Ein neuer Imperialismus greift mit Raketentechnik zu allen Sternen. (Illustration: Neue Debatte)

Imperialismus: „Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“

Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung „nach dem Kapital“, „nach der Macht“ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung […] Lenin („Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Frühjahr 1916, Lenin, Werke, Bd. 22, S. 257)

Viel Hohn und Spott hagelte es für Donald Trumps Vorstoß, eine U.S. Space Force zu gründen – ebenso wie für Markus Söders Bavaria One. Was erst einmal wirkt wie der Größenwahn zweier Populisten, ist die Zukunftsmusik eines zu Realität werdenden Science-Fiction-Imperialismus, dessen Potenziale bisher unbekannt sind. Wir befinden uns vielleicht an den Anfängen der Unterwerfung der Galaxis unter die Kapitalherrschaft.

Fangen wir mit Bavaria One an. Zugegeben: Wer hätte es nicht für einen Witz gehalten? Ein Raumfahrtprogramm für Bayern und dazu noch Söders Konterfei auf dem Logo. Es hieß, der Freistaat Bayern wolle 700 Millionen Euro in den nächsten Jahren investieren um Bayern zum europäischen Standort Nummer eins für Raumfahrt zu machen. Für die Opposition war das ein großer Witz, doch wir erinnern uns, Söder ist ein Machtmensch und Bayern de facto ein Ein-Parteien-System.

Es dürfte also nicht allzu schwierig sein, solche Projekte zu realisieren, wenn man nur die eigene Partei überzeugen kann. Noch dazu versucht Deutschland selbst eine zukunftsfähige Raumfahrtstrategie zu finden. Bayern legt also vor und schafft Fakten. Enger Partner des Ministerpräsidenten ist übrigens Ulrich Walter, Professor an der TU München und ehemaliger deutscher Astronaut. Gegenüber dem Spiegel erläuterte der auch noch mal, worum es genau geht. Eben nicht um eine eigene bemannte Raumfahrt, sondern hauptsächlich um Weltmarktführerschaft im Satellitenbau. Aber auch die Erforschung und der Bau autonomer Raumfahrtsysteme ist geplant.

Bavaria One wird natürlich nicht realisiert, weil Söder ein diktatorischer Spinner mit Größenwahn ist, sondern weil er weiß, was auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in seinem 2019 erschienenem Grundsatzpapier „Zukunftsmarkt Weltraum“ feststellt:

„Unternehmensberatungen gehen davon aus, dass sich der globale Raumfahrtmarkt bis 2040 auf bis zu 2.700 Milliarden US-Dollar mehr als verzehnfachen wird.“

Die Investmentbank UBS spricht sogar von einem jährlichen Umsatz von 400 Milliarden Dollar und einer Verdoppelung bis 2030. Allein im von Bayern angedachten Markt für Satelliten- und Raketenhardware beläuft sich die Prognose auf eine Umsatzstärke von 97 Milliarden Dollar. Was also lockt, ist ein rasant wachsender Markt, der in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Grund genug für den Freistaat, Investitionsprogramme auf den Weg zu bringen, um der bayerischen Industrie unter die Arme zu greifen.

Dieses Jahr fließen die ersten 30 Millionen aus dem Etat des Freistaates, 700 Millionen sollen es in den nächsten vier bis fünf Jahren insgesamt werden. Bayern startet ein derartiges Programm übrigens nicht aus dem Nichts. Nach offiziellen Zahlen sind im Freistaat 60.000 Menschen in der Luft- und Raumfahrtindustrie angestellt und mit seinen Universitäten hat Bayern beste Voraussetzungen, auch den nötigen Wissenschaftsbetrieb zu schaffen, den ein solches Projekt erfordert.

Die ersten 25 Millionen Euro sind eben genau dahin geflossen: in die Ende 2019 in Betrieb genommene Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München in Taufkirchen/Ottobrunn (“Space Valley München”). 800 StudentInnen sollen sich bereits in die im April startende Uni eingeschrieben haben. Auf 4.000 ist sie ausgelegt. Neben der neuen, sich in Planung befindenden, hochmodernen Technischen Universität Nürnberg, ist das ein Teil der enormen Hightech-Agenda des Freistaats. Ein weiterer vorläufiger Höhepunkt und Startschuss der Bavaria One soll 2020 ein internationaler Raumfahrt-Gipfel in Bayern werden.

Man bedenke noch mal, das Projekt ist erst 2018 vorgestellt worden. Der Freistaat lässt also nichts anbrennen, um öffentliche Gelder schnellstmöglich wirksam zu investieren.

Schaut man sich die restlichen Projekte dieser Hightech-Offensive an, wird klar, dass die Landesregierung gemeinsam mit diversen Industriepartnern versucht, Bayern fit zu halten, um bei den internationalen Trends nicht hinterherzuhinken. Bayerischem Kapital soll ermöglicht werden am Weltmarkt bestehen und expandieren zu können.

Propagandistisch sind Söders Ideen gut verkauft, zukunftsgerichtet und immer mit Blick auf die Klimakrise, zum Nutzen der Umwelt und zum Fortschritt der gesamten Menschheit. Somit legitimiert er gleichzeitig seine Politik und kann ebenso den Grünen – Bayerns stärkster Oppositionspartei – den Wind aus den Segeln nehmen.

Während die CSU mit ihrem Raumfahrtprogramm dem Kapital, ganz im Sinne des Staates als ideellem Gesamtkapitalist, dabei Hilfestellung leistet die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen in die Wege zu leiten und in die dazu benötigte technisch-wissenschaftliche Forschung investiert, um deutschem Kapital ein Stück vom New-Space-Markt zu ermöglichen, stellt Donald Trumps neu geschaffene U.S. Space Force einen von mehreren zentralen Teilen einer Vision dar, die Grundlage der Verwirklichung kühnster Science-Fiction-Fantasien sein könnte.

Dass diese Fantasien nicht dem Utopismus des genialen sozialistischen Autors Alexander A. Bogdanow entsprechen, sondern den Vorstellungen des Imperialismus, lässt wenig Raum für Freude.

Über die tatsächlichen Ziele jedoch herrscht Unwissen. Dieses Unwissen ist besonders den liberalen Medien geschuldet. In Zeiten der voranschreitenden Rechten offenbaren sie, dass das liberale Bürgertum keinerlei handlungsfähige Politik gegenüber den Rechten zustande bringt, weswegen es mit Verunglimpfungen versucht, den politischen Konkurrenten ins Lächerliche zu ziehen. Leider schließt sich dem die internationale Linke an. Hier ist Vorsicht geboten.

Denn Amerika ist keine Autokratie, hinter Trump steht eine Armada von politischen und ökonomischen Strategen. Es handelt sich also nicht um die Träumereien eines erwachsenen Mannes, der jetzt, da er an der Macht ist, seine Kindheitsfantasien auslebt – oft genug wurden Assoziationen zwischen Trumps Plänen und dem Imperium der Star-Wars-Saga gezogen – sondern um eine Strategie, die im Wesentlichen den veränderten Konkurrenzbedingungen am Weltmarkt und auch dem „America First!“ Rechnung trägt.

Das kurze Zeitalter des Friedens

Die Raumfahrtprogramme von NASA, ESA, ROSCOSMOS und weiteren sind von tiefer Kooperation geprägt. Gemeinsam sind sie die Hauptakteure auf der International Space Station (ISS), welche nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eines der zentralen Projekte internationaler wissenschaftlicher Kooperation geworden ist.

Mit derartigen Projekten hat sich die Staatengemeinschaft auf eine friedliche Zukunft eingeschworen. Doch statt dem langersehnten Frieden folgte auf den Zusammenbruch der Sowjetunion eine neue kriegerische Phase der imperialistischen Nationen. Der gesamte Ostblock war offen und somit bereit von westlichem Kapital und Waren überschwemmt zu werden.

Jeder wollte einen Platz an den neuen Märkten, doch Russland konnte sich seine Dominanz in weiten Teilen sichern. Wo die Imperialisten, allen voran USA und BRD, die Möglichkeit zur Einflussnahme sahen, griffen sie zu. So dauerte das neue friedliche Zeitalter keine zwei Jahre, als – unter Federführung Deutschlands – Jugoslawien destabilisiert, mithilfe nationalistischer Kräfte zerschlagen und dann mit Krieg endgültig der russischen Einflussnahme entzogen wurde. Seither rücken NATO und EU immer weiter an russische Grenzen vor.

Doch als beide 2014 einen Putsch in der Ukraine unterstützten – der im Wesentlichen von faschistischen Kräften getragen wurde – um dort die korrupte russlandtreue Regierung durch eine korrupte europatreue Regierung zu ersetzen, was die deutsche und amerikanische Einflussnahme und damit auch die Gefahr einer NATO-Osterweiterung direkt bis zur russischen Grenzen gebracht hat, explodierte das internationale Gefüge und für alle Menschen war sichtbar, dass es ein Potenzial für einen neuen Weltkrieg gibt.

Im weiteren Verlauf annektierte Russland die Krim und kämpft an der Seite von Separatisten in der Ostukraine gegen die von der NATO unterstütze neue ukrainische Regierung. Seitdem sind große Teile der internationalen Kooperation nahezu zusammengebrochen und der Krieg hat längst Ausmaße eines neuen Kalten Kriegs unter anderen Voraussetzungen angenommen.

In puncto Raumfahrt hat dies für die westlichen Länder eine besondere Bedeutung, denn Russland ist das einzige – an der ISS beteiligte – Land, das über eine funktionierende bemannte Raumfahrt verfügt.

Alle AstronautInnen werden von Russland aus mit Sojus-Trägerraketen zur ISS gebracht. Das einzig andere Land, das über eine funktionierende bemannte Raumfahrt verfügt, ist China und mit diesem gibt es de facto ein Kooperationsverbot im Bereich der Raumfahrt. Aufgrund der veränderten internationalen Konkurrenzbedingungen und den Alleingängen der Amerikaner, nähern sich ESA, ROSCOSMOS und Guójiā Hángtiānjú (Nationale Raumfahrtbehörde Chinas) jedoch immer mehr an.

Den USA selbst fehlt es, seitdem Obama inmitten der Krise (2011) das Shuttle-Programm einstellen lies, an eigenen Möglichkeiten, AstronautInnen ins All zu schießen. Sie sind also abhängig und internationale Abhängigkeit ist der US-Rechten ein Dorn im Auge. Auch hier soll es ihr Shooting Star Trump richten. Inwiefern diese ökonomischen Alleingänge tatsächlich einen Vorteil für die USA bringen, ist jedoch umstritten.

Bewiesen ist andererseits, dass dort wo Kapital nicht auf Kooperation setzt, der knallharte und auch zum Krieg bereite imperialistische Wettkampf um Einfluss zunimmt. In der jetzigen Situation hat dies Weltkriegspotenzial.

Science-Fiction des Imperialismus

Um eine Relation herzustellen, mal ein paar Zahlen: Das Budget der NASA beträgt für 2020 22,6 Milliarden Dollar (0,48 % des Bundesbudgets). Zum Vergleich: Das Budget der ESA lag 2018 bei 5,6 Milliarden Euro (circa 6,11 Milliarden Dollar), das der Volksrepublik China lag 2017 bei 8,4 Milliarden Dollar. Trump verdeutlicht auch noch mal wie wichtig ihm das Programm ist: Das NASA-Budget soll ab Ende 2020 auf 25 Milliarden angehoben werden. Das entspräche einer Steigerung des NASA-Budgets um circa 6 Milliarden Dollar seit Beginn der Präsidentschaft Trumps. Das Budget von ROSCOSMOS wurde dem entgegen auf 3 Milliarden gekürzt.

Mit massiven Investitionen versucht Trump, die Dominanz der amerikanischen Nationalökonomie am Weltraummarkt zu stärken. Neben den Bestrebungen der NASA gibt es seit fast 10 Jahren einen starken Privatsektor im Bereich des Raketenbaus und der Weltraumlogistik. Unternehmen wie das des Milliardärs und Internet-Clowns Elon Musk (Space X) oder das des Ausbeutergiganten und Amazon-Chefs Jeff Bezos (Blue Origin) konkurrieren international um Spitzenpositionen. Das Hauptziel ist es, wiederverwertbare Raketen zu bauen, was Weltraumflüge enorm verbilligen würde.

Ebenso werden sie mit diversen Staatsaufträgen bedacht, um die notwendigen logistischen Probleme zu lösen, die einer Mond- beziehungsweise Marsbesiedlung im Wege stehen.

Neben den enormen Kosteneinbrüchen beim Satellitenbau, in dem Bayern großes Potenzial für sich entdeckt hat, der Zukunft der Raketentechnologie (ohne Besatzung, wiederverwertbar) gilt das Augenmerk der Weltraumwirtschaft dem Tourismus. Vor allem die genannten US-Konzerne wollen zukünftig so weit sein, Weltraumtourismus für das zahlungskräftige Publikum massenfähig zu machen. Es gibt bereits Pläne, die ISS, deren Betrieb in diesem Jahrzehnt eingestellt werden soll (beziehungsweise sie soll privatisiert werden), als eine Art Hotel zu betreiben. Wie genau das funktionieren soll, ist jedoch unklar, es ist nämlich der amerikanische Teil der ISS ohne den russischen nicht überlebensfähig und die Russen überlegen zumindest ihren Teil zu nehmen und in Eigenregie weiter zu betreiben und auszubauen.

China wiederum baut sehr ambitioniert seine eigene hochmoderne Weltraumstation Tiāngōng (Himmelspalast) auf und die aufgrund des US-Protektionismus zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Kooperation zwischen EU und China dürfte für alle Seiten einige Vorteile bringen.

Was auch immer die diversen Staaten planen, die USA haben einen Plan, sich die Dominanz im All zu sichern und wie immer in der Geschichte des US-Imperialismus wollen sie dies über enorme Mehrausgaben im Haushalt und durch ihren gigantischen Militärapparat absichern.

Es konnte ganz gut aufgezeigt werden, wie sich die internationalen Bedingungen in der Raumfahrt entwickeln. Es wird Zeit, sich das zentrale Projekt der Trump-Administration anzuschauen, denn während sich der Kampf um Anteile am Satellitenbau und der dazugehörigen Raumfahrt noch auf dem klassisch irdischen Niveau der Weltmarktkonkurrenz bewegt, verspricht das ambitionierte Projekt Moon to Mars der erste Schritt zu einem Weltraummarkt zu werden.

Am Moon to Mars Projekt hängen zentrale Bestandteile einer eigenständigen US-Raumfahrt. Insgesamt geht es darum, innerhalb dieses Jahrzehnts in ungefähr 14 Schritten eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond zu errichten, von der aus sowohl der Abbau von Ressourcen im All, als auch die Marsexpedition und seine diversen Faktoren (wie kann dauerhaftes Leben und die Versorgung dort sichergestellt werden, physische und psychische Auswirkungen auf den Menschen) getestet werden. Diese Erkenntnisse sollen der weiteren Erschließung des Weltalls zu nutzen.

Das Projekt selbst hat drei zentrale Bausteine:

Das Space Launch System

Beim SLS handelt es sich um eine sogenannte Trägerrakete. In verschiedenen Stufen soll diese die notwendige Schubkraft aufbringen, um das an der Spitze angedockten Orion-Raumschiff zum Ziel zu bringen.

Ein eigenes Trägersystem ist zentraler Bestandteil einer eigenen Raumfahrt. Ohne ein solches gibt es keine Möglichkeit, die Erdanziehung zu überwinden. Das Spezielle am SLS ist, dass es sowohl mit der Zeit ausgebaut werden soll, zum einen, um mehr Traglast zu ermöglichen, und zum anderen um weitere Strecken zurücklegen zu können. Es soll das Trägersystem der Zukunft werden, dass für Deep Space Flüge (also Flüge weit jenseits des Erdorbits) eingesetzt werden kann.

Die derzeitige SLS-Konfiguration (Block I) ist fast hundert Meter größer als die Freiheitsstatue und soll 15 % mehr Schubkraft erzeugen können als die Saturn V, welche damals für den ersten Flug zum Mond entwickelt wurde. Geschätzte Geschwindigkeit des SLS: 39.429 km/h.

Das Orion-Raumschiff

Vor über 5 Jahren hatte die Orion ihren ersten Testflug, bei welchem sie angeblich schneller und weiter flog als jedes Raumschiff, das in den letzten 40 Jahren für den Transport von Menschen gebaut wurde. Ihre erste richtige Mission jedoch wird Artemis I werden.

Das Ziel der Mission ist es, 2024 „die erste Frau und den nächsten Mann“ auf den Mond zu bringen. Sie legt den Grundstein für das neue Zeitalter der bemannten Mondreisen. Das zentrale Servicemodul, welches die gesamte Versorgung der Kapsel sicherstellt, wurde vom deutschen Rüstungskonzern Airbus Defence and Space (ehemals EADS) in Bremen gebaut.

Das Mond-Gateway

Dabei handelt es sich um eine kleine Raumstation, die vom Mondorbit aus sowohl Erde, Mond, Sonne und Mars erforschen soll, als auch den AstronautInnen die Möglichkeit geben soll, das Leben fernab der Erde und das Steuern in verschiedenen Orbits zu erproben. Von dort aus sollen ebenfalls Expeditionen zum Mond gestartet werden können, bei denen wissenschaftliche Forschungen vorangetrieben werden sollen.

Mithilfe modernster Technologie sollen dort Möglichkeiten zur (Selbst-)Versorgung im All erprobt werden, ebenso aber auch der Abbau von Ressourcen. Dies dürfte besonders für das Kapital von Interesse sein. Der Weg zum kosteneffizienten Ressourcenabbau im All dürfte aber noch in ferner Zukunft liegen [*]. In nicht allzu ferner Zukunft soll hingegen das Gateway als eine Zwischenstation zum Mars dienen, von dort aus könnten nämlich Raketen betankt und damit der stufenweise Flug zum roten Planeten gewährleistet werden. Das erste Modul soll 2022 in den Mondorbit geschickt werden. Nach einer Testphase sollen weitere Module folgen, 2026 soll die Station fertig sein.

Wie wir sehen können hat die US-Administration große Pläne, auch wenn sie ihren eigenen Zeitplan schon nicht mehr einhalten kann – was bei solchen Projekten durchaus üblich ist.

Wichtig ist aber festzuhalten, dass es sich dabei zwar um amerikanische Pläne handelt, die unter Regie der NASA durchgeführt werden, wie aber bereits erwähnt sind in alle Projekte sowohl privatwirtschaftliche Unternehmen als auch andere Space Agencies mit einbezogen. Konkurrenz und Kooperation sind Grundlagen des Fortschritts im Kapitalismus, auch wenn dieser monopolistisch ist. Monopole sind angreifbar, besonders wenn sie falsch planen und bei neuen Investitionsmöglichkeiten untätig bleiben. Es stellt sich also die Frage, was hat es dann mit dem Moon to Mars auf sich? Soll damit ein neuer Markt erschlossen oder die wissenschaftliche Forschung vorangetrieben werden?

Amerikas Griff nach den Sternen

Es gibt sicherlich verschiedenste Gründe für eine derartige Weltraum-Offensive. Im Bereich der Forschung hängen an der Raumfahrt viele Aspekte von Zukunftstechnologien (sowohl militärisch wie zivil). China investiert Unsummen und schreitet rasant voran, die USA wollen da nicht hinterherhinken. Der Run zum Mars ist sowohl Kennziffer, als auch ideologischer Moment eines neuen internationalen Kräftemessens – das auch schon diverse kulturindustrielle Auswüchse angenommen hat. Es soll sich also bestmöglich positioniert werden, um an einem zukunftsträchtigen Mark möglichst viele Anteile zu erobern.

Wie wir gesehen haben, investiert die US-Administration gigantische Geldbeträge in den technologisch-wissenschaftlichen Fortschritt und schafft Anreize für privates Kapital, ebenfalls zu investieren. Dadurch wird sowohl der eigene Raumfahrtmarkt angetrieben als auch die eigene Position am Weltmarkt ausgebaut. Eine politische Komponente ist der Protektionismus.

Geld wird unter anderem dadurch mobilisiert, dass internationale Projekte – wie die ISS – fallen gelassen und, wo möglich, gewinnbringend privatisiert werden. Das erlaubt es den USA, Kapital abzuziehen und in die eigene Entwicklung zu stecken. Genau deswegen ist Trump die richtige Figur für das US-Kapital.

Er – als Medienfigur – verkörpert das alte US-dominierte Zeitalter mit seinen kulturindustriellen Auswüchsen á la Zurück in die Zukunft und Star Wars. Er verkörpert also genau die – in diesen krisenhaften Zeiten Sicherheit bietende – popkulturell aufgeladene Rückwärtsgewandtheit, die dem Run zum Mars und der neuen imperialistischen Offensive gegen China und Russland die notwendige ideologische Rechtfertigung liefert.

Die veränderte Lage verlangt auch nach der nötigen militärischen Absicherung. Der Kriegsschauplatz hat sich längst auf das Internet ausgedehnt, durch den technologische Fortschritt, auch im Militärwesen, sind diverse neue Infrastrukturen als zentrale Angriffsziele in den Vordergrund gerückt. Jede fortschrittliche Armee hat heute ihr eigenes Netz von Satelliten zur Kommunikation der Streitkräfte, zur Überwachung von gegnerischem Gebiet und für die bei einem Angriff einzukalkulierenden „natürlichen Ereignissen“.

Eine hybride Kriegsführung hat den Krieg sogar auf die Köpfe der gegnerischen Bevölkerung ausgeweitet. Um dafür gerüstet zu sein, braucht es neben mehr Rechenkapazität und Arbeitskraft ein umfassendes Netz von Satelliten zur Erweiterung der Übertragungsmöglichkeiten. Die Struktur, Ausrüstung und Unterstützung (aus der Bevölkerung und von befreundeten Staaten) die man im Krieg selber gebraucht, hat der Gegner im besten Falle nicht. Wenn er sie doch hat, muss sie ausgeschaltet werden, um den eigenen Vorteil zu stärken. Das heißt im Notfall Satelliten auszuschalten. Dies ist eben auch die Aufgabe der Space Force: vom Boden aus durch Hacking fremde Systeme auszuschalten und eigene in Betrieb zu nehmen und zu sichern.

Gleichzeitig wird mit konzentrierten (Des-)Informationskampagnen versucht, das eigene Volk auf Linie zu bringen und das gegnerische gegen den eigenen Staat aufzubringen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass unbemannte, bewaffnete Drohnen im All zum Einsatz kommen könnten, um gegnerische Satelliten physisch auszuschalten. Das gar nicht mehr so geheime Geheimprojekt X-37B, lässt derartige Schlüsse über mögliche Entwicklungstendenzen zumindest zu.

Plötzlich klingt eine Space Force gar nicht mehr so irre, oder? Es verdeutlicht auch noch mal was für ein imperialistisches Must-have Satelliten darstellen. Einmal mehr zeigt sich, dass das Kapital wandlungsfähige Strategien zur Herrschaftssicherung aufstellt, ebenso zeigt dies auch, wie sehr Linke dem gedanklich hinterher sind, wenn sie dies nur belächeln.

Klar ist also, dass Trump und Söder nicht einfach zwei irre Selbstdarsteller sind, die, um das eigene Ego zu polieren, gigantische Haushaltssummen aufwenden lassen, sondern politische Figuren, die im Sinne ihres Staatsauftrags, dem Kapital das notwendige Know-how zur Verfügung stellen, um auch in Zukunft im imperialistischen Machtkampf, sich das größtmögliche Stück vom Kuchen sichern zu können.


Quellen und Anmerkungen

[*] Ressourcenabbau im All wird ja nicht erst seit den ökologischen Debatten rund um Ressourcenknappheit und Raubbau als Alternative diskutiert. Natürlich würde das Kapital eher andere Länder unterjochen oder andere Planeten erobern, als – ohne dabei profitieren zu können – die Produktion ökologisch zu gestalten.

Für uns als KommunistInnen sollte sowieso klar sein, dass die Produktion nur dann ökologisch gestaltet werden kann, wenn dem Kapital das Kommando entzogen wird und wir unter anderen Maßregeln die Produktion (und ihren Sinn und Zweck) neu gestalten. Ein Weltraummarkt, in dem die verschiedenen Zugriffs- und Abbaurechte aufgeteilt sind, sowie die nötige militärische Absicherung dessen, gilt aus heutiger Perspektive als geradezu wahnwitzig. Allein die gigantischen Summen, die aufgebracht werden müssten, um auch nur eine ernsthafte Grundlage dafür zu legen, sind unvorstellbar. Es darf also angenommen werden, dass wir in den nächsten Jahrzehnten keine Weltraumökonomie aufbauen.

Ob der Konkurrenzkampf auf der Erde und eventuelle tatsächliche Ressourcenknappheit dem doch Auftrieb geben sollten, liegt in unbekannter Zukunft. Doch bevor der Imperialismus mit seiner kriegerischen Gewaltpolitik das All erobert, sollten wir hier auf der Erde endlich mit ihm Schluss machen, um als geeinte Menschheit im Kommunismus das All friedlich als wissenschaftliche Pioniere zu durchqueren.


Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von Vidar Lindström erschien beim Autonomie Magazin – Magazin für Autonomie, Selbstermächtigung und Kommunismus und wurde von Neue Debatte übernommen, um eine kritische Diskussion über den technologischen Wettlauf und die ausufernde Konkurrenz in der Raumfahrt anzuregen. Einzelne Absätze wurden zur besseren Lesbarkeit im Netz hervorgehoben.

Das Autonomie Magazin versteht sich als Kollektiv. Es besteht aus organisierten, autonomen linken ArbeiterInnen. Sie wollen revolutionäre Geschichte vermitteln, über aktuelle Kämpfe berichten und eigene Analysen und Aufrufe verbreiten. Dies alles mit dem Schwerpunkt Autonomie und Selbstermächtigung. Als Magazin Kollektiv wollen sie ihren Teil dazu beitragen, alle Bewegungen zu stärken, die mit ihnen den Weg gehen wollen hin zu einer freien kommunistischen Gesellschaft.


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Illustration: Neue Debatte

Vidar Lindström ist Autor beim Autonomie Magazin. Das Autonomie Magazin versteht sich als Kollektiv. Es besteht aus organisierten, autonomen linken ArbeiterInnen. Sie wollen revolutionäre Geschichte vermitteln, über aktuelle Kämpfe berichten und eigene Analysen und Aufrufe verbreiten. Dies alles mit dem Schwerpunkt Autonomie und Selbstermächtigung.

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