„Wir dürfen Julian Assange nicht sterben lassen!“

Julian Assange ist gesundheitlich sichtlich gezeichnet vom jahrelangen Botschaftsasyl, von der Einzelhaft und von der steten Drohung der Auslieferung an die USA, wo er bis zu seinem Lebensende weggesperrt werden soll.

Er ist in den USA nach einem Spionagegesetz aus der Zeit des 1. Weltkrieges angeklagt. Ihm drohen 175 Jahre Gefängnis, vielleicht sogar die Todesstrafe. Von einem fairen Auslieferungsverfahren kann keine Rede sein.

Seine grundlegenden Rechte auf Vorbereitung seiner Verteidigung wurden ihm verweigert, sein Zugang zu Rechtsberatung und zu Dokumenten stark eingeschränkt. An ihm soll ganz offensichtlich ein Exempel statuiert werden, das andere davon abschrecken soll, über Kriegsverbrechen und Korruption aufzuklären.

DIE LINKE protestiert mit einem Kunstevent am Brandenburger Tor und vor der amerikanischen Botschaft gegen die Inhaftierung des Journalisten und Gründers der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh und gegen die drohende Auslieferung an die USA.

Die Skulptur „Anything to say?” wurde am 1. Mai 2015 in Berlin eingeweiht. Nachdem sie in zwölf europäischen Städten Halt gemacht hat, kehrte sie zur Aktion „Medien unter Beschuss“ nach Berlin zurück. Sie repräsentiert Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning.

„Die Wahrheit ist der erste Schritt in Richtung Freiheit und Demokratie“, sagt der Künstler Davide Dormino nach der Enthüllung. Die Skulptur möchte jene unterstützen und ihnen Mut machen, die die Wahrheit verteidigen.

Davide Dormino "Anything to say" Berlin 27.11.2019. (Foto: Reto Thumiger, Pressenza)

Der Künstler Davide Dormino mit seiner Skulptur „Anything to say?“. (Foto: Reto Thumiger, Pressenza)

Sevim Dagdelen (Mitglied des Deutschen Bundestages; DIE LINKE) bezeichnete Assanges Verfolgung als „einen Angriff auf den investigativen Journalismus, auf die Pressefreiheit und auf die Demokratie“.

Julian Assange und WikiLeaks haben die Weltöffentlichkeit über Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan informiert. Aber nicht diejenigen, die diese Verbrechen befohlen und begangen haben, stehen am Pranger und vor Gericht, sondern derjenige, der sie öffentlich gemacht hat. Julian Assange hat einen wichtigen Beitrag für Frieden, Aufklärung und Demokratie geleistet.

Sahra Wagenknecht würdigte Assange dafür, die Wahrheit über die Verbrechen und den Schrecken des Krieges ans Licht gebracht zu haben. Nun sei es an uns, ihm einen Dienst zu erweisen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Julian Assange getötet wird“, sagte sie. „Sein Leben ist in großer Gefahr. Davor haben 60 Ärzte aus acht Ländern die britische Regierung eindringlich gewarnt“, so Wagenknecht weiter.

Assange wird in der Haft in Belmarsh systematisch zerstört und weist alle Anzeichen psychischer Folter auf, wie UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer festgestellt hat. Es ist erschreckend, dass in einem Mitgliedsland der Europäischen Union (EU) solche Zustände herrschen und dass die Hilferufe für Julian Assange bei allen Mitgliedsländern der EU ungehört verhallt sind.

Julian Assange hat den Mut gehabt, aufzustehen und Unrecht beim Namen zu nennen. Ihm gebühren Preise und Auszeichnungen für seine Aufklärungsarbeit und nicht Gefängnis und Folter. Auch Chelsea Manning gilt unsere Unterstützung, die erneut in den USA im Gefängnis sitzt, weil sie sich weigert, vor einem geheimen Ausschuss gegen Assange und Wikileaks auszusagen.

Nils Melzer warf dem Westen vor, seine Dissidenten zu verfolgen, sie in politischen Schauprozessen mit drakonischen Strafen zu belegen und wie gefährliche Terroristen in Hochsicherheitsgefängnissen unter entwürdigenden und unmenschlichen Bedingungen wegzusperren.

„Unsere Regierungen fühlen sich durch Menschen wie Manning, Snowden und Assange bedroht, denn sie sind Whistleblower, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, die uns handfeste Beweise geliefert haben für Missbrauch, Korruption und Kriegsverbrechen der Mächtigen, und die nun systematisch diffamiert und verfolgt werden. Sie sind die politischen Dissidenten des Westens und ihre Verfolgungen sind die Hexenprozesse von heute“, sagte Melzer auf dem vierten Stuhl der Kunstinstallation stehend.

Davide Dormino hat Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning mit seiner Skulptur „Anything to say?“ ein bedeutendes Denkmal geschaffen. Der leere Stuhl ist für uns alle da, damit wir aufstehen gegen das Unrecht, das wir hier erleben. Journalismus ist kein Verbrechen. Julian Assange muss frei kommen.


Anmerkungen

Davide Dormino (Jahrgang 1973) ist ein italienischer Künstler. Für ihn sind Bildhauerei und Malerei ihn die wichtigsten Kunstdisziplinen. Er unterrichtet an der Akademie in Rom und zeigt seine Stücke auf der ganzen Welt. Mit der Wanderskulptur „Anything to say?“ (Gibt es etwas zu sagen?) engagiert sich Dormino für Courage und Informationsfreiheit. „Anything to say?“ ist eine lebensgroße Bronzeskulptur, die drei Figuren darstellt, die jeweils auf einem Stuhl stehen. Der vierte Stuhl ist leer, weil es der Stuhl ist, auf dem jeder Mensch stehen kann. Es ist derjenige, auf dem wir alle stehen können, um uns zu äußern oder einfach nur neben Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning zu stehen, die den Mut hatten, Nein zu sagen zur globalen Überwachung und zu den Lügen, die zu Krieg, Zerstörung und Leid führen.

Nils Melzer (Jahrgang 1970) ist ein Diplomat, Autor und Rechtswissenschaftler aus der Schweiz. Er lehrt Humanitäres Völkerrecht an der University of Glasgow und an der Akademie für humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte in Genf. Seit November 2016 ist er UN-Sonderberichterstatter über Folter. Nachdem er im Mai 2019 Julian Assange im Gefängnis besucht hatte, verfasste Melzer einen Artikel unter dem Titel „Demasking the Torture of Julian Assange“ (deutsch: Die Demaskierung der Folter von Julian Assange). Den Text bot er zahlreichen etablierten Medien zur Veröffentlichung an. Darunter der Guardian, The Times, Financial Times, Sydney Morning Herald, Telegraph, New York Times, Washington Post, Newsweek. Kein Medium reagierte positiv.


Free Julian Assange (Grafik: Neue Debatte)


Weiterführende Quellen und Texte

Edward J. Snowden erhält Whistleblower-Preis 2013

Dank Edward J. Snowden bekam die Weltöffentlichkeit Einblicke in die Überwachungs- und  Spionagetätigkeiten unserer Geheimdienste, von denen wir alle jederzeit und ohne konkreten Verdacht betroffen sein können.

https://www.peira.org/freiheit-fuer-julian-assange-keine-auslieferung-an-die-usa/

Edward Snowden bald Ehrendoktor der Universität Rostock?

Im November 2013 beschloss die Philosophische Fakultät der Universität Rostock in der Sitzung ihres Fakultätsrates auf Antrag des Dekans Prof. Hans-Jürgen von Wensierski und der beiden Prodekaninnen Prof. Gesa Mackenthun und und Prof. Elizabeth Prommer, ein Verfahren in Gang zu setzen, in dem die Möglichkeit geprüft wird, dem US-amerikanischen Staatsbürger Edward Snowden die Ehrendoktorwürde der Fakultät zu verleihen.

https://www.peira.org/edward-snowden-bald-ehrendoktor-der-universitaet-rostock/

Der CIA-Folterreport – ein einzigartiges zynisches Dokument

Die Foltermethoden der CIA kennen offenbar, wie es dem im Dezember 2014 vorgelegten Report zu entnehmen ist, keine Grenzen. Eine größere Verhöhnung und Beschädigung der westlichen Werte ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr vorstellbar.

https://www.peira.org/der-cia-folterreport-ein-einzigartiges-zynisches-dokument/

Mit Whistleblowing wäre das nie passiert…

Warum sich die PIRATEN Berlin für einen Whistleblowerschutz einsetzen: Der VW-Skandal um Manipulationen im großen Stil wäre nicht möglich gewesen, wenn es üblich und erlaubt wäre, Gesetzesverstößen, Korruption oder Missstände in Unternehmen und Behörden öffentlich zu machen („Whistleblowing“).

https://www.peira.org/mit-whistleblowing-waere-das-nie-passiertwarum-sich-die-piraten-berlin-fuer-einen-whistleblowerschutz-einsetzen/

Eine überfällige Begnadigung

Gestern hat der aus dem Amt scheidende amerikanische Präsident Obama Chelsea Manning begnadigt. Nach sieben Jahren in Haft, zeitweise unter Folter-ähnlichen Bedingungen, kann sie das Gefängnis am 17. Mai als freier Mensch verlassen.

https://www.peira.org/eine-ueberfaellige-begnadigung

John Shipton: Assanges Vater und Botschafter in Berlin

John Shipton, Julian Assanges Vater, ist gekommen, um zu bleiben. Zumindest solange bis sein Sohn frei kommt.

https://www.pressenza.com/de/2019/10/john-shipton-assanges-vater-und-botschafter-in-berlin

Die deutsche Friedensbewegung fordert Solidarität mit Julian Assange!

Was kann ich tun? Breche das Schweigen!

https://www.pressenza.com/de/2019/08/die-deutsche-friedensbewegung-fordert-solidaritaet-mit-julian-assange

Die Täter-Opfer-Umkehr

Julian Assanges De-Facto-Isolationshaft in der Ecuadorianischen Botschaft war der Versuch, ihn psychisch zu brechen.

https://www.pressenza.com/de/2019/07/die-taeter-opfer-umkehr

Pink Floyd’s Roger Waters spielt ‚Wish You Were Here‘ für Assange Demo in London

Die Pink-Floyd-Legende Roger Waters spielt seinen Welthit ‚Wish You Were Here‘ während einer Kundgebung unter dem Motto „Don’t Extradite Assange“ (Liefert Assange nicht aus) vor dem britischen Innenministerium in London.

https://www.pressenza.com/de/2019/09/pink-floyds-roger-waters-spielt-wish-you-were-here-fuer-assange-demo-in-london

Pressefreiheit – Analyse eines westlichen Werteverfalls

Die Freiheit der Presse erodiert. Beteiligt daran sind zu wesentlichen Teilen die Medien selbst.

https://neue-debatte.com/2019/08/12/pressefreiheit-analyse-eines-westlichen-werteverfalls

Assange war erst der Anfang!

Julian Assange soll lebenslänglich ins Gefängnis. Die Mächtigen knebeln die Presse, in den USA, in Frankreich und jetzt auch in Deutschland.

https://neue-debatte.com/2019/06/07/assange-war-erst-der-anfang

Ausgewertet! Das Imperium, seine Chargen und Julian Assange

Die westlichen Werte taugen nicht mehr als Argument. Das Imperium und seine Chargen haben aus dem ideellen Gut das Gelalle von Barbaren gemacht.

https://neue-debatte.com/2019/06/15/ausgewertet-das-imperium-seine-chargen-und-julian-assange

Julian Assange und der Zustand der Demokratie

Die Zerstörer der Demokratie sitzen längst in den Institutionen.

https://neue-debatte.com/2019/04/14/julian-assange-und-der-zustand-der-demokratie


Videobeiträge

Assanges Auslieferungsverfahren ist “eine Farce”: Bericht eines Beobachters bei Assanges Anhörung

In diesem Video schildert John Pilger, der bei Julian Assanges letzter Gerichtsanhörung dabei war, seine Perspektive der Geschehnisse.

https://www.youtube.com/watch?v=ksgT9LZT3B0&t=46s

Edward Snowden Interview – Der Tiefe Staat und wie Einzelpersonen etwas verändern können

Der Whistleblower Edward Joseph „Ed“ Snowden spricht u.a. über die Geschichte des Tiefen Staates, die Überwachungsprogramme der NSA, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie darüber, was der Einzelne tun kann, um Veränderungen zu bewirken.

https://www.youtube.com/watch?v=o_PuxUyzmLc&t=96s

Assange droht die Todesstrafe

Rechtsanwalt Gerhard Baisch von der Whistleblower-Preis-Jury über die rechtlichen Aspekte von Julian Assanges Verhaftung.

https://weltnetz.tv/video/1874-assange-droht-die-todesstrafe

Freiheit für Chelsea Manning und Julian Assange

IALANA fordert die sofortige Freilassung von Chelsea Manning (Whistleblowerpreisträgerin 2001) und Julian Assange

https://weltnetz.tv/story/1876-freiheit-fuer-chelsea-manning-und-julian-assange

Kein Ende für Assanges Martyrium in Sicht

Fast 7 Jahre ist es nun her seit Julian Assange Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft in London gesucht hat, um einer Auslieferung der britischen Behörden zu entgehen. Macht er einen Schritt vor die Botschaftstür, wird er umgehend verhaftet und höchst wahrscheinlich an die USA ausgeliefert, wo ihn eine langjährige Gefängnisstrafe oder schlimmeres erwarten würde.

https://weltnetz.tv/video/1727-kein-ende-fuer-assanges-martyrium-sicht

Wir brechen das Schweigen! #FreeAssange

Die deutsche Friedensbewegung fordert Solidarität mit Julian Assange!

https://weltnetz.tv/video/2041-wir-brechen-das-schweigen-freeassange

Hastags

#Wikileaks #JulianAssange #Assange #FreeAssange #candles4assange


Julian Assange - WikiLeaks - Der Fall Julian Assange. (Illustration: Neue Debatte)


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Reto Thumiger erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Pressenza.


Fotos und Illustrationen: Reto Thumiger und Neue Debatte

Aktivist des Neuen-Humanismus bei | Webseite

Rito Thumiger ist gebürtiger Schweizer, gelernter Kaufmann und seit über 25 Jahren Aktivist des Neuen Humanismus. Seine Anliegen sind kulturelle Vielfalt, gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle Menschen sowie eine innere und äußere Revolution, basierend auf der aktiven Gewaltfreiheit. Sein Engagement führte ihn zum Beispiel nach Ungarn, Spanien, Togo und Sierra Leone. Mit seiner freiwilligen Tätigkeit bei Pressenza Berlin möchte er der neuen Sensibilität und dem neuen Bewusstsein ein Sprachrohr verleihen und mit seinem Engagement bei der Organisation "Begegnung der Kulturen" von einem multikulturellen Nebeneinander zu einer weltweiten menschlichen Nation gelangen.

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