bleibt immer schön neugierig!


Quellen und Anmerkungen

[1] SPON (31.08.2005): Schimpanse und Mensch fast identisch. Auf https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/genvergleich-schimpanse-und-mensch-fast-identisch-a-372341.html (abgerufen am 17.10.2019).

[2] Prometheus (der Vorausdenkende) ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Er gehört dem Göttergeschlecht der Titanen an, die Menschen sind seine Schützlinge. Doch er ist wie alle anderen Götter der Herrschaft des Göttervaters Zeus unterworfen. Bei einem Tieropfer greift er Prometheus einer List. Er täuscht Zeus, überlässt ihm die wertlosen Teile des Opfertiers und behält das genießbare Fleisch für die Menschen. Zeus bestraft dafür die sterblichen Menschen, Er verweigert ihnen den Besitz des Feuers. Prometheus stiehlt daraufhin den Göttern das Feuer und bringt es den Menschen. Dafür wird Prometheus bestraft. Der Göttervater lässt ihn an einen Felsen des Kaukasusgebirges schmieden.

[3] Sisyphos (auch Sisyphus) war König zu Korinth und Sohn des Aiolos. Er soll um das Jahr 1400 v. Chr. gelebt haben. Ihm wird große Weisheit nachgesagt.

[4] Der Homo ludens (der spielende Mensch) ist ein Erklärungsmodell, wonach der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über das Spiel entwickelt.

[5] Herakles (auch Herkules) ist ein griechischer Heros, der für seine Stärke berühmt ist und in den Olymp aufgenommen wurde.

[6] Der Begriff Homō faber (der schaffende Mensch) wird in der philosophischen Anthropologie benutzt, um den modernen Menschen durch seine Eigenschaft als aktiver Veränderer seiner Umwelt von älteren Menschheitsepochen abzugrenzen.


Illustration: Stefan Keller (Pixabay.com; Lizenz)

Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

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1 Response

  1. Dr. Christian Ferch sagt:

    Sehr gut.

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