Aus der Perspektive in die Zukunft

Ist es wirklich der Klimawandel, der die Menschheit bedroht oder das Ergebnis aus gnadenloser Ausbeutung des Ökosystems und des Menschen durch den Menschen?

Der Abkühlungstrend

Wissenschaftlern der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität (JGU) gelang schon 2012 durch präzise Berechnungen die Klimarekonstruktion der letzten 2000 Jahre. Sie konnten so den Abkühlungstrend in Nordeuropa nachweisen [1]. Die Universität schrieb in einer Mitteilung an die Medien:

[…] Die neue Klimakurve zeigt neben diesen Kalt- und Warmphasen aber noch ein Phänomen, mit dem in dieser Form nicht zu rechnen war. Erstmalig konnten die Forscher anhand der Baumjahrringe einen viel längerfristigen Abkühlungstrend, der sich kontinuierlich über die letzten 2.000 Jahre abspielte, präzise berechnen. Auf Grundlage der neuen Befunde macht dieser Trend, der durch langsame Veränderungen des Sonnenstands aber auch der Distanz der Erde zur Sonne verursacht wurde, ein Abkühlung von -0,3 Grad Celsius pro Jahrtausend aus.

Prof. Dr. Jan Esper vom Geographischen Institut der JGU kommentierte das Ergebnis:

„Eigentlich erscheint diese Zahl nicht sonderlich imposant“, so Esper. „Allerdings ist sie im Vergleich zur globalen Erwärmung, die bis heute auch weniger als 1 Grad Celsius beträgt, nicht zu vernachlässigen. Wir konnten nun zeigen, dass die großräumigen Klimarekonstruktionen, die auch vom internationalen Klimarat IPCC verwendet werden, den langfristigen Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende unterschätzen.“

Für den wissenschaftlichen Laien, der sich ob seiner Ahnungslosigkeit auf die Fach- und Sachkompetenz eines anderen verlassen muss, was in Zeiten zunehmender Transparenz einer Leichtsinnigkeit gleich kommt, wie auch für den Skeptiker, der keiner Forschung, nicht einmal der eigenen über den Weg traut, mögen die Untersuchungen und Berechnungen zur Klimaentwicklung keine abschließenden Beweise gewesen sein. Als überragendes Indiz, dass der Klimawandel grundlegend durch die Bewegung der Erde um die Sonne verursacht wird, mögen sie im Gedächtnis einen Platz eingenommen haben.

Dies ist aber kein Freifahrtschein, Veränderungen zu negieren, die Zerstörung der Umwelt zu ignorieren oder sich zu flüchten in Determinismus, so zu tun, alles käme alles so, wie es kommen müsse. Diese Art der Befreiung von der Verantwortung für die Welt und alles, was in, auf und um sie herum existiert, wäre unglaubwürdig gegenüber der eigenen Existenz als denkendes Wesen.

So oder so ist unstrittig, dass wir Zeugen einer Veränderung des Klimas werden. Und diese Veränderungen zwingen zu einer umfassenden individuellen und somit kollektiven Veränderung des Verhaltens. Darin ist die Menschheit geübt. Wir Menschen können durch die von uns wahrgenommenen Erkenntnisse und unsere vorhandenen Fähigkeiten das Sein vervollkommnen und bewahren, auch wenn sich der Rahmen des Lebens ändert.

Leben kann ein Mensch aber nur, wenn er die Vielzahl der von ihm lebensnotwendiger Weise zu erbringenden Leistungen unter Verwendung seines Bewusstseins in menschlicher Gemeinschaft erarbeitet, diese austauscht, verteilt und nutzt.

Produzent, Konsument, Reduzent

In Ökosystemen geschieht Gleichwertiges durch Interaktionen zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Rückgewinnern. Dabei kann jedes in die ökologischen Kreisläufe integrierte Lebewesen sowohl den Produzenten, als auch den Konsumenten und den Reduzenten zugeordnet werden. In diesen Systemen, und selbstverständlich auch im gesamten Ökosystem, in dem wir leben, werden Stoffe, Energie und Informationen produziert, verteilt, ausgetauscht und verbraucht, wodurch die momentane Existenz und die künftige Entwicklung sowohl der einzelnen Subjekte als auch aller Beteiligten in ihrer Gesamtheit ermöglicht wird.

Von Menschen nicht genutzte Ökosysteme passen sich spontan an die sie bestimmenden äußeren Bedingungen im Rahmen der sie bewirkenden und durch sie selbst verursachten Auf- und Abbauprozesse an, und bewegen sich erhebend, verkomplizierend und ihre Existenz bewahrend, solange es eben die vorhandenen äußeren und inneren Bedingungen zulassen.

Das zu Bewusstsein befähigte und zu Kreativität begabte Wesen, der Mensch, kann die Spontaneität natürlicher Entwicklungslinien in der Kultur seines Willens aufheben und sich mit harmonisch verlaufenden Wirtschaftskreisläufen in das Ökosystem Erde bewusst und zielorientiert eingliedern.

Teile des Ganzen

Es ist das Ökosystem Erde mit seinem ständig Veränderungen hervorbringenden Stoff-, Energie- und Informationswechsel, der alle bestehenden und lebendigen Strukturen und deren Funktionalität hervorgebracht hat, also auch den Menschen inklusive seiner Kulturgeschichte.

Wie in jedem Ökosystem müssen die von Menschen betriebenen Wirtschaftskooperationen drei grundlegende Funktionen erfüllen:

  1. Stoffe, Materialien und Produkte müssen aufbereitet und zur Verwendung bereit gestellt werden.
  2. Energieträger müssen entdeckt und zum Gebrauch aufbereitet werden, damit jedem Produzenten, Konsumenten und Reduzenten beziehungsweise jedem Hersteller, Verteiler und Verbraucher die jeweils entsprechend notwendige Energie in konkret geeigneter Form verfügbar ist.
  3. Informationen über Strukturen und deren Funktionieren, über Ursachen und Wirkungen, über Ziele, Inhalte und Methoden, über Beschaffenheit und Potenz, über Möglichkeiten und Notwendigkeiten müssen erkannt, ausgetauscht, entwickelt und realisiert werden können.

Weder Materie, noch Energie oder Information kann der Mensch aus dem Nichts erzeugen. Er kann aber ausgehend von der Wirklichkeit wahre Gegebenheiten und Zusammenhänge begreifen; natürliche, gesellschaftliche Bedürfnisse und Notwendigkeiten befriedigen.

Die Entkopplung von Mensch und Maschine

Der Beginn einer neuen Phase der wissenschaftlich-technischen Revolution, geprägt durch die rasche Entwicklung der Hochtechnologien und ihres massenhaften Einsatzes mit der Folge eines tief greifenden Wandels in den Wirtschaftsstrukturen, konstituiert eine weitere Umbruchsituation in der Geschichte der Menschheit.

In den Kernprozessen der materiellen Produktion bildet sich ein neuer Produktivkrafttyp heraus der vor allem durch die komplexe industrielle Nutzung von Naturgesetzen in Gestalt der Mikroelektronik, der Informations- und Kommunikationstechnologien und der Biotechnologien, durch Lasertechnologien wie auch den Einsatz neuer Werkstoffe gekennzeichnet ist.

Schrittweise findet eine zeitliche und räumliche Entkopplung von Mensch und Maschine statt. Der Mensch löst sich aus der Einbindung in den Rhythmus der Maschinerie heraus.

Diese wesentliche Veränderung im Produktionsprozess und die Steigerung der Arbeitsproduktivität im Verlauf des wirtschaftlichen Strukturwandels eröffnen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für die Persönlichkeitsentfaltung, die Rettung der Umwelt, für die Überwindung von Unterentwicklung, Hunger und Mangelkrankheiten, für wahrhaft humanistisches Verhalten entsprechende zwischenmenschliche Verhältnisse und für die Ausweitung sinnvoller Freizeit.

Es hängt von dem Charakter der Produktionsverhältnisse ab, ob diese Chance Wirklichkeit wird oder in ihr Gegenteil umschlägt. Gerade an der Schwelle zu dieser glücklichen Wende werden die neuen Produktivkräfte vielfach zu Destruktivkräften pervertiert. Wie in der Frage Krieg oder Frieden ist der Umbruch offen für positiven oder negativen Wandel.

Lösung, Perspektive und Zukunft

Die durch die kapitalistische Wirtschaftsweise entstehenden gesellschaftlichen Widersprüche können zum Wohl aller Menschen gelöst werden. Und zwar dann, wenn die Wissenschaft die Grundlagen für die Gestaltung und Erhaltung unserer Daseinsbedingungen liefert, dabei Glaubwürdigkeit genießt durch die Abnabelung von Kapitalinteressen, und so der weiteren Existenz und Entwicklung der Menschheit dient.

Wenn durch den Abbau der Hierarchien und den Ausbau der Repräsentativen Demokratie hin zur Demokratie die Kompetenzen der Betroffenen, der Entscheider und der Macher zusammen kommen, um die schöpferischen Potenzen aller zu nutzen, das Engagement aller zu fördern, Gefahren zu erkennen und Risiken zu minimieren, schärft sich das Bild einer Perspektive.

Wird grundlegend beachtet, dass die menschliche Gesellschaft lediglich ein Teil des Ganzen, also des Ökosystems Erde ist, und im menschlichen Mit- und Füreinander alles für unser Dasein Notwendige kreativ erarbeitet, gerecht verteilt und zum Wohlbefinden genutzt werden kann, liegt darin die Zukunft.


Quellen und Anmerkungen

[1] Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Pressemitteilung vom 09.07.2012): Klimarekonstruktion ermöglicht erstmal präzise Berechnung des Abkühlungstrends in Nordeuropa über die letzten 2.000 Jahre. Auf http://www.uni-mainz.de/presse/52594.php (abgerufen am 23.10.2019)


Illustration: Susan Cipriano (Pixabay.com; Lizenz)

Frank Nöthlich wurde 1951 in Neustadt/Orla (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Er studierte Biologie, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie von 1970 bis 1974 in Mühlhausen. Nach dem Studium war er an verschiedenen Bildungseinrichtungen als Lehrer tätig. Von 1985 bis 1990 war er Sekretär der URANIA-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse. Später arbeitete er als Pharmaberater und ist heute Rentner und Buchautor (www.briefe-zum-mensch-sein.de). Er sagt von sich selbst, dass er als Suchender 1991 in der Weltbruderkette der Freimaurer einen Hort gemeinsamen Suchens nach Menschenliebe und brüderlicher Harmonie gefunden hat.

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2 Responses

  1. Morgentau sagt:

    Die Natur produziert im Überfluss und verlangt nichts dafür.
    Der Mensch ist profitorientiert und verlangt fast immer einen Gegenwert.
    Bevor ein Kind auf die Welt kommt, stellt sich die Frage, ob man sich das auch leisten kann.
    Alles in unserer selbst geschaffenen (Werte-) Welt ist kapitalabhängig. Deshalb werden sich auch die Wissenschaften nicht von Kapitalinteressen lösen können, denn ohne Geld wird heute nicht mehr „geforscht“ (werden können).
    Alternativen zur fossilen Energiegewinnung gibt es, sind aber nicht erwünscht. Die Mehrheit der Abgeordneten haben sich gegen ein Tempolimit entschieden und für Ressourcen fressende Elektromobilität entschieden. Wer da wohl abgestimmt hat? ;-)

    Nennen wir die Umweltzerstörungen beim Namen, – vom Menschen verursachter Kapitalismus. Und der muss zuerst überwunden werden. Eine Gesellschaft, die sich selbst und diesen Planeten ausbeutet, um Profite zu erwirtschaften und das Paradoxon ihres Handels nicht erkennt, weil sie u.a. ihre Kinder schon damit indoktriniert, wird zwangsläufig durch die selbst erschaffenen, unsinnigen, materiellen Werte zugrunde gehen.

  2. Ute Plass sagt:

    Zur Frage: Müssen wir den Kapitalismus überwinden:
    http://www.akademie-solidarische-oekonomie.de/wp-content/uploads/2018/01/M%C3%BCssen-wir-den-Kapitalismus-%C3%BCberwinden.pdf

    und welche Schritte hilfreich sein können um herauszufinden aus den vorherrschenden kapitalistischen Verhältnissen:

    https://www.streifzuege.org/2007/seid-realistisch-verlangt-das-unmoegliche/

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