Wider den Gehorsam!

Karl Marx erfasste bereits vor über 100 Jahren punktgenau die gesellschaftlichen Verhältnisse, als er schrieb: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, das heißt, die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“ Aufgrund der sich zuspitzenden sozialen und ökologischen Lage ist es inzwischen notwendiger denn je, dieses anerzogene Gefängnis des kollektiven Stockholm-Syndroms zu verlassen und sich von den gedanklichen Zwängen der herrschenden Ideologie zu befreien. Nur dann werden die gesellschaftliche Befreiung aus Unterdrückung, Ausbeutung, Armut und Angst zu meistern und die zum Überleben der Menschheit notwendige ökologische Kehrtwende überhaupt möglich sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

zunehmend habe ich das Gefühl, nicht nur in verrückten Zeiten, sondern auch unter Verrückten zu leben. In Zeiten, in denen Mut, Vernunft und Klarheit im Denken vom Aussterben bedroht sind.

Aktuell tobt zu einem für uns alle immens wichtigen Thema ein mächtiger Propagandakrieg im Land – wirkliche Auseinandersetzung mit diesem, seinen Folgen und Absichten findet aber gar nicht statt.

Die allermeisten haben sich ins Getümmel gestürzt, vor allem dasjenige ihrer Gefühle und Werturteile, und realisieren gar nicht, wie man sie auf beiden Seiten der künstlichen Front nur als Kanonenfutter missbraucht.

Notwendige Diskussionen über die Tatsache, dass unser Wirtschaftssystem dabei ist, unser Ökosystem final zu vernichten, wurden in eine Debatte darüber kanalisiert, ob man nun „für“ oder „gegen“ Greta Thunberg sein soll – und ob Umweltschutzmaßnahmen als „richtig“ oder „falsch“, notwendig oder überflüssig zu bewerten sind.

Wer sich auf diese Nebengleise hat führen lassen, ist bereits Opfer geworden. Opfer von Propaganda, Ablenkung, Ideologie. Denn die wirklichen, die wichtigen und auch zwingend zu beantwortenden Fragen sind ganz andere. Sie lauten:

Was muss hier und heute jeder Einzelne, was müssen wir alle gemeinsam, als Menschen und Gesellschaften, unternehmen, um die nahende Katastrophe noch abzuwenden? Was müssen wir statt der Politik, die nur noch den Interessen der Mächtigen dient, jetzt tun – zur Entmachtung eben dieser Politik sowie zur Befreiung aus eigener Unmündigkeit? Und: Was ist wirklicher Umweltschutz – jenseits der propagandistischen Bären wie beispielsweise „heilsamer Kohlendioxidsteuer“, „kohlendioxidfreier Atomkraft“, „unschädlichem Fracking“, „umweltschonenden Elektroautos“ und „Klimawandel stoppendem Geo-Engineering“, die man uns täglich aufbinden will?

Da von diesen und anderen Fragen mit aller Macht abgelenkt wird, stehen sich in der Debatte inzwischen zwei Pole als scheinbar unvereinbare Gegensätze gegenüber. Unvereinbar, weil es auf falsche Fragen nie richtige Antworten gibt. Weil es das Ziel von Propaganda ist, die Wahrheit zu verschleiern, um jedes Aufbegehren der 99 Prozent bereits im Keim zu ersticken.

Die eine Frontstellung in diesem Propagandakrieg bilden dabei klatschende Politiker und jubelnde Leitmedien. Menschen und Institutionen also, die weder verstehen können noch wollen, was unter anderem Greta Thunberg in aller Klarheit und zu Recht proklamiert.

Stattdessen pervertieren sie deren Anliegen, ja, wollen es sogar zur Modernisierung des Kapitalismus missbrauchen. Sie freuen sich auf und über jede Möglichkeit, mit einer „neuen, nur anderen Art von Wahnsinn“ neue und andere Arten von Profiten zu generieren.

Das versprochene Ziel, dass sich real etwas für den Planeten, für Natur und Ökosystem tut, wird sich, da nichts Substantielles sich ändern darf, als Nullnummer erweisen. Es fände nur ein Putsch innerhalb der Eliten statt, der die Kohle-, Erdöl- und Atomstromgiganten durch andere Zerstörer ersetzte und das nicht gelöste Problem als „Nun ist alles gut!“ grün fake-labelte.

Beate Wiemers hat das in ihrem Artikel im Rubikon wunderbar auf den Punkt gebracht:

„Die gute Nachricht ist: Es gibt für viele gravierende Umweltprobleme bereits Lösungen. Die schlechte: Der politische Wille zu ihrer Umsetzung fehlt. Und die Bevölkerung – wie hypnotisiert durch eine einseitige Klimadebatte – kämpft nicht für diese Lösungen. Umweltschutz braucht engagierte Menschen, die sich regional vernetzen und konkret handeln. Eine Klimadebatte, die Themen wie Staudammbauten, ruinierte Böden oder den geplanten Verschleiß von Konsumgütern ausklammert, folgt nur einem blinden Alarmismus. Dieser dient im schlimmsten Fall dazu, den kapitalistischen Moloch durch pseudoökologische Investitionen, überzogene Honorare für Beraterfirmen und vermeintlich ‚grüne‘ Finanzprodukte noch weiter zu bedienen. Er macht sich zum Erfüllungsgehilfen einer zentralistischen Staatsgewalt, die das Thema Klimaschutz als Alibi benutzt, um die Steuerzahler noch mehr auszuplündern.“

Barbara Unmüßig, eine der letzten kritischen Grünen, hat diese Entwicklungen in ihrem Buch „Kritik der Grünen Ökonomie“ fulminant belegt: Was man uns hier als „öko“ oder „grün“ verkaufen will, ist das genaue Gegenteil von Umweltschutz!

In ihren Worten liest sich das so:

„Ein ganz handfestes Motiv für das Konzept der aktuellen Grünen Ökonomie war und ist: Globale Umweltpolitik soll fortan vor allem und ausschließlich mit ökonomischer Rationalität betrieben werden. Weniger Regulierung und weniger politische Gestaltung sollen her. Außerdem – so die Argumentation – sind die öffentlichen Kassen zur Finanzierung des Schutzes öffentlicher Güter leer. Also soll es mehr denn je der Markt mit neuen, marktbasierten Instrumenten richten. Diese sollen fortan die Klima- und Biodiversitätsschutzpolitik bestimmen. Die ökonomische Betrachtung des Klimawandels hat sich die UNO in den Klimaverhandlungen längst zu eigen gemacht. Und sie überträgt sie zunehmend auch auf andere Handlungs- und Politikfelder wie etwa den Schutz der Biodiversität.“

Dieser Pol der Debatte spiegelt schlicht und ergreifend die Interessenlagen derjenigen Eliten wider, die unter dem Label „Umweltschutz“ für eine Modernisierung des Systems streiten. Die uns gegenüber also etwa das Umweltverbrechen Elektroauto als „Verbesserung“ loben, de facto jedoch nur den anderen Eliten mit ähnlich zerstörerischem Wahnsinn die Profite streitig machen.

Sie rufen „Für die Umwelt!“, meinen jedoch „Nach mir die Sintflut was einzig zählt, ist Profit!“

Was sie vorhaben, nennt sich Greenwashing: Nichts ändert sich, doch man verdient am nahenden Massensterben, auf das man selbst gut vorbereitet ist, noch Geld. Und auch der Pöbel fühlt sich wieder sicher und bleibt ruhig – bis es schließlich soweit ist.

Die diesem Wahnsinn entgegengesetzte Frontstellung spiegelt die Interessen derjenigen Eliten wider, die ihren Profit und ihre Privilegien aus der bisherigen Form von Umweltzerstörung gezogen haben. Flankiert und geschützt werden sie dabei von der AfD, dem Europäischen Institut für Klima & Energie und anderen mächtigen Think Tanks.

Um den Siegeszug ihrer Konkurrenten, der „Modernisierer“, zu verhindern, setzen sie auf einen mächtigen sowie perfiden Spin, der immer weitere Kreise zieht:

„Die globale Erwärmung gibt es gar nicht – alles Lug und Betrug der Eliten wider die kleinen Leute! Gegen Dich, ja, Dich!“

Und da ein Teil des Argumentes – der, in dem es um Lug und Betrug „von oben“ geht – wahr ist, verfängt ihre Masche, verfängt immer mehr. Verfängt, weil der „kleine Mann“ sehr genau spürt, dass das, was ihm da als „Wir lieben Greta Thunberg und werden tun, was sie will!“ verkauft wird, am Ende mit Umweltschutz wenig zu tun hat, sondern nur weiter den Kampf Reich gegen Arm anheizen und seine soziale Lage weiter verschlechtern wird. Sei es durch eine Kohlendioxidsteuer, Fahrverbote eben für die Autos der Armen, steigende Lebenshaltungskosten „für die Umwelt“ oder anderes.

Den Tenor dieser ideologischen Frontstellung bringt beispielsweise der Alt-Linke Rainer Rupp auf den Punkt, wenn er Greta Thunberg, Umweltschutz und den „Staatsstreich innerhalb der Eliten“ als ein und dasselbe Problem skizziert, gegen das bedingungslos Widerstand zu leisten sei. Frei nach dem Motto:

„Umweltschutz ist ein Elitenprojekt, lasst uns alle hassen, verachten, verleumden und bekämpfen, die nicht für Kohle, Erdöl und Planetenzerstörung sind!“

Bei ihm selbst liest sich das so:

„Wie im tiefsten Mittelalter, als griechische Lehrbücher über Mathematik und Physik unter dem Gejohle der Gläubigen als Hexenwerk verbrannt wurden, werden auch heute andere Meinungen über die möglichen Ursachen des Klimawandels nicht mehr toleriert. Damals wurden Gottesleugner von der kirchlichen Inquisition bei lebendigem Leib verbrannt, heute unternehmen die fanatisierten Anhänger der politisch zunehmend mächtigen Anti-CO2-Sekte mit Hilfe geneigter Medien, Politiker und wirtschaftlicher Profiteure alles, um Klimaleugner (…) beruflich und gesellschaftlich zu ächten. (…) Selbst höchste Würdenträger aus Politik und Gesellschaft, unser Bundespräsident mit eingeschlossen, sind schon zu Greta gepilgert für ein publikumswirksames, gemeinsames Foto und um sie natürlich um Rat beim CO2-Problem zur Rettung unseres Planeten zu bitten. Guten Rat gibt das gesalbte Kind denn auch gerne. (Etwa) (…) besticht die Kind-Göttin in ihrer unendlichen Weisheit mit tiefsinnigen Worten wie ‚Alles ist möglich‘. (…) Es geht nicht um Hunderte von Milliarden Euro, sondern um Billionen, die in den Industrieländern im Laufe des vergangenen Jahrzehnts über staatlich verordnete Umweltmaßnahmen von den Steuerzahlern in die Taschen der großen Konzerne und anderer Profiteure der Klima-Hysterie geflossen sind.“

„Um Gottes Willen“, will man da rufen. „Diese ‚Billionen‘, die ohnehin mehr als zweifelhaft sind, wurden doch niemals, ich wiederhole, niemals in Umweltschutz investiert. Umweltschutz, der diesen Namen verdient, ist im Rahmen einer ausschließlich profitgetriebenen Megamaschine auch gar nicht möglich, sondern muss stets von unten erkämpft und errungen werden.“

Und wieso eigentlich kein Wort zu den sehr realen und viel, viel größeren Profiten der Kohle-, Erdöl-, Atomstromgiganten? Und auch vom Niederknüppeln jedweder Proteste gegen deren profitgetriebene Umweltzerstörung…

Das durch die Aufspaltung in diese zwei Debatten-Pole entstandene Pulverfass ist explosiv und hochgefährlich. Denn indem wir über Greta anstatt die Planetenzerstörung diskutieren, verharren wir in jener Unterdrückungs-Matrix, die uns zu Spielbällen der Mächtigen verdammt.

Denn diejenigen von uns, die sich die Gedanken der Herrschenden zu eigen gemacht haben, kämpfen nicht mehr gegen ihre Unterdrückung, nicht mehr für wirkliche Veränderung, sondern bekämpfen stattdessen einander:

Jene, die im Interesse der althergebrachten Eliten die Ansicht vertreten „Es gibt gar keine Probleme, auf keinen Fall Umweltschutz!“, bekämpfen jene, die im Interesse neuer Eliten argumentieren „Hier und jetzt brauchen wir sofort Umweltschutzmaßnahmen wie die Kohlendioxidsteuer und das Elektroauto!“ – und umgekehrt.

Aus diesem Propagandakrieg kann daher nichts Sinnvolles entstehen. Ganz sicher entstehen aus ihm weder wirklicher Umweltschutz noch der Beginn unserer eigenen Emanzipation.

Da wir vom Rubikon uns mit dieser „Perspektive“ nicht abfinden können und wollen, erscheint am 25. November 2019 mit „Die Öko-Katastrophe“ unser erstes Rubikon-Buch, dessen Autoren gegen die Propaganda beider Seiten aufbegehren. Für einen Umweltschutz, der diesen Namen verdient! Für ein anderes, menschliches Wirtschaftssystem!

Sowie vor allem:

Für ein Ende dieses Krieges!

Gegen Propaganda und Demagogie!

Seien auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, eingeladen, die errichteten Barrikaden wieder zu verlassen und den Kampf gegen- und untereinander einzustellen. Lassen Sie uns stattdessen zukünftig lieber gemeinsam für eine bessere, gerechtere Welt kämpfen. Wir alle und auch unser Planet haben diese „Kurskorrektur“ mehr als verdient.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr

Jens Wernicke Unterschrift


Die Ökokatastrophe Rubikon Buch 2019


Mit Beiträgen von Noam Chomsky, Rainer Mausfeld, Chris Hedges, Charles Eisenstein, Franz Ruppert, Ullrich Mies, Nafeez Ahmed, Karin Leukefeld, Florian Kirner, Dirk Pohlmann, Sven Böttcher, Steffen Pichler, Jonathan Cook, Susan Bonath, Wolfgang Pomrehn, Stephan Bartunek, Roland Rottenfußer, Peter H. Grassmann, Murtaza Hussain, Klaus Moegling, Caitlin Johnstone, Medea Benjamín, Anselm Lenz, Felix Feistel, Nicolas Riedl, Jens Bernert, Hermann Ploppa und Jens Wernicke.


Stimmen zum Buch

„Das Thema Umwelt treibt viele um und ist zugleich hochexplosiv. Ich finde es wichtig und richtig, dass sich der Rubikon hier klar positioniert und sagt, dass der Klimawandel eine große Herausforderung darstellt und wir mehr erneuerbare Energien benötigen.“

Dr. Daniele Ganser, Friedensforscher

„Die aktuell größten Bedrohungen für das Überleben der Menschheit stellen die beständig wachsende Gefahr eines großen Krieges sowie die immer gravierendere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen dar. Zeit, dass entschlossen gegen die Propaganda in beiden Bereichen vorgegangen und so immens wichtige Aufklärung geleistet wird.“

Prof. Rainer Mausfeld, Kognitionsforscher

„In Zeiten massiver sozialer Kämpfe und medial organisierter Massenverwirrung ist es das besondere Verdienst des Online-Magazins Rubikon, der Umweltdebatte neue Impulse zu geben. Die katastrophalen Langzeit-Trends weltweit kollabierender Ökosysteme zeigen in aller Deutlichkeit, dass ein begrenzter Planet mit hirnrissigen Wachstumsideologien marktradikaler Herrschaftscliquen unvereinbar ist. Rubikon leistet hier wichtige Aufklärungsarbeit.“

Ullrich Mies, Politikwissenschaftler und Publizist

„Menschen traumatisieren ihre Mitwelt, weil ihre Innenwelt traumatisiert ist. Sie stellen das Chaos in ihrem Inneren in ihrer Außenwelt her. Umweltzerstörung ist Ausdruck ihrer Destruktivität als Folge ihrer Traumabiografie. Wer jedoch seinen inneren Frieden findet, muss auch seine Mitwelt nicht mehr zerstören. Frieden findet, wer seinen Schmerz in Mitgefühl für sich selbst und andere verwandelt.“

Prof. Franz Ruppert, Traumaforscher


Stimmen aus dem Buch

„Die Massenmedien im eigentlichen Sinn haben im Wesentlichen die Funktion, die Leute von Wichtigerem fernzuhalten. Sollen die Leute sich mit etwas anderem beschäftigen, Hauptsache, sie stören uns nicht.“

Prof. Noam Chomsky, Linguist

„Unsere Geschichte ist nicht neu. Die eklatanten Lügen und Dummheiten der unfähigen und korrupten Eliten. Die Unfähigkeit, die kostspieligen, endlosen Krieg aufzuhalten und die gigantischen Ausgaben für das Militär zu senken. Die Plünderung einer belagerten Bevölkerung durch die Reichen. Die Zerstörung des Ökosystems. Der Zerfall und die Aufgabe einer einst effizienten Infrastruktur. Der Zusammenbruch der Institutionen, die einen funktionierenden Staat aufrechterhalten, von der Bildung bis zur Diplomatie. Die Welt hat all das schon gesehen. Es ist die altbekannte Krankheit des Endes einer Zivilisation.“

Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Je mehr Greta Thunberg die angstmachenden Emotionen zur Sprache bringt, dass wir als Spezies kurz vor dem Aussterben stehen – wie sie es, erfüllt von zitternder Wut, auf dem UN-„Aktionsgipfel“ zur Klimakrise im September 2019 tat –, desto mehr strengt sich ein Teil der progressiven Linken an, ihrer Rolle als Akteurin des Wandels zu widerstehen.“

Jonathan Cook, Journalist

„‚31 Seiten Schocklektüre‘ – so hatte Spiegel Daily eine Studie betitelt, deren Autoren im Auftrag der Firma Shell die Risiken des Klimawandels beschrieben. Das war 1986. Die Studie war verdammt präzise. Nicht nur die kontinuierliche Erwärmung, auch die Zunahme extremer Wetterereignisse und Gefahren für die Bewohnbarkeit weiter Teile des Globus wurden als sehr wahrscheinlich vorhergesagt – ziemlich zutreffend, wie wir heute wissen. Die Studie zeigte auch, dass der einzige verantwortbare Weg aus dieser Bedrohung die Aufgabe der fossilen Brennstoffe war, des Geschäftskerns von Shell. Aber Shell entschied sich dagegen, gegen den Rat seiner eigenen Wissenschaftler, die einen „nach vorne schauenden Ansatz gemeinsam mit den Regierungen“ empfahlen. Die Vorstände erklärten das Dokument als streng geheim und beschlossen eine Politik des organisierten Anzweifelns und Zuwartens.“

Dr. Peter H. Grassmann, Publizist und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Carl Zeiss

„Hinter schillernden Namen, wie dem American Enterprise Institute, Heartland Institute, Competitive Enterprise Institute, verbergen sich Lobbyorganisation, die mit Desinformationskampagnen insbesondere in den USA das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Klimawissenschaften zu untergraben versuchen. Finanziert werden sie unter anderem von den Brüdern Charles und David Koch, Multimilliardäre, die für ihre Unterstützung der rechten Tea-Party-Bewegung bekannt sind und unter anderem erhebliche Beteiligungen am besonders klimaschädlichen Teersandgeschäft in Kanada haben.“

Wolfgang Pomrehn, Physiker, Autor und Publizist

„Besonders absurd, speziell bezogen auf die Partei der Republikaner, erscheint eine weitere PR-Strategie, die Luntz seinen Kunden vorschlägt. Sie sollten in ihren öffentlichen Äußerungen herausarbeiten, dass es gerade die weniger Betuchten seien, die unter Umwelt-Regulierungsmaßnahme zu leiden hätten. Dass das kalte Herz der vielleicht mächtigsten Unterstützer-Partei der neoliberalen Globalisierung jetzt ausgerechnet für die Armen schlägt, dient dabei einem klaren manipulativen Ziel: Der ‚einfache‘ Amerikaner soll gegen Maßnahmen zum Umweltschutz eingenommen werden, vor allem dort, wo diese höhere Preise zur Folge hätten.“

Roland Rottenfußer, Publizist und stellvertretender Chefredakteur des Online-Magazins Rubikon

„Ihnen war klar, dass sie bewaffnete Wachleute brauchen würden, die ihre Anwesen vor dem wütenden Mob schützten. Aber wie sollten sie diese Wachen bezahlen, wenn Geld wertlos war? Was würde die Wachleute davon abhalten, ihre eigene Anführerin zu wählen? Die Milliardäre überlegten, die Nahrungsvorräte mit speziellen Schlössern zu sichern, deren Zahlenkombination nur sie kannten. Oder die Wachen als Gegenleistung für ihr Überleben mit irgendeiner Art von disziplinierendem Halsband auszustatten. Oder vielleicht Roboter zu bauen, die als Wächterinnen und Arbeiterinnen dienen – falls sich diese Technologie rechtzeitig entwickeln ließe.“

Douglas Rushkoff, Autor und Dokumentarfilmer

„Seit ‚Die Grenzen des Wachstums‘, dem Bericht an die Klimaschutzorganisation Club of Rome aus den Jahren 1971/72, ist fast alles über das Umweltproblem des Menschen auf dem Planeten Erde bekannt. (…) Wir wissen, dass die Menschheit, also wir alle, den einzigen Planeten, den wir haben, durch die marktwirtschaftliche Produktionsweise zerstört und dabei ist, ihn früher oder später für Menschen unbewohnbar zu machen.“

Anselm Lenz, Kulturwissenschaftler und Dramaturg

„Die aktuelle Situation ist doch viel ernster. Zwar ist alles Leben auf der Erde schon fünfmal weitgehend ausgestorben, sie hat also zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Bewohner verloren – und beileibe nicht immer wegen kosmischer Kiesel, vulgo Asteroiden. Erderwärmung und CO2 waren zuletzt vor 250 Millionen Jahren Ursache für einen 5-Grad-Temperaturanstieg und das weitgehende Ende der Planetenbesiedlung. Doch im Unterschied zu heute wussten unsere Vorfahren nicht, was sie gegen dieses drohende Ende versuchsweise hätten unternehmen können. Wir wissen es. Aber wir machen es nicht. Deshalb ist unser zeitnahes Aussterben nicht nur ein bisschen tragisch, sondern ich empfinde es vor allem als peinlich.“

Sven Böttcher, Schriftsteller und Drehbuchautor

„Sicherlich werden wir, bei all dem Gerede über die gewaltigen, umfassenden Veränderungen, die erforderlich sind, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, (…) nicht den schlimmsten Umweltverschmutzer der Welt übersehen, nur weil einige Mitarbeiter von Denkfabriken und ihre plutokratischen Sponsoren der Meinung sind, dass es für die US-zentralisierte Machtallianz wichtig sei, ihre totale globale Hegemonie beizubehalten? Sollten wir also immense, weitreichende Veränderungen vorhaben, dann wäre die völlig unnötige weltumspannende US-Kriegsmaschinerie der naheliegende Ausgangspunkt.“

Caitlin Johnstone, Journalistin und Guerilla-Poetin

„Das so von der Großindustrie gesponserte Heartland-Institut gehört zum Atlas Network, das der britische Unternehmer und Wirtschaftsförderer Anthony Fisher 1981 zum Aufbau und zur internationalen Vernetzung neoliberaler beziehungsweise rechtslibertärer Denkfabriken gegründet hatte. Fisher war Mitglied der Mont Pelerin Society. Der neoliberale Vordenker Friedrich August von Hayek hatte diese Stiftung 1947 in der Schweiz gegründet. Unter Obhut von Atlas, gesponsert von Mont Pelerin, schossen in den 1980ern und 90ern Hunderte neoliberale Denkfabriken in 95 Ländern aus dem Boden und vernetzten sich. Nachdem Ende der 1980er Jahre wissenschaftliche Prognosen zur klimatischen Entwicklung an die Öffentlichkeit geraten waren, widmeten sich die Think Tanks (…) vor allem dem Verhindern von Umwelt- und Klimaschutz im Sinne der Industrie. (…) Auf dem Programm (…) steht seither die Diskreditierung von Wissenschaftlern und Leugnung ihrer Thesen ganz oben. Die Industrie honoriert es fürstlich.“

Susan Bonath, freie Journalistin

„Mit dem Erfolg oder dem Scheitern entscheidender Maßnahmen gegen die Erderwärmung wird innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre über die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln entschieden. Es wird außerdem darüber entschieden, welche Flüchtlingsströme bisher unbekannter Dimension entstehen und welche Kriege ausgelöst werden. Denn es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Kriege geben, die durch die globale Erwärmung verursacht werden. Das ist nicht etwa die Einschätzung einiger alarmistischer Angehöriger der Klimareligion oder panischer Greta-Jünger, wie uns professionelle PR-Agenten und Lobbyisten einreden wollen. Es ist die interne Einschätzung der Generalstäbe der größten Militärapparate der Welt (…).“

Dirk Pohlmann, Autor und Publizist

„Wenn die Klimaveränderung menschengemacht ist, müssen wir dringend etwas ändern. Wenn sie nicht menschengemacht ist, müssen wir erst recht dringend etwas ändern. Die „Mad-made“-Diskussion ist somit überflüssig. Wir müssen so oder so handeln.“

Sven Böttcher, Schriftsteller und Drehbuchautor

„Dass dieser Schrecken des Klimawandels so gut zu unserer gewohnten Denkweise passt, sollte uns zum Innehalten veranlassen. Es bedeutet nicht, dass der Klimawandel nicht alarmierend ist oder dass der Mensch ihn nicht verursacht hat, aber es deutet darauf hin, dass unsere Herangehensweise an das Problem den psychischen und ideologischen Unterbau des Systems zu stärken vermag, das den Planeten verschlingt. Dies ist besonders wichtig, da sich die Aktivisten nahezu uneingeschränkt darüber einig sind, dass die Bemühungen zur Begrenzung der Kohlenstoffemissionen kläglich gescheitert sind. Dieser Misserfolg ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass die Bewegung zu radikal ist und ‚enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten‘ oder das Oxymoron des ‚nachhaltigen Wachstums‘ annehmen muss. Es ist eher so, dass sie nicht radikal genug ist – noch nicht bereit, die zentralen, unsichtbaren Narrative infrage zu stellen, die unsere Zivilisation lenken. Im Gegenteil, die Bewegung selbst verkörpert sie.“

Charles Eisenstein, Philosoph und Vordenker für eine ökologische, vom Geld unabhängigere Lebensweise

„US-Militärstützpunkte zerstören die Landschaft, belasten den Boden und vergiften das Trinkwasser. Auf dem Kadena-Stützpunkt in Okinawa hat die US-Luftwaffe den dortigen Boden und das Wasser mit gefährlichen Chemikalien, wie Arsen, Blei, polychlorierten Biphenylen, Asbest und Dioxin, verseucht. Darüber hinaus hat die US-Umweltschutzbehörde EPA über 149 aktuelle oder ehemalige Militärstützpunkte als Standorte für den Entschädigungsfond ausgewiesen, da die Umweltverschmutzung des Pentagons den dortigen Boden und das Grundwasser hochgefährlich für menschliches, tierisches und pflanzliches Leben gemacht hat.“

Medea Benjamin, Friedensaktivistin und Publizistin

„Wenn das Pentagon ein Land wäre, stünde es unter den größten Kohlendioxidemittenten der Welt an der 55. Stelle. Und sein Hauptzweck – Kriegsführung – ist mit Sicherheit die kohlenstoffintensivste Aktivität. (…) Die Tatsache, dass der Hauptfaktor des Klimawandels die Emission fossiler Brennstoffe ist, verleiht diesen Kriegen eine weitere düstere Ironie. Seit Jahrzehnten wird der starke militärische Fußabdruck der USA im Nahen Osten durch die Notwendigkeit gerechtfertigt, den Zugang zu den Ölreserven der Region aufrechtzuerhalten.“

Murtaza Hussain, Journalist

„Es darf bezweifelt werden, ob das Militär tatsächlich nur den Schutz der Bevölkerung im Sinn hatte. Eine Studie aus jenen Jahren nimmt kein Blatt vor den Mund. Zweck von Project Cirrus sei es, ‚feindliche Truppen in Schnee und Regen festfahren zu lassen, Flugpisten so kostengünstig wie möglich vom Nebel zu befreien sowie angefachte Stürme mit bakteriellem oder radioaktivem Material zu infizieren.‘“

Hermann Ploppa, Politologe und Publizist

„Die Folgen der von den USA und ihren Verbündeten in mehreren Golfkriegen eingesetzten abgereicherten Uranmunition haben noch heute die Familien im Südirak und westlich von Bagdad, in Falluja zu tragen. Unzählige Kinder werden tot oder mit schweren Missbildungen geboren: mit offenem Rücken, zusammengewachsenen Beinen, außenliegender Blase, einem Auge oder auch gar keinem Auge, offenen Schädeln, um nur einige Beispiele zu nennen.“

Karin Leukefeld, Auslandskorrespondentin

 


Redaktionelle Anmerkung: Der Beitrag von Jens Wernicke ist unter einer Creative Commons Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie das Werk verbreiten und vervielfältigen.


Illustration und Buchcover: Neue Debatte und Rubikon

Jens Wernicke, Jahrgang 1977, Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien), arbeitete lange als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik und als Gewerkschaftssekretär. Er verantwortete mehrere Jahre das Interviewformat der NachDenkSeiten, Deutschlands meistgelesenem politischen Blog. Heute ist er Autor, freier Journalist und Herausgeber von „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“. Zuletzt erschienen von ihm als Mitherausgeber „Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh“ und „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“. Sowie von ihm als Autor „Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung“.

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2 Responses

  1. h. f. sagt:

    Ja, ich bin auch der Meinung, dass die CO2-Steuer viele Leute am Klimawandel zweifeln lässt, dass sie, obwohl sie eigentlich wissen, dass es ihn tatsächlich gibt, sich gegen ihn sperren werden. Insofern ist das bundesdeutsche Klimapaket eine Maßnahme, um die Bereitschaft von Teilen der Bevölkerung, überhaupt an einen Klimawandel zu glauben, enorm gesunken ist. Ganz zu schweigen, dass sie sich für einen ernsthaften KIlimaschutz einsetzen würden.

  2. Morgentau sagt:

    Und noch ein Buch, – wird es nicht richten. Wird hier unterschwellig ein Greenwashing betrieben im Namen des Kapitalismus? Nur der Kauf dieses Buchs wird euch erlösen?

    Die wahren Probleme unserer Umweltzerstörung sind seit Jahrzehnten bekannt, allen voran den Grünen, die den Prozess paradoxerweise noch beschleunigt haben.
    Damals wurden Umweltaktivisten als Spinner und gefährlich stigmatisiert und heute werden sie passend umgelenkt.

    90 Jahre Rundfunk- und TV- Propaganda eingebettet in minütlichen Werbeblocks haben Generationen zu willigen Arbeitssklaven und hirnlosen Soldaten geformt, mit Hauptgewinnen: Eigenheim, Auto, Urlaubsreise. Und man darf zufrieden applaudieren: Wir bezahlen unsere Gehirnwaschmaschinen auch noch gerne selbst, sprich 4K TV und Smartphone.

    Die jetzige Spaltung dient als letztes Alibi einer untergehenden Spezies. Wir haben es doch immer gewusst und gesagt. Wir haben Bücher geschrieben, Blogs gepflegt und demonstriert.
    Und die andere Seite hat nach Elektroautos und CO2-freien Atomkraftwerken geschrieen.

    – Aber niemand hat das Geld verbrannt! –

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