Der Fürst von Niccolò Machiavelli ist ein Standardwerk. (Illustration: Neue Debatte)

Niccolò Machiavelli: Erst „Der Fürst“ und dann „Der Pate“

… die Staatspolizei holte ihn ab. Sie brachen ihm die Hände, damit er nichts mehr aufschreiben konnte.

Niccolò Machiavelli

Macht verführt. Sie verströmt eine gespenstische Faszination. Wird Macht unantastbar, gedeihen Willkür und Brutalität. Es sind sichere Zeichen dafür, dass die schweren Ketten, die die Macht beschränken müssen, abgestreift wurden. Egoismus und Gewalt übernehmen die Positionen allgemeiner verbindlicher Werte, von Mitgefühl, Humanität und Verantwortung. Es geht dann nur noch um die Durchsetzung eigener Interessen.

„Ich wage zu behaupten, dass es sehr nachteilig ist, stets redlich zu sein; aber fromm, treu, menschlich, gottesfürchtig, redlich zu scheinen ist sehr nützlich.“

Niccolò Machiavelli

Der italienische Philosoph Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) suchte die Nähe zur Macht. In seinen Werken Der Fürst und Discorsi analysierte er sie, beeinflusst durch die sozialen Widersprüche seiner Zeit, die Dominanz und Herrschaft der Familie der Medici sowie die europäische Kleinstaaterei. Bis heute sind Machiavellis Betrachtungen fundamental für Staatstheorie und Staatsrecht.

Der Pate

Legt man Der Fürst zur Seite und greift zu Mario Puzos Epos Der Pate, in dem der Aufstieg einer Mafiafamilie zur bedeutensten Verbrecherorganisation in den USA beschrieben wird, so sind Parallelen unverkennbar: Die Verbrecher folgen den Leitsätzen Machiavellis.

Niccolò Machiavelli, Der Fürst; Discorsi und Mario Puzo, Der Pate (Quelle: YouTube/Gerhard Mersmann)

Informationen zum Buch

Der Fürst

Autor: Niccolò Machiavelli
Genre: Politische Philosophie
Übersetzung: Friedrich von Oppeln-Bronikowski
Sprache: Deutsch
Seiten: 165
Veröffentlichung: 1990 (Ersterscheinung 1532)
Verlag: Insel Verlag
ISBN: 978-3-458-32907-7



Illustration und Video: Neue Debatte und Gerhard Mersmann

Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann studierte Politologie und Literaturwissenschaften, war als Personalentwickler tätig und als Leiter von Changeprozessen in der Kommunalverwaltung. Außerdem als Regierungsberater in Indonesien nach dem Sturz von Haji Mohamed Suharto. Gerhard Mersmann ist Geschäftsführer eines Studieninstituts und Blogger. Seine gegenwärtigen Schwerpunkte sind Beratung, Lehre und Publizistik. Auf Form7 schreibt er pointiert über das politische und gesellschaftliche Geschehen und wirft einen kritischen Blick auf das Handeln der Akteure.

Wie ist Deine Meinung?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Journalismus und Wissenschaft von unten