Über den Rücktritt von Morales und den Staatsstreich in Bolivien

Der Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales und des Vizepräsidenten Álvaro García Lineras ist ohne Zweifel ein bedauerlicher Vorfall, und dies nicht nur für Bolivien, sondern für alle demokratischen Prozesse auf dem Kontinent und in der Welt. Die internationale Ablehnung war kategorisch im Bezug auf den Staatsstreich, welcher am Montag, den 10. November, in unserem brüderlichen Land durchgeführt wurde.

Dies geschah nach der Entscheidung von Evo Morales und seiner Regierung, zu Neuwahlen aufzurufen, um die Krise im Land zu bewältigen. Es war eine entschiedene Reaktion, die keine Kompromisse akzeptierte, sondern das Beste für die Bevölkerung erstrebte.

Es war eine Reaktion, welche zweifelsohne der tiefen humanistischen Sensibilität Morales zugrunde lag, so auch sein erzwungener Rücktritt, um das Blutvergießen seines Volkes zu verhindern. Ein Volk, welches bereits Opfer von Verfolgung und Ermordungen durch Gruppierungen der Polizei und paramilitärischer Banden wurde, angestoßen und finanziert durch faschistische Gruppen des bolivianischen Ostens.

Einige politische Verhaltensweisen des Präsidenten hätten sicherlich Diskussionsgrundlage sein können, sogar für seine Anhänger und Unterstützer, zermürbt von 13 Regierungsjahren. Seine Entscheidung jedoch, Neuwahlen zu fordern, hat ihn zweifelsohne an Größe gewinnen lassen und sie dient als Vorbild dafür, dass Konflikte dieser Größenordnung nur mit mehr Demokratie gelöst werden können.

Die Tatsache, dass der Staatsstreich durchgeführt wurde, obwohl Evo Morales bereits zu Neuwahlen aufgerufen hatte, erklärt sich nur damit, dass von vornherein die klare Absicht bestand, seiner Regierung ein Ende zu setzen und nicht das Risiko einzugehen, dies demokratisch zu lösen. Wie kann man die Gelegenheit nicht nutzen, seinen Sturz mit Gewalt zu gewährleisten!

Leider müssen wir erneut in Lateinamerika die Gewalt antihumanistischer Sektoren miterleben, die nicht gewillt sind, ihre Privilegien aufzugeben, und denen Lügen, Boykotte, die Bestechung von Politikern und Köpfen sozialer Bewegungen unter Komplizenschaft und Duldung der Justiz et cetera nicht ausreichen und die schließlich auf Bereiche der Streitkräfte zurückgreifen, um Staatsstreiche durchzuführen und den Fortschritt der Demokratie zu verhindern.

Ich bin mir sicher, dass diese Situation, die zweifellos großes Leid verursachen wird, die letzten Atemzüge eines sterbenden Systems vor seinem kompletten Verschwinden sind, da die Menschen ihre gestohlene Freiheit wiedererlangen und ihr Schicksal in die Hand nehmen werden, um eine bessere Zukunft für alle zu ermöglichen.

Zu guter Letzt ist es unerklärlich, dass die chilenische Regierung – ebenso wie die Regierungen Perus, Argentiniens und Brasiliens – dem Flugzeug, in dem sich Evo Morales und Alvaro García Lineras befanden (nach bolivianischen journalistischen Quellenangaben), den Eintritt in ihren Luftraum verweigerte, da sie damit deren Recht, Asyl zu ersuchen, erschwerte und sie so der politischen Gewalt ausgesetzt sind, die ihre Putschgegner gegen sie ausüben.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von José Gabriel Feres erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Pressenza und wurde von Neue Debatte übernommen, um eine kritische Diskussion über die Ereignisse in Südamerika zu ermöglichen.


Foto: Sean Thoman (Unsplash.com)

Vizepräsident bei | Webseite

José Gabriel Feres ist Vizepräsident der Humanistischen Partei Chiles.

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1 Response

  1. h. f. sagt:

    Es würde mich nicht wundern, wenn der Putsch nicht mit Hilfe der CIA durchgeführt worden wäre. Dass Evo Morales der Überflug über diese Länder nicht gestattet wurde, weist zumindest darauf hin. Es wird sich herausstellen.

    Die indigenen Bolivianer sind ein wunderbares Volk, ich habe sie vor vielen Jahren einmal bei einer Veranstaltung tanzen und singen erlebt, und die Zuschauer haben geweint vor Freude. Und jetzt das. Es tut in der Seele weh, was in Bolivien passiert ist.

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