Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben

Kaum zu glauben, aber wahr: es gibt ein Leben außerhalb des geopolitischen Ränkespiels, dem die alternativen Medien so gerne analytisch auf den Grund gehen. Dabei braucht es über den riesigen Misthaufen, den das Gier-System permanent produziert, weder weitere Informationen noch Aufklärung – wir wissen doch, nach welchen Gesetzen das menschen- und naturverachtende System funktioniert.

Aber nein, wir schalten lieber in den Empörungsmodus, anstatt an uns selbst zu arbeiten, was dringend notwendig wäre, da der dreckige Informationsfluss unsere Köpfe immer mehr zu vergiften droht.

Waschen wir uns den Schmutz von der Seele, den wir in dieser ruhiggestellten, totalüberwachten Gesellschaft angesammelt haben. Machen wir uns wieder klar, dass wir hier nur zu Gast sind, dass es Millionen von Parallelwelten auf diesem Globus gibt, sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt. Und dass jede dieser Welten in einem eigenen Gefühlskosmos lebt und mit einem ureigenen Kommunikationssystem ausgestattet ist.

Entwickeln wir Respekt für unsere Mitbewohner auf der Erde. Öffnen wir unsere Herzen für das Mysterium der Schöpfung, von dem die Betreiber des seelenlosen Killer-Systems nicht die geringste Ahnung haben. Verschwenden wir unsere Energien nicht in einem aussichtslosen Kampf gegen sie, in dem Gewalt die einzige Option zu sein scheint. Auf diese Weise werden wir nie gewinnen.

Oscar Wilde hatte einen wunderbaren Rat parat: „Sei Du selbst! Alle anderen sind schon vergeben.“ Sehen wir also zu, dass wir authentisch und wahrhaftig bleiben, das ist die einzige Chance, die Gesellschaft von Grund auf zu verändern. Eine andere haben wir nicht.

Da fällt mir ein, was Sean Penn, dieser US-amerikanische Schauspieler, Filmregisseur und Drehbuchautor, in einem Interview gesagt hat, es erklärt unsere willfährige Gesellschaft recht gut:

„Wissen Sie, was ich glaube? Dass wir in eine Welt hineingeboren wurden, in der sich niemand mehr die Zeit nimmt, der zu werden, der er ist – und all diese Menschen, die nicht sie selbst sind, verletzen die wenigen Menschen, die sich diese Zeit nehmen.“

Wer sich jedoch diese Zeit nimmt, wer also aus der Norm tritt, der ist nicht länger manipulierbar. Wir haben ja nur uns selbst. Wir sind das einzige Medium, das uns die Welt erklärt, unsere Sinne und unser Herz sind es, über die wir sie wahrnehmen, die uns demütig und ehrfürchtig werden lassen. Was für ein süßes Gefühl, wenn man die Verbundenheit mit allem Lebendigen zu spüren beginnt und sich nicht mehr unter das Joch jener stellt, die in ihrer Egomanie sämtliches Leben mit Füßen treten, um es auf grausamste Weise zu beherrschen. Ein Armutszeugnis ohnegleichen, schließlich kann man nur etwas beherrschen wollen, von dem man sich grundsätzlich getrennt weiß.

Für all jene, die in Verbindung geblieben sind, die ihre Sehnsüchte bewahrt haben, denen Friede mehr ist als ein beständiges Zittern vor dem großen Knall, ist die augenblickliche Situation unerträglich geworden. Sie wird auch nicht besser, wenn man sich eingesteht, dass es die Verletzungen und Härten, die der kollabierende Kapitalismus flächendeckend verursacht, vermutlich braucht, damit den Menschen endlich bewusst wird, dass ihr Leben unter der Decke unserer Zivilisation zu ersticken droht.

Ich frage mich häufig, was die Herrschaften in Politik und Wirtschaft, die dieses Dilemma zu verantworten haben, umtreibt. Für den Wahnsinn derer, die sich in ihrem permanenten Krieg gegen Mensch und Natur ungestraft jede denkbare Schweinerei erlauben können, habe ich nur eine Erklärung: SIE WOLLEN BESIEGT WERDEN!

Sie dürsten nach einer Instanz, die mächtiger ist als sie. In ihrem Innersten ahnen sie, dass sie zu klein und zu unbedeutend sind für das, was ihnen da gelungen ist und was sie sich in satanistischer Solidarität weiterhin anmaßen. Sie spüren vermutlich, dass auch sie nur hilflose Wesen sind, die sich in einen schützenden Schoß werfen möchten. Sie können nicht glauben, dass sie mit ihren Mitteln tatsächlich in der Lage sind, die Welt zu zerstören.

WO IST ER DENN, EUER GOTT, DER ALLMÄCHTIGE?! Wieso erlaubt er uns über das Schicksal der Welt zu bestimmen und damit über seine ureigene Schöpfung!?

Sie sind fassungslos. Deshalb treiben sie ihre Provokationen bis zum Äußersten. Aber ihre zerstörerische Energie ist wie alles andere in die Zeit gegossen. Ihre Macht und der daraus gewonnene perverse Lustgewinn sind vergänglich. Sie wollen gebremst und bestraft werden. Erst dann sind sie in der Lage, ihre zugigen kalten Gipfel zu verlassen und wieder einzutauchen in die Wärme einer Lebensgemeinschaft, in der Menschen, Pflanzen und Tiere ein filigranes Netzwerk bilden, und in dem sich ihre erkalteten Herzen wieder zu öffnen vermögen.

Manchmal weiß ich mir einfach keine andere Antwort. Ermutigend ist das nicht. Ebenso wenig wie das folgende Gedicht von Ingeborg Bachmann, das wie ein einziges trauriges Kopfschütteln anmutet:

Wir kommen ungefragt und müssen weichen.
Doch dass wir sprechen und uns nicht verstehen
und keinen Augenblick des anderen Hand erreichen,
zerschlägt so viel: wir werden nicht bestehen.

Vielleicht sollten wir uns einfach wieder mehr Geschichten erzählen, anstatt bis zur Erschöpfung gegen ein System zu kämpfen, das sich von ganz allein abschaffen wird. Es sollten spannende Geschichten sein, Liebesgeschichten, aufregende, abenteuerliche, stille Geschichten – Geschichten, über die wir des anderen Hand erreichen…


Redaktioneller Hinweis: Das Essay „Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben“ von Dirk C. Fleck erschien bei Kenfm.de und wurde von Neue Debatte übernommen.


Unabhängige Medien zur Verbreitung von Fakten. (Illustration: Neue Debatte)


Illustration: Neue Debatte

Dirk C. Fleck (Jahrgang 1943) ist freier Journalist und Autor aus Hamburg. Er machte eine Lehre als Buchhändler, besuchte danach in München die Deutsche Journalistenschule und absolvierte Mitte der 1960er ein Volontariat beim „Spandauer Volksblatt Berlin“. 1976 siedelte er wieder nach Norddeutschland über und arbeitete bei der „Hamburger Morgenpost“, wo er Lokalchef wurde. Später war er Chefredakteur des „Hanse-Journal“, Reporter bei „Tempo“ und Redakteur bei „Merian“. Er arbeitete im Auslandsressort der Wochenzeitung „Die Woche“ und schrieb ab Mitte der 90er Jahre als freier Autor und Kolumnist für Tageszeitungen (u.a. Die Welt) und Magazine wie zum Beispiel Stern, GEO und Spiegel. Seit den 1980ern setzt er sich journalistisch mit den ökologischen Folgen der zügellosen kapitalistischen Wirtschaftsweise auseinander und verarbeitet seine Erfahrungen, Überlegungen und Recherchen in Romanen. Das Buch „Palmers Krieg“ erschien 1992 und beschäftigt sich mit der Geschichte eines Ökoterroristen. „GO! Die Ökodiktatur“ (1993) ist eine Auseinandersetzung mit den Folgen des Ökozid. Außerdem erschienen von Dirk C. Fleck die Bücher „Das Tahiti-Projekt“ (2008), „MAEVA!“ (2011), „Die vierte Macht – Spitzenjournalisten zu ihrer Verantwortung in Krisenzeiten“ (2012) und „Feuer am Fuss“ (2015).

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2 Responses

  1. Claus Meyer sagt:

    Kooperation
    So lange Menschen auf Erden sind, müssen sie miteinander kooperieren, wenn sie überleben wollen. Durch den technischen Fortschritt sind sie noch mehr voneinander abhängig geworden. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die jedem klar werden muss. Jedoch ist das heutige Geldsystem so gegensätzlich in der Wirkung, dass Kooperation dazu im Widerspruch steht. Es bedingt stets ein Denken in Konkurrenz und Wirtschaftswachstum. Es sind dabei die Superreichen als Gewinner, die sich bemühen, dass Kooperationen nicht stattfinden. Ein Großteil der Menschen ist von Geburt an so beeinflusst und geprägt, dass so diese wichtige Erkenntnis nicht vorhanden ist. Leider wird solches Denken in Kooperation oder auch Partnerschaft von den Medien nicht gepflegt.
    Dabei wäre wegen der anstehenden Öko-Katastrophe gerade im Augenblick eine unbedingte Zusammenarbeit aller erforderlich. Die Medien unterdrücken dieses Problem und und die Verantwortlichen belassen es bei großen Treffen. Es scheint, als ob die Menschen heute nicht in der Lage sind, aus Mangel an Kooperation solche Themen gemeinsam anzugehen.
    Wenn beim Geldsystem Kooperation im Vordergrund stehen würde, hätte man diese Art Umgang schon längst abgeschafft. Hier zählt doch nur das Konkurrenzdenken. Ob Firmen, ob Parteien, sie kämpfen in heutiger Zeit immer noch gegeneinander, allein eine direkte Demokratie kann ein kooperatives Denken schaffen, dann wären alle Abgeordneten ihrem Gewissen verantwortlich. Kooperation sollte auch zwischen Ländern stattfinden. Es darf nicht weiter um Machtkämpfe gehen, um die Wirtschaftskraft des Anderen zu schwächen. Auch würden Kriege und die Waffenherstellung dann der Vergangenheit angehören, wie viel Energie und Arbeitskraft kann so für bessere Zwecke verwandt werden.
    Eine Kooperation könnte beim Umgang mit Geld geradezu am Leichtesten (siehe MMT) lösbar sein, da der materielle Aufwand für eine solche Änderung sehr gering wäre, solche Akzeptanz schon schwieriger. Dieser Unsinn, dass man mit Geld Geld machen kann, gehört beendet, es ist immer nur Ausbeutung. Diese Hortung von Geld bei Wenigen muss aufhören. Geld sollte wieder zu einem echten Hilfsmittel bei einer kooperativen Zusammenarbeit werden, Machtkämpfe kann sich die Menschheit doch nicht mehr erlauben. So wie das heutige Geldsystem immer zu Machtkämpfen geführt hat, so ist auch das Konkurrenzdenken beim Umgang im Miteinander davon beeinflusst.
    Nicht Vollbeschäftigung ist erstrebenswert, dagegen ist die Vollversorgung anzustreben. Mit einem Grundeinkommen und der direkten Demokratie wären alle gefordert, sich kooperativ zu verhalten, sich kümmern. Das sollte doch erlernbar sein. Heute herrscht als Folge des Geldsystems zu viel Egozentrik und Egoismus. Dann geht es nicht mehr um Arbeitsplatzbeschaffung nicht um Steigerung des Umsatzes, sondern allein um eine gute Versorgung aller mit dem Notwendigsten, dem Erhalt aller Gemeinschaftsanlagen, immer unter geringster Schädigung von Natur und Erde. Gerade bei einer direkten Demokratie sind alle eigenverantwortlich gefordert und haben Fehlentwicklungen selbst zu verantworten. Kapitalgesellschaften müssen durch Genossenschaften ersetzt werden, wobei alle Mitarbeiter gleichzeitig auch Anteilseigner wären. Eine bessere Kooperation wäre dann nicht denkbar, Arbeitskämpfe würden schon wegen des Grundeinkommens entfallen.
    Weit haben wir uns vom sozialen Miteinander entfernt. Mit Kooperation könnte das Miteinander innerhalb einer Großfamilie optimal gelöst werden, alle könnten füreinander da sein. Kindergärten und Altenheime wären dann eine Seltenheit, wie viel Wohlgefühl würde entstehen, wie viel Tradition würde gepflegt, wie wenig würde der Staat belastet. Hier kann schon die Grundlage von Kooperation und Partnerschaft gelegt werden. Rentner wären doch bestens geeignet, bei der Ausbildung der Kinder mitzuhelfen, warum sollten sie nicht noch hilfreich sein, um nicht dem Entertainment zu verfallen.
    Die Arbeitsplätze sowie die erforderlichen Geschäfte, Schulen, Arbeitsstellen sollten immer in der Nähe liegen, die heutige Energieverschwendung durch Transporte können wir uns nicht mehr leisten. Die entstehende Zeitersparnis kann in eigener und Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden, das spart weiterhin Energie und Staatsausgaben und fördert das Miteinander.

    Wir alle sollten entdecken, dass Kooperation der einzige Weg im Miteinander sein kann. Mit dem heutigen Geldsystem ist eine Blockade vorprogrammiert, alle hergestellten Güter sind im Schnitt mit 30% Zinsen belastet und das ist das Gegenteil, die reine Ausbeutung. Nur mit MMT ist eine Kooperation möglich. Diese Erkenntnis der Kooperation muss auch für eine Zusammenarbeit mit Erde und Natur gelten. Nur so werden wir einer lebenswerten Zukunft entgegen sehen können.

  2. Ute Plass sagt:

    „…….Geschichten, über die wir die Hand anderer erreichen“.
    Gefällt mir sehr :-)

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